ERICH MÜHSAM - MEIN GEFÄNGNIS

ERICH MÜHSAM - MEIN GEFÄNGNIS

LYRIK_MUSIK #literaturforum
25 Videoaufrufe·12.06.2024

Dichtung von Erich Mühsam (Foto) aus: Wüste-Krater-Wolken/
Rezitation: Fritz Stavenhagen /
Anmerkung: Ich sah der Menschen Angstgehetz; / ich hört der Sklaven Frongekeuch. / Da rief ich laut: Brecht das Gesetz! / Zersprengt den Staat! Habt Mut zu euch! (E.Mühsam)

Auf dem Meere tanzt die Welle
nach der Freiheit Windmusik.
Raum zum Tanz hat meine Zelle
siebzehn Meter im Kubik.

Aus den blauen Himmeln zittert
Sehnsucht, die die Herzen stillt.
Meine Luke ist vergittert
und ihr dickes Glas gerillt.

Liebe tupft mit bleichen leisen
Fingern an ein Bett ihr Mal.
Meine Pforte ist aus Eisen,
meine Pritsche hart und schmal.

Tausend Rätsel, tausend Fragen
machen manchen Menschen dumm.
Ich hab eine nur zu tragen:
Warum sitz ich hier? Warum?

Hinterm Auge wohnt die Träne,
und sie weint zu ihrer Zeit.
Eingesperrt sind meine Pläne
namens der Gerechtigkeit.

Wie ein Flaggstock sind Entwürfe,
den ein Wind vom Dache warf.
Denn man meint oft, daß man dürfe,
was man schließlich doch nicht darf.

Siehe auch hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_M%C3%BChsam
http://www.erich-muehsam.de/
https://www.anarchismus.at/anarchistische-klassiker/erich-muehsam/7254-erich-muehsam-tagebuch-aus-dem-gefaengnis
https://www.deutschelyrik.de/home.html