Pfleger Jorde VS Christian Lindner - Rhetorik & Körpersprache Analyse

RedeFabrik - Kommunikation & Charisma
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01.11.2024
Der Pflegerjorde trifft im Jahresrückblick 2017 auf den rhetorisch versierten Christian Lindner.
Wie beide die Situation meistern und sich rhetorisch dort schlagen,
das werde ich in dieser Analyse genauer betrachten.
Also viel Spaß und kommunikativen Erfolg.
Herzlich willkommen, Benedikt von der Redefabrik hier.
Ich begrüße euch am 26. am 2. Weihnachtsfeiertag hier zu dieser Analyse,
die ich eigentlich gar nicht machen wollte.
Erstmal hoffe ich natürlich, dass ihr die letzten Tage schön mit euren Liebsten,
mit eurer Familie verbracht habt, dass ihr gute Gespräche geführt habt,
dass ihr euch reichlich beschenken lassen habt,
vielleicht auch mit der einen oder anderen Buchempfehlung,
die ich hier auf dem Kanal schon mal empfohlen habe,
vielleicht insgesamt irgendwas, was euch in eurer persönlichen Entwicklung weiterbringt,
dass ihr natürlich auch gut gegessen habt.
Und falls ihr euch noch selbst beschenken wollt mit meinen Videokursen,
denkt daran, diesen nur noch heute, also am 26. reduziert,
der Coupon oder der Gutschein, der verfällt heute um 0 Uhr.
Falls ihr daran also interessiert seid, dann schaut einfach mal in die Videobeschreibung
oder in die Kommentare, da seht ihr nochmal alles verlinkt.
Und jetzt eigentlich zur Analyse.
Ich wollte Christian Lindner wirklich nicht mehr auf dem Kanal analysieren.
Er ist zwar ein sehr, sehr guter Rhetoriker,
aber ich habe ihn schon dreimal hier auf dem Kanal analysiert,
weswegen ich jetzt eigentlich nicht nochmal ein Video zu ihm machen wollte.
Da ihr aber in den letzten Tagen so oft euch dieses Video gewünscht habt,
ich blende hier mal vielleicht ein paar Nachrichten ein,
habe ich mich jetzt doch durchgerungen.
Denn auch wenn er natürlich hier schon einige Mal auf dem Kanal behandelt wurde,
er ist einfach ein sehr guter Rhetoriker.
Und die Szene war natürlich schon sehr interessant,
weil sie auch sehr heikel und sehr ungewöhnlich war.
Vor allem, weil wir hier zwei starke Rhetoriker haben,
die natürlich in diesem Kampf so ein bisschen aufeinanderprallen.
Wir steigen jetzt gleich mal in die Videoanalyse. Viel Spaß damit.
Und auch wenn wir uns natürlich die ganze Situation nur rhetorisch und körpersprachlich ansehen wollen,
ist es wichtig zu sehen, welche inhaltlichen Positionen vorliegen,
um zu sehen, wie das Publikum reagieren könnte.
Etwas drastisch gesagt haben wir so den Kontrast von Gut gegen Böse.
Auch dieses Nicht-zu-lang-Klatschen, das große Lächeln,
generell seine offene Art, machen ihn natürlich noch mal zum Sympathieträger.
Was ich besonders schön an dieser Szene finde, ist,
dass wir eigentlich an der körpersprachlichen, nonverbalen Ebene schon alles ablesen können,
was dann später auch auf verbaler Ebene folgt.
Bei Alexander Jorda haben wir eine nach vorne gelehnte, aktive Körpersprache
mit den Händen nach vorne, die breitbeinigen, angewinkelten Beine
sind auch noch mal ein Zeichen für Stabilität, von Engagiertheit.
Und auch so ein bisschen dieses Konfrontative ist hier auch schon zu sehen.
Während bei Christian Lindner haben wir eine komplett andere Körpersprache,
eine asymmetrische Körpersprache, eine Körpersprache, die leicht nach hinten,
zur Seite gelehnt ist, das ist ein Zeichen von Entspanntheit,
beziehungsweise möchte er es zumindest ausstrahlen.
Zudem auch noch das eine Bein übers andere geschlagen.
Wir haben insgesamt also dieses Bild von einer Person, die konfrontativ, aktiv ist,
wenn die andere Person sich zurücklehnt und entspannt ist,
beziehungsweise auch ausstrahlen möchte, dass sie entspannt ist.
Und Herr Lindner, Sie sagten gerade, Frau Merkel macht sowieso, was ich will.
Da sitzt einer, der hat Frau Merkel gezeigt, dass man sich gegen sie durchsetzen kann.
Diese leicht provokative Frage fand ich ganz gut.
Das ist natürlich bezugnehmend auf die Jamaika-Koalitionsverhandlungen
und dann hat Lindner halt gesagt, dass man sich eigentlich gar nicht
gegen die Übermacht von Merkel wehren kann, dass man quasi kaputtregiert wird,
wenn man mit ihr in eine Regierung geht und dass sie im Endeffekt sowieso alles durchsetzt.
Sehr schön hier eigentlich gemacht, denn der Pfleger als nicht ausgebildeter Rhetoriker,
als nicht Politiker, als normaler Mann aus dem Volk, sage ich mal,
was natürlich auch nochmal die Sympathie stärkt,
der aber sehr stark mit einer großen Politikerin in den Konflikt geht.
Hier hatten wir anfänglich dieses Lippenschützen, was eher so zu interpretieren ist,
als, ja, weiß ich jetzt nicht, ob ich da zustimmen würde.
Aber jetzt haben wir ein offenes, sympathisches Lächeln.
Man sieht auch den Augenmuskel, heißt, er scheint es wirklich ehrlich, lustig zu finden
und auch die ganze Situation so ein bisschen so zu akzeptieren.
Wobei man natürlich auch sagen muss, dass die Sympathie sowieso bei der anderen Person ist.
Es würde hier auch gar nicht groß viel bringen, sich da auszureden.
Hier muss er auch lachen und er nickt auch so die ganze Zeit ein bisschen.
Hier haben wir eine offene, relativ entspannte Körpersprache.
Man merkt natürlich, dass er die ganze Sache jetzt etwas rechtfertigen möchte
und man merkt auch bei ihm schon so ein bisschen,
wie er jetzt gleich zum Angriff beziehungsweise zum Widerstand oder Widerspruch ansetzen möchte.
Da sind wir einer Meinung, um quasi die goldene Brücke zu bilden.
Und da muss ich jetzt echt sagen, das hat er jetzt sehr gut gemacht, die Gegenfrage von Jorde.
Warum steht es nicht in ihrem Wahlprogramm?
Und dann ist natürlich die gerechtfertigte Reaktion des Publikums.
Egal, ob das von Christian Lindner jetzt stimmt oder nicht.
Es ist natürlich ein faktischer Punktsieg, auf jeden Fall für Alexander Jorde.
Hier so ein kleiner ironischer Kommentar, der natürlich auch nochmal so ein bisschen sticheln soll.
Hier unterbricht Lindner ihn aber jetzt nicht auf eine sonderlich unfreundliche Art und Weise,
sondern hier würde man schon sagen, dass er jetzt rhetorisch gesehen den Punkt gewonnen hat.
Er hat so ein bisschen dieses ironisch-sarkastische aufgenommen und für sich genutzt,
quasi ihn so ein bisschen zum Anstand bewegt.
Okay, okay. Er hat die ganze Situation jetzt nicht mehr aufgegriffen, sondern akzeptiert.
Jetzt setzt er aber gleich nochmal neu an.
Ganz interessant. Wir haben jetzt, bevor er was anderes sagt, erstmal eine gut vorbereitete Rede.
Sehr sicher hat er sich hier auf die ganze Situation vorbereitet.
Das ist natürlich auf jeden Fall verständlich und auf jeden Fall aus rhetorischer Sicht sehr sinnvoll.
Und hier unterbricht Christian Lindner auch kurz mit einem Nein,
was natürlich wichtig ist, hier zu widersprechen.
Wobei man sagen muss, im Gegensatz zur vorherigen Situation,
bei der er dann das Gesprächszettel quasi in die Hand genommen hat,
ist er hier auf jeden Fall auf der argumentativ schwächeren Seite,
weswegen Jorde jetzt auf jeden Fall auch nochmal nachsetzt.
Auch eine starke Verwendung und Taktierung der Körpersprache.
Genauso haben sie es gesagt nochmal, dieses wiederholende, verstärkende.
Das war eine relativ unfassende Technik, die man sehr gerne verwenden kann,
wenn eine andere Person einen unterbricht oder wenn man es zumindest vermutet.
Heißt dieses, jetzt möchte ich das bitte auch zu Ende führen.
Fand ich jetzt in dieser Situation eher unpassend,
weil Christian Lindner ihn ja gar nicht unterbrochen hat.
Auch wenn jetzt hier vielleicht dieses Nein von Christian Lindner
vielleicht ein bisschen unsouverän, vielleicht ein bisschen angegriffen wirkt,
muss man sagen, dass hier eigentlich der Kommentar von Lanz ziemlich unnötig war.
Mal abgesehen davon, dass er jetzt den Jorde unterbrochen hat,
hat er es auch noch geschafft, eine Situation zu benennen,
die eigentlich gar nicht so besonders war.
Es war kein besonders toller Trick.
Wenn Christian Lindner Alexander Jorde unterbrochen hätte
und er hätte dann die Technik genutzt,
bitte lassen Sie mich ausreden, und hätte dann weiter fortgeführt,
dann wäre es ein guter Trick gewesen,
dem man quasi einem jungen Menschen auch nochmal positiv zusprechen kann.
In der Situation war es jetzt aber nichts so Besonderes.
Auch mit den Fakten hat er sich vorbereitet, sehr gut gemacht.
Auf Kosten der Pflegekräfte hat man ein paar wegrationalisiert.
Und wenn man das mal grob überschlägt,
und das kann eigentlich jeder, der was mit Reisatz schon mal zu tun hatte,
dann sind das über 10.000 Vollzeitstellen.
Generell sehr stark.
Er bleibt die ganze Zeit relativ gelassen,
gerade in einer so angespannten Situation.
Das muss man ihm wirklich zugutehalten.
Er schafft es hier auch an einem langen Stück wirklich souverän zu reden.
Und er betont auch nochmal besondere Stellen, also 10.000 Stellen.
Er betont es nochmal sehr stark und unterstützt damit rhetorisch,
was er auf inhaltlicher Ebene aussagen möchte.
In der Pflege 10.000 Pflegekräfte.
Auch nochmal die Wiederholung.
Die man dringend bräuchte.
Und wo landen diese 500 Millionen Euro?
Das wissen Sie, das weiß ich, und das weiß eigentlich jeder.
Auch nochmal das Trikolon, der rhetorische Dreisatz.
Das ist ein Aktienkonzern, die landen am Ende bei wenigen,
die sehr viel Geld haben.
Klar, es gibt auch Rentenfonds.
Das, was er hier gemacht hat, wirklich großen Respekt an Jorde.
Da hat er wirklich tief in die rhetorische Trickkiste gegriffen.
Das nennen wir in der Rhetorik eine Pro-Katalepsis.
Also das Vorwegnehmen eines noch nicht ausgesprochenen Einwandes,
um es quasi vorab zu entkräften.
Er sagt hier quasi so, ja, man könnte jetzt sagen,
klar, man könnte jetzt sagen.
Nimmt damit den Einwand vorweg.
Beispielsweise, die an solchen Aktiengesellschaften beteiligt sind.
Aber es gibt ganz viele Unternehmen, wo man sich beteiligen muss.
Und das muss nicht im Gesundheitswesen sein.
Das ist meine Meinung.
Auch nochmal zum Schluss diese, ich sag mal ein bisschen gespielte Bescheidenheit.
Das ist meine Meinung.
Das so ein bisschen zeigt, dass trotz der ganzen Argumente,
die eigentlich ganz klar, nach logischem Menschenverstand,
in eine Richtung zeigen müssen,
ist es ja nur meine Meinung.
Was sagen Sie dazu?
Also hat er wirklich sehr schlau gemacht.
An dieser Stelle sollte man vielleicht noch sagen,
dass Lindner, wenn er jetzt nicht diese politische Rolle gehabt hätte,
er ihm wahrscheinlich auch zugestimmt hätte,
denn er hat schon so ein bisschen Respekt vor dieser ganzen Argumentation,
weswegen er auch dieses Lächeln so ein bisschen unterdrückt.
Man sieht es nur relativ klein am Mundwinkel.
Aber hier auch wieder stark von ihm,
er sagt, ich kann ihre Position verstehen,
zeigt erstmal Empathie,
sagt dann, das war paradoxerweise,
heißt normalerweise würde man es ja so sehen,
aber paradoxerweise ist es im Endeffekt so,
wie er jetzt argumentiert.
Wundert mich sehr, was hier eigentlich der Moderator Markus Lanz macht,
das war meines Erachtens wieder sehr unpassend.
Genau, auch diese Frage gar nicht bezugnehmend auf das Vorher.
Sie können das auch schon ganz gut,
auch mit einer relativ ernsten,
vielleicht sogar ein bisschen beleidigten Miene.
In dieser Situation aus Jordes Sicht zu sagen,
man muss gut reden können
und das gut reden können ist etwas Schlechtes,
das wirkt auf jeden Fall sehr unglaubwürdig bei ihm,
weil er natürlich auch sehr stark auf seine eigene Rhetorik setzt.
Ich bin keiner, der sagt, die arbeiten da nicht,
aber damit sagt er es ja schon.
Also hier so ein persönliches Beispiel noch einzubringen ist auch ganz passend.
Es war natürlich eine Konfrontationssituation,
es sollte so ein bisschen gegeneinander losgegangen werden,
wir haben so ein bisschen dieses Gut gegen Böse.
Meines Erachtens hätte Christian Lindner,
wenn er gewollt hätte, auch noch etwas mehr oder stärker angreifen können,
was er natürlich auch in der Situation nicht unbedingt machen will.
Haben beide sehr gut gemacht,
man muss auch sagen, es war mehr so ein Zanken zwischen zwei Freunden,
als ein wirklich böses, verbittertes Duell.
Soviel zur Videoanalyse, ich hoffe es hat euch gefallen,
wenn ja, könnt ihr gerne eine positive Bewertung da lassen
und schreibt auf jeden Fall auch mal in die Kommentare rein,
wie ihr diese Szene wahrgenommen habt,
was ihr vielleicht noch zusätzliches wahrgenommen habt
und auch wie euch hier diese neue Einstellung der Kamera gefällt,
könnt ihr einfach mal gerne in die Kommentare schreiben.
Wie gesagt, in der Videobeschreibung oder in den Kommentaren
findet ihr natürlich noch mal diese Videokurse aufgelistet,
die ihr entweder euch zu holen könnt oder heute sogar noch reduziert bekommt.
Ich bedanke mich bei euch fürs Zusehen
und wünsche euch jetzt noch einen schönen Tag und viel kommunikativen Erfolg.
