Erbauten Außerirdische die Pyramiden? Schenkten Aliens den Ägyptern Wissen um Elektrizität und den Dogon Informationen über Astronomie? Kurzgesagt: Waren Aliens hier auf der Erde? Wir wandeln heute auf den Spuren der Präastronautik, die durch Erich von Däniken international bekannt wurde. Viel Spaß mit der neuen Folge zum Fermi-Paradoxon! Euer Raumzeit-Team!
* aktueller Buchtipp: Die drei Sonnen: Roman (Die Trisolaris-Trilogie, Band 1) bei amazon: https://amzn.to/2OEDgI8 (es handelt sich um einen referral link, wir bekommen einen Prozentsatz vom Verkauf)
Die ägyptischen Pyramiden sind mindestens beeindruckend.
Wer das fast 150 Meter hohe Bauwerk der Cheops-Pyramide mit seinen fast 2,6 Millionen Kubikmetern
Raum sieht, der fragt sich, wie die das damals vor 5000 Jahren geschafft haben sollten – sicher
nicht ohne, sagen wir mal vorsichtig, externe Dienstleister, oder?
Waren Sie wirklich schon hier?
Ich bin Ronny, willkommen bei Raumzeit!
Nicht nur um die Pyramiden ranken sich eine Reihe von präastronautischen Theorien.
Auch die Nazca-Linien in Peru werden genannt, die Moai auf den Osterinseln und Stonehenge
in England.
Immer wieder heißt es, eine fortgeschrittene Kultur von den Sternen habe hier gewirkt oder
zumindest geholfen.
Ein klarer Beweis dafür würde das Fermi-Paradoxon schlagartig auflösen.
Aber gibt es so einen denn?
Die mysteriöse Welt der Präastronautik fand ihren Ursprung im 1968er Bestseller Erinnerungen
an die Zukunft von Erich von Däniken, der international unter dem Namen Chariot of the
Gods erschien.
Die Grundidee war interessanterweise vorher schon in Star Trek aufgegriffen worden.
Däniken aber verhalf ihr zum Durchbruch als pseudowissenschaftlichem Denkansatz mit
mittlerweile über 60 Millionen verkauften Exemplaren seines Buches.
Und bereits in diesem Buch findet sich das Grundmuster der präastronautischen Denkweise.
Ein Bauwerk, Relikt oder Text scheint nicht in seine Entstehungszeit zu passen.
Es wird daher in einschlägigen Kreisen meist als Out-of-Place-Artifact bezeichnet – ein
künstliches Objekt, welches deplatziert und anachronistisch wirkt.
Grundsätzlich lassen sich hierbei drei Kategorien unterscheiden – zum einen die Bauwerke oder
Gegenstände, welche mit den Werkzeugen und dem Wissen der Entstehungszeit nicht hätten
geschaffen werden können.
Zweitens Relikte, welche Gegenstände darstellen, die auf außerirdische Technologie oder zu
fortschrittliche Technologie hinweisen.
Und schließlich gibt es immer wieder Textfragmente oder gar mündliche Überlieferungen, welche
Kontakt mit Außerirdischem beschreiben oder Wissen enthalten, welches der Autor nicht
hätte gehabt haben dürfen.
Schauen wir uns je ein Beispiel an.
Die Pyramiden von Gizeh galten schon Herodot als eines der sieben Weltwunder.
Als Herodot gegen 460 vor unserer Zeit die Pyramiden mit eigenen Augen erblickte, waren
diese Bauwerke bereits über 2000 Jahre alt.
Wie aber hatten die Ägypter der frühen Bronzezeit solche monumentalen, die Äonen überdauernden
Bauten errichten können?
Es wundert also nicht, wenn sich viele teils skurrile Annahmen herausgebildet und dank
Internet weit verbreitet haben.
Von Däniken war überzeugt, Menschen wären nicht imstande gewesen, mit den damaligen
Mitteln Pyramiden zu errichten.
Andere verweisen auf die perfekte Nord-Süd-Ausrichtung der Cheops-Pyramide oder die Tatsache, dass
die Anordnung der drei Pyramiden auf dem Gizeh-Plateau präzise den Sternen im Gürtel des Orion
entspricht.
Am aufsehenerregendsten ist bis heute die Erkenntnis, dass die Position der Pyramide
im Gratnetz der Erde, nämlich 29,9792458° Nord schwindeerregend genau der Lichtgeschwindigkeit
entspricht.
Wer jetzt heftig einatmet – Entwarnung – all diese Fun-Facts sind genau das nicht
mehr.
Die Position der Sterne im Gürtel des Orion hatte vor 5000 Jahren herzlich wenig mit der
heutigen zu tun.
Mit der Lichtgeschwindigkeit ist es nicht besser.
Zunächst mal beschreibt die vermeintlich exakte Position einen Punkt irgendwo in der
Pyramide – und natürlich kannten die Ägypter vor 5000 Jahren weder Meter noch Sekunde.
Gilt auch für Aliens – Meter und Sekunde sind nämlich völlig willkürlich gesetzte
menschliche Einheiten.
Punkt.
Zudem hat der Kontinentaldrift Afrika mittlerweile gut 100 Meter weit bewegt.
Damit verläuft diese Lichtgeschwindigkeitstheorie buchstäblich im Sand.
Sicher, der Pyramidenbau war eine monumentale Leistung tausender qualifizierter Handwerker,
aber sie war mit damaligen Mitteln möglich.
Wir brauchen schlicht keine außerirdischen Baumeister.
Schauen wir uns mal ein Beispiel aus Kategorie 2 an.
Ich wollte ursprünglich über die goldenen Flugzeuge aus Chile sprechen, aber bleiben
wir einfach mal in Ägypten.
Im Hathor-Tempel in Dendera findet sich eine Inschrift, bei welcher unter anderem diese
Abbildung zu finden ist.
Ja, das sieht einer Glühlampe oder einer Bogenlampe frappierend ähnlich.
Gut, eine 2 Meter große Glühlampe, aber immerhin, da ist ja sogar ein Kabel dran.
Der Hathor-Tempel ist deutlich jünger als die Cheops-Pyramide.
Er wird ins erste Jahrtausend vor unserer Zeit datiert.
Stammt aber immer noch aus einer Zeit ohne Elektrizität.
Waren hier also außerirdische Amwerk, welche den Ägyptern zwar nicht beim Pyramidenbau
geholfen hatten, aber immerhin etwas Licht für die Konstruktion der Tempelanlage spendeten.
Ägyptologen erklären die Gebilde als Elemente der ägyptischen Mythologie – Säule, Schlange,
Lotusblüte.
Aber was, wenn?
Dann hätten wir vermutlich ziemlich konventionelle Aliens vor uns, so etwas wie interstellare
Steampunks.
Wir sind mittlerweile bei LED- und Plasmabeleuchtung.
Warum interstellareisende Außerirdische ausgerechnet 2 Meter Glühbirnen mitbringen sollten, verbleibt
völlig im Dunkeln.
Oder eben nicht.
Denn als die Theorie aufkam, war ja die Glühbirne state of the art in Sachen Helligkeitstechnologie.
Es verwundert also nicht, dass man genau diese Technologie dann eben auch in Bildern wieder
zu erkennen glaubt.
Auch kein Treffer.
Die Flugzeuge aus Chile übrigens auch nicht – die ähneln nämlich Eindeckern aus dem
Das vielleicht interessanteste Beispiel führt uns nach Westafrika, ins Gebiet der Dogon.
Dieser Stamm, der im heutigen Mali beheimatet ist, wurde ab 1931 zwei Jahrzehnte lang von
einem französischen Ethnologen namens Marcel Griot studiert.
Deren Schöpfungsmythen enthielten Griot zufolge eine Reihe von merkwürdigen Angaben zum Stern
Sirius.
Den Geschichten der Dogon nach werde Sirius, Sigutolo in ihrer Sprache, von einem kleineren
Begleiter namens Potolo umkreist.
Potolo sei winzig, aber gleichzeitig so schwer, dass alle Menschen nicht ausreichen würden,
um ihn hochzuheben.
Potolo benötigte 50 Jahre, um eine ovale Bahn um Sirius zu durchlaufen.
Auch ein drittes Mitglied der Sirius-Familie war den Dogon bekannt, Emme Yatolo, der etwas
größer als Potolo, aber leichter sei.
Bemerkenswert an dieser mythischen Erzählung ist freilich, dass es sich bei Sirius tatsächlich
um ein Doppelstern, wahrscheinlich sogar um ein Dreifachstern-System handelt.
Dass Sirius B in der Tat als weißer Zwerg winzig im Vergleich zu Sirius A ist und gleichzeitig
extrem massereich – und ganz besonders, dass nichts davon mit bloßem Auge zu erkennen
ist.
Optisch ist Sirius ein einzelner Stern, der hellste des Nachthimmels.
Woher hatten die Dogon ihr astronomisches Wissen, welches in dieser Form auch in Europa
erst wenige Jahre zuvor bekannt geworden war?
Klar, Außerirdische.
Die These kam 1977 zur Blütezeit der Präastronautik auf.
Die gleichen Aliens, welche in Ägypten den Pyramidenbau beaufsichtigten, weiten andere
afrikanische Volksgruppen in astronomische Geheimnisse ein, welche diese dann über Tausende
von Jahren als Teil ihrer Mythen bewahrten.
Das klingt natürlich gleich mehrfach befremdlich, zumal das Wissen für typische mythische Elemente
viel zu detailreich ist.
Je nach Wirkensstätte gehen daher Wissenschaftler von anderen Erklärungen aus.
Afrikanische Historiker sehen im Wissen der Dogon einen Hinweis darauf, dass sie einst
eine wissenschaftlich weit entwickelte Hochkultur repräsentierten.
Westliche Akademiker glauben an eine sogenannte Kulturkontamination durch Missionare.
Diese wirkten ab 1930 bei den Dogon und hätten sie im Gespräch über den Sternenhimmel über
die neuen europäischen Erkenntnisse informieren können.
Welches Beispiel auch immer wir betrachten, keines von ihnen wirkt überzeugend, geschweige
denn beweiskräftig.
Die Ägypter errichteten über 100 Pyramiden, aber die vermeintlichen Hinweise auf Außerirdische
können wir an einer einzigen Hand abzählen.
Die Argumente wirken oft herbeigesucht und bemüht, niemals aber sind sie falsifizierbar.
Wir lehnen uns damit mal aus dem Fenster und sagen ganz deutlich, die Menschheit wurde
in ihrer Frühgeschichte nicht von Außerirdischen besucht – und das Fermi-Paradoxon lässt
sich so nicht auflösen.
Aber vielleicht sind sie ja jetzt da und beobachten uns – ein Thema für die nächste Episode.
Wir hoffen es hat euch gefallen und ihr findet auch ohne außerirdische Glühbirne den Abo-Button.
Teilt unser Video gern mit euren Freunden – wir sagen euch und ganz besonders unseren
großartigen Menschen, die uns auf Patreon unterstützen, danke fürs Zuschauen.
In diesem Sinne, 42!