Bundestagsabgeordnete äußern Kritik am Verfahren der Wahl und dem Vorschlagsrecht an den Bundesverfassungsrichterkandidaten im Bundestag, doch diese gehen in unterschiedliche Richtungen. Kürzlich äußerte auch ein ehemaliger Verfassungsrichter Kritik daran. Wir fragten vor der Wahl im Bundestag bei verschiedenen Fraktionen nach.
Die Regierungsparteien benötigen für ihre aufgestellten Richterkandidaten für das Bundesverfassungsgericht noch sieben Stimmen von AfD oder Linke, um die notwendige Zweidrittelmehrheit zu erreichen, die Grünen haben den Kandidaten bereits zugestimmt.
Für die Sprecherin für Recht und Verbraucherschutz der SPD-Fraktion im Bundestag, Carmen Wegge sei es immer gut, „sich mit Verfahren und Prozessen auseinanderzusetzen und ob sie noch zeitgemäß sind“. Das Verfahren für Bundesverfassungsrichter sei aber „ein sehr ausgeklügeltes Verfahren“, die Kritik daran würde sie nicht teilen.
Das sieht der erste Parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Bernd Baumann, anders: „Mittlerweile haben wir ein Viertel der Wähler, und müssten auch einen Einfluss auf die Verfassungsrichter haben.“ Ein Vorschlagsrecht besitzt die AfD aber bisher nicht.
Der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Linken-Fraktion, Dietmar Bartsch, sei „sehr offen über Verfahren zu reden“. Die Linke darf sich derzeit auch nicht mit Vorschlägen beteiligen.
Auch der fraktionslose Bundestagsabgeordnete Stefan Seidler findet „das, was dort gelaufen ist, der Prozess, wie er gehandhabt wurde“, sehr unschön. „Dennoch finde ich nicht, dass wir an diesem System und an diesem Verfahren rütteln sollen. Ich finde es gerade wichtig, dass wir es im Parlament unter Demokraten ausmachen“.
Bis auf die AfD waren alle Abgeordneten guter Zuversicht, dass die Kandidaten die diesmalige Wahl passieren werden.
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Zweiter Anlauf zur Richterwahl fürs
Bundesverfassungsgericht
im Bundestag. Wovon gehen Sie aus?
Na, dass die Wahl durchgeht.
Das ist eine absolute Kungelei, was hier
passiert. Ich wünsche mir, dass dieser
Vorgang einmalig bleibt. Ich hoffe, dass
Herr Sparn und Herr Mirsch für geordnete
und sittliche Verhältnisse gesorgt
haben. Wir fragten die Fraktion, wie Sie
zum Richterwahlverfahren fürs
Bundesverfassungsgericht
stehen.
Ich würde sagen, dass es immer gut ist,
sich mit Verfahren und Prozessen
auseinanderzusetzen und ob sie noch
zeitgemäß sind. Tatsächlich würde ich
jetzt aber beim Bundesverfassungsgericht
sagen, dass wir da ein sehr
ausgeklügeltes Verfahren haben und würde
die Kritik an der Stelle dann nicht
teilen. Aus den 70er 80er Jahren heraus
aus der Kungelei damals waren SPD und
CDU etwa gleich stark, haben die sich
verabredet. Hälfte CDU, Hälfte SPD. So
können beide jetzt jeweils sechs
stellen, das sind zusammen 12 und dann
noch zwei von der FDP und zwei von den
Grünen. Und so haben sie das gemacht.
diese Kungelei, egal was der Wähler
willt, die Verfassungsrichter sind so
bestimmt worden. Mittlerweile haben wir
aber ein Viertel der Wähler, müssten wir
auch ein Einfluss auf die
Verfassungsrichter haben.
Also, ich finde, dass die Kritik an dem
Verfahren sehr berechtigt ist. Wenn wir
sehen, dass dieser Vorgang wiederholt
werden muss, dann ist das skandalös. Die
Verantwortung dafür liegt bei der Union,
aber insgesamt bei beiden
regierungstragenden Fraktionen. Ich
finde, das Verfassungsgericht darf nicht
beschädigt werden und deshalb bin ich
auch sehr offen über Verfahren zu reden.
Das Forschasgericht ist lange, lange
verbrieft. Wir haben im letzten Herbst
Veränderungen bei der Wahl der
Verfassungsrichterinnen und
Verfassungsrichter vorgenommen. Ich
finde, dass die Verantwortung klar bei
denen liegt, die regieren und die müssen
entsprechend die Voraussetzung schaffen,
dass sie ein Vorgang, wie er zuletzt
stattgefunden hat, nicht wiederholt.
Das, was dort gelaufen ist, der Prozess,
wie er gehandhabt wurde, war unschön.
Der hat die Kandidatinnen und die
Kandidaten beschädigt. der hat das
gesamte Verfahren beschädigt und da hat
sich niemand mit Ruhm bekleckert, weder
die SPD noch die CDU, auch nicht die
Oppositionsparteien.
Dennoch finde ich nicht, dass wir an
diesem System und an diesem Verfahren
rütteln sollen. Ich finde es gerade
wichtig, dass wir im Parlament unter
Demokraten ausmachen, welche
Kandidatinnen und Kandidaten schicken
wir für dieses wichtige Amt ins Rennen?
Es gibt ja tatsächlich schon
Mechanismus, also der Kandidat, der Herr
Spinner, der ja jetzt auf Vorschlag der
Union äh auf dem Wahlticket steht, der
ist ja tatsächlich selber vom
Bundesverfassungsgericht vorgeschlagen
worden und das finde ich tatsächlich
einen sehr schönen Mechanismus, wenn wir
quasi im Parlament es nicht schaffen,
rechtzeitig uns auf jemanden zu einigen,
dann kann das Bundesverfassungsgericht
selber Vorschläge machen. Das heißt,
Vorschläge aus der Richterschaft selbst.
Und das finde ich tatsächlich ein Weg,
den ich sehr sehr gut finde und da merkt
man ja, da haben wir Mechanismen.
Ansonsten arbeiten wir natürlich daran,
dass eine rechtsextreme Partei wie die
AfD wieder kleiner wird und das
Geschehen in Deutschland jetzt nicht so
bestimmen wird, dass es irgendwann eine
Sperrminorität gibt.
Helmut Kohl und Franz Josef Strauß und
Willi Brand und Helmut Schmidt auf der
anderen Seite, die waren auch politische
Gegner, aber sie waren Demokraten und
Republikaner und haben wirklich sich
abgesprochen, wer ins Verfassungsgericht
soll. Das waren relativ neutrale
objektive Richter. Da gab's überhaupt
keine Frage. Das waren Politiker von
Format. Das war noch Demokraten. Heute
sind das großenteils Ideologen, die sich
nicht vom Wählerwillen beeinflussen
lassen wollen, die diese linksgrüne
Politik durchziehen wollen, kostes was
es wolle, inklusive der CDU mittlerweile
und die jetzt auch das
Verfassungsgericht, den Versuch machen,
das Verfassungsgericht ideologisch zu
unterwandern, denn man kann bei jeder
Personalie was dafür was dagegen sagen,
aber diese Personalien jetzt Brosius,
Gersdorf und jetzt Frau Kaufold sind
außerhalb jeder Diskussion, wenn es auch
nur noch um Reste von Objektivität und
neu Neutralität geht.
Ich will große Hochachtung noch mal Frau
Brosius Gerstoff sagen, die sich nach
ihrem Verzicht sehr sehr fair verhalten
hat, anders als die regierungstragenden
Fraktionen.
Herr Batsch, der Fraktionszwang wurde
aufgehoben. Jeder kann nach seinem
Gewissen wählen. Wovon gehen Sie aus
heute bei den Linken?
Also, wir haben da eine klare
Entscheidung in der Fraktion getroffen,
die heißt, dass wir die SPD
Kandidatinnen bzw. Weise die von der SPD
vorgeschlagenen Kandidaten, die dann
kein Parteibuch beim Verfassungsgericht
mehr haben werden, wählen werden und wir
werden, was den Herrn Spinner von der
Union oder vorgeschlagen vom
Verfassungsgericht betrifft, die
Abstimmung freigeben. Das heißt, in
jedem Fall wird es eine demokratische
Mehrheit auch für Herrn Spinner geben.
Ich wünsche mir, dass dieser Vorgang
einmalig bleibt und das ist zukünftig
zukünftig bei der Wahl der
Verfassungsrichterinnen und
Verfassungsrichter in Ruhe und in
Gradlinigkeit erfolgt. Ich hoffe, dass
Herr Sparn und Herr Mirsch für geordnete
und sittliche Verhältnisse gesorgt haben
und dass die Abstimmung ganz
reibungsfrei dann hier durch den
Bundestag auch gehen wird. Wovon gehen
Sie aus?
Na, dass die Wahl durchgeht.
Nach 18 Uhr steht das Ergebnis fest.