London:
Millwall gegen West Ham.
Es gibt Fußballspiele, bei denen man erst erklären muss, warum sie etwas Besonderes sind. Hier reicht es fast schon, die beiden Vereinsnamen hinzuschreiben.
Millwall. West Ham.
Fertig.
Wer sich mit englischem Fußball beschäftigt, denkt sofort an London, Arbeiter, Docks, Kneipen, East End, South London, Hooligans und Polizei.
Mich hat deshalb die Frage interessiert: Warum hassen sich Millwall und West Ham eigentlich so sehr?
Ich habe englische Vereinschroniken, Londoner Zeitungsberichte, historische Texte und wissenschaftliche Arbeiten verglichen. Das Ergebnis: Die wirkliche Geschichte ist komplizierter als die Legende – und gerade deshalb interessanter.
Zwei Arbeitervereine – aber keine zwei rivalisierenden Werften
Eine der bekanntesten Geschichten lautet, beide Vereine seien von Arbeitern zweier konkurrierender Schiffswerften gegründet worden. Die Firmen hätten um Aufträge gekämpft, die Arbeiter seien Rivalen gewesen und irgendwann sei die Feindschaft auf den Fußball übergesprungen.
Klingt gut. Stimmt nur so nicht.
Millwall wurde 1885 auf der Isle of Dogs gegründet. Die Gründer kamen überwiegend aus dem Umfeld der Firma J. T. Morton. Das war keine Schiffswerft, sondern ein Lebensmittel- und Konservenbetrieb. Selbst auf West Hams eigener historischen Seite findet sich der Hinweis auf Mortons „canning and preserve factory“.
West Hams Vorgänger Thames Ironworks FC wurde dagegen 1895 tatsächlich im Umfeld der Thames Ironworks and Shipbuilding Company gegründet. Hier gab es also wirklich Werftarbeiter, Metallarbeiter und Schiffbau.
Der wahre Kern lautet deshalb eher: Zwei Arbeitervereine entstanden in derselben rauen industriellen Welt der Londoner Docklands.
Nicht ganz so schön wie die Geschichte von den zwei verfeindeten Werften – aber historisch sauberer.
Millwall war ursprünglich noch gar nicht South London
Heute denkt man automatisch:
West Ham = East London.
Millwall = South London.
Die Themse dazwischen, fertig ist die Rivalität.
Nur war das am Anfang überhaupt nicht so.
Millwall spielte seine ersten 25 Jahre auf der Isle of Dogs – also ebenfalls nördlich der Themse und damit im Osten Londons. Erst 1910 zog der Verein nach New Cross auf die Südseite des Flusses.
Das steht sogar in West Hams eigener Chronik. Interessanterweise widerspricht sich die West-Ham-Homepage an anderer Stelle und schreibt, Millwall sei schon 1901 nach North Greenwich „südlich der Themse“ gezogen. Das ist geografisch falsch, denn dieser damalige North-Greenwich-Platz lag noch auf der Isle of Dogs.
Schon daran sieht man, wie leicht kleine Fehler zu großen Geschichten werden. Die Rivalität entstand ursprünglich also nicht als South gegen East London, sondern zwischen Vereinen aus derselben industriellen Gegend.
Am Anfang offenbar noch keine Erbfeindschaft
Ende der 1890er Jahre trafen beide Vereine erstmals aufeinander. Schon diese Spiele zogen viele Zuschauer an.
Aber einen Beleg dafür, dass man sich damals bereits so hasste wie später, habe ich nicht gefunden.
Im Gegenteil: West Hams eigene Vereinsgeschichte berichtet, dass 1901 sogar über eine mögliche Fusion von West Ham und Millwall geschrieben wurde, weil Millwall einen neuen Platz brauchte.
Natürlich heißt das nicht, dass beide Fangruppen freundschaftlich Arm in Arm durch die Docklands liefen. Aber eine diskutierte Fusion passt schlecht zur Vorstellung einer seit Anbeginn bestehenden Erbfeindschaft.
Mein Eindruck: Der Hass war nicht plötzlich da. Er ist gewachsen.
Und wachsen konnte er reichlich
Denn Millwall und West Ham spielten damals ständig gegeneinander. Teilweise trafen sie in mehreren Wettbewerben innerhalb einer Saison immer wieder aufeinander.
Millwall war zunächst der ältere und sportlich erfolgreichere Verein. West Hams eigene historische Seite schreibt, dass Millwall sieben der ersten zehn Ligaduelle gewann.
1903 gab es sogar ein 7:1 für Millwall.
Ein 1:7 gegen den Nachbarn ist jedenfalls selten der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Und der Gegner wohnte womöglich nur ein paar Straßen weiter, arbeitete im selben Betrieb oder saß im selben Pub.
1906 wird es erstmals richtig ernst
Am 17. September 1906 spielte West Ham gegen Millwall.
Zu diesem Spiel gibt es einen zeitgenössischen Bericht des “East Ham Echo”, auf den sich später auch der Soziologe Ramón Spaaij in seiner Untersuchung „Understanding Football Hooliganism“ bezieht.
Das Spiel war ausgesprochen hart. West-Ham-Spieler Len Jarvis schleuderte Millwalls Alf Dean gegen eine metallene Begrenzung. Dean konnte danach nicht weiterspielen.
Der East Ham Echo schrieb sinngemäß, dass sämtliche Versuche, Fußball zu spielen, irgendwann ignoriert worden seien.
Noch wichtiger: Auch unter den Zuschauern kam es nun zu zahlreichen Schlägereien.
Anschließend schaltete sich sogar die Football Association ein und verlangte Maßnahmen beziehungsweise Warnungen gegen weitere Ausschreitungen.
Damit haben wir erstmals etwas Handfestes: keinen späteren Pub-Mythos, sondern einen zeitgenössischen Bericht. Spätestens 1906 war Millwall gegen West Ham offenbar mehr als ein normales Lokalderby.
1910 kommt der Fluss ins Spiel
Dann zog Millwall nach South London.
Und plötzlich bekam die Rivalität eine neue Bedeutung:
East gegen South.
West Ham wurde immer stärker mit dem East End verbunden. Millwall mit New Cross, Bermondsey, Rotherhithe und South-East London.
Dabei waren sich beide Milieus eigentlich erstaunlich ähnlich: Arbeiter, Docks, Fabriken, kleine Häuser, Pubs, enger Zusammenhalt und Stolz auf das eigene Viertel.
Der Soziologe Les Back, selbst Millwall-Anhänger, hat genau darauf hingewiesen: Manchmal ist derjenige der größte Rivale, der einem selbst besonders ähnlich ist.
Vielleicht steckt darin tatsächlich etwas.
Beide Seiten konnten sagen:
Wir sind das echte Arbeiter-London.
Wir sind hart.
Wir halten zusammen.
Wir lassen uns nichts gefallen.
Nur können schlecht beide gleichzeitig die härtesten Jungs Londons sein.
1926 – die berühmte Streikbrecher-Geschichte
Jetzt kommt einer der bekanntesten Mythen.
Beim Generalstreik von 1926 hätten die Leute aus dem West-Ham-Umfeld gestreikt, während die Millwall-Leute weiterarbeiteten und deshalb als „scabs“, also Streikbrecher, galten.
Seitdem Hass.
Auch der Independent hat diese Geschichte später noch ziemlich unkritisch wiederholt.
Das Problem: Bei genauerem Hinsehen bekommt sie erhebliche Risse.
In einer historischen Untersuchung über den Generalstreik in Southwark findet sich zum Beispiel eine bemerkenswerte Zahl. In den Surrey Docks – mitten im späteren Millwall-Gebiet – arbeiteten ungefähr 2.000 Männer.
Am ersten Streiktag erschienen davon offenbar gerade einmal sieben zur Arbeit.
Sieben.
Für eine angebliche Hochburg der Streikbrecher ist das eine eher überschaubare Quote.
Und dann bleibt das größte Problem: 1906 hatten sich Millwall- und West-Ham-Anhänger bereits geprügelt. Der Generalstreik kam zwanzig Jahre später.
Er kann also unmöglich der Ursprung der Rivalität gewesen sein.
Trotzdem kann der Mythos später wichtig geworden sein. Wer über Generationen hört „Die haben unsere Leute damals verraten“, bekommt für eine vorhandene Feindschaft plötzlich eine moralische Begründung.
Mythen müssen nicht wahr sein, um Wirkung zu entfalten.
Dann kommen die Krays und Richardsons
In den 1950er und 1960er Jahren bekommt die Geschichte plötzlich etwas von einem Londoner Gangsterfilm.
Im East End: Ronnie und Reggie Kray.
Südlich der Themse: Charlie und Eddie Richardson.
Die Rivalität dieser Gangstergruppen war real.
Irgendwann entstand daraus auch die schöne Fußballgleichung:
Krays = West Ham.
Richardsons = Millwall.
Bei Charlie Richardson ist die Millwall-Verbindung tatsächlich gut belegt. In seiner eigenen Autobiografie schreibt er über Millwall als seinen lokalen Verein und erzählt, dass er regelmäßig im alten Den auf den Terraces stand.
Bei den Krays ist die Sache deutlich unsicherer. Spätere Zeitungsberichte ordnen sie West Ham zu, aber einen ähnlich klaren autobiografischen oder zeitgenössischen Beleg habe ich bislang nicht gefunden.
Vielleicht waren sie West-Ham-Fans, vielleicht war die Verbindung lockerer. Wichtiger ist: Die Krays standen symbolisch für das East End, die Richardsons für South London.
Damit bekam die Fußballrivalität eine weitere kulturelle Ebene: East gegen South – und wieder die Frage, wer die härteren Jungs seien.
Dann verschwindet die alte Welt der Docks
Ab den 1960er Jahren verschwanden nach und nach jene Arbeitswelten, aus denen beide Vereine hervorgegangen waren.
Docks schlossen.
Firmen verschwanden.
Arbeitsplätze gingen verloren.
Stadtteile veränderten sich.
Natürlich gilt nicht: Dockschließung = Hooliganismus. Aber wenn Fabriken, Arbeitsplätze und alte Nachbarschaften verschwinden, kann der Club als Symbol umso wichtiger werden: Das sind wir. Daher kommen wir. Und damit gewinnt auch der Rivale an Bedeutung.
F-Troop, Bushwackers und die ICF
Spätestens in den 1960er und 1970er Jahren verändert sich der englische Fußball grundlegend.
Junge Fangruppen beanspruchen Tribünenbereiche, Auswärtsfahrten werden teilweise zur Mutprobe und für bestimmte Gruppen geht es längst nicht mehr nur um das Ergebnis.
Bei Millwall spielte in den 1970er Jahren zunächst die berüchtigte „F-Troop“ eine wichtige Rolle. Aus diesem Umfeld entwickelte sich später jene gewaltbereite Szene, die vor allem unter dem Namen „Millwall Bushwackers“ bekannt wurde.
Auf West-Ham-Seite entstand schließlich die berühmte Inter City Firm, kurz ICF.
Nun ging es zusätzlich um Ruf: Wer fährt wohin, wer bleibt stehen, wer taucht beim Gegner auf, wer gilt als besonders gefürchtet?
Damit bekam Millwall gegen West Ham eine neue Ebene: Wer ist härter – East oder South London?
1972 – das „Freundschaftsspiel“
Ein wichtiger Moment war offenbar das Testimonial-Spiel für Harry Cripps im Jahr 1972.
Cripps war eine Millwall-Legende, hatte aber ausgerechnet bei West Ham begonnen.
Eigentlich eine schöne Verbindung.
Eigentlich.
Rund um das Spiel kam es jedoch zu heftigen Auseinandersetzungen. In Spaaijs Untersuchung wird dieses Spiel als wichtiger Punkt bei der Verfestigung der modernen Hooligan-Feindschaft zwischen beiden Lagern beschrieben.
Die Rivalität war viel älter, aber die Hooliganfeindschaft bekam hier offenbar noch einmal kräftig Brennstoff.
1976 wird es bitterer Ernst
Vier Jahre später starb der Millwall-Anhänger Ian Pratt nach einer Auseinandersetzung mit West-Ham-Fans am Bahnhof New Cross, nachdem er aus einem Zug gefallen war.
Wichtig: Niemand wurde wegen seines Todes verurteilt.
Innerhalb der Szene verbreitete sich anschließend jedoch die Geschichte, Pratt sei absichtlich aus beziehungsweise unter den Zug gestoßen worden.
Wieder derselbe Mechanismus: Ein reales Ereignis bekommt eine zusätzliche Erzählung. Auf West-Ham-Seite entstanden makabre Gesänge, auf Millwall-Seite wuchs der Ruf nach Rache.
Vor dem nächsten Derby 1978 wurden sogar Flugblätter verteilt, in denen Vergeltung angekündigt wurde.
Spätestens jetzt hatte die Rivalität genug Geschichte, um sich praktisch selbst am Leben zu halten.
Irgendwann braucht man das Spiel fast gar nicht mehr
Irgendwann müssen sich die Vereine gar nicht mehr ständig begegnen. Die Geschichten reichen: vom Vater zum Sohn, vom älteren Bruder zum jüngeren, später weitergetragen durch Bücher, Hooligan-Biografien, Filme, Podcasts und YouTube.
Manches stimmt, manches wird ausgeschmückt, manches ist wahrscheinlich völliger Unsinn. Aber eines bleibt: Millwall gegen West Ham bedeutet etwas. Und diese Erwartung kann beim nächsten Treffen wieder echte Spannung erzeugen.
2009 zeigte, dass es nicht nur Folklore war
Am 25. August 2009 trafen beide Vereine im League Cup in Upton Park aufeinander.
Und diesmal eskalierte es richtig.
Außerhalb des Stadions gab es schwere Auseinandersetzungen. Ein Millwall-Anhänger wurde in die Brust gestochen. Im Stadion kam es mehrfach zu Platzstürmen.
Englische Medien berichteten damals ausführlich darüber. Der Independent sprach sogar von einer „scene from hell“.
Spätestens danach war der alte Ruf wieder vollständig da:
Millwall gegen West Ham – das Spiel, bei dem jederzeit alles hochgehen kann.
Danach begegneten sich die Vereine lange kaum. Paradoxerweise machte gerade das die Rivalität fast noch größer: Jahrelang konnte man darüber sprechen, was wohl beim nächsten Treffen passieren würde.
19. September 2026
Nach 14 Jahren war es wieder so weit.
Millwall gegen West Ham.
The Den.
Schon vorher hatte man beim Lesen englischer Medien teilweise das Gefühl, London bereite sich nicht auf ein Fußballspiel, sondern auf eine mittelschwere militärische Operation vor.
Die Metropolitan Police stellte ungefähr 400 Beamte bereit – etwa viermal so viele wie bei einem normalen Championship-Spiel.
Dazu kamen berittene Polizei, Hundestaffeln, Public-Order-Einheiten, Live-Gesichtserkennung sowie zusätzliche Kontroll- und Platzverweisbefugnisse.
Kurz gesagt: Die Polizei wollte nicht darauf vertrauen, dass nach über hundert Jahren Feindschaft ausgerechnet an diesem Samstag allgemeine Menschenliebe ausbricht.
Bingo
Eigentlich begann das Wochenende schon Freitagabend.
In Stratford wurden elf Männer festgenommen, die in den Berichten als mutmaßliche Millwall-Anhänger bezeichnet wurden. Der offizielle Verdacht lautete „conspiracy to commit criminal damage“, also Verabredung zur Sachbeschädigung.
Die Gruppe befand sich nahe dem Carpenters Arms, einem bekannten West-Ham-Pub. Der Observer berichtete, die Männer hätten offenbar eine verabredete Auseinandersetzung mit West-Ham-Leuten gesucht.
Und dann kommt die Geschichte, die fast zu witzig klingt: Ja, der Observer schreibt tatsächlich, dass dort an diesem Abend Bingo stattfand.
Man muss sich das vorstellen: Du fährst nach Stratford, erwartest West Ham, Erzfeind, Adrenalin, vielleicht die ICF und noch ein paar Geister vergangener Jahrzehnte – und drinnen sitzen Leute mit Bingokarten.
Noch schöner: Es waren elf Männer. Beim Bingo heißt die Elf traditionell „Legs eleven!“
Manchmal schreibt die Fußballgeschichte ihre Pointen selbst.
Trotzdem muss man sauber bleiben: Bestätigt sind die elf Festnahmen wegen des Verdachts auf Verabredung zur Sachbeschädigung. Die Geschichte von einer geplanten Schlägerei stammt aus dem Observer-Bericht.
Samstag: 400 Polizisten – und dann?
Am eigentlichen Spieltag bestätigte die Metropolitan Police bis 16 Uhr sechs Festnahmen im Zusammenhang mit dem Derby.
Genannt wurden unter anderem ein Angriff auf einen Polizeibeamten, alkoholisiertes Betreten beziehungsweise versuchtes Betreten des Stadions und sogenanntes „tailgating“ beim Einlass.
Der Evening Standard und der Independent gaben die offizielle Polizeierklärung wieder.
Die Met sprach ausdrücklich davon, dass das Derby „without significant disruption“ verlaufen sei.
Also ohne größere Störungen.
An der London Bridge wurden außerdem drei Personen durch Gesichtserkennung festgenommen. Die Polizei stellte allerdings ausdrücklich klar, dass diese drei Festnahmen nichts mit dem Fußballspiel zu tun hätten.
Die große Straßenschlacht blieb aus. Es gab kleinere Rangeleien und Spannungen mit der Polizei, aber Met, Standard und Observer berichteten übereinstimmend, dass größere Ausschreitungen ausblieben.
Auf dem Platz war dagegen Feuer drin: Millwall führte 2:0, West Ham kam zurück, am Ende stand es 2:2.
Viel Drama auf dem Platz – deutlich weniger auf der Straße.
Was bleibt also?
Nach all der Recherche würde ich eines jedenfalls nicht mehr schreiben:
„Millwall und West Ham hassen sich wegen des Generalstreiks von 1926.“
Zu einfach.
Ebenso wenig:
„Zwei rivalisierende Schiffswerften haben diese Feindschaft geschaffen.“
Auch falsch.
Und selbst bei:
„Krays gegen Richardsons = West Ham gegen Millwall“
würde ich inzwischen einige dicke Fragezeichen setzen.
Die Rivalität entstand über Generationen.
Aus Nähe.
Aus ähnlichen Arbeitermilieus.
Aus ständigem sportlichen Gegeneinander.
Aus Niederlagen und Demütigungen.
Aus dokumentierter Gewalt bereits 1906.
Aus Millwalls Umzug über die Themse.
Aus East gegen South.
Aus dem Streikmythos.
Aus Gangsterfolklore.
Aus dem Niedergang der Docks.
Aus Vorstellungen von Härte und Männlichkeit.
Aus F-Troop, Bushwackers und ICF.
Aus Harry Cripps.
Aus Ian Pratt.
Aus 2009.
Und aus mehr als hundert Jahren Geschichten darüber, was beim nächsten Treffen alles passieren könnte.
Vielleicht ist genau das das Faszinierende: Die Rivalität lebt nicht nur von dem, was tatsächlich passiert ist, sondern auch von dem, was darüber erzählt, ausgeschmückt oder irgendwann zur Legende wurde.
Ein Mythos kann eben genauso wirksam sein wie eine historische Tatsache.
Und vielleicht war deshalb ausgerechnet das Wochenende vom 19. September 2026 ein Bild dafür, wo diese über hundert Jahre alte Rivalität heute steht.
Die Medien hatten sich warmgeschrieben.
400 Polizisten standen bereit.
Pferde.
Hunde.
Gesichtserkennung.
Sonderbefugnisse.
Alle warteten irgendwie auf den großen Knall.
Am Ende gab es ein hitziges 2:2, sechs offiziell gemeldete Festnahmen am eigentlichen Spieltag – aber eben keine Massenschlägerei, keinen bekannt gewordenen Messerangriff wie 2009 und keine großen Platzstürme.
Und vielleicht passt deshalb der Freitagabend sogar am besten zu Millwall gegen West Ham im Jahr 2026:
Elf mutmaßliche Millwall-Leute fahren nach Stratford.
Sie steuern einen bekannten West-Ham-Pub an.
Die Polizei wartet schon.
Und drinnen?
Bingo-Abend.
Mehr als hundert Jahre Rivalität.
Unzählige Geschichten.
Ein riesiger Polizeieinsatz.
Und irgendwo im Carpenters Arms hofft wahrscheinlich gerade jemand ganz unspektakulär darauf, dass endlich seine 47 gezogen wird.
Millwall gegen West Ham.
Mehr als Fußball.
Manchmal ernst.
Manchmal hässlich.
Manchmal brutal.
Manchmal gewalttätig.
Manchmal Mythos.
Und manchmal einfach herrlich absurd.
Bis gleich
Euer Onkel A



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