heute habe ich einen kleinen Auszug aus dem Fotografie Grundlagen Videotraining für euch. Es geht um kreative Bildgestaltung und die verwendung der drittel Regelung und des goldenen Schnitts in der Bildgestaltung.
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Herzlich willkommen zu dieser Lektion.
Hier in dieser Lektion geht es darum, wie ihr euer Bild nach gewissen Linien und nach
gewissen Regeln ausrichten könnt.
Diese Regeln sind nicht zwingend, natürlich, man kann sein Bild machen, wie man möchte.
Ich möchte auch nicht, dass irgendjemand jetzt nur noch nach diesen Regeln fotografiert.
Ich will sie euch allerdings mal zeigen.
Ich möchte euch zeigen, was sie in eurem Bild verändern und wie ihr mit ihnen so ein
bisschen umgehen könnt.
Ob ihr sie danach verwendet oder nicht, das bleibt an euch überlassen.
Es gibt gewisse Situationen, in denen kann man Regeln brechen.
Ich sage allerdings immer, wenn man Regeln brechen möchte, muss man sie vorher erst
kennen.
Wenn ihr sie nicht kennt und nicht anwenden könnt, dann könnt ihr sie natürlich auch
nicht ignorieren.
Wir beginnen jetzt in diesem Video einmal mit einer Regel, die uralt ist, die sich noch
auf die Azteken zurückverfolgen lässt.
Und der Grund hierfür ist, dass sie fast überall in der Natur vorkommt.
Viele Sachen in der Natur haben einen ähnlichen Aufbau wie die Drittelregelung bzw. der goldene
Schnitt.
Und ihr habt diese Gitterlinien bestimmt schon mal in eurer Kamera gesehen.
Diese sind sowohl horizontal als auch vertikal immer auf ein Drittel ausgelegt.
Jedes Kästchen ist in der vertikalen und in der horizontalen ein Drittel und wir können
somit arbeiten, um Landschaftsbilder oder Porträts mithilfe unserer Kamera oder mithilfe
der Bildbearbeitungssoftware im Nachhinein auszurichten und harmonisch zu gestalten.
Dadurch, dass viele Sachen in der Natur sich an der Drittelregelung orientieren und dadurch,
dass wir es unterbewusst häufig wahrnehmen, wirken Bilder, die sich an der Drittelregelung
orientieren, deutlich harmonischer als ganz normale Bilder.
Wir beginnen jetzt einmal mit einem Landschaftsfoto.
Ein Landschaftsfoto, das wir an der Drittelregelung ausrichten, sieht auch nochmal ganz anders aus.
Wir haben so das Gefühl, wir würden in die Ferne schauen.
Wir haben deutlich mehr Himmel, was das Bild weiter wirken lässt und ich finde es immer
ein bisschen harmonischer und es gibt zudem Betrachter das Gefühl, hier wirklich da zu
sein und einen Blick auf diese Landschaft zu werfen.
Wenn wir das Bild einfach geradeaus in der Mitte gemacht hätten, sieht es lange nicht
so aus, wie wenn wir es an der Drittelregel ausrichten.
Hierbei kann natürlich die untere und die obere Linie verwendet werden.
Nur würde ich euch empfehlen es, um die Weite einer Landschaft darzustellen, eher an der
unteren Linie auszurichten.
Es gibt manche Bildsituationen, in denen lohnt es sich auch, das an der oberen Linie auszurichten.
Doch hier sollte man darauf achten, dass man unten noch irgendwas hat.
Dass man nicht einfach sehr viel sinnlosen Boden, Sand, Gras, irgendwas in der Richtung
hat, sondern dass man vielleicht unten auf der unteren Linie nochmal eine Linie hat.
Beispielsweise, wenn wir das Meer fotografieren, kann es sein, dass wir den Horizont an der
oberen Linie ausrichten und den Übergang zwischen Strand und Wasser an der unteren.
Das wäre ein Beispiel, das auch für mich sehr harmonisch wirken würde.
Bei Porträts funktioniert das ebenfalls, sowohl im Hochformat als auch im Querformat.
Im Querformat kann ich euch nur empfehlen, eine Person, ein Gesicht nicht mittig ins
Bild zu setzen.
Ich zeige euch jetzt mal den direkten Unterschied.
Das Bild wurde mittig aufgenommen und das Bild wurde anhand der Drittelregel ausgerichtet.
Man sieht, es sieht schon mal ganz anders aus.
Man bekommt eine ganz andere Wirkung und einen ganz anderen Blick auf die Person.
Wenn ihr es im Querformat ausrichtet und die Person schaut leicht in eine Richtung, achtet
darauf, dass die Person ins Bild reinschaut.
Wenn euer Model das nicht macht und beispielsweise in die komplett andere Richtung schaut, kann
es passieren, dass es aussieht, als würde sie gegen eine Wand schauen.
Wir haben hier auf der Seite sehr viel Platz, der in dem Moment verschwendet ist und das
Model schaut einfach nur in das Nichts.
Wir wissen nicht, was das ist, was sie beobachtet, was sie anschauen könnte und deswegen ist
es auch sinnlos, dass sie in diese Richtung schaut.
Ähnlich verhält es sich, wenn wir im Hochformat fotografieren.
Hier gibt es leider auch viel zu oft die Situation, dass das Gesicht mittig im Bild platziert
wird.
Wenn wir jetzt hergehen und hier die Drittelregel anwenden, verschwindet sehr viel vom Hintergrund,
von dem Himmel, den wir hier oben haben, der ein bisschen unnötig ist und die Person kommt
mehr in den Vordergrund.
Wenn ihr das in der Porträtfotografie oder auch in der Landschaftsfotografie noch ein
bisschen mehr auf die Spitze treiben wollt und noch ein bisschen rumprobieren möchtet,
könnt ihr mal die Perspektive wechseln.
Geht mal bei einem Porträt etwas in die Hocke und platziert die Kamera etwa auf Bauchhöhe
eures Modells.
Ihr werdet sehen, das Resultat sieht nochmal komplett anders aus, man hat ein bisschen
mehr Tiefe im Bild, man kriegt einen ganz anderen Hintergrund und es sieht nicht mehr
so aus, als würden wir auf die Person herabsehen.
Wir haben nun gelernt, wie wir unser Bild an der horizontalen und an der vertikalen
Drittelregelung ausrichten.
Es gibt jedoch noch eine weitere Möglichkeit.
Und zwar haben wir manchmal Bilder, wo ein recht kleines Motiv enthalten ist, aber sehr
viel Hintergrund, um so ein bisschen Tiefe zu geben, vielleicht eine Geschichte zu erzählen.
Und hier haben wir die Möglichkeit, das Motiv auf einer Kreuzung dieser Linien zu platzieren.
Somit haben wir nicht nur eine Drittellinie im Bild integriert, sondern gleich zwei.
Um das etwas einfacher zu gestalten, empfiehlt es sich, während dem Fotografieren ein klein
bisschen Raum im Bild zu lassen, d.h. das Bild nicht zu eng anschneiden und lieber im
Nachhinein in Photoshop oder einer anderen Bildbearbeitungssoftware noch einmal zuschneiden.
Und das ist auch mein nächster Tipp bei der Bildgestaltung.
Gebt dem Bild etwas Raum, schneidet nicht zu eng und schneidet schon gar nicht sehr
knapp.
Wenn man sehr knapp etwas anschneidet, sieht es immer etwas eigenartig aus, man weiß nicht
genau, ob das jetzt Absicht ist oder vielleicht ein Versehen, es wirkt irgendwie immer etwas
komisch und deswegen empfehle ich euch entweder ganz anzuschneiden oder so viel Platz zu
lassen, dass man sieht, es soll nicht angeschnitten sein.
Egal, ob das jetzt beim Menschen oder bei anderen Motiven ist, gebt der ganzen Sache
etwas Raum, lasst ein bisschen Platz zum Rand und schneidet lieber ein bisschen im Nachhinein
zu.
Gerade bei Menschen kann man hier sehr viele Fehler machen, was den Bildschnitt angeht.
Es gibt so viele Sachen in dem Bild, was eigenartig und unharmonisch wirken lassen und ich habe
mal meine Top-Punkte so ein bisschen für euch hier aufgelistet.
Zum Ersten ist das durch Hände oder durch Füße schneiden.
Das passiert vielen Anfängern leider viel zu oft, dass der Fuß oder die Hand bei einem
Porträt leicht angeschnitten wird, einfach weil man nicht darauf achtet.
Mir ist es auch sehr oft passiert und ich bin der Meinung, hier auch entweder ganz weg
oder komplett drauf lassen.
Hier bittet ihr eine halbe Schneide setzen.
Gleiches Thema, wenn wir von den Gliedmaßen weiter nach oben gehen und gehen mal an die
Ellenbogen oder Kniegelenke.
Es sieht sehr eigenartig aus, wenn wir durch diese beiden Gelenke den Bildschnitt setzen.
Der Kopf versucht unterbewusst, das Bein bzw. den Arm weiterzudenken und dadurch, dass
hier nicht wirklich abgeschlossen ist, hat man das Gefühl, das Bein wird deutlich dicker
als es eigentlich ist.
Man hat hier keinen Bezug zum Unterschenkel und rechnet sich das Knie im Kopf weiter runter
und hat wirklich das Gefühl, das Bein würde nicht schmaler werden.
Schaut es euch mal hier im Direktvergleich an.
Rechts wirkt deutlich besser, einfach weil wir das Knie komplett weggeschnitten haben.
Auf der linken Seite haben wir direkt durchs Knie geschnitten, was das Bein sehr eigenartig
wirken lässt.
Wenn ihr die Wahl habt, ob ihr durch den Ober- oder den Unterschenkel schneiden könnt,
würde ich euch den Oberschenkel empfehlen.
Das gibt auch nochmal so einen schönen Abschluss und legt den Fokus mehr auf die Person und
es sieht nicht einfach nur so aus, als hätte der Mensch keine Füße.
Wenn wir nun nach weiter oben gehen und nehmen uns mal den Haaransatz vor, können wir hier
auch einiges falsch machen.
Am besten schneidet man hier so, dass noch genug Haare zu sehen sind, dass man wirklich
sieht, da oben geht der Kopf weiter und geht zu Ende.
Oder man schneidet wirklich so, dass man mittig in der Stirn schneidet, so dass es nicht zu
nah an den Augenbrauen ist.
Wenn man den Schnitt recht hoch auf die Stirn setzt und fast keine Haare mehr zu sehen sind,
wirkt die Stirn unglaublich groß.
Wenn wir das zu nah an die Augenbrauen setzen, kann man das glaube ich ganz vergessen, dann
wirkt das noch komischer.
Einen abschließenden Tipp habe ich noch.
Wenn ihr auf der Suche nach Ideen, nach Inspiration, nach Lernen seid, dann folgt doch bekannten
Fotografen.
In jedem Bereich, egal ob das jetzt ein Urlaubs-, Porträt-, Hochzeit-, Akt-, was auch immer
für eine Fotografie ist, hier gibt es ja wahnsinnig viele Möglichkeiten und auch wahnsinnig
viele Fotografen.
In jedem Bereich gibt es Fotografen, die Spezialisten sind, die ausgefallene Stile haben und vielleicht
auch einen ausgefallenen Stil, der euch gefällt und genau das braucht ihr.
Sucht euch Bilder, die euch gefallen.
Stellt sie vielleicht auch 1 zu 1 nach.
Versucht mit dem gelernten Wissen das möglichst gut umzusetzen, was euch gefällt.
Hierbei könnt ihr natürlich Perspektive, Bildschnitt, die richtige Belichtungszeit,
alles verwenden, um das Bild 1 zu 1 nachzustellen.
Ich kann euch definitiv eins versprechen.
Ihr werdet es mit Sicherheit nicht so hinbekommen, wie der Fotograf, den ihr im Internet gefunden
habt.
Hierbei spielen einfach so viele Faktoren mit rein, das ist nicht beeinflussbar.
Allein der Stand der Sonne, wenn sich der Stand der Sonne um drei Stunden verschoben
hat, sieht das Bild nochmal komplett anders aus.
Ihr könnt es nicht genau nachvollziehen, doch durch dieses Nachmachen, durch dieses
Kopieren lernt ihr etwas, was euch in eurem Bildstil und eurem Bereich der Fotografie
weiterbringt.
Ihr versucht ein Landschaftsfoto nachzustellen und lernt eigentlich, wie man Landschaften
fotografiert.
Ihr kommt vielleicht auf eine Sache, auf die vorher kein anderer gekommen ist oder
beziehungsweise die euch vorher kein anderer gezeigt hat.
Einfach durchaus probieren.
Die Fotografie ist in der Hinsicht wie alles, was man lernen muss.
In jedem Bereich gibt es einen Spezialisten, man kann nicht einfach über Nacht ein Starfotograf
werden und man kann auch nicht einfach über Nacht perfekte Bilder machen.
Das ist alles ein Lernprozess und wenn man sich Vorbilder sucht, wenn man sehr viel ausprobiert
und wenn man rausgeht und fotografiert, wird man auch besser.
Hierfür müsst ihr allerdings die Kamera in die Hand nehmen und auch Fotos machen,
weil wenn ihr das vergesst, dann werdet ihr auch nicht besser und dann wird auch dieses
Training irgendwann in Vergessenheit geraten.