Ostergeschichte für Kinder - Das kleine Küken, das nichts wusste

Zauberkoffer
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Das kleine Küken Mira wurde kurz vor Ostern geboren. Ihre Eltern hatten sie täglich umsorgt und waren immer zur Stelle, wenn ihr etwas fehlte. Sie war es gewohnt, immer im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit zu stehen. Doch plötzlich änderte sich alles.
Ideal geeignet als Gute-Nacht-Geschichte oder als Unterrichtsmaterial für die Grundschule.
Ausmalbilder, die Geschichte als MP3 und Textversion findet Ihr hier: https://www.kinder-und-friedenslieder.de/geschichten-2/kindergeschichte-ostern-das-kleine-kueken-das-nichts-wusste/
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Geschichten aus dem Zauberkoffer von Kinder und Friedensglieder
Das kleine Küken, das nichts wusste
Das kleine Küken Mira wurde kurz vor Ostern geboren.
Ihre Eltern hatten sie täglich umsorgt und waren immer zur Stelle, wenn ihr etwas fehlte.
Sie war es gewohnt, immer im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit zu stehen.
Doch kurz vor Ostern änderte sich plötzlich alles.
Mira bekam ihre Eltern kaum noch zu Gesicht und war ständig bei ihren Großeltern,
welche ihr aber nicht die Aufmerksamkeit schenkten, welche sie wollte.
Wenn sie etwas zu erzählen hatte, sagte die Großmutter,
nicht jetzt, hilf mir lieber mal beim Abwaschen.
Einmal war Mira sehr stolz darauf, dass sie gelernt hatte,
auf den untersten Ast des Flieders zu fliegen.
Doch ihre Mutter schaute gar nicht richtig zu und hatte keine Zeit.
Abends sollte sie jetzt alleine ihren Schnabel putzen
und bekam nur noch ein Lied zum Einschlafen vorgesungen.
Mira war sehr traurig und dachte, dass sie keiner mehr mag.
Sie wollte nicht einmal mehr mit den anderen Küken spielen.
Alles, woran sie dachte, war, wie sie die Aufmerksamkeit ihrer Eltern zurückgewinnen konnte.
Sie fing an, den Tagesablauf ihrer Eltern zu beobachten
und stellte sich ihnen, wo es nur ging, in den Weg.
Sie hüpfte und flatterte vor ihren Augen herum, so hoch sie konnte.
Sie gackerte, so laut es nur ging.
Ganz nach dem Motto, hier bin ich, seht mich an.
Einmal hatte ihre Mutter dabei drei frisch gelegte Eier zerbrochen,
weil sie fast über Mira gestolpert wäre, welche ihr direkt vor die Füße gesprungen war.
Mira konnte den Ärger ihrer Mutter nicht verstehen.
Im Gegenteil, sie war selbst noch verärgert darüber,
dass ihre Mutter sie nicht verstand und ihr kaum noch Beachtung schenkte.
Am Tag vor Ostern kam ihre Großmutter herbei,
nahm Mira wortlos bei der Hand und führte sie zu einem Gebäude,
in dem Miras Eltern immer verschwanden.
Sie selbst hatte es aber noch nie geschafft, sich dort hineinzuschleichen.
Mit einem Ruck zog ihre Großmutter sie zur Seite,
als ein Huhn mit frischen Eiern herbeigeeilt kam.
»Wenn du dich benimmst, wirst du bald merken, wie wunderbar diese Tage sind,«
sprach ihre Großmutter in einem freundlichen, aber auch strengen Ton.
Mira dachte jedoch nur daran, darin ihre Eltern zu finden
und dafür zu sorgen, dass alles wieder wie früher wird.
»Diese Tage sind bislang die schlimmsten meines Lebens.
Wie sollen sie also jemals wunderbar werden?« dachte sie.
Mira nickte jedoch freundlich, damit ihre Großmutter keinen Verdacht schöpfte
und versprach somit, sich zu benehmen.
Die zusammengeknüpfenden Augen ihrer Großmutter verrieten jedoch,
dass sie es sich besser dreimal überlegen sollte, heute wieder Ärger zu verursachen.
Trotzdem noch fest entschlossen, die Aufmerksamkeit ihrer Eltern schnellstmöglich zurückzugewinnen,
betrat sie mit ihrer Großmutter das Gebäude.
Mira wollte sofort losrennen und ihre Eltern suchen.
Doch als sie das Innere des Gebäudes sah, kam sie aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Dort standen riesige Farbtöpfe, in die Eier getaucht wurden,
und zu beiden Seiten saßen Hähne und Hennen,
welche mit Pinseln Eier in den schönsten Farben und Mustern bemalten.
Mira war so fasziniert, dass sie sich das unbedingt aus der Nähe ansehen wollte.
Erst auf halbem Weg hatte sie bemerkt, dass sie sich bewegt und ihre Großmutter losgelassen hatte.
Da stolperte ihre Mutter auch schon fast über sie.
»Mira, ich habe keine Zeit und du hast ja auch nichts zu suchen.«
Ihre Mutter eilte schon weiter, während Mira nur ein gemummeltes »Aha« herausbrachte.
Nach einigen Metern drehte ihre Mutter sich noch einmal um und sah,
wie Mira völlig gebannt den Pinselstrichen eines jungen Hahns folgte.
»Schön, nicht?« sagte ihre Großmutter.
Da war das Ei auch schon fertig und plötzlich weg.
Mira schaute völlig verdutzt eine Henne hinterher,
welche alle fertig bemalten Eier einsammelte.
Noch ehe ihre Großmutter reagieren konnte, rannte Mira der Henne hinterher.
Nur, dass sie dieses Mal versuchte, dabei keinem im Weg zu stehen
und den reibungslosen Ablauf nicht zu stören.
Die Henne eilte zu einem großen offenen Raum,
in dem sich bestimmt hunderte von Eiern in den verschiedensten Farben und Mustern befanden.
»Was passiert mit den vielen bemalten Eiern?« fragte sie,
als ihre Großmutter, leicht außer Atem, neben ihr auftauchte.
»Das, meine Kleine, erfährst du morgen. Lass uns jetzt gehen.«
Mira verzog widerwillig die Lippen und verschränkte die Flügel vor der Brust.
Es passte ihr gar nicht, dass sie nun noch bis morgen warten sollte,
wo sie doch jetzt gleich eine Antwort haben wollte.
Immerhin war es auch noch nicht einmal Mittag und somit bis morgen noch lange hin.
Widerwillig ging sie dann aber doch mit.
Den restlichen Tag saß das Kleine Küken auf einer Bank
und beobachtete das Haus in der Hoffnung,
auch ohne ihre Großmutter herauszufinden, was mit den bunten Eiern passieren würde.
Dabei achtete sie allerdings darauf, keinen Ärger zu verursachen.
Ihre Eltern behielten sie trotzdem immer genau im Blick.
Mira konnte das jetzt auch verstehen.
Ihr tat es leid, dass es wegen ihr nun drei Eier weniger gab.
Hätte sie das nur früher gewusst.
Ungeduldig, aber doch ruhig, wartete und wartete sie,
bis ihre Großmutter sie zum Abendessen rief.
Nicht, dass Mira in dieser Nacht viel schlafen konnte.
Am nächsten Morgen war sie als erste wach und wollte gleich aus dem Haus.
Doch ihre Großmutter hatte in weiser Voraussicht schon die Haustür abgeschlossen.
Für einen kurzen Moment überlegte Mira,
ob sie nicht versuchen sollte, durch eines der Fenster zu fliegen.
Doch dann fiel ihr wieder der wütende Gesichtsausdruck ihrer Mutter
über die zerbrochenen Eier ein und sie ließ es lieber bleiben.
Ungeduldig zappelnd wartete sie am Esstisch, bis ihre Großmutter wach war.
Das Frühstück hatte sie noch nie so schnell hinuntergeschlungen.
Genutzt hatte es allerdings nichts,
denn ihre Großmutter ließ sich wie immer viel Zeit beim Frühstücken.
Mira platzte schon fast vor Ungeduld,
aber sie wartete brav weiter, bis alle vom Tisch aufgestanden waren.
Endlich erbarmte ihre Großmutter sich und schloss die Haustür auf.
Draußen herrschte ein reges Treiben.
Überall waren große, behaarte Tiere mit langen Ohren,
welche Mira noch nie gesehen hatte.
»Hasen«, sagte ihre Großmutter, noch ehe Mira fragen konnte.
Genauer gesagt »Osterhasen«.
Sie nahm Mira bei der Hand und führte sie zu dem Gebäude,
in dem die Eier bemalt wurden.
Wo weiter vorne noch ein heilloses Chaos an Hasen und Hühnern herrschte,
war hier eine Ordnung zu sehen, die Mira mehr als erstaunte.
Die Hühner reichten die Eier in Reih und Glied nach draußen
und befüllten die Körbe der Hasen,
welche sich auch in einer geordneten Reihe aufgestellt hatten.
Völlig gebannt von dieser reibungslosen Zusammenarbeit
stand Mira einfach nur mit offenem Mund da
und kam nicht mehr aus dem Staunen heraus.
Erst als ihre Großmutter sie leicht am Arm zog,
wachte sie aus ihrer Starre auf
und folgte dieser in die nahe gelegenen Büsche.
Dort konnte sie zwei Hasen beobachten,
welche gerade ein Nest befüllten.
Ihre Oma drückte sie ein wenig mehr auf die Seite,
so daß beide das Nest zwar noch sehen konnten,
selbst aber gut versteckt waren.
Ehe Mira fragen konnte,
legte ihre Großmutter die Flügelspitze an den Schnabel.
»Psst, Geduld!«
Mira konnte es nicht fassen.
Sie hatte den ganzen gestrigen Tag und die Nacht durchgewartet
und jetzt ging das Ganze noch weiter.
Doch als sie sah, wie geduldig ihre Großmutter da saß,
faßte sie sich ein Herz und setzte sich ruhig daneben.
Mit einem Mal drangen laute Geräusche an ihr Ohr.
Ihre Großmutter legte nur wieder lächelnd den Flügel vor den Schnabel
und Mira verstand, daß sie noch etwas Geduld haben mußte.
Es war noch nicht an der Zeit.
Die Geräusche um sie herum wurden mit einem Mal immer lauter,
bis Mira es als Lachen erkennen konnte.
»Ich habe etwas gefunden,« rief ein Wesen,
das Mira keinem ihr bekannten Tier zuordnen konnte.
»Menschenkinder,« flüsterte ihre Oma.
»Zeig mal,« rief schon eine zweite Stimme.
Mira konnte aus ihrem Versteck zusehen,
wie sich die zwei Kinder neben das Nest setzten,
die Eier betrachteten und genüsslich eines nach dem anderen aufaßen.
»Auf zum nächsten,« rief eines der Kinder
und das andere lief lachend hinterher.
Miras Großmutter reichte ihr die Hand und wortlos gingen sie nach Hause.
Dort angekommen standen auch schon ihre Eltern vor dem Haus ihrer Großmutter
und riefen den beiden entgegen, »Wo wart ihr denn?«
Mira rannte den beiden entgegen,
fasste jeden ihrer Elternteile bei der Hand und sagte lachend,
»Nächstes Mal helfe ich euch beim Ostereier bemalen.«
Das waren Geschichten aus dem Zauberkoffer.
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