Heinrich Heine "Der Schiffbrüchige"

Lyrik für Puristen
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4 Videoaufrufe·02.11.2024
Rezitation: Claus Maria Brandauer
Hoffnung und
Liebe alles
zertrümmert und ich
selber gleich einer Leiche die grollend
ausgeworfen das Meer
liege ich am
Strande am wöden kahen
Strande vor mir woget die
Wasserwüste hinter mir liegt nur K und
Elend und über mich
hin ziehen die Wolken
die formlos grauen Töchter der
Luft die aus dem Meer in nebeleimern das
Wasser
schöpfen und es mühsam
schleppen
schleppen und es wieder
verschütten ins
Meer ein
trübes langweiliges gesch
ft und nutzlos wie mein eigenes
Leben die Wogen
Murmeln die Möwen
schrillen alte Erinnerungen Wehen mich
an vergessene Träume
erloschene Bilder qualvoll
süße tauchen
hervor es lebt ein Weib im
Norden ein schönes
Weib königlich
schön die schlanke
zypressengestalt umschließt ein lüstern
weißes Gewand
die dunkle
lockenfülle wie eine seelige
Nacht von
dem fllechten gekrönten Haupt sich
ergießend ringelt sich träumerisch süß
und das süße blasse
Antlitz und aus dem süßen blassen
Antlitz
groß und gewaltig
strahlt ein
Auge wie eine schwarze
Sonne
oh
du Schwarze
Sonne wie oft
entzückend
oft trank ich aus
dir die wilden
begeisterungsflammen und
stand und
taumelte Feuer
berauscht dann
schwebte ein taubenmüdes
Lächeln um die hochgeschürzten stolzen
Lippen und die hochgeschürzten stolzen
Lippen hauchten
Worte süß wie
Mondlicht und sart wie der Duft der
Rose und meine Seele erhob
sich und flog wie ein Adler hinauf
in den
Himmel schweigt ihr
Wogen und
Möwen vorüber ist
alles Glück und
Hoffnung Hoffnung
und
liebe ich liege am Boden ein
öder
schiefbrüchiger
Mann und
drücke mein glühendes
Antlitz in den feuchten Sand
[Musik]
