Dr. Burkhart Veigel (88) war einer der erfolgreichsten Helfer bei der Flucht aus der DDR. Er verhalf mindestens 950 Menschen vor allem mit präparierten Autos und gefälschten Pässen, die DDR zu verlassen. Dabei war ihm die Stasi manchmal dicht auf den Fersen und zwei Entführungsversuche scheiterten nur knapp. Die Epoch Times sprach mit dem rüstigen Pensionär über seine bewegendsten Jahre. ________________________________________________________________
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Burkhard Feige, a former escape helper, shares his experiences assisting people fleeing the GDR for West Berlin. He details the methods used, the constant threat of Stasi infiltration, and the personal risks he took. Beyond the logistics of escape, he reflects on the systemic oppression of the socialist dictatorship and emphasizes the vital importance of human rights and self-determination.
Wir sprechen jetzt mit einem der erfolgreichsten Fluchthelfer für Fluchten aus der DDR nach Westberlin.
Burkhard Feige hat mindestens 600 Menschen über Fluchtautos in die Freiheit verholfen.
Und dazu kommen noch mehr als 350 Menschen, die er mit anderen Methoden,
zum Beispiel mit gefälschten Pässen oder über Fluchthüllen in die Freiheit gebracht hat.
Guten Tag, Herr Feige.
Fesselballons, Kleinflugzeuge, Hubschrauber, Planierraupen, Surfbretter oder entführte Schiffe.
Die Menschen in der DDR waren sehr kreativ, wenn es um ihre Flucht aus dem Sozialismus ging.
Warum haben sie sich auf Fluchttunnel, gefälschte Pässe und Fluchtautos konzentriert?
Ja, weil das die einzige Möglichkeit war, die es derzeit gibt.
Anders als private Fluchthilfe mussten wir uns überlegen, wohin wir nicht reinen.
Zum Beispiel 100 Flüchtlinge wollen das eine.
Und dann haben die Grenzkontrollen zugelassen.
Die Pässe zum Beispiel, mit Sicherheit die erfolgreichste Fluchtmethode,
die ging eben nur bis zum 5. Januar 1962.
Ab da wurden die Kontrollen so verschärft, dass mit Pässen nur noch mit speziellen Tricks was zu machen war.
Nicht mehr einfach mit den Pässen rüber zu gehen, war eben gar nicht mehr möglich.
Und deshalb waren wir natürlich angepasst an die Zeit, an die Fähigkeiten der Stasi,
die unsere Gegner waren, an unsere Möglichkeiten, die wir hatten.
Wir hatten natürlich auch nicht unbekanntes Geld und so.
Das heißt, es hat sich immer nach der Situation gerichtet, wie wir unsere Fluchthilfe gegriffen haben.
Vielleicht können Sie sich diese drei Fluchtmethoden mal vorstellen.
Wie muss man sich eine Flucht mit gefälschten Blitzen vorstellen?
Die erste Fluchtmethode mit Pässen waren eigentlich immer die sogenannten behelfsmäßigen Personalausschlüsse der West-Berliner.
Da sind aber tatsächlich in neun Tagen, 13. August, Schließung der Grenze, bis zum 22. August 1962,
in diesen neun Tagen sind immerhin 6.000 Einwohner menschlich verheiratet worden.
Da hat die Oma ihre Enkel geholt, der Mann seine Frauen, seine Kinder geholt.
Das war eine private Fluchthilfe.
Die war so erfolgreich, dass die DDR sich nicht mehr anzuhelfen musste, als dass sie den West-Berlinern nicht mehr zugelassen hat.
Das heißt, ab dem 23. Januar 1961 durften West-Berliner nicht mehr rüber nach Österreich.
Und wenn ein Berliner nicht mehr rüber darf, kann natürlich auch niemand zurückkommen.
Das heißt, die Sachen mit den West-Berlinern, die behelfsmäßigen Personalausschlüsse, dienen dann nicht mehr.
Dann gingen nur noch Pässen mit Ausländerpässen vor allem.
Ende September haben wir praktisch nur noch mit Ausländerpässen gearbeitet.
Vorher eben auch teilweise mit Personalausweis oder mit Pässen von Westdeutschen.
Das heißt, da konnten wir dann noch was machen.
Und ab dem 6. Januar 1962 haben die eben registriert, welcher Pass reingekommen war.
Und wenn ein Pass reingekommen war, konnte der Mensch, der Besitzer, auch wieder zurückgehen.
Wenn ein Pass gar nicht reingekommen war, war ganz klar, es kann sich nur um einen Flüchtling handeln.
Das heißt, ab dem 6. Januar 1962 war eben Passgeschüssen tabu.
Da konnten wir nicht mehr rangehen.
Wir haben trotzdem noch einige gemacht.
Zum Beispiel die Transitstrecken gingen noch so.
Da hat die DDR nicht dran gedacht, dass sie eben die Transitstrecken nach Dänemark, nach Schweden,
genauso absichern müsste wie die Kontrollen zwischen Ost und West Berlin.
Ab dem 6. Januar 1962 gingen eben nur noch ungebaute Autos.
Das war die Hauptsache.
Oder einen Tunnel oder einen sonstigen Fasten.
Aber die ungebauten Autos waren sicher.
Das ist die Hauptsache der Flugtüren, die ab 1962 gelaufen sind.
Wie muss man sich bei den Pässen das vorstellen?
Wie sind sie an diese Dokumente gekommen und was haben sie an den Dokumenten verändert,
damit eine Flucht möglich war?
Es gab zwei Methoden.
Grundsätzlich auf Ähnlichkeit.
Das heißt, der Flüchtling musste dem Passgeber ähnlich sein.
Das konnten wir so lassen.
Oder wir haben das Bild hingehängt.
Das heißt, wir haben dann auch ab dem 5. September 1961 etwa das Bild des Flüchtlings reingemacht,
weil der Widererkennungswert sehr viel größer war.
Das Bild des Flüchtlings in den Pass reingehängt.
Wo es darauf ankam, das Stempelsegment, das auf dem Bild ist, exakt nachzumachen.
Und das haben wir nur geschafft, indem wir unsere Stempel geschaffen haben.
Wir haben vom Ausland von 600 Städten die Stempel nachgemacht.
Und in der Bundesrepublik von 16 Städten haben wir die Stempel nachgemacht.
Weil nur so konnte man das Stempelsegment auf dem Bild des Flüchtlings
exakt so wiederholen, wie es auf dem Bild des Passgebers war.
Und wie sind Sie überhaupt an Pässe gekommen, wo Sie dann das Bild austauschen konnten?
Das ist eine Story für sich.
Es war toll.
Wir haben immer gedacht, ja, die Ausländer, die gehen doch die Mauer nichts an.
Aber die Hilfsbereitschaft der Ausländer war sehr viel größer als die von Westdeutschen.
Das muss man auch mal ganz klar sagen.
Westdeutsche haben sich sehr stark gezögert, ihre Pässe herzugeben.
Bei Ausländern war es gar kein Problem.
Ich erzähle z.B. zwei Dinge.
Ich habe mich gewundert, warum wir nach drei Wochen 200 Schweizer Pässe hatten,
vor allem von jungen Männern.
Dann habe ich recherchiert und herausgekriegt,
ja, da gab es eben einen General,
der hat uns einfach die ganzen Pässe seiner Rekruten rübergeschickt.
Die wussten davon gar nichts.
Aber wir hatten immerhin die Pässe.
Also 200 Schweizer Pässe,
auf Ähnlichkeit natürlich vor allem von jungen Männern, ganz klar.
Aber immerhin so großzügig waren wir im Ausland.
Die Deutschen, die Westdeutschen hätten sich da gar nicht dazu getraut.
Die Westberliner, ja, die haben alles Mögliche gemacht.
Aber die Westdeutschen waren sehr zurückhaltend.
Ja, was passiert, wenn das die Russen mitkriegen?
Da verliere ich ja meinen Kopf und meine Freiheit,
wenn die Russen dann kommen.
Und ich sagte, die Sowjetunion, die Russen, die Russen.
Das heißt, die Westdeutschen haben einfach sehr viel Angst gehabt,
was die Westberliner.
Die Westberliner nicht hatten so wahnsinnig viel Angst.
Und was, wie gesagt, im Ausland auch eben nicht die Regel war.
Im Ausland war man sehr großzügig.
Oder was völlig verrückt war,
es gibt ja in Belgien einen deutschsprachigen Landteil,
der nach dem Ersten Weltkrieg in Belgien abgetreten wurde.
Er ist heute noch mal deutschsprachig.
Da ist ein Nachbarn von Willing, so heißt die Stadt,
ist eben gekommen und hat uns 2 Koffer mitgebracht.
Mit Blankopässen, mit den entsprechenden Stempeln,
mit den Gebührenmarken, mit allem Drum und Dran,
sodass wir Blankopässe ausfüllen konnten auf jeden Flüchtling.
Andere Fluchten wurden über Fluchttunnel organisiert.
Wie viele Fluchttunnel gab es überhaupt?
Und wie muss man diese Fluchtmethode forschen?
Erstens ist es sehr anstrengend, ein Tunnel zu bauen.
Es gibt auch andere Gründe.
Es hat nie eine Frau in einen Tunnel gegeben.
Tunnel waren immer Sachen von jungen Männern.
Der Bau der Tunnel.
Bei der Flucht sind natürlich Frauen auch im Tunnel.
Ja, da sind Frauen mitgekommen als Flüchtling.
Aber zum Bau eines Tunnels,
der eine unzählig harte Arbeit ist, das haben nur Männer gemacht.
Da haben manche Leute gesagt,
die sind gar nicht aus dem Tunnel rausgekommen.
Die sind hier 3 Wochen, 6 Wochen ständig im Tunnel geblieben.
Das macht die Frau auch nicht unbedingt mit.
Es ist eine herbe Sache, einen Tunnel zu haben.
Was mich an der Tunnelgeschichte fasziniert,
es hat in Berlin, Berlin ist eine große Stadt,
die Grenze zwischen Berlin und Berlin,
die Grenze zwischen Berlin und Berlin ist relativ lang.
Aber es hat in Berlin 77 Versuche gegeben, einen Tunnel zu haben.
Das finde ich phänomenal.
77 Menschen haben gesagt,
Opa, das geht gar nicht, wir graben da durch.
Das finde ich phänomenal.
Von diesen 77 Tunnelversuchen haben nur 19 geklappt.
Und diese 19 Tunnel, die geklappt haben,
sind auch maximal 220 Menschenfreiheit gekommen.
Allein noch die Grenze zwischen 800 und 10.000.
Das heißt, die Tunnel waren nicht effektiv.
Sie waren sehr anstrengend.
Durch den Tunnel konnte man nur durchkrabbeln,
weil die nur 15 cm hoch waren.
Man hat ja nichts gesehen, wo man ist.
Man muss es auch noch vermessen,
um zu wissen, wo man jetzt ist, wie man weitergraben soll.
Es hat im Tunnel schon einige Probleme gegeben,
die mit nichts anderem zu vergleichen waren.
Und das war ein gefährliches Unterfangen.
Es war deshalb so gefährlich,
weil man ursprünglich gedacht hat,
wenn ich den Tunnel grabe, kann er nicht geschossen werden.
Ganz im Gegenteil.
Wenn man den Tunnel durchgegraben hat bis in den Osten,
und in den Osten in irgendeinem Keller rauskommen wollte,
dann hätte nur die Stasi da sitzen.
Das heißt, ein Tunnel war letztendlich die einzige Fluchtart,
die tatsächlich mit Waffen geführt wurde.
Man wusste ja nicht, wer erschossen wird.
Z.B. hier bei der Flüchtlingsstelle ist auch ein Fluchttreffer dabei,
der bei einem Tunnel erschossen wurde.
Als er rausgekommen ist, hat die Stasi sofort gefeuert.
Er war dann sofort tot.
Ein anderer ist lebensgefährlich verletzt gewesen.
Wenn Sie mit dem Pass flüchten,
da kommt keine Maschinenpistole ins Einsatz.
Aber im Tunnel, das war tatsächlich eine gefährliche Fluchtart.
Und die Stasi war sehr eifrig,
ihre Spitze hineinzukriegen in diese Fluchtbaugruppen.
Und herauszubekommen, ob ein Tunnel im Bau ist, oder?
Sie hat dann z.B. Leute zu den Fluchttreffern geschickt.
Die sagten, ich möchte meine Fluchttreffer kriegen.
Ich habe keine Möglichkeit. Könnt ihr mir helfen?
Das war ein Spitz.
Die eine Fluchtmitgliedin wurde eben noch gemeiner,
das kann man sich gar nicht ausmalen,
als auch mal ein Bürger.
Sie hat dann durch Spitzen, die sie in die Gruppe eingeschleust hat,
hat sie Flüchtlinge holen lassen.
D.h. die Spitzen sind als Fluchthelfer tätig geworden.
Und haben dann z.B. in 2 Fällen, die ich genau kenne,
haben die jeweils 3 Flüchtlinge geholt.
Jetzt haben wir natürlich überhaupt keine Veranlassung gesetzt,
einem Fluchthelfer, der einem Menschen so fluchtfrei ist,
dem zu misstrauen.
Das war eine Persona grata.
D.h. da hat man natürlich kein Fluchtenmisstrauen gehabt.
Und wenn man einen Fluchtenmisstrauen gehabt hätte,
wenn man sagt, du spinnst doch, der hat doch Leute rübergeholt,
der muss doch echt sein.
Die Stasi hat schon ihre Methoden gehabt.
Und es ist der Tatsache,
dass sie praktisch alle Gruppen,
bis auf eine Gruppe infiziert hat.
Diese eine Gruppe hat sehr wenig mit der CIA,
mit dem amerikanischen Weinwien zusammengearbeitet.
Und das war für die von großem Vorteil,
weil sie immer Geld, weil sie immer Pässe,
weil sie immer alles hatten.
D.h. es war sehr gut, mit der CIA zusammenzuarbeiten.
Denn der war der Einzige, der eben nicht unterwandert war.
Sonst kann ich sagen,
sind praktisch alle Gruppen irgendwann von der Stasi unterwandert gewesen.
Damit ist klar geworden,
von den Fluchttunneln wusste die Stasi gut Bescheid.
Nicht von allen natürlich.
Sonst hätten die anderen, die 19, die gelaufen sind,
werden auch nicht gelaufen.
Aber sie hat eben in vielen Fällen rausgekriegt.
Und die allermeisten Tunnel sind eben scheitert an Verrat,
weil die Stasi ihre Finger überall drin hatte.
Der eine oder andere Tunnel ist ja auch eingestürzt.
Aber es waren die wenigsten.
Jetzt ganz konkret,
wie viel wusste die Stasi von Fluchthelferaktivitäten?
Und wie wollte der denn ihr Geheimdienst nicht stoppen?
Die Stasi habe ich natürlich schon gehabt.
Und als einer meiner Freunde,
erfolgreichste Tunnel-Pay-per-Price-in-Berlin Harry Seidel,
am 14. Februar 1962,
ging es nach Fluchthelferaktivitäten.
Da wollte die damalige Justizministerin,
dass der zum Tod verurteilt wird.
Um Einwegsegnisse zu statuieren.
Da hat aber der Generalstaatsanwalt gesagt,
das können wir nicht machen.
Die Reputation der DDR ist,
dass die Mauer-Toten sowieso ganz im Keller sind.
Lass uns lebenslänglich wagen.
Harry Seidel hat 30 Lebensringe überlegt.
Nicht der Richter hat das Urteil geschlossen,
sondern die Justizministerin.
Die Stasi hat bestimmt, wie jemand verurteilt wird.
Ebenfalls ist Harry Seidel zu lebenslänglich verurteilt worden.
Aber sie haben gesagt,
wenn sie vier Personen schnappen,
die sollen dann zum Tod verurteilt werden.
Ich war einer dieser vier.
Ich habe das durch ganz krumme Wege,
die richtig abenteuerlich sind, erfahren.
Am 3. Januar 1962,
am 3. Januar 1963,
habe ich bereits erfahren,
dass ich zum Tod verurteilt werden sollte.
Wie haben Sie das erfahren?
Das kann ich nicht sagen.
Es ist so verschlungen.
Fast kriminell ist da einiges passiert.
Aber man wollte mir helfen.
Man hat Sie gewarnt.
Genau.
Um das zu realisieren,
hat man versucht,
1964 und 1965 mich zweimal zu entführen.
Einmal aus West-Berlin, einmal aus Wien.
Beide Male habe ich es gemerkt,
wenn mir ein Auto hinterhergefahren ist,
in dem drei, beziehungsweise vier Männer saßen.
Die sind mir gefolgt, was ich gemacht habe.
Schnell fahren, langsam fahren, um die Kurve fahren.
Die waren immer hinter mir.
Ich konnte sie beide Male abschütteln.
Da war natürlich auch Glück dabei.
So etwas muss man auch Glück haben.
Man kann es nicht nur aus eigener Kraft lösen,
man kann es auch aus eigener Stärke lösen.
Aber ich bin ihnen entkommen.
Mit dem Auto sind Sie entkommen?
War das ein Auto?
Nein, ich bin ein Auto gefahren.
Die waren plötzlich hinter mir.
Weil sie aufgedeckt hatten, wo ich wohne.
Das war das Übliche.
Das kann man sich auch nicht vorstellen.
Die Stasi hat sehr selten Führungen selbst organisiert.
Sie hat immer Kriminelle aus dem Westen zusammengerufen.
Da war vielleicht ein Stasi-Mann dabei.
Das waren West-Kriminelle.
Die haben die Führungen selbst organisiert.
Später, am Anfang.
Auch Wilhelm Fricke wurde von der Stasi selbst umgeführt.
Wie viele Jahre waren Sie aktiv?
Wie viele Menschen haben Sie insgesamt zur Flucht verholfen?
Ich war tatsächlich deshalb so erfolgreich,
weil ich in 9 vollen Jahren nichts anderes gemacht habe,
als anderen Menschen zur Flucht zu verhelfen.
Studium, solche Dinge waren für mich dann völlig egal.
Ich muss ja irgendwann ein Studium machen.
Ich habe dann mein Studium beendet.
Aber das ist mir erstens mal relativ leicht gefallen.
Und zweitens habe ich irgendwann auch die Gelegenheit gehabt,
während der Fluchthilfe bei einer Franzosen-Tour,
wo ich 400 Leute mit dem Eilach in den Fluchthof geholt habe.
Die waren in der Gemeinschaft.
Und ich habe mich gesehen,
dass man davon keinen Spaßexamen machen kann.
Ich konnte heiraten. Ich konnte ein Kind zeugen.
Das war auch der Grund, warum ich aufgehört habe.
Weil meine Frau gesagt hat,
wenn du auch keine Angst hast vor einer weiteren Entführung,
ich sehe meine Sicht, ich habe Angst.
Wenn sie unser Baby entführen, haben wir doch keine Chance.
Lass uns rausgehen aus Berlin.
Das war der Grund, warum wir Ende 1969 nach Hannover gezogen sind.
Hannover deshalb, weil ich 25 Minuten in Berlin sein konnte.
Per Flug, oder?
Per Flug, ja.
Ich bin seit 1961 nie mehr über die Grenze gegangen.
Weil ich wusste, ich kann verhaftet werden.
Insofern habe ich keinen Fuß mehr auf das Gebiet eines Poststaates gesetzt.
So war das schon klar.
Aber nach Hannover, da habe ich noch 2 Fluchten organisiert.
Schon 2-3 Jahre vorher habe ich überall Showmänner eingesetzt,
die meine Sachen gemacht haben.
Denen habe ich meine ganzen Geschichten überlebt.
Die Tour ist weitergelaufen, wo ich aufgehört habe.
Ich musste kein schlechtes Gewissen haben.
Ich könnte ja anderen Menschen helfen.
Ich musste mich nicht vorwerfen lassen,
weil meine Freunde weitergemacht haben.
Was war Ihre Motivation für die Fluchthilfe?
Sie war, wie Sie berichtet haben, alles andere als ungefährlich.
Ich bin total gepolt, darauf, anderen Menschen zu helfen.
Ich habe mir das oft überlegt,
was ich anderen Menschen helfen will.
Das war eine Sache.
Das war eine Sache, die ich selbst gemacht habe.
Da habe ich selbst daran gerätselt, wie das sein kann,
warum ich es so gemacht habe.
Das spielen viele Dinge mit hinein.
Auch, dass ich Herrn Papitur zur Bundeswehr einberufen wurde.
Und bei der Bundeswehr auch sehr viel gelernt habe.
Was mich dazu gebracht hat, dass ich das Selbstbewusstsein hatte,
dass ich anderen Menschen helfen kann.
Ohne Selbstbewusstsein oder mit wenig Selbstbewusstsein
können Sie auch keinem anderen Menschen helfen.
Man muss ein entsprechendes Selbstbewusstsein haben.
Ich kann das und ich will das und ich mache das.
Das habe ich in der Bundeswehr erworben.
Nach der Bundeswehr wollte ich ein relativ erfolgreiches Studium
den Beginn meines Lebens in die Welt setzen.
Auch dann konnte ich anderen Menschen helfen.
Ohne an mich zu denken.
Wenn ich verhaftet worden wäre, wäre ich verhaftet worden.
Das wäre mein Problem gewesen.
Ich bin aber zum Glück nie verhaftet worden.
Ich bin nie von der Straße klein gemacht worden.
Ich kann heute noch sehr erhofft und stolz auf meine Vergangenheit
machen, was mich jemand von diesem Typen klein gemacht hat.
Wie haben Sie damals auf die DDR und den Mauerbau geschaut?
Ich habe nicht nur eine Wunschgruppe,
sondern auch eine Wunschgruppe gehabt.
Ich habe die DDR gehasst.
Aber nicht nur deshalb, weil ich die Mauer gesehen habe.
Wie eine Mauer gebaut wurde.
Nicht um einen Feind von außen aufzugeben.
Wie sonst ein Mauerbau.
Sondern um die eigene Bevölkerung.
Es war für mich auch so völlig absurd,
dass man hier eine Ansicht ausgibt,
wo ein Unrechtsstaat ist, wo eine Diktatur ist,
wo man sich demokratisch sieht.
Man hat sich immer mit freien Versprechungen hingehalten.
Und ich habe dann durch meine Flüchtlinge,
die ich bekommen habe,
gesehen, wie stark der Staat, Stasi und der ganze Staat,
die Menschen unter Druck gesetzt hat.
Wie schlecht es meinen Flüchtlingen ging,
die ich dann mit ihnen in Kontakt gekommen habe.
Da habe ich die DDR-Sozialismus zu hassen.
Und zu sagen, das darf es nicht geben.
Die Menschen sollen so aufwachsen, wie ich aufgewachsen bin.
Sie sollen sich frei äußern können.
Sie sollen ihre Persönlichkeit zurückziehen können.
Sie sollen auf die Schule gehen können, die sie wollen.
Sie können Urlaub machen können, was sie wollen.
Sie sollen ihren Beruf ergreifen können, den sie wollen.
Also selbstbestimmt leben.
Und nicht so leben, wie es der Partei zu leben befohlen hat.
Gibt es noch Kontakte, die Sie damals hatten?
Nach Westfälisches Belang?
Ich habe sehr viele Kontakte noch zu ehemaligen Flüchtlingen.
Und zu anderen ehemaligen Fluchthelfern.
Ich bin selbst überrascht gewesen,
dass ich die Leute 20, 30, 40 Jahre nach ihrer Flucht gefragt habe.
Was hat sich bei euch verändert?
Was ist der größte Unterschied zwischen eurem Leben in der DDR
und eurem Leben im Westen in der Freiheit?
Ich habe immer gedacht, der größte Kult ist die Stasi.
Das war nicht der größte Kult.
Der größte Kult war, dass meine Persönlichkeit eingeschränkt war.
Ich konnte nicht auf die Schule gehen, auf die ich wollte.
Ich konnte nicht studieren, was ich wollte.
Man hat nur irgendein Funktionär.
Das war die Selbstverwirklichung,
die den Menschen genommen wurde in der DDR.
Das hat die größte Rolle gespielt.
Die Stasi auch.
Dass 99.000 Briefe geöffnet wurden.
Und dass überall Kwanzen waren zum Abhören usw.
Das hat eine Rolle gespielt.
Aber der Hauptgrund, was das Leben verändert hat,
war, dass sie ihre Selbstverwirklichung wieder erreicht haben.
Und nicht mehr geschlägt werden mussten
nach der Diktate einer Planwirtschaft.
Wo der Staat bestimmt hat, was du studierst,
wer auf die Schule gehen kann, wer das nicht darf.
Das war schon berggrößer.
Das Selbstbestimmungsrecht,
dass sie das in den Westen ausüben konnten,
war in der DDR nicht möglich.
Sie haben auch jetzt noch Kontakt.
Manchmal ist es für tot oder für dement.
Aber ich habe sehr, sehr guten Kontakt zu den Leuten,
die noch ansprechbar sind.
Für wie wichtig halten Sie,
dass junge Menschen in Deutschland
die Zeit der deutschen Teilung verstehen können?
Und sich mit dem Thema Flucht aus der DDR auseinandersetzen?
Ich finde es evident wichtig,
dass man sich auch mit der Staatsform auseinandersetzt.
Allein, dass man Küche getauscht hat.
Dass man lesen wollte, was man lesen wollte.
Und nicht auf die staatlich verordnete Literatur angewiesen war.
Dass man selbst entscheiden konnte, was man lesen will.
Allein schon das zeigt, welche Risiken es gab.
Für die Weitergabe einer verbotenen Literatur
gab es 2 Jahre Gefängnis.
Allein das zeigt,
wie groß der Wunsch der Menschen war,
in Freiheit zu leben, zu denken, zu diskutieren.
Und nicht das staatliche Verordnete durchzuziehen.
Und dass man da Gefahren aufsieht.
Das finde ich sehr wichtig.
Ich möchte, dass bei den jungen Menschen ein bisschen was da ist.
Dass sie die Werte, die sie haben, bereit sind, selbst zu verteidigen.
Obwohl ich sage, das geht mir gar nichts an.
Wenn ich dann kommunistisch werde,
oder wenn ich von denen eingekassiert werde,
dann lebe ich halbweiter.
Die leben gar nicht so weiter, wie sie bisher gelebt haben.
Ich finde, das muss Selbstbewusstsein dringen.
Dass wir unglaublich tolle Werte haben.
Die Menschenrechte, die wir haben.
Dass wir das auch verteidigen müssen.
Ihr könnt euer Leben nicht ohne Werte leben.
Ein Leben ohne Werte ist sinnlos.
Aber dass wir Werte erhoben haben,
die sich auch zu leben und sich auch nur zu kämpfen.
Das möchte ich schon klar machen.
Vielen Dank.
Bitte.