An einem geheimen Ort mitten im Dschungel bauen sie Granatwerfer, Handgranaten und Raketenwerfer. Die Widerstandskämpfer im Bürgerkrieg von Myanmar setzen sich mit aller Kraft und unkonventionellen Mitteln gegen die Militärjunta zur Wehr. Aus Holz, Metall, Schießpulver und manchmal sogar Bestandteilen, die wir nur aus Kinderspielzeug kennen, bauen die Rebellen kriegerische Waffen. Unserem Team von CRISIS haben sie exklusiv ihre Waffenfabrik gezeigt.
Das ist das CRISIS-Team: Host & Regie: Fabian Janssen Autoren: Fabian Janssen, Lisa Ossenbrink Schnitt: Laura Köhler Kamera: Markus Maiwald Fixer vor Ort: Mauk Kham Wah Redaktionsleitung: Fabian Janssen & Juana Guschl Produktionsleitung: Nina Schäfer Illustrationen & Motion Design: Asta Dittes Thumbnail: Liv Brell Art Director: Christopher Hesse YouTube-Shorts, TikTok: Amelie Theuer Redakteurinnen: Amelie Theuer, Lisa Ossenbrink, Maya Schulz YT-Shorts, TikTok Schnitt: Linus Ludwig
Produktionsfirma: objektiv media GmbH Eine Produktion im Auftrag des SWR für funk.
(Maschinengeräusche)
Auf der Suche nach einer Waffenfabrik
in einem der gefährlichsten Länder der Welt.
(on:) Willkommen in Myanmar.
(off:) Unsere ersten Tage im Bürgerkrieg.
(Muttersprache:)
Den ersten Teil dieses Films findet ihr hier oben rechts.
In Myanmar kämpfen der Mittelstand, Studenten und Arbeiter
gegen die Militärregierung.
(Pfeifen eines Schusses, Gemurmel)
Ein großes Problem: Munitions- und Waffenmangel.
Deshalb bauen die Soldaten auch ihre eigenen Waffen.
In diesem zweiten Teil
besuchen wir eine geheime Waffenfabrik im Dschungel.
(Dumpfer Laut)
(Insektenlaute, Dschungelgeräusche)
Guten Morgen aus dem Dschungel. - Morgen.
(Vogelgezwitscher)
Das war eine harte Nacht auf diesen Planken.
Es regnet ja immer noch. - Ja, leider. Leicht.
Der Schlafsack ist tatsächlich immer noch eingepackt.
Es ist so warm hier, dass ich ihn kein einziges Mal gebraucht habe.
Ich habe kurz überlegt, ihn als Unterlage zu nehmen,
weil wir hier quasi direkt auf den Holzplanken schlafen.
Also, es, äh, zieht gut am Rücken.
In die Nachbarhütte hat es reingeregnet.
Aye und ihre Kameraden hier haben wir im ersten Teil kennengelernt.
Sie leben seit Jahren im Dschungel unter harten Bedingungen.
Hier verstecken sie sich, trainieren und kämpfen gegen das Militärregime.
(Mehrfache Schüsse)
(Hubschraubergeräusche)
(Krachen, Ächzen)
Ihre Tage sind mittlerweile aber sehr routiniert.
(Angespannte Klänge)
So, wir frühstücken jetzt.
Hier gibt es gebratenen Reis mit Chilis und Zwiebelsalat,
ähm, auch mit Chili angemacht.
Und Gurke. Und Instantkaffee.
Ah, schmeckt super.
(Insektengeräusche)
Und dann ist es so weit.
Man nimmt uns mit in das Herzstück des Camps, die geheime Waffenfabrik.
Es ist irgendwie total absurd.
Bei uns wäre das eine riesen Munitionsfabrik.
Hier ist das einfach im Dschungel in irgendwelchen Hütten und draußen.
Das ist einfach eine ganz andere Art und Weise der Kriegsführung.
Und es ist superspannend, ähm, das mal live zu sehen.
Vor allem, weil das ein sehr geheimer Standort ist
Und wir anscheinend Glück haben, in so eine große Produktion zu kommen.
(Motorengeräusche)
(Laute Maschinen- und Arbeitsgeräusche)
(Quietschen)
Und das hier sind die Waffen,
die nur wenige Kilometer von hier an den Frontlinien benutzt werden.
Rund 40 Männer arbeiten hier in der Fabrik.
Aus Holz und Metall
werden hier Raketenwerfer und Granatwerfer produziert.
Und plötzlich wollen sie uns alle stolz zeigen,
was sie hier alles selbst bauen.
(Muttersprache:)
(Lautes Surren)
Das ist eine unglaubliche Lautstärke um uns rum.
Das ist eine krasse Arbeitsbedingung. Das machen die hier jeden Tag.
Sie haben eben erzählt, dass sie in den letzten Jahren
4.000 Stück von diesen Sachen hergestellt haben,
um damit den Krieg führen zu können.
(off:) Wir werden quasi mit Waffen überschwemmt,
bekommen dauernd etwas in die Hand gedrückt.
Dann packt der Soldat plötzlich etwas aus, was mir Angst macht.
Also das ist eine selbstgebaute Handgranate,
die wohl sehr schnell explodieren kann.
Und es ist schon gefährlich, daneben zu stehen.
(Unsicheres Lachen) Okay.
Er hat vor dem Krieg Stahltüren gebaut, jetzt Granatwerfer.
Die Bedingungen in der Fabrik sind hart.
Lärm, Schmutz und Hitze.
Ein Soldat in Uniform fällt mir besonders auf.
Er heißt Tso, ihm sind wir auf der Hinreise schon begegnet.
(englisch:)
(Muttersprache:)
Tso sagt, er hat lange vorher an der Frontlinie gedient,
bevor er hier in die Produktion ging.
Er arbeitet gerade an einem Geschoss für einen sogenannten RPG,
einem Raketenwerfer.
Später will er uns zeigen, wie er ihn abfeuert.
Aber dafür muss er das Geschoss erst mal bauen.
(Arbeitslärm)
Alles muss hier gerade sein, passen,
sonst könnte er sich schwer verletzen.
Aber warum macht er das hier?
(Muttersprache:)
Dann kommt nach mehr als zwei Stunden Arbeit
das Schwarzpulver an die Reihe und wird einfach mitten reingestellt.
Unsichere Produktionsbedingungen hier.
Grade sind noch die Funken gesprüht vom Schleifen und Fräsen.
Und hier ist die Kiste mit dem Gunpowder,
wo gleich die Rakete gefüllt wird.
(Leise Musik aus einem Radio)
Dann ist das Geschoss fast fertig.
Es fehlt nur noch die Zündladung.
Und ich bin etwas baff, was es ist.
Diese kleinen roten Dinger hier,
vielleicht erinnert ihr euch ja irgendwie dran.
Das gibt es in Deutschland auch.
Das ist eigentlich so ein runder Kreis
und man hat das früher in diesen ganzen Karnevalspistolen gehabt,
damit man damit schießen kann.
Das knallt einmal laut.
Und dieses Kinderspielzeug
nehmen sie als echte Zündung für ihre Granatwerfer.
Also aus Kinderspielzeug werden Waffen gebaut.
Aber funktionieren diese Waffen aus Holz und Kinderspielzeug wirklich?
Für uns ist das noch etwas unvorstellbar.
Und deswegen wollen wir das jetzt mit eigenen Augen sehen.
Wir haben jetzt den RPG, also den Raketenwerfer,
fertig gebaut und auch die dazugehörige Rakete.
Und der wird jetzt testgeschossen draußen.
Also es ist kein Explosivgeschoss vorne dran,
aber sie haben es mit Schießpulver gefüllt.
Jetzt testet er es, feuert es ab, ob es klappt.
Wir sind dabei und gucken, was passiert.
Am Geschoss ist kein Explosivkörper.
Schwarzpulver ist zu teuer, sagen sie.
Ein großes Problem in diesem Krieg in Myanmar.
Wenig finanzielle Mittel.
Kaum Hilfe von außen.
Auch deshalb bauen sie die Waffen selbst.
(englisch:)
Und dann geht es los.
Mir ist mulmig, um ehrlich zu sein.
Ich sage Markus, wir sollen Abstand halten.
Nicht, dass noch etwas explodiert.
One, two, three!
(Klicken)
(Klicken)
Ah!
(Klicken, Rufe)
(Klicken)
One, two, three!
(Klicken)
(Lauter Knall)
(Ruf)
(englisch:)
(Gespräche im Hintergrund)
(Lachen im Hintergrund)
Mehrere Stunden Arbeit in einer Sekunde verschossen.
Hier, zwischen ihren Familien, im Dschungel.
Und dann, als wir gerade schon aufbrechen wollen,
kommt jemand mit einem kleinen, toten Vogel zu uns.
Armer kleiner Vogel.
Das zeigt noch mal, wie tödlich diese Waffen sind.
Nicht nur das Geschoss nach vorne, auch wenn man dahinter steht,
ist es saugefährlich.
Ich glaube, das ist sehr sinnbildlich für diesen Krieg.
Die Unschuldigen sterben.
Als die Nacht einbricht, passiert noch etwas Besonderes.
Wir haben gerade erfahren, dass nebenan, im Nachbarcamp,
ein paar Minuten weiter weg, eine traditionelle Hochzeit stattfindet.
Wir haben schon immer so Gesang und Musik von Weitem gehört.
Jetzt dürfen wir dahin.
Ich kann mir noch gar nichts darunter vorstellen,
wie eine Hochzeit in Myanmar aussieht.
(Belebte Musik, Gespräche im Hintergrund)
Plötzlich sind wir mittendrin
und werden direkt zu einem traditionellen Ritual eingeladen.
(Belebte Musik, Gespräche im Hintergrund)
Dann, nach der Vermählung, geht die Party los.
(Dynamische Technomusik)
Es ist wieder mal die Absurdität in Kriegen.
Drei, vier, fünf Kilometer von hier,
je nachdem, in welche Richtung man guckt,
wird gekämpft und gestorben.
Und hier mittendrin, wo wir eben noch Artillerie-Feuer gehört haben,
wird eine Hochzeit gefeiert.
Das ist total abgefahren.
Aber daran sieht man auch, man sollte immer an das Schöne im Leben glauben.
Und ich glaube, dafür kämpfen die meisten hier auch,
sodass eben das wieder in Frieden möglich ist.
(Ernste Musik)
Das waren unsere ersten Tage in Myanmar.
In den nächsten Wochen zeigen wir euch hier bei "CRISIS"
noch mehr aus dem Bürgerkrieg,
treffen eine Scharfschützin, lernen viel über das Land
und die Motivation der jungen Kämpferinnen und Kämpfer.
Und sind selbst an der Frontlinie.
(englisch:)
(Dramatische Musik)
(Detonation)