Warum VIELE in Japan UNGLÜCKLICH sind...

NihonGo
12 Abonnenten
3 Videoaufrufe·21.10.2024
Japan ist ein absolut wahnsinniges Land, mit großen Städten hoch technologisiert
wie Tokio, Osaka, Nagoya, teilweise wunderschöne Aussichten auf diese Städte, vor allem auch
bei Nacht.
Vieles ist hier unglaublich praktisch und einfach toll.
Einige Aspekte, die das Leben in Japan einfach wunderschön und einfach machen, sind z.B.
die Kombinis, kleine Einkaufsläden, in denen man eigentlich alles findet, was man spontan
braucht, die oft in den Städten auch noch 24 Stunden geöffnet haben.
Außerdem haben die Geschäfte auch sonntags geöffnet, d.h. im Urlaub, sonntags muss man
sich nicht fragen, was mache ich jetzt, wo soll ich spazieren gehen oder so, nein, man
kann einfach überall hingehen, essen, einkaufen, was auch immer man will, einfach super praktisch.
Service ist auf einem Level, wie man es aus Deutschland mittlerweile eigentlich gar nicht
mehr kennt.
Die Leute sind freundlich und nett zu einem, kümmern sich, wenn man ein Problem hat oder
wenn man irgendwas möchte.
Ich persönlich liebe ja die Tatami-Räume und Futons hier, ja, richtig schön traditionelles
japanisches Hotel, Tatami-Räume, man hat noch so ein bisschen den Geruch von dem Tatami
drin, dann seinen Futon abends darauflegen und einfach schlafen, es gibt nichts besseres.
Gutes japanisches Essen natürlich auch, so viel Vielfalt hier, man bekommt für jede
Geschmacksrichtung was, es ist immer lecker, man kann gesund essen, man kann ungesund essen,
immer auf Top-Level.
Also wirklich, wenn man sich für sowas interessiert, ist man hier in Japan eigentlich auch im siebten
Himmel.
Pünktliche Bahnen und Planbarkeit, klar, es gibt auch mal Verspätungen in Japan, klar,
es fällt auch mal ein Zug aus, wenn irgendwas ist, aber in der Regel, in den allermeisten
Fällen, ja, Bahnen sind pünktlich, man kann planen, man muss sich nicht rumärgern, man
muss nicht Alternativrouten suchen, einfach super angenehm, ohne Stress durch den Alltag.
Eine unglaublich schöne Natur, also Japan ist so reichhaltig was Natur angeht, man kennt
oft immer nur die großen Städte, wie Tokio oder so, aber wirklich, japanische Natur,
Wasserfälle, unberührte Waldlandschaften teilweise, Berge ohne Ende, so ein bisschen
verschollene Schreine und Tempel, die man entdecken kann, ne Menge an Steinformationen,
was weiß ich nicht alles, also da gibt's wirklich für jeden was, Vulkane auch natürlich
ohne Ende.
Gute medizinische Versorgung, man kommt schnell zum Arzt, man kommt schnell dran, muss oft
nicht so lange warten und hat wirklich eine der besten medizinischen Versorgungen der
Welt und natürlich sichere Straßen, man muss sich im Alltag keine Sorgen darum machen,
dass man irgendwo zusammengeschlagen wird, hätt's mal extrem gesagt oder sonst irgendwas.
All das sind Dinge, die in Japan einfach super funktionieren und die für mich persönlich
auch Japan einfach zu einem unglaublich tollen und praktischen Land machen.
Aber, obwohl es all diese Dinge gibt, gibt es dennoch viele Ausländer, aber auch Japaner
natürlich, die hier leben und nicht wirklich glücklich sind, sondern unglücklich, ne
auch sowas wie Depressionen in Japan gibt es immer und immer mehr, immer ausgelaugte,
gestresste, unzufriedene Japaner, das werden immer mehr und auch bei Ausländern, viele
kommen für ein paar Jahre oder paar Monate hierher und dann gehen sie wieder zurück,
weil Japan nicht so wirklich was für sie war.
Warum ist das aber eigentlich so?
Ich hab mir da mal ein paar Gedanken drüber gemacht und bin eigentlich zu dem Schluss
gekommen, dass das größte Problem in Japan die Arbeit ist.
Ich sag immer wieder, es hängt stark von der Firma ab, wie viele Überstunden man hat,
wie gut man da zurechtkommt und so weiter und so fort und das stimmt auch absolut und
man muss ganz klar sagen, in den letzten Jahren hat sich in Japan einiges getan, auch durch
Corona, in vielen Firmen ist Homeoffice wesentlich häufiger und normaler geworden, als es vorher
der Fall war.
Also es geht in eine absolut gute Richtung, aber es ist noch nicht so, dass die allermeisten
Leute in der Gesellschaft wirklich das auch erfahren.
Gerade bei den Officeworkern, Salarymans, ist es oft so, dass sie immer noch Überstunden
machen und das Schlimmste ist glaube ich, dass die Arbeit oft auch einfach unglaublich
unproduktiv ist.
Viele Konferenzen, lange Konferenzen, in denen nicht wirklich ein Ergebnis am Ende dann besteht,
also man macht so manchmal die Konferenzen der Konferenzen willenshalber, nicht unbedingt
weil man dann da was entscheiden möchte und so und das ist was, was ich auch immer
wieder höre.
Man arbeitet lange, aber vieles davon ist irgendwie auch Show und am Ende kommt man
da nicht so wirklich weit, also das, was die Leute hier in 8 Stunden machen, könnte man
teilweise auch in 5, 6 oder sogar 4 Stunden machen.
Und ich denke, dass das Problem da ist, die Salarymans, mit denen ich mal auch so gesprochen
habe aus dem Bekanntenkreis und auch aus dem Freundeskreis, was die mir oft erzählen
ist, Kevin, ja ich habe Familie, ich habe Frau und Kinder eigentlich zu Hause, aber
ich sehe die kaum.
Ich sehe meine Frau kaum, ich sehe meine Kinder kaum, die wachsen da irgendwie auf und dann
gibt es manchmal auch den Fall, ja ich lebe in Tokio und meine Familie lebt irgendwie
in Osaka oder irgendwo anders, wir leben voneinander getrennt, weil ich muss hier arbeiten, aber
Tokio ist dann zu teuer oder die wollen auch gar nicht hier leben und so und das führt
dann natürlich immer wieder zu Problemen und das heißt, eigentlich wollen sie mehr
für die Familie da sein, sie wollen ein bisschen mehr Freizeit haben und so, aber sie können
nicht wirklich und das sorgt natürlich für eine enorme Menge an Stress dann auch und mein
Gefühl ist auch so ein bisschen, dass wenn man jeden Tag hier arbeiten geht und die meisten
Menschen würde ich jetzt mal sagen, arbeiten um Geld zu verdienen und das Geld brauchen
sie um ihren Lebenshalt zu bestreiten, die allerwenigsten Menschen haben das Glück,
dass sie einer Tätigkeit nachgehen können, die sie wirklich aus innen auch erfüllt,
also bei mir ist das zum Glück so, es hat mich irgendwie, der Weg hat mich da hingetrieben,
dass ich etwas mache hier mit all dem, was ich mache, was mich erfüllt, was mich interessiert,
wofür ich eine Leidenschaft habe, so dass es sich oft gar nicht wie Arbeit anfühlt,
was dann auch wieder ein Problem ist, weil man die genauen Grenzen nicht setzen kann,
aber ich mache das gerne und ich mache das für mich selber und ich helfe anderen Leuten damit,
ich kann euch Informationen aus Japan geben, viele von euch freuen sich darüber und das
gibt mir unglaublich viel, also ich habe nicht den Fall, dass ich eine Arbeit mache,
die irgendwie gegen meine eigene Natur geht und gegen das, was ich eigentlich wirklich machen
oder erreichen möchte, aber ich glaube in vielen Fällen ist es einfach so, dass man eine Arbeit
macht, die man nicht wirklich mag und wenn man dann jeden Tag diese Arbeit aber ausführen muss,
merkt man irgendwo in sich drin auch, dass es nicht das ist, was man eigentlich machen will,
also man geht gegen seine eigene Natur, gegen seine eigene Leidenschaft, man erfüllt sich nicht das,
was in einem drin steckt als Potenzial, sondern man arbeitet eigentlich jeden Tag gegen sich selbst
und das führt glaube ich, wenn sich das anstaut dazu, dass man dann in Depressionen,
in Burnout oder sonst irgendwas landet, weil man einfach sich selbst jeden Tag kaputt macht,
indem man eine Arbeit ausführt, die einem zuwider geht und mir ist natürlich klar,
es kann jetzt nicht jeder den Job kündigen und einfach das machen, was er möchte, ja natürlich,
das funktioniert nicht, aber ich glaube, dass das die Gründe dafür sind, weshalb obwohl Japan so
ein unglaublich tolles Land ist, viele Ausländer, aber auch Japaner irgendwann einfach total unglücklich
hier sind, weil so Sachen wie der Kombini, die Tatami-Matten meinetwegen, das Futon oder aber
auch die schöne Natur, die Berge, das sind alles Dinge, die sieht man ja jeden Tag in der Regel,
also wandern gehen, das kann man dann jetzt nicht machen, wenn man so viel arbeitet in der Regel,
aber zum Beispiel ein Kombini, viele gehen jeden Tag in den Kombini, aber da ist so normal geworden
irgendwann, dass sie gar nicht mehr wertschätzen, wie toll und verrückt eigentlich so ein Kombini
ist, sie machen sich die schönen alltäglichsten Dinge gar nicht mehr so wirklich bewusst und das
führt natürlich auch dazu, dass sie gar nicht erkennen, wie toll Japan eigentlich ist, viele
Japaner, die ins Ausland gehen, die merken das dann aber auch, da habe ich auch einige, unter
anderem ja auch meine Frau, die dann nach Deutschland gegangen sind und wieder zurück
nach Japan, weil sie gesagt haben, ich habe erst im Ausland gemerkt, wie geil eigentlich Japan ist,
ich habe das nie gemerkt, ich war die ganze Zeit immer da, ich habe gedacht, das ist scheiße,
ich will raus aus Japan, dann bin ich im Ausland und merke, wie toll ist mein Heimatland eigentlich
und es liegt halt daran, weil Japan meines Erachtens nach auch wirklich toll ist, das heißt,
man muss sich so ein bisschen fokussieren, glaube ich, auf die kleinen Dinge und auch,
wenn man einen Job macht, der einem nicht so wirklich gefällt oder man macht es nur des
Geldes wegen, man kann sich trotzdem ja an den kleinen alltäglichen Dingen erfreuen und man kann
darauf hinarbeiten, in Zukunft einem Job nachzugehen, der mehr zu einem selbst passt und da kenne ich
auch einige Beispiele hier aus Japan, zum Beispiel der Manuel, den ihr in Interviews ja hier auf dem
Kanal vielleicht auch schon mal gesehen habt, der hat ja genau das gemacht, der hat erst im Hotel
gearbeitet, war damit überhaupt nicht zufrieden und hat dann jetzt seinen Job als Englischlehrer
gefunden, was genau seine Sache ist, das passt perfekt zu ihm, er will das machen, er hat
Leidenschaft dabei, ihm macht das Spaß, die Kinder zu unterrichten, also das ist perfekt für ihn und
seitdem ist er mega, mega glücklich in Japan und sagt genau das, was ich auch immer sage,
allein das Spazierengehen durch die Straßen und die Häuser zu sehen, das macht einen schon glücklich
irgendwie, weil es halt einfach geil ist. Man muss ganz klar sagen, Japan ist eine Leistungsgesellschaft
und das ist sie vor allem auch geworden nach dem Zweiten Weltkrieg, da ging es darum, möglichst
lang zu arbeiten, sich anzustrengen, zu arbeiten und jemand, der hart und viel arbeitet, das war
jemand, der hoch angesehen worden ist in der Gesellschaft. Mittlerweile merkt ein Japaner,
dass dieses Bild aber nicht wirklich toll ist und dass es auch eigentlich nicht wirklich das ist,
was die meisten Familien und auch Männer wollen, sondern was man eigentlich will,
ist Spaß haben. Ich meine, dafür ist das Leben doch da, man sollte Spaß haben bei dem, was man
macht. Niemand zwingt einen, die Natur zwingt einen nicht dazu, jeden Morgen seine Krawatte
zuzuziehen und zur Arbeit zu gehen im Anzug und da irgendwas zu machen und das bis abends 10 Uhr
mit vielen Überstunden. Und deswegen sprechen die Yamabushi, bei denen ich bin, eine Gruppe von
Bergmünchen, so könnte man sagen, die sagen immer, die haben genau das andere Bild, die sagen,
arbeite nicht so viel, Kevin, arbeite nicht so viel, mach mal ein bisschen Halbbraten,
mach mal ein bisschen Spaß, sagen sie. Die sind da so ein bisschen auf der anderen Seite und die
sprechen auch davon, dass unsere moderne Gesellschaft, also sie beziehen das gerade
auch natürlich immer auf Japan, dass es eigentlich eine Sklavengesellschaft ist,
denn wir sind Sklaven, wenn wir im normalen Arbeitsbetrieb irgendwo arbeiten. Es wird die
Krawatte zugezogen, dann geht man zur Arbeit und die Yamabushi sagen immer, ja warum muss man denn
von morgens an sich schon den Hals zuschnüren. Und das ist im Grunde, man hängt eine Krawatte,
man wird eine Krawatte gezogen, man macht das, was von einem gefordert wird, um so ein bisschen
Geld zu bekommen, mit dem man dann sein Leben irgendwie ein bisschen bestreiten kann. Aber
eigentlich ist das nichts, was aus den Menschen selbst herauskommt, was sie tun wollen. Und ich
bin auch der Meinung, wenn jeder mehr so ein bisschen, wenn wir irgendwie ein System hätten,
wo jeder mehr das machen kann, was aus ihm herauskommt, dann würde das Ganze wahrscheinlich
auch viel besser funktionieren und wir hätten Leute, die halt auch richtig Spaß bei der Arbeit
hätten. Es gibt in Japan alte Meister zum Beispiel, denen siehst du an, dass die alles
lieben, was die machen. Die lieben ihren Job, die lieben ihre Meisterschaft, die lieben ihre
Schwertkunst, was auch immer die machen. Und das spiegelt sich auch im Produkt dann wieder. Das,
was die da machen, ist einzigartig, ja. Und diese Freude, die die dabei haben, auch klar,
es ist auch hart, das zu machen und es war hart, die Ausbildung und so, aber sie lieben das und
sie wollten das. Und das ist ein ganz anderer Schlag von Mensch und das, was die fertigen,
hat auch eine ganz andere Qualität, als das irgendwie in der Massenproduktion oder von
jemandem, der das macht wegen dem Geld, aber nicht wirklich, weil es aus ihm herauskommt.
Und das gilt halt auch für uns Ausländer. Wenn wir im Urlaub in Japan sind, ist alles
wunderbar toll. Das Futon ist geil, das Essen ist geil, die Bahn ist geil, alles ist geil. Aber
wenn wir anfangen, hier zu leben und zu arbeiten, dann rutschen wir oft genau in dieses Muster auch
hinein. Irgendwann ist das Futon, auf dem man schläft, nicht mehr geil, weil das ist halt das
Futon, auf dem man schläft und es ist normal. Irgendwann ist der Kombi nicht mehr besonders,
weil man geht in ihn jeden Tag. Irgendwann ist auch die pünktliche Bahn nichts mehr Besonderes,
weil sie kommt ja jeden Tag pünktlich. Und wenn man sich das nicht bewusst macht,
wie toll das eigentlich ist, ist man irgendwann da angelangt, dass man sagt,
ja Japan ist eigentlich ziemlich scheiße, ich arbeite hier nur, ich kriege ein bisschen Gehalt,
ich glaube, ich gehe wieder zurück nach Deutschland. Dann gehen sie zurück nach
Deutschland und denken sich, ach du Scheiße, wo bin ich denn hier gelandet?
Nein, nein, nein. So war es jetzt natürlich nicht gemeint, aber so vom Prinzip her,
vielleicht wisst ihr, was ich meine. Ich persönlich bin der Meinung,
jeder kann seinen Weg in Japan finden. Egal, ob Japaner oder Ausländer. Ich habe viele Japaner
mittlerweile kennengelernt, vor allem auch bei den Yamabushi, die ihren eigenen Weg gegangen sind,
die mittlerweile auch ziemlich wirtschaftlich erfolgreich und unabhängig sind und die eben
nicht diese Slaverei morgens hin mit Krawatte und so machen, sondern die sehr frei sind und
deswegen auch Zeit haben, irgendwie ein paar Mal im Monat an irgendwelchen Zeremonien teilzunehmen.
Und ich habe auch Ausländer in Japan kennengelernt, die ihren eigenen Weg gegangen sind,
aber nicht, weil er ihnen vor die Füße geworfen worden ist, sondern weil sie sich weiterentwickelt
haben, weil sie die Augen und Ohren offen gehalten haben und weil sie bewusst sich
dazu entschieden haben, ein bisschen Risiko einzugehen und diesen neuen Weg zu beschreiten.
Und Japan ist momentan ein wenig im Wandel, also es tut sich definitiv etwas und deswegen denke und
hoffe ich, dass es in Zukunft auch in eine positive Richtung geht hier. Man könnte natürlich
noch viele Gründe mehr ansprechen, oft werden auch zwischenmündliche Kommunikationsprobleme,
die Sprache und so angeführt, warum Leute unzufrieden in Japan sind, aber ich wollte
jetzt mal einen Aspekt nennen, der für Japaner wie auch für Ausländer in Japan gilt und da spielt
die Arbeit schon wirklich eine ganz, ganz große Rolle, denke ich. Schreibt mir gerne in die
Kommentare, wie ihr das Ganze seht. Seht ihr das ähnlich? Denkt ihr auch, die Arbeit ist ein ganz
großer Faktor? Wie habt ihr das in Japan erlebt, falls ihr mal hier gelebt und gearbeitet habt?
Schreibt's mir gerne in die Kommentare. Das soll's gewesen sein, vielen Dank fürs Zuhören, schaut
auch noch mal gerne in die Videobeschreibung, da gibt's noch einige Links, über die ihr mich und
meine Arbeit unterstützen könnt, unter anderem Rabattlinks zu meinen Japanisch-Online-Kursen,
einen Link zu meinem Buch und einen Link zu meiner Ko-Fi-Seite, über die ihr zum Beispiel in den
Abspann dieser Videos hier gelangen könnt. Vielen, vielen Dank und hoffentlich bis zum nächsten Mal.
Bye-bye!
