Artikel zur Nachricht: http://bit.ly/Pädagogen-Protest Menschenwürde, Freiheit, Demokratie und vor allem Bildung. In einer einzigartigen Aktion erhoben Pädagogen aus Nordrhein-Westfalen ihre Stimme vor dem Landtag Düsseldorf am 5. Juni – mit einem stillen Protest. „Je länger ich dort stand und geschwiegen habe, desto stärker schienen die Botschaften gewesen zu sein“, erzählt Sascha, Gymnasiallehrer aus Nordrhein-Westfalen und Choreograf der Aktion. ------------------ #paedagogenzeigengesicht ------------------ 🚨🚨🚨 Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus: 👉 Per Paypal und über Kredit: http://bit.ly/SpendenEpochTimesDeutsch 👉 Per Banküberweisung Epoch Times Europe GmbH IBAN: DE 2110 0700 2405 2550 5400 BIC/SWIFT: DEUTDEDBBER Verwendungszweck: Spenden Vielen Dank! ------------------ Wir freuen uns über rege Diskussionen, bitte achten Sie dabei auf eine angemessene Umgangsform! Beleidigungen sind nicht erwünscht. Danke.
Es war eine eher ungewöhnliche Aktion.
Eine Choreografie mit Botschaften auf Schildern,
die für sich selber sprechen.
So wollte eine Gruppe von Pädagogen ihren stillen Protest
vor dem nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf zum Ausdruck bringen.
Am Samstag, den 5.6., versammelten sich dafür
mehr als 100 Pädagogen auf der Wiese vor dem Landtag.
Das heißt, es sind Erzieher, es sind Lehrer,
es sind Sozialpädagogen, Schulbegleiter.
Also alles Menschen, die für Menschen und mit Menschen arbeiten,
um hier in den nächsten 1-2 Stunden einen schweigenden Protest zu formulieren.
Das sieht man an den Botschaften,
die auf diesen großen Schildern abgedruckt sind.
Für diese Werte, für diese Botschaften stehen wir als Pädagogen.
Und wir versuchen uns gerade hier zu organisieren
und das Ganze ans Laufen zu bringen.
Zusammengebracht hat die Pädagogen laut Mitinitiator
und Gymnasiallehrer Sascha vor allem der Konsens,
dass man unter den gegebenen Umständen in ihrem Arbeitsumfeld
mit den anvertrauten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
in Bezug auf das Kindeswohl und der Fürsorgepflicht
nicht mehr immer gerecht werden könne.
Wir sind der Meinung, dass wir Position beziehen müssen,
um wieder Werte in den Blick zu nehmen,
für die wir als Pädagogen einfach auch einstehen.
So etwas wie Verhältnismäßigkeit, so etwas wie Kindeswohl,
so etwas wie eine freie Entscheidung, eine Diskursfähigkeit auch,
also in der Lage zu sein, auch gegensätzliche Meinungen,
nicht nur unterschiedliche, sondern gegensätzliche Meinungen
auch stehen lassen zu können,
ohne sofort in eine Ecke gestellt zu werden
oder einen Stempel aufgedruckt zu bekommen.
Und das wollen wir heute einfach nochmal schweigend, ohne viel Lärm,
aber umso eindringlicher hier zum Ausdruck bringen,
dass uns diese Werte wichtig sind.
Groß angekündigt war die Aktion nicht,
denn für viele der Kollegen sind die Fotos und Videos,
auf denen ihr Gesicht zu sehen ist, ein ganz, ganz großer Schritt,
erklärte der Choreograf der Schilderaktion.
Über eine Telegram-Gruppe namens Lehrer für Aufklärung
hatte man sich organisiert und zusammen überlegt,
wie man sich Gehör verschaffen könne.
Auf den Stufen vor dem Landtag rief Sascha mit einem Megafon
Zahlen und Schlagwörter aus, worauf sich Pädagogen
mit großen Schildern in Bewegung setzten
und sich auf der großen Wiese platzieren.
Unter den Teilnehmern war auch der Rechtsexperte Martin Schwab.
Ich bin Pädagoge und stehe für Vertrauen,
lautete die Botschaft auf dem Schild des Juristen.
Er sieht die Pädagogen in der Zwickmühle,
denn in Bezug auf Corona stünden sie einerseits
zwischen den Eltern mit ganz unterschiedlicher Weltanschauung
und auf der anderen Seite den Schulämtern und Bezirksregierungen
samt der Kultusbürokratie, wie er sagt.
Ich merke, dass die Lehrkräfte, die mich anschreiben,
und das sind sehr viele gewesen in den letzten Monaten,
sehr viel Empathie gegenüber ihren Kindern zeigen,
die den Blick für das Leiden der Kinder noch nicht verloren haben.
Der Universitätsprofessor zeigt es sich besorgt darüber,
wie wohl die nächste Generation von Studenten
sich an der Uni schlagen würde,
auch in Bezug auf die immer stärker werdende Polarisierung.
Respektvoll zu streiten, das ist ja in Zeiten der Cancel Culture
völlig verloren gegangen und wir haben an der Universität
die Aufgabe, diese Zugenden wiederzubeleben,
genauso wie es die Pädagogen an den allgemeinbildenden Schulen haben.
Und nie war es so schwer, diese Kultur aufrechtzuerhalten wie heute.
Auch der Pädagoge und Philosoph Matthias Bröschart
war bei der Protestaktion dabei und zeigte sich von der Aktion bewegt.
Ich muss sagen, ich bin noch ganz ergriffen von der Aktion,
weil diese Kraft des Schweigens und die Wirkung der Begriffe,
die ja tatsächlich nicht beiläufig oder zufällig waren,
sondern die eigentlich das Herz des Pädagogischen formuliert haben,
immer noch so auf mich wirken.
Laut Bröschart werden der nächsten Generation
nicht nur die Probleme eines maroden Bildungswesens,
sondern auch ein riesiger Scherbenhaufen
gesellschaftlicher Art hinterlassen, den sie dann zu stemmen hätte.
Die Gesellschaft ist gespalten, die Wirtschaft ist ruiniert,
die Instanzen des Gemeinwesens sind erodiert
und dazu muss diese nächste Generation antreten,
den Scherbenhaufen zusammenzukehren, den wir hinterlassen haben.
Und deshalb haben sie das Beste verdient,
was wir ihnen zu geben in der Lage sind,
das ist nämlich die beste Bildung.
Und die Leute, die hier standen, das sind genau die Sensiblen,
die noch wachgeblieben sind im Bildungswesen
und genau die möchte ich demnächst wieder ganz weit vorne in der Klasse sehen,
dafür, dass sie hier ihr Gesicht gezeigt haben,
sollten sie auch in der Klasse ihr Gesicht zeigen dürfen.
Doch mit dem Gesicht zeigen gab es vor Ort Probleme.
Nach einem Probelauf vor dem eigentlichen Start
gab es eine Auseinandersetzung mit dem Ordnungsamt Düsseldorf.
Grund waren Maskenatteste einiger Teilnehmer,
auf denen keine ärztliche Diagnose stand.
Die Leiterin der Versammlungsbehörde
hat den Organisatoren gegenüber im Vorfeld gesagt,
dass die Formulierung aus gesundheitlichen Gründen
auf Attesten zur Maskenbefreiung ausreiche.
Vor Ort wollten sich die Ordnungshüter damit nicht zufriedengeben.
Wir haben die Information definitiv seitens der Stadtverwaltung so bekommen,
dass 100%ig eine Diagnose mit draufstehen muss.
Ein erkennbarer Grund, eine chronische Erkrankung,
reicht auch beispielsweise nicht aus.
Medizinische Gründe würden auch nicht ausreichen.
Das sind die Informationen, die wir diesbezüglich haben
und die wir auch eben noch bekommen haben von unserer Chefin.
Stellte ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes klar.
Die Anwältin Gisa Tangermann, die die Aktion der Pädagogen begleitete,
schaltete sich an diese Stelle ein.
Sie wies darauf hin, dass die Atteste individuell ausgestellt wurden
und von unterschiedlichen Ärzten stammen.
Mit ihrem Vorgehen würde die Stadtverwaltung Düsseldorf
die Verordnung des Landes Nordrhein-Westfalen missachten.
Dort sei ganz klar geregelt, dass in Maskenattesten
keine Diagnose aufgeführt werden muss.
Sie erläuterte uns gegenüber später.
Der Kollege des Ordnungsamtes selber bestand auf seiner Rechtsauffassung,
die für meine Begriffe eben rechtswidrig war und willkürlich.
Willkürlich heißt es, es gibt keinen rechtfertigenden Grund für diese Anordnung.
Es gab dann letztendlich gerade mit der Polizei vor Ort,
die verantwortlich ist für die Versammlung, für das Gelände hier,
einen gefundenen Kompromiss, sodass die Versammlung und die Veranstaltung,
die Performance quasi dann losgehen und starten konnte.
Um Ruhe, wir beginnen jetzt mit der Aufnahme, mit der Filmaufnahme.
Während die Aktion startete und auch Sascha einen Platz auf der Wiese einnahm,
sprechen wir mit Passanten.
Ein Mann, der an der Aktion vorüberging, fragte sich,
ob es bei der Versammlung um mehr Bildungsgerechtigkeit geht
oder ob es sich um so eine Anti-Corona-Demo handelt.
Er meinte, es wäre natürlich viel schöner, wenn solche Demos unabhängig von Corona wären
und man sich sozusagen für diese Werte, die da draufstehen, stark machen würde,
was ja wahrscheinlich auch viele machen und jetzt nicht irgendwie diesen Trigger Corona braucht.
Weil das würde ja dann wieder so unterstellen, all das, was hier draufsteht,
könnte man jetzt wegen Corona nicht machen.
Und das sei dann jetzt irgendwie schlimm oder so.
Ich meine, dann müsste man sich ja nicht vor den Landtag stellen,
sondern vor das Virus stellen mit diesen Schildern.
Auf die Frage, ob die Schulschließungen und Corona-Maßnahmen Auswirkungen auf die Kinder gehabt hätten,
antwortete er, ja, klar hat das Auswirkungen.
Aber die Frage ist halt, was wäre die Alternative gewesen?
Also sozusagen dieser Protest suggeriert ja immer oder unterstellt,
man hätte Dinge machen können, damit all das nicht passiert.
Und was hätte man denn machen sollen?
Hätte man sagen sollen, wir machen Ausgangssperre, wir machen alle Verbote, aber für die Kinder nicht?
Aber wie kommen die Kinder, die dann fünf oder sechs sind von ihren Freunden von A nach B,
wenn die Eltern das nicht machen könnten?
Das lässt sich doch praktisch überhaupt nicht realisieren.
Und ich meine, wenn man in die Schulen guckt, was sind die Lehrer überlastet mit diesen ganzen Corona-Auflagen?
Es ist unglaublich, was da an Mehrarbeit entsteht.
Aus seiner Sicht hätte man es nicht viel besser machen können.
Deswegen verstehe er das Ganze nicht richtig.
Auch Konstantin kam nur zufällig vorbei und schilderte uns seinen Eindruck.
Wir sind gerade die Rheinufer-Promenade runtergefahren und kommen an einer Demo vorbei,
wo eben sehr viele, wohl auch Protestaktionen gegen die Corona-Maßnahmen stattgefunden haben.
Und eine sehr aggressive Stimmung.
Und jetzt stehen wir vor dem Landtag hier direkt, vor der Wiese vorm Landtag
und haben den kompletten Gegensatz eben, wie Sie gerade gesagt haben, mitgekriegt,
wo Lehrer dafür protestieren oder dagegen demonstrieren,
dass die Landesregierung wohl auch wieder die Pädagogen wieder mehr hört
und sich politisch einsetzt für deren Ziele.
Er sprach sich nicht direkt gegen die Corona-Maßnahmen aus,
denkt aber auch, dass die Kinder in der Pandemie zu kurz gekommen sind.
Ich glaube auch, dass die wirtschaftlichen Interessen an vielen Stellen dann doch überwogen haben
und wir jetzt so ein bisschen das Ganze spüren, dass es da diesen Kickback gibt,
dass die Kinder und Jugendlichen dann teilweise mit Problemen in den Kliniken landen,
in Kinder- und Jugendpsychiatrien und so weiter.
Seine Frau sei Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche und behandle viele Kinder.
Und die kann aus dem Klinikalltag berichten, dass eben gerade die Zahlen dort erschreckend sind.
Und auch die Fälle, die Corona-bedingt sind, durchaus da einen großen Teil von ausmachen.
Gerade wegen dieses Wissens begrüße er diese Aktion.
Auch Sascha zog trotz der Verzögerung durch das Ordnungsamt eine positive Bilanz.
Die Kooperation war da, der Austausch war da und wir konnten das Problem beilegen.
Es ist positiv geendet und auch wenn es jetzt regnet, haben wir alle die Sonne im Herzen
und sind überglücklich über das Gelingen der Aktion.
Er will sich mit seinen Kollegen weiter für die hier gezeigten Werte einsetzen und hofft auf Nachahmer.
Das, was wir versuchen, ist, positive Botschaften und Wertegrundlagen wieder in Erinnerung zu rufen
und zum Diskurs und zum Gespräch einzuladen.
Das ist auch das, was ich als Lehrer persönlich immer meinen Schülerinnen und Schülern vermittelt habe.
Er hofft, dass ein offener Diskurs wieder stärker möglich werde und auch das stille Leiden der Kinder nicht ungehört bleibt.
Wir müssen wieder zu einer Verhältnismäßigkeit finden, die beide Seiten in den Blick nimmt
und auch beide leidvollen Erfahrungen benennt.
Und dann zu schauen, wie können wir hier einen Umgang miteinander finden,
der allen Menschen oder allen Kindern vor allen Dingen auch gerecht werden kann.
Dafür werde sich auch das Team von Lehre für Aufklärung weiter einsetzen.
Vielen Dank!