Friedrich Schiller „Die Kraniche des Ibykus“ (1797)

Lyrik für Puristen
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02.11.2024
Rezitation: Barbara Nüsse
von der CD
„Diesen Kuss der ganzen Welt“
erschienen bei Goya Lit
ISBN 978-3-8337-1198-5
Vergleichsrezitation: Fritz Stavenhagen
Link: https://youtu.be/9cSGDFyvEec
Text:
Text siehe:
https://de.wikisource.org/wiki/Die_Kraniche_des_Ibycus
Bilder: William Blake zu John Miltons „Paradise Lost"
die kraniche des ibykus zum kampf der
wagen und gesänge der auf corinth tus
landes enge der griechen stämme froh
vereint zog ibykus der götter freund ihm
schenkte des gesanges gabe der lieder
süßen und abholen
so wandert er an leichtem stabe aus
regierung des gottes voll von winkt auf
hohen berges rücken agro corinth des
wanderers blicken und in poseidons
fichtenhain tritt er mit frommem schau
da ein
nichts regt sich um ihn her nur schwärme
von kranichen begleiten ihn die fern hin
nach des südens wärme in grau lichtem
geschwader ziehen
seit mir gegrüßt befreundete scharen die
mir zu sehen
begleiter waren zum guten zeichen nehme
ich euch mein los es ist in euren gleich
von fern her kommen wir gezogen und
flehen um ein wirklich dach sei uns der
gastliche gewogen der von dem fremdling
wert die schmach und munter fördert er
die schritte und zieht sich in des
waldes mitte da sperren aufgetragen steg
zwei mörder plötzlich seinen weg zum
kampf muss er sich bereiten
doch bald ermattet sinkt die hand sie
hat der leier zarte seiten doch nie des
bogens kraft gespannt er ruft die
die götter sein pflegen dringt zu keinem
retter wie weit er auch die stimme
schickt nichts lebendes wird hier
erblickt
so muss ich hier verlassen sterben auf
fremdem boden unbewohnt durch böse buben
hand verderben wo auch kein rächer mir
erscheint und schwer getroffen sinkt er
nieder
da rauscht der kraniche gefieder
er hört schon kann er nicht mehr sehen
die nein-stimmen furchtbar krähen von
euch ihr kraniche dort oben wenn keine
andere stimme spricht sei meines woche
des clark erhoben er ruft ist und sein
auge bricht der nackte leichnam wird
gefunden und bald obgleich entstellt von
wunden erkennt der gast freund in
korinth die züge die in teuer sind und
muss ich dich so wiederfinden und hoffte
mit der fichte kranz des sängers schläfe
zu um winden bestrahlt von seines ruhmes
glanz und jammernd hörens alle gäste
versammelt bei poseidons feste ganz
griechenland ergreift der schmerz
verloren hat in jedes herz und stürmen
drängt sich zum brutalen das volk es
fordert seine wut zu rechen des
erschlagenen mahnen zu sühnen mit des
mörders blut doch wo die spur
die aus der menge der völker flutenden
gedränge gelockert von der spiele pracht
den schwarzen täter kenntlich macht sind
räuber die ihn verschlagen taz neidisch
ein verborgener feind nur helios vermag
zu sagen er alles irdische bescheint
vielleicht mit frechem schritte jetzt
eben durch der griechen mitte und
während ihn die rache sucht genießt er
seines frevel frucht auf ihres eigenen
tempels schwelle trotz der vielleicht
den göttern mengt sich dreist in jene
menschen welche die dort sich zum
theater drängt denn bank an bank
gedrängt sitzen entsprechen fasst der
bühne stützen herbeigeströmt von fern
und nah der griechen völker wartend da
dumpf brausen tvi des meereswogen von
menschen wimmelt wächst der bau in
weiter stets geschweißten bogen hinauf
bis in das himmelsblau wer zählt die
völker nennt die namen die gastliche
zusammenkamen von theseus stadt von
alice strand von focus vom spartaner
land von asiens entlegener küste von
allen inseln kamen sie und horchen von
dem schau gerüste des chores grausam
melodie der streng und ernst nach alter
sitte mit langsamen abgemessenen
schritte hervortritt aus dem hintergrund
umwandeln des theaters rund so schreiten
keine irdischen weiber die zeuge kein
sterblicher aus es steigt das riesen maß
der leiber hoch über menschliches hinaus
ein schwarzer mantel schlägt die lenden
sie schwingen in fleisch den händen der
fackel düster rote blut in ihren wangen
fließt kein blut und wo die haare
lieblich flattern um menschen stirnen
freundlich wen da sieht man schlangen
hier und nathan die gift geschwollenen
bäuche pläne und schauerlich gedreht im
kreise beginnen sie des hymnus weise
der durch das herzzerreißend dringt die
bande um den sünder schlingt
besinnungstagen herz betörend schallt
der er in ihren gesang erschallt des
hörers marktverzerrend und duldet nicht
der leier klang
wohl dem der frei von schuld und viele
bewahrt die kindlich eine seele ihm
dürfen wir nicht rechnen
er wandelt frei des lebens bahn
doch wehe wehe wer verstohlen des mordes
schwere tat vollbracht wir hätten uns an
seine sohlen das furchtbare geschlecht
der nacht und glaubt er fliehen zu
entspringen geflügel sind wir da die
schlingen ihm werfen um den flüchtigen
fuß dass er zu boden fallen muss so
jagen wir ihn nun ermatten versöhnen
kann uns keine reue fort und fort bis zu
den schatten und geben ihn auch dort
nicht frei
so singen tanzen sie den reigen und
stille wie des todes schweigen liegt
über dem ganzen hause schwer als ob die
gottheit nahe wer und feierlich nach
alter sitte umwandelt des theaters rund
mit langsamen abgemessenen schritte
verschwinden sie im hintergrund und
zwischen trug und wahrheit schwäbelt
noch zweifelt jede brust und bebit
unschuldige der furchtbaren macht die
richtet im verborgenen wacht die
unerforschten ergründet des schicksals
dunklen knäuel pflicht
dem tiefen herzen sich verkündet doch
flieht vor dem sonnenlicht
da hört man auf den höchsten stufen auf
einmal eine stimme rufen sie da sie da
timotheus die kraniche des ibykus und
finster plötzlich wird der himmel und
über dem theater hin sieht man in
schwarzlicht im gewimmel ein kranich her
vorüber ziehen des ibykus der teure name
hört jede brust mit neuem gramme und wie
ihm mehrere well auf well so läuft's von
mund zu mund schnell des ibykus den wir
beweinen denn eine marode hand erschlug
was ist mit dem was kann er meinen was
ist mit diesem kranich zug und lauter
immer wird die frage und ahnend fliegt
mit blitzes schlage durch alle herzen
hebet 8 das ist der mini gemacht der
fromme dichter wird gerochen
der mörder bietet selbst sich da
ergreift ihn der das wort gesprochen und
ihn an die es gerichtet war
doch dem war kaum das wort entfahren
möchte er es im busen gern bewahren
umsonst der schrecken bleichem und macht
schnell die schuld bewussten kund man
reicht
und schleppt sie vor den richter die
szene wird zum tribunal und es gestehen
die bösewichter getroffen von der rache
strahlt
