⭕️ Am Donnerstag, dem 26. Mai, kam es an der chinesischen Universität Tianjin wegen der strengen Corona-Maßnahmen zu Demonstrationen. Studenten riefen "nieder mit der Bürokratie" und forderten, den abgeriegelten Campus verlassen und nach Hause gehen zu dürfen. Dutzende Polizisten kamen zur Universität, um den Protest zu unterbinden, und das kurz vor einem der heikelsten Jahrestage Chinas. ________________________________________________________________
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Am Donnerstag, den 26. Mai, kam es an der chinesischen Universität Tianjin wegen der
strengen Corona-Maßnahmen zu Demonstrationen.
Studenten riefen nieder mit der Bürokratie und forderten, den abgeriegelten Campus verlassen
und nach Hause gehen zu dürfen.
Dutzende Polizisten kamen zur Universität, um den Protest zu unterbinden – und das
kurz vor einem der heikelsten Jahrestage Chinas.
Nach mehreren größeren Protesten an Pekinger Universitäten schlossen sich letzten Donnerstag
nun auch die Studenten der Universität in Tianjin an.
Wegen der strengen Corona-Vorschriften der Stadt sitzen sie auf dem Campus fest und können
nicht nach Hause.
Hunderte versammelten sich auf dem Campus, um zu protestieren und riefen, lasst uns nach
Hause gehen.
Die Studenten entschieden sich bewusst für einen Massenappell, anstatt ihr Anliegen ausschließlich
Besonders besorgniserregend waren für die Behörden die zwei neuesten Protestslogans
– nieder mit dem Formalismus und nieder mit der Bürokratie.
Was ist mit Formalismus gemeint?
In westlichen Ländern hört man diesen Begriff selten, in autoritär geführten Ländern
dafür häufiger.
Laut dem chinesischen Wirtschaftsanalytiker Tang Jinyan bezieht sich der sogenannte Formalismus
darauf, dass Situationen oder Ereignisse im Voraus geplant werden, um ein bestimmtes Ergebnis
zu erzielen.
Die Studenten haben sich in diesem Fall über die monatelange Abriegelung des Campus beschwert,
vor allem deshalb, weil es in der Region keine neuen Corona-Fälle gab.
Sie sagen, dass das Leben auf dem Campus schwierig geworden sei, die Preise für lebenswichtige
Güter seien in die Höhe geschossen.
Die örtlichen Behörden befallen allen Studenten in Tianjin, ab Freitag drei Tage lang in den
Häusern zu bleiben und auf weitere Anweisungen zu warten.
Den Schülern wurde mitgeteilt, dass sie bis zum Ende des Jahres auf dem Campus bleiben
müssen.
Bewohnern der Stadt ist es derzeit verboten, das Auto oder Ähnliches zu benutzen, nur
Krankenwagen, Feuerwehr und Polizei fahren noch.
Als einzige Geschäfte sind Supermärkte und Apotheken offen.
China verfolgt seine strikte Null-Covid-Strategie.
Der lange Lockdown in Shanghai und seine Folgen hatten kürzlich weltweit für Aufsehen gesorgt.
Bei den Protesten an der Universität in Tianjin forderten die Studenten auf ihren Plakaten,
erstens, dass sie nach Hause gehen dürfen und zweitens, dass alle, die an den Protesten
teilgenommen haben, nicht bestraft werden.
Berichten zufolge planen die Studenten am Samstag eine erneute Demonstration, um den
Druck auf die Schulbehörden aufrechtzuerhalten.
Der kurz bevorstehende Jahrestag des Tiananmen-Massakers in Peking dürfte das Kapitän-Regime zusätzlich
beunruhigen.
Am 4.6.1989 schlug das kommunistische Regime Chinas die friedliche Studenten-Protestbewegung
brutal nieder.
Der Mann, der sich damals den Panzern in den Weg stellte, ist weltweit bekannt, viele Chinesen
haben jedoch noch nie von ihm gehört.
Eine Aufarbeitung der Geschichte gab es nie.
Nachdem in den letzten Jahren bereits mehr als 396 Millionen Chinesen ihren Austritt
aus der kommunistischen Partei Chinas verkündet haben, dürften die Studenten-Proteste die
chinesische Regierung besonders ins Schwitzen bringen.