Was steckt hinter den Massenprotesten im Iran? Wie schwach ist das herrschende Regime? Welche Rolle könnte der Kronprinz Reza Pahlavi für einen Iran nach der Islamischen Republik spielen? Die Herausgeberin der persischen Epoch Times gibt einen Überblick.
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Willkommen zum Epoch Times Podcast mit dem Thema Proteste und ein im Exil lebender Kronprinz.
Die Hintergründe. Was steckt hinter den Unruhen im Iran?
Ein Artikel von Shahjad Ghanei vom 8. Januar 2026. Am Mikrofon Alexander Sieber.
Was steckt hinter den Massenprotesten im Iran? Wie schwach ist das herrschende Regime?
Welche Rolle könnte der Kronprinz Reza Pahlavi für einen Iran nach der Islamischen Republik spielen?
Die Herausgeberin der persischen Epoch Times gibt einen Überblick.
Was ursprünglich als Reaktion auf die wirtschaftliche Notlage inmitten von Sanktionen und dem Absturz der iranischen Währung Riyadh begann,
hat sich zu Massenprotesten gegen das herrschende Regime entwickelt.
Einschließlich Forderungen nach dem Sturz der Regierung der Islamischen Republik.
Innerhalb von etwa einer Woche entwickelten sich die Proteste zu einer der längsten und hartnäckigsten Unruhen,
die der Iran in den vergangenen Jahren erlebt hat. Das sagen Menschenrechtsbeobachter.
Seit Beginn der Demonstrationen wurden über 1000 Menschen festgenommen und mindestens 27 Sicherheitskräfte getötet,
berichtet die Organisation Iran Human Rights am Dienstag, 6. Januar. Unter den weiteren Getöteten seien fünf Kinder.
Die Organisation sagt zudem, dass sich die Proteste auf 26 der 31 Provinzen ausgeweitet haben.
Was steckt hinter den Demonstrationen?
1. Absturz der Währung. Der unmittelbare Auslöser für die Unruhen war ein starker Wertverlust der iranischen Währung am Devisenmarkt.
Ende Dezember 2025 stieg der US-Dollar auf dem freien Markt von unter einer Million Rial auf etwa 1,45 Millionen Rial,
was die Inflation anheizte, die Märkte verunsicherte und den Druck auf die Lebenshaltungskosten für die Iraner weiter verschärfte.
Steigende Mieten, Mangel an Grundnahrungsmitteln und schwankende Löhne haben die Frustration angesichts der täglichen Schwierigkeiten
unter der autoritären Herrschaft des islamischen Regimes noch verstärkt.
Händler im historischen Bazar von Teheran, der oft als Indikator für wirtschaftliches Vertrauen gilt, sagten,
sie hätten Schwierigkeiten gehabt, von einem Morgen auf den nächsten Preise festzulegen,
da die starken Währungsschwankungen die Verkäufe riskant machten.
In mehreren Städten schlossen Geschäfte und Streiks breiteten sich parallel zu den Straßenprotesten aus,
sie zogen Studenten, Arbeiter und Kleinunternehmer an.
Sicherheitskräfte reagierten mit Maßnahmen zur Niederschlagung der Unruhen und Proteste,
darunter der Einsatz von Tränengas und in einigen Fällen auch direkte Schüsse auf Demonstranten,
wie Augenzeugenberichte und online geteilte Videos zeigen.
Mit dem Anwachsen der Proteste wandelten sich die wirtschaftlichen Beschwerden allmählich zu politischen Parolen.
Zweitens. Die Reaktion des Regimes.
Obwohl sich die Stimmung auf den Strassen verändert hat, stellt das Regime die Situation bisher als rein wirtschaftliches Problem dar.
Die Behörden tauschten einige führende Funktionäre aus und versprachen politische Massnahmen.
Im Rahmen dieser Schritte ernannte Präsident Massoud Pesashchian Ende Dezember einen neuen Leiter der Zentralbank,
Abdul Nasser Hehmati.
Hehmati wird mit früheren Reformbemühungen verbunden, war jedoch zuvor aus seinem Amt entfernt worden,
nachdem Abgeordnete ihm vorgeworfen hatten, Probleme mit dem Wechselkurs verursacht zu haben.
Seine Rückkehr löst jetzt neue politische Spannungen und Kritik von Hardlinern im Parlament aus.
Mehrere Analysten sagen, dass bloße personelle Veränderungen an der Spitze die Krise nicht lösen können.
Der im Exil lebende Oppositionspolitiker und Kommentator Saeed Pashirtash sagte,
die Erwartungen durch den Austausch wirtschaftlicher Amtsträger seien fehl am Platz.
Zitat. Die Vorstellung, dass ein Wechsel an der Spitze der Zentralbank Irans wirtschaftliche Probleme lösen kann, ist eine Illusion,
sagte Pashirtash in einem Interview mit der persischen Epoch Times.
Die Krise reiche tiefer als jede einzelne politische Maßnahme.
Die Islamische Republik steht grundsätzlich im Widerspruch zur modernen Welt, fügte er hinzu.
Ihr Bankrott ist in ihrer Ideologie und ihrem verfassungsrechtlichen Rahmen verwurzelt.
Nach Pashirtashs Einschätzung hat sich die öffentliche Meinung im Iran dahingehend gewandelt,
dass viele glauben, Reformen innerhalb des bestehenden Systems seien nicht mehr möglich.
Zitat. Selbst wenn Präsident Pesetschian echte Reformen anstreben wollte, würde das System sie nicht zulassen.
Pashirtash zufolge würde die Bewältigung der wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen des Iran eine umfassende Transformation erfordern,
darunter eine Wiederannäherung an die internationale Gemeinschaft, die Bekämpfung systemischer Korruption,
die Schaffung einer unabhängigen Justiz, die Trennung von Religion und Staat sowie die Gewährleistung der Rechte der Bürger.
Drittens. Schläge auf das Atombrogramm und Schwächung der Stellvertreter.
Einige Analysten bringen die wirtschaftliche Krise mit den jüngsten regionalen und internationalen Entwicklungen in Verbindung.
Der politische Kommentator Aria Kangalo sagte, Irans zwölftägiger Konflikt mit Israel im Juni 2025 habe einen Wendepunkt für den Machtanspruch der Islamischen Republik markiert.
Der Konflikt habe einen Zusammenbruch der wichtigsten strategischen Instrumente des Regimes offengelegt.
Zitat. Jahrelang stützte sich die Islamische Republik auf zwei Hauptsäulen, ihr Atombrogramm und ihr Netzwerk von Stellvertreterkräften, sagte er der Epoch Times.
Diese Stellvertreter, also Hezbollah im Libanon, Hamas in Gaza, das Assad-Regime in Syrien, Houthi-Terroristen im Jemen und die irakischen Milizen,
seien unterstützt worden, um durch koordinierte Angriffe Israel unter Druck zu setzen.
Durch ihre Schwächung haben Israel eines der wichtigsten strategischen Instrumente des Islamischen Regimes beseitigt.
Kangalo fügte hinzu, dass die israelischen Angriffe zusammen mit den US-Angriffen auf drei iranische Nuklearstandorte eine tiefgreifende Veränderung dargestellt haben.
Diese Maßnahmen hätten das Image des Regimes als regionale Macht zerstört und es in eine schwache strategische Position gebracht.
Auch die jüngsten Schritte europäischer Länder zur Aktivierung des sogenannten Snapback-Mechanismus,
der internationale Beschränkungen der wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran wieder in Kraft setzte, hätten Auswirkungen.
Alle diese Belastungen zusammen hätten eine direkte Rolle beim starken Wertverfall der iranischen Währung gespielt, so Kangalo.
Zitat, wenn der Rial an nur einem Tag fast acht Prozent seines Wertes verliert, bricht der regionale Geschäftsverkehr zusammen, sagte Kangalo.
Und weiter, der Bazar ist das größte Handelszentrum im Iran. Wenn Händler nicht mehr in der Lage sind, Geschäfte zu machen, erreichen sie ihre Belastungsgrenze. Zitat Ende.
Während die Proteste seit Ende Dezember andauern, gehen die Parolen jetzt deutlich über die wirtschaftlichen Forderungen hinaus.
Im Internet geteilte Videos zeigen Demonstranten die Slogans wie Tod dem Diktator und Sayyed Ali wird dieses Jahr gestürzt rufen
und damit die Grundlagen des islamischen Regimes direkt in Frage stellen.
Sayyed Ali bezieht sich auf Irans obersten Führer Sayyed Ali Khamenei.
Die in den USA ansässige Human Rights Activist News Agency veröffentlichte ihrerseits Aufnahmen,
auf denen Dutzende von Demonstranten die Worte Freiheit und Schamlos skandierten.
Gleichzeitig wenden sich viele Demonstranten der vorrevolutionären Vergangenheit des Iran zu.
In Städten im ganzen Land skandieren Menschenmengen Sätze wie Dies ist die letzte Schlacht, Pahlavi wird zurückkehren und Reza Shah möge Gott deine Seele segnen.
Die Rückkehr dieser Parolen lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf den iranischen Kronprinzen Reza Pahlavi,
der den größten Teil seines Lebens im Exil verbrachte, für viele im Land jedoch weiterhin eine starke symbolische Bedeutung hat.
Pahlavi wurde am 31. Oktober 1960 in Teheran geboren.
Er ist der älteste Sohn von Mohammad Reza Pahlavi, dem letzten Shah des Iran,
und der Enkel von Reza Shah Pahlavi, dem Gründer der Pahlavi-Dynastie.
Bei der Krönung seines Vaters im Jahr 1967 wurde er zum Kronprinzen ernannt
und verbrachte seine frühere Kindheit am königlichen Hof.
1978 verließ er angesichts zunehmender Unruhen den Iran,
um in den Vereinigten Staaten eine Ausbildung zum Kampfpiloten zu absolvieren.
Wenige Monate später brach die Revolution von 1979 aus, stürzte die Monarchie und zwang die königliche Familie ins Exil.
Pahlavi schloss später seine Ausbildung bei der US-Luftwaffe ab,
erwarb einen Abschluss in Politikwissenschaft und ließ sich schließlich in der Nähe von Washington nieder,
wo er mit seiner Frau und seinen drei Töchtern lebt.
Im Laufe der Jahrzehnte versuchte Pahlavi, sich neu zu positionieren,
nicht als Thronanwärter, sondern als Befürworter von Demokratie und säkulärer Regierungsführung.
Er forderte wiederholt ein nationales Referendum, das Iranern ermöglichen soll,
frei über das künftige politische System ihres Landes zu entscheiden.
Pahlavi erklärte, dass seine Rolle darin bestehen würde, dem Iran dabei zu helfen,
die Islamische Republik hinter sich zu lassen und zu einem echten demokratischen System überzugehen.
In den vergangenen Jahren wurde das Iran Prosperity Project,
Iran-Wohlstandsprojekt, zu einem zentralen Element von Pahlavis politischem Programm.
Die Initiative, entwickelt in Zusammenarbeit mit der National Union for Democracy in Iran,
einer US-Organisation von Exil-Iranern,
sowie einem Netzwerk von Wirtschafts- und Rechtsberatern,
dient als Übergangsfahrplan für den Iran nach der Islamischen Republik.
Anstatt ein dauerhaftes politisches System festzulegen,
konzentriert sich das Projekt auf wirtschaftliche Stabilisierung.
Es legt den Schwerpunkt auf marktwirtschaftliche Reformen,
Transparenz der Regierung, Schutz des Privateigentums,
Bekämpfung der Korruption und Wiedereingliederung in die Weltwirtschaft.
Pahlavi erklärte, der Plan soll einen wirtschaftlichen Zusammenbruch
während eines politischen Übergangs verhindern und sowohl den Iranern
als auch der internationalen Gemeinschaft das Vertrauen geben,
dass der politische Wandel nicht zu langfristiger Instabilität führen würde.
Fünftens, das Vermächtnis der Pahlavis, linke Gruppen und Khomeini.
Reza Shah Pahlavi, der Großvater von Reza Pahlavi,
stieg in den 1920er Jahren in den militärischen Rängen auf
und wurde nach der Absetzung des letzten Qajaren-Monarchen zum Shah gewählt.
Während seiner Herrschaft leitete er umfangreiche Modernisierungsprogramme ein,
darunter den Aufbau der Infrastruktur, Reformen im Bildungswesen
und die Verringerung ausländischer Einflüsse.
Sein Sohn Mohammad Reza Pahlavi regierte mit Unterbrechung den Iran von 1941 bis 1979.
Während dieser Zeit erlebte das Land ein rasantes Wirtschaftswachstum und industrielle Entwicklung,
einen breiteren Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie soziale Veränderungen,
darunter das Wahlrecht und die stärkere Teilhabe von Frauen am öffentlichen Leben.
Gleichzeitig wurde seine Regierung von innenpolitischen Gegnern und ausländischen Beobachtern
häufig dafür kritisiert, politische Parteien einzuschränken und abweichende Meinungen zu unterdrücken.
Menschenrechtsgruppen warfen den Sicherheitsdiensten willkürliche Verhaftungen,
Zensur der Medien und Folter politischer Gefangener vor.
Diese Vorwürfe wurden später zu einem wichtigen Bestandteil des revolutionären Narrativs,
welches die Legitimität der Monarchie infrage stellte.
In der Außenpolitik wurde der Iran unter Mohammad Reza Pahlavi zu einem engen Verbündeten der USA
und zu einem wichtigen Bestandteil westlicher Sicherheitsstrategien im Nahen Osten.
Mit US-Unterstützung nutzte der Shah die wirtschaftliche und militärische Macht des Iran,
um den Persischen Golf, die Ölanlagen und die Schifffahrtswege zu schützen
und während des Kalten Krieges die Ausbreitung des Kommunismus einzudämmen.
Obwohl er stark mit dem Westen verbündet war,
versuchte der Shah zugleich ein regionales Gleichgewicht in der Region zu wahren.
In den 1960er Jahren näherte er sich der Sowjetunion an und baute die wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit aus,
während er gleichzeitig enge Beziehungen zu den konservativen arabischen Ländern aufrechterhielt.
Gleichzeitig wurde der Iran zum wichtigsten strategischen Partner Israels in der Region.
In der Iran wurde oft als Gendarm des Persischen Golfs bezeichnet,
mit der Aufgabe kommunistischen Einfluss zu stoppen
und die Stabilität nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Teilen Afrikas zu sichern.
Im Inneren des Landes gewannen jedoch marxistische Ideen an Popularität.
Linke Gruppen, insbesondere die TuDej-Partei und radikale Studentenbewegungen,
breiteten sich an Universitäten in kulturellen Kreisen und unterintellektuellen aus.
Sie betrieben ideologische Propaganda, rekrutierten Studenten und griffen in einigen Fällen zu Gewalt.
Einige dieser Gruppen verübten Banküberfälle, Bombenanschläge und Streiks
gegen staatliche und private Ziele in ihrem Kampf gegen die Monarchie.
Ende der 1960er und in den 1970er Jahren begannen sich marxistische Ideen
zunehmend mit dem radikalen politischen Islam zu vermischen.
Konzepte wie Anti-Imperialismus, soziale Gerechtigkeit und Ablehnung des Kapitalismus
wurden in einer religiösen Sprache formuliert, die viele Menschen verstehen und unterstützen konnten.
Ruhollah Khomeini, der Gründer der Islamischen Republik, lehnte den Marxismus zwar offen ab,
griff jedoch dessen Themen auf und formulierte sie innerhalb eines schiitisch-islamischen Rahmens,
der verschiedene Oppositionsgruppen vereinen konnte.
Diese Mischung von Ideen führte 1979 zur Iranischen Revolution.
Kurz nach der Revolution besetzten linke Studentengruppen die US-Botschaft in Teheran,
nahmen 52 amerikanische Diplomaten als Geiseln und forderten die Auslieferung des Shahs aus den USA,
wo er sich in medizinischer Behandlung befand.
Die Gruppen waren zunächst im Widerstand gegen den Shah vereint,
spalteten sich jedoch, als die neue Islamische Regierung begann, ihre früheren Linkenverbündeten zu unterdrücken.
Eine entscheidende Phase.
Bei den jüngsten Protesten skandieren immer mehr Menschen den Namen Reza Pahlavi.
Viele Demonstranten innerhalb und außerhalb des Iran sehen in ihm inzwischen eine einigende Figur
und ein Symbol für eine neue politische Ära.
US-Präsident Donald Trump warnte kürzlich in sozialen Medien,
dass jeder Einsatz scharfer Munition gegen Demonstranten Unterstützung der USA für das iranische Volk auslösen würde.
Der Iran werde, Zitat,
sehr hart getroffen werden, wenn weitere Demonstranten getötet würden, US-Präsident Trump am Sonntag.
Insgesamt haben das Wiederaufleben monarchistischer Symbole auf den Straßen,
die Ausarbeitung eines Übergangsplans für die Zeit nach dem Regime,
sowie zunehmend deutliche Warnungen aus dem Ausland den Eindruck verstärkt,
dass der Iran eine entscheidende Phase erreicht haben könnte.
Eine Phase, die das Ende der Islamischen Republik Iran einlässt.