#Stegmüller: Gregor M. Hörzer über "Understanding Physicalism"
19.11.2023
2022 wurde Gregor M. Hörzer mit dem Stegmüller-Preis für seine Arbeit „Understanding Physicalism“ ausgezeichnet, in der er die Frage untersucht, was die These des Physikalismus eigentlich ist, und wie man sie am besten formuliert.
Mehr Informationen zu Gregor M. Hörzer finden Sie auf dieser Seite: https://www.gregor-hoerzer.com
Das Interview führte Markus Schrenk am 01.03.2023 in Düsseldorf.
Kamera, Ton & Schnitt: Christoph Sapp
Musik: Philip Faigle
Für mehr Informationen über die GAP besuchen Sie uns auf unserer Webseite: http://www.gap-im-netz.de
[Musik]
ich bin Gregor Herzer ich habe mein Buch
understanding
physicalism als Promotionsprojekt an der
Kognitionswissenschaft in
osnbrück
verfasst habe neben meinem
Philosophiestudium auch noch Telematik
studiert das ist so eine
bindestrichdisziplin zwischen Informatik
Mathematik und Elektrotechnik das war
mein erstes Studium
ich habe dann
ähm eben auch ein Magisterstudium der
Philosophie gemacht und dann sowohl in
der Informatik als auch später dann in
der Philosophie bzw formal in der
kinationsswissenschaft promoviert äh und
seitdem bin ich wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Institut
fürktionswissenschaft an univers Brück
und macht da hauptsächlich mit der
Physik und
Wissenschaftstheorie das Thema der
Arbeit ist
äh der Frage
nachzugehen was die These des
Physikalismus eigentlich ist die meisten
Arbeiten die sich mit diesem Thema
befassen argumentieren entweder für oder
gegen die These des Physikalismus ich
habe versucht einen Schritt
zurückzutreten und eigentlich erstmal zu
fragen worum geht's in dieser Debatte
überhaupt und wie kann man die These des
Physikalismus am besten
formulieren grob gesagt lässt sich die
der Physikalismus auf zwei Weisen fassen
entweder man sagt alles ist
physikalisch oder man sagt es gibt
nichts über das physikalische hinaus
darauf können sich die meisten Leute in
der Debatte einigen und eine Motivation
für den physikal
ist unser generelles Weltbild das sehr
naturwissenschaftlich orientiert ist und
insbesondere der Physik ein besonderen
Stellenwert
zuschreibt die andere Motivation die in
der Debatte eher im Zentrum steht ist
das sogenannte kausale Argument für den
Physikalismus wo die Grundidee ist das
insbesondere mentale Eigenschaften nur
dann plausiblerweise als kausal wirksam
auf fasst werden können wenn sie sich
auf physikalische Eigenschaften oder
Ereignisse zurückführen lassen oder mit
ihnen überhaupt identisch
sind meine eigene Motivation für die
Auseinandersetzung mit dieser
Fragestellung ergt sich so ein bisschen
aus meiner aus meinem eigenen
Hintergrund ich hatte
meine Masterarbeit oder meine
Magisterarbeit äh in Philosophie an der
unig GRZ zu Donald
Davidsons Position in der Philosophie
des Geistes und der Handlungstheorie
verfasst und da kam die Debatte mentale
Verursachung stark zu tragen auch
und das hat dann Schritt für Schritt zu
einer weiteren Auseinandersetzung mit
der Position des Physikalismus
geführt ein kritischer Gegenstands
Bereich für
die Debatte sind natürlich mentale
Eigenschaften insbesondere der Umstand
dass mentale Eigenschaften sich für uns
auf eine gewisse Weise anfühlen
das führt zu
zumindest Schwierigkeiten für die thes
Physikalismus aber darüber hinaus gibt's
auch so Sachen wie normative
Eigenschaften die Probleme liefern oder
Eigenschaften von
zahlen die auf dem ersten Blick
zumindest wenn man diese krude
Formulierung des Physikalismus
heranzieht Schwierigkeiten für den
Physikalismus
bringen auf der einen
Seite gränzt man den Physikalismus von
dualistischen und pluralistischen
Positionen ab wo die Idee ist dass es
neben physikalischen Eigenschaften eben
auch noch mal eine genuin andere Art von
Eigenschaften gibt
z.B eben mentale
Eigenschaften die sich
nicht auf physikalische Eigenschaften
zurückführen lassen oder von ihnen äh
auf die relevante Weise abhängig sind
das ist die eine Seite die andere Seite
sind
äh andere monistische Positionen der
Physikalismus ist eine monistische
Position die behauptet es gibt nur eine
Art von
äh Eigenschaften in dem Fall und
dazu gehören Positionen wieder
Idealismus
die mentale Eigenschaften als das
Fundament auffassen auf dem alles andere
basiert der Physikalismus hat aus meiner
Sicht zwei verschiedene Vorgänger die
ganz unterschiedlich geartet sind das
eine ist der klassische Materialismus
der frühen
Moderne typischer Vertreter W Thomas
hobs
der sich eben von den klassischen
dualistischen Positionen insbesondere
der von
decard
abgrenzt genauso wie der Moderne
Physikalismus handeltte es sich dabei
um eine metaphysische Position
der andere Vorgänger des physikal mus so
wie ich ihn verstehe ist eher eine
wissenschaftstheoretische Position
m die
auf Vertreter des wienerkreises
zurückgehen insbesondere Rudolf karnab
und Otto neurat die der Physik gegenüber
den anderen Naturwissenschaften ein
Primat zuschreiben und denken dass sich
äh die Theorien der
Spezialwissenschaften auf physikalische
Theorien zurückführen lass
die Formulierung des Physikalismus als
alles ist
physikalisch und insbesondere erste Teil
was meinen wir mit
alles lässt sich aus meiner Sicht so
fassen dass
man sich primär in der modernen Debatte
auf Eigenschaften von Individuen bezieht
das heißt z.B meine Eigenschaft
Schmerzen zu haben meine
Eigenschaft einen gelben Pulli zu
tragen und so weiter sind Eigenschaften
die sich letztlich auf physikalische
Eigenschaften zurückführen lassen also
wir quantifizieren über Eigenschaften
von
Individuen ich glaube aber dass sowohl
Eigenschaften von Individuen als auch
Ereignisse und
Tatsachen physikalisch müssen damit der
Physikalismus wahr ist aber Ereignisse
und Tatsachen erben wenn man so will
ihrre physikalisch sein vom physikalisch
sein der Eigenschaften von Individuen
und dadurch braucht man nicht
unmittelbar über sie
quantifizieren Kausalität spielt in
meiner Position insofern indirekt eine
Rolle als dass es
manche Dinge gibt um dies physikalisten
oder der physikalistin eben nicht geht
wie z.B Zahlen diese sind wenn sie
platonisch gedacht sind notwendige
notwendig existierende Individuen und
damit geht's dem physikalisten oder der
physikalistin eben nicht um solche not
existierende Gegenstände aber wenn wir
eine uns eine notwendig existierende
Gottheit vorstellen und die verstehen
als sowas wie eine kathesische Seele
dann sollte der Physikalismus sowas
ausschließen die
Einschränkung
auf bloß Kontingent existierende und
ähm bzw Kontingent existierende oder
kausal wirksame Entitäten
äh ist eine Einschränkung die ich mache
um
äh
einerseits wie gesagt zahlen
außerhalb des Gegenstandsbereichs zu
kriegen und andererseits sowas wie ein
kartesische Seele äh als notwendig
existierende Gottheit
ähm trotzdem auszuschließen
ähm mir scheint diese Charakterisierung
die ich von Andrew McK übernehme
allerdings wie ich auch in einer Fußnote
erwähnen eher wenn man so will ein
Workaround zu sein
ähm insofern beiß ich in gewisser Weise
in den saueren Apfel und sagt na ja
ein Fall wo
es notwendig
existierende Wesen gibt
die kausal nichts zur Welt beitragen
aber dennoch diesen Charakter von
kathesischen Seelen haben sind der Fall
den ich nicht eingefangen bekommen aber
[Musik]
äh Teil dennoch die Intuition dass der
Physikalismus in so einer Situation
eigentlich falsch sein
sollte ich weiß halt keine bessere
Lösung und demnach denke ich dass der
Versuch das über eine Einschränkung auf
Kontingente und kausalwiksame oder
kausalwirksame Entitäten zu machen
zumindest ein Schritt in die richtige
Richtung
ist bis jemand mit einer besseren Lösung
herkommt man könnte auf den ersten Blick
glauben dass die Frage was eine
physikalische Eigenschaft ist ganz
einfach beantwortet werden kann na ja
Eigenschaften der
Physik man landet dabei allerdings
relativ schnell bei ein Problem das aus
Hempels Dilemma bekannt ist ähm
nämlich das eine Horn des Dilemmas ist z
sagen es ist die jetzige Physik dann
stellt sich der Physikalismus ziemlich
schnell als falsch heraus
weil es ziemlich plausibel ist dass die
jetzige Physik die aus einem
Theoriegebäude besteht dass nicht
nur miteinander konsistente Theorien
beinhaltet und aller Voraussicht nach
einige fundamentale
Eigenschaften noch nicht
berücksichtigt die andere Option zu
sagen es handelt sich
um die zukünftige Physik
hat die Schwierigkeit dass wir zum einen
gar nicht wissen wie die zukünftige
Physik aussehen wird und wie ähnlich
diese zukünftige Physik unserer jetzigen
Physik sein
wird zum anderen und das ist glaube ich
das problematischere
könnte es sein dass die Physik
irgendwann alles in der Welt einfängt
bis auf mentale Eigenschaften und dann
beginnt mentales Vokabular in das
Theorie Gebild der Physik mit
einzupflegen das würde dazu führen dass
mentale
Eigenschaften dann per Definition Teil
des physikalischen Sinn und dann selbst
eine
karathesische Position kathesischer
substanzdualismus oder eine moderne eine
eigenschaftsturistische Position
äh als etwas
rauskommt das eine Form des
Physikalismus genannt werden muss und
auch das wäre eher ungünstig
ähm und
während einige Autorinnen und Autoren in
der Debatte aufgrund dieses Problems
eher dazu übergegangen sind von
ähm der Unterscheidung zwischen
physikalischen und nicht physikalischen
Eigenschaften abzusehen und stattdessen
überzugehen zu einer Differenzierung
zwischen mentalen und nichtmentalen
Eigenschaften sod dass die
physikalischen Eigenschaften im
Wesentlichen die nichtmentalen
sind schlage ich
vor die Eigenschaften der jetzigen
Physik als Prototypen
aufzufassen so dass die Idee an
physikalischeer Eigenschaften dann
diejenige ist dass man sagt ich nehme
diesen möglichst diversen Pool an
Prototypen prototypischen Eigenschaften
der Physik
ähm und was immer die gemeinsam
haben ist das was sie zu physikalischen
Eigenschaften
macht und alle Eigenschaften die sich
das mit diesen Prototypen Teilen
äh sind dann eben auch physikalische
Eigenschaften das ist so die Grundidee
meiner
Position auf den ersten Blick könnte man
meinen dass mit ist klarerweise
Identität gemeint ist und das war am
Anfang
der modernen physikalismusdebatte
tatsächlich die Standardposition die
sogenannte
Identitätstheorie über die ja inzwischen
wahrscheinlich 70
Jahre haben sich aber eine ganze Reihe
von nichtreduktiven physikalistischen
Positionen herausgebildet die eben
erfordern dass wir neben
Identität noch eine Form metaphysischer
Abhängigkeit
postulieren die eben auch ausreicht um
eine physikalistische Position zu haben
sod dass der Physikalismus dann
erfordert dass Eigenschaften von
Individuen entweder so sind dass sie
identisch sind mit physikalischen
Eigenschaften oder von ihnen
mitaphysisch abhängig sind und was mit
mit der physischeer Abhängigkeit gemeint
ist
ist dann zentrales Thema des letzten
Teils meines Buches und zum einen
versuche ich dafür zu argumentieren dass
die die Relation die
typischerweise ins Feld geführt wird
nämlich
supervenienz nicht hinreichend ist für
metaphysische Abhängigkeit aber sehr
wohl
notwendig und das es
eine ganze Reihe von metaphysischen
abhängigkeitsrelationen gibt die in der
Literatur diskutiert werden die alle
über bloße
notwendigkeitsbeziehungen wie es sie wie
die supervenenz erfordern oder
postuliert
hinausgehen
und dass der Begriff von grounding der
in der Debatte der letzten 20 Jahre äh
ins Feld geführt wurde
äh als etwas dienen kann
was diese verschiedenen feinkönigen
Relationen
vereint und gleichzeitig aber
über eine bloße subvenenz
hinausgeht und damit ähm das Einfangen
kann
was generell mit mit der physische
Abhängigkeit im Kontext Physikalismus
gemeint ist
es ist natürlich immer sehr schwierig
seinen eigenen Stil zu
beschreiben und ich hoffe dass zumindest
ein klein wenig von
dieser von diesem Wechselspiel zwischen
einer pragmatischen Grundhaltung und
einer sehr klaren Redeweise und
Darstellung auch in meinen Texten
wiederzufinden ist auch wenn es
wahrscheinlich den Grad der Eloquenz mit
dem Leute wie cripkey und Lis
argumentieren bei weitem nicht
erreicht

