Busy bee und Honigkuchenpferd

vhsrt - Volkshochschule Reutlingen
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01.11.2024
... oder alles über den Honig in der Sprache...
Die emsigen Tierchen und ihr süßes Gold generieren nicht nur seit dem Altertum weltweit Buzz in den Kulturen, sondern haben auch in den Sprichwortschatz aller Sprachen Eingang gefunden. Diesen Honig wollen Anke Finger, Friedemann Weidauer und Sebastian Wogenstein genauer analysieren und uns ums sprichwörtliche Maul schmieren.
Programm: http://L.vhsrt.de/sprichwoerter
Hallo, herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Sprichwörter aus aller Welt.
Mein Name ist Philipp Markwart und ich freue mich sehr, Sie heute wieder
begrüßen zu können zu einer ganz brandneuen und wie Sie vielleicht jetzt schon
erahnen können sehr klebrigen Episode unseres kleinen Projekts. Es freut mich
ungemein, dass wir heute einer weiteren sehr süßen Spur folgen wollen und dies
mit außergewöhnlichen Gästen vorhaben. Wir sind mittlerweile zum vierten Mal
mit den Sprichwörtern on Air hier live aus dem E-Mail-Studio in Reutlingen bei
diesem Projekt etlicher und über mehr werdender Volkshochschulen und es zeigt
sich doch, dass es sich sehr lohnt, den Sprichwörtern nachzuspüren.
Es erreichen uns doch interessante Nachfragen und die ein oder andere
Redewendung bleibt umso öfters haften, desto mehr man sich mit eben solchen
Themen beschäftigt. Und heute wollen wir das tun, indem wir dem Honig in der
Sprache nachgehen. Von den fleißigen Bienchen über Honigkuchenpferde werden
wir einen Ritt durch verschiedene Kulturen, Zeiten und Medien erleben und
ich bin sehr glücklich, dass es uns gelungen ist, drei Wissenschaftlerinnen
vom anderen Ende der Welt aus Amerika, aus den Vereinigten Staaten für uns
gewinnen zu können, die von der University of Connecticut heute live
zugeschaltet sind und uns eben mitnehmen in die Spuren des Honigs in der Sprache.
Ich darf herzlich begrüßen Professor Friedemann Weidauer, Professor Anke Finger
und Professor Sebastian Bogenstein, die gerade zur besten Nachmittagszeit in
Storrs Connecticut sitzen und jetzt live zugeschaltet sind. Hallo in die Runde,
herzlich willkommen. Schön, dass sie da sind. Es ist nicht meine Rolle, wirklich
viel zum Honig selbst zu sagen. Das wird heute ihre Aufgabe und ich möchte nicht
viel Redezeit verwenden. Ich möchte nur sagen, dass alle drei wirklich ausgewiesene
Experten für Literatur, Kultur, Sprache und Medien sind. Sie arbeiten kollegial
zusammen am Department for Literatures, Cultures and Languages an der University of
Connecticut und sie sind heute Referenten der Volkshochschule, was mit Sicherheit kein
Downgrade, sondern für uns ein unglaubliches Upgrade bedeutet.
Herzlich willkommen. Lange Rede, kurzer Sinn, the stage is yours, lieber Friedemann Weidauer.
Ja, ich wollte als erstes mal einen rasanten Ritt durch die
Kulturgeschichte vornehmen. Honig, lateinisch Mehl, in der Apothekersprache
eben auch Mehl, griechisch Melie, nachgewiesen schon seit über 9000 Jahren in Steinzeitmalerei.
In der Steinzeit wurde der Honig wohl zum Füßen, natürlich, aber auch zur Bärenjagd benutzt.
Die Höhlenmalerei zeigt, wie das auch dann später in den Bildern immer wieder üblich ist,
wie sich eben Menschen nach dem Füßen strecken müssen. So heißt es dann auch in Ägypten 3000
Jahre vor der Zeitenwende, Honig ist die Speise der Götter und Quelle der Unsterblichkeit.
Wobei wohl ein Topf Honig damals ein Esel wert war. Weitere fast 3000 Jahre später im klassischen
Griechenland spricht Hippokrates von der fiebersenkenden Wirkung des Honigs und auch
von der leistungssteigernden, besonders im Kontext der Olympischen Spiele, sicher noch
nicht auf der Dopingliste damals. Augustinus bezeichnet den Honig als Zeichen der Güte Gottes
und im Koran finden wir in der 16. Sure, anal, gleich die Biene. Die Biene ist beauftragt,
von allen Früchten zu essen und daraus Honig zu machen. Und schließlich Mitteleuropa in der
frühen Neuzeit in einem Kochbuch, Rosenhonig stärket und reinigt den Magen und heilet Feul
und Schaden des Mundes. Und ich kann Ihnen sagen, unser homöopathischer Hausarzt in Stuttgart hat
mir auch früher Rosenhonig empfohlen. Das hat zwar wunderbar geschmeckt, aber ich kann mich
nicht daran erinnern, dass es irgendeine Wirkung gehabt hatte. Aber das macht ja nichts. Jetzt
schnell zur Etymologie. Das indogermanische Wort, auf dem Honig, Honeg, im Mittelhochdeutschen beruht,
ist in allen germanischen Sprachen zu finden und heißt so viel wie Goldfarben. Griechisch
Klekos heißt gelblich und schon sehr früh finden wir die Ledübersetzung Honigmond,
nämlich bei Lessing im Jahre 1760. Also der Honeymoon, der Honigmond. Lateinisch wie gesagt
Mehl und so steht es bei Ovid in der Ars Amatoria. Mela petere in medio flumine, das heißt so viel
wie nach Honig rufen mitten in der Flut. Also etwas Unnützes haben wollen, wenn einem das Wasser bis
zum Hals stinkt. Bei Plautus mehr traditionell, Meo Mehl, Meo Chor, mein Honig, mein Herz. Oder auch
etwas anstößlicher, Quia te tango, Meo mihi video lingere. Wenn ich dich berühre, scheint es mir,
als würde ich Honig lecken. Im Griechischen kommt der Name Melissa eben als Name für die Honigbiene
auf. Imker im deutschen Sprachgebrauch gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert. Davor gab es die
sogenannten Zeitler, das heißt also Honigsammler. Damals gab es nämlich noch nicht praktisch die
Zucht des Honigs mit Bienenstöcken, sondern man hat den Honig wild im Wald gesammelt. Deshalb hatten
die Zeitler auch interessanterweise eine Ausnahme vom Waffenverbot, das ja für den normalen Bürger
im Mittelalter bestand. Sie durften eine Armbrust tragen, weil ihnen wohl beim Jagd auf den Honig
auch Wilderer und Holzdiebe in die Quere kamen. Kommen wir jetzt zu den Sprichwörtern. Wir kennen
natürlich alle das Honig ums Maul schmieren. Wir werden auch auf das Honigkuchen Pferd zu
sprechen kommen. Hier vielleicht einige, die sie noch nicht kennen. Mit einem Löffel Honig fängt
man mehr als fliegen als mit einem Fass Essig. Mit einem Löffel Honig fängt man mehr fliegen als mit
einem Fass Essig. Vielleicht ist das ein Ratschlag zur Pädagogik. Mit Loben erreicht man mehr als
mit Strafen. Ich weiß es nicht, wir können darüber reden. Weiterhin der Honig ist nicht weit vom
Stachel. Eitel Honigrede ist nicht ohne Gift. Man sieht schon ein Muster. Es ist immer das Süße
verbunden mit dem Stechenden. Geschenkter Essig ist besser als gekaufter Honig. Honig ist dem
Mücken tot. Honig im Mund, Schermesser in der Hand. Oder auch wer Honig will, muss der Bienensumsen
leiden. Also das Süße bekommt man nie umsonst. Wer nicht Galle versucht hat, weiß nicht wie Honig
schmeckt. Und jetzt als letztes ein rasanter Ritt durch die Literaturgeschichte, nicht unbedingt
chronologisch geordnet. Als erstes ein Zitat von Leon Feuchtbanger. Die irdische Liebe ist ein
Honiglecken an Dornen. In Talmud steht, das Wort gleicht der Biene, es hat Honig und Stachel. Bei
Buddha spürt man, und das ist vielleicht der erste Hinweis auf nachhaltiges Wirtschaften, die Biene
zeichnet sich dadurch aus, dass sie Reichtum schafft ohne die Quelle des Reichtums zu zerstören. Also
wie gesagt, nachhaltiges Wirtschaften, dafür ist die Biene und der Honig ein gutes Beispiel. Bei
Brecht dann wieder zurück, das Bittere und das Süße. Gib einem der Honig und du wirst deinen
Arm einbiessen. Wir kennen diese Zusammenstellung von Brecht auch an anderen Stellen, zum Beispiel
sein berühmtes Sprichwort oder sein berühmtes Zitat, wer mit dem Teufel frühstückt, muss eine
lange Gabel haben. Bei Goethe dann heißt es, man kann sich nicht so heilig bewahren, als wie im
Kloster, das wisst ihr, handelt einer mit Honig, er leckt bisweilen die Finger. Also, das Produkt Honig
hinterlässt seine Spuren an dem, der damit hantiert, sozusagen. Und natürlich als letztes vielleicht
besonders bitter von Voltaire, der erste Monat der Ehe ist der Monat des Honigs und der zweite der
Monat des Absinns. So, soweit erstmal zu Zitaten und Sprichwörtern. Sebastian, hast du eine Idee
dazu oder Kommentare, Fragen? Ja, vielen Dank. Ich fand das ja sehr schön, also diese bunte Sammlung
der verschiedenen Zitate. Also ich denke, was man dabei schon sieht und darauf werde ich nachher auch
eingehen, ist, dass der Honig ja immer so eine sinnliche Dimension hat. Also es geht immer um den
Geschmack, um die Wahrnehmung und zwar sowohl des Geschmacks als auch der Farbe. Das hast du ja auch
schön erwähnt. Was mir besonders nachgeht, ist diese Sache mit dem Reichtum schaffen, ohne die Quelle
zu zerstören. Das finde ich eine sehr schöne Quelle oder Zitat. Ja, Anke, was meinst du denn?
Ja, ich fand das sehr, sehr schön, dargestellt erstmal Naturgeschichte, aber dann natürlich zwei
Alltagswertigkeiten. Auf der einen Seite der Pader mit dem Rosenhonig. Ich bin selber sehr, sehr
Honig begeistert, esse ihn fast täglich und finde da durchaus sehr viele heilende Aspekte dabei. Es wurde
natürlich, Honig wurde seit Jahrtausenden, wird seit Jahrtausenden als medizinisches Mittel verwendet.
Aber die Frage ist natürlich, okay, ist das Vorstellung, ist das Lust am Süßen? Einfach, weil es eben süß ist,
wird natürlich das Leben gleich besser. Wir alle haben Kinder, wir wissen, wie das funktioniert. Aber war der
Rosenhonig wirklich nicht hilfreich? Denn rein von der chemischen Substanz her, gibt es da also
tatsächlich nicht nur Traubenzucker, der aufputscht, sondern anscheinend auch Mittel, die dem Kreislauf
helfen. Also das würde ich noch mal hinterfragen wollen, ob da wirklich gar nichts dabei ist.
Ja, der Honig hat wohl ganz sicher antiseptische Eigenschaften und auch wohl antibakterielle. Bei
vielen Mundverletzungen handelt es sich aber um Vireninfektionen und da scheint es nicht so besonders
hinzuhauen. Ich habe das natürlich nie jemandem gesagt, dass das nicht funktioniert, weil ich das
so gerne gegessen habe. Das gab es aber verpackt von der führenden Marke für homeopathische
Arzneimittel. Ja, zusammen mit Honigdrops und was es da alles in Honigform gibt, die man sich da so
reinschieben kann. Ich habe auch irgendwo gelesen, dass tatsächlich auf offene Wunden Honig getropft
wurde, als Bindeglied, als Bindemasse. Und wenn ich da auf unserem Bild, da den Honig so vor sich
hin fließen sehe, kann ich mir das irgendwie sehr gut vorstellen. Also gerade damit sich auch
keine Narben bilden, wurde Honig verwendet. Sehr spannend das Ganze. Ich denke, vielleicht können
wir gleich noch mal darauf zurückkommen, also was Honig alles leisten kann und wie man Honig
verstehen kann. Mein Beitrag beschäftigt sich mit der jüdischen Tradition und mit dem Honig in
Texten, von biblischen Texten über thalmudischen bis zur Gegenwart. Honig ist ja nicht gleich Honig.
Damit meine ich jetzt nicht den Unterschied zwischen Lindenblütenhonig und Kleehonig oder
Bio-Honig und verarbeitetem Honig oder was es noch alles gibt. Sondern, dass eben noch anderes als
Honig bezeichnet wurde, was wir heute vielleicht eher Sirup nennen würden. So in die Richtung
dessen, was früher mal Kunsthonig hieß und jetzt nur noch als In-Berg-Zuckercreme verkauft werden
darf. Sehr umstritten übrigens und streng reguliert in der BRD war die Bezeichnung Kunsthonig schon
seit Mitte der 70er Jahre verboten. In der DDR konnte man die Creme noch als Kunsthonig bis zum
Ende der Republik 1990 kaufen. Allerdings war der auch beigemischt, waren da 10% Bienenhonig wohl
beigemischt. Mir geht es also jetzt erstmal um Honig, der nicht von den Bienen produziert wird,
aber nicht dem chemisch-künstlichen, sondern dem aus Naturrohstoffen. Und dazu gehen wir ein paar
tausend Jahre zurück in die biblischen Zeiten. Die meisten von uns kennen sicher den Ausdruck
vom Land, in dem Milch und Honig fließen. Uns ist allen klar, was damit gemeint ist. Eine Region,
die so fruchtbar ist, dass Lebensmittel im Überfluss vorhanden sind. Nicht ganz so wie im
Schlaraffenland, aber die Perspektive, in der zuerst vom Land die Rede ist, in dem Milch und
Honig fließen, das lässt das so erscheinen. Denn das kommt am Ende der Wanderung durch die Wüste
40 Jahre. Also in der Tora, in den 5 Büchern Mose, wird mehrfach das Land, das Gott den Israeliten
nach ihrer langen Wanderung durch die Wüste verheißt, als das gelobte Land, oder eben als
das Land, in dem Milch und Honig fließen, Eretz Savat Chalav Vash bezeichnet. Dass diese Bezeichnung
zu einer ganzen Fülle von Interpretationen geführt hat, kann man sich leicht vorstellen. Das
hebräische Wort Vash meint nämlich nicht nur den Bienenhonig, sondern auch den Bienenhonig-ähnlichen
Sirup aus Natteln und Feigen. So wurde dann später in rabbinischer Zeit der Ausdruck vom Land von
Milch und Honig interpretiert, etwa im hebräischen Traktat, wo eine Geschichte von Ramibar Jechezgel
erzählt wird, der nach Nebrak kommt und dort sieht, wie Honig aus Feigen von einem Baum tropft und
Ziegen Milch geben und wie sich diese beiden Flüssigkeiten vermischen. Das, sagt Ramibar Jechezgel,
sei die Bedeutung vom Land, in dem Milch und Honig fließen. Der Kontext ist, dass das Tora-Lernen
und dafür steht eben Nebrak hier, Überfluss, das heißt Überfluss an Wissen, hervorbringt. Ich erspare uns die
weiteren Details. Mir geht es hauptsächlich erstmal um den Honig, der hier direkt aus den Feigen kommt.
Die Unterscheidung von Bienenhonig und Siruphonig finden wir übrigens schon bei Flavius Josephus,
dem jüdisch-römischen Historiker aus der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnungen,
der in seinem bekannten Werk Helom Judaikum, die Geschichte des jüdischen Krieges, den Überfluss
an Honig in der Gegend um Jericho, erwähnt und dann von den Datteln schreibt, die fetteren Datteln
werden getreten und liefern so eine Menge Honig, welcher dem Bienenhonig, der sich übrigens dort
auch findet, nicht nachsteht. Auch in arabischen Quellen wird diese Art von Dattelhonig aufgeschrieben,
Spezialität und ein Süßungsmittel, das wie Honig vielseitig einsetzbar ist. Dass die Unterscheidung
zwischen Bienenhonig und Dattelhonig rituell eine Rolle gespielt hat, wird zum Beispiel im
Kontext von Schwören und Eiden deutlich. Wenn jemand geschworen hat, auf Honig zu verzichten,
dann gilt das strikt nur für den Bienenhonig, erklärt etwa die Rabbiner in der Mishnah im Abschnitt
Nedarim, die im dritten Jahrhundert kompiliert wurde. Dattelhonig konnte die Person also weiter
essen, ohne den Schwur zu brechen. Und wenn wir schon beim Honigähnlichen, beziehungsweise beim
Geschmack des Honigs sind, dann können wir noch erwähnen, dass das Mana in der Wüste,
von dem sich die Israeliten ernährten auf dem 40-jährigen Weg von Ägypten in das Land von
Milch und Honig, ebenfalls nach Honiggeschmack beschrieben wird. Und wenn wir noch weiter
zurückgehen in der Tora, dann finden wir dort auch den Honig wieder. Diesmal als ein wertvolles
Geschenk, das Jakob seinen Söhnen mitgibt, als diese zum zweiten Mal nach Ägypten ziehen, um
ihren Bruder Simon auszulösen, den Josef unerkannt von seinen Brüdern als Pfand einbehalten hat.
Einerseits, um sich an den Brüdern zu rächen, die ihn eins verkauft hatten, und andererseits,
um sie zu zwingen, den jüngsten Bruder Benjamin, der bei der ersten Reise nicht dabei war,
nach Ägypten zu Josef zu bringen. Spannende Geschichte, sowohl im Original als auch bei
Thomas Mann, der allerdings bedauerlicherweise den Honig nicht erwähnt hat. Aber das erinnert mich
wieder an Friedemanns Beitrag, in dem erwähnt wird, dass ein Topf Honig damals den Wert eines
Esels hatte. Und da kann man also sehen, welche Bedeutung dieses Geschenk hier hat. Der Bienenhonig
selbst wird in biblischen und der späteren jüdischen Literatur oft erwähnt. Wichtige Frage,
die die Rabbiner der Spätantike diskutieren, ist, ob Honig überhaupt kurscher ist, wenn doch die
Biene nicht kurscher ist. Die Antwort lautet, Honig ist kurscher, weil die Biene nach Meinung
der Rabbiner den Nektar nur sammelt und nicht im eigentlichen Sinne produziert. Da müssten wir dann
über die Enzyme sprechen. Im Shirashirim, dem Lied der Lieder, bei Luther heißt es das hohe Lied,
finden wir Honig und Milch als die betörenden Genüsse der Liebe gleich noch mit der Einladung
zum Rausch verbunden. Ich bin gekommen in meinen Garten, heißt es dort, wo meine Braut, habe die
Wabe mit dem Honig gegessen, habe meinen Wein mit meiner Milch getrunken, esst, trinkt und
berauscht euch Freunde. An anderer Stelle im Lied der Lieder wird die erotische Dimension dann noch
weiter ausgebaut. Die Süße tropft von deinen Lippen, meine Braut, heißt es dort sehr anschaulich,
Honig und Milch sind unter deiner Zunge, der Duft deiner Kleider ist wie der Duft des Liebes. Der
Honig ist ganz klar Teil des sinnlichen Gesamtbildes. Er ist neben dem visuellen, dem Geruch und dem
Geschmack besonders hervorragend. Die rabbinischen Kommentare zu dieser Stelle sind sich der
Anziehungskraft des sinnlichen Bildes durchaus bewusst und lesen den Vers, wie natürlich auch das gesamte
Buch des Lieds der Lieder, ausschließlich allegorisch. Besonders interessant ist vielleicht, dass diese
Stelle im Kontext der sogenannten Markawan-Mystik wieder auftaucht, in der es um die Geheimnisse der
Schöpfung geht. Die Gemara, also der spätere Teil des Talmud aus dem 5. Jahrhundert, lehrt mit den
Worten Rav Josefs, Honig und Milch sind unter deiner Zunge, so sei es auch mit den Geheimnissen der
Tora, die Süße sind als Honig und Milch, sie sollten unter der Zunge bleiben. Mit anderen Worten, sie
sollten nur mit den Gelehrten und ab einem gewissen Alter gesprochen werden. Trotz aller Allegorien und
Analogien ist aber doch gerade die Sinnlichkeit das, was die Anziehungskraft des Verses und des Honigs
als Genussmittel überhaupt ausmacht. Honig und Milch unter der Zunge, das ist beschreibbar und anziehender
als einfach nur die Rede von einem Text. Aber nicht nur das Sinnliche, auch das Rauschhafte finden wir
immer wieder im Umfeld des Honigs und natürlich die Gefahren, die damit zusammenhängen. So tauchen in der
Mishneh-Tora, verfasst von dem Gelehrten und Arzt Maimonides im 12. Jahrhundert in Ägypten, wo es um
allerlei Lebensmittel geht, die gut oder schlecht sein sollen. Dort heißt es, Honig und Wein seien
schlecht für die Kleinen, aber gut für die Alten. Als Genussmittel werden Honig und Wein sehr geschätzt,
zugleich aber geht von deren übermäßigen Genuss Gefahr aus. So warnen uns die Sprüche Salomos,
es ist nicht gut, zu viel Honig zu essen. Natürlich unmittelbar gefolgt von dem guten Rat, in diesem
Fall die Empfehlung, nicht allzu ehrgeizig zu sein. Es ist nicht gut, zu viel Honig zu essen und nicht
ehrenhaft nach Erde zu gehen. Was geschehen kann, wenn man zu viel Honig isst, erfahren wir in der
Plastisch- und einer anderen Stelle im Blut der Sprüche. Dort heißt es, wenn du Honig findest,
iss nur das, was du brauchst, damit du nicht im Übermaß isst und dich übergeben musst. Sehr
dramatisch. Auf diesen Vers folgt zugleich wieder ein Ratschlag für den Alltag. Besuche deine
Nachbarn nicht allzu oft, damit sie deiner nicht überdrüssig werden. Oder anders ausgedrückt,
schreibe nicht zu viele E-Mails, dass deine Korrespondenzpartner nicht deiner überdrüssig
werden. Und schon die rabbinischen Gelehrten der Spätantike schätzen den Honig für seine
heilende Kraft, ganz ähnlich wie Friedemann das bereits erwähnt hatte. Ihr werdet was im
Tramuth-Praktat nach Hoth wissen, wo Honig neben Sauerkraut, Rote Bete und Kamillentee als wirksame
Medizin erlingt. Die Faszination, die vom Honig ausgeht, die Anziehungskraft und das Verführerische
des süßen Stoffs, klingt auch in der Geschichte von Simson auf hebräisches Shemshon an, die im
Buch der Richter erzählt wird. Die Geschichte von Shemshon, der für seine unbezähmbaren
Kräfte bekannt ist, hat viele Facetten. Religiöse, sexistische und, wenn man so will,
auch ethnonationale, auf die ich hier nicht eingehen will, aber die ich auch nicht unerwähnt
lassen will. Shemshon jedenfalls beliebt sich in eine Verlisterin und auf dem Weg zur Brautwerbung
begegnet ihr einem Löwen, den er mit Leichtigkeit zerreißt. Als er auf dem Weg zur Hochzeit dann
später an dem Skelett dieses Löwen vorbeikommt, hat sich darin ein Bienenschwarm eingenistet,
aus dem er sich den Honig nimmt. Bei der siebentätigen Hochzeitsfeier stellt Shemshon
den Landsleuten der Braut ein Rätsel. Er sagt, aus dem Esser kam etwas zu essen und aus dem
Staten kam etwas Süßes. Die Lister haben natürlich keine Ahnung und können das Rätsel nicht lösen.
Erst mithilfe der Braut, die Shemshon das Geheimnis entlockt, dann können sie sagen,
was ist süßer als Honig und was ist stärker als ein Löwe. Damit haben sie das Rätsel
gelöst und nun hat Shemshon den Rätselwettstreit verloren, bei dem es um 30 festliche Kleider ging.
Er reagiert so, er geht im Zorn in eine nahegelegene Stadt und erschlägt dort 30 Leute,
um deren Festkleider zu rauben und damit seine Schulden zu begleiten. Auch in der weiteren
Geschichte von Shemshon geht es immer wieder um Verführung, Verrat, Zorn und Gewalt und der
Honig, der am Anfang dieser Geschichte erscheint, auch als Teil des Rätsels, ist unschwer als
verführerische Süße zu verstehen, die hier mit der unbändigen Stärke verbunden ist und der
Warnung vor dem Fremden. Eine ziemliche Fallhöhe übrigens von der Richterin Deborah, deren Name
bezeichnenderweise Biene heißt, die in den ersten Kapiteln des Buches der Richter vorgestellt wird
hin zu Shemshon, dem letzten der Richter, bevor es dann zur Monarchie kommt. Zum Schluss gewissermaßen
als Nachtisch noch zwei süße Honigstückchen, die uns wieder mehr in Richtung Gegenwart und
nach Aschkenaz bringen, wie Deutschland beziehungsweise Mitteleuropa in der jüdischen
Tradition genannt. Wie wir, wie Sie vielleicht wissen, wünscht man sich gegenseitig zum jüdischen
Neujahrsfest, das in den Frühherbst fällt, ein gutes und süßes neues Jahr. Schon im frühen 14.
Jahrhundert beschreibt Rabbi Jakob in Asche aus Köln, auch bekannt unter den Namen Barathurim in
seinem einflussreichen Hauptwerk Barathurim, verschiedene jüdische Neujahrsbräuche und
erwähnt dann, dass es in Aschkenaz ein Minhak, ein Rauch sei, zu Beginn der Neujahrsmahlzeit einen
Apfel mit Honig zu essen und zu sagen, möge sich das Jahr als ein süßes für uns erneuern. Oder
einfacher formuliert, ein süßes neues Jahr. In der Tat hat sich diese Tradition weit verbreitet,
man findet sie heute überall auf der Welt und wo immer man das jüdische Neujahr feiert,
sieht man mit Sicherheit auch den Apfel und den Honig als Symbol der guten Neujahrsmahlzeit. Sehr
lecker. Apropos lecker, es gibt natürlich auch ein jüdisches Äquivalent zum Honigkuchenpferd,
auf das wir vielleicht nachher noch eingehen müssen, den Honigkuchen, der auf jüdisch Honig
Lekach heißt. Und richtig, Lekach ist natürlich verbannt mit dem Wort lecker, was wir alle kennen,
also ein Leckerchen gewissermaßen. Gebacken wird ja typischerweise in einer runden Aschkuchenform
oder Kugelhupf- und Rundkuchen-Napfkuchen, je nachdem, wo man sich auffällt, heißt diese Form
dann eben anders, also diese runden Formen kennen Sie alle. Und der Kuchen, also dieser Honig Lekach,
enthält neben Honig auch Gewürze, die man in Lebkuchen verwendet. Erwähnt wird der Honig Lekach
übrigens schon als eine aschkenasische Spezialität von Eleazar Ben-Yoda aus Worms,
das er um das Jahr 1200 schrieb. Und auch heute findet man ihn noch überall,
zum Beispiel hier hinter mir in unserer Küche. Was ich hier so kaleidoskopartig zeigen wollte,
ist die faszinierende Vielseitigkeit des Stoffes Honig, der in den verschiedensten symbolischen
Ordnungen und semantischen Kontexten eine Rolle spielt, und zwar nicht nur als Bedeutungsträger,
sondern als konkreter materieller Stoff. Zunächst genossen und dann interpretiert.
Das heißt, die Bedeutungs- oder Sinnstiftung scheint mir hier immer sekundär zu sein,
lässt sich entsprechend dann auch nicht festlegen. Der Honig ist dann immer das eine und auch das
andere. Ja, wunderbar. Eine Sache in deinem Vortrag hat bei mir eine Lücke geschlossen,
und zwar habe ich bei meiner langen Forschung für die schwäbischen Sprichwörter nirgends den
Honig gefunden, aber sehr wohl das Gselts. Und für die Nichtschwaben unter uns, Gselts hat nichts
mit Salz zu tun, sondern kommt von geselchtem, also gekochtem. Und überall da, wo man im
schwäbischen Sprachgebrauch eben den Honig erwarten würde, findet man das Wort Gselts.
Und noch zusätzlich, vielleicht eine andere Assoziation, die ich bei deinem Vortrag hatte,
natürlich Nietzsche, der immer mit dem Schnippel auf die judeochristische Tradition einhauen musste,
sagt genau zu dem Thema vom Land, wo Milch und Honig fließen, mit dem habe er nichts am Hute,
sondern gelobt sei, was hart macht. Das nur als meine zwei Assoziationen und vielen Dank,
dass du die Lücke gefüllt hast. Hast du denn sehen können, ob die Datteln und Feigen,
ob die wirklich nur praktisch zermanscht wurden oder ob die auch gekocht wurden?
Das ist eine gute Frage. Bin ich einfach kein Spezialist. Also ich weiß nicht,
bei der Quelle, die ich zitiert hatte, Flavius Josephus, da wird das nur als zertreten erwähnt.
Aber ich kann mir gut vorstellen, dass das irgendwie auch gekocht wurde. Aber wie gesagt,
da muss ich wirklich passen. Es scheint mir aber so zu sein, nachdem ich ein bisschen recherchiert
habe, dass es durchaus arabische Traditionen gibt, diese Art des Dattelhonigs irgendwie auch zu
kochen. Aber ich möchte mich da nicht zu weit aus dem Finster lehnen, weil ich da einfach keine
persönliche Erfahrung damit habe. Du hast das Honigkuchenpferd angesprochen
und vielleicht können wir uns da ein bisschen drüber unterhalten. Denn wir hatten das auch
in der Vordiskussion so ein bisschen überlegt. Okay, woher kommt das eigentlich? Was ist das
eigentlich? Denn für mich war das immer aus der Kindheitserinnerung so eine Fata Morgana des
Glücklichseins, ein Honigkuchenpferd oder jemand grinst wie ein Honigkuchenpferd. Das ist der
Ausdruck des allerhöchsten Glücks, das man erfahren kann. Und für mich war das immer so ein Traumgespinst,
bis wir dann tatsächlich feststellten, oder ich feststellen musste, also sehr verspätet,
das ist eine Tatsächlichkeit, nämlich ein Honigkuchenpferd. Ja, und die Frage ist, was damit
gemeint ist, wenn jemand wie ein Honigkuchenpferd grinst? Ich habe da eine sehr einleuchtende
Erklärung gefunden, aber es gibt so viele unterschiedliche Erklärungen, wie man Erklärungen
insgesamt findet. Eine ist eben, dass der Glanz des Zuckergusses auf dem Honigkuchenpferd so wie
das Grinsen der Person ist, die wie ein Honigkuchenpferd grinst, also glänzt, weil das
Honigkuchenpferd selbst hat in der ganzen Geschichte ja nichts zu lachen. Aber das Honigkuchen, wie ein
Honigkuchenpferd grinst, der glänzt ebenso wie der Honigguss auf besagten Pferd. Aber das ist ja
dann eigentlich so eine eher negative Beschreibung, wenn man sagt, man grinst wie ein Honigkuchenpferd
und dann wäre das sozusagen, dass die Oberflächlichkeit des Grinsens... Ja, etwas dümmlich,
ja, so etwas dümmlich. Man grinst, obwohl es die Situation nicht unbedingt erlaubt. Eigentlich ist
das Honigkuchenpferd ein tatsächlicher Lebkuchen, also der Lecker, was du auch schon vorgestellt
hattest, Sebastian, mit Honig gemacht oder Molasse oder irgendeiner anderen süßlichen,
klebrigen Form. Und im Endeffekt wird das Pferdchen ja das Arme gefressen und weg ist es. Und vielleicht
bleibt ein dümmliches Grinsen übrig nach dem ganzen Honig, den man verzehrt hat. Aber irgendwie war
es für mich immer so, der Sonnenschein ein Honigkuchenpferd. Und ja, das musste ich dann
korrigieren. Und vielleicht ist es tatsächlich dann auch ein Ausdruck dessen, was du angesprochen
hast, Friedemann, denn mit dem Honig kommt immer der Stachel, egal wie. Vielleicht ist das auch
eine gute Überleitung zu meinem Ansatz, denn ich fange etwas später an als ihr und zwar mit
ungefähr 1500, spätes Mittelalter. Denn, wie ich gleich zeigen werde in der Datensammlung,
zu denen ich auch die Zuhörer auffordere mitzumachen, um 1514, beziehungsweise 1514
ist angegeben, hat Albrecht Dürer nämlich einen Honigdieb gemalt, Kupit, Amor der Honigdieb. Wer
am Computer sitzt, kann das kurz nachgucken. Es ist ein Gemälde, ein Watercolor, das erzählt
die Geschichte des Sohnes von der Mutter Venus. Die werden beide dargestellt und der kleine Kupit
versucht nämlich den Bienen zu entfliehen, denn er hat ihnen eine Wabe gestohlen. Und das ist
natürlich immer fatal, denn die Bienen nehmen das nicht so einfach hin. Und er flieht und er
verliert seine Pfeile. Und anscheinend basiert das auf einer Geschichte von Theokrit. Und Venus
lacht und sagt, naja, also ich meine, du bist ja wirklich auch keine Biene. Wie willst du den
Wunden denn wohl entkommen? Darauf hinweisen, dass er Kupit natürlich auch Wunden zufügt,
nämlich mit seinen, das auch heißt, Venus mit Amor, dem Honigdieb. Und ungefähr nach 1537
entstanden, wo eben auch Venus und Kupit sozusagen gegenüberstehen, er ganz klein,
sie ganz groß, die Mama mahnend und die Göttin eben den armen Amor darauf hinweisend,
dass er vielleicht unklugerweise diese Wabe gestohlen hat, seine Pfeile verloren hat. Und
dieses Stechen, nicht nur das Stechen von den Bienen, sondern eben auch das Stechen von seinen
Pfeilen, doch womöglich was miteinander zu tun haben. Das heißt, he's getting a taste of his
own medicine, wie man im Englischen sagt. Und anscheinend hat diese Thematik eine ganze Reihe
an Gemälden um diese Zeit produziert, was womöglich dazu führt, dass tatsächlich auch
der Gebrauch des Honigs, also der Sprachgebrauch, um 1500 tatsächlich sehr stark nach oben geht.
Ich verweise auf zwei verschiedene Datensammlungsmöglichkeiten, um den Gebrauch
des Wortes Honigs, dem Gebrauch nachzuspüren. Einmal in Google Books Ngram, Sie können das
mitmachen, wenn Sie möchten, N-G-R-A-M. Dort kann man ab 1500 Wörter in verschiedene Sprachen
eingeben. Und wenn Sie Honig eingeben von 1500 bis 2019, dann arbeitet das Textmining für Sie.
Und Sie werden sehen, von 1550 bis 1600 gibt es einen sehr großen Datensatz am Honiggebrauch.
Und von ca. 1600 bis 1800 bleibt es ungefähr auf einem Grad, geht immer hoch und runter. Und bis
2000 ist es eigentlich relativ wenig, verschwindet mehr und mehr. Und jetzt befindet sich seit 2000
der Gebrauch des Honigs wieder im Aufschwung. Das Gleiche zeigt sich auch für Honey, im englischen
Honey, dort auch in Ngram Viewer. Eine große Spitze um 1500 bis 1550, dann tatsächlich Mehrsprachgebrauch,
vielleicht 1750 aufkommend mit dem Honigmond, den Friedermann schon erwähnt hatte. Denn womöglich,
das müsste man nachforschen, ist dann tatsächlich der Gebrauch von Honey als Kosename im Aufschwung.
Denn mein lieber Honig, das sagt man nicht im Deutschen, but my dear Honey, kommt natürlich
sehr, sehr oft vor im Englischen. Alltagsgebrauch täglich, wenn man sich natürlich lieb hat. Oder
wenn man sich vielleicht nicht so lieb hat oder der Alltagsgebrauch tatsächlich sehr veralltagt ist,
gibt es auch im Englischen eine Honey-Do-List. Ich weiß nicht, ob Sebastian und Friedemann eine
Honey-Do-List haben, aber das ist alltagssprachlich die Liste, die im Haushalt vorliegt, die abgearbeitet
werden muss an Reparaturen, an Einkäufen, an diversen anderen Sachen. Und das kann schon
vorkommen, dass da Honey-Do-Lists von gewissen weiblichen Personen ab und zu verabreicht werden,
so zumindest das Stereotyp. Im deutschen Wortschatz gibt es natürlich auch Verlaufskurven vom Honiggebrauch,
wenn man DWDS benutzt als Datensammlung und Textmining. Dort ist die Verlaufskurve
tatsächlich von 1600 bis 1999 sehr fallend, hauptsächlich 1660, 1670 bis 1700 ein sehr
starker Gebrauch des Wortes Honig und das fällt dann doch sehr stark ab bis zum Jahr 2000.
Friedemann hat es schon angesprochen, die Etymologie von Honig, das heißt die Farbe,
die Konsistenz spielt eine sehr, sehr große Rolle. Es gibt natürlich auch, um wieder zurückzukommen
auf die Kunstgeschichte, neuere Versionen von Honig in der Kunst. Vielleicht eine der abgefahrensten
ist tatsächlich die Honigpumpe am Arbeitsplatz von Joseph Beuys. Dort hatte er tatsächlich versucht,
den Honig in eine Art Prozess, einen Kunstprozess zu verwandeln und mit Honig als Arbeitsmittel in
der Kunst, nicht nur als etwas, was tatsächlich abgebildet wird, zweidimensional, natürlich auch
gerne nachzulesen in diversen Formen. Es gibt auch Videos dazu in verschiedener Fasson. Verschiedene
Filme sind natürlich auch sehr beliebt, natürlich auch gerade im englischen Gebrauch, da eben dieses
benannte Honey mit hineinkommt. Und es gibt Honey Boy, das ist einer der neuesten Filme von 2019,
Honey Rise Up and Dance, Honey 2, Honey 3, Honey Badgers, American Honey, Ball Honey, Honey I Shrunk
the Kids, das ist vielleicht manchen noch ein Begriff, Honey I Shrunk the Kids 2, More Than Honey.
Also Honey ist auch ein beliebter, sehr beliebter Filmtitel und besagt natürlich alle möglichen
Sachen, inklusive eben den Kosenamen, aber auch das, was Friedemann und Sebastian schon
angesprochen hatten, Essen, Wein, Rausch, Zähigkeit, Stachel etc. pp. Ganz besonders spannend finde ich,
weiter auch im technischen Gebrauch, den sogenannten Honeypot, falls jemand mit Computertechnologien
bekannt ist. Der Honeypot ist tatsächlich ein Computersicherheitsmechanismus. Im Endeffekt
ist es ein Decoy, ein Ablenkungsmanöver, mit dem man potenzielle Hacker tatsächlich auf ein Netzwerk
hin spüren lässt. Sie verführt sozusagen in eine falsche Richtung, damit sie tatsächlich das
existierende, zu sichernde Netzwerk eben nicht hacken. Und sowas nennt sich dann, also dieses
Ablenkungsmanöver, dieses Decoy nennt sich dann tatsächlich Honeypot. Und abschließend würde
ich ganz gerne mit ein paar Sprichworten, um tatsächlich auch die Sprichworte mit hinein zu
bringen. Ich sage sie auf Englisch, vielleicht helft ihr mir, Sebastian und Friedemann, sie tatsächlich zu
übersetzen. Es gibt ein kurdisches Sprichwort, some will enjoy the honey, others will have to put up with the sting.
Hier wird also tatsächlich getrennt, der Stich kommt nicht notwendig mit dem Honig. A good bee will not go to a drooping flower,
ein rumänisches Sprichwort. Ein türkisches Sprichwort besagt, vinegar that costs nothing is sweeter than honey.
Hier auch wieder die Gegenüberstellung von Essig und Honig. Im niederländischen, the cost is high of the honey that must be licked from thorns.
Ein etwas sehr dramatisches Bild. Ein vietnamesisches Sprichwort besagt, the human tongue is more poisonous than a bee's sting.
Und ein baskisches Sprichwort besagt, honey is bitter for a sore mouth. Ich belasse es hier, es gibt wesentlich mehr Sprichwörter
aus der ganzen Welt zum Thema Honig, aber vielleicht kommen da noch ein paar zur Sprache. Dankeschön.
Ja wunderbar, Anke, du hast uns da auf eine Lücke in unseren Beiträgen hingewiesen, nämlich Honig als Euphemismus,
was vor allem im englischsprachigen Bereich sehr verbreitet ist. Also zum Beispiel, man denkt ja, Neuengland sei hochzivilisiert
und so weiter, aber die meisten von uns haben ja noch eine Sickergrube mit einem Riesenfeld.
Und der Schwagen, der kommt, um diese Sickergrube alle ein bis zwei Jahre oder vielleicht auch seltener zu lehren,
heißt eben im umgangssprachlichen The Honey Wagon. Es ist natürlich genau das Gegenteil, was in diesem Honey Wagon drin ist.
Und insofern habe ich auch nachgeschlagen in einem Wörterbuch über Euphemismus in der englischen Sprache.
Honey wird auch benutzt für alle möglichen körperlichen Ausflüsse, die nicht unbedingt so angenehm sind.
Und ich meine natürlich mit einer Honey-Du-List, da musste ich als Schwabe sofort an die Kehrwoche denken.
Das könnte man ja vielleicht aufnehmen, dass man in Zukunft vielleicht eine Biene auf dieses Schild, statt einem Besen.
Naja, vielleicht würden das die Leute nicht verstehen. Aber ganz interessant fand ich auch an deinem Beitrag,
dass eben die Häufigkeit der Benutzung des Wortes übereinstimmt mit dem Übergang von nur den wilden Honig zu sammeln,
aus den hohlen Bäumen, zu den ersten menschlichen Ansätzen, den ganzen Produktionsprozess höher zu treiben,
indem man nämlich zuerst einmal diese Nester in den hohlen Bäumen nachgebaut hat.
Und dann später dazu kamen eben die Bienenstöcke zum Zimmer.
Also der Sprachgebrauch reflektiert da wohl auch einen großen Fortschritt in der agrarischen Herstellung von Honig
und geht wohl auch Hand in Hand mit einem großen Sprung in der Backkunst, zumindest in Mitteleuropa,
da mit dem Honig plötzlich ungeahnte Möglichkeiten sich eröffnet haben, Dinge zu süßen,
zu verbessern und so weiter. Ja, also das waren zwei Punkte, die mir dazu eingefallen sind. Sebastian?
Ja, also die Chemo, die erinnert mich jetzt wiederum an meine Zeit, als ich in der DDR aufgewachsen bin, in der Schule.
Dort haben wir für Fleißaufgaben in unserem Heft immer einen Bienenstempel bekommen.
Dann nehme ich ein Bienchen, also für Fleiß.
Überhaupt fand ich es sehr spannend, auch über die Biene nachzudenken als ein Symbol für Fleiß, für Arbeitsamkeit.
Und in dem Beispiel, das du, Anke, gebracht hast von Josef Beuys, also diese Installation.
Die Honigpumpe, ja.
Genau, die Honigpumpe, wo der Honig hier fließt.
Ich habe mir das jetzt auch kurz nachgeschlagen hier, als du gesprochen hast.
Das ist praktisch diese Gesellschaft, die menschliche soziale Systeme irgendwie zeigt.
Also die Mechanismen und die Funktionen gesellschaftlicher Systeme.
Und ich denke, das kommt in dieser Bienen, also mit diesem Bild der Biene immer wieder auch zum Ausdruck.
Biene ist ja ein soziales System, auch der Bienenstock, in dem eben verschiedene Bienen verschiedene Arbeiten übernehmen.
Insofern bietet sich das natürlich immer an, auch als ein Beispiel oder als ein Bild für die menschliche Gesellschaft.
Das kann man dann natürlich auch kritisch betrachten.
Ja, auf jeden Fall.
Also ich denke mir, ist natürlich die Frage, das ist vielleicht eher eine biologische Frage,
okay, wann kommt der Stachel?
Ist das Bienenfolge zu sagen, fröhlich damit beschäftigt, fleißig zu sein und den Honig zu produzieren?
Oder sind wir jetzt in der Überbeschäftigung und in der Überbevölkerung und irgendwann ist Schluss.
Dann wird gestachelt.
Und wie würde sich das tatsächlich dann künstlerisch oder medienspezifisch auswirken?
Aber klar, das war auf jeden Fall das Thema von Beuys.
Und gerade in der Kunstgeschichte, da gibt es also auch ganz wunderbare Sachen, die man nachgucken kann,
etwa auf Google und Art & Culture.
Da gibt es ganz viele verschiedene Bilder auch aus nicht-westeuropäischen Kulturen.
Es gibt ein ganzes Volk, eine ganze Gruppe in Kenia, die explizit auch Honigsammler sind als Berufung.
Und das sind lauter so viele verschiedene Querverweise, aber auch visuelle Insinuationen, die wirklich sehr, sehr spannend sind.
Jetzt ist Philipp wieder da.
Wir hören dich nicht.
Jetzt müsstet ihr mich wieder hören.
Mein Kopf summt noch ganz von diesen vielen verschiedenen neuen Erkenntnissen.
Ihr habt wirklich eine Episode hier versüßt auf eine Art und Weise, wie ich mir das vorher nicht hätte besser ausmalen können.
Also vielen herzlichen Dank für diesen Beitrag.
Ich glaube, es sind so viele Punkte aufgekommen, dass es sich auf jeden Fall lohnen wird,
in einem Nachklapp auch nochmal das eine oder andere genannte Bild oder vielleicht sogar den einen anderen Text im Chat zu verlinken.
Das werden wir machen, sodass Sie da draußen auch noch ein bisschen nachhören können.
Ja, was bleibt mir zu sagen?
Nicht viel, außer dass das noch nicht das Ende der Sprichwörter war.
Also lieber Sebastian, lieber Anke, lieber Friedemann, vielen Dank für euren Beitrag.
Vielen Dank, liebes Publikum, bis hierher.
Wir sind bald wieder für Sie da mit weiteren Sprichwörtern aus aller Welt.
Und ich meine doch, es lohnt sich, dran zu bleiben, denn wie es sich heute gezeigt hat,
sind es auf den ersten Blick scheinbar ganz alltägliche Dinge,
wie zum Beispiel der süße Honig, über den man trefflich aus verschiedensten Perspektiven sprechen kann
und sprichwörtlich zu mehr Erkenntnis kommt.
Ich danke und bis bald.
