In dieser Folge spricht Markus Matzhold, der Leiter der Internen Kommunikation, mit Brigadier Georg Härtinger, dem Militärkommandanten von Niederösterreich, über die Assistenzeinsätze des Bundesheeres zur Unterstützung der Bevölkerung.
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Intro & Outro (Kommet, ihr Hirten): Bläserensemble der Garde: Markus Trettler Robert Wanzenböck Benedikt Hager Tobias Achleitner
Gewinnspielmelodie: Harfe: Magdalena Steiner
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Hergehört im Advent
Hallo und herzlich willkommen beim Podcast des Bundesheeres.
Diesmal mit der Folge Hergehört im Advent. H wie Hilfeleistung.
Wir berichten heute über die Assistenzeinsätze des Bundesheeres zur Hilfeleistung für die Bevölkerung.
Mein Name ist Markus Watzold, ich bin Leiter der internen Kommunikation
und habe heute bei mir zu Gast den Militärkommandanten von Niederösterreich, Brigadier Georg Hertinger.
Lieber Georg, Assistenzeinsätze zur Katastrophenhilfe, was gibt es denn da für verschiedene Einsätze, die überhaupt möglich sind?
Also das Wehrgesetz entscheidet ja grundsätzlich vier Möglichkeiten zum Einsatz des Bundesheeres.
Einer davon ist der Assistenzeinsatz zur Hilfeleistung bei Ereignissen außergewöhnlichen Umfanges.
Da fällt darunter das Hochwasser, genauso wie Windbruch, Sturmschäden
oder aber auch das jüngste Beispiel die Vogelgrippe.
Und wie werden diese Einsätze eigentlich ausgelöst? Werden wir da selbstständig tätig oder wie kommt das zu den Einsätzen?
Also grundsätzlich ist die Auslösung über eine Behörde möglich.
Die niedrigste Behörde ist die Gemeinde, die so etwas beantragen kann.
Das erfolgt übrigerweise dann über die Bezirkshauptmannschaft.
Abhängig von der Größe der Katastrophe kann die Bezirkshauptmannschaft dann direkt beim Militärkommando bereits beantragen.
Oder wenn es sehr großflächig ist, wie wir es beim Hochwasser hatten, dann errichtet auch das Bundesland einen eigenen Einsatzführungsstab.
Und dann laufen diese Anforderungen an diesen Einsatzführungsstab, der sie dann nach Prioritäten sortiert
und uns das dann entsprechend als Militärkommando zur Assistenzleistung bringt.
Vielleicht eines dazu. Assistenzleistungen erfolgen durch das Bundesheer nur dann, wenn es innerhalb dieser Organisation,
wo eben dieses Ereignis stattfindet, keine andere Organisation mehr gibt, die das durchführen kann.
Normalerweise wird das auf der Gemeindeebene mit der Feuerwehr, mit dem Bauhof gelöst oder mit Zuhilfenahme, Polizei und Rettung.
Wenn es eben größerflächig ist, dann geht das hinein von der Bezirkshauptmannschaft und ins Land.
Und die versuchen dann von anderen Bezirken ebenfalls solche Kräfte herbeizukarren und den Einsatz zu managen.
Und wenn das nicht funktioniert oder spezielle Elemente benötigt werden, dann kommt eine Hilfeleistung zutage.
Okay, das heißt, wir haben in Österreich wirklich einen schönen Stufenbau der Hilfeleistung.
Die Erst- und Schnellreaktionskräfte, die freiwillige Feuerwehr oder die Berufsfeuerwehren,
auch mit den Bauhöfen und so weiter in den Gemeinden, die hier die Ersthilfe leisten.
Und wenn die nicht mehr zur Rande kommen oder das Ausmaß zu groß ist, dann wird auch das Bundesheer zur Hilfe geholt.
Das stimmt grundsätzlich, aber es gibt Ausnahmesituationen, wo auch das Bundesheer von Beginn an dabei ist.
Und wenn wir in den Assistenzeinsatz, Hochwasserbeseitigung hineinschauen, wie wir es jetzt hatten,
so war von ganz Beginn an dabei ein essentielles Element die Rettung von Menschen.
Und diese Lebensrettung von Menschen erfolgt vom Hubschrauber aus oder unter anderem vom Hubschrauber aus.
Und wir selbst haben ja insgesamt 140 Personen evakuiert, 99 Personen davon mit der Winde herausgeborgen.
Und das erfolgte bei uns mit dem Bleckhoch, der dann in weiterer Folge auch noch für andere Einsätze verwendet wurde
und insgesamt so knapp 1.000 Tonnen an Material, an Außenlasten verbracht wurden.
Das heißt jetzt auch, eben genau das helfen, wo andere dann nicht mehr können.
Dort werden wir zur Hilfe geholt, sei es eben mit den Hubschraubern, die Personen eben mit dem Tau irgendwo herausziehen können
oder eben, so wie du erwähnt hast, mit den Hubschraubern, mit ihrer Last, die sie transportieren können,
wo dann ja mittels Sandsäcken Dämme geschlossen wurden und das waren ja nicht normale Sandsäcke,
sondern das waren diese Big Bags. Wie viel kommt da ungefähr in einen Big Bag hinein?
Eine halbe Tonne ist da grob drinnen, 500 Kilo in einem Sack oder auch 1.000, je nachdem.
Üblicherweise sind es 500 Kilo und zusätzlich kommen auch noch Panzeregel hinein und Eisenbahnschienen,
um vorher sozusagen mit diesen Metallelementen eine Barriere zu bauen, in denen dann die Säcke hineinkommen,
weil diese Panzeregel sind sehr scharfkantig und dass sie nicht beschädigt werden, die Säcke,
darum auch die anderen Eisentrümer.
Also mit diesem Hilfsmittel konnten wir auch sehr gut helfen, eben diese Dämme zu schließen, die eben hier gebrochen sind.
Das war eben genau Mitte September, wo eben dieser Starkregen angesagt war mit 400 Liter pro Quadratmeter,
vor allem im nördlichen Teil Österreichs. Tatsächlich ist es ja dann auch so gekommen,
dass am Wochenende des 13., 14., 15. Septembers im Bereich Niederösterreich wirklich diese Niederschlagsmengen
auch heruntergekommen sind und hier eben das Bundesheer zur Assistenz angefordert worden ist.
Du als Militärkommandant bist ja in dieser Funktion sehr frisch gewesen.
Wie ist das für dich persönlich abgelaufen, mit dem Einsatz gleich als Einsatzleiter in der neuen Funktion einzusteigen?
Also mit Alarmierung des Bundesheeres hat auch das Militärkommando Niederösterreich ein Lagezentrum errichtet,
von dem aus der Einsatz geführt worden ist. Die erste Aufgabe war es, Kräfte zusammenzubringen,
Organisationselemente zu bilden, mit denen man dann in den Einsatz gehen kann
und es war für mich eine Selbstverständlichkeit, auch in diesem Lagezentrum zu sein.
Wir haben von dort aus in Summe bis zu rund 1.500 Soldaten in den Einsatz geschickt über die Zeit,
also Spitze waren 1.500, wobei das tageweise sehr unterschiedlich war, nämlich aufgrund der Anforderungen.
Selber war es für mich am Beginn auch gar nicht möglich, mehr aus dem Militärkommando hinauszufahren,
weil auch das Militärkommando selber, ich sage mal, Land unter hatte.
Sprich, wir hatten so viel Wasser im Militärkommando, dass es auch hier den einen oder anderen Bereich massiv überschwemmt hatte
und ein Hinausfahren nicht mehr möglich war.
Was ich vielleicht noch dazu sagen möchte zu dieser unterschiedlichen Stärke an Personen,
das ist deswegen, weil so ein Einsatz sich in mehreren Phasen abstellt.
Gerade vorher gesprochen von der Lebensrettung, das ist ganz am Beginn,
das ist eigentlich nicht unser Hauptgeschäft aufgrund der Geschwindigkeit,
weil wir eine gewisse Zeit benötigen zum Alarmieren und Zusammenbringen unserer Kräfte, Zusammenführen unserer Kräfte.
Wir kommen aber dann, wenn es um den Schutz und vor allem um die Aufräumungsarbeiten geht,
dann sind wir massiv im Einsatz.
Und vielleicht, um hier das auch in einen greifbaren Begriff zu bringen,
wir haben bis dato rund 24.500 Personentage im Einsatz verbracht.
Für uns ist der Assistenzeinsatz immer noch nicht aus.
Wir haben immer noch Schadstellen, an denen wir arbeiten.
Gerade diese Woche wird eine Brücke noch gebaut
und wir werden an einer Schadstelle definitiv noch bis Weihnachten arbeiten.
Wo sind diese Schadstellen, diese Brücken, die noch gebaut werden?
Also die Schadstelle, um die es hier geht, das sind Hangabrutschungen, die wir im Pillachtal haben.
In Kirchberg an der Pillach ist also diese riesen Schadstelle.
Man muss sich also hier vorstellen, da ist ein Hang abgerissen mit einem Loch grob 12 Meter tief und ungefähr 10 bis 15 Meter breit,
das jetzt entsprechend renaschiert und hinterfüllt werden muss, um also den Hang hier abzusichern.
Oder ganz andere Gegenden in Niederösterreich, in Dreiskirchen, bauen wir derzeit eine Brücke
und wir haben noch eine weitere Brücke, die noch zu errichten sein wird.
Also solche Ereignisse sind immer nicht nur nach einigen Tagen abgeschlossen,
medial wird dann eben weniger darüber berichtet,
sondern hier haben wir eben den langen Atem, um lange im Einsatz zu bleiben,
der Bevölkerung auch weiterhin zu helfen, wenn eben solche Schadstellen längerfristig zu bewältigen sind,
um eben hier die Hilfe zu leisten.
Ein Punkt vielleicht auch in dieser Sache.
Wir unterstützen immer dann, wenn es um langfristige Dinge geht.
Bei diesem Einsatz haben wir auch etwas ganz Besonderes gemacht,
was wir üblicherweise nicht so auf unserer Palette haben.
Wir haben insgesamt ungefähr 120.000 Tonnen Müll, der in Niederösterreich angefallen ist.
Das ist so viel Müll, dass die Organisationen, die normalerweise den beseitigen,
alleine nicht mehr in der Lage waren, den Müll herauszubringen aus den Gemeinden.
Und hier haben auch wir unterstützt und dabei ungefähr 3.000 Tonnen an Müll auf Sammelplätze verbracht
und ungefähr 50.000 Kilometer mit den Fahrzeugen zurückgelegt.
Das ist der Müll wahrscheinlich, der eben entstanden ist dadurch,
dass die Keller und Gebäude ausgeräumt worden sind, weil diese eben überschwemmt waren
und hier eben diese Menge an Müll entstanden ist.
Genau, das ist so.
Lieber Georg, danke für die Einblicke in dieses interessante Thema HW-Hilfeleistung,
Assistenzeinsätze des Bundesheeres.
Vor allem deine persönlichen Einblicke auch in die Führung dieses Einsatzstabes
und dieses größten Assistenzeinsatzes, den wir heuer hatten hier in Niederösterreich.
Und freut euch auf morgen, schaltet wieder ein,
wenn es heißt, beim Podcast Hergehört im Advent, ich wie Inspiration.
Ihr wollt am Gewinnspiel teilnehmen?
Dann sammelt die Ziffern und Buchstaben aus dem Adventkalender
und bringt sie in die richtige Reihenfolge.
Nähere Infos findet ihr in den Show Notes.