Kinder dürfen NICHT MEHR AUF DEN SCHOß? #WWDT | ERZIEHERKANAL

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31.10.2024 #WWDT
In diesem neuen Videoformat #WWDT (Was würdest du tun?) schauen wir uns Fälle aus der Praxis an. ZuschauerInnen aus der Community haben anonym Herausforderungen, Fälle und Probleme als Beitrag eingereicht. Ich gebe dazu meine persönliche Meinung ab und erkläre auch, was ich jetzt fachlich tun würde.
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0:00 - Einleitung
1:23 - Der Fall
3:00 - Meine persönliche Meinung
5:26 - Was ich fachlich empfehle
Eine Erzieherin hat sich an die Community gewandt und berichtet, dass in ihrer Einrichtung
bestimmte Kinder nicht mehr auf den Schoß von pädagogischen Fachkräften dürfen.
Was es genau damit auf sich hat, was sie tun kann und was ich persönlich von dieser Regelung
halte, erfährst du in diesem Video.
Hi und herzlich willkommen zu einem neuen Video.
Ich bin Simon, bin selbst ausgebildeter Erzieher, ich habe im Bachelor Pädagogik und im Master
Bildung und Gesundheit studiert und ich bin der Gründer des Erzieherkanals.
Bevor wir gleich mit dem Fall anfangen, der im Intro beschrieben wurde, möchte ich dir
kurz dieses neue Videoformat auf dem Erzieherkanal vorstellen.
Wir wollen uns hier Problemen, Herausforderungen und Fällen widmen, welche Personen aus der
Community in der Praxis begegnet sind oder sie aktuell belasten.
Die Beiträge stammen aus der Erzieherkanal-Facebook-Gruppe oder wurden per Instagram Direktnachricht
zugesandt.
Das Ganze ist natürlich vollständig anonymisiert.
Von diesem Format wird es mehrere Folgen geben.
Ich möchte mit diesem Videoformat Menschen helfen, die Probleme in der Praxis haben,
eine Rückmeldung und persönliche Einschätzung geben.
Ich denke, dass das vor allem für Auszubildende und Personen, die gerade im Berufseinstieg
stehen, echt wertvoll sein kann.
Wenn dir dieses Format gefällt, dann lasse gerne einen Daumen nach oben da, so sehe ich,
ob dieses Videoformat gut ankommt.
Der eingereichte Beitrag.
Vorschulkinder auf den Schoß nehmen?
Ich habe da mal eine Frage.
Darf man Kinder ab 5 Jahren auf den Schoß nehmen?
Seit ein paar Jahren diskutiere ich darüber mit Kolleginnen.
Ich selbst habe damit kein Problem, solange das Kind von sich aus kommt und einfach eine
Runde von meinem Bein aus die Lage der Nation beobachten möchte.
Kolleginnen meinten, dass es mir aus kinderschutzrechtlichen Gründen definitiv verboten sei.
Auf den Schoß nehmen dürfen nur die Eltern, Nähezeiten sind den Eltern vorbehalten.
Als weitere Gründe wurden mir genannt, Eltern könnten glauben, dass ihr Kind zur Strafe
bei mir sitzen muss.
Eltern könnten glauben, dass ich das schoßsitzende Kind bevorzuge.
Ich mache mich handlungsunfähig, da ich mit einem schoßsitzenden Kind bei anderen Kindern
nicht pädagogisch handeln kann.
Auf dem Schoß sitzen geht nur, wenn das Kind jünger als 5 Jahre alt ist und in einer außerordentlichen,
emotionalen Lage ist.
Wenn ein 5-plus-Kind Trost braucht, soll ich es neben mich setzen.
Ich kann ja zur Not ein Arm um das Kind legen.
Ich bin hin und her gerissen.
Auf der einen Seite verstehe ich die genannten Gründe.
Auf der anderen Seite ist körperliche Nähe doch zutiefst menschlich.
Ich zwinge ja kein Kind dazu, zu mir zu kommen.
Gerade bei Kindern, die vom frühen Morgen bis zum späten Nammetag in einer Einrichtung
sind, sehe ich ein großes Bedürfnis nach Nähe.
Was haltet ihr von der Regelung?
Was kann ich tun?
Was würdet ihr tun?
Soviel zu dem Fall der Zuschauerin.
Bevor ich gleich meine Meinung zu dem Fall abgebe und anschließend darstelle, was ich
jetzt fachlich tun würde, interessiert mich aber deine Meinung.
Wie schätzt du es ein?
Was würdest du tun?
Schreibe dazu gerne einen Kommentar.
Meine persönliche Einschätzung
Ehrlich gesagt gehen mir einige Dinge durch den Kopf, nachdem ich den Beitrag gelesen
habe.
Ich persönlich habe noch nie von einer solchen Regelung gehört und finde sie auch eher kritisch.
Ich finde es kritisch, dass man pauschal sagt, dass Kinder ab 5 Jahren nicht mehr auf den
Schoß dürfen.
So eine pauschale Regelung finde ich schlecht und auch absolut unpädagogisch.
Die Betonung liegt hier aber auf pauschal.
Es bedeutet ja, dass ein 4-jähriges Kind an dem einen Tag noch ganz normal auf den
Schoß darf, wenn es dann am nächsten Tag Geburtstag hat und 5 wird, ist dies aber nicht
mehr erlaubt.
Wie soll man das dem Kind erklären?
Oder auch gerade 5-jährigen Kindern, die auf den Schoß wollen und man gerade ein 4-jähriges
Kind auf dem Schoß sitzen hat.
Ah nee, sorry Tobi, du darfst ja nicht mehr auf den Schoß, du bist ja letzte Woche 5
geworden.
Gerade im Kindergarten und auch noch im frühen Grundschulalter suchen Kinder häufig Nähe
bei Personen, die ihnen vertraut sind.
Ganz besonders, wenn es ihnen schlechter geht, sie etwas Ruhe brauchen oder sie ganz
einfach das Bedürfnis danach haben.
Dieses, ab 5 darf ein Kind nicht mehr auf den Schoß, widerspricht außerdem jeglicher
bedürfnisorientierter Haltung und jedem individuellen Blick auf das Kind, welcher pädagogisch
sinnvoll und absolut notwendig ist.
Es lässt sich einfach nicht sagen, dass ein Kind ab 5 Jahren nicht mehr auf den Schoß
muss.
Diese Situation und die Regelungen um das Auf-den-Schoß-Nehmen von 5-Jährigen ist
definitiv ein Fall für das Kinderschutzkonzept der Einrichtung.
Ich habe mich beim Lesen gefragt, ob es in der Einrichtung ein solches Schutzkonzept
überhaupt gibt.
Oder ob es einfach einige Kolleginnen laut einfordern, dass man keine über 5-jährigen
Kinder auf den Schoß nehmen sollte und diese Kolleginnen dann so tun, als wäre dies ein
absolutes No-Go, wenn man es doch macht.
Mir fallen zu dem Beitrag vor allem drei Dinge ein, der Kinderschutz, welcher wie gesagt
im Schutzkonzept geregelt sein sollte, die Autonomie und die Bedürfnisse des Kindes,
aber auch das Argument der möglichen Handlungsunfähigkeit und eingeschränkten Bewegungsfreiheit.
Auf die Dinge gehe ich gleich im nächsten Kapitel noch einmal genauer ein, wenn es
darum geht, was ich jetzt fachlich für richtig halte.
Bevor ich gleich konkret darauf eingehe, was ich jetzt tun würde, möchte ich noch
etwas Positives zu dem Thema und dieser Richtung sagen.
Ich finde es generell gut, dass für ein solches Thema sensibilisiert wird und darüber nachgedacht
wird.
Also zum Thema Nähe und Distanz und professionelle Haltung.
Kinder haben das Recht, selbst zu entscheiden, was sie möchten und was nicht.
Bedürfnisorientierung ist hier der Schlagwort.
Was ich fachlich jetzt für richtig halte.
Zuerst würde ich schauen, ob es ein Schutzkonzept in der Einrichtung gibt.
Ich gehe aber aufgrund der Formulierung des Berichts davon aus, dass es in der Einrichtung
kein Schutzkonzept gibt oder dass solche Situationen nicht klar geregelt sind.
Sollte ein Schutzkonzept existieren, würde ich es zunächst prüfen und mich daran orientieren.
Gegebenenfalls würde ich die Inhalte kritisch im Team hinterfragen.
Wie bereits im Beitrag beschrieben, gibt es ja schon seit Jahren einen Austausch mit den
Kolleginnen zu diesem Thema.
Es scheint dabei klare, aber unterschiedliche Positionen zu geben.
Die Kolleginnen sind dagegen, fünfjährige Kinder auf den Schoß zu nehmen.
Deshalb halte ich es für wichtig, eine klare Regelung zu diesem Thema zu finden.
Deshalb würde ich vorschlagen, das Thema in der nächsten Dienstbesprechung anzusprechen,
um auch die Meinung der anderen Kolleginnen dazu zu hören.
Aus Gründen der Transparenz würde ich dies vorab mit den Kolleginnen besprechen.
Sollten sie strikt dagegen sein, würde ich dennoch darauf bestehen, dass das Thema in
der Dienstbesprechung behandelt wird.
Der nächste Schritt wäre, die Leitung sachlich über das Thema zu informieren.
Dies würde ich als rein informativen Hinweis formulieren, dass es im Großteam besprochen
werden sollte und ein Fall für das Schutzkonzept der Einrichtung ist.
Sollte kein Schutzkonzept existieren, müsste es in diesem Fall dringend erstellt werden.
Kurz gesagt, das Thema muss meiner Meinung nach im Großteam ernsthaft und mit ausreichend
Zeit besprochen werden.
Nicht zwischen Tür und Angel und nicht in Form von Streitgesprächen, sondern lösungsorientiert,
mit einer klaren Regelung, die im Schutzkonzept der Kita verankert wird.
Wie aber bereits erwähnt, halte ich eine pauschale Regelung, dass fünfjährige Kinder
gar nicht mehr auf den Schoß dürfen, für unpädagogisch und unsinnig.
Eine solche starre Regelung nimmt die individuelle und bedürfnisorientierte Haltung dem Kind
gegenüber nicht ausreichend in den Blick.
Ich verstehe jedoch, dass pädagogische Fachkräfte handlungsfähig bleiben müssen und nicht
dauerhaft ein Kind auf dem Schoß haben dürfen.
Das sollte auf jeden Fall berücksichtigt werden, wenn Regeln im Schutzkonzept formuliert
werden.
Die Argumente, die in dem Bericht gefallen sind in Richtung, Eltern könnten glauben,
lassen sich auch in eine andere Richtung drehen.
Was soll denn Eltern denken, wenn ein Kind weinend vor einer Erzieherin steht, auf den
Schoß möchte und diese kalt antwortet, tut mir leid, du bist schon fünf, du darfst nicht
mehr auf den Schoß.
Ich bin mir sicher, dass viele Eltern das ebenso negativ auffassen würden.
Solche Eltern-könnten-glauben-Argumente lassen sich durch Offenheit und Transparenz aus der
Welt schaffen.
Klare Regelungen im Schutzkonzept, die kommuniziert werden, können hier Abhilfe schaffen.
Hast du schon von solchen Regelungen in Einrichtungen gehört?
Oder wird dies vielleicht sogar auch in deiner Einrichtung so gehandhabt?
Und was würdest du an der Stelle der Person tun?
Schreib dazu gerne einen Kommentar.
