Nach dem Rekordhoch Anfang März lässt der Goldpreis nach, wobei es vereinzelt zu rasanten Preisabstürzen kommt. Was sind die Ursache dafür und was bedeutet dies für Goldbesitzer oder potenzielle Anleger? Ist Gold noch der sichere Hafen für den es von Experten und Analysten jahrzehntelang gehalten wurde? Darüber haben wir mit dem Unternehmer und Publizisten Markus Krall gesprochen. ________________________________________________________________
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Nach dem Rekordhoch Anfang März lässt der Goldpreis nach.
Vereinzelt kommt es zu rasanten Preisabstürzen.
Über die Ursachen und was dies für Goldbesitzer oder potenzielle Anlieger bedeutet,
sprechen wir mit dem Unternehmer und Publizisten Markus Krall.
Hat der jüngste Rückgang des Goldpreises Ihre grundlegende Einschätzung zu Gold verändert?
Oder sehen Sie darin nur eine normale Korrektur?
Also es ist nicht nur eine normale Korrektur.
Und zwar deswegen nicht, weil hier auch manipuliert wurde in massivem Umfang am Goldmarkt.
Und auch am Silbermarkt noch stärker.
Das ist eine Sache, die wurde von etlichen Marktbeobachtern auch gut analysiert.
Nicht nur von mir, also ich kann da auf eine Reihe von Veröffentlichungen verweisen an der Stelle.
Der Markt wurde manipuliert und zwar genau an einer Stelle, wo er besonders verwundbar war.
Nämlich als er Anfang des Jahres auch tatsächlich überhitzt war.
Eine Korrektur war fällig, aber das Ausmaß der Korrektur ist deswegen so stark ausgefallen,
weil die Fälligkeit der Korrektur durch den überhitzten Markt und das Eingreifen starker Player,
insbesondere aus der Finanzwirtschaft und aus den Zentralbanken, koinzidiert haben.
Das war auch so gewünscht von den Zentralbanken.
Woran liegt das?
Es ist natürlich so, dass die Zentralbanken, insbesondere die FED und die EZB,
kein Interesse an einem zu schnell steigenden Goldpreis haben.
Kann ich auch verstehen.
Und zwar deswegen, weil ein zu schnell steigender Goldpreis ein Misstrauensvotum gegen die Papierwährungen ist.
Gleichzeitig sehen wir im Moment ein epochales Ringen um die Frage der Leitwährung.
Amerika möchte den Dollar als Leitwährung verteidigen und hat damit ein starkes Interesse,
Gold etwas zurückzudrängen, während Russland und China den Dollar als Leitwährung verdrängen
und durch eine goldgedeckte Handelswährung ersetzen wollen.
Das ist einer der Gründe, warum die FED so massiv gegen das Gold interveniert.
Allerdings ist die Tatsache, dass sie ihn jetzt auf knapp über 4.000 Dollar pro Unse gedrückt hat, ein Pyrosieg.
Und zwar deswegen, weil die Chinesen und die Russen diesen niedrigen Kurs nutzen,
um einzukaufen als gäbe es kein Morgen.
Das heißt also, im Grunde genommen ermöglicht man damit durch einen taktischen Sieg dem Gegner einen strategischen Sieg,
nämlich seine Goldvorräte zu wesentlich günstigeren Bedingungen aufzustocken, als er sonst gekonnt hätte.
Und die langfristigen Wirkungen werden sich deswegen gegen die FED und die EZB richten.
Die fundamentalen Daten für einen starken Markt der Edelmetalle sind aber nach wie vor da.
Beim Gold, weil das Währungsvertrauen in Dollar und Euro immer weiter schwindet.
Und beim Silber, weil Silber nicht nur der kleine Bruder des Goldes ist als Edelmetall,
sondern weil Silber auch eine hohe industrielle Nachfrage hat.
Und durch die steigende industrielle Nachfrage, insbesondere aus Solarenergie und KI und Digitalisierung,
ist es mittlerweile so, dass die Produktion mit dem industriellen Verbrauch nicht mehr Schritt hält.
Das heißt, man geht an die Substanz, man geht an die Vorräte, wenn man so will.
Und das lässt sich nur auf Dauer beheben durch einen höheren Silberpreis,
weil nur ein höherer Preis die Produktion erhöhen wird.
Und insofern wird sich auch hier langfristig das Fundamentale durchsetzen und das Spekulative wird etwas zurückgedrängt.
Kann man das sagen, für so einen durchschnittlichen Anleger, wie viel sollte der in Gold investieren?
Also mein Credo ist die Anwendung der babylonischen Talmudischen Drittelregel.
Hat sich jetzt seit 2500 Jahren bewährt.
Damals hieß es ein Drittel Vieh, ein Drittel Land, ein Drittel Gold.
Heute heißt es für mich ein Drittel Aktien, ein Drittel Immobilien, ein Drittel Gold.
Das ist sozusagen die moderne Interpretation dessen.
Und ein Drittel Gold heißt für mich Edelmetalle, also Gold und Silber.
In einem Mischungsverhältnis von 80-20 oder 70-30.
Und dabei einen größeren Teil des Goldes im Ausland lagern,
um ihn vor dem konfiskatorischen Zugriff unseres, wie soll ich es sagen,
immer wilder gewährenden Raubstaates zu schützen.
Und ein Mischverhältnis mit Silber, weshalb?
Wenn man die Sache portfoliotechnisch angeht,
dann ist es so, dass Gold insgesamt in den letzten 55 Jahren seit Freigabe des Goldpreises
durch die Trennung vom Dollar, damals waren es ja 35 Dollar pro Unze Gold,
dann hat Gold besser performt als Silber.
Nämlich mit etwas mehr als 9% pro Jahr ist Gold im Preis gestiegen.
Das ist eine super Rendite, wenn man sich das mal anschaut.
Über 55 Jahre im Schnitt jedes Jahr 9%.
Nicht gleichmäßig, aber eben ein Gesamtschnitt.
Das kann sonst kein anderes Asset, keine Aktie, keine Immobilie weltweit vorweisen.
Und das Silber hat eine etwas schlechtere Performance,
aber es ist nicht voll korreliert mit dem Gold.
Das heißt, man hat einen gewissen Portfoliodiversifikationsgewinn,
wenn man Silber beimischt, aber eben nicht so viel wie Gold,
weil Gold insgesamt doch die höhere Performance vorzuweisen hat.
Haben Sie schon einen Ausblick oder eine Einschätzung,
bis auf welches Niveau der Preis fallen könnte bei Gold?
Also grundsätzlich weigere ich mich, kurzfristige Prognosen abzugeben,
und zwar weil man damit eigentlich ein Ratespiel macht.
Es gibt so unendlich viele Kräfte, die kurzfristig wirken,
die in alle Richtungen ziehen, und so unendlich viele Ereignisse,
die man nicht vorhersehen kann, dass es eigentlich sehr anmaßend ist,
zu sagen, ich weiß, wo der in vier oder sechs oder acht Wochen hingeht.
Das weiß ich nicht.
Das Gleiche gilt auch für einen Anstieg, ja?
Das Gleiche gilt für einen Anstieg auch.
Ich sehe es auch gar nicht als sinnvoll an, die Frage zu stellen, um ehrlich zu sein,
weil Gold habe ich deswegen zu einem Drittel in meinem Portfolio nicht,
damit ich die nächsten acht Wochen Geld verdiene oder verliere,
sondern Gold habe ich deswegen im Portfolio, weil es mir eine Rückversicherung ist
gegen das Unbekannte, Unbekannte, gegen die großen Katastrophen,
die ich nicht voraussehen kann, gegen Krieg, gegen Wirtschaftskrise,
gegen Debasement der Währung, gegen alle möglichen Dinge,
selbst gegen Naturkatastrophen.
Und in dieser Eigenschaft performt Gold seit 5000 Jahren ganz super.
Gold habe ich im Bestand und nicht zum Trading.
Wer mit Gold traden will und spekulieren will, der kann das tun, das geht,
aber dann ist physisches Gold das falsche Wege, dann muss er es mit Papiergold machen.
Und davon rate ich generell ab, weil wenn er das macht, dann ist er gleich wieder bei der Papierwährung,
denn Papiergold ist auch nicht besser als Papierwährung.
China hat den Papiergoldhandel unterbunden.
Manche sehen darin einen Versuch, den echten Wert von Gold zu ermitteln.
Was sagen Sie dazu?
Also China war nicht ganz so strikt, wie sie es gerade in ihrer Fragestellung insinuieren,
aber China drängt den Papiergoldhandel zurück und zwar deswegen,
weil der Papiergoldhandel genau das Spekulations- und Manipulationsinstrument
der westlichen Zentral- und Geschäftsbanken ist.
Dieser Preis wird ja in London durch Papiergold gefunden
und dementsprechend spekulations- und manipulationsanfällig ist er auch.
Und China möchte, dass seine sehr erheblichen Goldreserven fair bewertet werden.
Und die faire Bewertung ist wahrscheinlich höher als das, was wir jetzt am Markt sehen.
Und China hat nach meinen Schätzungen mittlerweile mindestens 20.000 Tonnen Gold akkumuliert,
aus eigener Produktion, aber auch durch Zukauf in den letzten Jahren
und hat damit eine sehr kluge, vernünftige Politik betrieben.
Man kann über die kommunistische Partei ja sagen, was man will,
aber davon verstehen sie offensichtlich mehr als genug
und haben die richtigen Entscheidungen für China getroffen.
Kann man nur dazu gratulieren.
Und China will, dass die Manipulation aufhört, damit auch die starken Schwankungen zurückgehen.
Denn die starken Schwankungen beeinträchtigen die Fähigkeit,
mit einer goldgedeckten Handelswährung praktisch als Geld zu fungieren.
Und da hat China ein berechtigtes Interesse.
Und wir werden sehen, wer da am Ende die stärkeren Bataillone hat.
Ich vermute, dass es Russland und China sein werden.
Denn mit ihrem Handelsbilanzüberschuss gegenüber dem Westen von einer Billion Dollar pro Jahr
haben sie eben den längeren Hebel und die größere finanzielle Macht und auch Freiheit an der Stelle.
Wie hat es der alte Flick mal formuliert, mit vollen Hosen ist gut stinken.
Wer das Geld hat, der macht doch die Ansagen.
Und da wird der Westen jetzt leider dazulernen müssen.
Vielen Dank.
Gerne.