Auszug aus dem Werk von Dante Alighieri (Foto) / Rezitation: Till Firit / Anmerkung: Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: Die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder. (Dante Alighieri)
Inhalt: Durch Hölle, Fegefeuer und Paradies wandert der Dichter. Er erzählt sein eigenes Schicksal, berichtet von den Qualen der Verdammten, von der Sehnsucht nach Läuterung und von der überwältigend strahlenden Schönheit des Lichtes in den höchsten Himmeln. Sie wird als eines der größten Werke der Weltliteratur angesehen. (Quelle Wikipedia)
Ich stand in unseres Erdendaseins Mitte, Verirrt in einem dunklen Wald alleine.
Kein rechter Weg mehr bot sich meinem Schritte.
Das Reden fällt mir schwer und ich vermeine,
Dass jenes wilden Waldes Dornendichte
Auch künftig mir als Schreckensbild erscheine,
Gleich bitter wie der Tod.
Doch ich berichte des guten Wegen, das ich aufgenommen,
Von anderem erschienen dem Gesichte.
Wie bin ich, frag ich mich, dorthin gekommen?
An jenem Punkt war ich wie schlafbefangen,
Als ich verließ den wahren Weg der Frommen.
Wie mir zum Fuß des Hügels zu gelangen bestimmt war,
Hier, wo dieses Tal geendet,
Und solche Qualen mir das Herz umschlangen,
Konnt ich, zum Höhenrücken hingewendet,
Den Strahlensaum der Himmelssonne fassen,
Die jedermann des Weges Fackel spendet.
Nun haben meine Ängste nachgelassen,
Die mir verblieben tief im Herzensgrunde,
In dieser Nacht voll drohender Grimassen.
Wie Schiffer mit noch atemlosem Munde
Der Flut entronnen, schwer ans Ufer steigen,
Die Blicke wenden zum gepeitschten Schlunde,
So mussten mir im Fliehen die Sinne zeigen,
Die Enge, die schon hinter mir gelegen.
Vor mir durchbrach kein Lebender ihr Schweigen,
Mein Körper musste kurz der Ruhe pflegen.
Dann wies der Berghang mir des Weges Richtung
Und Schritt für Schritt war Sicherheit zu wägen.
Ein Steilstück.
Dort, am Rande einer Lichtung,
Erschien vor mir ein sichtlich sprunggewandter,
Gefleckter Panther.
Blicke der Vernichtung warf stechend er mir zu,
Wie ein Gesandter des Bösen.
Rasch zurück.
Nur so entrinne ich
Vorm verlegten Weiterweg dem Panther.
Der Morgen stand noch schläfrig am Beginne.
Beim Sternenwider sich die Sonne regte,
Der Stolz regierte, staunend hielt ich inne,
Als Gottes Liebe all die Pracht bewegte.
So hatte ich auch Grund, mir zu erhoffen,
Dass dieses Tier denn doch nichts Böses hegte.
Mir schien der Tag, der Frühlingshimmel, offen.
Nicht so, dass meine Furcht gewichen wäre.
Ein Löwe, und ich bin erneut betroffen.
Er kommt, als ob sein Opfer erbegere,
Das Haupt erhoben mit gesträubter Mähne.
Vor ihm erzitterte die Atmosphäre,
Und eine Wölfin bleckte ihre Zähne,
Die Dürre sprach für der Begierden Sünde.
Oh, wie viel Unheil brachte uns doch jene.
Ihr Anblick weckte zwingend in mir Gründe,
Dass aller Mut und alle Hoffnung sanken,
Dass jemals ich am Gipfel oben stünde.
Dem Tier gelang im steden Näherschreiten
An mich dorthin, wo sich keine Sonnen zeigen,
Zurück bergab nach unten zu verleiten.
Fast stürzend im Bemühen, rasch abzusteigen,
Verhängte sich mein Blick an einem Wesen,
Das heiser schien von allzu langem Schweigen.
Ich sprach es an, um wieder zu genesen in dieser Öde.
Hilf mir, stütz mich, Matten, wer du auch bist,
Ob Mensch, ob Mensch gewesen.
Ich war ein Mensch und bin jetzt nur ein Schatten,
Und meine Eltern, die Lombarden waren,
Sie beide Mantua zur Heimat hatten.
Ich war noch jung in Cäsars größten Jahren
Und lebt im Rom Augustus, jenes Guten,
In Zeiten trügerischer Götterscharren.
Als Dichter wagte ich mir zuzumuten,
Der als Troja brannte entflohn Illions glückverlassenen Gluten.
Sag, welcher Rückschlag dich so übermannte!
Komm, steig doch auf zu dieses Berges Helle,
Der doch als Urgrund alle Freude sandte.
Dann heißtest du Vergil?
Bis jene Quelle, die gar so reich den Strom der Sprache speiste,
Versetzte ich in schambedingter Schnelle
Die höchste Dichterehrung, ich dir leiste,
Verlohne mir die eifrig tiefe Liebe
Zu deines Werkes Licht von bestem Geiste.
Verblasst wär alles, was ich schrieb und schriebe,
Entbehrte ich dein Vorbild, Herr und Meister,
Für meinen schönen Stil kein Lob verbliebe.
Das Und hier, schau, verhält sich immer dreister,
Willst großer, weiser, du mich sicher führen,
Vor ihm erzittern meine Lebensgeister.
Du solltest einen anderen Weg erkühren,
Schlug er mir vor, gerührt von meinem Weinen,
Und nicht mehr dieses Ortes Grauen spüren,
Denn dieses Ungetüm, so will mir scheinen,
Lässt niemanden vorbei an seinem Wege,
Es hindert und vernichtet schließlich einen.
Du wirst am Heilsweg weniger ermattet,
Wenn du mir folgst.
Ich will dein Führer bleiben,
Von hier dorthin, wo Ewigkeits umschattet
Verzweiflungsschreie dich zum Wahnsinn treiben,
Wo du die Leiden alter Geister sehen wirst,
Ein zweiter Tod bei ihnen zu verschreiben.
Aus diesem Jammer du zu jenen gehen wirst,
Die hoffen, durch das Feuer zu empfangen
Die spätere Seligkeit, wie du verstehen wirst.
Und willst auch du hierauf dorthin gelangen,
Naht, würdiger als ich, dir eine Seele
Für den Bezirk, der meinem Blick verhangen.
Ich sprach zu ihm, du mein Poet,
Verschone bei jenem Gotte, den du noch nicht kanntest,
Mich bald von der Verdammnis jener Zone,
Die vorhin als das erste Ziel du nanntest.
Ich möchte schon an Petros Pforte pochen,
Nachdem du alles Trübe von mir wandtest.