#Frege: Die Frege-Preisträgerin (2022) Prof. Martine Nida-Rümelin im Interview
19.04.2024
Prof. Martine Nida-Rümelin wurde für ihre herausragenden und international einflussreichen Arbeiten auf dem Gebiet der Philosophie des Geistes ausgezeichnet.
Mit dem Frege-Preis ehrt die GAP alle drei Jahre eine:n deutschsprachigen Philosoph:in für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der analytischen Philosophie. Der Preis erinnert an den Philosophen, Logiker und Mathematiker Gottlob Frege, der als Großvater der analytischen Philosophie gilt.
[Musik]
mein Name ist mat nieder rümelen ich bin
Philosophin und Professorin an der
Universität in Friburg in der Schweiz
mein Arbeitsgebiet ist innerhalb der
Philosophie des Geistes vor allem und da
interessiere ich mich ganz speziell für
Bewusstsein also die Beiträge die so
bekannt sind in der philosophischen
Gemeinschaft sind nicht unbedingt die
gleichen die ich für die
interessantesten halte
also wofür ich relativ bekannt bin sind
meine Beiträge zum sogenannten Argument
des unvollständigen Wissens und ich
glaube die meisten Philosophen Kollegen
die mich kennen kennen mich aufgrund von
diesen Arbeiten und die werden auch
relativ viel zitiert was viel weniger
bekannt ist bisher sind meine Arbeiten
zur Identität von bewusstseinsfähigen
Wesen über die
Zeit im Zusammenhang auch auch mit
Selbstbewusstsein
selbstbezugnahme und mein Argument dafür
dass wir erlebende
Subjekte
als Individuen auffassen müssen die
einer besonderen ontologischen Kategorie
zugehören die nicht von derselben Art
sind wie
ähm nicht erlebende Computer oder Tische
und Stühle und Steine und Berge sondern
etwas vollkommen anderes einer eigenen
ontologischen Art zugehören also das
Argument des unvollständigen Wissens ist
ein Argument dass sich richtet gegen den
sogenannten Physikalismus der
Physikalismus sagt dass alles in der
Welt letztlich physikalischer Natur ist
eingeschlossen menschliche Organismen
und deren Zustände und Eigenschaften im
speziellen ist nach dem Physikalismus
ist so dass
erleben Erlebnisse zu
haben nichts anderes ist als in einem
gewissen physikalischen Zustand zu sein
es wird irgendwie versucht zu
argumentieren dass das erste eben dies
diese Tatsache dass jemand etwas in
bestimmte Weise erlebt zurückgeführt
werden kann auf etwas physikalisches und
zurückführen jetzt in dem ganz starken
Sinne dass man nicht noch irgendetwas
anderes postulieren muss letztendlich
und gegen den Physikalismus der sehr
weit verbreitet ist der die
mehrheitenmeinung in der gegenwärtigen
Debatte in dem Bereich ist wendet sich
dieses Argument des unvollständigen
Wissens das ursprünglich auf Frank
Jackson zurückgeht der da ein sehr
schönes Beispiel verwendet was man
überall findet in der Literatur das
Beispiel von marry marry ist eben
eine
neurophysiologin der Zukunft die alles
weiß was man wissen kann über die
menschliche Farbwahrnehmung soweit es
physikalische Tatsachen oder jedenfalls
soweit es Dinge betrifft die in
physikalischer Sprache ausgedrückt
werden
können wie z.B
kausalverhältnisse zwischen
gehirnzuständen und wellenl die auf die
Retina treffen
Kausalzusammenhänge
zwischen unterschiedlichen Teilen des
Gehirns die dann am Ende Prozesse die
darin stattfinden und am Ende dazu
führen dass Mary sagt das ist blau oder
jedenfalls ihre Lippen in bestimmter
Weise bewegt wenn man das so ganz
neutral ausdrücken möchte also Mary weiß
all das sie weiß ganz genau wie
Farbwahrnehmung physikalisch gesprochen
beim Menschen funktioniert aber sie hat
selbst nie Farben gesehen sie lebt seit
Geburt an in einer schwarz-weißen
Umgebung und die Geschichte geht dann
bei Frank Jackson so weiter dass sie
eines Tages ins Freie kommt und dann
sieht sie den Himmel sieht das Blau
sieht sieht
vielleicht klatschmon sie droht und so
weiter und so fort und auf einmal ist
sie total
überrascht und zwar jetzt nicht
überrascht über die reichheit der Welt
das darf man so darf man es eigentlich
nicht verstehen sondern darüber dass
menschliche Farbwahrnehmung noch
Merkmale hat von denen sie gar nichts
wusste dass es in ganz bestimmter Weise
ist etwas als blau zu sehen und wie es
ist etwas als blau zu sehen oder als rot
oder als gelb und so weiter und an der
Stelle sagt dann Frank Jackson in seinem
sehr berühmten Aufsatz der die ganze
Debatte ausgelöst hat
lernt Merry etwas Neues über die
menschliche Farbwahrnehmung es ist
offensichtlich dass sie irgendetwas
lernt dass sie neues tatsachenwissen
erwirbt aber dann ist das physikalische
wissen dass sie vorher hatte nicht
vollständig und dann sagt er ganz
schnell also ist der Physikalismus
falsch mein Beitrag ursprünglich
war da eine Unterscheidung einzuführen
in Bezug auf Überzeugungen die man haben
kann ähm hinsichtlich von
Erlebnissen die dazu hoffe ich beitragen
konnte die
Kontroverse ein bisschen begrifflich zu
klären und das Ergebnis ist dass das
Argument so wie Jackson es formuliert
hat nicht durchgeht dass man es aber
verbessern kann und diese Verbesserung
das habe ich allerdings erst später so
richtig ausgearbeitet
erfordert glaube ich jedenfalls
äh die Einführung von M Begriffen die
uns Zugang geben zu einer Sache so wie
sie sozusagen in sich selbst ist und
zwar geht's jetzt um den den Begriff
davon der Eigenschaft ein blauerlebnis
zu haben dass man in dieser besonderen
Weise die auf eigenem Erleben basiert
Begriffe von blau von dem haben von
blauerlebnissen bilden kann die einem
erlauben genau zu verstehen was es ist
also vollständig zu verstehen was es ist
eine blauwahrnehmung zu haben und wenn
man das dann einf fürrt diese These dann
kann man die die Argumentation retten
dann kann man auch wunderschön das
Beispiel von Mary verwenden
oder ein anderes was ich dann dafür
eingeführt habe um meine
Unterscheidungen zu machen von einer
gewissen Marianna die zuerst schon
Farben sieht aber nicht ins Freie darf
und diese Mariana erwirbt schon die
Begriffe die erforderlich sind um das
fragliche Wissen zu erwerben hat aber
noch nicht das Wissen und erst wenn Sie
die hat dann kann sie wissen über die
Erlebnisse anderer von der fraglichen
Alter
werden also ich habe eben um das
Argument des unvollständigen Wissens
besser analysieren zu können die
Unterscheidung eingeführt zwischen
phänomenalem wissen und nicht
phänomenalen wissen oder genauer gesagt
phänomenalen Überzeugungen also Mariana
das ist eben wie gesagt eine Person die
genauso wie Mary selbst keine zunächst
selbst keine Farbempfindungen hat
M Mariana hat noch bevor sie mit anderen
Leuten Entschuldigung bevor sie mit
Farben in Kontakt kommt alle möglichen
Überzeugungen im Bezug auf faberlebnisse
sie sie liest Bücher ähm sie spricht mit
anderen es wird ihr gesagt der Himmel
sieht für Normalsichtige Personen blau
aus und das glaubt sie auch und sie
würde auf die Frage in welcher Farbe
sehen denn andere Leute den Himmel
korrekt Antworten also es wäre
merkwürdig zu sagen sie habe überhaupt
keine Überzeugungen in Bezug auf die
Frage wie der Himmel für Andere aussieht
im Bezug auf in anderen Worten den
subjektiven Charakter des Erlebens
andere Personen wenn Sie den Himmel
sehen so jetzt ist es bei der Mariana
eben so dass sie dann Farben kennenlernt
also plötzlich wird ihre schwarz-weiße
Umgebung radikal geändert und jetzt
sieht sie auf einmal rot angestrichene
gelb angestrichene und so weiter
Möbelstücke und alles mögliche aber sie
siindind keine Bananen keine Tomaten
keine Bilder des blauen Himmels und so
weiter das heißt sie kann noch nicht die
Verbindung herstellen zwischen den neu
erworbenen Begriffen die sie hat
die sie jetzt neuerdings hat und dem
Wissen dass sie früher schon erworben
hat es kann sein dass sie etwas Blaues
sieht und jetzt auch den Begriff hat das
blauerlebens wie es ist ein
blauempfinden zu haben ist Ihr jetzt
bekannt und sie kann einen
entsprechenden Begriff bilden
dieser erlebnismäßigen Eigenschaft eine
blauer Lippen zu haben
aber sie weiß jetzt immer noch nicht
dass das die Farbe ist auf die die Leute
Bezug nehmen wenn sie sagen die Personen
also andere Leute die normalsichtig sind
jedenfalls sehen den Himmel als blau
diese diese Verbindung kann sie noch
nicht herstellen so und dann kann man
sich vorstellen eines Abends schaut sie
sie sich also monochromatische so stelle
ich mir das ganz gerne vor so
monochromatische Dias an oder mewicken
auf dem Bildschirm auch und schaut sie
rot blau grün gelb geht diese
äh diese Farben durch und stellt sich
die Frage in welcher Farbe sehen jetzt
die Leute denn den Himmel also sie ist
immer noch der Überzeugung die sie
ausdrücken würde andere Leute sehen den
Himmel als
blau und jetzt kann es aber durchaus
sein dass sie sich das rote dir anschaut
und dann sagt ja das wird sein das ist
die Farbe die andere Leute
erleben wenn Sie den Himmel
anschauen jetzt hat sie zwei
Überzeugungen einerseits hat sie die
Überzeugung die sie schon vorher
erworben hatte und die nenne ich jetzt
nicht
phänomenal nicht phänomenal in dem Sinne
als es eben nicht aufgrund von eigenem
Erleben erworbene Begriffe dabei eine
Rolle spielen dabei verwendet werden und
andererseits hat sie aber jetzt
offenkundig die Überzeugung eine
bestimmte Überzeugung darüber in welcher
Farbe andere Leute den Himmel
sehen welche unverträglich ist
eigentlich mit dem anderen das ist ihr
aber nicht bekannt und die Überzeugung
die sie jetzt jetzt erwirbt und die sie
eben beim Anblick dieser dieses Rot
vielleicht bildet
ja die nenne ich phänomenale Überzeugung
also kann man im Bezug auf Farben dann
nicht phänomenale und phänomenale
Überzeugungen haben man kann dann
natürlich klar sagen was hat den Mary
nicht was fehlt Mary und Mary fehlt eben
wissen phänomenales Wissen in Bezug auf
andere das heißt wissen
was in diesen besonderen Begriffen
gefasst ist da bin ich natürlich nicht
die ein einzige die von phänomenalen
Begriffen spricht ja und ich versuche zu
zeigen phänomenale Begriffe sind von
einer Art dass man den eben nicht
gerecht wird in Rahmen eines
materialistischen Weltbildes aber das
ist dann ein großer weiterer
Schritt ich glaube auch dass Personen im
Vergleich zu Tischen Stühlen Bergen und
so weiter einen ganz besonderen Status
haben was ihre Identität betrifft aber
ich glaub nicht dass es daran liegt dass
sie Personen sind sondern ich glaube
dass es daran liegt dass sie eben
erlebende Wesen sind und alles glaube
ich was man sagen sollte in Bezug auf
den besonderen Status der Identität von
Personen gilt genauso auch für erlebende
Tiere erlebende Außerirdische
erlebende Wesen die eventuell auf der
Grundlage von künstlicher Intelligenz in
ferner Zukunft mal entstehen könnten ich
weiß nicht ob das überhaupt möglich ist
aber dann würde es auch für sie gelten
es gilt für jedes
Individuum für dass es irgendwie
ist sein Leben zu leben die zentrale
These ist dass die Identität von
Personen über von Erlebnis lebenden
Wesen muss ich sagen von erlebenden
Wesen über die
Zeit keine Analyse zulässt sie ist etwas
einfaches es wird auch als die simple
theory bezeichnet man
kann nicht sagen was ist denn
begrifflich also was wir denn
begrifflich denken wenn wir der Meinung
sind die Person oder das Leben erlebende
Wesen sagen wir Delfina ein Delfin ist
identisch mit jenem Delfin den wir vor
zwei Jahren gesehen haben was das genau
heißt dass es dasselbe Subjekt
ist kann nicht begrifflich zurückgeführt
werden auf irgendetwas anderes ist etwas
einfaches das ist die das ist die These
und dem entspricht eine ontologische
these nämlich das es auch wenn man sich
jetzt die Frage stellt worin besteht
denn die Identität von Delfina über die
Zeit hinweg wenn wir uns diese
ontologische Frage stellen dann gibt es
darauf keine informative Antwort keine
Antwort die es erlauben würde es zu
reduzieren auf etwas anderes etwa der
körperlichen Verbundenheit oder
womöglich sogar der psychologischen
Verbundenheit oder so etwas ja also das
ist diese These der einfachen Identität
über die Zeit die übrigens eine
Entsprechung hat
für die Identität über mögliche Welten
hinweg was
ist die Bedingung die andere mögliche
Umstände erfüllen müssen damit eine ganz
bestimmte Person also jemand zu dem ich
gerade spreche oder Maria oder so unter
diesen anderen Umständen
existiert und da würden vielleicht viele
Leute sagen na ja es muss eine Person
sein die von denselben Eltern stammt aus
dem selben Chromosom
vi selben Verschmelzung von Ei und
Samenzelle entstanden ist vielleicht so
etwas oder es muss einfach eine Person
sein die wichtige Eigenschaften
gemeinsam hat mit der fraglichen
wirklichen Person also viele würden
meinen man kann da eine Reduktion
anbieten da ist meine These nein das
geht nicht unsere Individualität ist
nicht deskriptiv man kann es nicht
anders sagen welche e welche welche
Bedingung erfüllt sein
unter anderen möglichen Umständen damit
Maria unter diesen anderen Umständen
existiert das kann man nicht anders
sagen als so dass man auf Maria Bezug
nimmt und sagt sie existiert in den
anderen Umständen anders kann sich kann
man es gar nicht sagen ich sage man kann
es nicht zurückführen man kann es nicht
reduzieren weder begrifflich noch
ontologisch aber trotzdem kann man
verstehen worin die Identität besteht
das ist das merkwürdige man kann es
verstehen und zwar unter Verwendung von
ganz bestimmter begrifflicher Werkzeuge
und das nenne ich Perspektive
einnehmen taking
perspectives ich könnte auch ein
Beispiel hernehmen was in meiner
Kindheit eine große Rolle gespielt hat
als ich mal angefangen habe über diese
Dinge nachzudenken und damals auch mit
meinem großen Bruder Julian darüber zu
diskutieren und zwar ging es da um
folgendes da habe ich kurz vorher
erfahren wie das so ist mit dem
Kinderkriegen und wie das alles
funktioniert und dann habe ich mir
gedacht was für ein irwitziger Zufall
dass ich auf die Welt gekommen
bin meine Eltern hätten ja auch
vielleicht einen Monat früher ein Kind
zeugen können und dann habe ich mir
gedacht ja moment mal wenn Sie einen
Monat früher ein Kind gezeugt hätten
wäre dann ich auf die Welt
gekommen aber mit anderen genetischen
Merkmalen oder wäre ich dann überhaupt
nie auf die Welt kommen und statt meiner
jemand anderer ja und mir schien der
Unterschied vollkommen klar und ich
würde auch heute noch sagen dieser
Unterschied ist vollkommen klar wie
versteht man ihn eben durch dieses
taking perspectives indem man sich sagt
was ist der Unterschied aus meiner
Perspektive und das könnte man dann im
Bezug auf jeden anderen Menschen genauso
machen nicht nur in Bezug auf sich
selbst macht es ein ungeheuren
Unterschied ob ich Zugang zur Welt
bekomme ob es irgendwie für mich ist
die Erlebnisse zu haben die dann dieses
Kind haben gehabt hätte wenn meine
Eltern eben einen Monat früher ein Kind
gezeugt hätten oder ob aus meiner
Perspektive überhaupt gar keine Welt
existiert und stattdessen für jemand
anderen eine Welt existiert also das
kann man begrifflich verstehen ja also
mir ist es auch wichtig zu sagen das ist
was begriffliches was da abläuft das ist
nicht reine
äh Vorstellung aus der ersten
personperspektive oder sowas sondern es
ist wirklich etwas Wichtiges
begriffliches was da abläuft und es ist
mir auch wichtig zu sagen das ist jetzt
nicht etwas was mit spezifisch mit ich
Gedanken etwas zu tun hat sondern genau
denselben Unterschied könnte man machen
in Bezug auf jemand anderen und sich
fragen wenn jetzt die Eltern von
Hans einen Monat später oder früher ein
Kind bekommen hätte wären es wäre es
dann Hans würde dann ihr
ähm derjenige sein für den es irgendwie
ist
die erlebnismäsigen Eigenschaften dieses
kinds zu haben das unter den anderen
Umständen zur Welt gekommen
wäre so also Identität über mögliche
Welten hinweg Identität über die Zeit
hinweg bei erlebenden Wesen ist etwas
einfaches nicht analysierbares was man
aber durch dieses Perspektive einnehmen
trotzdem verstehen kann was es seinem
Wesen nach
ist und das ist natürlich eine Art von
also wie soll ich sagen das was
Identität ausmacht über die Zeit hinweg
und über mögliche Welten hinweg bei
erlebenden Wesen ist grundverschieden
von dem was Identität ausmacht für
Tische Stühle Bäume nicht erlebende
Computer m nicht erlebende biologische
Organismen und so weiter und so fort
m und wenn die Identität so
grundverschieden ist dann gehören die
entsprechenden Individuen
unterschiedlichen ontologischen
Kategorien an das ist etwas was die
meisten metaphys akzeptieren würden und
deswegen sind diese Überlegungen zur
Identität und Individualität wie man
sagen könnte für mich ein Hauptmotiv
dafür zu sagen erlebende Wesen gehören
ihrer eigenen ontologischen Kategorie an
die sind was ganz besonderes mir fällt
ein dass es mir sehr sehr früh
aufgefallen ist wie merkwürdig es doch
ist dass es eben diese Individuen gibt
die jeder eine eigene perspek die auf
die Welt haben sozusagen diese Subjekte
kann mich gut erinnern als ich so in den
ersten Jahren vom Gymnasium da muss ich
10 11 gewesen sein ich bin immer hinten
gesessen in der Klasse hinten in der
letzten Bank diese knapp 30 Schülerinnen
waren das alles ich war leider in der
Mädchenschule Schülerinnen vor mir hab
sitzen
sehen und mir dann so vorgestellt habe
hier ist jemand der hat seine eigene
Welt da ist noch mal jemand der hat eine
völlig andere eigene Welt für den ist es
irgendwie ganz anders
ähm hier jetzt zu setzen und der
Lehrerin zuzuhören oder dem Lehrer
zuzuhören und so weiter und habe mir das
so bewusst gemacht und fand es einfach
unfassbar ja also diese dieser irrsin ja
ähm also diese also ins Zentrum
zurücken das war tatsächlich in einem
Seminar
äh als wir
gemeinsam mit meinem heutigen
Lebenspartner damals einer meiner
akademischen Lehrer Max Käsbauer jetzt
Max
drömmer als Beispiel über die
auferstehungsmaschine von Stanislav Lem
diskutiert
haben das ist eine Geschichte
in der jemand zum Tode verurteilt
ist und dann von seinem besten Freund am
Abend davor besucht wird und dieser best
der Freund sagt es ist mir gelungen eine
auferstehungsmaschine zu basteln mach
dir keine Sorgen wenn du morgen dann
umgebracht wirst werde ich unmittelbar
danach diese Maschine in Gang setzen und
werde aus neuem Material dich wieder
rekonstruieren und dann wird da jemand
sein der wird so reden wie du so
aussehen wie du alles gut mach dir keine
Sorgen du wirst nicht
sterben und zunächst ist die Person
beruhigt
aber dann fügt dieser Freund der damit
auch ein bestimmtes Ziel verfolgt der
fügt dann hinzu weißt du was um sicher
zu sein dass die Sache nicht schief geht
setze ich die Maschine gleich zweimal im
Gang dann haben wir zwei von dir
sozusagen ja und jetzt sagt die Person
die zum Tode verurteilt ist na um Gottes
Willen dann bin ich doch keiner von
beiden oder was ist denn los ja und hat
Zweifel dass diese ähm
auferstehungsmaschine Identität
garantiert das also derjenige der
danachher zu Bewusstsein kommt auch
tatsächlich identisch ist mit der Person
die deren Körper vorher zerstört worden
ist und in diesem Zusammenhang habe ich
dann eben genau darüber nachgedacht ja
was ist denn der
Unterschied zwischen der Rekonstruktion
einer Person die psychologisch
eigentlich auch ein Kontinuität steht zu
der ursprünglichen körperlich ihr
vollkommen ähnelt und so weiter und
nicht die ursprüngliche ist und eine
Situation wo alles gleich ist nur jetzt
ist es die ursprüngliche Person und dann
wurde mir dieses was ich jetzt als
Perspektive einnehmen dieses
begriffliche Mittel von dem wir vorhin
geredet haben beschreiben würde das
wurde mir vollkommen bewusst dann dass
man hier etwas versteht was man dann
nicht mehr weiter deskriptiv erfassen
kann wenn man ganz klare Intuitionen zu
haben glaubt al wenn man etwas ganz klar
zu sehen glaubt ja dann kann man ja
nicht davon ab einfach nur weil andere
Leute was anderes sagen ja sondern kann
man nur immer wieder überlegen und sagen
ja könnte ich mich irren könnte das
falsch sein man kommt immer wieder so
ist es mir gegangen ja ich kam immer
wieder zu der gleichen Überzeugung nein
ich ihre mich da nicht so muss es sein
also ich habe ganz starke Intuitionen in
Bezug auf diese Sache die ich ja jetzt
nicht einfach durch einen Willensakt
entfernen kann und wenn ich diese
Intuitionen habe dann werde ich das
vertreten was gemäß dieser Intuitionen
wahr ist egal was andere Leute dazu
sagen das scheint mir ganz
selbstverständlich zu sein
die Dinge an denen ich im Moment arbeite
die haben viel mit dem zu tun was in dem
Forschungsprojekt gemacht wird dass ich
leite in so einem überschneidungsgebiet
zwischen Moralphilosophie und und
Philosophie des Geistes und da haben wir
angefangen jetzt speziell auch mit
Julian bignon ähm nachzudenken über
etwas das uns und mir auch sehr sehr
wichtig vorkommt nämlich
ähm etwas was man Werte für jemanden
nennen könnte also es gibt Werte
schlecht hin und es gibt aber auch Werte
für eine Person das ist eine
Unterscheidung über die wir jetzt gerade
arbeiten es ist schlechtthin ein Wert
wenn eine Gesellschaft eine gut
funktionierende Demokratie hat z.B es
ist auch schlechtthin ein Wert wenn
wenig Menschen in die in auf diesem
Planeten leiden müssen müssen oder so
etwas das ist ein Wert
schlechtthin aber solche Werte
schlechthin beruhen oft auf Werten
vielleicht sogar immer weiß ich noch
nicht auf Werten für ein erlebendes
Subjekt z.B ist es für jemanden der
Schmerzen hat schlecht dass er Schmerzen
hat oder für ein Kind ist es schlecht
wenn es in der Zukunft sich nicht
entwickeln kann oder sowas also es gibt
Werte für Subjekte würde ich sagen die
nicht reduzierbar sind auf Werte
schlechtthin
ähm und
diese also jetzt nennen wir eben
Individuen die für die etwas Wert haben
kann centers of value und dann kann man
sich die Frage stellen
welche Arten von Individuen können
überhaupt centers of value sein und
unsere These ist nur erlebende Wesen
also nicht z.B Felder ja oder Bäume wenn
sie kein erleben haben es gibt wirklich
bei bewusstseinsfähigen Wesen einen
besonderen Sinn von gut und schlecht für
das erlebende Wesen
dass man bei anderen Individuen nicht
findet es gibt eigentlich eine ganze
Reihe von Dingen wo es mir leid tut dass
ich nie richtig Zeit gehabt habe drüber
zu arbeiten also eines ist mehr so ein
bisschen spielerisch nämlich
Paradoxien also da habe ich auch meine
erste Publikation sogar oder meine erste
ernstliche Publikation ist sogar über
eine par Paradoxie in der Erkenntnis
erschienen damals da hat mich damals der
Wolfgang spoh einer meiner akademischen
Lehrer dazu angeregt es doch zu
veröffentlichen und dann habe ich aber
nichts mehr veröffentlicht im Bezug auf
Paradoxien danach ich finde Paradoxien
wirklich was sehr
faszinierendes meistens geht es um
Beispiele im Bezug auf die man
Überzeugungen hat die dann zum wi Bruch
geführt werden
können das hat dann vielleicht auch mit
meinem Interesse an Intuitionen zu tun
dann hat diese Überzeugungen bei diesen
Beispielen in der
Regel aufgrund von rationaler Intuition
man schaut sich das an was da gesagt
wird und sagt ja klar ist das und dann
schaut man sich was anderes an und sagt
selbstverständlich und dann guckt man
genauer hin und sieht oh jetzt bin ich
in Schwierigkeiten weil die zwei Dinge
können nicht beide wahr sein also
bisschen ist es das Interesse daran wie
kann damit umgehen wenn man
widerstreitende Intuitionen
hat aber natürlich ist es auch jedes Mal
die Faszination an der eigentlichen
Fragestellung und an den Konsequenzen
die dann die Antwort die man darauf gibt
für das jeweilige philosophische Gebiet
hat das finde ich schon irgendwie was
sehr faszinierendes und spannendes in
dieser Weise vorgehen zu können in der
Philosophie außerdem ist es bestimmt
auch einfach das der Spaß wie den man am
schachpielen haben kann oder am Rätsel
lösen haben kann ganz anderes Thema
wären
Emotionen
und da habe ich auch was ganz
spezifisches schon mal also über ganz
was spezifisches schon mehr
nachgedacht nämlich Emotionen im
Zusammenhang mit Musik da gibt's in der
musikphilosophie ein Haufen Überlegungen
dazu wie es dann sein kann dass traurige
Musik trotzdem mit Freude gehört wird
den nahelegend wäre es ja zu meinen dass
wenn man sogenannte traurige mus
hört dann hat das den psychologischen
Effekt dass man selbst traurig wird und
das ist ja nun eigentlich kein Vergnügen
ja wie kann es dann sein dass man sich
trotzdem daran freut und über diese
Dinge was ist sozusagen der Inhalt der
Emotionen die
ähm von Musik wach gerufen werden was
was ist diese spezifische Art von Freude
an Musik ja und hat diese Freude einen
Gehalt und wenn Sie einen Gehalt hat
dann welchen ja ähm also das finde ich
unheimlich
spannend es gibt so eine
Tendenz zu
schauen was wird demnächst
Mode und dann ist es eine gute Idee auf
dem Gebiet zu arbeiten weil dann habe
ich die besten Chancen dass meine Arbeit
wahrgenommen wird das finde ich sehr
problematisch also ich finde das
allererste muss immer sein was
fasziniert mich wirklich ernstlich und
nicht was finden andere interessant also
ich würde davor
zurückschrecken Masterstudierenden zu
raten was Bestimmtes zu machen weil es
jetzt in nächster Zeit wichtig sein wird
aber natürlich in Bezug auf Karriere
muss man ja auch intelligent Handeln ich
denke dass es natürlich im Bereich der
praktischen Philosophie sehr viel gibt
auch aufgrund dessen wie sich die Welt
jetzt gerade fürchterlich
sorgniserregend entwickelt ähm was
großes Interesse finden wird nicht nur
unter Spezialisten sondern auch in der
Öffentlichkeit da könnte man ganz viel
dazu sagen das ist nicht wirklich mein
Gebiet dazu was zu sagen eines
allerdings hat mit Ethik was zu tun und
da haben wir vorhin auch schon drüber
gesprochen das ist die Frage
ähm diese Verbindung zwischen
bewusstseinsphilosophie und
ähm Ethik
Werte Respekt vor bewusstseinsfähigen
Wesen und solche Dinge ne das fängt
jetzt gerade an dass die Leute sich da
mehr damit
befassen gibt so paar sehr berühmte
Figuren in der Philosophie of mind die
damit begonnen haben der David schalmas
z.B der Jura Kriegel hat in diese
Richtung was veröffentlicht und da
erwarte ich auf jeden Fall dass der
viele auf diesen Zug aufspringen werden
was ich in diesem Fall aber auch eine
ganz gute Sache finde weil das ein hoch
interessantes Thema ist und ein
wichtiges Thema ist glaube ich man darf
eine Person nicht als Mittel zum Zweck
verwenden oder etwas damit
verwandtes Personen sind nicht
ersetzbar sowas ja das sind ganz
wahnsinnig wichtige Ideen
natürlich und auch da glaube ich sollten
wir jetzt nicht nur die Personen im Auge
haben sondern erlebnisfähige Wesen für
die gilt eine entsprechende these man
darf kein erlebnisfähiges Wesen
äh zum Mittel zum Zweck machen und kein
erlebnisfähiges Wesen ist in einem
gewissen Sinne austauschbar oder
ersetzbar und da jetzt genau zu sagen
warum denn nicht und was hat es zu tun
mit der Natur dessen was es ist ein
erlebnisfähiges Wesen zu sein kann man
da was Erhellendes dazu sagen dass man
aus einem besseren Verständnis dessen
was ein erlebendes Wesen ist dann ein
besseres Verständnis dieser
grundintuition in der Moralphilosophie
erreichen könnte das wä eine tolle Sache
und ich kann mir auch gut vorstellen
dass da andere Leute auch drauf kommen
äh und auch schon drauf gekommen sind
natürlich darüber nachzudenken und dass
ich das weiterentwickelt wird entwickeln
wird

