Mandlstein und Altweitra, Harbach

[2020-09-19] Ab 10 Uhr von Ottenschlag, Fahrt über Zwettl nach Altweitra. Hier besuche ich diesmal die im Jahre 1182, von Hadmar II von Kuenring, errichtete, dem heiligen Petrus geweihte Kirche.
Der Bau der Kirche ist aus umverputzten Granitquardern ausgeführt und besteht aus einem rechteckigen Langhaus, einem Chorquadrat und im Osten vorgelagert, eine Halbkreisabsis. Dieser Kirchentyp, der Chorquadratkirche der Romanik, war in dem Kuenringergebiet, nach 1200, weit verbreitet. Diese granitenen Wegkreuzmarterl sind im Waldviertel und Böhmerwald oft anzutreffen. Im Osten der Kirche steht diese Friedhofswand mit den eingemauerten Särgen von Fürsten und Grafen aus der Zeit zwischen 1803 und 1870.
Weiterfahrt über Heinrichs, auf der Straße zum Mandelstein bei der Abzweigung nach Göllitz, zur Kapelle bei der g'peckten Buche. Sie wurde 1898 von der Familie Tanzer neben der g'pekten Buche errichtet, um eine grüne (Tag der Hochzeit), eine silberne (25 Ehejahre) und eine zur damaligen Zeit sehr seltene goldene Hochzeit (50 Ehejahre) zu feiern. Auch ein Gästebuch gibt es und wie man sieht, auch viel besucht. Auch eine lange Geschichte über diesen Platz. Die Sagen um diesen magischen Ort reichen bis Mitte des 17. Jahrhunderts zurück, wo angeblich zum Ende des 30-jährigen Krieges eine erbitterte Schlacht stattfand.
Über die Kriegskasse, aus dem 30-jährigen Krieg, gibt es eine Sage. Sie wurde auch in einer Geisterstunde nicht gehoben. Auch über die Stammreste der g'peckten Buche gibt es eine eigene Geschichte.
Bei der Weiterfahrt komme ich zum Parkplatz unterhalb des Mandelsteines. Ab hier führt ein gut beschilderter Weg hinauf auf den Berg. Knapp vor den Gipfel dann das Mahnmal der Toten und der Vertreibung von 1945.
Der Mandelstein steht heute hart an der Grenze zur Tschechoslowakei. Nach dem Ersten Weltkrieg zerbrach die Donau Monarchie und ließ im Norden einen neuen Staat entstehen, die Tschechoslowakei. Nach dem Friedensvertrag von St. Germain 1919, wurde nicht nur Böhmen und Mähren dem neuen Staat abgetreten. Der Weite Ausblick in die Tschechei. Am Berghang erkennt man die Bründlwallfahrtskirche, heute Dobrá Voda.
Der Mandlstein, ein riesiger Felsturm in der dicht bealdeten Umgebung.
Sehr überrascht hat mich die Gedenktafel mit dem Spruch "In der Güte liegt die größte Bekehrungskraft" des Böhmerwalddichters Josef Gangl, mit demselben Namen meines Vaters.
Dann umgehe ich den Felsenturm, um das Mandlsteintor kennenzulernen. Ganz in der Nähe wurde 1948 der Eiserne Vorhang aufgebaut und die deutschsprachigen Einwohner wurden mit nur 30 Kilogramm Handgepäck aus den annektierten Gebieten vertrieben. Zur Erinnerung findet alljährlich, am letzten Augustsonntag, das Mandelsteintreffen statt mit einer Bergmesse.
Auf der anderen Seite der Felsen entdecke ich Hinweistafeln
und gehe wieder zurück zum Mandelsteintor und dann, längs der Grenze, Richtung Göllitzhof hinunter. Mitten im Pfandlwald, zweige ich vom markierten Weg ab und gehe jetzt Richtung Kapelle weiter und finde unglaublich viele Steinpilze. Bald darauf überquere ich die Auffahrtsstraße zum Mandelstein und auch mein Weg führt jetzt steil hinauf zum Parkplatz.
Rückfahrt, jetzt über Harbach mit der Kirche und dem Gedenkbrunnen der Vertreibung der Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei.
Die barocke Kirche, den Hochalter aus dem Jahr 1750. Das Altarbild "Taufe Jesu", gemalt von Josef Kessler und die beiden Seiten Altäre im Rokoko-Stil, ebenfalls aus den Jahren 1770.
