Brandbrief an Kanzler Merz: Betriebsräte schlagen Alarm – und fordern Moratorium bei Energiewende

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Nach zwei Monaten mit leichten Erholungszeichen kehrte die deutsche Industrie im Mai zurück in die Rezession: Sinkende Aufträge, ein dramatischer Einbruch im Inland und zunehmende Verlagerung ins Ausland zeichnen ein düsteres Bild. Ein Brandbrief führender Betriebsräte macht der Politik schwere Vorwürfe – vor allem im Bereich der Energiepolitik.
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Schwerste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg
Brandbrief an Kanzler Merz
Betriebsräte schlagen Alarm und fordern Moratorium bei Energiewende
Ein Artikel von Reinhard Werner vom 8. Juli 2025
Nach zwei Monaten mit leichten Erholungszeichen kehrte die deutsche Industrie im Mai zurück in die Rezession.
Sinkende Aufträge, ein dramatischer Einbruch im Inland und zunehmende Verlagerung ins Ausland
zeichnen ein düsteres Bild.
Ein Brandbrief führender Betriebsräte macht der Politik schwere Vorwürfe,
vor allem im Bereich der Energiepolitik.
Nach zwei Monaten, die Anlass zur Hoffnung gegeben hatten,
war die Auftragslage für die deutsche Industrie im Mai des Jahres wieder rückläufig.
Gegenüber April sank die Zahl der Aufträge dem Statistischen Bundesamt zufolge um 1,4%.
Ohne Großaufträge ergab sich sogar ein Rückgang um 3,1%.
Besonders gravierend war der Auftragseinbruch mit 7,8% im Inland.
Aber auch in der Eurozone gingen die Aufträge um 6,5% zurück.
Bei den Aufträgen von außerhalb des Euroraums war ein Plus von 9% zu verzeichnen.
Wie nachhaltig dieses Wachstum ist, bleibt jedoch offen.
Industrieaufträge sinken erneut, Rückschlag nach kurzer Erholung.
Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte laut NTV, die Lage bleibe volatil,
angesichts anhaltender Handels- und geopolitischer Unwägbarkeiten
könne eine erneute Verlangsamung der Industrienachfrage nicht ausgeschlossen werden.
Eine mögliche Schlussfolgerung daraus ist, dass der deutliche Anstieg der Auslandsnachfrage
zum Teil vorgezogenen Aufträgen geschuldet sei.
Am 9. Juli endet die von den USA gesetzte Frist zum Erzielen einer Einigung im Handelskonflikt mit der EU.
Kommt keine solche zustande, droht eine deutliche Erhöhung der Einfuhrzölle
auf Importe aus Europa in die USA.
Die größten Zuwächse waren mit 18,2% im Bereich der Metallerzeugnisse zu verzeichnen.
Hingegen brachen die Aufträge zur Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten
sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen mit 17,7% deutlich ein.
Allerdings hatte es im April in diesem Segment einige Großaufträge gegeben.
Betriebsräte warnen vor schwerster Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.
Vor dem Hintergrund der nach wie vor angespannten Situation deutscher Industriebetriebe im internationalen Wettbewerb
hatten in der Vorwoche mehrere Arbeitnehmervertreter einen Brandbrief an Bundeskanzler Friedrich Merz verfasst.
Unterzeichnet haben den auf Donnerstag, 3. Juli datierten Brief Betriebsräte von BASF,
Akelor-Mittal, LEAG und Lausitz Energie.
Dazu kommen Vertreter der Gewerkschaft IG BCE Nordost.
Die Arbeitnehmervertreter weisen auf einen bereits eingetretenen Verlust in der Industrie
von rund 100.000 Arbeitsplätzen in den vergangenen Jahren hin.
Das könnte erst der Anfang gewesen sein, befürchten die Betriebsräte.
Die Unterzeichner sprechen von der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg.
Realität sei, so heißt es in dem Schreiben, dass noch nie so viele gute Arbeitsplätze bedroht waren wie heute.
Von der Bundesregierung regelmäßig angesprochene Unwägbarkeiten in Bereichen wie Bürokratie und Digitalisierung
seien zwar berechtigt, schreiben die Betriebsräte weiter, der Elefant sei jedoch ein anderer.
Vor allem die deutsche Energiepolitik habe sich zu einem der gefährlichsten Standorte und Wirtschaftsrisiken entwickelt.
Operation am offenen Herzen. Energiewende gerät ins Kreuzfeuer.
Die Verfasser des Brandbriefes sprechen im Zusammenhang mit der Energiewende
von einer Operation am offenen Herzen unserer Volkswirtschaft, die jedoch gründlich misslungen sei.
Zitat, wir müssen feststellen, der Patient droht auf dem OP-Tisch zu sterben.
Seit 35 Jahren gäbe es eine privilegierte Behandlung von Photovoltaik und Windenergie.
Dennoch leisteten sie keinen größeren Beitrag zur Versorgungssicherheit als damals,
bei gleichzeitiger Verursachung von Netzkosten im dreistelligen Milliardenbereich.
Sowohl aus der Kernenergie als auch aus der Kohle auszusteigen, habe Abhängigkeit geschaffen
und die Stromversorgung teurer und unsicherer als je zuvor gemacht.
Das Land sei auf unzuverlässigen PV und Windstrom und teure Gasimporte angewiesen.
Die hohen Strompreise, die dadurch entstanden seien, sind nicht nur sozial ungerecht,
sie bedrohen inzwischen auch unsere Wirtschaft und damit unseren Wohlstand und unseren gesellschaftlichen Frieden.
Industrie mit Subventionen nach Gutsherrenart nicht zufrieden.
Mit Blick auf die Beschlüsse des Koalitionsausschusses in der Vorwoche,
die Kurskorrekturen andeuteten, äußerten die Betriebsräte ebenfalls Kritik.
Dieser hatte unter anderem eine Stromsteuersenkung für energieintensive Unternehmen der Industrie,
der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft beschlossen.
Die Verfasser des Brandbriefes sprachen in diesem Kontext von Subventionen nach Gutsherrenart,
auf die man verzichten könne.
Stattdessen brauche man vernünftige Rahmenbedingungen,
damit gute Arbeit und Wertschöpfung in Deutschland wieder Zukunft haben.
Durch die nunmehrigen Schritte, um Industriestrompreise und Netzentgelte durch Subventionen zu drücken,
wurden nur Symptome behandelt, die tief verliegenden Ursachen der Energiekrise aber nicht angegangen.
Nur wenige Tage nach Unterzeichnung des Briefes hat mit dem US-Chemiekonzern Dow Chemical
ein weiterer bedeutender Arbeitgeber die Dringlichkeit der Warnungen unterstrichen.
Wie die MDR berichtet, will der Konzern einen Teil seiner Anlagen in Böhlen, Sachsen und Schkopau,
Sachsen-Anhalt, bis Ende 2027 schließen.
Betriebsräte fordern aus für deutschen Vorreiter Anspruch bei Klimaschutz.
Dies würde einem Abbau von rund 550 Arbeitsplätzen gleichkommen.
Derzeit betreibt Dow Chemical 13 Standorte in Deutschland mit etwa 3.400 Beschäftigten.
Zur Begründung der Entscheidung verwies das Unternehmen auf hohe Energie- und Betriebskosten
und mangelnde Nachfrage in europäischen Schlüsselindustrien.
Die Betriebsräte, die den Brandbrief an März unterzeichnet hatten,
fordern eine sofortige Industrie- und Wirtschaftsagenda 2030.
An die Stelle von Durchhalteparolen und Schönrednerei
soll es endlich klare Aussagen und Signale zur Korrektur im Bereich der Energiewende geben.
Zwar fordern auch die Arbeitnehmervertreter einen subventionierten Industriestrompreis von 5 Cent.
Allerdings soll es zudem auch systemische Kehrtwenden geben,
mit einem Stopp des planlosen Zubaus erneuerbarer Energien,
einem Anstieg aus der Abschaltung von Kraftwerken
und einem Ende des weltweiten Vorreiteranspruchs Deutschlands im Klimaschutz.
