THOR - ANKOMMEN IM LEBEN - von Maja Nowak

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Mein Weg führte mich zu einer tiefen Bewusstheit für Trauma und seiner Integration. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie, Trauma-Expertin, fünffache Bestseller-Autorin, Referentin, Seminarleiterin und Ausbilderin arbeite ich therapeutisch mit Menschen und meinen Impulsgebern, den Hunden. Ich lebe in Brandenburg und in Schweden.
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#trauma #heilung #majanowak
Der Hund wohnt noch nie in irgendeinem Haus, also überhaupt in keinem geschlossenen Gebäude.
Und das nach diesen Tagen?
Ich denke, es geht doch nur so rum, dass wir die Hunde bekannt machen und die Hunde ihn dann mit ins Haus ziehen.
Also er sieht, er weiß nicht, dass man in ein Haus gehen kann.
Was braucht es, um im Leben anzukommen?
Bei dieser Frage habe ich hingefühlt, was ich als Kind mir gewünscht hätte als abhängiges Wesen.
So wie ein Hund ja auch von uns abhängt, der nicht allein entscheiden kann, wann er rausgeht, wann er Nahrung zu sich nehmen kann.
Und die Erziehung war es ganz sicher nicht, die mich als Kind sicher gemacht hätte.
Denn alleine die beiden Erziehungsstile meiner Eltern waren so konträr, dass es unmöglich schien, beiden gerecht werden zu können.
Ein Erziehungsstil hat ja immer im Hintergrund die Biografie von dem, der erzieht.
Oft erziehen Menschen ihre Kinder entweder so, wie ihre Eltern sie erzogen haben, oder eben sie tun genau das Gegenteil.
Und durch diesen Bezug auf die eigene Biografie ist Erziehung nicht mitfühlend mit dem Wesen, das erzogen wird.
Wie viel unterstützender wäre es, Bedingungen zu schaffen, damit ein Wesen sich entfalten kann und man im Hintergrund für Sicherheit sorgt.
Als ich noch in einer Wohnung im Berliner Prenzlauer Berg lebte und die schwer traumatisierte Frieda zu mir holte, waren die Bedingungen natürlich ganz anders als hier.
Und dennoch änderte es nichts an dem Prinzip, Frieda zu ermutigen und ihr immer ausreichend Schutz zu geben.
Einen Hund also zu trösten, wenn er Angst hat, und ihm zu sagen, es ist doch gar nichts, es ist alles gut, ist genauso, als würde ich mit dir in eine Höhle gehen,
in der du vielleicht Angst hast vor Tieren, wie Spinnen, Schlangen oder Ratten, und zu dir sagen, ist doch alles gut, brauchst du doch keine Angst zu haben.
Ich vermute, du würdest dich besser fühlen, wenn ich deine Angst ernst nehme und selber nicht in Angst gerate.
Es braucht also dieses Bei-sich-bleiben.
Und gerade in Bezug auf Hunde erlebe ich immer wieder, wie Menschen entweder in die Angst des Hundes hineinrutschen oder in die Angst, ihn nicht kontrollieren zu können.
Und diese Angst ist es dann, die der Hund spürt.
Ihm ist egal, aus welchem Grund ein Mensch Angst hat, aber sicher fühlt er sich dann nicht.
Und deshalb kann sich das gegenseitig auch hochschrauben wie eine Spirale,
dass ein Hund, der eigentlich nur die Sicherheit eines Menschen bräuchte, immer mehr Angst bekommt.
Vor Dingen, in denen der Mensch sonst gar keine Angst hat, wenn der Hund nicht dabei ist.
Die eigene Angst vor einem Kontrollverlust oder dass man vielleicht keine Idee hat, wie man weiterkommt mit jemandem, die man noch gar nicht kennt,
verhindert auch, dass man diesen anderen wahrnehmen kann, weil die Angst ja alles anders interpretiert, als es ist.
Wenn ich in so eine Situation innerlich hineingerate, was ja auch passiert,
dann bleibe ich dort nicht stecken, weil ich mich darauf besinne, dass es immer in 63 Jahren für alles irgendeine Lösung gab.
Auch wenn ich in dem Moment, wo ich in eine Angst hineingerate, daran nicht glaube.
Und so hole ich mich immer wieder in die Zuversicht, dass es für alles eine Lösung gibt, wenn ich aus meiner Angst heraustrete.
Die Hunde machen es vor. Sie beruhigen den Tor nicht durch Interaktionen oder indem sie ihn bedrängen und beschleunigen wollen,
sondern einfach indem sie selber ruhig sind.
Die Hunde, die aus einem Tierlager kommen, wollen meistens erst einmal schlafen.
Sich orientieren, wo sie sind und wieder schlafen.
Mit wem sie hier sind und wieder schlafen.
Ob sie Sicherheit spüren und wieder schlafen.
Und so kommen sie ganz langsam in ihrem neuen Leben an.
Es gibt also nichts zu leisten, sondern einfach nur mitzuatmen mit diesem neuen Wesen und das in Ruhe kennenzulernen.
Sich selbst also auch diese Bedingungen zu schaffen, mit denen das geht.
Und sich vielleicht Unterstützung zu suchen, wenn man sich verunsichert fühlt von einem außenstehenden Menschen,
der nicht so hineingerät in diese Unsicherheit.
Sich zu freuen, jemanden kennenzulernen und darauf zu vertrauen, dass alles gut wird.
Den Tor erlebe ich als einen Hund, der für alles ganz viel Zeit braucht.
Wenn man da etwas zu schnell macht, kommt er nicht hinterher.
Das heißt nicht unbedingt, dass er introvertiert ist, sondern dass er einfach Zeit braucht.
Also erst mal ohne jegliche Interpretation dessen.
Das spürt man einfach und darauf vertraue ich dann und nehme mir Zeit.
Mehr ist nicht notwendig.
Hier möchte ich ihn in den Hof locken, damit er sich dort lösen kann.
Und er geht immer wieder zurück zu seinem Schlafplatz, dem also ersten Platz hier in diesem Haus,
auf dem er sich seit gestern etwas sicherer gefühlt hat und vergewissert sich, dass das möglich ist.
Würde ich jetzt ihn dabei stören, würde ich ihm genau dieses Gefühl von Sicherheit nehmen,
was er sich da selber holt.
Ich brauche also nur zu warten, bis er wiederkommt, denn er kommt ja immer wieder.
Oft braucht man tatsächlich nur Geduld zu haben und darauf zu vertrauen,
dass ein Tier in so einer Situation nur Zeit braucht.
Dann geht man auch nicht so in die Anspannung und kommt aus dieser Erwartungshaltung heraus,
das muss doch jetzt irgendwie gehen.
Was kann ich denn machen? Was soll ich tun?
Es gibt oft nichts zu tun, außer dem Tier Zeit zu geben.
Jawoll! Ja, bravo! Jetzt hast du es! Ja, bravo!
Wir kennen uns toll!
Du bist ein Held! Du bist ein echter Held! Ja!
Du bist ein Held! Komm!
Ja!
Wollen wir die ruhigen Blasen lösen? Ja? Ja?
Für mich gibt es fast kein schöneres Erlebnis, als dass ein Wesen,
ob jetzt Mensch oder Tier, sich freut, eine Angst überwunden zu haben und jetzt zu erleben,
es ist gar nichts passiert, alles ist gut.
Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!
