Israel und die USA haben Luftangriffe auf iranische Ziele gestartet. US-Präsident Donald Trump begründete das militärische Vorgehen am Samstag in einer Ansprache mit „Bedrohungen“ durch den Iran für die USA und andere Länder.
Der neue Angriff erfolgt nur zwei Tage nach einer weiteren Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran über dessen umstrittene Atomprogramm. Einen Durchbruch hatte es bei den Gesprächen in Genf nicht gegeben.
Trump rief alle iranischen Soldaten und Sicherheitskräfte auf, sich zu ergeben und ihre Waffen niederzulegen und verspricht absolute Immunität. Der iranischen Bevölkerung stellte Trump „Freiheit“ in Aussicht – und rief die Menschen auf, die Regierung in Teheran zu stürzen.
Doch wie reagieren die Menschen im Iran darauf? Darüber sprechen wir mit Farhid Habibi, Vorstandsvorsitzender von The Munich Circle e.V., einer Organisation, die sich für Freiheit und Menschenrechte im Iran einsetzt.
„Wir begrüßen natürlich diesen lang ersehnten Aufruf und auch natürlich die aktuelle Situation im Iran, die ja schon längere Zeit angekündigt worden ist und die jetzt endlich stattfindet." Habibi hofft, dass es nicht nur um Einzelschläge handle, sondern um „einen wirkungsvollen Schlag gegen die Islamische Republik“. Auf der anderen Seite herrschen auch Ängste, insbesondere bei den Anhängern der Islamischen Republik, aber auch innerhalb der Zivilbevölkerung. „Allerdings muss man sagen, dass der Fortbestand der Islamischen Republik deutlich größere Schäden verursachen wird, sowohl an der Zivilbevölkerung im Iran als auch natürlich in der gesamten Welt“, so der Exil-Iraner. ________________________________________________________________
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Israel und die USA haben Luftangriffe auf iranische Ziele gestartet.
Die Angriffe folgen nur zwei Tage nach gescheiterten Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Genf.
Darüber sprechen wir jetzt mit Fahid Habibi, Vorstandsvorsitzender von The Munich Circle,
einer Organisation, die sich für Freiheit und Menschenrecht im Iran einsetzt.
Einen schönen guten Tag, Herr Habibi.
Wunderschönen guten Morgen. Danke für die Einladung.
US-Präsident Donald Trump hat die iranische Bevölkerung aufgefordert, die Regierung in Teheran zu stürzen.
Er rief alle iranischen Soldaten und Sicherheitskräfte auf, sich zu ergeben und ihre Waffen niederzulegen und verspricht absolute Immunität.
Wie beurteilen Sie diese Aufrufe und wie reagieren die Menschen im Iran darauf?
Wir begrüßen natürlich diesen lang ersehnten Aufruf und auch natürlich die aktuelle Situation im Iran,
die ja schon längere Zeit angekündigt worden ist und jetzt endlich stattfindet.
Wir hoffen, dass das jetzt keine Einzelschläge sind, sondern tatsächlich zu einem wirkungsvollen Schlag gegen die Islamische Republik führt.
Es ist natürlich absolut verständlich und auch begrüßend von allen Iranern empfangen worden,
dass zu einem Sturz der Regierung aufgerufen wurde, wozu eigentlich im Augenblick die meisten Menschen im Iran bereit sind.
Also augenscheinlich ist es so, dass man genug hat von dieser Regierung, von diesem verbrecherischen Regime.
Und es kommt den Menschen natürlich zugute, wenn ihnen diese Hilfestellung gegeben wird.
Kommt für Sie der Zeitpunkt unerwartet oder haben Menschen im Iran darauf gewartet oder damit gerechnet oder gehofft auch?
Definitiv gehofft. Wir waren zeitweilig alle ein bisschen verstört, dass es weiterhin diese Gesprächsbereitschaft seitens des Westens,
also der USA, gab mit dem Iran. Denn wir waren von Anfang an der Meinung oder sind immer noch der Meinung,
dass man gegen Disputen und Verbrecher oder mit Disputen und Verbrechern nicht handelt.
Es sind Massenmörder, die im eigenen Land in den vergangenen Wochen die Menschen abgeschlachtet haben, regelrecht.
Und es gibt keinerlei Grundlage auf keiner rechtlichen Ebene, sich mit diesen Menschen an einen Verhandlungstisch zu setzen.
Das hat uns ein bisschen verunsichert, nicht nur die Menschen im Iran, sondern auch die Diaspora.
Und ich denke, auch die westliche Politik ein bisschen verunsichert, wie soll man darauf reagieren, was soll man davon halten.
Am Ende des Tages ist der Angriff natürlich im Iran insbesondere, wir sehen jetzt aktuell viele, viele Filme, Videos und Beiträge,
die versendet werden oder versendet worden sind, kurz nach dem Angriff.
Die tanzende Menschen zeigen auf den Straßen, die Menschen zeigen, die vor Freude eigentlich sich gar nicht mehr halten können.
Man muss dazu sagen, das Internet wurde jetzt im Iran wieder mal blockiert.
Wir haben aktuell gerade vier Prozent Konnektivität in den Iran, also sehr, sehr schwach.
Und die meisten Videos und Filme und Nachrichten, die uns erreicht haben, waren vor dieser Blockade.
Wir haben schon alle Kontakte in den Iran geknüpft, aber leider kommen im Augenblick keinerlei Nachrichten durch.
Gibt es auch Menschen, die verängstigt sind im Iran, denen sozusagen die Situation, die aktuelle Situation Angst macht?
Sie haben ja schon angesprochen, man sieht Videos von Explosionen in verschiedenen iranischen Städten, jubelnde Menschen.
Aber gibt es auch andere Reaktionen?
Und ja, sieht man, gibt es vielleicht auch Menschen im Iran, die die Angriffe israelisch und amerikanischen Angriffe kritisch sehen?
Definitiv gibt es auch die Menschen, insbesondere natürlich die Befürworter der Islamischen Republik, die definitiv in Minderheit sind.
Die fürchten sich. Sicherlich gibt es auch die Zivilbevölkerung, die Angst hat, natürlich als Kollateralschaden hier verwickelt zu sein.
Diese Ängste und Sorgen sind da und die verstehen wir.
Allerdings ist es so, muss man sagen, dass der Fortbestand der Islamischen Republik deutlich größere Schäden verursachen wird.
Sowohl an eine Zivilbevölkerung im Iran als auch natürlich in der gesamten Welt, wenn man es die letzten Jahre und Jahrzehnte schon gesehen hat.
Stellvertreterkriege sind geführt worden, werden immer noch geführt durch die Hezbollah, durch Hamas, durch die Houthi-Rebellen.
Iran verbreitet Terror und Angst fast weltweit, könnte man sagen. In der Ukraine schlagen iranische Drohnen ein, also mitten in Europa.
Was für Beweise braucht man denn noch, um dem jetzt endlich ein Ende zu setzen?
Also ich denke, die Freude überwiegt vor der Angst, dass einem eventuell was zustoßen könnte.
Und wie realistisch ist das für Sie, dass tatsächlich iranische Soldaten und Sicherheitskräfte ihre Waffen niederlegen
und tatsächlich es sozusagen zu einem flächendeckenden Aufstand kommt gegen das Mullah-Regime,
das letztendlich auch in den Erfolg mündet, die jetzige Regierung sozusagen von ihrem Thron zu stürzen?
Man muss wissen, dass die Islamische Republik unter einer Zivilbevölkerung ja sehr wenig Rückhalt hat.
Unter den eigenen Schergen und unter denen, die davon profitieren, besitzt sie natürlich die Rückendeckung.
Allerdings ist das jetzt nicht unbedingt auf Treue, also nicht unbedingt bei allen auf Treue gestellt,
sondern sehr, sehr viele Menschen haben ihre Vorteile durch die Islamische Republik gezogen oder gehabt,
indem sie natürlich auch bedient wurden vom System mit Vergünstigungen, mit Lebensmitteln, mit Versorgung des Lebens im allgemeinen Sinne.
Es ist durchaus möglich, dass es einige gibt, die das Regime weiter stützen werden.
Allerdings hoffen wir und gehen wir davon aus, dass wenn die breite Masse der Menschen auf die Straße geht,
dass man sich ihnen nicht mehr in den Weg stellen kann, wenn das Regime nirgends mehr,
insbesondere natürlich weltweit oder in der westlichen Welt, Unterstützung hat und bekommt.
Und da ist es durchaus möglich, dass dann auch die Waffen niedergelegt werden.
Der iranische Kronprinz Reza Pahlavi hat ja schon alle Menschen aufgerufen,
nicht nur die Menschen, sondern auch tatsächlich Sicherheitskräfte, insbesondere die iranische Armee,
die ja als Gegenpart zu den Revolutionsgarden, also zum ERGC im Iran immer noch operiert und aktiv ist,
bei weitem nicht die Stärke hat, der ERGC, aber trotzdem noch Möglichkeiten besitzt,
der iranischen Bevölkerung zur Seite zu stehen und diese dann bei einem Umsturz des Regimes zu unterstützen.
Das ist definitiv da.
Nun hat der Iran mit Gegenschlägen reagiert, hat Raketeneingriffe und Drohnenangriffe auf Israel
und auf US-Militäreinrichtungen im Nahen Osten gestartet.
Jetzt gibt es ja auch Verbündete mit dem Iran, es gibt gute Beziehungen zu Russland, zu China.
Von welcher Entwicklung gehen Sie jetzt aus?
Es gab natürlich immer schon Bedenken, hauptsächlich von den Golf-Anrainer-Staaten,
die große Angst haben, dass der Iran sie jetzt angreift wie ein wildes Tier.
Es gibt natürlich die große Befürchtung, dass Israel angegriffen wird
und natürlich, dass auch Mittel- oder Langstreckenwaffen oder Raketen Richtung Europa gestartet werden.
Also diese Ängste und Sorgen sind da.
Wir gehen aber davon aus, dass die USA da schon vorgesorgt hat,
insbesondere natürlich mit der Bereitstellung von Waffensysteme wie Iron Dome beispielsweise,
die aber auch im Mittelmeer sich befinden.
Wir wissen ja, dass große Flugzeugträger und große Flotten sich im Mittelmeer vor Israel befinden
und gehen davon aus, dass die hauptsächlich dafür da sind,
dass diese Raketenangriffe dann eingedämmt werden, hoffentlich.
Ich habe jetzt aktuell, ehrlich gesagt, noch keine Information über Einschläge von iranischen Raketen,
irgendwo auch nicht in Israel.
Die neuesten Nachrichten war, was ich jetzt gerade gesehen habe, bei NTV auch,
dass es wohl noch keine Einschläge gibt, also keine bestätigten.
Ich gehe aber davon aus, dass dies wahrscheinlich passieren wird in den nächsten Stunden oder Minuten
und gewiss ist es allerdings nicht.
Also wir müssen da einfach mal die Lage erstmal abwarten, was kann abgefangen werden
und was kommt tatsächlich dadurch.
Iran hat ja verschiedene ballistische Raketensysteme, die sie nutzen können,
die sowohl in die Atmosphäre eindringen und dann runterkommen,
als auch tatsächlich mit relativ einfachsten Mitteln losgeschickt werden,
an einfachsten Drohnen.
Allerdings ist das erstmal Abzug warten.
Alles andere wäre Spekulation, wenn wir keine Information haben.
Was für Signale nehmen Sie aus Russland und China, also aus Verbündeten Staaten wahr?
Sehen Sie da das Risiko einer Einmischung?
Also man muss wissen, die iranische Luftwaffe und die iranische Marine sind extrem schwach.
Also das ist eine Sache von einigen Stunden diese auszuschalten.
Die Lufthoheit im Iran existiert per se nicht.
Der Iran hat keine Waffensysteme oder keine Flugzeuge,
die den Luftraum bewachen könnten oder überhaupt eine Hoheit erlangen könnten.
Genauso wenig auch auf dem Meer.
Also die iranische Marine ist desolat.
Sie besteht hauptsächlich aus vielen Schnellbooten,
die bestückt werden mit irgendwelchen Waffen,
die dann in Selbstmordtaktik sozusagen angreifen sollen.
Aber ich glaube, das stellt alles keine Gefahr dar.
Was eine Gefahr darstellen könnte,
ist vielleicht die Anzahl der mobilisierten Armeesoldaten,
die für Bodentruppen bereitgestellt werden können.
Allerdings würde es ja nur helfen, wenn es eine Bodenoffensive geben wird.
Und das bezweifle ich persönlich, dass das der Fall sein wird.
Die einzige Gefahr, die im Augenblick von Iran ausgeht,
ist ihr Raketensystem, was sie haben.
Und die Gefahr, dass Russland jetzt sich in einen Meerfrontenkrieg verwickelt,
das glaube ich auch nicht.
Ebenso wenig China.
Alle haben ihre eigenen Hausaufgaben zu machen
und ihre eigenen Probleme zu lösen.
Das schließt insbesondere jetzt die Ukraine in Russland ein.
Wir haben ja gesehen, wie viel Unterstützung von Russland
seitens Syrien da war, als sie selber in Probleme steckten.
Die ging fast gen Null.
Russland ist diesbezüglich geschwächt.
Und ich glaube nicht, dass er sich tatsächlich das antun würde,
das Risiko auf sich nehmen würde,
jetzt auch noch in Iran sich an diesem Krieg zu beteiligen.
Und im Augenblick sehen wir auch, dass da nichts passiert.
China halte ich da komplett raus aus der Geschichte.
China ist viel zu sehr diplomatisch eingestellt,
als dass sich jetzt auf so einen Krieg
insbesondere eine direkte Verwicklung mit den USA
oder mit Israel einlassen würde.
Also das sehe ich fast gen Null.
Was tatsächlich vielleicht sein könnte,
dass Anrainerstaaten wie die Türkei,
wie eben auch die südlichen Golfanrainerstaaten
ihre Bedenken äußern
und diesbezüglich vielleicht Proteste einlegen.
Aber am Ende des Tages muss allen bewusst sein,
dass ein Iran ohne die Islamische Republik
ein viel besserer Partner wäre.
Nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit.
Vielen Dank.
Sehr gerne.