Unionsfraktionschef Jens Spahn und sein Ehemann sind durch eine Leihmutterschaft in den USA Eltern geworden. Dies löste in Deutschland eine Kontroverse zum Thema Ersatzmutterschaft aus. Hierzulande ist sie verboten.
Darüber, was kontrovers diskutiert wird und was aus ethischer und rechtlicher Sicht problematisch ist, haben wir mit Cornelia Kaminski, der Bundesvorsitzenden der Aktion Lebensrecht für alle, besprochen. ________________________________________________________________
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Unionsfraktionschef Jens Spahn und sein Ehemann sind durch eine Leihmutterschaft in den USA
Eltern geworden.
Und damit erneut ein prominenter CDU-Politiker.
Dies löste in Deutschland eine Kontroverse zum Thema Ersatzmutterschaft aus.
Hierzulande ist sie verboten.
Darüber, was kontrovers diskutiert wird und was aus ethischer und rechtlicher Sicht problematisch
ist, sprechen wir mit der Bundesvorsitzenden der Aktion Lebensrecht für Alle.
Guten Tag, Frau Kaminski.
Hallo.
Jetzt ist ja die Leihmutterschaft, das habe ich eingangs erwähnt, in Deutschland verboten,
auch die Vermittlung.
Wie ist dann trotz diesem Verbot, das rechtlich für Deutsche möglich, sich ein Kind sozusagen
aus dem Ausland zu holen?
Ja, der deutsche Staat handelt hier im Interesse der Kinder, das ist zumindest die Argumentation.
Sie sagen, jetzt ist das Kind ja einmal da und jetzt hat es natürlich auch ein Recht
darauf, bei seinen Eltern leben zu dürfen.
Die Eltern sind diejenigen, die in der Geburtsurkunde eingetragen werden.
Und im Falle von Jens Spahn und seinem Mann gehe ich davon aus, dass die beide als Eltern
in der Geburtsurkunde stehen, nicht aber die Mutter, die das Kind ausgetragen hat.
Und dann sagt der deutsche Staat eben, gut, das Kind hat diese beiden Personen als Elternteile,
dann erkennen wir das an, um dem Glück des Kindes nicht im Wege zu stehen.
Diese Adoption wird also rechtlich im Grunde genommen durchgezogen, wobei aber das Verfahren
selbst natürlich illegal bleibt.
Gibt es Länder, in denen besonders viele Ersatzmutterschaften stattfinden?
Welche sind das und warum ist das dort möglich oder warum stechen diese Länder so hervor?
Also es gibt natürlich Länder, die hervorstechen.
Das sind die, in denen das entweder gar nicht geregelt ist, wo also Agenturen freie Bahn
haben oder die, in denen es geregelt ist und teuer, aber man dann eben auch als Kunde auf
Qualität, sage ich mal, setzen kann.
Und es sind im ersten Fall hauptsächlich arme Länder, so wie der afrikanische Kontinent,
der als neuer Kontinent entdeckt worden ist für Leihmutterschaftsagenturen, aber auch
hier in Europa, ganz besonders Länder wie die Ukraine oder wie Georgien oder Belarus,
wo man sagt, ja, hier können wir günstig Leihmütter bekommen, weil eben die Armut
und die Not groß ist.
Und in Ländern wie den USA, da wird sehr viel Geld ausgegeben, dafür kauft man sich
dann aber eben auch finanzielle Vorteile ein in Bezug auf Garantien, die es gibt für die
Versorgung des Kindes, der Mutter, in Bezug auf anwaltliche Voraussetzungen, dass also
die Dokumente stimmen und eine größere Sicherheit für das Bestellelternpaar.
Nun haben Sie ja mehrere ehemals kommunistische Länder, postsovjetische Länder aufgezählt,
Georgien, Ukraine, Belarus, wie erklären Sie sich, dass dort gerade viele Leihmutterschaften
stattfinden?
Ja, ich kann da nur mutmaßen, ich glaube, grundsätzlich hat das etwas damit zu tun,
wie Menschenrechte traditionell in diesen Ländern gesehen werden und die sind, das
wissen wir, die stehen da nicht so wahnsinnig hoch im Kurs oder haben zumindest eine entsprechende
Geschichte.
Wenn man marxistische Länder betrachtet, dann wissen wir, dass die Aufteilung der Frau
in Mutter und Arbeitsbiene sozusagen eigentlich Tradition hat und dass schon sehr früh nach
marxistischem Prinzip eine Mutter zwar ein Kind gebären kann, dann aber die Erziehung
outgesourcet wird.
Das heißt, die enge Bindung, die wir im Westen traditionell sehen, auch im Christentum zwischen
der Mutter und ihrem Kind, dieser Anspruch, den wir haben oder das Wissen darum, dass
in den ersten drei Lebensjahren die Mutter essenziell ist für ein geborgenes Heranwachsen
ihres kleinen Kindes, das hat in sozialistischen Ländern nie eine große Rolle gespielt, sondern
dann galt es zu sagen, möglichst schnell muss die Frau dem Arbeitsmarkt wieder zur
Verfügung stehen und die Familie darf im Grunde genommen diese Erziehungsfunktion gar
nicht übernehmen.
Das ist die Aufgabe des Staates, weil man natürlich auch so früh wie möglich Zugriff auf die
Kinder haben möchte, um sie zu sozialistischen Bürgern zu erziehen.
Also die frühe Trennung von Mutter und Kind hat Tradition, bei uns nicht.
Das spielt natürlich im Bereich Leihmutterschaft eine große Rolle.
Und dann eben der ganze Bereich der Menschenrechte.
Die sozialistischen Länder sind die ersten, die Abtreibungen legalisiert haben, wo also
von Anfang an das Leben und der Wert eines kleinen Kindes weniger gezählt haben als
in westlichen Ländern, in christlich geprägten Ländern.
Und da Abtreibung und Leihmutterschaft eng miteinander zusammenhängen, spielt das sicherlich
auch eine Rolle.
Laut verschiedenen Berichten greifen besonders oft Chinesen auf eine Leihmutterschaft in
den USA zurück.
Dort soll es ja mehr als 100 von Chinesen geführte Vermittlungsagenturen extra dafür
geben.
Was sind die Hintergründe dafür und was ist Ihnen dazu bekannt?
Ja, das ist richtig.
Da gibt es tatsächlich auch drastische Einzelfälle von einem chinesischen Milliardär, der mittlerweile
spricht man von 300 Kindern hat, die er sich per Leihmutterschaft hat produzieren lassen
in den USA.
Geld spielt da keine Rolle.
Und in China selbst ist Leihmutterschaft verboten, wird auch mit hohen Strafen belegt, sodass
natürlich reiche Chinesen, die die Vorzüge der Leihmutterschaft für sich sehen, gerne
das im Ausland in Anspruch nehmen.
Und nun ist es natürlich in den USA so, dass ich Ihnen schon gesagt hatte, einerseits hat
man eine verhältnismäßig große Sicherheit, was die gesundheitliche Versorgung betrifft
und die rechtliche Seite.
Und andererseits hat ein in den USA geborenes Kind automatisch die amerikanische Staatsangehörigkeit.
Und das ist natürlich für Chinesen ein Riesenvorteil.
Also ich weiß auch, dass so mancher amerikanische Journalist sich da so ein bisschen Sorgen
macht mittlerweile und sagt Mensch, potenziell haben wir hier am Ende des Tages lauter chinesische
Menschen, die also in China auch sozialisiert worden sind, aber mit ihrem amerikanischen
Pass hier einreisen können, ist vielleicht auch politisch nicht so ganz ungefährlich.
Da stellt sich für mich doch die Frage, also die Vereinigten Staaten von Amerika christlich
geprägt und eigentlich größtenteils auch konservativ ausgerichtet, warum floriert
Ja, also es ist natürlich nicht in allen Staaten gleich.
Es gibt Staaten, in denen es nicht erlaubt ist.
Es gibt Staaten, in denen es erlaubt ist.
Das ist also auch ein Flickenteppich.
Traditionell liberale Staaten wie Kalifornien sind da schon sehr, sehr lange vormarschiert
und haben also diese Möglichkeit der Leihmutterschaft eingeräumt.
Man darf nicht vergessen, dass das einfach ein Riesengeschäftsmodell ist.
Also der Leihmutterschaftsmarkt bewegt sich im Bereich von Milliarden mit einem mit
Wachstumsraten von bis zu 25 Prozent aktuell.
Das heißt, da steckt einfach irrsinnig viel Geld drin, mehr als in vielen anderen
Wirtschaftszweigen. Und davon profitiert die Pharmaindustrie allen voran, weil ohne
Medikamente dieser ganze Bereich nicht denkbar ist.
Mit Hormongaben, mit Synchronisation von Zyklen und so weiter.
Und es profitieren Rechtsanwaltskanzleien, Agenturen und so weiter.
Also wer Geld hat und das da investiert, der hat gute Chancen, dass sein Geld sich
vermehrt.
Und was wiederum ist dafür der Grund, dass mehr Leihmutterschaften stattfinden?
Also dahinter steht vor allem geschicktes Marketing.
Es fängt damit an, dass ein Begriff wie Leihmutter geprägt wird, bei dem man sagen
muss, das ist einfach eine Lüge.
Da wird keine Mutter geliehen, sondern da wird eine Frau als Produzentin eines
Kindes angemietet.
Aber die wird nicht geliehen.
Und sie ist auch nicht die Mutter des Kindes.
Das soll sie auch nie sein.
Sie soll auch nie mütterliche Gefühle für dieses Kind empfinden, sondern sie soll es
ja gleich nach der Geburt wieder abgeben.
Das heißt, wir haben so einen netten Begriff.
Positiv besetzt.
Etwas Laien ist positiv besetzt.
Mutter ist positiv besetzt.
Vermittelt Geborgenheit.
Und dann haben wir natürlich eine gesellschaftliche Situation, in der das
erst mal positiv rüberkommt.
Dann ist das gesamte, also ein anderer Begriff ist Wunscheltern.
Ja, also man spricht nicht von Eltern, die ein Produkt ordern, bestellenden Eltern oder
Bestelleltern, sondern das sind Eltern, die sich ein Kind wünschen.
Aber das Kind hat sich diese Eltern nicht gewünscht.
Also es wird tatsächlich hier auch viel mit Lüge operiert.
Dann hat der Markt sich ausgeweitet.
Wir hatten anfangs tatsächlich die kinderlosen Paare, die sich sehnlichst dieses Kind
gewünscht haben und das aus gesundheitlichen Gründen nicht konnten, ein Kind
bekommen. Und es hat sich ruckzuck ausgeweitet auf Frauen, die gesagt haben Ja, aber das
steht meiner Karriere im Weg oder ich versaue mir ja meinen Körper mit einer
Schwangerschaft. Und dann wurde als letztes der Bereich der schwulen und
LGBTQ Gemeinschaft entdeckt für diesen Markt.
Und der wird befeuert durch ein sehr geschicktes System.
Also die Messe Men Having Babies beispielsweise hat ein
Gay Parenting Programm aufgelegt, bei dem schwulen
Männern, die gerne Eltern werden wollen, finanzielle Hilfen gewährt
werden. Und das wird finanziert von den Agenturen und den Kliniken,
die Leihmutterschaftsverfahren durchführen.
Hinzu kommt, dass viele Firmen in den USA ihren weiblichen
Mitarbeitern anbieten, ihre Eizellen tieffrieren zu lassen, damit sie eben zu
einem späteren Zeitpunkt noch Kinder bekommen können als während der guten,
fruchtbaren Jahre. Und wenn man eh schon die Eizelle ausgelagert und irgendwo
tiefgefroren hat, dann kann man am Ende des Tages auch sagen Ja, dann miete ich mir
eine Frau, die die Mühsal der Schwangerschaft für mich übernimmt.
Dann habe ich das nicht und kann so lange arbeiten gehen, wie ich das gerne
möchte. Vielleicht können Sie noch mal was zu den Kosten sagen.
Was für Kosten entstehen den Wunscheltern durch so eine Leihmutterschaft?
Das ist ganz unterschiedlich.
Es kommt darauf an, in welchem Land man die Leihmutter anheuert und wie man verhandelt.
In der Ukraine gibt es das schon für 50.000 bis 60.000 Euro.
Die USA sind deutlich teurer.
Das sind ganz schnell auch mal 180.000 bis 200.000 Euro fällig.
Das Geld muss man erst mal haben.
Wir sehen also, das ist hauptsächlich schon mal eigentlich eine Option für
betuchte Menschen. Diejenigen, die nicht so viel Geld haben, die treten dann in
Verhandlungen mit den Agenturen und die Agenturen sind ihnen dann unter Umständen
dabei behilflich, den Preis auch zu drücken.
Ich habe mich da auf den entsprechenden Webseiten mal umgehört und nachgelesen.
Der Preis wird natürlich im schwächsten Glied der Kette gedrückt bei der Leihmutter.
Jetzt sprachen Sie schon über den Gesetzgeber und dass er jetzt aus Ihrer Sicht
gefordert ist, danach zu steuern.
Sehen Sie da eine Tendenz?
Wie ist denn Ihre Wahrnehmung im politischen Raum?
Hat man das auf dem Schirm?
Macht man sich Sorgen?
Arbeitet man an Gesetzesinitiativen?
Gibt es da schon erste Entwürfe?
Es gibt nichts.
Das ist meine große Sorge.
Das ist der Eindruck, den ich habe.
Meine ganz große Sorge ist in der Tat, dass zwei prominente CDU-Politiker mit ihrem
öffentlichen Bekenntnis und mit diesem Vorpreschen den Weg bahnen wollen für die
Legalisierung der Leihmutterschaft auch in Deutschland.
Also das genau gegengesetzte Ziel, das wir eigentlich verfolgen und was auch
Menschen respektierend wäre.
Wir haben Anfang des Jahres einen großen Kongress gemacht zur Leihmutterschaft in
Berlin, international besetzt.
Wir hatten die UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen eingeladen.
Die hat auch gesprochen.
Wir hatten Olivia Morell da, die Sprecherin der Deklaration von Casablanca.
Ich hatte alle CDU, CSU-Abgeordneten des Bundestags eingeladen, weil die ja nun in
der Regierungsverantwortung sind und weil sie auf ihrem Parteitag gerade die Ablehnung
der Leihmutterschaft noch mal beschlossen hatten.
Es war keiner da.
Und ich bin ehrlich gesagt entsetzt darüber, wenn ich sehe, wie wenig den
politisch Verantwortlichen klar ist, was für ein dringender Handlungsbedarf hier
besteht, dass hier wirklich hintenrum längst Fakten geschaffen werden.
Und ich erwarte von einer christlichen Partei, und das ist die CDU ja ihrem
Anspruch nach immer noch, dass sie hier wirklich mal mit der Faust auf den Tisch
haut und sagt, bis hierhin und nicht weiter.
Das ist doch das, was ihre Wählerschaft von ihr erwartet.
Sie glauben nicht, wie oft ich in den letzten zwei Tagen den Satz gehört habe,
ich trete aus aus der CDU oder die wähle ich nie wieder.
Und bei den anderen Parteien sind sie da, Ansätze dort was ändern zu wollen?
Nee, sehe ich im Moment nichts.
Also soweit ich weiß, gab es Glückwünsche für Jens Spahn
von der SPD. Es gab natürlich auch CDU-Politiker, die ihn beglückwünscht haben.
Ich weiß, dass die AfD sich gegen die Leihmutterschaft positioniert hat.
Ich weiß, dass die FDP sich sehr stark einsetzt für eine Legalisierung der
sogenannten altruistischen Leihmutterschaft, was ich für einen Witz halte.
Altruistische Leihmutterschaft bedeutet im Gegensatz zur kommerziellen Leihmutterschaft
alle werden bezahlt, nur die Leihmutter nicht.
Bei der kommerziellen Leihmutterschaft bekommen wenigstens auch die Leihmutter
ein bisschen Geld. Übrigens hat das die Reem Al-Salam, die UN-Sonderberichterstatterin,
auch angemahnt. Die hat ausdrücklich gesagt, sie erwartet hier von Deutschland,
dass was kommt. Und sie bittet dringend darum, dass deutsche Politiker sich klar äußern und
bekennen. Ich denke immer, wenn es um Fragen der Menschenwürde geht, dann haben wir als Deutsche
eine ganz besondere Verantwortung, aktiv zu werden. Schade, dass das irgendwie nicht erkannt wird.
Sie nehmen dabei Bezug auf die Verbrechen des Nationalsozialismus oder in welcher
Hinsicht sagen Sie das?
Natürlich. Und zwar in mehrfacher Hinsicht. Einerseits, weil wir eben Menschenwürde mit
Füßen getreten haben während des Nationalsozialismus und andererseits, weil wir ja
sozusagen ein Leihmutterschaftsprogramm unter den Nazis auch getrieben haben. Die Lebensbordeneinrichtungen
schenkt dem Führer ein Kind, waren ja letztendlich nichts anderes als ein Zuchtprogramm
arischer Kinder, um das Deutsche Reich eben mit blond-blauäugigen Nachwuchs zu versorgen. Ganz
im Sinne des größten Führers aller Zeiten. Und wenn man so möchte, dann ist das schon in gewisser
Weise ein Vorläuferprogramm von Leihmutterschaft gewesen. Und auch deswegen haben wir die
Verantwortung zu sagen Stopp.
Jetzt mal den Blick auf die Europäische Union. Sie haben Italien als Beispiel genannt, wo man halt die
Gesetze verschärft hat in diesem Bereich. Die Europäische Union sieht die Leihmutterschaft als
Ausbeutung und als Straftat im Zusammenhang mit Menschenhandel und als schweres Vergehen im Umfeld
organisierter Kriminalität. Also da hört man eigentlich sehr deutlich raus, dass sie das verurteilt.
Und auch die Gremien der Vereinten Nationen verurteilen Leihmutterschaft als Frauenausbeutung und
Kinderhandel. Also was passiert in dieser Hinsicht?
Ich bin für diese Stellungnahmen sowohl der Vereinten Nationen als auch der Europäischen Union sehr
dankbar. Ich bin dem Papst sehr dankbar, der Anfang des Jahres vor dem Diplomatischen Korps noch einmal
ganz deutlich Leihmutterschaft verurteilt hat. Und ich denke, das sind schon ganz gewichtige, sehr
mahnende und deutliche Stimmen, die in die richtige Richtung gehen. Aber wir haben es hier mit einer
ausgesprochen finanzstarken, sehr mächtigen Lobby zu tun. Und diese Lobby spielt mit dem
Grundbedürfnis des Menschen nach Fortpflanzung. Der Wunsch des Menschen oder von Menschen überhaupt,
Kinder zu haben und darin sich selbst eine Zukunft zu geben, der ist ja zutiefst legitim
und nachvollziehbar. Und das Leid ist sehr groß. Und jetzt kommen hier diese Aspekte zusammen. Leid,
Sehnsucht, ein Wunsch, den alle anerkennen können, der nachvollziehbar und verständlich ist und auf
der anderen Seite ein Angebot, das so einfach aussieht. Und eine wirkmächtige, finanzstarke
Lobby, die das befeuert. Ich glaube, das Wichtigste ist, was wir sagen müssen, die Mutter trägt dieses
Kind neun Monate unter ihren Herzen. Und jede Frau, die schon mal schwanger war, die weiß, dass das
etwas mit ihr macht. Der ganze Körper der Frau ist ausgerichtet dann auf Schwangerschaft erhalten
und Kind beschützen. Und dieses Polen des Körpers, auf darauf hin, das wird ausgelöst vom Kind. Es
gibt also von Anfang an eine ganz enge Kommunikation zwischen Mutter und Kind. Das Kind bewegt sich ja
im Bauch der Mutter, stopft sie quasi an. Und es reagiert auf Berührungen des Bauches, auf die
Stimme. Das Kind reagiert auch auf die Stimme des Vaters. Das sind alles Dinge, die das während der
Schwangerschaft schon wahrnimmt. Und jetzt muss ich die Frau die ganze Zeit sagen, neun Monate lang,
ja, ich darf aber für das Kind nichts empfinden. Das heißt, sie muss aktiv im Grunde genommen die
Versuche des Bindungsaufbaus des Babys zurückweisen und sagen, nein, nein, du bist ein Fremdkörper.
Mit dir habe ich nichts zu tun. Ich gebe dich gleich nach der Geburt ab. Das ist unfassbar
schwierig für die Frauen. Und es ist für die Babys eine Katastrophe, eine Katastrophe. Wir nehmen
den Frauen ja schon im Kreißsaal gleich nach der Geburt die Neugeborenen ab und übergeben sie an
die fremden Personen. Und dann sehen sie diese Personen, deren Herzschlag, Atmung, Stimme ihnen
so vertraut war, nie wieder. Jeder Vater, der mal im Kreißsaal bei der Geburt seines Kindes dabei
war, weiß, dass das Kind schreit. Und jeder Vater weiß auch, dass es aufhört in dem Moment, in dem
es auf die Brust der Mutter gelegt wird. Und es bleibt ganz lange so. Bis ans Ende seines Lebens
wird die Stimme der Mutter das Kind beruhigen. Immer. Also das ist ein Riesenproblem. Dann
kommt dazu, dass gerade im Fall der Fremdeizelle, wenn also die Frau schwanger gemacht wird mit
einer fremden Ei- und Samenzelle, sie ein erhebliches gesundheitliches Risiko davon trägt.
Denn diese doppelte Fremd-DNA führt zu Abstoßungsreaktionen. Deswegen ist die
Frühgeburtsrate verhältnismäßig hoch. Das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes ist sehr hoch. Das
Risiko für Prä-Enklampsie ist erhöht. Gerade wenn die Frauen mehrfach Leihmütter sind, gibt es
Bandscheibenvorfall, Darmprolaps. Alles, was also mit mehrfach Schwangerschaften zu tun hat, betrifft
diese Frauen dann eben auch. Und dazu kommen postpartale Depressionen, weil sie das Kind,
das sie mit ihrem ganzen Körper neun Monate lang behütet haben, in fremde Hände abgeben müssen.
Und es ist ganz schwer, gar keine Beziehung zu dem Kind zu haben, zu einem neugeborenen Baby. Also
das schießen einfach auch die Hormone ein im Moment der Geburt. Und dann hat man diese
Ungewissheit, an wen gebe ich das jetzt ab? Sind das wirklich gute Eltern? Wie wird es dem Kind
mal gehen? Leider wissen wir ja auch von vielen Fällen, in denen das eben gar keine guten Eltern
waren und es den Kindern sehr, sehr schlecht gegangen ist. Ja, und dann haben sie das Kind
angesprochen. Wir wissen seit vielen, vielen Jahren aus der Adoptionsforschung, was es mit
Kindern macht, wenn sie einen Elternteil verlieren. Und wir wissen, dass 65 Prozent der
Kinder, die von einer Ei- oder Samenzelle-Spende entstanden sind, sagen, die Hälfte meiner
Identität ist diese Spende, ist diese Eizelle, ist diese fremde Person, die ich überhaupt nie
kennengelernt habe. Das ist die Hälfte meiner Identität, sagen zwei Drittel. 81 Prozent dieser
Kinder suchen an sich selbst oder fragen sich bei sich selbst, woher habe ich die braunen Haare? Wie
sah meine Mama aus? Hat die auch gerne Klavier gespielt? Ist die auch blond? Hat die auch blaue
Augen? Was ist das für ein Mensch? Und damit schlagen die Kinder sich dann eben rum bis ans
Ende ihres Lebens. Gerade der Verlust der Mutter führt zu Angststörungen, zu Bindungsunfähigkeit,
zu einer Neigung zu Depressionen. Ich finde es unglaublich, dass wir das alles wissen durch die
Forschung. Die Daten liegen da und wir wischen das beiseite und tun so, als sei eine Mutter ein
verzichtbarer Bestandteil im Leben eines Kindes. Mir fehlen da die Worte. Vielen Dank für das
Interview. Sehr gerne.