Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern; das Bübchen hieß Hänsel und das Mädchen Gretel. Er hatte wenig zu beißen und zu brechen, und einmal, als große Teuerung ins Land kam, konnte er das tägliche Brot nicht mehr schaffen. Wie er sich nun abends im Bette Gedanken machte und sich vor Sorgen herumwälzte, seufzte er und sprach zu seiner Frau: "Was soll aus uns werden? Wie können wir unsere armen Kinder ernähren da wir für uns selbst nichts mehr haben?" - "Weißt du was, Mann," antwortete die Frau, "wir wollen morgen in aller Frühe die Kinder hinaus in den Wald führen, wo er am dicksten ist. Da machen wir ihnen ein Feuer an und geben jedem noch ein Stückchen Brot, dann gehen wir an unsere Arbeit und lassen sie allein. Sie finden den Weg nicht wieder nach Haus, und wir sind sie los." - "Nein, Frau," sagte der Mann, "das tue ich nicht; wie sollt ich's übers Herz bringen, meine Kinder im Walde allein zu lassen! Die wilden Tiere würden bald kommen und sie zerreißen." - "Oh, du Narr," sagte sie, "dann müssen wir alle viere Hungers sterben, du kannst nur die Bretter für die Särge hobeln," und ließ ihm keine Ruhe, bis er einwilligte. "Aber die armen Kinder dauern mich doch," sagte der Mann. Die zwei Kinder hatten vor Hunger auch nicht einschlafen können und hatten gehört, was die Stiefmutter zum Vater gesagt hatte. Gretel weinte bittere Tränen und sprach zu Hänsel: "Nun ist's um uns geschehen." - "Still, Gretel," sprach Hänsel, "gräme dich nicht, ich will uns schon helfen."
Schau dir das Märchen an, um zu sehen, was Hänsel und Gretel alles erleben.
Bilder: Illustrationen Herbert Leupin, Erscheinungsjahr 2021, Nord/Süd Verlag AG Zürich, Schweiz, Sonderausgabe SBS, mit freundlicher Genehmigung durch Nord/Süd Verlag
Hänsel und Gretel, ein Märchen der Gebrüder Grimm. Vor einem großen Wald
wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern.
Der Bub hieß Hänsel und das Mädchen Gretel. Der Holzhacker hatte wenig zu
beißen und zu brechen und einmal als große Teuerung ins Land kam, konnte er
auch das tägliche Brot nicht mehr beschaffen. Wie er sich nun abends im
Bett Gedanken machte und sich vor Sorgen herumwälzte, seufzte er und sprach zu
seiner Frau. Was soll aus uns werden? Wie können wir unsere armen Kinder
ernehmen, wenn wir für uns selbst nichts mehr haben?
Weißt du was, Mann? antwortete die Frau. Wir wollen morgen in aller frühe die
Kinder hinaus in den Wald führen, wo er am dichtesten ist. Dann machen wir ihnen
ein Feuer an und geben jedem noch ein Stückchen Brot. Dann gehen wir an unsere
Arbeit und lassen sie allein. Sie finden den Weg nicht wieder nach Hause und wir
sind sie los. Nein, Frau, sagte der Mann. Das tue ich nicht. Wie sollte ich es
übers Herz bringen, meine Kinder im Wald allein zu lassen?
Die wilden Tiere würden bald kommen und sie zerreißen. Oh, du Narr, sagte sie. Dann müssen wir
alle vier verhungern. Du kannst uns die Bretter für Dessert gehobeln. Und ließ
ihm keine Ruhe, bis er einwilligte. Aber die armen Kinder tun mir doch leid,
sagte der Mann. Die zwei Kinder hatten vor Hunger auch nicht einmal schlafen
können und hatten gehört, was die Stiefmutter zum Vater gesagt hatte.
Gretel weinte bittere Tränen und sagte zu Hänsel. Nun ist es um uns geschehen.
Still, Gretel, sagte Hänsel. Grem dich nicht. Ich will uns schon helfen.
Und als die Alten eingeschlafen waren, stand er auf, zog sein Rücklein an,
machte die Tür auf und schlich sich hinaus. Da schien der Mond ganz hell und
die weißen Kieselsteine, die vor dem Haus lagen, glänzten wie neue Münzen.
Hänsel bückte sich und steckte so viele in seine Rocktasche, wie nur hinein
passten. Dann ging er wieder zurück und sagte zu Gretel. Sei unbesorgt,
liebes Schwesterchen, und schlaf nur ruhig ein. Gott wird uns nicht verlassen.
Und legte sich wieder in sein Bett. Als der Tag anbrach, noch ehe die Sonne
aufgegangen war, kam schon die Frau und weckte die Kinder. Steht auf, Herr
Faulenzer, wir wollen in den Wald gehen und Holz holen.
Da gab sie jedem ein Stückchen Brot und sprach. Da habt ihr etwas für den Mittag,
aber esst es nicht vorher auf. Weiter kriegt ihr nichts. Gretel nahm das Brot
unter die Schürze, weil Hänsel die Steine in der Tasche hatte.
Danach machten sie sich alle zusammen auf den Weg zum Wald. Als sie ein
Weilchen gegangen waren, stand Hänsel still und guckte zum Haus zurück und tat
das wieder und immer wieder. Der Vater sprach. Hänsel, was guckst du da und
bleibst zurück. Hab Acht und beeile dich. Ach, Vater, sagte Hänsel, ich sehe nach
meinen weißen Kätzchen. Das sitzt oben auf dem Dach und will mir Ade sagen.
Die Frau sprach. Na, das ist dein Kätzchen nicht. Das ist die Morgensonne, die auf
den Schornstein scheint. Hänsel aber hatte nicht nach dem Kätzchen gesehen, sondern immer
einen von den blanken Kieselsteinen aus seiner Tasche auf den Weg geworfen.
Als sie mitten in den Wald gekommen waren, sagte der Vater. Nun sammelt Holz, ihr
Kinder. Ich will ein Feuer anmachen, damit ihr nicht friert. Hänsel und Gretel
trugen Reisig zusammen einen kleinen Berg hoch. Das Reisig wurde angezündet und
als die Flamme recht hoch brannte, sagte die Frau. Nun legt euch ans Feuer, Kinder,
und ruht euch aus. Wir gehen in den Wald und hauen Holz. Wenn wir fertig sind,
kommen wir wieder und holen euch ab. Hänsel und Gretel saßen um das Feuer und
als es Mittag war, aß jedes Kind sein Stücklein Brot und weil sie die Schläge
der Holzachst hörten, glaubten sie, ihr Vater wäre in der Nähe.
Es war aber nicht die Holzachst. Es war ein Ast, den der Vater an einen
dürren Baum gebunden hatte und den der Wind hin und her schlug. Und nachdem die
Kinder lange so gesessen hatten, fielen ihnen die Augen vor Müdigkeit zu und sie
schliefen fest ein. Als sie wieder erwachten, war es schon
finstere Nacht. Gretel fing an zu weinen und fragte. Wie sollen wir nun aus dem
Wald kommen? Hänsel aber tröstete sie. Wart nur ein
Weilchen, bis der Mond aufgegangen ist. Dann werden wir den Weg schon finden. Und
als der volle Mond aufgestiegen war, nahm Hänsel sein Schwesterchen an der Hand
und ging den Kieselsteinen nach, die wie neue Münzen schimmerten und ihnen den
Weg zeigten. Sie gingen die ganze Nacht hindurch und
kamen bei anbrechendem Tag wieder zum Haus ihres Vaters.
Sie klopften an die Türe und als die Frau aufmachte und sah, dass es Hänsel
und Gretel waren, sprach sie. Ihr bösen Kinder, was habt ihr so lange im Wald
geschlafen? Wir haben geglaubt, ihr wolltet gar nicht
wiederkommen. Der Vater aber freute sich, denn es war ihm zu Herzen gegangen, dass
sie so allein im Wald waren. Nicht lange danach war wieder Not in allen Ecken und
die Kinder hörten, wie die Mutter nachts im Bett zu dem Vater sprach. Alles ist
wieder aufgezehrt. Wir haben noch einen halben Gleib Brot.
Danach hat das Lied ein Ende. Die Kinder müssen fort. Wir wollen sie tiefer in
den Wald hineinführen, damit sie den Weg nicht wieder hinausfinden.
Es gibt sonst keine Rettung für uns. Der Mann tat es leid und er dachte, es wäre
besser, wenn du den letzten Bissen mit deinen Kindern teilst. Aber die Frau hörte
auf nichts, was er sagte, schallte ihn und machte ihm Vorwürfe. Wer A sagt, muss auch
B sagen. Und weil er das erste Mal nachgegeben hatte, so musste er auch zum
zweiten Mal nachgeben. Die Kinder waren aber noch wach gewesen und hatten das
Gespräch mit angehört. Als die Alten schliefen, stand Hänsel wieder auf, wollte
hinaus und die Kieselsteine auflesen, wie das vorige Mal. Aber die Frau hatte die
Türe verschlossen und Hänsel konnte nicht hinaus. Aber er tröstete sein
Schwesterchen und sagte, weine nicht Gretel und schlaf nur ruhig. Der liebe
Gott wird uns schon helfen. Am frühen Morgen kam die Frau und holte die Kinder
aus dem Bett. Sie erhielten ihr Stückchen Brot. Das war aber noch kleiner als das
vorige Mal. Auf dem Weg zum Wald bröckelte Hänsel das Brot in der Tasche, stand oft
still und warf ein Bröcklein auf die Erde. Hänsel, was stehst du und guckst dich um?
sagte der Vater. Geh deine Wege. Ich sehe nach meinem Täubchen, das sitzt auf dem Dach
und will mir Ade sagen, antwortete Hänsel. Na, sagte die Frau, das ist dein
Täubchen nicht, das ist die Morgensonne, die auf den Schornstein oben scheint.
Hänsel aber warf nach und nach alle Bröcklein auf den Weg. Die Frau führte
die Kinder noch tiefer in den Wald, wo sie noch nie im Leben gewesen waren.
Da wurde wieder ein großes Feuer angemacht und die Mutter sagte, bleibt nur
da sitzen, ihr Kinder und wenn ihr müde seid, könnt ihr ein wenig schlafen.
Wir gehen in den Wald und hauen Holz und abends, wenn wir fertig sind, kommen wir
und holen euch ab. Als es Mittag war, teilte Gretel ihr Brot mit Hänsel, der
sein Stück auf den Weg gestreut hatte. Dann schliefen sie ein und der Abend
verging, aber niemand kam zu den armen Kindern.
Sie erwachten erst in der finsteren Nacht und Hänsel tröstete sein
Schwesterchen und sagte, warte nur Gretel, bis der Mond aufgeht, dann werden wir die
Brotbröcklein sehen, die ich ausgestreut habe, die zeigen uns den Weg nach Hause.
Als der Mond kam, machten sie sich auf, aber sie fanden kein Bröcklein mehr, denn
die vieltausend Vögel, die im Wald und im Feld umherfliegen, die hatten sie
weggepickt. Hänsel sagte zu Gretel, wir werden den Weg schon finden, aber sie
fanden ihn nicht. Sie gingen die ganze Nacht und noch einen ganzen Tag, aber sie
kamen aus dem Wald nicht heraus und sie waren sehr hungrig, denn sie hatten
nichts als die paar Bären, die im Wald wuchsen und weil die Kinder so müde
waren, dass die Beine sie nicht mehr tragen wollten, legten sie sich unter
einen Baum und schliefen ein. Nun war es schon der dritte Morgen, seit sie das
Haus ihres Vaters verlassen hatten. Sie fingen wieder an zu gehen, aber sie
gerieten immer tiefer in den Wald und wenn nicht bald Hilfe kam, so mussten sie
verhungern. Als es Mittag war, sahen sie ein schönes
schneeweißes Vöglein auf einem Ast sitzen, das sang so schön, dass sie
stehen blieben und ihm zuhörten und als es fertig war, schwang das Vöglein seine
Flügel und flog vor ihnen her und sie gingen ihm nach, bis sie zu einem
Häuschen gelangten, auf dessen Dach es sich setzte und als sie ganz nahe
herankamen, sahen sie, dass das Häuschen aus Brot gebaut war und mit Kuchen
gedeckt. Die Fenster aber waren aus hellem Zucker.
Da wollen wir uns dran machen, sprach Hänsel und eine gesegnete Mahlzeit
halten. Ich will ein Stück vom Dach essen, Gretel, du kannst vom Fenster essen, das
schmeckt süß. Hänsel reichte in die Höhe und brach sich ein wenig vom Dach ab,
um zu versuchen, wie es schmeckte und Gretel stellte sich an die Scheiben und
knuspertete ran. Da rief eine feine Stimme aus der Stube heraus, knusper, knusper,
knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen. Die Kinder antworteten, der Wind, der Wind,
das himmlische Kind und aßen weiter, ohne sich beunruhigen zu lassen.
Hänsel, dem das Dach sehr gut schmeckte, riss sich ein großes Stück davon
herunter und Gretel stieß eine ganze runde Fensterscheibe heraus, setzte sich
nieder und aß sie genüsslich auf. Da ging auf einmal die Türe auf und eine
steinalte Frau, die sich auf eine Krücke stützte, kam herausgeschlichen.
Hänsel und Gretel erschraken so gewaltig, dass sie fallen ließen, was sie in den
Händen hielten. Die Alte aber wackelte mit dem Kopf und sprach, ihr lieben Kinder,
wer hat euch hierher gebracht? Kommt nur herein und bleibt bei mir, es geschieht euch kein Leid.
Sie fasste beide an der Hand und führte sie in ihr Häuschen. Da wurde gutes
Essen aufgetragen, Milch und Pfannkuchen mit Zucker, Äpfel und Nüsse.
Danach wurden zwei schöne Bettlein weiß bezogen und Hänsel und Gretel legten
sich hinein und meinten, sie wären im Himmel. Die Alte tat nur so freundlich,
sie war aber eine böse Hexe, die den Kindern auflauerte und hatte das
Brothäuslein bloß gebaut, um sie herbeizulocken.
Wenn ein Kind in ihre Gewalt kam, so tötete sie es, kochte es und aß es und
das war ein Festtag für sie. Die Hexen haben rote Augen und können nicht weit
sehen, aber sie haben eine feine Witterung wie die Tiere und merken, wenn
Menschen herankommen. Als Hänsel und Gretel in ihre Nähe kamen, da lachte sie
bushaft und sprach höhnisch, die habe ich, die sollen mir nicht wieder entwischen.
Frühmorgens, ehe die Kinder erwacht waren, stand die Hexe schon auf und als
sie beide so lieblich ruhen sah mit den vollen roten Backen, murmelte sie vor
sich hin, das wird ein guter Bissen werden.
Da packte sie Hänsel mit ihrer dürren Hand und trug ihn in einen kleinen Stall
und sperrte ihn hinter einer Gittertüre ein.
Er mochte schreien, wie er wollte, es half ihm nichts.
Da ging die Hexe zu Gretel, rüttelte sie wach und rief, du faulenzerin, hol Wasser
und koch deinem Bruder etwas Gutes, es ist draussen im Stall und soll fett werden.
Wenn er fett ist, so will ich ihn essen. Gretel fing bitterlich zu weinen an, aber
es war alles vergeblich, sie musste tun, was die böse Hexe verlangte.
Nun wurde dem armen Hänsel das beste Essen gekocht, aber Gretel bekam nichts
als Krebsschalen. Jeden Morgen schlich die Alte zu dem
Ställchen und rief, Hänsel, streck deine Finger heraus, damit ich fühle, ob du
bald fett bist. Hänsel streckte ihr aber ein Knöchlein hinaus und die Alte, die
trübe Augen hatte, konnte es nicht sehen und meinte, es wäre Hänsels Finger und
wunderte sich, dass er gar nicht fett werden wollte. Als vier Wochen um waren
und Hänsel immer mager blieb, da wurde die Alte ungeduldig und wollte nicht
länger warten. Heda, Gretel, rief sie dem Mädchen zu, sei flink und hol Wasser,
Hänsel mag fett oder mager sein, morgen will ich ihn schlachten und kochen.
Ach, wie jammerte das arme Schwesterchen und als es das Wasser holen musste und
wie flossen ihm die Tränen über die Backen runter.
Lieber Gott, hilf uns doch, rief sie aus, hätten uns doch nur die wilden Tiere im
Wald gefressen, so wären wir wenigstens zusammengestorben.
Spar dir dein Gepläre, sagte die Alte, es hilft dir alles nichts. Frühmorgens
musste Gretel hinaus den Kessel mit Wasser aufhängen und Feuer anzünden.
Erst wollen wir backen, sagte die Alte, ich habe den Backofen schon eingeheizt
und den Teig geknetet. Sie stieß die arme Gretel hinaus zu dem
Backofen, aus dem die Feuerflammen schon herausschlugen.
Riech hinein, sagte die Hexe und sieh nach, ob es recht brennt, damit wir das
Brot hinein schieben können. Und wenn Gretel darin war, wollte sie den
Ofen zumachen und Gretel sollte darin braten und dann wollte sie sie auch
aufessen. Aber Gretel merkte, was sie im Sinn hatte und sprach, ich weiß nicht wie
ich es machen soll, wie komme ich da hinein? Dummer Gans, sagte die Alte, die
Öffnung ist gross genug, siehst du wohl, ich könnte sogar selbst hinein.
Sie klapperte heran und steckte den Kopf in den Backofen.
Da gab ihr Gretel einen Stuss, so dass sie weit hinein fuhr, machte die eiserne
Tür zu und schob den Riegel vor. Da fing die Alte an zu heulen, ganz
grauslich, aber Gretel lief davon und die gottlose Hexe musste elendiglich
verbrennen. Gretel aber lief schnurstracks zu Hänsel,
öffnete sein Ställchen und rief, Hänsel, wir sind erlöst, die Alte Hexe ist tot.
Da sprang Hänsel heraus, wie ein Vogel aus dem Käfig. Wie haben sich die Kinder
gefreut, sind sich um den Hals gefallen und sind herumgesprungen und haben sich
geküsst. Und weil sie sich nicht mehr zu fürchten brauchten, gingen sie in das
Haus der Hexe hinein. Da standen in allen Ecken Kästen mit Perlen und
Edelsteinen. Die sind noch besser als Kieselsteine, sagte Hänsel und steckte
in seine Taschen, was hineinpasste und Gretel sagte, ich will auch etwas mit
nach Hause bringen und füllte seine Schürzentaschen. Aber jetzt wollen wir
fort, sagte Hänsel, damit wir aus dem Hexenwald hinaus kommen.
Als sie aber ein paar Stunden gegangen waren, gelangten sie an ein grosses Wasser.
Wir können nicht hinüber, sprach Hänsel, ich sehe keinen Steg und keine Brücke.
Hier fährt auch kein Schiffchen, antwortete Gretel, aber da schwimmt eine
weisse Ente. Wenn ich die bitte, so hilft sie uns hinüber. Da rief sie, Entchen,
Entchen, da stehen Gretel und Hänsel. Kein Steg und keine Brücke, nimm uns auf
deinen weißen Rücken. Das Entchen schwamm heran und Hänsel setzte sich auf seinen
Rücken und bat sein Schwesterchen, sich zu ihm zu setzen.
Nein, antwortete Gretel, es wird dem Entchen zu schwer.
Es soll uns nacheinander hinüber bringen. Das tat das gute Tierchen und
als sie glücklich drüben waren und ein Weilchen weiter gingen, da kam ihnen der
Wald immer bekannter und immer bekannter vor und schließlich erblickten sie von
weitem das Haus ihres Vaters. Da fingen sie an zu laufen, stürzten in die Stube
hinein und fielen ihrem Vater um den Hals. Der Mann hatte keine frohe Stunde
gehabt, seitdem er die Kinder im Wald gelassen hatte.
Die Frau aber war gestorben. Gretel schüttelte ihr Schürzchen aus,
dass die Perlen und Edelsteine in der Stube herumsprangen und Hänsel warf eine
Handvoll nach der anderen aus seiner Tasche dazu. Da hatten alle Sorgen ein
Ende und sie lebten in lauter Freude zusammen.
Mein Märchen ist aus. Dort läuft eine Maus. Wer sie fängt, darf sich daraus eine
grosse, grosse Pelzkappe machen.