HEINRICH VON KLEIST - NEUJAHRSWUNSCH

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18 Videoaufrufe·02.01.2025
Neujahrswunsch eines Feuerwerkers an seinen Hauptmann aus dem siebenjährigen Kriege.
Hochwohlgeborener Herr, hochzuehrender, hochgebietender, fester und strenger Herr Hauptmann,
Sintemal und Aldiwal und gleichwie, wenn die ungestüme Wasserflut und deren schäumende Wellen
einer ganzen Stadt Untergang und Verwüstung drohen, und dann der zitternde Bürger
mit Rettungswerkzeugen herzueilet und rennt, um womöglich den rauschenden, brausenden
und erzürnten Fluten Einhalt zu tun, so und nicht anders eile ich euer Hochwohlgeboren
bei dem jetzigen Jahreswechsel von der Unverbesserlichkeit meiner Ihnen gewidmeten Ergebenheit bereitwilligst
und dienstbeflissentlichst zu versichern und zu überzeugen und dabei meinem hochgeehrten
Herrn Hauptmann ein ganzes Arsenal voll aller zur Glückseligkeit des menschlichen Lebens
erforderlichen Bedürfnisse anzuwünschen. Es müsse meinem hochgeehrtesten Herrn Hauptmann
weder an Pulver der edlen Gesundheit noch an den Kugeln eines immerwährenden Vergnügens,
weder an Bomben der Zufriedenheit, weder an Karkassen der Gemütsruhe noch an der Lunte
eines langen Lebens ermangeln. Es müssen die Feinde unserer Ruhe, die pandurenmäßigen
Sorgen, sich nimmer der Zitadelle ihres Herzens nähern. Ja, es müsse ihnen gelingen, die
Trancheen ihrer Kränkungen vor der Redout ihrer Lustempfindungen zu öffnen. Das Glacis
ihres Wohlergehens sei bis in das späteste Alter mit den Palisaden des Segens verwahrt
und die Sturmleitern des Kummers müssen vergebens an das Ravelin ihrer Freude gelegt
werden. Es müssen euer Hochwohlgeboren alle bei dem beschwerlichen Marsch dieses Lebens
vorkommende Defileen ohne Verlust und Schaden passieren und fehle es zu keiner Zeit weder
der Kavallerie ihrer Wünsche noch der Infanterie ihrer Hoffnungen noch der reitenden Artillerie
ihrer Projekte an dem Proviant und den Munitionen eines glücklichen Erfolgs. Übrigens ermangle
ich auch nicht das Gewehr meiner mit scharfen Patronen geladenen Dankbarkeit, zu der Salve
ihres gütigen Wohlwollens loszuschießen und mit ganzen Pelotons der Erkenntlichkeit
durchzuschargieren. Ich verabscheue die Handgriffe der Falschheit, ich mache den Pfannendeckel
der Verstellung ab und dringe mit aufgepflanztem Bajonett meiner ergebendsten Bitte in das
Bataillon Carré ihrer Freundschaft ein, um dieselbe zu forcieren, dass sie mir den Wahlplatz
ihrer Gewogenheit überlassen müsse, wo ich mich zum Martinieren suchen werde, bis die
unvermeidliche Miene des Todes ihren Effekt tut und mich nicht in die Luft sprengen, wohl
aber in die dunkle Kassematte des Grabes einquartieren wird. Bis dahin verharre ich
meines hoch zu ehrenden Herrn Hauptmanns respektmäßiger Diener N. N.
