Seit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 herrscht Krieg in Gaza und es fallen ständig Bomben. Tausende Menschen sind schon gestorben und das Gesundheitssystem ist völlig überlastet. Nur noch wenige Krankenhäuser sind funktionsfähig, so auch das Shuhada Al-Aqsa Krankenhaus in Deir al-Balah in der Mitte des Gaza-Streifens.
Dort arbeitet Ghaleb als Krankenpfleger, er hat sich direkt nach Kriegsbeginn als Freiwilliger gemeldet. Seitdem lebt und arbeitet er dort – Tag und Nacht. Wir sehen, wie Ghalebs Kriegsalltag im Krankenhaus aussieht und wie es den Menschen geht, die seit Monaten unter Beschuss stehen.
Wir von CRISIS konnten selbst nicht nach Gaza einreisen, deshalb haben wir mit Journalisten vor Ort zusammengearbeitet. Wir vertrauen ihnen, aber wir können die Aussagen in diesem Video nicht unabhängig prüfen.
#gaza#krankenhaus Das ist das CRISIS-Team:
Autorin: Amelie Theuer
Schnitt: Laura Köhler, Lukas Essig
CvD: Marina Schulz
Kamera: GMLinks in Gaza
Fixer: Mohamed Isbitah (GMLinks in Gaza)
Übersetzer: Majd Iwidat
Sprecher: Fabian Janssen
Redaktionsleitung: Fabian Janssen & Juana Guschl
Produktionsleitung: Nina Schäfer
Illustrationen & Motion Design: Asta Dittes
Thumbnail: David Weber
Art Director: Christopher Hesse
YouTube-Shorts, TikTok: Amelie Theuer
Redakteurinnen: Amelie Theuer, Lisa Ossenbrink, Maya Schulz
YT-Shorts, TikTok Schnitt: Linus Ludwig
Produktionsfirma: objektiv media GmbH
Eine Produktion im Auftrag des SWR für funk.
CRISIS gibt es auch auf TikTok! Schaut mal rein: https://www.tiktok.com/@crisis_hinter_der_front
(Alarmklänge, Stimmengewirr)
(arabisch:)
Schreiende Kinder, Blut, abgetrennte Gliedmaßen.
Und mittendrin Khaleb.
Er arbeitet als freiwilliger Krankenpfleger
im Al-Aksa-Krankenhaus in Gaza.
(arabisch:)
(Lautes Stimmengewirr)
(arabisch:)
(Fernes Krachen)
Seit Monaten stehen die Menschen unter Beschuss,
mitten im Gazastreifen.
Unzählige Verletzte landen hier und ringen um ihr Leben.
Ärzte und Pfleger arbeiten rund um die Uhr, Tag und Nacht.
Khaleb ist mit seinen Kräften am Ende.
Wir begleiten ihn, vier Tage in wohl einem
der aktuell gefährlichsten Krankenhäuser der Welt.
(Düstere Klänge)
Wir von "CRISIS" wollten eigentlich selbst nach Gaza.
Doch für Journalisten ist die Ein- und Ausreise fast unmöglich.
Oder nur in Begleitung des israelischen Militärs.
Seit dem Angriff der Terrororganisation Hamas
auf Israel am 7. Oktober 2023 herrscht Krieg.
(Krachen)
Und Gaza wird regelmäßig bombardiert.
Tausende Menschen sind schon gestorben.
(Leise, düstere Klänge)
Und weil wir selbst nicht nach Gaza reisen können,
haben wir mit Journalisten vor Ort zusammengearbeitet.
Wir vertrauen ihnen.
Doch wir müssen trotzdem dazusagen:
Wir können die Aussagen in diesem Film nicht unabhängig prüfen.
(Düstere Klänge)
Wir befinden uns im Al-Aksa-Krankenhaus in Deir al-Balah,
in einem der wenigen noch funktionierenden Krankenhäuser
des Gazastreifens.
Hier lebt und arbeitet Khaleb als freiwilliger Krankenpfleger.
(arabisch:)
Nach nur etwa vier Stunden Schlaf beginnt seine nächste Schicht.
Und von draußen hört man schon die Menschen auf dem Flur.
(Lautes Stimmengewirr)
(arabisch:)
(Gerätepiepsen)
Er behandelt gerade einen Patienten, der viel Blut verloren hat.
Er wurde durch israelischen Beschuss schwer verwundet.
Einer von vielen.
Die Mehrheit der Patienten hier sind Opfer dieser Angriffe, sagt man uns.
Die Krankenhäuser sind völlig überlastet.
Die Lage katastrophal.
Es gibt keine freien Betten, einen großen Mangel an Medikamenten
und zu wenig Personal.
(Stimmengewirr)
(arabisch:)
Ein Großteil des Personals hier arbeitet freiwillig.
Aber egal, wie viel sie tun, sie können nicht alles abdecken.
Wenn Khaleb nicht gerade einen Patienten behandelt, muss er managen.
Materialbestand abklären. Papierkram.
Ständig kommt jemand anders auf ihn zu.
Der 24-Jährige hat Krankenpflege studiert.
Doch vor dem Angriff der Hamas auf Israel
und dem darauffolgenden Krieg in Gaza arbeitete er
bei zivilgesellschaftlichen Organisationen
und in einem Callcenter.
Im medizinischen Bereich hat er damals keinen Job gefunden.
Doch dann kam der 7. Oktober 2023.
Seitdem arbeitet Khaleb sieben Tage die Woche.
Rund um die Uhr.
Und auch wenn es auf den ersten Blick ruhig erscheint,
er muss sich ständig um etwas anderes kümmern.
(Stimmengewirr)
(Kinderstimmen)
Das alles zehrt an seinen Nerven.
Worunter er aber am meisten leidet, ist die Einsamkeit.
Denn er lebt hier und seine drei Geschwister und seine Mutter
in einer Unterkunft für Vertriebene in Bureidsch.
Ihr gemeinsames Haus wurde zerbombt.
(Leise bedrückte Klänge)
Sie versuchen zwar, regelmäßig zu telefonieren,
doch das Netz in Gaza ist sehr instabil.
Wenn Khaleb lange nichts von ihnen hört, hat er sofort Angst,
dass etwas passiert sein könnte.
So wie seinen besten Freund hier auf dem Bild.
Er ist bei einem Bombenangriff gestorben, sagt er.
(Gerätepiepsen)
Wie sehr er sich an solche Situationen gewöhnt hat
und was das mit ihm macht, zeigt sich an diesem Beispiel.
Schwer vorzustellen, das alles aushalten zu können.
Vom Trauma mal ganz abgesehen.
Ob Khaleb jemals daran gedacht hat, aufzuhören und aus Gaza zu fliehen?
(Stimmengewirr)
Die Menschen hier in Gaza erleben täglich Schreckliches.
Sie sehen Familie und Freunde sterben.
Was nach dem reinsten Ausnahmezustand klingt,
passiert den Palästinensern hier täglich.
In Khalebs Alltag ist nach ein paar Stunden Schicht
zumindest Zeit für eine kurze Pause.
(arabisch:)
Die Stimmung hier wirkt auf den ersten Blick
entspannt und ausgelassen.
Doch der Krieg ist immer in den Köpfen.
Keiner ist sicher.
Auch medizinisches Personal nicht.
(arabisch:)
Khaleb hat schon einige Kollegen seit dem 7. Oktober 2023 verloren.
Eigentlich stehen Krankenhäuser völkerrechtlich
unter besonderem Schutz.
Doch der ist nicht absolut.
Und so passiert es, dass auch sie Ziel von Bomben werden.
(arabisch:)
Trotz der ständigen Gefahr in der sich Khaleb
und die Menschen allgemein in Gaza befinden,
versucht er, seinen Alltag so gut es geht weiterzuführen.
Kleine Verschnaufpausen wie den sehr kurzen Spaziergang
zum Kaffeestand außerhalb des Krankenhauses
sind da eine willkommene Ablenkung.
(arabisch:)
(Stimmen im Hintergrund)
Ein kleiner Moment zum Durchatmen.
Doch dann klopft die Realität wieder an.
(arabisch:)
Pausen gehen für die Krankenpfleger hier meist nicht lang.
Das hier ist noch einer der ruhigen Tage.
Doch das wird sich schon ganz bald ändern.
(Sirene)
(Düstere Musik)
Es gab einen Angriff.
Und zwar einen israelischen Luftangriff.
Und dann muss alles ganz schnell gehen.
(arabisch:)
(Stimmengewirr)
Es herrscht blankes Chaos.
Es fehlt an allem.
Das Personal muss erfinderisch werden.
Statt dem Stauschlauch werden provisorisch Handschuhe benutzt,
um Körperteile leicht abzubinden.
Auch für Tourniquets müssen Alternativen gefunden werden,
um starke Blutungen zu stoppen.
(Stimmengewirr)
Auf einen Schlag werden Dutzende Patienten reingebracht.
Einige von ihnen schwer verletzt.
Es muss ganz schnell gehen.
Entscheidungen müssen getroffen werden.
Jetzt geht es um Leben und Tod.
(arabisch:)
Mehrere Kameras, die auf einen verletzten Jungen halten.
Makaber irgendwie.
Doch die Menschen in Gaza nutzen jede Möglichkeit,
um Aufmerksamkeit zu erzeugen,
die Bilder um die Welt zu schicken.
Khaled wird ständig woanders gebraucht.
Jede Minute zählt.
(Stimmengewirr)
Das Mädchen hier hat besonders schwere Verletzungen an den Beinen.
Ihre Schmerzen müssen kaum auszuhalten sein.
*Sie sprechen arabisch.*
(Pieptöne)
(arabisch:)
(Sie schreit.)
(Schrei hallt nach, ruhige Musik.)
(Dumpfe Stimmen)
Endlich hat das Betäubungsmittel gewirkt.
Auch eine der großen Heraus- forderungen hier für das Personal.
Sie müssen sich
um die zum Teil extrem schweren Verletzungen kümmern,
mit dem eh schon wenigen Material, was sie haben
und gleichzeitig die völlig unter Schock stehenden Patienten beruhigen.
(Stimmengewirr)
(Grillenzirpen)
(arabisch:)
Das Mädchen musste wegen ihrer schweren Verletzung
vier Stunden lang operiert werden.
Dabei musste ihr Bein amputiert werden.
Rund drei Wochen nach dem Dreh erfahren wir von unserem Fixer,
dass das Mädchen es leider nicht geschafft hat.
Sie sei wohl erst stabil gewesen,
aber dann an einer Blutvergiftung gestorben.
(Düstere Musik)
Leid und Verzweiflung sind groß in Gaza.
Aber auch auf allen Seiten des Krieges.
Frieden ist nicht in Sicht.
Bei den einen ist es die Angst vor den Bomben,
bei den anderen die Angst um ihre Geiseln
oder das Trauma des 7. Oktober.
Wir waren auch in Israel unterwegs
und wir haben mit einer Überlebenden des NOVA-Festivals gesprochen.
Aber auch mit radikal israelischen Siedlern in der Westbank.
(Schreie)
Und wir wollten wissen, was junge israelische Soldaten denken.
In Gaza weiß niemand, wie es weitergeht.
Wie hält Khaled diesen Stress
und dieses unfassbare Leid Tag für Tag aus?
(arabisch:)
(Beklemmende Musik)