THiLO und "Madame Kunterbunt" – Besuch beim Chamäleon

Ravensburger
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Der Kinderbuchautor THiLO – Tausendsassa in deutschen Kinderbuchregalen – hat sich auf der Suche nach Inspirationen für sein neues Buch „Madame Kunterbunt“ in eine Zoohandlung begeben. Katze, Pferd oder Chamäleon – für was wird es sich entschieden haben?
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Hallo, ich bin Thilo. Ich habe schon über 350 Kinderbücher geschrieben.
Garantiert steht auch eins bei euch zu Hause im Regal.
Und in der letzten Nacht habe ich eine ganz neue Geschichte geträumt.
Von magischen Tieren, die so ein kleines bisschen zaubern können.
Und jeder, der sich in ihrer Nähe befindet, der fühlt sich gleich ein kleines bisschen mutiger.
Das Problem dabei war, ich habe nicht geträumt, welche Tierart es ist.
Und jetzt gibt es ja über 100.000 richtig coole Tiere auf der Welt.
Welches davon soll in meiner Geschichte vorkommen?
Am besten, ich mache mich gleich mal auf die Suche.
Katzen finde ich gut.
Dieser Kater hier ist auch wirklich quicklebendig.
Aber jedes Mal, wenn ich ihn vorlesen will, schläft er ein.
Ich schaue mal, ob größere Tiere mehr von Büchern halten.
Und hob seinen Sohn.
Hey Brauner, ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bitte, ja?
Tja, Pferde waren auch nicht so begeistert von meinen Geschichten.
Außerdem sind Pferde ja auch viel zu groß. Die passen gar nicht in ein Buch ein.
Jetzt hoffe ich, hier findig zu werden.
In einem Spezialgeschäft für exotische Tiere aus aller Welt.
Also, kommt mit!
Okay Leute, ich habe mich ein bisschen hier in der Zuhandlung umgeguckt und richtig viele tolle Tiere entdeckt.
Aber eines von denen ist mein Favorit.
Der hier, der hier hinter mir an dem Ast hängt.
Und ich habe so ein bisschen das Gefühl, der weiß ganz genau, worum es geht,
dass ich hier ein Casting für mein neues Buch mache.
Und wisst ihr was?
Ja, ich bin echt schockverliebt.
Dieser Geselle hier wird in meinem neuen Buch die Hauptrolle spielen.
Versprochen.
Das eine Auge dreht sich hoch, das andere nach unten.
Das muss ich mir für die Geschichte merken.
Die Schuppen sind ja echt der Hammer.
Die müssen in meinem Buch eine ganz wichtige Rolle spielen.
Guck mal, das sieht aus, als wenn er tanzt.
Wenn er so läuft, sieht er fast aus wie ein Roboter.
Ich glaub, der kleine Kerl will unbedingt ein Star werden.
Das kann er haben.
Ich benötige aber zwei Stars in der Geschichte
und ich werde sie Silly und Rosso nennen.
Und schwupp, bin ich mit dem Schreiben fertig.
Madame Kunterbunt und das Geheimnis der Mutmagie habe ich das Buch genannt.
Ihr wollt unbedingt wissen, was drin vorkommt?
Na gut, ein Kapitel lese ich euch vor.
Also, Madame Kunterbunt ist die lustigste Frau,
die Nick und Nicki jemals in ihrem Leben getroffen haben.
Und die ist jetzt in der 3a die neue Klassenlehrerin.
Und seit sie da ist, passieren die merkwürdigsten Sachen.
Zum Beispiel hat sich gerade der öde Betonschulhof
in einen ganz tollen Blumen- und Obstgarten verwandelt.
Ob vielleicht die Reisetasche von Madame Kunterbunt etwas damit zu tun hat,
aus der so merkwürdige Geräusche kommen?
Wir werden sehen.
Entzückt, das war das richtige Wort, fand Nicki,
um den Zustand von Madame Kunterbunt zu beschreiben.
Schon an den Blumen hatte sie sich nicht satt sehen können.
Mit vor der Brust gefalteten Händen und Tränen des Glücks in den Augen
war sie am Wunderbeet auf- und abgeschwebt.
Doch als jetzt auch noch die Beeren wie Popcorn am Boden
und an den Büschen aufploppten, gab es für die Lehrerin kein Halten mehr.
Sie bückte sich nach einer Erdbeere.
Während sie den süßen Geschmack auf der Zunge hatte,
pflückte sie sich schon eine Hand voll Heidelbeeren und tänzelte dann zu den Himbeeren.
Madame Kunterbunt schien alles um sich herum vergessen zu haben.
Nicht nur ihre Schülerinnen und Schüler,
die ihr noch immer ganz verdattert hinterher sahen.
Sie dachte auch nicht mehr an ihre Tasche.
Jetzt zischte Nick seiner Cousine zu und stupste Nicki mit dem Ellbogen in den Rippen.
Die Tasche stand mutterseelenallein auf der Mauer in der Sonne.
So unauffällig wie möglich bewegten sich die beiden seitwärts auf sie zu.
Als Nick sie mit den Fingern berührte, fing die Tasche an zu zappeln.
»Hol mi raus«, piepste etwas darin.
Nick riss seine Hand zurück, als würde die Tasche unter Strom stehen.
»Himmel«, japste er und wurde ganz bleich.
Auch Nickis Herz schlug wild. Sie schielte zu Madame Kunterbunt.
Ihre Lehrerin hatte angefangen, die geernteten Beeren an die Schüler zu verteilen.
Erst traute sich keiner von ihnen zu probieren, doch schließlich griff Fawad zu.
»Lecker«, lobte er und hielt gleich wieder die Hand hin.
»Lass mich mal«, flüsterte Nicki und schob ihren Cousin zur Seite.
Gespannt bieße sich auf die Unterlippe, packte den Reißverschluss und
»Wie so heiß«, stöhnte die Stimme.
Nicki zitterte. Es war also tatsächlich keine Einbildung. Das Wesen in der Tasche sprach es.
Es war nicht nur ein Geräusch gewesen, das mit viel Fantasie wie »Auzi« oder »Merci« geklungen hatte.
»Wie so au heiß«, beschwerte sich da plötzlich eine höhere Stimme.
Dann rumpelte es in der Tasche, als wäre drin ein tollmütiger Hund eingesperrt.
Und es folgte das schon bekannte »Auzi«.
Nicki stolperte vor Schreck rückwärts. Doch weit kam sie nicht.
Ihr Armband hatte sich an der Lasche des Reißverschlusses verhakt.
Ohne es zu wollen, schleifte Nicki die Tasche einen halben Meter über die Mauer.
Dann riss ihr Armband und die Tasche kippte ins Beet.
Sie hörte es darin auf zu zappeln.
Stattdessen waren unter dem Stoff zwei Kaninchen große Beulen zu sehen.
Eine der Beulen kämpfte sich Zentimeter für Zentimeter auf die Öffnung der Tasche zu.
Nicki hatte mir in ihr Armband den Reißverschluss zweihandbreit aufgezogen.
»Verflixt«, würgte Nick hervor, »das Auzi-Dings will raus. Was machen wir jetzt?«
Am liebsten wäre sie weggelaufen, zum Beispiel nach Australien
oder vielleicht am besten auf die Konsonantinseln im Schwarzmeer.
Aber wenn man Fehler gemacht hatte, musste man für sie einstehen, egal was einem an Strafe drohte.
So entschied Nicki sich auch jetzt für die Wahrheit.
»Madame«, rief sie mit zittriger Stimme, »ich habe deine Tasche umgeworfen und jetzt kommt da was raus.«
So schnell wie sonst nur, wenn die Pausenglocke läutete, liefen alle Mitschüler zusammen und umringten Nick und Nicki.
Alle blickten mit gehörigem Sicherheitsabstand auf die Beulen in der Tasche.
»Ich, was«, schnappelte Madame Kunterbunt, »oder war's schon zu spät?«
»Zuerst war ein dünnes Bein zu sehen.«
Später war ihnen allen klar, dass es Rosso gehört hatte.
Neugierig wie er war, musste er natürlich zuerst den neuen Bein erkunden.
Nach dem ersten dünnen Bein folgte ein zweites dünnes Bein.
Dann schob sich ein großes Auge aus der Tasche.
Ja, richtig, erst das Auge, dann der Rest des Kopfes.
Das Auge glupschte nach oben, nach unten, nach links, nach rechts.
Als Rosso sich sicher war, dass es ihm hier gefiel, kletterte er ganz aus der Tasche.
»Sööön«, piepste er und stiefelte auf eine Kornblume zu.
»Darf ich vorstellen«, flüsterte Madame Kunterbunt mit zittriger Stimme, »das ist Rosso.«
Die ganze Klasse 3a hielt den Atem an.
Rosso war ein Chamäleon, etwa so groß wie ein Kaninchen.
Sein ganzer Körper war mit Schuppen bedeckt, die in allen Farben des Regenbogen glitzerten.
Mit eckigen Bewegungen hob er ein Bein nach dem anderen und stolzierte über das neue Beet.
Als er die Kornblumen erreicht hatte, färbte sich seine Haut blau.
Kornblumenblau, um genau zu sein.
Rosso versuchte, an der dicksten Blume empor zu klettern,
doch auf halbem Weg knickte der Stängel ab und Rosso landete auf dem Rücken.
»Auzi«, piepte er und rollte mit seinem linken Auge.
Als er sich aufrappelte und weiter stiefelte, lachte die Klasse erleichtert.
Rosso war echt drollig.
Plötzlich blieb er mitten in der Bewegung reglungsstehend.
Sogar ein Bein hielt er in der Luft.
Sein linkes Auge fixierte eine Fliege, die sich auf einem Tulpenblatt putzte.
»Schlurp«, sauste Rosso's Zunge aus seiner Maul und klatschte gegen die Fliege
und »schwupp« war sofort wieder verschwunden.
Rosso schmatzte.
»Mamphus leckerus«, rief er erfreulich.
Diese Worte hatten zur Folge, dass die Tasche wieder zu wackeln begann
und die andere Beule in Bewegung kam.
Ein zweites Chamäleon wurschtte sich frei.
Das war eindeutig eine Dame.
Vor jedem Schritt sah sie zuerst auf den Boden vor sich,
um sich die Füßchen nicht allzu schmutzig zu machen.
»Also schön«, seufzte Madame Kunterbunt und knetete ihre Hände,
als wären sie Pizzateig.
»Die beiden haben wohl entschlossen, dass ihr sie sehen dürft.
Das ist »Cäzilie von Kalkenstein«.
»Aber das ist mir zu lang.
Das sollten wir nicht sehen«, Silly Dicky freute sich.
Den letzten Satz hatte Madame Kunterbunt wieder genauso selbstsicher gesprochen,
wie sie auch gegenüber Rektor Plümbe auftrat.
Ihre Lehrerin hatte wegen ihrer Haustiere gehörig unter Druck gestanden.
Nun hatte sich das Geheimnis sozusagen von selbst präsentiert
und sie musste damit umgehen.
Offenbar war das leichter für sie,
als ihre Schülerinnen und Schüler pausenlos anzuflunkern.
Auch Silly blickte sich mit ihren Kugelaugen um,
genau wie Rosso es getan hatte.
Eines sah nach oben, eines nach unten.
»Hm, blumerig, buschig, mi froh«,
näselte Silly wie eine Lady, die sich zum Nachmittagstee setzte.
Dann zitterte ihre Haut, als würde ein kalter Wind darüber hinwegwehen.
Alle Schuppen färbten sich hellblau.
»Oh, hellblau«, jubelte Madame Kunterbunt, »dann freut sie sich.
Jede Farbe bedeutet etwas anderes.
Wenn Rosso schwarz wird,
dann fühlt er sich unterlegen und will nicht kämpfen.
Wenn sie sich ärgern, werden sie rot.
Und wenn die beiden verliebt sind oder sie einfach nur glücklich,
dann schimmern sie ganz bunt.
Madame Kunterbunt nahm eine der hellblauen Schuppen von Silly
zwischen Daumen und Zeigefingerspitze
und zupfte sie ganz vorsichtig aus.
Silly leuchtete kurz auf und klappte ihr Maul auf und zu.
Dann schüttelte sich Silly wie ein wasser Hund
und spazierte weiter durch den Blumendschungel.
Sobald sie wieder eine neue Sorte erreicht hatte,
färbten sich ihre Schuppen anders.
Dadurch war sie schon bald komplett in dem Beet untergetaucht.
Wo Rosso war, konnte man nur noch am Wackeln der Blüten und Blätter erkennen.
»Liebe Kinder und Kinderinnen, kommt bitte mal zu mir«,
bat Madame Kunterbunt und hockte sie wieder auf die kleine Mauer.
»Wir haben jetzt ein großes Geheimnis zusammen.
Silly und Rosso sind zwei ganz besondere Tiere.
Das muss ich euch sicher nicht groß erklären.
Sie sind mir vor etwa einem Jahr zugelaufen.
Naja, eigentlich ist mir Silly zugelaufen«,
verbesserte sie sich.
»Rosso hatte sie wutschnaubend quer durch meinen Garten gejagt
und sie suchte bei mir Schutz.«
Anscheinend gefiel es ihr und sie blieb.
Nur wollte auch Rosso nicht mehr weg.
»Ich habe Zettel an jede Laterne gehängt, um ihre Familie zu finden,
aber niemand hat sich gemeldet.«
»Die beiden Chamäleons waren also von nirgendwo ausgebüxt.
Deshalb erlaubte ich ihnen zu bleiben.«
Lächelnd öffnete sie ihre Hand.
»Die hellblaue Schuppe war noch immer dort.
Und das Beste, ihre Schimmerschuppen können Wünsche erfüllen.«
»Na, das habt ihr sicher längst gemerkt.
Aber ich, ich musste dafür erst ein dickes altes Buch lesen, um das herauszufinden.«
Madame Contabunt machte ihre Hand ganz flach und pustete.
Die Schimmerschuppe erhob sich von ihren Fingern,
schwebte über die Köpfe der Kinder hinweg,
drehte hinter ihnen einen Looping und sauste dann Richtung Olle.
»Jetzt habe ich mir zum Beispiel gewünscht, dass gleich ein Eiswagen um die Ecke biegt,«
verriet sie, »aber nicht alles geht so schnell wie unser Blumenbeet.«
Verzaubert sahen alle die Schimmerschuppe hinterher.
Sie stieg höher und höher, wie der Luftballon,
den Nicki einmal auf einer Kirmes bekommen und nicht richtig festgehalten hatte.
Sie hätten wohl noch bis Ostern in den Himmel geschaut,
wenn sie nicht ein gewaltiges Quieken aus ihren Träumereien gerissen hätte.
Cilly war es, die schrie, als wäre der Teufel hinter ihr her.
Eine Handvoll Erdbeerblätter flog durch das Beet, als Cilly auf Madame Contabunt zu rannte.
Ihre Schuppen waren knallrot, sie waren so verärgert.
Sie krallte ihre Greifklauen um Madame Contabunts Arm und kletterte an ihr empor.
»Rosso,« wies die Lehrerin den Übeltäter zurecht, »was hast du schon wieder mit Cilly gemacht?«
»Nischt, nischt,« hörten die Kinder Rosso unschuldig flöten.
»Doch, Miauzzi,« beschwerte sich Cilly und legte ihren Kopf an Madame Contabunts Hals.
Rosso trampelte über einen Heidelbeerbusch und blieb vor der Lehrerin stehen.
Er rollte mit den Augen, wackelte mit dem Schwanz und streckte Cilly dann seine ellenlange Zunge raus.
»Prrr«, machte er und gab so etwas ähnliches wie ein Lachen von sich.
Und dann, als wäre es die selbstverständliche Sache der Welt,
biss er in eine fette, saftige Erdbeere.
Max, Esmer und zwei andere Kinder giecherten. Madame Contabunt aber seufzte.
»Ach, jetzt wisst ihr, warum ich die beiden nicht einfach zu Hause gelassen habe,« sagte sie mit hängenden Schultern.
»Sie streiten sich einfach immer. Wenn ich sie einen Vormittag allein lassen würde,
dann würden sie sich an mein ganzes Haus durcheinanderwirbeln. Ich muss mir wirklich was für sie überlegen.«
Fawad tippte ihr auf die Schulter. »Wieder mitbringen«, sagte er lachend. »Mi froh«.
Madame Contabunt legte ihm lächelnd die Hand auf die Schulter und nickte.
Fawad konnte nichts mehr sagen, denn vor der Schulmauer klingelte nun eine helle Glocke.
»Eis, Eis, Baby«, brüllte eine Stimme, die auch gut zu einem Löwenbändiger gepasst hätte.
Madame Contabunt sah zur Schuluhr hinauf.
»Na, die Schuppen sind auch schon mal schneller geflogen,« sagte sie und stand auf.
»Jeder vier Kugeln?«
In diesem Moment wusste Nicki es endgültig. Sie hatten das tollste Schuljahr aller Zeiten vor sich.
So, das war's für heute mit Cilly, Rosso, Madame Contabunt, Nick, Nicki,
vielen anderen coolen Kindern und mir, mit Tilo.
Und ihr als Buchexperten ahnt aber schon eins, die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende.
Geht ja gerade erst mal so richtig los.
Und ich würde euch echt gern verraten, wie die Geschichte weitergeht, aber ich habe es vergessen.
Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wie die Geschichte ausgeht.
Also müsst ihr es am besten selbst mal weiterlesen.
Und eins verspreche ich euch, ihr werdet wahnsinnig viel Spaß machen.
Macht's gut! Tschüss!
