Giuseppe Gracia im Gespräch mit Martin Rufer, Direktor des Schweizer Bauernverbandes. Man hört immer wieder, in verschiedenen Ländern, von Protestbewegungen der Bauern. Worum geht es? Wofür kämpfen die Bauern? Haben Politiker und utopische Ideen die Landwirtschaft geschwächt und uns vom Ausland abhängig gemacht? Droht der Tod unserer eigenen Landwirtschaft durch Import von Billigmilch, Billiggemüse, Billigfleisch? Ist für die Politik die nationale Selbstversorgung noch ein Ziel?
Herzlich willkommen zu Menschenbilder,
der Sendung im Kontrafunk.
Mein Name ist Giuseppe Grazia.
Heute zu Gast in der Sendung ist Martin Ruerfer,
Direktor des Schweizer Bauernverbandes.
Herr Ruerfer, guten Tag.
Guten Tag, herzlich willkommen für das Gespräch.
Schön sind Sie dabei.
Wir wollen heute sprechen
über die Herausforderungen im Bereich der Landwirtschaft.
Man hört ja in den Medien immer wieder von Protestbewegungen
von Bauern in verschiedenen Ländern.
Da fragt man sich manchmal als Laie,
worum geht es da überhaupt?
Warum kämpfen die Bauern?
Werden Bauern im Stich gelassen von Regierungen?
Ich meine jetzt nicht nur in der Schweiz,
auch in Deutschland zum Beispiel.
Mein Verdacht persönlich ist immer gewesen,
dass ein bisschen die Globalisierung hier eine Rolle spielt,
dass die Preise sinken, dass der Druck steigt,
dass man die Bauern einfach ein bisschen allein lässt.
Täuscht dieser Eindruck, wenn man das als Laie anguckt?
Ja, die Situation in der Landwirtschaft
ist generell sicherlich sehr anspruchsvoll.
Wir haben natürlich auch immer Preisthemen,
sprich wie hoch dürfen Produzentenpreise sein,
schlussendlich wie hoch dürfen auch Konsumentenpreise sein.
Also diesen wirtschaftlichen Druck kennen wir eigentlich seit Jahren.
Und dann haben wir zusätzlich eine Diskussion
über zusätzliche Auflagen, Vorschriften,
vor allem auch im Umweltbereich.
Diese Auflagen führen zu steigenden Produktionskosten,
auch zu Mindererträgen.
Und eben diese tiefen Preise mit diesen zusätzlichen Auflagen
haben natürlich den wirtschaftlichen Druck erhöht in Europa.
Das hat zu diesen Protesten geführt in Deutschland, in Frankreich,
teilweise auch in der Schweiz.
Also ich würde mal sagen, die Landwirtschaft in Europa
hat überall etwa die gleichen Probleme, die gleichen Fragen,
wenn auch etwas auf einem unterschiedlichen Niveau.
Und kann man sagen, dass die zusätzlichen Umweltauflagen,
haben Sie erwähnt, das führt automatisch zu Preiserhöhungen?
Eben nicht zwingend.
Es führt vor allem zu höheren Produktionskosten,
weil man zusätzliche Auflagen einhalten muss.
Dann senkt in der Regel auch etwas der Ertrag je Hektar.
Das führt dann eben wieder zu Mindererlösen.
Und eben diese zusätzlichen Auflagen erhöhen dann den Druck
auf die Wirtschaftlichkeit, auf den Bauernbetrieben,
weil eben diese Preise nach vorne nicht beliebig erhöht werden können,
weil dort der Wettbewerb doch sehr hart ist.
Mein Eindruck war ja auch schon lange,
dass man vielleicht die Bauern ein bisschen im Stich lässt
mit all diesen Auflagen, dass man denen sagt,
du musst das jetzt und das und das und das einhalten.
Schau, wie du es machst.
Aber die Leute, die Lebensmittel kaufen,
die wollen ja günstige Produkte.
Viele können sich auch teure Produkte gar nicht leisten,
auch nicht in der Schweiz, oder?
Ist man da nicht zwischen Stühl und Bank?
Doch, das ist schon ein Spannungsfeld,
das uns sehr grosse Sorgen macht.
Wir haben diese politischen Äusserungen,
immer mehr Umwelt, mehr Tierwohl,
weniger Pflanzenschutz oder gar keinen Pflanzenschutz mehr.
Dann haben wir diese Abstimmungen in der Schweiz
auch immer zu diesen Umweltthemen in der Landwirtschaft.
Das sind dann die Sonntagsreden,
die man gerne für eine Landwirtschaft hätte.
Am Montag sieht das dann im Laden etwas anders aus.
Dann zählt der Preis natürlich auch relativ viel.
Wobei wir eine nicht so schlechte Situation haben in der Schweiz.
Aber trotzdem, in den Läden ist der Preis nach wie vor
ein wichtiges Kriterium.
Diese Diskrepanz zu den politischen Wünschen,
die da geäussert werden, und dann zu einer Marktrealität,
das ist etwas, was wir tagtäglich spüren.
Das macht auch unseren Bäuerinnen und Bauern grosse Sorgen.
Sonntagsreden, kann man sagen, eine Art utopische Politik.
Also immer gesünder, immer mehr Bio, immer mehr Umweltschonen,
aber immer günstigere Preise.
Wie die Leute das verlangen dann?
Es ist ein Wunschkonzert in diesen politischen Diskussionen
im Bundesparlament in Bern.
Auch von den Umweltorganisationen,
die immer mit Initiativen kommen,
was man noch mehr machen sollte.
Da wird einfach aufgeladen, gewünscht,
aber bezahlt wird es dann nicht,
oder zumindest nicht in vollem Umfang.
Und eben dieses Spannungsfeld zwischen den Wünschen,
was die Landwirtschaft machen sollte,
und dem, was dann am Markt bezahlt wird,
das Spannungsfeld wird in der Tendenz sehr grösser.
Mir fällt jetzt einfach auf,
der Warenkorb wird immer teurer in der Schweiz.
Also wenn ich auch einkaufen gehe zum Beispiel,
da sind schnell 100 Franken einfach weg.
Und dann frage ich mich,
wenn das jetzt noch teurer werden würde,
wer kann sich das noch leisten
mit einem sehr zuschnittlichen Einkommen
und drei Kindern zu Hause,
wer soll sich das leisten können?
Was das kosten würde alles,
wenn wir all diese Auflagen einhalten, oder?
Ja gut, was man sagen muss ist,
dass die Lebensmittel in der Schweiz
eigentlich relativ günstig sind,
wenn man die Einkommen vergleicht.
Ein durchschnittlicher Haushalt
gibt etwa noch 5,5% des Einkommens
für Lebensmittel aus.
Das war einmal bei 50%.
Vor einigen Jahrzehnten
ist es dann immer runtergekommen.
Und eigentlich hätten sehr viele Haushalte
durchaus die Kaufkraft,
um eben etwas mehr zu bezahlen
für die Lebensmittel.
Das Problem ist, dass andere Bereiche,
Wohnen, aber auch Krankenkassen,
massiv teurer geworden sind.
Dass Leute auch lieber Ferien machen,
als etwas mehr ausgeben
vielleicht für Nahrungsmittel.
Also das ist das Spannungsfeld,
wo wir drin sind.
Aber generell kann man sagen,
dass gemessen an den Löhnen,
an der Kaufkraft,
die Lebensmittel in der Schweiz
eigentlich günstig sind.
Also auf jeden Fall teurer als in Deutschland, oder?
Ja, natürlich.
Also die Preisdifferenz
zum umliegenden Ausland, die ist da.
Glücklicherweise auch
aus Sicht der Schweizer Bahn.
Wir haben auch höhere Produzentenpreise.
Wenn man dann aber das Einkommen anschaut,
das durchschnittliche Einkommen
Schweiz-Deutschland oder Schweiz-Frankreich,
haben wir natürlich auch
eine sehr grosse Differenz.
Und eben gemessen am Einkommen
geben die Leute in der Schweiz
weniger aus, als beispielsweise
in Deutschland oder Frankreich.
Dieses Lohnniveau,
jetzt im Vergleich zu Deutschland,
hat das auch Effekt
auf das Verhältnis der Landwirtschaft
in der Politik der Deutschen
zu unserer zum Beispiel,
oder überhaupt der EU?
Ja, ich glaube, die Situation ist so,
dass die Landwirtschaft in der Schweiz
schon historisch immer relativ gut
vertreten war
in der politischen Diskussion
oder in der Politlandschaft.
Der Schweizer Bahnverband
hat kürzlich ein Jubiläum gefeuert.
Wir haben 1897 gegründet,
125 Jahre alt.
Und seit diesen 125 Jahren arbeiten wir
natürlich auf der politischen Ebene,
schauen, dass dort die Bäuerinnen
und Bauern auch gehört werden,
dass die anliegenden Landwirtschaften
auch aufgenommen werden.
Und das gelingt relativ gut
in der Schweiz.
Es wird ja auch immer gesagt,
dass eben diese Landwirtschaftsvertretung
eigentlich zu stark ist
für gewisse Leute
oder zumindest eben sehr stark ist.
Und das ist sicher ein Unterschied
zu Deutschland, wo die Landwirtschaft
in der politischen Interessenvertretung,
in der politischen Diskussion
eine relativ schwache Position hat.
Ist das einfach historisch gewachsen?
Diese Differenz?
Ist sicherlich einerseits
historisch gewachsen,
dass die Landwirte auch gut vernetzt sind.
Und dann haben wir natürlich
ein anderes Regierungssystem
in der Schweiz.
Wir haben stabile Verhältnisse,
immer auch nach den Parlamentswahlen.
Und wir haben nicht in Deutschland
die Situation, wo die Landwirtschaft
mit einer linksgrünen Regierung
dann konfrontiert ist
mit sehr komischen Ideen
aus Sicht der Landwirtschaft.
Also da haben wir sicherlich,
wenn man die politische Landschaft
anschaut, jetzt in der Schweiz
eine bessere Situation
als unsere Berufskollegen in Deutschland.
Komische Ideen?
Was für komische Ideen zum Beispiel?
Ja, ich glaube eben diese ganze
weitere Ökologisierung,
dieses noch mehr Bio,
auch wenn der Markt nicht da ist,
noch mehr Tierwohl,
vielleicht auch gegen den Markt.
Das ist dort natürlich Teil
des Regierungsprogramms.
Das kommt dort von einer höchsten Ebene,
wird dann so umgesetzt.
Und das macht dann in der Realität
eben den Bauern und Bäuern
grosse Probleme,
weil am Markt niemand da ist,
der das dann auch kauft,
was die Regierung bestellt.
Weil es zu teuer ist?
Weil es zu teuer ist,
weil die Lebensmittel in Deutschland
natürlich generell sehr billig sind.
Eigentlich ist dort der Preis
doch viel entscheidender,
weil auch die Inflation in Deutschland
natürlich wesentlich höher ist
als in der Schweiz.
Und das führt dann eben dazu,
dass dort die Auflage
sehr stark erhöht wird
und die Kaufkraft
an einem relativ tiefen Ort ist.
Und das bringt dann natürlich
dann wirklich die Bauernfamilien
zwischen Hamburg und Ambos.
Liegt es auch daran,
dass man vielleicht einfach
wirklich abgekoppelt ist
von der Wirklichkeit
jetzt in diesen Ländern?
Mir scheint in der ganzen EU
ein bisschen oder vielleicht
in Deutschland jetzt auch
besonders stark im Vergleich zur Schweiz.
Aber grundsätzlich auch in der Schweiz
habe ich oft das Gefühl,
wenn ich jetzt als Journalist
einfach mal die Landschaft anschaue,
die Diskussionen, die es gibt.
Und als Mensch, der sehr gerne
mit der Bahn fährt
und gar kein Auto hat
und eigentlich eher,
ich würde sagen, mal grün eingestellt ist,
aber im Sinne der Wirklichkeit
und nicht im Sinne von Konzepten,
habe ich das Gefühl,
die Entscheidungsträger
haben gar keine Ahnung mehr,
was überhaupt finanzierbar ist manchmal.
Oder es gibt ja Widersprüche.
Man will weniger Strom,
weniger Belastung,
aber immer mehr Leute ins Land,
zum Beispiel.
Oder man will unbedingt,
dass Bio ist
und dass die Tiere geschützt sind,
aber muss immer mehr Leute ernähren.
Also wie soll das überhaupt aufgehen?
Ja, ich glaube, das ist generell
ein Thema in der Politik,
oder dass man irgendwie eben da
eine Diskrepanz schafft.
Eben, wir haben zunehmend Leute,
140'000 Menschen mehr in einem Jahr.
Das braucht Infrastruktur,
das braucht Energie,
das braucht auch Lebensmittel.
Und dann auf der anderen Seite
möchte man dann eben
weniger Lebensmittel
vielleicht produzieren,
mehr Ökologie.
Beim Strom sind gewisse Produktionsarten
dann verpönt.
Und das ist generell wirklich
eine Diskrepanz, die sich öffnet
in einer Gesellschaft,
in der es uns nach wie vor
relativ gut geht.
Und in der dann natürlich
die Ansprüche steigen.
Und dann kommt beim Essen
etwas Spezielles noch dazu.
Essen ist sehr emotional.
Alle Menschen essen dreimal pro Tag,
sprich befassen sich mindestens
dreimal pro Tag mit der Ernährung,
mit dem, was auf dem Teller ist.
Alle können und wollen
dann natürlich mitsprechen.
Und eben von dem her ist Essen
etwas sehr stark Emotionales.
Und das führt dann natürlich auch
zu diesen politischen Diskussionen
um die Frage,
wie wollen wir uns ernähren?
Welche Landwirtschaft wollen wir uns?
Und daher haben wir auch
viele Volksinitiativen in der Schweiz
zum Thema Landwirtschaft und Ernährung,
weil es eben bewegt.
Essen ist eigentlich auch etwas Schönes.
Wir haben einen Beruf,
Landwirtschaft, wo alle hinschauen,
wo alle interessiert sind.
Wir können uns auch erklären,
zeigen, warum wir diese Landwirtschaft
machen.
Ich glaube, das ist dann
die positive Seite.
Also wenn man eben in einem Sektor
tätig ist, wo die Leute
sehr interessiert sind,
dann kann man auch zeigen,
was man macht.
Dann kann man eben auch erklären.
Und ich bin froh,
dass sich die Leute
für Landwirtschaft interessieren.
Es gibt nichts Schlimmeres,
als wenn sich niemand dafür interessiert,
was man macht.
Und über mangelnde Aufmerksamkeit
müssen wir uns in der Landwirtschaft
sicherlich nicht beklagen.
Ist das deswegen,
dass Sie auch so gerne
in diesem Beruf sind jetzt
als Direktor des Bauernverbandes,
dass Sie das mögen,
weil es ist ein wesentliches Thema
für Menschen?
Ja, absolut.
Das ist, finde ich, wirklich eben
Ernährung auch etwas Spannendes.
Ich esse auch sehr gerne
und schaue, woher
die Dinge kommen,
wie sie produziert wurden.
Das ist wirklich das eine.
Und das Zweite ist eben,
ich glaube, wir sind ein Sektor,
der sehr gut aufgestellt ist
für die Zukunft.
Essen braucht es immer.
Und entsprechend ist es auch schön,
in einem solchen Wirtschaftszweig
zu arbeiten, wo man weiss,
dass die Bedeutung gross bleiben
wird auch in der Zukunft.
Führt übrigens auch dazu,
dass wir steigende
Lernendenzahlen haben.
Also wir haben seit etwa zehn Jahren
zunehmend junge Menschen.
Immer mehr die Bäuerinnen
oder Bauer oder eben Landwirt,
Landwirtin werden wollen.
Also das zeigt doch auch,
dass trotz all dieser politischen
Diskussionen viele junge Menschen
in der Schweiz daran glauben,
dass wir eine gute Zukunft haben,
dass die Landwirtschaft ein Beruf ist,
der sehr auch sinnerfüllend ist,
wirklich auch sehr
ein schöner Beruf ist.
Und das macht mich auch stolz,
hier Direktor eines Berufsverbandes
zu sein, wo wir eben steigende
Lehrlingszahlen haben,
während in sehr vielen anderen
gewerblichen Berufen
und handwerklichen Berufen
die Kurve eigentlich runter zeigt.
Also Sie erwarten keinen
Fachkräftemangel,
so wie andere Branchen?
Ja, wir haben schon auch Probleme,
wenn es darum geht,
bei grösseren Betrieben
beispielsweise Entehelfer zu finden.
Also dort, wo es auch Angestellte braucht.
Dort haben wir auch diese Problematik,
dass wir hier zu wenig Leute haben.
Aber sonst diejenigen Leute,
die sich ausbilden lassen,
die auch bereit sind,
dann später einen Hof zu übernehmen,
einen Hof zu führen.
Dort haben wir wirklich
auch steigende Zahlen
und das stimmt mich positiv.
Wir machen in der Familie oft
Ferien auf dem Lande, im Engadin.
Und unsere Nachbarn,
die uns auch regelmässig ihr Haus
zur Verfügung stellen und vermieten,
sind Bauern.
Wir führen seit vielen Jahren
immer wieder Gespräche
über verschiedene Themen.
Und einmal hat mir der Mann
erklärt, was die Maschinen so kosten.
Diese Maschinen, die er bei sich...
Wir sehen, wir haben auch schon geholfen
beim Mähen und so.
Und dann bin ich erschrocken,
was das für Geld kostet.
So kleine Maschinen,
die man mit der Hand noch rollen kann,
kostet schon 50.000 Franken,
je nach Gerät, was drin ist.
Wenn mal etwas kaputt geht,
dann kostet das so viel Geld,
um es zu reparieren.
Da habe ich mir gedacht,
wow, das ist wirklich hart.
Und ich weiss, dass er
nebenbei noch Bus fährt.
Er meint, Busfahren ist sein
eigentlicher Beruf,
aber das ist zum Ausruhen.
Arbeiten ist dann
auf dem Landwirtschaftsbetrieb.
Und da habe ich gedacht,
vielleicht sind die wirklich
sehr knapp da, nehmen wir, oder?
Obwohl die eigentlich
immer fröhlich sind.
Das ist gar nicht die Frage,
sondern es scheint schon so,
dass das eigentlich schon
ein harter Beruf ist, oder?
Ja, es ist ein sehr harter Beruf.
Ich habe vorhin gesagt,
ein schöner Beruf,
das ist sicher so,
aber auch ein harter Beruf.
Also gerade in der Berglandwirtschaft
ist dann natürlich die Arbeit
auch körperlich noch da,
sehr anstrengend.
Und kein Geheimnis ist,
dass die Wirtschaftlichkeit
natürlich eher
auf einem tiefen Niveau ist.
Die Einkommen sind
auf einem tiefen Niveau.
Wenn man den Stundenlohn anschaut
von Betriebsleitern,
also der Betriebsleiterfamilien,
dann ist er im Durchschnitt
17 Franken je Stunde,
also sehr tief.
Und wenn man dann
ins Berggebiet geht,
wird er noch tiefer.
Also die Verdienstmöglichkeiten
in der Landwirtschaft,
die sind wirklich nicht so gut.
Der Druck ist immer da.
Und das ist auch ein erklärtes Ziel
von uns jetzt in unserer Arbeit,
dass wir daran arbeiten,
dass wirklich auch die Einkommen
in der Landwirtschaft steigen,
dass es dort Verbesserungen gibt,
dass wirklich auch diese Wirtschaftlichkeit
an einem besseren Ort
geführt werden kann.
17 Franken, das sind Leute,
die haben auch die Verantwortung
für das Unternehmen,
für eine KMU,
das sie eben da führen,
für den Betrieb.
Sie müssen Investitionen tätigen
und wenn dann eben
nur noch 17 Franken übrig bleiben,
ist das natürlich alles andere,
alles befriedigend.
Faszinierend ist aber,
dass Sie da sagen,
es gibt doch viele junge Menschen,
die diesen Beruf trotzdem ergreifen,
oder?
Ist das aus Idealismus
oder weil es sinnhaft ist?
Macht es Sinn?
Das Geld kann es ja nicht sein, oder?
Nein, ich glaube rein wegen dem Geld
steigt niemand in die Landwirtschaft ein,
auch wegen den Arbeitszeiten nicht.
Die sind natürlich auch wesentlich höher
als in anderen Berufen.
Ich glaube wirklich, es ist,
weil es wirklich erstens
eine gute Ausbildung ist,
eine sehr breite Ausbildung,
weil Landwirtschaft
und Lebensmittelproduktion
wirklich etwas sehr Sinnstiftendes ist,
weil man draussen in der Natur arbeitet,
mit Tieren.
Eben wenn man das gerne macht,
dann befriedigt das natürlich sehr.
Aber nichtsdestotrotz,
von der Sinnhaftigkeit
alleine kann man nicht leben,
keine Rechnungen zahlen
und daher müssen wir wirklich daran arbeiten,
dass man auch diese ganzen
wirtschaftlichen Komponenten
und die Einkommenssituation
Eine grosse Herausforderung,
aber das Personal fehlt ja anscheinend nicht.
Das ist gut zu hören.
Ich hoffe, dass es in Deutschland ähnlich ist.
Das kann ich jetzt so nicht sagen.
Würden Sie sagen,
gibt es andere Unterschiede
noch zwischen jetzt zum Beispiel EU,
Deutschland und der Schweiz,
wenn es um diese Fragen
der Landwirtschaft geht
und der Bedingungen,
unter denen Leute arbeiten müssen?
Ja, ich glaube, wir dürfen sagen,
dass die Situation in der Landwirtschaft
in der Schweiz wesentlich besser ist
als in Deutschland.
Oder in Deutschland ist sie dann wirklich
noch viel dramatischer.
Die ganze wirtschaftliche Situation,
der Preisdruck in Europa
und gerade auch in Deutschland
ist natürlich noch viel höher
als in der Schweiz.
Die Betriebe sind dreimal so gross
im Durchschnitt wie ein Schweizer Betrieb.
Das heisst dann eben auch mehr Belastung,
mehr Investitionen in Maschinen
und man sieht doch auch
in gewissen Regionen in Deutschland,
dass nicht mehr investiert wird,
weil das Geld nicht mehr da ist,
weil die Leute nicht mehr
an die Landwirtschaft glauben.
Und die Situation in Deutschland
ist insgesamt eben, wie gesagt,
sicherlich noch viel angespannter
als in der Schweiz.
Das Gleiche gilt für Frankreich.
Dort ist die Situation
vergleichbar mit Deutschland.
Darum müssen wir Sorge tragen
zur Schweizer Landwirtschaft.
Das hängt auch damit zusammen,
dass wir eine eigenständige
Agrarpolitik haben,
die wir für die Schweiz machen können.
Dass wir auch einen gewissen
Grenzschutz haben bei Produkten,
bei Fleisch oder auch
bei Ackerbauprodukten.
Und dass wir eben ein gewisses
Preisniveau noch wirklich absichern können.
Wenn wir das nicht hätten,
dann wäre der Druck
und die wirtschaftliche Situation
noch einmal ganz anders in der Schweiz.
Die Globalisierung und die Technisierung
hat diesen Bereich ja wahrscheinlich
immer unter Druck gesetzt, oder?
Nehme ich jetzt mal an.
Die Schweiz hat sich da
schadlos halten können,
mehr oder weniger durch Zölle, oder?
Wie macht man das in der Schweiz?
Ja, wir haben gewisse Einfuhrzölle,
wo dann einfach an der Grenze
gewisse Abgaben erhoben werden,
damit wir ein vernünftiges Preisniveau
in der Schweiz noch absichern können
für die Produzentenpreise.
Braucht es natürlich auch,
weil wir eben eher kleine Strukturen haben.
Wir haben viele Bergregionen.
Das führt dann eben auch
zu hohen Produktionskosten,
weil die Arbeit dort
sehr stark gebraucht wird.
Also wir haben dieses System.
Wir müssen zu diesem System Sorge tragen.
Sonst ist wirklich am nächsten Tag,
wenn der Grenzschutz weg ist,
ist der grosse Teil
der Schweizer Landwirtschaft auch weg.
Also nicht konkurrenzfähig in dem Sinn?
Ja, das Preisniveau in Deutschland
ist viel, viel tiefer.
Und wenn die Produkte alle
ohne Grenzschutz aus Deutschland
oder Frankreich oder aus irgendwelchen Staaten
in die Schweiz kämen,
dann wären die Produzentenpreise
am Schluss so tief,
dass da keine einzige Bauernfamilie
mehr überleben könnte.
Es wäre ja auch total unfair,
weil die Kosten sind ja sehr viel höher
als das, was der Markt
nachher für die Produkte zahlt.
Also international sind die Kosten
ja auch tiefer.
Und das wäre ja unfair,
dass die, die tiefere Kosten haben,
ihre Produkte in einem Land verkaufen können,
wo die Kosten für die,
die dort auch produzieren,
viel höher sind, oder?
Natürlich, aber ohne Grenzschutz
wäre dem eben so.
Dann würden einfach die Produkte
dorthin fliessen,
wo quasi die Kaufkraft am höchsten ist,
mit den tiefen Preisen.
Aber ich glaube, in der Schweiz
haben wir mittlerweile
schon auch eine Mehrheit der Gesellschaft
und auch der Politik, die eben sagt,
wir haben ein Interesse daran,
dass wir einen Teil der Lebensmittel,
noch knapp die Hälfte,
selber produzieren in der Schweiz,
weil wir nicht nur
vom Ausland abhängig sein wollen.
Wenn es Krisen gibt,
schaut jeder Staat dann zuerst für sich.
Wir kennen das aus der Energiekrise.
Da war plötzlich der Stromimport
auch nicht mehr möglich.
Wir haben eine ähnliche Situation
im Bereich der Medikamente,
wo gewisse Wirkstoffe
nicht mehr verfügbar sind,
weil die Lieferketten
nicht mehr funktionieren.
Und darum macht es schon Sinn,
dass man einen rechten Teil
der Lebensmittel auch in der Schweiz
eben selber produziert.
Und das ist, glaube ich,
heute wirklich politischer Konsens,
dass wir nicht noch abhängiger werden wollen
vom Ausland.
Würden Sie sagen,
das Ideal der Selbstversorgung,
gibt es das noch in der Politik bei uns?
Ja, Selbstversorgung ist
nicht mehr realistisch.
Wir haben eben jetzt
neun Millionen Menschen
in der Schweiz.
Wir haben auch Flächen verloren
durch Infrastrukturbauten.
Also die Landwirtschaftsfläche
geht zurück.
Und realistischerweise können wir,
wenn wir wirklich optimal produzieren,
wahrscheinlich noch etwa 55 Prozent
selber produzieren.
Heute sind wir unter 50 Prozent.
Das ist eben zurückgegangen.
Wir könnten noch etwas zulegen,
um wieder mehr als die Hälfte
zu produzieren.
Und das muss auch eine Zielsetzung sein.
Aber wenn ich richtig verstehe,
für die Mainstream-Politik,
also die offenen Grenzen
der Umweltschutz, der Tierschutz,
gleichzeitig mehr Menschen
ins Land lassen,
in der EU oder auch jetzt
bei uns in der Schweiz,
dazu, dass dann die
Selbstversorgungsquote sinkt
automatisch, oder?
Das geht ja gar nicht auf.
Das heisst, wir werden abhängiger.
Ja, die sinkt.
Also sie sinkt insbesondere auch,
weil wir sehr starke Anreize
gegeben haben in der Agrarpolitik,
um extensiver zu produzieren.
Also wir haben viel Fläche
aus der landwirtschaftlichen
Produktion gemacht,
zugunsten der Ökologie.
Dort werden dann einfach
keine Lebensmittel mehr produziert.
Wir haben eher auch wieder
sinkende Erträge,
weil man den Pflanzenschutz-Mitteleinsatz
sehr stark eingeschränkt hat.
Das führt dann in der Tendenz eben dazu,
dass die produzierte Menge
Lebensmittel sinkt.
Die nimmt ab.
Auf der anderen Seite
haben wir mehr Menschen, die essen.
Daher ist in den letzten Jahren
der Selbstversorgungsgrad pro Jahr
um etwa 1% gesunken.
Und dort müssen wir Gegensteuer geben,
dass man eben wieder raufkommt,
50-55%.
Dass wir dann wirklich sagen können,
doch, zumindest bis Mitte Jahr
können wir die Leute noch mit Schweizer
Lebensmitteln versorgen.
Aber im Winter muss man dann auch
Heimat, oder?
Ja, jetzt reicht es noch
etwa bis Mitte Juni.
Also nicht einmal mehr bis Mitte Jahr.
Vor zehn Jahren hatte es noch fast
bis zum 1. August gereicht,
also rein statistisch gesehen.
Und eben so die Ambition,
dass man doch bis Mitte Juli
noch die Bevölkerung
mit Schweizer Lebensmitteln ernähren kann,
statistisch gesehen,
hat diese Ambition und Zielsetzung
das sicher berechtigt.
Wenn ich Ihnen so zuhöre,
kommt mir die utopische Politik
in der Energiewirtschaft in den Sinn.
Mit der habe ich mich mal beschäftigt.
Und das war erschreckend festzustellen,
je mehr Utopie,
also je mehr Atomkraftwerke
abgeschaltet werden,
je mehr man hofft auf Solar-
oder Windenergie oder was,
desto weniger Selbstversorgung,
desto weniger Sicherheit,
desto mehr Abhängigkeit
vom internationalen Markt,
auch Abhängigkeit von Diktatoren
und so weiter.
Gilt das eigentlich
auch im Bereich der Landwirtschaft?
Kann man sagen, je mehr Utopie,
desto mehr Abhängigkeit am Schluss?
Also diese Aussage unterstützt
ich zu 100 Prozent,
dass eben wir haben die Erfahrung gemacht,
auch in der Schweiz,
mit der Energiepolitik,
wo man immer geglaubt hat,
das funktioniert dann schon.
Und sonst hat man Importe,
die jederzeit da sind.
Die reiche Schweiz kann immer importieren.
Plötzlich war das dann eben nicht mehr so
und der Bundesrat hat darüber nachgedacht,
dass man das Bügeleisen
nicht mehr brauchen kann
und dass man den Strombezug kontingentiert.
Also dort haben wir das Beispiel.
Das andere habe ich schon etwas angetönt,
ist im Bereich der Medikamente,
wo man Wirkstoffproduktion gesagt hat,
die haben der Schweiz zu teuer,
machen die nicht mehr ausgelagert
in den asiatischen Raum.
Jetzt kommen teilweise profane Medikamente,
kann man nicht mehr kaufen in der Schweiz.
Herzmedikamente, weil eben
das nicht mehr funktioniert.
Und im Bereich der Ernährung,
der Landwirtschaft ist die Gefahr
am genau gleichen Ort.
Wenn man denkt,
dass man dann immer
irgendwo her importieren kann,
dann ist das wirklich einfach eine Utopie.
Dann ist das eine Schönwetterillusion.
Und sobald dann irgendwo
Lebensmittel fehlen,
dann wird einfach dann nicht mehr geliefert,
auch nicht mehr in die Schweiz.
Und daher müssen wir Sorgen tragen
zur inländischen Produktion
und eine realistische Politik machen,
die eben auch die Produktion
noch ins Zentrum stellt.
Haben Sie auch das Gefühl,
dass diese Utopien
eigentlich zugenommen haben in der Politik?
Das ist einfach mein Eindruck
nach 20 Jahren Journalismus,
dass utopische Modelle
eigentlich viel mehr vorkommen
in politischen Diskussionen als früher.
Jemand kann einfach erzählen,
ja, wir machen jetzt den Weltfrieden
oder wir verhandeln uns jetzt
eine schönere Welt.
Und das geht dann irgendwie.
Eben eine Welt, die sanfter ist,
klimaneutral.
Alle Menschen haben Platz.
Es gibt keine Grenzen mehr.
Also diese, ich sage jetzt mal,
Illusionen, oder?
Das hat heute viel mehr Wucht
in der politischen Diskussion,
auch bei Abstimmungen.
Also man kann sich dann
eine 13. Rente sichern,
ohne zu klären, wer das bezahlt.
Also es ist wie vom Himmel herunter
kommt alles.
Habe ich das Gefühl?
Ich weiss nicht, wie Sie das sehen.
Ja, so die Tendenz,
vor allem eben so Schönwetterpolitik
zu machen, die funktioniert,
solange alles andere ringsherum
wirklich sehr problemlos aufgestellt ist.
Das hat sicher an Attraktivität gewonnen.
Viele machen das auch.
Ich hoffe aber schon,
und ich glaube, man spürt es
zumindest teilweise in der Schweiz,
dass so die Krise mit Corona,
die wir hatten,
dass auch jetzt der Krieg in Europa
mit Versorgungsengpässen
im Energiebereich,
dass diese Krisen doch auch wieder
dazu geführt haben,
dass man vielleicht etwas
realistischer wird,
vernünftiger wird
und eben auch vielleicht einmal
etwas weiter studiert
und eben nicht mehr alles
so gut gegeben ist,
wie das teilweise vorher der Fall war.
Ich hoffe, es bleibt nicht einfach
bei einem Gedanken oder einer Hoffnung
von meiner Seite,
sondern hoffe wirklich,
dass das dann auch ein Abbild findet
in der politischen Diskussion.
Bei den Agrarthemen,
Landwirtschaftsthemen
haben wir zumindest
die gute Situation,
dass wir ja
vier Volksabstimmungen hatten
in den letzten Jahren
zur Ausrichtung der
schweizerischen Landwirtschaftspolitik.
Wir hatten eine Massentierhaltungsinitiative,
kürzlich eine Biodiversitätsinitiative,
eine Pestizidverbotsinitiative
und noch eine weitere.
Und dort haben dann jeweils
zumindest fast zwei Drittel der Leute gesagt,
Stopp, irgendwie eine Produktion brauchen
wir dann auch noch in der Schweiz.
Die Nährungsmittelproduktion
im Inland ist der Wichtigste.
Und das stimmt mich doch auch positiv,
dass eben hier die Leute
durchaus auch vielleicht wieder etwas mehr
sich an der Realität orientieren.
Ja, ich bin ja auch einer von denen,
die Nein gestimmt haben.
Dreimal, oder?
Da bin ich sehr froh um dieses Votum.
Vielen Dank.
Ja, aber stimmt mein Eindruck eigentlich,
dass es in allen drei Fällen
jetzt von links eher kam,
von linksgrün kamen diese Vorstösse
und dass es immer ein Angriff war
auf die Produktionsfähigkeit
im Grunde indirekt?
Ja, natürlich.
Die Initiativen kommen
aus dem linksgrünen Lager.
Die Umweltverbände haben sich
sehr stark engagiert,
gerade bei der Biodiversitätsinitiative.
Und die Devise ist eigentlich immer
eben mehr Ökoauflage
und weniger Produktion im Inland
und am Ende des Tages mehr Importe.
Das ist wirklich überall das gleiche Muster
bei diesen Initiativen,
dass man die inländische Produktion
unter Druck setzt,
dann eben am nächsten Tag mehr importiert.
Und daher sind diese Initiativen
völlig unehrlich.
Sie funktionieren so nach dem Prinzip
aus dem Auge, aus dem Sinn.
Dann produzieren wir halt dann im Ausland,
aber wir sehen es nicht mehr.
Aber eben das Gute ist,
dass wirklich fast zwei Drittel
der Menschen in der Schweiz sagen,
nein, das wollen wir nicht.
Wir wollen die Produktion
da in der Schweiz halten.
Dann wissen wir auch,
wie es produziert wurde
und nicht einfach uns abhängig machen
von mehr Importen.
Man durchschaut ja als Laie
dieses Zusammenhänge nicht immer, oder?
Ich achte einfach darauf,
was die Bauern sagen.
Ich sehe die Freunde
und dann machen die Nein oder Ja.
Und dann frage ich, warum sagst du Nein?
Und dann erklärt das mir der Bauer.
Und dann sage ich natürlich Nein.
Ist auch klar,
weil ich will, dass der Bauer überlebt.
Aber das ist mehr ein Instinkt
jetzt in meinem Fall.
Ich möchte einfach,
dass die Bauern überleben,
weil ich finde, das ist wichtig
für ein Land,
nicht total abhängig zu sein,
also irgendwie.
Und ist das eigentlich eine Illusion,
wenn ich sage,
lokal produzieren, lokal konsumieren?
Ist das überhaupt noch möglich heute?
Also gut, das erste Positive ist,
auf die Landwirtschaft zu hören,
ist immer gut.
Darum ist es gut,
wenn Sie da dann die Ratschläge
auch ernst nehmen.
Und das Zweite,
es ist absolut realistisch,
eben lokal zu produzieren.
Eben, wir haben in der Schweiz
eine tierische Produktion,
aber auch eine pflanzenbauliche
Produktion, die natürlich
vor Ort stattfindet,
auch mit den entsprechenden Auflagen,
die es auch braucht.
Mit dem Tierwohl,
das eine Bedeutung spielt.
Aber diese Produktion ist in der Schweiz
eben knapp 50 Prozent nicht mehr.
Aber diese 50 Prozent sind doch
eine tragende Säule
eines sicheren Ernährungssystems.
Und wir dürfen uns nicht noch mehr
in die Abhängigkeit der Importe begeben.
Was meinen Sie eigentlich,
warum ist das so attraktiv?
Wir haben jetzt 70 Prozent,
die sagen nein,
aber es könnte sinken, oder?
Und dann heisst es doch,
30 oder vielleicht mehr Prozent
finden das wichtig,
dass man jetzt irgendwie
die Umwelt und all diese ideellen Ziele
über die Selbstversorgung
oder die Versorgung stellt.
Woher kommt diese Attraktivität
für Utopien?
Was meinen Sie?
Sie sind ja in einem sehr handfesten,
realistischen Beruf, oder?
Haben das aber zu tun mit Angriffen
aus der Utopie im Grunde, oder?
Ja, es ist einfach
die politische Landschaft,
die sich an diesen 30 Prozent abbildet.
Das eigentlich ist der Wellenrandteil
von Linksgrün.
Sehr stark natürlich
vertreten in den Städten.
Dort ist die Zustimmung
zu diesen Initiativen
beispielsweise immer viel höher.
Die Stadt Bern hat zu den
Biodiversitätsinitiativen
mit 68 Prozent zugestimmt.
Die Stadt Zürich hat zugestimmt.
Andere Städte auch.
Das sind einfach auch Kreise,
sage ich gerade,
auch städtische Kreise,
die weit weg sind von der Produktion.
Die finden doch,
man kann noch mit viel mehr Ökologie,
noch mit viel mehr Auflagen
trotzdem produzieren.
Und sonst ist es dann
auch nicht so schlimm.
Also diese Gruppierungen,
die gibt es natürlich,
aber nicht nur in der
Landwirtschaftspolitik.
Ich glaube, wenn man die
Energiepolitik anschaut,
die Wirtschaftspolitik,
dann haben wir immer etwa
das gleiche Abbild
in solchen Abstimmungen.
Also eigentlich losgelöst
von der Realität.
Man geht in den Supermarkt
und bestellt dann Sushi
in der Stadt und das kommt dann.
Es ist das Wunschkonzert am Sonntag.
Dann nimmt man den Zettel,
schreibt man auf,
was man alles gerne hätte,
was man noch reinpacken möchte
da eigentlich ins politische Programm.
Und dann verhält man sich
in der politischen Debatte so.
Schade etwas,
dass dann am Montag im Laden
die Situation anders ist.
Ich sage auch immer,
wenn man eben diese
30 Prozent zusammennimmt,
eben so das Wählerpotenzial
von linksgrün,
dann ist man bei über 30 Prozent.
Der Bioanteil in der Schweiz
ist 12 Prozent.
Also wenn nur schon alle
aus diesen politischen Kreisen
dann Bio kaufen würden,
dann hätten wir einen
massiv höheren Bioanteil.
Ich glaube, dieser Vergleich,
vielleicht mag der etwas hinken,
aber es zeigt doch eben,
dass wir diese Diskrepanz haben
zwischen der politischen
Wunschdiskussion und dem Verhalten
im Laden oder im Restaurant.
Also habe ich richtig verstanden.
30 Prozent sagen Ja
zum Bio-Umweltschutz,
kaufen aber gar nicht Bio.
Ja, einfach ein Beispiel.
Die Massentierhaltungsinitiative,
die war ja letztes Jahr
in der Abstimmung.
Diese Initiative,
die hat konkret gefordert,
dass man die Tiere in der Schweiz,
die Nutztiere, nur noch nach
Bio-Standards halten darf.
Also das heisst mehr Platz,
weniger Tiere.
Dort war die Zustimmung
bei über 30 Prozent
und der Marktanteil für Bio-Fleisch
ist bei 4 bis 6 Prozent.
Also das heisst,
es gibt relativ viele Leute,
die haben gesagt,
doch, ich möchte,
dass in der Schweiz nur noch
Bio-Ware produziert wird,
eben über einen Drittel.
Und dann im Laden
ist es dann ein verschwindender
kleiner Teil, der diese Produkte
auch kauft.
Also eine völlige Selbstdarstellung
als moralischer Bio-Label-Typ,
der aber dann auch
normales Fleisch kauft,
kann man sagen, bei vielen Leuten.
Ja, man muss die Verantwortung
und die Folgen
der politischen Äusserung
dann nicht übernehmen.
Das ist halt generell das System,
dass man etwas wünschen kann
und dann die Verantwortung
nicht tragen muss.
Aber das ist sicher etwas,
das geht den Bäuerinnen und Bauern
in der Schweiz wirklich ans Herzen,
dass man eben politisch
eigentlich immer sagt,
wir wollen noch mehr Ökologie,
noch mehr Tierwohl.
Quasi sagt, er rennt noch etwas
schneller in diesen Bereichen,
noch mehr.
Und dann in den Läden
stellen wir fest,
dass wir einen Marktanteil haben,
aber eher auf einem bescheidenen
und tiefen Niveau
und momentan eher stagnierend.
Eben dieses Spannungsfeld
zwischen der politischen Debatte,
die man auch immer im Fernsehen sieht,
in der Zeitung liest
und dem, was im Markt abgeht,
das sind halt schon zwei Paar Schuhe,
die nicht immer einfach
zusammenzubringen sind.
Das ist ein Zusammenhang,
den man selten in den Medien auch hört,
den Sie jetzt erklärt haben.
Was meinen Sie,
warum wird das in den Medien verschwiegen?
Also ich habe das jetzt selten gehört.
Diese Schere zwischen
der Realität des Marktes
und der Selbstdarstellung der Leute
im öffentlichen Diskurs.
Ja, in den Medien kommt primär
halt die politische Debatte,
die man dort lesen kann,
eben über politische Geschäfte,
die im Parlament sind,
über Positionen des Bundesrates,
über Volksabstimmungen natürlich.
Und dann findet eben die Diskussion
eigentlich nur auf dieser
politischen Schiene statt.
Die verschiedenen Positionen
werden dargestellt
und eben die Marktrealität,
das ist dann der andere Schuh
und der kommt relativ wenig zur,
das ist so in den Medien,
wenig zur Geltung,
von dem wird relativ wenig gesagt.
Mich erinnert das hier
an die Klimadiskussion.
In der Klimadiskussion ist das das Gleiche.
Also man hat dann Abstimmungen
in der Schweiz über Klimaschutz
und gleichzeitig liest man,
dass die Flüge zunehmen.
Also die Leute fliegen nicht nur gleich viel
wie vor der Corona-Krise,
sondern noch mehr als
vor der Corona-Krise.
Also irgendwie,
es geht völlig auseinander.
Das Wahlverhalten
und das Flugverhalten
gehen völlig auseinander.
Ja, eben so der Bürger,
der am Sonntag zur Wahlurne geht,
ist dann nicht unbedingt
die Person am Montag,
die dann entscheidet,
trifft Konsumentscheide.
Das ist sicher ein Punkt
und das ist aber auch ein Thema,
an dem wir sehr stark arbeiten
als Bauernverband in der Kommunikation,
dass wir eigentlich dann sagen,
hey, wenn ihr das und das wünscht
in der politischen Debatte,
dann bitte eben am Montag im Laden
dann auch entsprechend
die Konsequenzen ziehen
und dann eben die Produkte
auch kaufen.
Das ist ein Thema,
das beschäftigt uns.
Das ist generell ein Thema
in der politischen Diskussion,
dass eben so Wunsch und Wirklichkeit
dann eben auseinanderklaffen.
Ein altes Thema scheinbar, oder man?
Früher war das in der Kirche
und dann hat man am Sonntag irgendwie,
war man für zwei Stunden
ein guter Christ
und dann am Montag
wieder ein harter Geschäftsmann, oder?
Ja, das geht vielleicht etwas
in diese Richtung, ja.
Erinnert mich, diese Doppelmoral.
Für mich ist einfach immer falsch,
warum das so viele Leute anzieht.
Vielleicht fühlt man sich einfach gut
am Sonntag, oder?
An der Urne und nachher
kauft man wieder normales Fleisch.
Gut, ich glaube, ein Punkt ist schon,
dass der Wohlstand im Durchschnitt
in der Schweiz natürlich relativ hoch ist,
auch in den europäischen Ländern,
zumindest in den umliegenden.
Und wenn dann, sag ich mal,
so die Grundbedürfnisse
befriedigt sind,
dann beginnt man natürlich,
dann eben mehr Tierwohl zu sprechen.
Dann beginnt man darüber zu sprechen,
dass man nur noch Bio will.
Und daher haben eben, glaube ich,
die Leute eben auch den Wohlstand,
dass sie solche Themen dann auch
zumindest diskutieren und wünschen können.
Und diese Themen nehmen dann
sehr viel Platz ein.
Und dann gerade halt auch
in der politischen Diskussion.
Luxusdiskussionen, oder?
Die ja ein bisschen wegkommen.
Was ist eigentlich mit der Gentechnologie?
Das ist auch so eine Frage,
die in den Medien immer so,
wenn es kommt, kommt es immer drohend.
Gentechnologie, das ist gefährlich.
Da laufen quasi die Gemüse,
laufen Amok, oder?
Wie ist das eigentlich
jetzt aus Ihrer Sicht?
Also ich würde gerne so unterscheiden,
so zwischen dieser alten,
in Anführungs- und Schlusszeichen,
und herkömmlichen Gentechnologie,
wo man irgendwie so einen Teil
aus einem Genom entnommen hat,
aus einem Bakterium beispielsweise
und dann irgendwo
an einer Pflanze eingebaut hat.
Also wirklich diese Transgenetik,
das haben wir oder auch ich
immer abgelehnt,
weil ich ein ungutes Gefühl hatte
und auch der Meinung war,
das ist nicht unbedingt das,
was so der schweizerische Konsument
und die Konsumentin wollen.
Also diese alte Gentechnologie,
die hat in der Schweiz nie Fuss gefasst.
Und jetzt kommen wir zu neuen Methoden.
Ich nenne das aber nicht mehr
Gentech-Methoden,
sondern neue Züchtungsmethoden,
wo man eigentlich so die quasi
herkömmlichen Verfahren beschleunigen kann
über gewisse Verfahren,
die man jetzt eben anwendet.
Und dort schleust man nicht mehr
irgendwie fremde Art,
fremde Gensequenzen ein,
sondern führt dann eben zu Brüchen
in diesem Genom,
die auch natürlich entstehen können.
Und ich glaube, dort haben wir
ein grosses Interesse daran,
dass man diese neuen Züchtungsmethoden
auch brauchen kann.
Wir haben Krankheitsdruckpilze,
wir brauchen pilzresistente Pflanzensorten.
Wir brauchen vielleicht auch Pflanzensorten,
die mit Hitze und Trockenheit
besser umgehen können.
Und entsprechend wird die Pflanzenzüchtung
generell an Bedeutung gewinnen.
Und mit diesen neuen Methoden
können wir die ganzen Prozesse beschleunigen.
Also wir kommen dann schnell
dazu einer Sorte,
die dann eben auch funktioniert.
Und daher ist in diesen Bereichen
glaube ich ein grosses Potenzial drin.
Also man ist nicht dagegen, oder?
Dort, wo es nicht grosse Risiken hat,
macht man es und es hilft uns
wahrscheinlich besser zu produzieren.
Kann man das so sagen?
Das kann man so sagen.
Eben gerade diese neuen Verfahren,
die sind wirklich eigentlich unproblematisch.
Die Risiken sind an einem kleinen Ort.
Man kann es auch eigentlich
nicht mehr unterscheiden
zwischen einer Mutation,
die auf eine natürliche Art und Weise
entstanden ist.
Also das ist wirklich fast naturidentisch.
Und diese Züchtungen,
die können uns helfen.
Oder wo ich Mühe habe, ist,
wenn Leute schreien,
dass wir weniger Pflanzenschutzmittel
einsetzen sollen.
Wirklich sagen, keine Fungizide mehr
gegen Pilzkrankheiten und so,
weil das so schlimm ist.
Und auf der anderen Seite
will man dann die Pflanzenzüchtung,
wo wir resistente Sorten züchten können,
auch wieder ausbremsen.
Also wenn man das eben beides kombiniert,
dann muss man ähnlich sein und sagen,
dann holen wir keine Produktion
mehr in der Schweiz.
Und diese Züchtungsthematik,
die kann uns wirklich vorwärts bringen,
dass wir eben mit weniger
Pflanzenschutzmittel trotzdem
noch gute Erträge haben.
Das ist für mich sowieso
ein interessantes Phänomen der Zeit,
dass die Bio-Bewegung,
sage ich jetzt mal,
die natürlich bleiben Bewegung,
nicht ausbeuten Bewegung,
das wäre ja die linksgrüne Bewegung,
dass die eigentlich völlig schizophren ist.
Einerseits kann es nicht genug
Bio und Natur sein,
wenn es um die Umwelt geht,
die Tiere, die Pflanzen.
Aber wenn es um den Menschen geht,
also um uns,
dann möglichst künstlich.
Man weiss nicht mehr,
welches Geschlecht man hat.
Es gibt gar keine Natur mehr.
Es ist alles künstlich, oder?
Und das ist doch schon ein Zeichen,
dass man hier wirklich abgespalten
eigentlich ist von sich selber im Grunde.
Man weiss gar nicht,
was der Mensch eigentlich braucht.
Man braucht zum Beispiel Nahrung, oder?
Ja, eben, ich glaube,
das sind wir wieder beim Punkt
so etwas, Diskussionen
in einer Wohlstandsgesellschaft,
Themen, die man aufgreifen kann,
die man früher nie aufgegriffen hätte,
weil man auch eben den Raum nicht hatte,
den Wohlstand nicht hatte,
die Zeit nicht hatte.
Und das sind natürlich Themen, die aufkommen.
Eben bei uns geht es wirklich auch darum,
dass man eine gewisse Ernährungssicherheit
da gewährleisten kann, auch in Zukunft.
Und dann braucht es diese offene Diskussion
über Technologien auch in der Landwirtschaft.
Oder wir haben eine naturverbundene
Landwirtschaft in der Schweiz,
glaube ich, eine sehr natürliche,
mit einer hohen Bedeutung des Tierwohls.
Aber nichtsdestotrotz müssen wir eben auch schauen,
wo uns die Technologie weiterhilft,
diese Nutzen,
damit wir eben auch in der Zukunft
nach Nahrungsmitteln produzieren.
Was gibt es eigentlich für Technologien
der Zukunft, die nächsten Jahre,
von denen Laien nicht so viel hören,
die sie kennen, wo sie wissen,
das ist eine grosse Chance?
Also wir haben eben diese
neuen Züchtungsmethoden,
die haben vor allem im Pflanzenbau
ein grosses Potenzial.
Da hoffen wir, dass wirklich auch
krankheitsresistente Pflanzen kommen.
Dann haben wir natürlich auch Entwicklungen
im Bereich der Digitalisierung,
dass man eben sehr präzise
Pflanzenschutzmittel ausbringen kann,
indem eben Kameras
beispielsweise die Blätter filmen,
schauen, welche Pflanzen krank sind
und dann nur die Pflanzen auch behandeln,
wo die Krankheit da ist.
Also dort haben wir ein sehr grosses Potenzial
mit technischen Innovationen,
wirklich dann auch mit weniger Input,
dann hoffentlich auch mit weniger Kosten,
da wirklich Landwirtschaft zu betreiben.
Also das Thema ist Precision Farming,
wirklich Präzisionslandwirtschaft,
wo man dann wirklich eben
mit diesen Sensoren, Kameras
oder anderen Sensoren
dann eben sehr gezielt
auf die unterschiedlichen Standorte
dann eingehen kann.
Wie heisst das?
Das ist auf Deutsch
Präzisionslandwirtschaft,
Precision Farming,
wo man dann wirklich auch
über Satelliten zum Teil,
aber eben auch über Kameras
und Sensoren an den Maschinen selber
schaut, wie ist die Nährstoffverfügbarkeit
im Boden genau an dieser Ecke.
Die ist eine andere
als an der anderen Parzellenecke
und dort kann man etwas mehr düngen,
am anderen Ort etwas weniger.
An dieser Ecke braucht es
vielleicht etwas mehr Pflanzenschutzmittel
als zehn Meter nebendran.
Und das heisst, man kann eben
noch viel präziser
dann eben die Hilfsmittel
auch ausbringen, die es braucht,
damit man Erträge hat.
Also dort ist ein relativ
grosses Potenzial da
und das wird auch kommen
in den nächsten Jahren.
Wow, also die Allokation
der zur Verfügung stehenden Mittel
wird verstärkt durch die Technologie
und kann man auch sagen,
vielleicht können wir dann auch
viel mehr wieder selber produzieren.
Theoretisch wäre das möglich
durch die technische Effizienzsteigerung.
Also wir müssen vor allem mal,
das ist der erste Schritt,
schauen, dass wir nicht weniger produzieren.
Also in den letzten Jahren
sind die Erträge rückläufig,
eben wegen vielen Pflanzenschutzmitteln,
auch anderen Gründen.
Und wir müssten jetzt einen Weg finden,
wo wir wirklich wieder stabilisieren könnten,
wo man eine gewisse Ertragssicherheit
im Pflanzenbau wieder garantieren kann.
Das ist der erste Schritt.
Und wenn man dann weitergehen kann
wieder zu einer Produktivitätssteigerung
mit höheren Erträgen,
dann wäre das natürlich auch wichtig
und wünschenswert eben auch,
weil die Bevölkerung,
die in der Schweiz lebt
und dann auch ist,
tagtäglich weiter zunehmen wird.
Müssten dann auch gewisse Gesetze geändert werden
eigentlich für so einen Vorstoss,
dass man jetzt sagt,
wir wollen wieder mehr selber produzieren?
Bräuchte es wieder Abstimmungen?
Ja, man müsste teilweise
gewisse Einschränkungen aufheben,
die eben da sehr stark limitierend sind.
Im Bereich beispielsweise
Nährstoffeinsatz.
Wir brauchen eben neue Züchtungsmethoden.
Das braucht auch eine gesetzliche Anpassung.
Wir brauchen aber auch wieder neue
und wirksame Pflanzenschutzmittel,
dass die zugelassen wird
und wieder angewendet werden kann.
Also wir sind schon darauf angewiesen,
dass man in Bundesbären
einen Schritt vorwärts macht.
Einfach ein Beispiel Pflanzenschutzmittel.
Das macht uns wirklich grosse Sorgen.
Man hat in den letzten Jahren
sehr viele Wirkstoffe verboten.
Die sind nicht mehr bewilligt.
Wir haben heute in Kulturen wie Raps
beispielsweise wirklich Probleme,
um die Pflanzen noch zu schützen.
Also man hat dauernd
diese Wirkstoffe entzogen,
aber kaum neue zugelassen.
In Bundesbären liegen mittlerweile
700 Zulassungsgesuche auf dem Tisch.
Das geht dort einfach nicht vorwärts.
Das sind konventionelle Mittel,
sind aber auch Biomittel.
Und dort müssen wir natürlich
einen Zacken zulegen in diese Zulassung,
damit wir wirklich auch unsere Nutzpflanzen
und damit eben dann auch
unsere Nährungsgrundlage
wieder schützen können,
wenn es nötig ist.
Wieso ist das so mühsam?
Weil es ist ja eigentlich logisch.
Ich muss ja produzieren,
also muss ich schützen,
dass die Ernte nicht kaputt geht.
Das müsst ihr ja auch in Bern einleuchten.
Das ist ja logisch für mich.
Die letzten Jahre waren in Bundesbären
geprägt von einer sehr negativen Diskussion
über Pflanzenschutzmittel.
Viele haben nur die negativen Punkte
hervorgestrichen, gesagt,
wie schlimm diese Mittel sind.
Das hat dazu geführt,
dass dann in Bundesbären
da fast eine Art Lähmungserscheinung
aufgetreten ist in gewissen Verwaltungsstellen,
wenn es um die Neuzulassung geht.
Und mittlerweile sieht man effektiv
dass wir ein Problem
mit dem Schutz der Kulturen haben.
Also wir haben wirklich Ertragsaufzäufe
dieses Jahr im Getreide.
Bei den Kartoffeln, Bio-Kartoffeln
fast 100 Prozent in gewissen Regionen.
Beim Raps haben wir Probleme.
Und jetzt sieht man eigentlich
die Folgen dieser Politik
der letzten Jahre.
Und ich hoffe schon,
und ich spüre das auch
in der Diskussion im Parlament,
dass man den Schalter
wieder etwas umschalten muss
und hier der Schutz der Kulturen
und die Produktion
wieder eine höhere Bedeutung gewinnen muss.
Also auch wieder mehr Realismus,
mehr wirklich Realismus.
Es war ja teilweise immer so eine Diskussion,
ja, es geht ohne Pflanzenschutzmittel,
es geht mit weniger Pflanzenschutzmitteln.
Ihr werdet dann sehen,
ihr habt die gleich guten Erträge.
Und jetzt haben wir eigentlich
die Übung gemacht im Feld draussen,
gezwungenermaßen sehen,
dass wir Probleme haben,
wirklich grosse Ertragsausfälle haben.
Das kann man nachweisen
und das führt schon
zu einer anderen Beurteilung.
Nicht überall, aber doch
in wichtigen Kreisen.
Unglaublich eigentlich,
oder wenn man sich überlegt,
das wirkt einfach für mich jetzt logisch,
wenn ich das höre,
dass wenn sie weniger
die Ernte schützen können,
dass sie dann weniger Ernte haben,
logischerweise.
Und dann gleichzeitig will man ja
doch irgendwie nicht abhängig sein
vom Ausland.
Eine erstaunliche Entwicklung.
Der viel diskutierte Klimawandel,
ist der eigentlich ähnlich
ein Problem für die Landwirtschaft
wie jetzt die Pflanzenschutzmittel-Diskussion?
Oder ist das gar nicht so ein Problem?
Das würde mich noch als Laie interessieren.
Die Folgen des Klimawandels
sind schon ein Thema.
Wir haben wirklich,
wenn man das anschaut,
in den letzten Jahren
immer auch Ausfälle gehabt.
Ernteausfälle aufgrund
von extremen Wetterereignissen.
Wir hatten Jahre mit Spätfrost,
respektive die warme Temperatur
Anfangsjahr hat dann dazu geführt,
dass eben die Pflanzen
sehr früh ausgetrieben sind.
Dann kam ein Frost im April.
Dann war beispielsweise
die halbe Weineernte weg.
Das ist ein Thema.
Dann haben wir ein Thema Trockenheit,
vor allem auch in der Westschweiz
und in Teilen des Graubündens.
Das hat sehr weitreichende Folgen,
dass dort nichts mehr gewachsen ist.
Dieses Jahr kämpfen wir eher
mit viel Niederschlag.
Also ich sage,
so diese Wetterereignisse,
die sind schon häufiger aufgetreten,
machen uns schon auch Sorgen.
Und die Landwirtschaft spürt das insgesamt.
Natürlich unterschiedlich,
je nach Region.
In gewissen Regionen
ist das viel weniger spürbar.
Aber wir haben doch eben,
wenn es um Trockenheit geht,
ist vor allem die Westschweiz betroffen.
Dann eben Spätfrost,
sind natürlich die Regionen betroffen,
wo man Obstbau und Weinbau hat.
Also das ist schon etwas,
das wir spüren
und uns durchaus auch Gedanken machen,
wie wir mit dem umgehen.
Ist eigentlich der Veganismus,
in der Stadt zumindest,
der Veganismus nimmt ja zu vegan.
Überall vegan.
Ist das auch ein kleiner Markt?
Ist das ähnlich wie bei den Bioprodukten?
Oder wie ist das eigentlich?
Ja, es ist ein kleiner Markt.
Wenn man ja die Zeitungen liest,
teilweise Medienberichterstattung,
dann könnte man meinen,
dass bereits fast drei Viertel der Leute
vegan isst oder zumindest vegetarisch.
Die Situation ist,
dass etwa 4,5-5% der Leute
essen vegetarisch.
Etwa 0,6% der Leute essen vegan.
Also das ist ein sehr kleiner Teil
der Bevölkerung, der Gesellschaft,
der wahnsinnig viel Platz bekommt
in den Medien.
Also für uns ist das kein Problem,
wenn die Leute da unsere Produkte,
pflanzliche Produkte essen.
Ist ja das auch schön.
Die haben wir auch schlussendlich
im Sortiment.
Das bauen wir auch an.
Ich glaube, es wird dann zu einem Problem,
wenn es dann fast religiöse Diskussionen gibt,
wie man sich ernähren soll,
dass man kein Fleisch mehr essen soll.
Dann wird es dann eher schwierig
und problematisch für uns,
weil das fährt dann auch auf den
politischen Diskurs ab.
Aber sonst von der Marktrealität her
ist das für uns überhaupt kein Problem.
Eben erstens, weil es relativ wenig ist
und zweitens, weil die Leute
sich auch anders ernähren.
Ja, das ist mir auch aufgefallen.
Die Diskussion ist riesig
um dieses Thema,
gerade bei den Jungen.
Aber da geht es vor allem um Tierschutz
und weniger um Pflanzen wahrscheinlich.
Also, dass man eben die Tiere nicht isst.
Ja, eben, es sind diese 5% Vegetarier.
Es nimmt gleich zu.
Aber das ist nicht der Umbruch,
der teilweise prognostiziert wurde,
dass man nur noch pflanzlich isst.
Der Absatz von tierischen Produkten,
auch von Fleisch in der Schweiz,
ist sehr stabil.
Der hält sich seit einigen Jahren.
Also, wir haben hier keinen Einbruch.
Das ist sicher auch positiv.
Und wir haben aber auch ein Interesse daran,
dass wir mit den pflanzlichen Produkten
Erfolg haben am Markt.
Wir bauen auch Hafer an
für Hafermilch beispielsweise.
Das ist auch gut.
Wir bauen auch Erbsen an
für Leute, die pflanzlich einweisen wollen
anstelle vom tierischen.
Also, das ist auch in einem gewissen Grad
eine Chance für uns im Markt.
Man darf es eben einfach nicht verpolitisieren
oder fast einen religiösen Diskurs führen
über die Frage,
wie man sich ernähren soll in der Schweiz.
Also, kein Problem im Grunde,
auch wenn es jetzt ein bisschen zunimmt.
Was sind denn jetzt aus Ihrer Sicht
die grössten, wichtigsten Herausforderungen
für die nächsten fünf, sechs Jahre
in der Landwirtschaft?
Die grösste Herausforderung ist,
dass wir die Wirtschaftlichkeit stärken
in der Landwirtschaft,
dass wir eben die Wertschöpfung stärken können
und dann auch die Einkommen,
sodass die Bauernfamilien
dann auch die Mittel haben,
das Geld haben,
um in neue Maschinen
in Stellen zu investieren
und sich für die Zukunft aufzustellen.
Das ist der Punkt, der zuoberst
auf der Prioritätenliste ist,
wirklich eine Stärkung der Wirtschaftlichkeit
in der Landwirtschaft,
damit wir eben dann auch
eine Perspektive geben können,
diesen jungen Leuten,
die ja dann auch einsteigen,
die die Ausbildung machen
und dann auch 30, 40 Jahre
im Sektor arbeiten wollen.
Die haben ja auch Familie,
die müssen ihre Familie ernähren, oder?
Genau, das ist wie in jedem anderen Beruf auch.
Es braucht ein Einkommen,
damit man leben kann.
Aber jeder Familienbetrieb
ist eben auch ein kleines Unternehmen,
das braucht Investitionen,
da braucht es auch Kapital,
um ein schlechtes Jahr einmal zu überstehen,
wenn die irgendeine Ausfälle da sind
und daher hat diese Stärkung
wirklich der Einkommenssituation,
der Wirtschaftlichkeit
für uns jetzt die oberste Priorität.
Und wenn Sie sich jetzt überlegen,
was sind so die Gefahren,
die es wahrscheinlich auch gibt?
Was wären das für welche,
die eigentlich auch wirklich
Gefahren sind für die Landwirtschaft?
Ich meine jetzt politisch
und auch realitätsmässig an der Basis?
Also ich glaube,
politisch ist die Gefahr da,
dass man mit weiteren Auflagen
die Kosten erhöht
und die Produktion schwächt.
Diese Diskussionen,
die kommen immer wieder.
Es ist auch bereits
eine neue Volksinitiative eingereicht worden
da im September,
wo genau das Thema dann,
wie viel Produktion
und wie viel Umweltschutz
dann wieder im Zentrum steht.
Also das ist sicher ein Thema,
das uns beschäftigen wird,
ein Thema bleiben wird,
auch in Zukunft,
trotz vieler gewonnener Abstimmungen.
Und dann ist das andere Thema sicherlich,
können wir kostendeckende
Produzentenpreise durchsetzen am Markt?
Wie hoch ist der Druck am Markt?
Eben das ist für uns matchentscheidend,
dass man mit guten Preisen
dann am Markt eben auch
die Kosten decken kann.
Das sind sicher
diese beiden Hauptpunkte.
Markt einerseits,
Produzentenpreise
und diese politische Diskussion
über die Ausrichtung
der Landwirtschaftspolitik
in den nächsten Jahren.
Aber sind Sie sehr optimistisch,
dass dieser Konsens,
den Sie erwähnt haben am Anfang,
dass der bleibt auch
in der Schweizer Bevölkerung,
dass die mal sagen,
naja, das ist für uns wichtig,
das hat für uns Vorrang
vor der Utopie.
Sind Sie da optimistisch,
dass der Vorrang bleibt?
Also ich bin eigentlich sehr optimistisch,
weil ich wirklich der Überzeugung bin,
dass diese Krise,
die wir in den letzten Jahren haben,
auch dazu geführt hat,
dass viele den Kompass
wieder etwas anders gestellt haben.
Eben vorher war immer alles klar,
kaum Probleme in der Schweiz
und im umliegenden Ausland.
Jetzt sieht es anders aus
und ich glaube schon,
dass das auch abfärbt,
dass die Kompassnadel
wieder etwas anderes zeigt,
das Märktesystem
wieder etwas nachjustiert wird,
sodass eben eine Inlandproduktion
von Lebensmitteln,
eine Inlandproduktion von Strom,
eine Inlandproduktion
von anderen lebenswichtigen Gütern
da wieder mehr Bedeutung hat
und man dann auch bereit ist,
eben die entsprechenden
politischen Weichenstellungen
so vorzunehmen,
dass das dann eben auch
so realisiert werden kann.
Von dem her bin ich optimistisch,
da bin ich auch optimistisch,
weil wir zwar viele
Herausforderungen haben,
auch in der Produktion,
aber wir haben wirklich sehr viele
gut ausgebildete Bäuerinnen und Bauern,
die diese Herausforderungen
meistern können.
Von dem her bin ich eigentlich
wirklich optimistisch,
schaue da gut in die Zukunft,
natürlich mit gewissen Hürden,
die wir überspringen müssen,
aber was die Land- und Ernährungswirtschaft
in der Schweiz anbetrifft,
da bin ich wirklich guter Mut,
dass die Zukunft positiv sein wird.
Und was wünschen Sie sich für Deutschland?
Für die, die uns jetzt zuhören,
die in Deutschland leben,
können die etwas von uns übernehmen
oder wie von Ihnen lernen?
Oder gibt es da Felder?
Ich glaube, wir sind heute froh
als Schweizer Landwirtschaft,
dass wir in der Schweiz sind
und nicht in Deutschland.
Ich glaube, das politische System
mit der Ausrichtung
der jetzigen Regierung
ist natürlich sehr, sehr schwierig,
auch für die gesamte Wirtschaft,
aber auch für die Landwirtschaft.
Eben mit diesen Auflagen,
die noch viel stärker steigen
als in der Schweiz,
mit den Wunschvorstellungen
im Bereich Tierwohl,
dass dann nicht bezahlt wird.
Also das ist politisch
ein schwieriges Umfeld.
Wir wünschen unseren Berufskollegen
in Deutschland, dass das dann ändert.
Und dann hoffe ich auch,
dass natürlich gerade der Wert
der Lebensmittel auch in Deutschland
wieder etwas steigt.
Also Wertschätzung
und dann eben auch der Wert,
damit auch in Deutschland
die Bäume und Bauern
ihre Produktionskosten
über den Verkauf der Produkte
entdecken können.
Das ist wirklich ein Wunsch,
den ich auch weitergeben möchte
an unsere Berufsfreunde in Deutschland.
Dass die Menschen auch wieder
mehr wertschätzen,
dass Essen etwas kostet, oder?
Meinen Sie das?
Genau, dass eben Nahrung
wieder etwas an Bedeutung gewinnt,
was ich esse, woher es kommt,
wie es produziert wurde,
dass man dann auch bereit ist,
vielleicht etwas einen höheren
Preis zu bezahlen
als für ein profanes Importgut.
Ich glaube, diese Diskussion
ist auch in Deutschland natürlich da.
Ich hoffe, da geht es auch vorwärts,
weil eben der Erlös
aus dem Verkauf der Produkte,
das ist das matchentscheidende
bei uns, aber auch
im umliegenden Ausland.
Ich kann mir gar nicht
ein besseres Schlusswort vorstellen.
Herr Urf, ich danke Ihnen
sehr für dieses Gespräch.
Es war für mich sehr lehrreich.
Vielen Dank für dieses
sehr spannende Gespräch
auch von meiner Seite.
Und Ihnen danke ich fürs Zuhören.
Das waren die Menschenbilder
im Kontrafunk.
Mein Name ist Giuseppe Grazia.
Das war ein Gespräch mit dem Direktor
des Schweizer Bauernverbandes.
Ich hoffe, Sie sind auch
nächstes Mal wieder dabei.
Und wenn Sie das nächste Mal
irgendwo etwas einkaufen gehen,
denken Sie daran, dass Essen
und auch das Trinken hat seinen Preis
und seine Qualität und seinen Wert
auch für Deutschland und für die Schweiz.