Wir von CRISIS begleiten Michal zurück auf das Festivalgelände ... Sie zeigt uns den Ort, an dem sie fast ihr Leben verloren hätte.
Sie hat überlebt, zehn ihrer Freunde wurden getötet, einer entführt. Und ihr eigenes Leben hat sich seit dem 7. Oktober 2023 völlig verändert. Michal war eine von rund 4.000 Feiernden auf dem Supernova-Festival in Israel. Bis in den Morgenstunden des 7. Oktober die Raketen der radikalislamischen Hamas am Himmel auftauchten. Noch ahnten sie nicht, dass rund 3.000 Hamas-Kämpfer nach Israel vordringen und das Feuer auf sie eröffnen werden.
(Lachen, Technomusik)
(englisch:)
(Technomusik, Jubel)
(Düstere Musik)
Michal und ihre Freunde tanzen die ganze Nacht.
Bei Sonnenaufgang dann verstummt die Musik.
Es ist der 7. Oktober 2023.
(Schuss, Schreie)
(Schüsse)
(off:) Wir begleiten Michal an den Ort, an dem sie fast ermordet wurde.
Und die Angst, die sie hier erlebte,
steckt ihr immer noch in den Knochen.
(Knall)
Das Knallen, das man im Hintergrund immer wieder hört,
ist Artillerie von der israelischen Armee, die auf Gaza schießt.
Für sie ist das unglaublich mitnehmend,
weil sie das total an das erinnert, dieses Trauma wieder auslöst.
Se zuckt jedes Mal, wenn's knallt.
(Tragische Musik)
(Schreie, Schüsse)
Am Morgen des 7. Oktober 2023
greifen circa 3.000 Hamas-Kämpfer Israel an.
Viele davon eröffnen das Feuer auf die Festivalbesucher.
(Rufe)
(Düstere Musik)
Michal kam zum Nova-Festival,
um zwei ihrer ältesten Freunde zu treffen.
Ushea und Michael, die Zwillinge haben das Event mitorganisiert.
Sie laden sie ein und besorgen ihr ein Ticket.
(Knall, Schreie)
(Rufe)
So wie die anderen auch.
Bis zu diesem Zeitpunkt dachten die Feiernden alle,
es wäre nur ein Raketenangriff.
(Unheilvolle Musik)
Was noch keiner weiß: Hamas-Kämpfer rechen durch die Mauern
und Zäune entlang des gesamten Gazastreifens und betreten Israel.
Bis zum Festivalgelände sind es nur circa fünf Kilometer.
(Schüsse, Weinen)
(Stimmengewirr, Weinen)
(Schüsse)
(Motorenrattern)
Michal und ihre Freunde fliehen zu einem kleinen Sicherheitsposten,
der von einer Polizistin besetzt ist.
Hier versuchen sie noch, einer Verwundeten zu helfen.
Aber es dauert nicht lange, bis die Angreifer auch hier ankommen.
"Pscht!"
(Rufe von draußen)
(Schüsse, Rufe)
(Düstere Musik)
Debbie, die Polizistin und die Verwundete bleiben zurück.
Sie werden getötet.
(Schüsse, Schreie)
Michal erreicht einen beschädigten Panzer.
Sie und etwa 30 andere Festival- besucher benutzen ihn als Deckung.
Zwei Brüder nehmen die Waffen der getöteten Soldaten und versuchen,
die Terroristen abzuwehren.
Diese greifen immer wieder an.
(Schüsse)
(Düstere Musik)
Sieben Stunden harrt die Gruppe hinter dem Panzer aus.
Später wird klar, welches Ausmaß der Angriff hat.
(Düstere Musik)
Die Hamas töten israelischen Angaben nach
364 Menschen auf dem Festivalgelände
und nehmen mindestens 41 der Feiernden als Geiseln.
(Düstere Musik)
Michal hat überlebt.
Ihre Freunde sind aber entführt oder getötet worden.
Ihr Leben hat sich für immer verändert.
(englisch:)
(Schniefen)
Vor dem Festival war Michal Tierarzthelferin.
Hatte sich gerade ein Leben in Portugal aufgebaut.
Seit dem Angriff war sie nicht mehr dort.
Und arbeiten kann sie auch nicht mehr.
Jetzt ist sie in Therapie, um die Erlebnisse zu verarbeiten.
Irgendwie.
Ihr Glaube ist dabei stärker geworden.
Ihre neue Lebensaufgabe?
Ihre Geschichte erzählen.
Das, was sie an dem Tag erlebt hat.
In Israel, in den USA und überall dort, wohin man sie einlädt.
Sie sagt, sie will, dass die Welt davon erfährt.
Und eines motiviert sie dabei besonders.
Noch immer sollen rund 100 Geiseln
in den Händen von Hamas im Gazastreifen sein.
Die Gefahr, die von Hamas ausging, wurde in Israel wohl unterschätzt.
Seit dem Tag des Angriffs
führt Israel auch Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen.
(Fernes Krachen) Oah.
Die israelische Artillerie holt uns zurück in die Realität.
Michal ist wieder verängstigt. (Fernes Krachen)
Aber eine Sache interessiert mich dann doch noch.
Ich will wissen:
Was denkt sie über den Beschuss, den man hier im Hintergrund hört?
Über den Krieg gegen Gaza?
(Seufzen)
Ein Rabbi hat uns zugehört. Er lädt uns in sein Zelt ein.
Sie schreiben hier an der Tora, also quasi der jüdischen Bibel weiter,
mit Geschichten derer, die hier getötet wurden.
Eine Soldatin kommt weinend auf Michal zu.
Sie hatte gerade die Gedenkstätte besucht.
In wenigen Tagen wird sie in den Krieg nach Gaza ziehen, sagt sie.
(englisch:)
I wish.
(Gemurmel)
(englisch:)
(Seufzen)
(Hauchen)
(Fernes Krachen)
(off:) Ein Land im Krieg, Menschen in Trauer, Wut und Angst.
Ausnahmezustand.
Der Rabbi macht sehr deutlich, welche Botschaft er in die Welt tragen will.
(Fernes Grollen)
Dieses Vernichten hat im Gazastreifen seit dem 7. Oktober
wohl mehr als 30.000 Palästinensern das Leben gekostet.
Ein Drittel davon wohl Frauen und Kinder.
Und die große Mehrheit der Bewohner
sind aus ihrem Zuhause vertrieben worden.
Die Hamas hat bei ihrem Terrorangriff auf Israel
rund 1.200 Menschen ermordet.
Wie es den israelischen Geiseln geht, ist ungewiss.
Und die Überlebenden des 7. Oktobers versuchen in all dem,
ihr Leben weiterzuführen.
Irgendwie.
(Fernes Krachen)
(Ferner religiöser Gesang)