Learn German with the story of Anne, who secretly writes books for a famous author and gets more into trouble. To have practical learning material, the story is full of natural German dialogs, interesting expressions and vocabulary that help you express yourself in German naturally, like a native.
Chapters: 00:00 German Story with Subtitles | Practice Listening 20:31 Build Your Vocabulary 28:07 German Listening Practice Without Subtitles
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Anne, a talented ghostwriter, is trapped in an exploitative relationship with the arrogant author Volker Brandt, who steals her work to maintain his fame. After her sister secretly submits Anne's personal novel to a publisher, Anne finds the strength to challenge Brandt's restrictive contract, reclaim her professional identity, and finally publish a successful book under her own name.
Anne wollte schreien und weinen.
Doch in diesem Moment ging die Kamera an.
Und die Moderatorin kam zu ihr.
Doch beginnen wir am Anfang.
Anne saß am Tisch.
Vor ihr standen ein Laptop
und ein Block voller Notizen und Korrekturen.
Aus dem Nebenzimmer kam ein Husten.
Anne war tief besorgt.
Sie ging zur Tür und lauschte.
Der Husten klang schwer
und wollte sich nicht beruhigen.
War er schlimmer als gestern?
Kurz wollte sie ins Nachbarzimmer gehen und nachsehen.
Doch sie entschied sich dagegen
und setzte sich wieder an den Schreibtisch.
Heute war Annes Abgabetermin.
Sie hatte wirklich keine Zeit zu verlieren.
Als ihr Handy plötzlich klingelte,
zuckte sie zusammen.
Sie brauchte nicht auf das Display zu schauen.
Sie wusste, wer es war.
Herr Brandt.
Ausgerechnet heute.
Hören Sie zu, Frau Mertens.
Kapitel 5 ist sehr schwach.
Zu lang und ohne Spannung.
Sie haben meine Wünsche überhaupt nicht berücksichtigt.
So geht das wirklich nicht.
Ich habe, so gut es ging, alles umgesetzt,
was Sie mir geschrieben haben.
Die Hauptfiguren tun jetzt genau das, was Sie wollten.
Hier geht es nicht darum, was die Figuren tun.
Es geht darum, wie sie wirken.
Die Hauptfigur sollte stärker und klüger sein.
Sie wirkt aber unentschlossen und schwach.
Ihr fehlt es an Charakter.
Das ist wirklich mittelmäßige Literatur, Frau Mertens.
Und dafür soll ich Sie bezahlen?
Geben Sie mir bitte noch einen Tag. Dann...
Noch einen Tag?
Sie kennen unsere Vereinbarungen.
Ich brauche das Manuskript heute.
Wenn Sie nicht liefern, suche ich mir jemand anderen.
Ohne ein weiteres Wort legte Herr Brandt auf.
Dieser Wichtigtur.
Das hält niemand lange aus.
Anne stand auf und ging ins Nebenzimmer.
Dort lag ihre kranke Mutter im Bett.
Ihr Gesicht war blass und die Augen müde.
Sie hatte in den letzten Wochen viel an Gewicht verloren.
Wie geht es dir, Mama?
Du hast heute noch nichts gegessen.
Du musst etwas essen.
Soll ich dir Suppe bringen?
Das angestrengte Lächeln ihrer Mutter
deutete Anne als ein stilles Ja.
Jede Bewegung kostete ihre Mutter Kraft.
Im Vergleich zu letztem Monat
war sie nur noch ein Schatten ihrer selbst.
Ich werde das Ganze durchziehen,
egal wie sehr mich dieser Brandt nervt.
Für meine Mutter werde ich es tun.
Sie setzte sich an den Computer und schrieb weiter.
Seit sechs Jahren schrieb Anne als Ghostwriterin
für Herrn Brandt, den gefeierten Autor,
dessen Name überall in den Schaufenstern der Buchhandlungen
und auf den Bestsellerlisten zu sehen war.
Alle Bücher, die er herausbrachte,
hatte Anne für ihn geschrieben.
Brandt hatte keine Ahnung,
wie man einen guten Roman schrieb.
Er setzte sie aber ständig unter Druck,
weil er um seinen Ruhm fürchtete.
Für die vielen Nächte, die Anne durchschrieb,
war die Bezahlung lächerlich gering.
Aber Anne brauchte das Geld,
um die Medikamente und die Behandlungen ihrer Mutter
sowie die Miete zu bezahlen.
Daher sagte sie zu fast allem Ja,
was Brandt von ihr forderte.
Sie schrieb trotz Kopfschmerzen
und tat alles, was Brandt von ihr verlangte.
Doch neben ihrer Arbeit als Ghostwriterin
hatte sie noch ein kleines geheimes Projekt.
Seit fünf Jahren arbeitete sie
in der wenigen Zeit, die ihr blieb,
an einem eigenen Roman.
In diesen Roman hatte sie ihr ganzes Herzblut gesteckt.
Wenn sie daran schrieb,
fühlte sie sich glücklich und im Frieden mit sich.
Bisher hatte sie nur ihrer Schwester davon erzählt.
Vor einigen Monaten hatte ihre Mutter
leise den Wunsch geäußert,
eines Tages ein eigenes Buch von Anne im Regal zu sehen.
Mit schwerem Herzen hatte Anne damals gesagt,
Als die Deadline für das nächste Kapitel näher rückte,
wusste Anne, dass sie keine Zeit verlieren durfte.
Sie richtete sich im Dachgeschoss ein.
Dort hatte sie keinerlei Ablenkung.
Nicht einmal ihr Handy nahm sie mit.
Eine Woche lang arbeitete sie fast ohne Pause.
Nach sieben Tagen schickte sie
das letzte Kapitel des Romans an Brandt.
Doch statt Erleichterung spürte sie nur Leere in sich.
Sie öffnete die untere Schublade des Schreibtisches,
nahm ihr Handy und sah viele verpasste Anrufe und Nachrichten.
Sie hörte die Mailbox ab.
Eine ruhige, professionelle Stimme meldete sich.
Guten Tag, Frau Mertens.
Hier ist der Buchverlag Lichtenau.
Wir sind begeistert von Ihrem Manuskript,
das Sie uns letzte Woche geschickt haben.
Bitte rufen Sie uns dringend zurück.
Mein Manuskript?
Ich habe niemandem etwas geschickt?
Das muss eine Verwechslung sein.
Sie riss die Schubladen auf,
suchte zwischen Heften und Papieren.
Doch der Ausdruck ihres eigenen Romans war verschwunden
und auch der Stick,
auf dem sie die letzte Fassung gespeichert hatte,
fand sich nirgends.
Es gab nur eine Person,
die das getan haben konnte.
Ihre Schwester.
Anne betrat das Zimmer ihrer Schwester,
die am Fenster stand und sich zu ihr umdrehte.
Anne sah sie fragend an.
Der Blick ihrer Schwester verriet.
Sie hatte das Manuskript an den Verlag geschickt.
Nicht aus Bosheit,
sondern aus Liebe und vielleicht aus Angst,
dass ihrer Schwester die Zeit für eine Veröffentlichung davonlief.
Sie wollte, dass endlich jemand Annes Talent erkannte
und zugleich der Mutter den Wunsch erfüllen,
das Buch noch im Regal zu sehen, bevor sie starb.
Sie hatte Anne nicht gefragt,
sondern gehofft, später um Verzeihung bitten zu können.
Das Gebäude des Verlags Lichtenau war hell,
modern und ruhig gelegen.
In den Fluren hingen Buchcover,
auf denen bekannte Namen von Autoren zu lesen waren.
Frau Mertens, danke, dass Sie gekommen sind.
Ich habe Ihr Manuskript mit großem Interesse gelesen.
Ich bin niemand, der oft Komplimente macht,
aber Ihr Manuskript, das hat mich sehr berührt.
Es war ein Versehen.
Ich wollte es nicht veröffentlichen.
Wieso haben Sie es uns dann zugeschickt?
Ich habe es nicht geschickt.
Es war meine Schwester,
die es ohne meine Erlaubnis getan hat.
Dann wusste Ihre Schwester um Ihr Talent.
Ich muss Ihnen sagen,
in 30 Jahren habe ich selten ein so klares, ehrliches Buch gelesen.
Aber ich will Sie nicht drängen.
Nehmen Sie sich eine Woche Zeit.
Wenn Sie Nein sagen, bleibt es bei Nein.
Und niemand erfährt je davon.
Eine Woche Bedenkzeit?
Genau.
Ich gebe Ihnen eine Woche Zeit, sich zu entscheiden.
Freuen würde mich ein Ja natürlich sehr.
Es wäre schade,
wenn die Literaturwelt Ihr Talent nicht entdecken dürfte.
Als Anne das Verlagsgebäude verließ,
spürte sie zum ersten Mal seit langem eine Art Hoffnung.
Plötzlich hörte sie das Geräusch quietschender Bremsen.
Ein Auto hielt direkt vor ihr.
Das Fenster ging herunter,
und Herr Brandt sah sie mit einem harten, kalten Blick an.
Denken Sie, ich merke nicht, was Sie tun?
Ich weiß nicht, wovon Sie reden, Herr Brandt.
Haben Sie noch einen schönen Tag?
Nicht so schnell.
Sie kennen unseren Vertrag.
Wollen Sie Ärger?
Ich habe Ihr neues Buch gelesen.
Es gefällt mir.
Sie scheinen sich hier mehr Mühe gegeben zu haben
als bei den Büchern, die Sie bisher für mich geschrieben haben.
Schreiben Sie es zu Ende.
Für mich.
Unter meinem Namen.
Nein.
Geben Sie mir das Manuskript zurück.
Sie brauchen es nicht mehr,
denn ich entscheide, was damit geschieht.
Das Fenster schloss sich.
Der Wagen fuhr davon.
Anne blieb fassungslos zurück.
Was Anne nicht wusste, war,
dass der Verlagsleiter alles gesehen hatte.
Er hatte am Fenster seines Büros gestanden
und die Szene beobachtet.
Zu Hause angekommen,
zog sie ihre Jacke aus und legte sich auf ihr Bett.
Ihr Magen schmerzte.
Am nächsten Morgen griff Anne zum Telefon.
Ihre Hand zitterte,
als hätte sie längst gewusst,
dass es keine andere Wahl gab.
Sie wählte Brandts Nummer.
Hallo, Herr Brandt?
Hören Sie zu.
Ich schreibe es für Sie zu Ende.
Das Buch erscheint unter Ihrem Namen.
Sehr vernünftig, Frau Mertens.
Er legte auf, ohne sich zu bedanken.
Die nächsten Tage verschwammen in Annes Erinnerung.
Immer wieder erhielt sie kurze Nachrichten von Brandt.
Fortschritte.
Schneller.
Mehr Gefühle.
Keine Anrede.
Keine Bitte.
Kein Danke.
Nur Befehle.
Anne arbeitete mit Hochdruck am Ende ihres Romans.
Zwischendurch brachte sie ihrer Mutter Suppe,
Tee oder ihre Medikamente.
Auch die Schwester war zu Hause.
Doch seit dem Vorfall herrschte Kälte zwischen ihnen.
Sie sprachen kein Wort mehr als nötig.
Abends saß Anne am Fenster und dachte darüber nach,
ob es einen Weg aus dem Vertrag geben könnte.
Einen Weg, der sie nicht noch in größere Probleme bringen würde.
Dann klingelte ihr Handy.
Es war der Verlagsvertreter mit seiner ruhigen Stimme.
Hallo, Frau Mertens.
Beim letzten Mal hatte ich Sie gebeten,
in Ruhe darüber nachzudenken,
ob das Buch bei uns erscheinen soll.
Wie haben Sie sich entschieden?
Ich weiß nicht, ich bin mir nicht sicher.
Ein Text, der so schön und berührend ist.
Und Sie wollen ihn nicht veröffentlichen?
Es muss einen Grund dafür geben.
Entschuldigen Sie, es ist nicht einfach für mich.
Frau Mertens, ich arbeite seit 30 Jahren
mit Autorinnen und Autoren zusammen.
Ich erkenne, wenn jemand nicht frei ist.
Was hindert Sie daran, mit uns zusammenzuarbeiten?
Es gibt jemanden, der Anspruch auf das Buch erheben würde.
Jemand, der behauptet, es sei sein Roman?
Ja, der Bestsellerautor Volker Brandt.
Ach, du liebe Güte.
Ich hatte so etwas geahnt.
Ich habe Brandt einmal zufällig getroffen
und mich gewundert, wie ein Mann wie er
so gefühlvolle Romane schreiben kann.
Naja, er hat sie also als Ghostwriterin benutzt
und hält sie in einem Vertrag fest.
Ja, seit Jahren.
Alles, was unter seinem Namen erschienen ist,
wurde von mir geschrieben.
Ich brauche das Geld, wegen meiner kranken Mutter.
Ich konnte daher nicht anders.
Und nun haben Sie Angst, dass er Sie für immer festhält?
Mit Verträgen, Drohungen und vielleicht Schlimmerem?
Ja.
Dann lassen Sie uns gemeinsam eine Lösung suchen.
Sie bringen mir alles, was Sie als Nachweis haben.
E-Mails, Rechnungen, Anweisungen.
Wir prüfen den Fall rechtlich.
Vielleicht finden wir einen Weg,
dass Sie Ihre Bücher bald unter Ihrem eigenen Namen veröffentlichen können.
Meinen Sie, das wäre möglich?
Ja, aber nur, wenn Sie sich jetzt zum ersten Mal
für sich selbst entscheiden.
Wir haben eine gute Rechtsabteilung,
die Ihre Situation prüfen kann.
Anne hatte neue Hoffnung geschöpft.
Doch ein paar Tage später wurde es still im Nebenzimmer.
Ihre Mutter lag da, blass, mit einem schwachen Lächeln.
Anne nahm ihre Hand.
Sie atmete nicht mehr.
Anne und ihre Schwester saßen nebeneinander.
Sie sprachen nicht, aber sie fühlten denselben Schmerz.
Zum ersten Mal seit langem waren sie sich wieder nah.
Was habe ich noch zu verlieren?
Wenn es Mamas letzter Wunsch war, dann soll er erfüllt werden.
Nach einer Woche der Trauer um ihre geliebte Mutter
begann Anne, Beweise zu sammeln.
Alte Mails, Chatverläufe und Rechnungen.
Er hat mich wirklich klein gehalten.
Wegen ihm konnte ich nicht genug Zeit bei meiner Mutter sein
in ihren letzten Tagen.
Jetzt wird er sehen, dass ich auch für meine Rechte kämpfen kann.
Wir haben Ihren Vertrag gelesen, Frau Mertens.
Da steht tatsächlich eine Klause, die Ihnen verbietet,
jemals unter Ihrem eigenen Namen zu veröffentlichen.
Das heißt, ich darf nie ein eigenes Buch herausbringen?
So klingt es erst einmal, ja.
Aber solche Klauseln sind in Deutschland fast nie gültig.
Ein Vertrag darf niemandem seine ganze Zukunft nehmen.
Brandt hat das vermutlich nur hineingeschrieben,
um sie einzuschüchtern.
Vor Gericht hätte er damit kaum eine Chance.
Ich habe damals auch zufällig gesehen,
wie er sie auf der Straße bedroht und eingeschüchtert hat.
Er spielt mit der Angst.
Aber damit wird er nicht durchkommen.
Ich dachte, ich bin für immer gefangen.
Nein. Er will, dass Sie genau das glauben.
Sie sind die Autorin.
Sie haben jedes Recht, unter Ihrem eigenen Namen zu schreiben.
Wir müssen jetzt nur die richtigen Schritte unternehmen.
Der Verlagsvertreter unterstützte Anne sehr.
Er organisierte sogar ein Interview mit einem großen Podcast.
Dort konnte sie ihr neues Buch vorstellen
und damit Brandt den Wind aus den Segeln nehmen.
Wenn Sie wollen, können Sie dort die Wahrheit sagen.
Aber die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Machen Sie den Podcast-Termin. Ich komme.
Kurz darauf unterschrieb Anne beim Verlag ihren Vertrag.
Zum ersten Mal stand ihr Name über dem Text.
Als sie das sah, fühlte sie sich stolz
und von einer großen Last befreit.
Der Tag des Podcast-Interviews kam näher.
Als Anne aus dem Haus gehen wollte, stand plötzlich Herr Brandt vor ihr.
Wohin wollen Sie so schnell?
Das geht Sie nichts an.
Hören Sie zu.
Sollte ich erfahren, dass Sie den Roman woanders unter Ihrem Namen veröffentlichen,
bringe ich Sie vor Gericht und verklage Sie.
Unser Vertrag ist eindeutig.
Unser Vertrag? Sie haben mich jahrelang ausgebeutet.
Sie haben meine Situation ausgenutzt.
Aber ich weiß inzwischen, dass diese Klausel nicht gütig ist.
Sie hatten nie das Recht, mir meine Zukunft als Autorin zu nehmen.
Ich darf meinen eigenen Roman veröffentlichen.
Sie irren sich. Ohne mich sind Sie nichts.
Sie wären nie gelesen worden. Sie hätten nie einen Cent verdient.
Alles, was Sie haben, verdanken Sie mir und meinem Namen.
Nein, Sie irren sich, Herr Brandt.
Ohne Sie hätte ich vielleicht weniger Geld gehabt, ja.
Aber ich hätte meine Würde behalten.
Es ist andersherum. Nicht ich brauche Sie, Sie brauchen mich.
Ohne meine Worte, ohne meine Geschichten sind Sie nichts weiter als ein Name auf einem Cover.
Meine Mutter wollte immer, dass ich mir selbst vertraue.
Das fiel mir nie leicht.
Aber dieses Buch ist mein Versprechen an sie,
dass ich mich nicht mehr von anderen abhängig machen und an mich selbst glauben werde.
Sind Sie bereit für die Aufnahme?
Das Interview begann.
Anne erzählte von ihrem Buch, von den Figuren und den Ideen dahinter.
Dann kam eine Frage, die sie wie ein Schlag traf.
Haben Sie sich beim Schreiben eigentlich von großen Autoren wie Volker Brandt inspirieren lassen?
Als sie diesen Namen hörte, zuckte sie zusammen.
Sie erinnerte sich an all die Nächte, in denen sie für ihn geschrieben hatte.
Einsam, erschöpft, oft verzweifelt.
Langsam hob sie den Kopf, sah direkt in die Kamera und sagte klar.
Nein, meine Inspiration kam nie von ihm.
Ich habe mich immer von Autoren inspirieren lassen, die lange vor unserer Zeit lebten.
Über ihre Verbindung zu Brandt schwieg sie.
Sie wollte endlich die bittere Vergangenheit hinter sich lassen
und ein neues Kapitel in ihrem Leben aufschlagen.
Annes eigenes Buch erschien kurz darauf, mit ihrem Namen auf dem Cover.
Es wurde viel gelesen, geliebt und heiß diskutiert.
Menschen schrieben ihr, wie sehr es sie berührte.
Anne hielt das Buch in den Händen, während sie neben ihrer Schwester saß und flüsterte
Für dich, Mama.
Wichtige Vokabeln und Ausdrücke.
Abhängig.
Nicht frei, sodass man nicht allein handeln oder entscheiden kann.
Wie konnte ich mich nur so abhängig von ihm machen?
Die Notizen.
Etwas Aufgeschriebenes mit wichtigen Ideen oder Stichpunkten.
Anne saß am Tisch.
Vor ihr standen ein Laptop und ein Block voller Notizen und Korrekturen.
Das Husten.
Das Geräusch, wenn man Luft mit Kraft aus der Lunge stößt.
Aus dem Nebenzimmer kam ein Husten.
Der Husten.
Eine Krankheit, bei der man oft Luft mit Kraft ausstößt, also hustet.
Der Husten klang schwer und wollte sich nicht beruhigen.
Der Abgabetermin.
Der letzte Tag, an dem man eine Arbeit fertigstellen und abgeben muss.
Heute war Annes Abgabetermin.
Keine Zeit zu verlieren haben.
Sofort handeln müssen, weil die Zeit knapp ist.
Sie hatte wirklich keine Zeit zu verlieren.
Zusammenzucken.
Kurz erschrecken und sich plötzlich bewegen.
Als ihr Handy plötzlich klingelte, zuckte sie zusammen.
Ausgerechnet.
Gerade jetzt, obwohl es unpassend ist.
Sie wusste, wer es war.
Herr Brandt.
Ausgerechnet heute.
Etwas berücksichtigen.
Auf etwas achten.
Etwas beachten.
Sie haben meine Wünsche überhaupt nicht berücksichtigt.
Etwas umsetzen.
Eine Idee oder einen Plan in die Tat bringen.
Ich habe, so gut es ging, alles umgesetzt, was sie mir geschrieben haben.
Wirken.
Den Eindruck machen.
So erscheinen.
Die Hauptfigur sollte stärker und klüger sein.
Sie wirkt aber unentschlossen und schwach.
Mittelmäßig.
Weder gut noch schlecht.
Eher durchschnittlich.
Das ist wirklich mittelmäßige Literatur, Frau Mertens.
Die Vereinbarung.
Eine Abmachung zwischen Personen.
Sie kennen unsere Vereinbarungen.
Der Wichtigtuer.
Eine Person, die sich selbst viel zu wichtig nimmt.
Dieser Wichtigtuer.
Das hält niemand lange aus.
Nur noch ein Schatten seiner Selbst sein.
Sehr schwach oder krank sein im Vergleich zu früher.
Im Vergleich zum letzten Monat war sie nur noch ein Schatten ihrer selbst.
Etwas durchziehen.
Etwas bis zum Ende machen.
Auch wenn es schwer ist.
Ich werde das Ganze durchziehen.
Egal, wie sehr mich dieser Brand nervt.
Die Ghostwriterin.
Eine Person, die Texte für andere schreibt, aber ohne den eigenen Namen.
Seit sechs Jahren schrieb Anne als Ghostwriterin für Herrn Brand.
Gefeiert.
Von vielen Menschen bewundert und bekannt.
Seit sechs Jahren schrieb Anne als Ghostwriterin für Herrn Brand,
den gefeierten Autor, dessen Name überall auf den Bestsellerlisten stand.
Herzblut in etwas stecken.
Sehr viel Energie und Liebe in eine Arbeit geben.
In diesen Roman hatte sie ihr ganzes Herzblut gesteckt.
Das Manuskript.
Der erste Text eines Buches, bevor es gedruckt wird.
Wir sind begeistert von ihrem Manuskript, das sie uns geschickt haben.
Die Verwechslung.
Wenn man zwei Dinge oder Personen in Gedanken vertauscht oder verdreht.
Ich habe niemandem etwas geschickt.
Das muss eine Verwechslung sein.
Etwas veröffentlichen.
Die Veröffentlichung.
Ein Buch oder einen Text für alle zugänglich machen.
Sie hatte das Manuskript an den Verlag geschickt.
Vielleicht aus Angst, dass ihrer Schwester die Zeit für eine Veröffentlichung davon lief.
Jemanden berühren.
Jemanden emotional bewegen.
Ihr Manuskript.
Das hat mich sehr berührt.
Jemanden drängen.
Jemanden unter Druck setzen.
Aber ich will Sie nicht drängen.
Nehmen Sie sich eine Woche Zeit.
Der Vertrag.
Ein schriftliches Dokument mit Regeln zwischen Personen oder Firmen.
Sie kennen unseren Vertrag.
Fassungslos.
So überrascht oder schockiert, dass man nicht weiß, was man tun soll.
Anne blieb fassungslos zurück.
Der Vorfall.
Ein Ereignis, oft etwas Schlechtes.
Seit dem Vorfall herrschte Kälte zwischen ihnen.
Erscheinen.
Herauskommen.
Öffentlich gemacht werden.
Beim letzten Mal hatte ich Sie gebeten, in Ruhe darüber nachzudenken,
ob das Buch bei uns erscheinen soll.
Der Autor.
Die Autorin.
Eine Person, die ein Buch schreibt.
Ich arbeite seit 30 Jahren mit Autorinnen und Autoren.
Jemanden an etwas hindern.
Jemanden stoppen.
Etwas zu tun.
Wer hindert Sie daran, mit uns zusammenzuarbeiten?
Einen Anspruch auf etwas erheben.
Sagen, dass man das Recht auf etwas hat.
Es gibt jemanden, der Anspruch auf das Buch erheben würde.
Jemanden festhalten.
Jemanden nicht gehen lassen oder nicht freilassen.
Er hält sie in einem Vertrag fest.
Jemanden kleinhalten.
Verhindern, dass jemand stark oder erfolgreich wird.
Er hat mich wirklich klein gehalten.
Jemanden einschüchtern.
Jemandem Angst machen.
Brandt hat das nur hineingeschrieben, um sie einzuschüchtern.
Jemandem den Wind aus den Segeln nehmen.
Jemandem den Vorteil wegnehmen.
Ihn schwächer machen.
Beim Podcast konnte sie ihr neues Buch vorstellen
und damit Brandt den Wind aus den Segeln nehmen.
Jemanden ausbeuten.
Jemanden viel arbeiten lassen, aber schlecht bezahlen.
Sie haben mich jahrelang ausgebeutet.
Jemandem etwas verdanken.
Etwas nur wegen einer anderen Person haben.
Alles, was sie haben, verdanken sie mir.
Die Würde.
Die innere Ehre und Selbstachtung.
Ohne sie hätte ich vielleicht weniger Geld gehabt, ja.
Aber ich hätte meine Würde behalten.
Achte jetzt während des zweiten Hörens noch einmal genau auf die Details.
Wie viel verstehst du jetzt schon?
Wie konnte ich mich nur so abhängig von ihm machen?
Anne wollte schreien und weinen.
Doch in diesem Moment ging die Kamera an und die Moderatorin kam zu ihr.
Doch beginnen wir am Anfang.
Anne saß am Tisch.
Vor ihr standen ein Laptop und ein Block voller Notizen und Korrekturen.
Aus dem Nebenzimmer kam ein Husten.
Anne war tief besorgt.
Sie ging zur Tür und lauschte.
Der Husten klang schwer und wollte sich nicht beruhigen.
War er schlimmer als gestern?
Kurz wollte sie ins Nachbarzimmer gehen und nachsehen.
Doch sie entschied sich dagegen und setzte sich wieder an den Schreibtisch.
Heute war Annes Abgabetermin.
Sie hatte wirklich keine Zeit zu verlieren.
Als ihr Handy plötzlich klingelte, zuckte sie zusammen.
Sie brauchte nicht auf das Display zu schauen.
Sie wusste, wer es war.
Herr Brandt. Ausgerechnet heute.
Hören Sie zu, Frau Mertens.
Kapitel 5 ist sehr schwach.
Zu lang und ohne Spannung.
Sie haben meine Wünsche überhaupt nicht berücksichtigt.
So geht das wirklich nicht.
Ich habe so gut es ging alles umgesetzt, was Sie mir geschrieben haben.
Die Hauptfiguren tun jetzt genau das, was Sie wollten.
Hier geht es nicht darum, was die Figuren tun.
Es geht darum, wie sie wirken.
Die Hauptfigur sollte stärker und klüger sein.
Sie wirkt aber unentschlossen und schwach.
Ihr fehlt es an Charakter.
Das ist wirklich mittelmäßige Literatur, Frau Mertens.
Und dafür soll ich Sie bezahlen?
Geben Sie mir bitte noch einen Tag. Dann …
Noch einen Tag? Sie kennen unsere Vereinbarungen.
Ich brauche das Manuskript heute.
Wenn Sie nicht liefern, suche ich mir jemand anderen.
Ohne ein weiteres Wort legte Herr Brandt auf.
Dieser Wichtigtur. Das hält niemand lange aus.
Anne stand auf und ging ins Nebenzimmer.
Dort lag ihre kranke Mutter im Bett.
Ihr Gesicht war blass und die Augen müde.
Sie hatte in den letzten Wochen viel an Gewicht verloren.
Wie geht es dir, Mama? Du hast heute noch nichts gegessen.
Du musst etwas essen. Soll ich dir Suppe bringen?
Das angestrengte Lächeln ihrer Mutter deutete eine als ein stilles Ja.
Jede Bewegung kostete ihre Mutter Kraft.
Im Vergleich zu letztem Monat war sie nur noch ein Schatten ihrer selbst.
Ich werde das Ganze durchziehen, egal wie sehr mich dieser Brandt nervt.
Für meine Mutter werde ich es tun.
Sie setzte sich an den Computer und schrieb weiter.
Seit sechs Jahren schrieb Anne als Ghostwriterin für Herrn Brandt,
den gefeierten Autor, dessen Name überall in den Schaufenstern der Buchhandlungen
und auf den Bestsellerlisten zu sehen war.
Alle Bücher, die er herausbrachte, hatte Anne für ihn geschrieben.
Brandt hatte keine Ahnung, wie man einen guten Roman schrieb.
Er setzte sie aber ständig unter Druck, weil er um seinen Ruhm fürchtete.
Für die vielen Nächte, die Anne durchschrieb, war die Bezahlung lächerlich gering.
Aber Anne brauchte das Geld, um die Medikamente und die Behandlungen ihrer Mutter sowie die Miete zu bezahlen.
Daher sagte sie zu fast allem Ja, was Brandt von ihr forderte.
Sie schrieb trotz Kopfschmerzen und tat alles, was Brandt von ihr verlangte.
Doch neben ihrer Arbeit als Ghostwriterin hatte sie noch ein kleines geheimes Projekt.
Seit fünf Jahren arbeitete sie in der wenigen Zeit, die ihr blieb, an einem eigenen Roman.
In diesen Roman hatte sie ihr ganzes Herzblut gesteckt.
Wenn sie daran schrieb, fühlte sie sich glücklich und im Frieden mit sich.
Bisher hatte sie nur ihrer Schwester davon erzählt.
Vor einigen Monaten hatte ihre Mutter leise den Wunsch geäußert,
eines Tages ein eigenes Buch von Anne im Regal zu sehen.
Mit schwerem Herzen hatte Anne damals gesagt,
Vielleicht geschieht es eines Tages. Oder vielleicht auch nie.
Als die Deadline für das nächste Kapitel näher rückte, wusste Anne, dass sie keine Zeit verlieren durfte.
Sie richtete sich im Dachgeschoss ein. Dort hatte sie keinerlei Ablenkung.
Nicht einmal ihr Handy nahm sie mit. Eine Woche lang arbeitete sie fast ohne Pause.
Nach sieben Tagen schickte sie das letzte Kapitel des Romans an Brandt.
Doch statt Erleichterung spürte sie nur Leere in sich.
Sie öffnete die untere Schublade des Schreibtischs, nahm ihr Handy und sah viele verpasste Anrufer und Nachrichten.
Sie hörte die Mailbox ab. Eine ruhige, professionelle Stimme meldete sich.
Guten Tag, Frau Mertens. Hier ist der Buchverlag Lichtenau.
Wir sind begeistert von Ihrem Manuskript, das Sie uns letzte Woche geschickt haben.
Bitte rufen Sie uns dringend zurück.
Mein Manuskript? Ich habe niemandem etwas geschickt? Das muss eine Verwechslung sein.
Sie riss die Schubladen auf, suchte zwischen Heften und Papieren.
Doch der Ausdruck ihres eigenen Romans war verschwunden und auch der Stick,
auf dem sie die letzte Fassung gespeichert hatte, fand sich nirgends.
Es gab nur eine Person, die das getan haben konnte. Ihre Schwester.
Anne betrat das Zimmer ihrer Schwester, die am Fenster stand und sich zu ihr umdrehte.
Anne sah sie fragend an. Der Blick ihrer Schwester verriet.
Sie hatte das Manuskript an den Verlag geschickt.
Nicht aus Bosheit, sondern aus Liebe und vielleicht aus Angst,
dass ihre Schwester die Zeit für eine Veröffentlichung davonlief.
Sie wollte, dass endlich jemand Annes Talent erkannte und zugleich der Mutter den Wunsch erfüllen,
das Buch noch im Regal zu sehen, bevor sie starb.
Sie hatte Anne nicht gefragt, sondern gehofft, später um Verzeihung bitten zu können.
Das Gebäude des Verlags Lichtenau war hell, modern und ruhig gelegen.
In den Fluren hingen Buchcover, auf denen bekannte Namen von Autoren zu lesen waren.
Frau Mertens, danke, dass Sie gekommen sind.
Ich habe Ihr Manuskript mit großem Interesse gelesen.
Ich bin niemand, der oft Komplimente macht, aber Ihr Manuskript, das hat mich sehr berührt.
Es war ein Versehen. Ich wollte es nicht veröffentlichen.
Wieso haben Sie es uns dann zugeschickt?
Ich habe es nicht geschickt. Es war meine Schwester, die es ohne meine Erlaubnis getan hat.
Dann wusste Ihre Schwester um Ihr Talent.
Ich muss Ihnen sagen, in 30 Jahren habe ich selten ein so klares, ehrliches Buch gelesen.
Aber ich will Sie nicht drängen. Nehmen Sie sich eine Woche Zeit.
Wenn Sie Nein sagen, bleibt es bei Nein. Und niemand erfährt je davon.
Eine Woche Bedenkzeit?
Genau. Ich gebe Ihnen eine Woche Zeit, sich zu entscheiden.
Freuen würde mich ein Ja natürlich sehr.
Es wäre schade, wenn die Literaturwelt Ihr Talent nicht entdecken dürfte.
Als Anne das Verlagsgebäude verließ, spürte sie zum ersten Mal seit langem eine Art Hoffnung.
Plötzlich hörte sie das Geräusch quietschender Bremsen.
Ein Auto hielt direkt vor ihr. Das Fenster ging herunter und Herr Brandt sah sie mit einem harten, kalten Blick an.
Denken Sie, ich merke nicht, was Sie tun?
Ich weiß nicht, wovon Sie reden, Herr Brandt. Haben Sie noch einen schönen Tag?
Nicht so schnell. Sie kennen unseren Vertrag. Wollen Sie Ärger?
Ich habe Ihr neues Buch gelesen. Es gefällt mir.
Sie scheinen sich hier mehr Mühe gegeben zu haben als bei den Büchern, die Sie bisher für mich geschrieben haben.
Schreiben Sie es zu Ende. Für mich. Unter meinem Namen.
Nein. Geben Sie mir das Manuskript zurück.
Sie brauchen es nicht mehr, denn ich entscheide, was damit geschieht.
Das Fenster schloss sich. Der Wagen fuhr davon. Anne blieb fassungslos zurück.
Was Anne nicht wusste, war, dass der Verlagsleiter alles gesehen hatte.
Er hatte am Fenster seines Büros gestanden und die Szene beobachtet.
Zu Hause angekommen, zog sie ihre Jacke aus und legte sich auf ihr Bett.
Ihr Magen schmerzte. Am nächsten Morgen griff Anne zum Telefon.
Ihre Hand zitterte, als hätte sie längst gewusst, dass es keine andere Wahl gab.
Sie wählte Brandts Nummer.
Hallo, Herr Brandt? Hören Sie zu. Ich schreibe es für Sie zu Ende.
Das Buch erscheint unter Ihrem Namen.
Sehr vernünftig, Frau Mertens.
Er legte auf, ohne sich zu bedanken.
Die nächsten Tage verschwammen in Annes Erinnerung.
Immer wieder erhielt sie kurze Nachrichten von Brandt.
Fortschritte, schneller, mehr Gefühle.
Keine Anrede, keine Bitte, kein Danke, nur Befehle.
Anne arbeitete mit Hochdruck am Ende ihres Romans.
Zwischendurch brachte sie ihrer Mutter Suppe, Tee oder ihre Medikamente.
Auch die Schwester war zu Hause.
Doch seit dem Vorfall herrschte Kälte zwischen ihnen.
Sie sprachen kein Wort mehr als nötig.
Abends saß Anne am Fenster und dachte darüber nach,
ob es einen Weg aus dem Vertrag geben könnte.
Einen Weg, der sie nicht noch in größere Probleme bringen würde.
Dann klingelte ihr Handy.
Es war der Verlagsvertreter mit seiner ruhigen Stimme.
Hallo, Frau Mertens.
Beim letzten Mal hatte ich Sie gebeten, in Ruhe darüber nachzudenken,
ob das Buch bei uns erscheinen soll.
Wie haben Sie sich entschieden?
Ich weiß nicht, ich bin mir nicht sicher.
Ein Text, der so schön und berührend ist.
Und Sie wollen ihn nicht veröffentlichen?
Es muss einen Grund dafür geben.
Entschuldigen Sie, es ist nicht einfach für mich.
Frau Mertens, ich arbeite seit 30 Jahren mit Autorinnen und Autoren zusammen.
Ich erkenne, wenn jemand nicht frei ist.
Was hindert Sie daran, mit uns zusammenzuarbeiten?
Es gibt jemanden, der Anspruch auf das Buch erheben würde.
Jemand, der behauptet, es sei sein Roman?
Ja, der Bestsellerautor Volker Brandt.
Ach, du liebe Güte.
Ich hatte so etwas geahnt.
Ich habe Brandt einmal zufällig getroffen und mich gewundert,
wie ein Mann wie er so gefühlvolle Romane schreiben kann.
Naja, er hat sie also als Ghostwriterin benutzt und hält sie in einem Vertrag fest?
Ja, seit Jahren.
Alles, was unter seinem Namen erschienen ist, wurde von mir geschrieben.
Ich brauche das Geld, wegen meiner kranken Mutter.
Ich konnte daher nicht anders.
Und nun haben Sie Angst, dass er Sie für immer festhält?
Mit Verträgen, Drohungen und vielleicht Schlimmerem?
Ja.
Dann lassen Sie uns gemeinsam eine Lösung suchen.
Sie bringen mir alles, was Sie als Nachweis haben.
E-Mails, Rechnungen, Anweisungen.
Wir prüfen den Fall rechtlich.
Vielleicht finden wir einen Weg,
dass Sie Ihre Bücher bald unter Ihrem eigenen Namen veröffentlichen können.
Meinen Sie, das wäre möglich?
Ja, aber nur, wenn Sie sich jetzt zum ersten Mal für sich selbst entscheiden.
Wir haben eine gute Rechtsabteilung, die Ihre Situation prüfen kann.
Anne hatte neue Hoffnung geschöpft.
Doch ein paar Tage später wurde es still im Nebenzimmer.
Ihre Mutter lag da, blass, mit einem schwachen Lächeln.
Anne nahm ihre Hand.
Sie atmete nicht mehr.
Anne und ihre Schwester saßen nebeneinander.
Sie sprachen nicht, aber sie fühlten denselben Schmerz.
Zum ersten Mal seit Langem waren sie sich wieder nah.
Was habe ich noch zu verlieren?
Wenn es Mamas letzter Wunsch war, dann soll er erfüllt werden.
Nach einer Woche der Trauer um ihre geliebte Mutter begann Anne Beweise zu sammeln.
Alte Mails, Chatverläufe und Rechnungen.
Er hat mich wirklich klein gehalten.
Wegen ihm konnte ich nicht genug Zeit bei meiner Mutter sein, in ihren letzten Tagen.
Jetzt wird er sehen, dass ich auch für meine Rechte kämpfen kann.
Wir haben Ihren Vertrag gelesen, Frau Mertens.
Da steht tatsächlich eine Klause, die Ihnen verbietet, jemals unter Ihrem eigenen Namen zu veröffentlichen.
Das heißt, ich darf nie ein eigenes Buch herausbringen?
So klingt es erst einmal, ja.
Aber solche Klauseln sind in Deutschland fast nie gültig.
Ein Vertrag darf niemandem seine ganze Zukunft nehmen.
Brandt hat das vermutlich nur hineingeschrieben, um sie einzuschüchtern.
Vor Gericht hätte er damit kaum eine Chance.
Ich habe damals auch zufällig gesehen, wie er sie auf der Straße bedroht und eingeschüchtert hat.
Er spielt mit der Angst, aber damit wird er nicht durchkommen.
Ich dachte, ich bin für immer gefangen.
Nein, er will, dass Sie genau das glauben.
Sie sind die Autorin.
Sie haben jedes Recht, unter Ihrem eigenen Namen zu schreiben.
Wir müssen jetzt nur die richtigen Schritte unternehmen.
Der Verlagsvertreter unterstützte Anne sehr.
Er organisierte sogar ein Interview mit einem großen Podcast.
Dort konnte sie ihr neues Buch vorstellen.
Und damit Brandt den Wind aus den Segeln nehmen.
Wenn Sie wollen, können Sie dort die Wahrheit sagen.
Aber die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Machen Sie den Podcast-Termin. Ich komme.
Kurz darauf unterschrieb Anne beim Verlag ihren Vertrag.
Zum ersten Mal stand ihr Name über dem Text.
Als sie das sah, fühlte sie sich stolz und von einer großen Last befreit.
Der Tag des Podcast-Interviews kam näher.
Als Anne aus dem Haus gehen wollte, stand plötzlich Herr Brandt vor ihr.
Wohin wollen Sie so schnell?
Das geht Sie nichts an.
Hören Sie zu.
Sollte ich erfahren, dass Sie den Roman woanders unter Ihrem Namen veröffentlichen,
bringe ich Sie vor Gericht und verklage Sie.
Unser Vertrag ist eindeutig.
Unser Vertrag?
Sie haben mich jahrelang ausgebeutet.
Sie haben meine Situation ausgenutzt.
Aber ich weiß inzwischen, dass diese Klausel nicht gültig ist.
Sie hatten nie das Recht, mir meine Zukunft als Autorin zu nehmen.
Ich darf meinen eigenen Roman veröffentlichen.
Sie irren sich. Ohne mich sind Sie nichts.
Sie wären nie gelesen worden.
Sie hätten nie einen Cent verdient.
Alles, was Sie haben, verdanken Sie mir und meinem Namen.
Nein, Sie irren sich, Herr Brandt.
Ohne Sie hätte ich vielleicht weniger Geld gehabt, ja.
Aber ich hätte meine Würde behalten.
Es ist andersherum. Nicht ich brauche Sie.
Sie brauchen mich.
Ohne meine Worte, ohne meine Geschichten sind Sie nichts weiter als ein Name auf einem Cover.
Meine Mutter wollte immer, dass ich mir selbst vertraue.
Das fiel mir nie leicht.
Aber dieses Buch ist mein Versprechen an Sie,
dass ich mich nicht mehr von anderen abhängig machen und an mich selbst glauben werde.
Sind Sie bereit für die Aufnahme?
Das Interview begann.
Anne erzählte von ihrem Buch, von den Figuren und den Ideen dahinter.
Dann kam eine Frage, die sie wie ein Schlag traf.
Haben Sie sich beim Schreiben eigentlich von großen Autoren wie Volker Brandt inspirieren lassen?
Als sie diesen Namen hörte, zuckte sie zusammen.
Sie erinnerte sich an all die Nächte, in denen sie für ihn geschrieben hatte.
Einsam, erschöpft, oft verzweifelt.
Langsam hob sie den Kopf, sah direkt in die Kamera und sagte klar.
Nein, meine Inspiration kam nie von ihm.
Ich habe mich immer von Autoren inspirieren lassen, die lange vor unserer Zeit lebten.
Über ihre Verbindung zu Brandt schwieg sie.
Sie wollte endlich die bittere Vergangenheit hinter sich lassen und ein neues Kapitel in ihrem Leben aufschlagen.
Annes eigenes Buch erschien kurz darauf, mit ihrem Namen auf dem Cover.
Es wurde viel gelesen, geliebt und heiß diskutiert.
Menschen schrieben ihr, wie sehr es sie berührte.
Anne hielt das Buch in den Händen, während sie neben ihrer Schwester saß und flüsterte.
Für dich, Mama.