Langbögen Teil 1 - Allgemeines | Wiegand von Marburg

Wiegand von Marburg
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02.11.2024
In meinem zweiten Video geht es um mittelalterliche Bögen. Es ist der erste von drei Teilen dieses Themas.
Lars Andersen: https://www.youtube.com/watch?v=BEG-ly9tQGk
Es gibt ein Video in dem diese Weise zu schießen oder deren historische Wichtigkeit widerlegt wird: https://www.youtube.com/watch?v=f2fugtMuGMI
Ich hoffe, es hat euch gefallen, bis zum nächsten Mal.
Meine Kamera: Logitech c920
Die Schnittsoftware: Da Vinci Resolve 14
Die Musik kommt überwiegend von frametraxx: https://www.frametraxx.de/?language=de
Auch diesmal möchte ich mich wieder bei meinem Sohn Hagen für die tolle Unterstützung, besonders beim Drehen und beim Videoschnitt, bedanken, auch meinem Sohn Gero Danke für's Drehen.
Jetzt habe ich doch tatsächlich vergessen, wie diese Flaschenbürsten Pfeile sonst noch heißen.
Fluhfluh?
Hauptsache sie zwischenschwimmen.
Hallo, wie letztes Mal angekündigt, soll es heute um mittelalterliche Langbögen gehen.
Zum Beispiel solche hier.
Wobei das Thema so viel Material bietet, dass ich das Ganze aufteilen werde.
Heute soll es um Hölzer gehen und auch ein bisschen um die Art wie man schießt.
Außerdem um Pfeile.
Ich habe selber relativ spät mit dem Bogenschießen begonnen, da war ich schon längst erwachsen.
Das liegt einfach daran, dass in meiner Familie schon mal ein Unglück passiert ist.
Zu der Zeit als mein Vater und mein Onkel Kinder waren, zehn, zwölf Jahre alt waren,
haben sie mit einem Nachbarsjungen Cowboy mit Jammer gespielt.
Und wie es der Zufall wollte, der Nachbarsjunge schießt aus dem Gebüsch raus und trifft ausgerechnet das rechte Auge von meinem Onkel.
Und er hat das Auge dann tatsächlich verloren.
Da kann man sich vorstellen, dass dann in unserer Familie Bogenschießen eine Weile ein Tabu war.
Trotzdem habe ich es irgendwann selber mal probiert und habe daran so viel Freude gefunden,
dass ich es weiter betrieben habe.
Und wenn ich heute davon spreche, dass ich auch mit meinen Kindern Bogenschießen,
dann immer nur mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen.
Die sind immer unter Aufsicht. Das heißt, ich lasse die nie alleine schießen.
Und wir achten natürlich immer darauf, dass das immer sicher zugeht.
Das heißt, bevor man Pfeile holt, ein deutliches Kommando gibt,
dass wir hinten ein Pfeilfangnetz aufspannen und all diese Dinge.
Also bitte, auch an euch, wenn ihr Bogenschießt, achtet auf die Sicherheit. Ganz wichtig.
So, ich habe angefangen mit so einem Manaubogen.
Das heißt, der ist aus einer Palme geschnitzt.
Für einen Anfänger ist der eigentlich gar nicht schlecht.
Vor allen Dingen sind sie günstig.
Die Dinger kriegt man um 80, 90 Euro.
Wer viel mehr als 100 Euro bezahlt, der hat sich mit Sicherheit vorher nicht genug erkundigt.
Also wie gesagt, 80, 90 Euro.
Das ist als Einsteigerbogen deswegen empfehlenswert,
weil die Dinger ungeheuer robust sind und meistens auch mit relativ geringen Zuggewichten daherkommen.
Wobei der hier immerhin schon 35 Pfund hat, da brauchen wir also schon ein bisschen Kraft.
Trotzdem genügen die einem später nicht unbedingt.
Erstens sind sie nicht genau historisch korrekt, weil solche Palmen hier einfach nicht wachsen.
Zweitens wirft der sehr langsam, also die Schussleistungen sind einfach nicht so toll.
Aber für LARPer, also wer gerne im LARP unterwegs ist oder wie gesagt,
wenn man am Anfang nicht so viel Geld ausgeben will, ist das definitiv in Ordnung.
Ich verleihe den auch ganz gern mal, weil dem einfach nicht viel passieren kann.
Und wenn, dann ist es auch nicht schlimm.
Von daher keine schlechte Anfangsinvestition.
Aber wenn man dann ein bisschen mehr möchte, dann würde ich Ahorn empfehlen zum Beispiel.
Das hier ist jetzt speziell ein Paddelbogen, also flach und von der Form wie ein Paddel.
Diese Form gab es schon sehr früh, auch schon weit vor dem Mittelalter,
also selbst in Steinzeitdarstellung wäre der nicht falsch.
Und wie gesagt, Ahorn ist auch eine mitteleuropäische Baumart,
genau sowas gab es hier früher auch schon.
Der hat ein wunderbares Auszugsverhalten, kaum einen Handschock
und auch der wäre für das LARP geeignet, wenn man das mag, denn der hat nur 25 Pfund
und sowas wird ganz gerne auch beim LARP akzeptiert, weil er einfach nicht so stark ist.
Also ebenfalls empfehlenswert für Einsteiger und sieht auch noch gut aus.
Außerdem ist er irre leicht, also der wiegt, keine Ahnung, kann man gut mit sich rumtragen.
So, mein zweiter Bogen war dann schon ein bisschen teurer und auch deutlich besser.
Der hier ist aus Esche und der hat diese typische englische Form,
also wie er im englischen Spätmittelalter und wahrscheinlich auch schon im Hochmittelalter gebräuchlich war.
Wie gesagt, der ist aus Esche, hat die D-Form und außerdem Büffelhornspitzen,
also diese Tipps sind aus Horn, was ihn auch relativ robust macht, er hält einiges aus.
Der hatte jetzt 40 Pfund und ich habe den lange, lange Jahre benutzt, auch auf Wettbewerben,
also wirklich auch auf 3D-Wettbewerben zum Beispiel oder ähnlichem.
War lange Zeit mein Lieblingsbogen und ich schieße ihn heute noch gern,
aber er war mir dann auch auf Dauer zu schwach.
Also ich habe dann nochmal einen etwas besseren gekauft irgendwann, nämlich diesen hier.
Das ist mein aktueller Bogen, der ist aus Eibe.
Das klassische Bogenholz, selbst bei Ötzi hat man schon einen Eibenstab gefunden,
das heißt, er war noch nicht fertig gebaut, aber Eibe ist definitiv schon viele, viele Hundert,
sogar Tausend Jahre schon im Gebrauch hier.
Und das ist das klassische Bogenholz, auch für den englischen Langbogenschützen.
Und was man damit machen kann, das zeige ich nachher mal in einem Einspieler.
Wenn man jetzt aber einen englischen Soldaten oder Soldaten aus dem Spätmittelalter zeigen will,
müsste man im Prinzip noch stärkeren Eibenbogen mit sich rumschleppen.
Da macht das Schießen aber auf die Dauer nicht so viel Spaß, finde ich.
Ich habe schon mit solchen Kriegsbögen geschossen und man muss schon sehr viel Kraft haben,
man muss den ganzen Körper reinlegen und auf Ziege schießen ist auf die Dauer verdammt anstrengend.
Also ich glaube, da hat man nicht so viel Spaß dran.
Der hier hat 50 Pfund, was für mich genau ideal ist.
Überhaupt schießt der Bogen für meine Zwecke genauso, wie er soll.
Allerdings liegt der Preis sich natürlich schon deutlich höher.
Also ganz kurz, der Eschebogen liegt ungefähr bei 250 Euro.
Je nachdem, es kann natürlich auch immer teurer sein.
Oder vielleicht hat man Glück und hat mal ein Schwäbchen
und so einen Eibenbogen kriegt man nicht unter 300, eher mehr, deutlich mehr meistens.
Wenn er wirklich was taugen soll, wenn er nicht allzu verdreht sein soll,
dann wird er auf jeden Fall teurer sein.
Ebenfalls ein richtig gutes Holz ist das Osage Orange.
Ich hoffe, ich spreche das richtig aus.
Ein Holz, das eigentlich aus den USA kommt,
das aber auch schon sehr lange Zeit hier in Europa wächst, zum Beispiel in Ungarn.
Und das eine wunderbare Schussleistung hat und ebenfalls ganz gut aussieht.
Historisch ist es natürlich für den Mittelalterbogen nicht so gut geeignet.
Andererseits, man muss schon genau hingucken, um das zu erkennen.
Also ich finde, man kann ihn auch ganz gut für die Mittelalterdarstellung benutzen.
Ganz kurz zu den Begriffen.
Wenn ihr nach Langbogen googelt, dann findet ihr in der Regel auch Bögen,
die eigentlich Jagdbogen sind, laminierte, moderne Bögen.
Einfach weil in den Bogenklassen bei den Wettbewerben das auch als Langbogen gilt.
In Wettbewerben, also bei Bogenvereinen, werden solche Bögen, wie ich sie jetzt gezeigt habe,
mittelalterliche Bögen, einfach Primitivbogen genannt.
Obwohl sie so primitiv nicht unbedingt sind.
Aber sie sind halt technisch gesehen relativ einfach gemacht.
Ihr findet auch die Bezeichnung Self-Bow.
Self-Bow heißt, es ist eben aus einem Stück und nur aus diesem Holz gemacht.
Wichtig ist, dass diese Bögen dann kein Schussfenster haben,
das heißt nicht nochmal extra ausgeschnitten sind,
sondern in dieser Form hier eben gewachsen ist,
beziehungsweise praktisch so geschnitzt, dass er eine Stange ergibt.
Griffleder kann sein, muss aber nicht.
Und er darf halt sonst keine technischen zusätzlichen Einrichtungen haben,
keine Ausgleichsgewichte, kein Visier oder irgendwelche anderen Sachen,
die man an modernen Bögen findet.
Ganz kurz zur Schießweise.
Es gibt einen Dänen namens Lars Andersen,
der hat 2015 mal ein paar aufsehenerregende Videos ins Netz gestellt,
wo er den Pfeil auf der rechten hat und quasi eher auf die asiatische Weise schießt
und auch sehr erfolgreich schießt.
Kann sein, dass das für euch funktioniert.
Ich habe mich aber für die klassische Variante entschieden.
Man kann das Altenglisch nennen.
Ich habe auch schon den Begriff mediterrane Schießweise gehört,
also mediterraner Griff.
Dabei wird der Pfeil auf die linke Seite gelegt für Rechtshänder,
auf die linke Seite vom Bogen gelegt.
Dann nehme ich drei, für manche schwächere Bögen reichen auch zwei Finger,
an die Sehne, einen Finger oberhalb, zwei unterhalb vom Pfeil.
Dann strecke ich den Bogen, ziehe den Pfeil bis zum Mundwinkel und lasse entsprechend los.
Übrigens, auf diese sehr kurze Strecke schieße ich auch andere Pfeile,
nämlich Fluhfluhs, die bremsen so ein bisschen und auch sind zischen so schön.
Mit dem Bogen kann man allerdings auch noch sehr viel weiter schießen.
So, das Ziel im letzten kleinen Film, das ihr da gesehen habt,
das stand auf 60 Meter Entfernung.
Man kann da schon dazu treffen, allerdings natürlich nicht genauso akkurat
wie mit einem modernen Kompoundbogen zum Beispiel.
Insbesondere auch deswegen nicht, weil die Pfeile dafür auch nicht akkurat genug sind.
Ich schieße logischerweise bei einer historischen Darstellung mit Holzpfeilen.
Die sind auch relativ schwer im Vergleich zu Carbon oder Aluminium,
sodass auch da die Schussleistung ein bisschen geringer ausfällt,
als bei den modernen Modellen.
Aber 3D-Wettbewerbe machen wirklich Spaß damit.
Und ihr habt es ja gesehen, 50, 60 Meter sind mit einem guten, heftigen Bogen kein Problem.
Überhaupt die Entfernung, ich habe das schon mal gemessen,
mit diesem 40 Pfund Bogen habe ich die schweren Holzpfeile über 125 Meter schießen können
und mit der EI bekomme ich problemlos über 150 Meter.
Aber dann, wie gesagt, nicht mehr zielgenau, sondern das ist einfach nur ein Weitschuss.
Da kann man einfach mal gucken, wie weit man damit kommt.
Im nächsten Video wird es darum gehen, welche Darstellung man wählen kann bei Bogenschießen
oder als Bogenschütze und warum es so schwer ist, dem Klischee Robin Hood zu entgehen.
Also man kann natürlich auch problemlos einen Bogenschützen darstellen, der kein Angelsachse ist.
Aber wie gesagt, darüber spreche ich nächstes Mal mehr.
Bis dann!
