Ein Märchen der Brüder Grimm: Die Geschichte von einem tapferen Schneiderlein, das "SIEBEN AUF EINEN STREICH" erlegte und danach auszog und viele Abenteuer bestand. Wie das Schneiderlein mit List und einer enorm grossen Portion Fantasie scheinbar unlösbare Aufgaben meistert, erlebt ihr hier in diesem Märchen. Copyright: Bilder: Illustrationen Herbert Leupin, Erscheinungsjahr 2018, Nord/Süd Verlag AG Zürich, Schweiz, Sonderausgabe SBS, mit freundlicher Genehmigung durch Nord/Süd Verlag Musik: Johann Sebastian Bach: Das Wohltemperierte Klavier, Buch I, BWV 846-869 - Fuge Nr. 3 in Cis-Dur gespielt von Kimiko Ishizaka. Das Stück steht unter der Creative Commons Lizenz PDM 1.0 und wurde auf Musopen.org zur freien Verwendung zur Verfügung gestellt. #lebensschulegelfingen#geschichtenfürkinder #DastapfereSchneiderlin, #GeschichtenfürKinder, #Märchen#bekindbecool
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Das tapfere Schneiderlein
An einem Sommermorgen saß ein Schneiderlein.
Auf seinem Tisch am Fenster war guter Dinge und Nähte aus Leibeskräften.
Da kam eine Bauersfrau die Straße herab und rief,
gutes Moos zu verkaufen, gutes Moos zu verkaufen.
Das klang dem Schneiderlein lieblich in die Ohren.
Er steckte sein zartes Haupt zum Fenster hinaus und rief,
Hier herauf, liebe Frau, hier werden Sie Ihre Ware los.
Die Frau stieg die drei Treppen mit ihrem schweren Korb
zu dem Schneider hinauf und musste sämtliche Töpfe vor ihm auspacken.
Er besah sie alle, hob sie in die Höhe, hielt die Nase dran und sagte endlich,
Das Moos scheint mir gut, wiegen Sie mir doch vier Lot ab, liebe Frau.
Wenn es auch ein Viertelpfund ist, kommt es mir nicht darauf an.
Die Frau, welche gehofft hatte einen guten Absatz zu finden,
gab ihm, was er verlangte, ging aber ganz ärgerlich und brummig fort.
Nun, das Moos soll mir Gott segnen, rief das Schneiderlein
und soll mir Kraft und Stärke geben.
Holte das Brot aus dem Schrank, schnitt sich ein großes Stück ab und strich das Moos darüber.
Das wird nicht bitter schmecken, sprach er,
aber erst will ich das Wams fertig machen, ehe ich anbeisse.
Er legte das Brot neben sich, nähte weiter und machte vor Freude immer größere Stiche.
Inzwischen stieg der Geruch von dem süßen Moos hinauf an die Wand,
wo die Fliegen in großer Menge saßen, sodass sie herangelockt wurden und sich scharenweise darauf niederliesen.
Ei, wer hat euch eingeladen? fragte das Schneiderlein und jagte die ungebetenen Gäste fort.
Die Fliegen aber, die kein Deutsch verstanden,
ließen sich nicht abweisen, sondern kamen in immer grösserer Gesellschaft wieder.
Da lief dem Schneiderlein, wie man sagt, die Laus über die Leber.
Es langte in seiner Wut nach einem Tuchlappen und,
wart, ich will es euch geben, schlug es unbarmherzig drauf.
Als es abzog und zählte, lagen nicht weniger als sieben vor ihm tot und streckten die Beine.
Bist du so ein Kerl? fragte er und musste selbst seine Tapferkeit bewundern.
Das soll die ganze Stadt erfahren.
Und in der Hast schnitt sich das Schneiderlein einen Gürtel, nähte ihn und stickte mit grossen Buchstaben darauf.
Sieben auf einen Streich.
Ei, was, Stadt? sprach er weiter, die ganze Welt soll es erfahren.
Und sein Herz wackelte ihm vor Freude wie ein Lämmerschwänzchen.
Der Schneider band sich den Gürtel in den Leib und wollte in die Welt hinaus,
weil er meinte, die Werkstätte sei zu klein für seine Tapferkeit.
Ehe er abzog, suchte er im Haus herum, ob nichts da wäre, was er mitnehmen könnte.
Er fand aber nichts als einen alten Käse, den steckte er ein.
Vor dem Tor bemerkte er einen Vogel, der sich im Gebüsch verfangen hatte.
Der musste zu dem Käse in die Tasche.
Nun machte er sich tapfer auf den Weg und weil er leicht und behändig war, fühlte er keine Müdigkeit.
Der Weg führte ihn auf einen Berg und als er den höchsten Gipfel erreicht hatte,
saß da ein gewaltiger Riese und schaute sich ganz gemächlich um.
Das Schneiderlein ging beherzt auf ihn zu, redete ihn an und sprach,
Guten Tag, Kamerad, du sitzt da und besiehst dir die weitläufige Welt?
Ich bin eben auf dem Weg dahin und will mich versuchen. Hast du Lust mitzugehen?
Der Riese sah den Schneider verächtlich an und sprach,
Du Lump, du miserabler Kerl.
Das wäre, antwortete das Schneiderlein, knüpfte den Rock auf und zeigte dem Riesen den Gürtel.
Da kannst du lesen, was ich für ein Mann bin.
Riese las, sie zieben auf einen Streich, meinte das wäre Menschen gewesen,
die der Schneider erschlagen hätte und kriegte ein wenig Respekt vor dem kleinen Kerl.
Doch wollte er ihn erst prüfen, nahm einen Stein in die Hand und drückte ihn zusammen,
sodass das Wasser heraustropfte.
Das mach mir nach, sprach der Riese.
Wenn du Stärke hast, ist es weiter nichts, sagte das Schneiderlein.
Das ist für unser Renner ein Kinderspiel, griff in die Tasche,
holte den weichen Käse und drückte ihn, sodass der Saft herauslief.
Nicht wahr, sprach er, das war ein wenig besser.
Der Riese wusste nicht, was er sagen sollte und konnte es dem Männlein nicht glauben.
Da hob der Riese einen Stein auf und warf ihn so hoch, dass man ihn mit Augen kaum noch sehen konnte.
Nun, du Erdperlmännchen, das mach mir nach.
Gut geworfen, sagte der Schneider, aber der Stein hat doch wieder zur Erde herabfallen müssen.
Ich will dir einen werfen, der soll gar nicht wiederkommen,
griff in die Tasche, nahm den Vogel und warf ihn in die Luft.
Der Vogel, froh über seine Freiheit, stieg auf, flog davon, kam nicht wieder.
Wie gefällt dir das Kunststückchen, Kamerad?
fragte der Schneider.
Werfen kannst du wohl, sagte der Riese, aber nun wollen wir sehen,
ob du imstande bist, etwas ordentliches zu tragen.
Er führte das Schneiderlein zu einem mächtigen Eichenbaum.
Der da gefällt auf dem Boden lag und sagte,
Wenn du stark genug bist, so hilf mir, den Baum aus dem Wald heraus zu tragen.
Gerne, antwortete der kleine Mann.
Nimm du nur den Stamm auf deine Schulter, ich will die Äste mit dem Gezweig aufheben und tragen.
Das ist doch das Schwerste.
Der Riese nahm den Stamm auf die Schulter, der Schneider aber setzte sich auf einen Ast.
Und der Riese, der sich nicht umsehen konnte, musste den ganzen Baum und das Schneiderlein noch obendrein forttragen.
Es war dahinten ganz lustig und guter Dinge, pfiff das Liedchen.
Es ritten drei Schneider zum Tore hinaus, als wäre das Baumtragen ein Kinderspiel.
Der Riese, nachdem er die schwere Last ein Stück des Weges fortgeschleppt hatte,
konnte nicht weiter und rief,
Hör, ich muss den Baum fallen lassen.
Der Schneider sprang die Hände herab, fasste den Baum mit beiden Armen, als wenn er ihn getragen hätte
und sprach zum Riesen,
Du bist ein so großer Kerl und kannst den Baum nicht einmal tragen.
Sie gingen zusammen weiter und als sie an einem Kirschbaum vorbeikamen,
fasste der Riese die Krone des Baumes, wo die reifsten Früchte hingen,
bog sie herab, gab sie dem Schneider in die Hand und ließ ihn essen.
Das Schneiderlein aber war viel zu schwach, um den Baum zu halten
und als der Riese losließ, fuhr der Baum in die Höhe und der Schneider wurde mit in die Luft geworfen.
Als er wieder ohne Schaden herabgefallen war, sprach der Riese,
Was ist das? Hast du nicht die Kraft, die schwache Gärte zu halten?
An der Kraft liegt es nicht, antwortete das Schneiderlein.
Meinst du, das wäre etwas für einen, der sieben mit einem Streich getroffen hat?
Ich bin über den Baum gesprungen, weil die Jäger da unten in das Gebüsch schießen.
Spring mir nach, wenn du es vermagst.
Der Riese machte den Versuch, konnte aber nicht über den Baum kommen,
sondern blieb in den Essen hängen, sodass das Schneiderlein auch hier die Oberhand behielt.
Der Riese sprach, wenn du ein so tapferer Kerl bist,
so komm mit in unsere Höhle und übernachte bei uns.
Das Schneiderlein war bereit und folgte ihm.
Als sie in die Höhle kamen, saßen da noch andere Riesen beim Feuer
und jeder hatte ein gebratenes Schaf in der Hand und aß davon.
Das Schneiderlein sah sich um und dachte,
es ist doch hier viel weitläufiger als in meiner Werkstatt.
Der Riese wies ihm ein Bett an und sagte, er solle sich hineinlegen und ausschlafen.
Dem Schneiderlein war aber das Bett zu groß, es legte sich nicht hinein,
sondern kroch in eine Ecke.
Als es Mitternacht war und der Riese meinte, das Schneiderlein lege in tiefem Schlaf,
stand er auf, nahm eine große Eisenstange, schlug das Bett mit einem Schlag durch
und meinte, er hätte dem Grashüpfer den Garaus gemacht.
Am frühen Morgen gingen die Riesen in den Wald und hatten das Schneiderlein ganz vergessen.
Da kam es auf einmal ganz lustig und beherzt dahergeschritten.
Die Riesen erschraken, fürchteten, es schlüge sie alle tot und liefen in einer Hast fort.
Das Schneiderlein zog weiter, immer seiner spitzen Nase nach.
Nachdem es lange gewandert war, kam es in den Hof eines königlichen Palastes
und da es Müdigkeit empfand, legte es sich ins Gras und schlief ein.
Während es da lag, kamen die Leute, betrachteten es von allen Seiten und lasen auf dem Gürtel sieben auf einen Streich.
Ach, sprachen sie, was will der große Kriegsheld hier mitten im Frieden, das muss ein mächtiger Heer sein.
Sie gingen und meldeten es dem König und meinten, wenn Krieg ausbrechen sollte, wäre das ein wichtiger und nützlicher Mann, den man um keinen Preis fortlassen dürfte.
Dem König gefiel der Rat und er schickte einen von seinen Hofleuten zum Schneiderlein, der sollte ihm Kriegsdienste anbieten.
Der Abgesandte blieb bei dem Schläfer stehen, wartete, bis er seine Glieder streckte und die Augen aufschlug und brachte dann seinen Antrag vor.
Eben deshalb bin ich hierher gekommen, antwortete das Schneiderlein, ich bin bereit, in das Königsdienste zu treten.
Also wurde er ehrenvoll empfangen und es wurde ihm eine besondere Wohnung angewiesen.
Die Kriegsleute aber waren dem Schneiderlein auf den Leim gekrochen und wünschten, es wäre tausend Meilen weit weg.
Was soll daraus werden, sprachen sie untereinander, wenn wir Streit mit ihm kriegen und er haut zu, so fallen auf jeden Streich sieben, da kann unser Rainer nicht bestehen.
Also fassen sie einen Entschluss, begaben sich allesamt zum König und baten um ihre Entlassung aus dem Dienst.
Wer sind nicht gemacht, sprachen sie, neben einem Mann auszuhalten, der sieben auf einen Streich schlägt.
Der König war traurig, dass er um des einen Willen alle seine treuen Diener verlieren sollte, wünschte, dass seine Augen ihn nie gesehen hätte und wäre ihm gerne wieder losgeworden.
Aber er getraute sich nicht, ihn zu entlassen, weil er fürchtete, er möchte ihn samt seinem Volk totschlagen und sich auf den königlichen Thron setzen.
Er überlegte lange hin und her, endlich fand er einen Rat.
Er schickte zu dem Schneiderlein und ließ ihm sagen, weil er ein so großer Kriegsheld wäre, wollte er ihm ein Angebot machen.
In einem Wald seines Landes hausten zwei Riesen, die mit Rauben, Morden, Sängen und Brennen großen Schaden stifteten.
Niemand dürfte sich ihnen nähern, ohne sich in Lebensgefahr zu begeben.
Wenn er diese beiden Riesen überwände und tötete, so wollte er ihm seine einzige Tochter zur Gemahlin geben und das halbe Königreich zur Aussteuer.
Auch sollten Hundert Reiter mitziehen und ihm Beistand leisten.
Das wäre so etwas für einen Mann, wie du bist, dachte das Schneiderlein.
Eine schöne Königstochter und ein halbes Königreich werden einem nicht alle Tage angeboten.
Oh ja, gab er zur Antwort. Die Riesen will ich schon bändigen und ich habe die Hundert Reiter dabei nicht nötig.
Wer sieben auf einen Streich trifft, braucht sich vor zweien nicht zu fürchten.
Das Schneiderlein zog aus und die Hundert Reiter folgten ihm.
Als er zum Rand des Waldes kam, sprach er zu seinen Begleitern.
Bleibt nur hier stehen, ich werde schon allein mit den Riesen fertig werden.
Dann sprang er in den Wald hinein und schaute sich nach rechts und links um.
Nach einem Weilchen erblickte er beide Riesen.
Sie lagen unter einem Baum und schliefen und schnarchten dabei, dass sich die Äste auf- und niederbogen.
Das Schneiderlein, nicht faul, füllte beide Taschen mit Steinen und stieg damit auf den Baum.
Als es in der Mitte war, rutschte es auf einen Ast, bis es gerade über den Schläfern zu sitzen kam
und ließ dem einen Riesen einen Stein nach dem anderen auf die Brust fallen.
Der Riese spürte lange nichts, doch endlich wachte er auf, stieß seinen Gesellen an und sprach.
Erschlägst du mich?
Du träumst, sagte der andere, ich schlage dich nicht.
Sie legten sich wieder schlafen, da warf der Schneider auf den zweiten einen Stein hinab.
Sei das, rief der andere, warum bewirfst du mich?
Ich bewerfe dich nicht, antwortete der erste und brummte.
Sie zankten sich eine Weile herum, doch weil sie müde waren, ließen sie es gut sein
und die Augen fielen ihnen wieder zu.
Das Schneiderlein fing sein Spiel von neuem an, suchte den dicksten Stein aus
und warf ihn dem ersten Riese mit aller Gewalt auf die Brust.
Das ist so arg, schrie er, sprang wie ein Unsinniger auf und stieß seinen Gesellen gegen den Baum.
Das dieser zitterte.
Der andere zahlte mit gleicher Münze und sie gerieten in solche Wut,
dass sie Bäume ausrissen, aufeinander losschlugen,
so lange bis sie endlich beide zugleich tot auf die Erde fielen.
Nun sprang das Schneiderlein hinab.
Ein Glück nur, sprach es, dass sie den Baum, auf dem ich saß, nicht ausgerissen haben,
sonst hätte ich, wie ein Eichhörnchen, auf einen anderen springen müssen.
Doch unser einer ist flink.
Es zog sein Schwert und versetzte jedem ein paar tüchtige Hieber in die Brust.
Dann ging es hinaus zu den Reitern und sprach,
die Arbeit ist getan, ich habe beiden den Garaus gemacht.
Aber hart ist es gewesen.
Sie haben in der Not Bäume ausgerissen und sich gewehrt.
Doch das hilft alles nichts, wenn einer kommt wie ich, der sieben auf einen Streich schlägt.
Seid ihr denn nicht verwundert, fragten die Reiter.
Es ist gut gegangen, antwortete der Schneider.
Kein Haar haben sie mir gekrümmt.
Die Reiter wollten ihm nicht glauben und ritten in den Wald.
Da fanden sie die Riesen in ihrem Blut schwimmend und ringsherum lagen die ausgerissenen Bäume.
Das Schneiderlein verlangte von dem König die versprochene Belohnung,
den aber räute sein Versprechen und er überlegte aufs Neue,
wie er sich den Helden vom Hals schaffen konnte.
Ehe du meine Tochter und das halbe Reich erhältst, sprach er zu ihm,
musst du noch eine Heldentat vollbringen.
In dem Wald lebt ein Einhorn, das grossen Schaden anrichtet.
Das musst du erst einfangen.
Vor einem Einhorn fürchte ich mich noch weniger als vor zwei Riesen.
Sieben auf einen Streich, das ist meine Sache.
Er nahm sich eine Strick und eine Axt mit, ging hinaus in den Wald
und ließ dort abermals die, welche ihn begleitet hatten, draussen warten.
Er brauchte nicht lange zu suchen.
Das Einhorn kam bald daher und sprang geradezu auf den Schneider los,
als wollte es ihn ohne Umstände aufspiessen.
Sachte, sachte, sprach er, so geschwind geht das nicht,
blieb stehen und wartete, bis das Tier ganz nahe war.
Dann sprang er behinder hinter den Baum.
Das Einhorn rannte mit aller Kraft gegen den Baum
und spießte sein Horn so fest in den Stamm,
dass es nicht Kraft genug hatte, es wieder herauszuziehen.
Und so war es gefangen.
Jetzt habe ich das Vögelein, sagte der Schneider,
kam hinter dem Baum hervor, legte dem Einhorn den Strick erst um den Hals.
Dann hieb er mit der Axt das Horn aus dem Baum
und als alles getan war, führte er das Tier ab und brachte es dem König.
Der König wollte ihm den versprochenen Lohn noch nicht gewähren
und stellte eine dritte Forderung.
Der Schneider sollte ihm vor der Hochzeit erst ein Wildschwein fangen,
das in dem Wald großen Schaden anrichtete.
Die Jäger sollten ihm Beistand leisten.
Gerne, sprach der Schneider, das ist ein Kinderspiel.
Die Jäger nahmen nicht mit in den Wald und denen war es recht,
denn das Wildschwein hatte sie schon mehrmals so empfangen,
dass sie keine Lust hatten, ihm nachzustellen.
Als das Schwein den Schneider erblickte,
lief es mit schäumendem Mund und wetzenden Zähnen auf ihn zu
und wollte ihn zur Erde werfen.
Der flüchtige Held aber sprang in eine Kapelle,
die in der Nähe war und gleich oben zum Fenster in einem Satz wieder hinaus.
Das Schwein war hinter ihm hergelaufen,
er aber hüpfte außen herum und schlug die Tür hinter ihm zu.
Er hat das hütende Tier gefangen,
das viel zu schwer und ungeschickt war, um zum Fenster hinaus zu springen.
Das Schneiderlein rief die Jäger herbei.
Die mussten den Gefangenen mit eigenen Augen sehen.
Der Held aber begab sich zum König,
der nun, er mochte wollen oder nicht,
sein Versprechen halten musste
und ihm seine Tochter und das halbe Königreich übergab.
Hätte er gewusst, dass kein Kriegsheld,
sondern ein Schneiderlein vor ihm stand,
es wäre ihm noch mehr zu Herzen gegangen.
Die Hochzeit wurde also mit großer Pracht und kleiner Freude gehalten
und aus einem Schneider ein König gemacht.
Nach einiger Zeit hörte die junge Königin in der Nacht,
wie ihr Gemahl im Traum sprach.
Junge, mach mir das Wams und fleck mir die Hosen
oder ich will dir die Elle über die Ohren schlagen.
Merkte sie, in welcher Gasse der junge Herr geboren war,
klagte am nächsten Morgen ihrem Vater ihr Leid und bat,
er möge ihr helfen, den Mann loszuwerden,
der nichts anderes als ein Schneider wäre.
Der König sprach ihr Trost zu und sagte,
lass in der nächsten Nacht deine Schlafkammer offen.
Meine Diener sollen draussen stehen und,
wenn er eingeschlafen ist, hineingehen,
ihn festbinden und auf ein Schiff tragen,
das ihn in die weite Welt führt.
Die Frau war damit zufrieden.
Des Königs Waffenträger aber, der alles mit angehört hatte,
war dem jungen Herrn gewogen und berichtete ihm
und dem ganzen Anschlag.
Dem will ich einen Riegel vorschieben,
sagte das Schneiderlein.
Abends legte er sich zu gewöhnlicher Zeit
mit seiner Frau zu Bett.
Als sie glaubte, er sei eingeschlafen,
stand sie auf, öffnete die Türe und legte sich wieder hin.
Das Schneiderlein, das nur so tat, also bis schliefe,
fing an mit heller Stimme zu rufen,
Junge, mach mir das Wams und flick mir die Hosen
oder ich will dir die Elle über die Ohren schlagen.
Ich habe sieben mit einem Streich getroffen,
zwei Riesen getötet, ein Einhorn fortgeführt
und ein Wildschwein gefangen und sollte mich
vor denen fürchten, die draußen vor der Kammer stehen.
Als diese den Schneider so sprechen hörten,
überkam sie eine große Furcht.
Sie liefen, als wenn das wilde Heer hinter ihnen wäre
und keiner wollte sich mehr an ihn wagen.
Also war und blieb das Schneiderlein
sein Leben lang ein König.
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2021