1. Der Schmelztiegel des Hirten | Sabbatschule

Seminar Schloss Bogenhofen
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26.10.2024
https://sabbath-school-stage.adventech.io/de/2022-03/01/01
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines
Namens willen. (Ps 23,3)
Wenn ihr Feedback, Fragen oder Anregungen habt, schreibt uns gerne unter [email protected]
Liebe Zuschauer, ich freue mich, dass wir hier eine neue Gesprächsrunde starten können zu einem neuen Thema.
Wir stehen am Anfang eines Vierteljahres und da wechselt immer unser Thema.
Und unser Thema dieses Mal wird das Großthema Light sein.
Ich bin schon sehr gespannt, was wir in den nächsten Wochen in den Gesprächen lernen werden.
Ich stelle kurz meine Gesprächspartner hier vor.
Wir haben Agnesa hier, Raphael, Carmen und Carsten und ich bin Martin.
Wir beginnen mit einem Gebet und dann steigen wir in Psalm 23 ein.
Unser guter Hirte, ich möchte dir Danke sagen, dass du jemand bist, der uns Gutes schenkt,
der uns Barmherzigkeit zuteilwerden lässt und der möchte, dass wir das ganze Leben lang in deinem Haus wohnen.
Ja, führe auch unser Gespräch jetzt und lass das, was wir sagen, auch in uns,
die wir daran teilnehmen, vor der Kamera etwas Neues aufbrechen.
Und ich bitte dich, dasselbe auch für die Zuhörer und Zuschauer zu Hause.
Dass durch unser Gespräch neue Erkenntnis kommt und durch Erkenntnis eine Änderung im Leben.
Danke dafür. Amen.
Ich habe ja schon von einem neuen Thema gesprochen, Light.
Bei Light sind wir alle irgendwie dabei.
Jeder von uns kennt das irgendwo im Leben.
Und wer es noch nicht gekannt hat, der wird es kennenlernen.
Man muss nur etwas länger leben.
Und so finde ich es interessant, dass wir beginnen diesen Weg mit dem Light mit einem Psalm.
Psalm 23, wo es ja eigentlich um den guten Hirten geht.
Ich hätte mal interessiert von euch, was machen die Psalmen mit einem, dass sie die Teile der Bibel sind,
die wir am liebsten lesen, wenn wir irgendwie von Light betroffen sind.
Das ist jetzt unser Leid, das Leid von Freunden.
Wie kommt es, dass man sich den Psalmen zuwendet? Was ist da dran?
Es gibt eine Sache, die mir in den Psalmen immer so gut gefällt.
Und das fängt ja eigentlich schon damit an, dass viele dieser Psalmen von David kommen.
Und David ist so ein Mann, mit dem ich mich gerne identifiziere oder ich mag ihn einfach.
Und er hat aber auch sehr viel Leid erlebt.
Und ich kann mich halt einfach, wenn ich die Psalmen dann lese, auch mich hineinversetzen in die gleiche Lage.
Und was ich so besonders finde, gerade bei David, ist, dass er sehr oft seinen Psalmen wieder mit etwas Positives endet.
Das heißt, man hat einmal so das Gefühl, da ist jemand, der ist durch die gleiche Situation vielleicht gegangen,
aber er hat auch die Hoffnung auf einen Ausweg und das ist ermutigend.
Also in den Psalmen geht es nicht nur um Wahrheiten, technische Wahrheiten,
sondern die komplette Bandbreite der menschlichen Emotionen findet sich hier wieder.
Und da identifizieren wir uns einfach damit.
Wenn wir selber durch Emotionen durchgehen, eben nicht nur Trauer, manchmal auch Zorn,
die komplette Bandbreite gibt es in den Psalmen.
Und einfach schön, dass die Psalmen uns eine Sprache geben, wenn uns manchmal die Worte fehlen.
Ich glaube, es ist auch so universell. Es ist eben eine Sprache, die zu jedem spricht.
Es sind ganz viele Bilder, es sind ganz viele Beschreibungen.
Es ist ganz egal, in welcher Situation ich mich persönlich befinde, ich finde mich wieder drinnen.
Und es ist dann tatsächlich Trost, und zwar so ganz plakativer Trost.
Für mich ist es so authentisch, was der David hier schreibt.
Und er versucht nichts zu beschönigen, er versucht nichts irgendwie zu entschuldigen,
sondern er nennt die Sachen beim Namen.
Und er bekennt auch seine Fehler.
Und er lobt und preist Gott für die Errettung.
Er sagt aber auch ganz offen und ehrlich, mir geht es schlecht und ich fühle mich jetzt verlassen.
Ich weiß zwar kopfmäßig, dass ich nicht verlassen bin, aber ich fühle mich so.
Und deswegen habe ich das Gefühl, kann man sich damit viel besser identifizieren.
Das ist leicht verständlich alles.
Also ich verstehe das mit der Identifikation.
Man ist dann irgendwie so in den Fußstapfen des Psalmschreibers drin.
Ich erinnere mich selber an eine Bibel, aus der ich zu einer Beerdigungsansprache predigen konnte,
von der Person, die verstorben ist, die an manchen Psalmsstellen nebendran praktisch ihre Geschichte
der letzten sechs bis zwölf Monate notiert hat.
An manchen Stellen zum Beispiel den Feind identifiziert hat als der Krebs in ihrem Körper.
Und das einfach so hingeschrieben hat.
Und ich dann den Eindruck gewonnen habe, die Person hat diese Texte gelesen
und hat plötzlich sich wiederentdeckt, hat diesen Psalm in ihr Leben angewandt.
Das hat ihr irgendwie Kraft oder Mut gegeben.
Lass mich da noch ein bisschen nachhören. Warum macht das Kraft und Mut?
Weil am Ende immer was Positives steht, Raphael.
Eine persönliche Begebenheit. Ein Teil meiner Verwandtschaft, die wohnt in der Ukraine, in der Nähe von Kiew.
Und meine Oma ist 94 Jahre alt.
Und als der Krieg dort begonnen hatte, haben sie es nicht mehr rechtzeitig geschafft,
aus der Ortschaft rauszukommen, die bombardiert wurde.
Meine Oma, mein Onkel und meine Tante sind 16 Tage unter Beschuss gestanden im Prinzip.
Und mehr oder weniger haben sie die ganze Zeit im Erdkeller verbracht.
Und dann eines Tages haben sie sich gewagt, rauszugehen und rauszufahren.
Und meine Oma hat gesagt, die ganze Zeit, wo sie gefahren sind,
haben sie sich gegenseitig Psalmen zugesprochen, weil sie sich damit identifizieren konnten.
Es hat rechts geschossen, es hat links geschossen.
Und vor ihnen hatte man Leute erschossen in den Fahrzeugen.
Und sie hatten das Gefühl gehabt, Gott geht mit ihnen dort raus und er beschützt sie.
Sie konnten wirklich das nachvollziehen, wie David auf der Flucht war und sagen konnte,
zu deiner rechten fallen, zu deiner linken fallen, aber Gott, du beschützt mich.
Und so hatten sie das Gefühl gehabt in diesem Augenblick.
Ich glaube auch, das ist dieses Persönliche.
Also das ist ein Teil, wo ich Gott ganz persönlich erlebe.
Nicht in der Geschichte eines anderen, sondern wo ich das wirklich ganz für mich in Anspruch nehme.
Und so wie du es gesagt hast, wie die Frau vielleicht da,
sehe ich wirklich, Gott meint mich.
Und das ist nochmal ein ganz anderer Trost, als wenn ich etwas von jemand anderem höre.
Sondern ich kann es wirklich für mich dann annehmen.
Und ich finde auch die Psalmen, das ist extrem was Intimes.
Man hört hier eigentlich quasi oft Gebete, die zu Gott gesprochen werden.
Wir kriegen Einblick.
Und wie du auch gesagt hast, da wird nichts beschönigt, nichts schöner dargestellt,
sondern es ist einfach die rohe Emotion, die auch da ist.
Und ich glaube, das ist für uns so interessant, weil wir uns damit identifizieren können,
weil wir es ja selber vielleicht spüren, uns aber nicht mal trauen, es auszusprechen,
aber hier erleben, wie es jemand zum Ausdruck bringt.
Und damit identifiziert man sich dann.
Ich glaube, auch die Sprache, die hier gesprochen ist,
das ist keine hochtrabende, unverständliche Sprache.
Wenn ich mir zum Beispiel Psalm 77 anschaue, und da steht einfach
zur Zeit meiner Not suchte ich den Herrn.
Das ist so einfach, da muss ich nicht irgendwie Theologe sein,
da muss ich nicht irgendwie Exegese erst betrieben haben, um das zu verstehen.
Das kann ich auf mich anwenden.
Vielleicht ist es deshalb, dass viele Psalmen auch vertont worden sind
und zu Liedern gemacht wurden.
Das kennen wir auch aus unseren Hymnen.
Jetzt geht es um diesen besonderen Psalm, den Psalm 23.
Ich glaube, diese Elemente, die ihr genannt habt, finden wir da genau auch wieder.
Jemand nimmt hier ein Bild.
Jetzt bin ich fast versucht zu sagen, jetzt lasst uns das mal auswendig,
ohne in die Bibel zu schauen, aufsagen, denn das ist ja der bekannteste Psalm überhaupt,
das behaupte ich jetzt einfach.
Aber wir werden es trotzdem lesen.
Vielleicht bin ich beim Karsten.
Karsten, magst du mal einfach den gesamten Psalm vorlesen?
Gerne.
Der Herr ist mein Hirte.
Mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal,
fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.
Dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang.
Und ich werde bleiben im Hause des Herrn immer da.
Danke schön.
In meiner Luther84-Übersetzung sind wichtige Texte so fett gedruckt.
Das ist der einzige Psalm, in dem alle Verse fett gedruckt sind.
Also ein wichtiger Psalm, der bekannteste, habe ich gesagt.
Warum genießt dieser Psalm so eine positive Aufmerksamkeit der Leser?
Im Vergleich zu den vielen anderen Psalmen.
Wo liegt das Besondere dieses Psalms?
Er ist natürlich auch sehr kurz.
Es gibt zwar auch noch kürzere Psalmen, aber die meisten sind noch etwas länger.
Und dieses Bild vom Hirten, das hat einfach was ganz Besonderes.
Ich kann mich noch erinnern, wie bei uns, wo wir früher gewohnt haben, eine Schafherde vorbeikam.
Unsere Tochter war noch recht jung damals und wir sind zu dieser Schafherde hin.
Was das gemacht hat, diese Schafe, den Hirten so zu sehen, einfach was ganz Besonderes.
Auch wenn wir natürlich als Erwachsene wissen, das ist nicht alles immer so verklärt.
Und der Hirte ist kein romantischer Beruf, sondern das ist harte Arbeit.
Da wurde drauf runtergeschaut.
Wir haben es ja auch beispielsweise im letzten Vierteljahr gehabt, noch gegen Ende,
mit diesen Söhnen von Jakob, die auch Schafhirten waren.
Und die Ägypter haben auf sie runtergeschaut.
Ja, das wissen wir schon irgendwo vom Verstand her.
Und trotzdem diese vielen Bilder, alles was man da hat, das ist sehr anschaulich, sehr plastisch.
Das löst bei mir auch so ganz warme Gefühle aus, muss ich sagen.
Also für mich spricht der Psalm jeden Lebensbereich an, beziehungsweise jede Lebenssituation.
Wenn es mir gut geht, weiß ich, dass Gott mich führt.
Wenn er in Vers 2 sagt, er weidet mich auf grüner Aue und führt mich zu stillen Wassern.
Damit identifiziere ich gerade die ruhigen Momente des Lebens, wo alles ruhig geht
und wo man zufrieden ist und denkt, so kann es bleiben.
Aber auch wenn ich durch das Tal des Todesschatten gehe, weiß ich, dass der Herr trotzdem bei mir ist.
Und so beinhaltet dieser Psalm für mich alle Lebenslagen oder alle Lebenssituationen.
Der deckt also alles ab. Egal wo du stehst, du kannst den Psalm nehmen und kannst Dinge darin finden für dich.
So sagst du.
Hast du noch Ideen, warum der so besonders sein könnte?
Vielleicht auch, weil alles positiv ist eigentlich.
Wir haben in anderen Psalmen oft auch, wo David zum Beispiel zum Herrn schreit, weil er so verzweifelt ist.
Du hörst hier in diesem Psalm keine Verzweiflung oder kein Trauer oder so,
sondern es ist eigentlich ein Anker, eine Sehnsucht nach dem, was kommen kann, eine Hoffnung.
Und ich glaube, das ist auch vielleicht ein Grund, warum der so beliebt ist.
Du meinst, dass obwohl jetzt in Vers 4 auf das Tal des Todesschatten referiert wird, es ist ja trotzdem noch gut.
Du bist bei mir.
In anderen Psalmen würde David vielleicht sagen, ich bin jetzt gerade im finsteren Tal des Todes, hilf mir hier draus.
Und hier ist es schon, auch wenn du jetzt nicht gerade in dieser Lage bist, Gott wird bei dir sein.
Also so sehe ich das.
Hat er das später geschrieben, nachdem er zurückschaut auf sein ganzes Leben, die ganzen Lebensphasen hat
und jetzt noch einmal so ein Bild kreiert hat am Ende seines Lebens?
Ich finde den Vers 4 so interessant, dass er sagt, auch wenn ich durch das Tal des Todesschatten wandere, fürchte ich kein Unglück.
Also es ist so, als ob David damit sagen möchte, ich weiß schon, wie es ausgehen wird.
Ich weiß, Gott ist bei mir und es wird gut ausgehen.
Egal, was mich da erwartet.
Ich glaube, es kitziert genau so an das, was Gott versprochen hat.
Dieses Idealbild ein Stück weit.
Also das, was sich jeder so wünscht.
Und Gott sagt, du kannst das auch haben.
Aber wir fühlen uns trotzdem nicht immer so nah, dass wir das erleben.
Aber es spiegelt genau das.
Das könntest du alles haben, du musst nur Ja zu mir sagen und bei mir bleiben.
Aber ich glaube, das gibt schon Trost, wenn ich das annehmen kann.
Es drückt die Sehnsucht auch ein bisschen aus, was man haben möchte, was er jetzt sagt.
Karsten, du hast jetzt gesagt, du denkst gleich an den Hirten.
Und so geht es ja los.
Der Herr ist mein Hirte.
Und da sind viele Elemente hier drin, die vielleicht einen Hirten anspielen.
Seht ihr da noch weitere Bilder, die er verwendet, um Gott zu beschreiben, außer dem Hirten?
Oder ist das das einzige Bild hier für euch?
Ein Bild vom Gastgeber steckt ein Stück weit drin.
Ich bereite vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Ich denke da beispielsweise an beduinische Gastfreundschaft.
Wenn jemand hinkommt, dann wird ihm ja nicht nur reichlich zu essen und zu trinken gegeben,
sondern auch der Gastgeber schützt den Gast auch mit seinem Leben.
Das heißt, so Feinde müssen draußen bleiben.
Und die dürfen da nicht hin.
Wenigstens drei Tage. Das ist, glaube ich, so die Tradition.
Was nach den drei Tagen ist, ist eine andere Frage.
Aber zuerst mal, das schwingt hier vielleicht auch mit.
Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt.
Dann denke ich auch an Propheten, die den König gesalbt haben.
Gott als Prophet, der dich als König salbt.
Ich glaube, man kann es auch durchgängig als Hirten verstehen.
Man kann auch jeden Vers mit dem Verständnis lesen, dass es hier um den Hirten geht.
Der eben auch schaut, dass seine Schafe Weide haben.
Oder der eben auch seine Schafe mit Öl einschmiert, damit keine Fliegen, kein Geschmeiß hinkommen.
Oder manche sagen auch, wenn die Böcke miteinander kämpfen im Herbst,
dann streicht der Hirte das Geweih mit Öl ein,
dass sie sich nicht verhaken und sich dadurch verletzen oder wunden werden,
dann auch mit Öl behandelt.
Also von dem her, es macht eigentlich auch Sinn,
wenn man das durchgängig mit dem Bild des Hirten liest.
Gutes und Barmherzigkeit, habe ich schon gehört, heißen dann die zwei Hirtenhunde.
Der eine gut, der andere barmherzig, die dann ständig um einen herumkreisen und dich zusammenhalten.
Deswegen folgen sie mir mein Leben lang.
Aber ich sehe schon, ihr seht neben dem Hirten auch den Gastgeber.
Der Gastgeber wird fast sogar zum Schluss zum Hausvater, könnte man meinen.
Ich werde bleiben im Haus des Herrn immer da.
Da ist es dann nicht mehr so der Gastgeber, sondern es ist der Vater eigentlich.
Du bist zu Hause angekommen, wie der verlorene Sohn.
Vielleicht Kamen, Vers 4.
Will dir da noch ein Bild ein?
Also was mir kommt, ist einfach ein Schutz und eine Ausrichtung, eine Orientierung.
Ich habe jetzt die Kamen gefragt, weil die Kamen unsere Wandersfrau ist.
Wanderführerin, ja genau.
Da ist doch der, ob ich schon wanderte, ich fürchte kein Unglück, denn ich habe die Taschenlampe bei mir.
Du nimmst immer Taschenlampe mit jetzt inzwischen, habe ich mitbekommen.
Wenn man das einmal erlebt, das findest du total, dann will man es nicht mehr.
Und so hast du da vielleicht so die Idee, das ist ein guter Wanderbegleiter, Wanderführer, ein Werkführer.
Entschuldigung, dass ich da so direkt.
Aber wir sind halt auch Menschen in unseren Lebensbereichen und der Psalm spricht uns alle irgendwo an.
Wobei der Bergführer hier ein Talführer ist.
Ja, das stimmt.
Ich hoffe, er führt heraus aus dem Tal, oder?
Also wohin?
Grand Canyon.
Ja, auf den Berg Zio nämlich.
Gut, Hirte. Schauen wir uns den Hirten ein bisschen an.
Also was macht denn ein Hirte hier, dass er dieses Bild für Gott verdient?
Ich fand das sehr interessant, was du vorher gesagt hast, Karsten.
Du hast einen echten Hirten mal erlebt und gesehen.
Weiß nicht, hat das jemand von uns noch?
Mal gewesen, aber nicht gesehen.
Gesprochen?
Zugeguckt, ja.
Gesprochen, versucht.
Zugeguckt.
Eine Doku, ja.
Das ist das, wir sind immer so hands on.
Also das ist schon ein bisschen entfernt an unserer Lebenswelt.
Aber was sind da Dinge, die den Hirten auszeichnen und deren Auszeichnungen dann auf Gott gelegt werden?
Sag mal ganz konkret vom Text her.
Was entdeckt ihr da?
Diese positiven Sachen, Raphael, die da in dem Psalm nur drin sind.
Ja, gleich im ersten Vers.
Mir wird nichts mangeln.
Also der Hirte, Gott, der einfach alle meine Bedürfnisse abdeckt.
Der weiß, was ich brauche und der dafür sorgt, dass sie mir zur Verfügung stehen.
Für mich ist ja auch Gott als ein geduldiger Hirte, der mit uns Menschen unterwegs ist.
Wenn man das Bild von einem echten Hirten betrachtet, sind das für mich ja immer wahnsinnig geduldige Menschen.
Weil bis du die Schafe alle beieinander hast und dann die ganze Zeit immer dasselbe und das Gleiche.
Und die gehen wieder und du brauchst, wenn du deine Hunde hast, hast du ein bisschen leichter.
Aber ansonsten, du musst ja wirklich geduldig sein mit den Tieren.
Und Gott ist genauso auch geduldig mit uns.
Ja, mir fällt einfach auf, dass der Hirte hier so gut wie alles tut.
Allein schon grammatikalisch, das kommt nur zweimal im ganzen Psalm ich als Subjekt vor.
Ich wandere und am Schluss wieder ich werde bleiben oder ich kehre zurück ins Haus des Herrn.
Was man vielleicht auch eher so als ein Ergebnis des Führens verstehen kann.
Aber sonst ist überall der Hirte der Handelnde.
Und ja, Schafe können einfach nichts.
Schafe sind eigentlich dumme Tiere, die brauchen Hilfe bei allem.
Und der Hirte kümmert sich einfach rundum um diese Schafe.
Er guckt, dass sie zu fressen haben, dass sie zu trinken haben, dass sie geschützt sind, dass sie auf dem richtigen Weg sind.
Ja, der Hirte macht das alles.
Und ich denke, das ist wirklich von dem her gesehen ein sehr gutes Bild für Gott.
Denn bei uns ist es auch so.
Dass wir alles brauchen.
Dass er alles tun muss für uns.
Da geben wir uns zwar manchmal der Illusion hin, wir könnten ganz viel selber tun.
Aber dann sagt Gott vielleicht, du nah.
Wenn ich nicht da wäre, dann ist es heute Nacht vorbei.
Eigentlich, wenn wir weiter konsequent denken, kommen wir dahin, dass wir alles Gott verdanken.
Und dass es eben nicht von uns selber kommt.
Und eigentlich ist das Bild von Schaf und Hirte, also gerade wenn wir Menschen Schafe sein sollen, ist ja eigentlich nicht so positiv.
Wer identifiziert sich gerne mit einem Wesen, das eigentlich in jeder Lage Hilfe braucht, das eigentlich ziemlich dumm ist und immer wieder Probleme verursacht, der Hirte immer einspringen muss.
Und wir konzentrieren uns auf der Hirte, der für uns da ist, aber eigentlich spricht sie auch uns an.
Ich kenne keinen Staat, der sich das Schaf als Wappentier ausgesucht hat.
Vielleicht gibt es das, keine Ahnung.
Aber ich kenne keinen.
Das sind überall irgendwie Adler, Bär, Löwe.
Das Wappen mit dem Schaf und dem roten Fleck da drauf bei dem Schaf, das ist das Wappen der Christen.
Aber nicht ein Staat, das stimmt.
In St. Peter ist doch im Wappen oben auch irgend so ein Wolletier.
Na gut, müssen wir mal schauen.
Aber ja, die meisten haben Löwen, Adler, solche Sachen, Bär.
Ich denke an das Neue Testament.
Jesus nimmt ja auch dieses Bild auf und behauptet von sich eben der gute Hirte zu sein, zu Recht.
Und da sagt er, meine Schafe folgen meiner Stimme.
Seht ihr das da irgendwie?
Ist das inkludiert, das Vertrauen der Schafe in den Hirten, das ist absolut da?
Also ich sehe es in den Vers 4, da wird ja noch erwähnt, dass da ein Stab ist, ein Stecken.
Offensichtlich sind sie aber gerade in der Lage, dass es nicht so schön ist, im Tal des Todenschattens.
Da fühlt man sich vielleicht nicht so wohl, aber man vertraut trotzdem, dass auf diesem Weg, wo es vielleicht so schlecht geht,
dass einem weiter getröstet wird und dass der Hirte einem auch wieder rausführt.
Ich meine, ich weiß nicht, was man mit Stecken und Stab, man kann viele Dinge damit machen.
Mit einem Stecken, mit einem Stab kann man jemanden verletzen, jemanden wehtun, sich aber auch darauf stützen.
Oder der Hirte hat ja nicht umsonst so einen gebogenen Stab, um auch dem Schaf aufzuhelfen und das irgendwo rauszuholen.
Und offensichtlich kennen die Schafe diesen Stab und diesen Stecken.
Also sie kennen das, was der Hirte da macht und haben Vertrauen zu ihm.
So ein Stab kann wahrscheinlich auch führen.
Der Stab, der tröstet sogar.
Ich habe schon einmal gelesen, dass das Wort, was hier mit Stecken in der Luther übersetzt wird,
im Hebräischen auch durchaus eine Keule meinen kann.
Ich denke, dass wir jetzt an den Erfahrungsbericht des Davids zurück, an anderer Stelle,
wo er dem König Saul erzählt, aus seiner Zeit damals, als er Hirte war,
und gesagt hat, wie er da gegen Löwe und Bär gekämpft hat,
vielleicht mit der Schleuder, aber vielleicht auch mit einem Knüppel,
wenn man diese Tiere versucht in die Flucht zu schlagen.
Ich glaube, da braucht es ja auch wieder die Erfahrung.
Welche Erfahrungen habe ich mit diesem Holzstab gemacht?
Habe ich schon erlebt, dass ich verteidigt wurde oder wurde ich damit geschlagen?
Und dementsprechend muss ich ja den Hirten kennen, damit ich mich anvertraue, damit ich mich dem näher.
Jetzt habt ihr schon ein paar Mal von dem Tal des Todesschatten gesprochen.
Direkt vor dem Tal des Todesschatten, da kommen wir gleich jetzt hin,
steht aber noch dieser eine Satz, er führt mich auf rechter Straße, um seines Namens willen.
Ich glaube, alle Übersetzungen haben das so, um meines Namens willen.
Also um seines, Entschuldigung, Gottes Namens willen.
Jetzt verstehe ich das nicht so ganz, ich möchte ein bisschen, dass ihr das irgendwie in Fleisch fasst.
Was bedeutet das? Steht da irgendwie Gottes Ruf auf dem Spiel?
Das höre ich so raus, um seines Namens willen?
Oder was passiert da, wenn er etwas tun soll, um seines Namens willen?
Es geht auf jeden Fall um den Charakter Gottes.
Wenn er wirklich so diesen Ruf, den Anspruch auch hat, Hirte zu sein,
dann wird man ihn natürlich daran messen, ob die Schafe am Schluss ankommen, ob die vollzählig sind.
Das heißt, er verbirgt dafür mit seinem Leben, sagt Jesus auch in Johannes 10,
dass die Schafe dann auch wirklich vollzählig ankommen.
Wenn man an den großen Kampf denkt, dann geht es sehr wohl um Gottes Ruf und um Gottes Legitimation,
dass er der Herrscher ist.
Und wenn man zum Beispiel ein paar Bücher weiter vorne schaut,
als Mose das Volk Israel rausführt und Israel zum wiederholten Mal Mist macht
und Gott sagt, ich werde sie vernichten und ich werde aus dir ein neues Volk machen,
dann sagt der Mose auch, nein, tu das nicht.
Was sollen denn die anderen sagen? Du machst dich zum Gespött für die andere.
Also es geht sehr wohl um Gottes Ruf und das, wie wir Gott auch darstellen.
Das eröffnet plötzlich eine größere Dimension, kommt mir vorher.
Es geht nicht mehr nur um den Hirten und um das Schaf,
sondern es geht plötzlich um viele anderen, die das auch sehen offensichtlich,
die den Namen Gottes verbinden mit einer gewissen Wesen, Charakter, Einstellung, Hilfe.
Auch mit einem Versprechen, oder? Gott hat ja ein Versprechen gegeben, dass er uns wieder zu sich zieht.
Also das, was dann da im Vers 6 am Ende kommt.
Genau.
Deswegen diese rechte, gerade Straße.
Nun gut, das steht jetzt aber im Vers 4,
und ob ich schon wanderte im Tal des Todesschatten, im finsteren Tal.
Jetzt gehe ich einfach mal davon aus, dass wir das alles irgendwie, wir identifizieren uns, wir kennen das auch.
Was würdet ihr mit dem finsteren Tal assoziieren? Was gehört da so dazu?
Bedrängnis.
Also ich glaube, da kannst du so ziemlich alles assoziieren.
Nicht nur Tod und Verlust von geliebten Menschen,
sondern auch manchmal ist der Verrat von geliebten Menschen oder Freunden vielleicht sogar noch schlimmer als der Tod,
weil der Tod ist irgendwas so abgeschlossenes, muss dich damit abfinden.
Aber wenn du von deinen Familienmitgliedern oder deinen Freunden aufs Übelste verraten worden bist,
und du musst dann noch Jahrzehnte vielleicht damit leben,
oder wenn solche Leute sich alle Mühe geben, deinen Ruf zu ruinieren oder dir persönlich zu schaden,
da hast du ein sehr langes Tal zum Durchschreiten.
Ich habe mich dabei so ein bisschen gefragt, ist dieses Tal des Todesschattens selbst eingebrockt oder nicht?
Ich habe vorher schon gesagt, da taucht eben auf einmal das Ich als Subjekt auf,
ich wandere und vielleicht denken wir da sehr schnell an diese Geschichte mit dem verlorenen Schaf, was einfach wegrennt.
Auf der anderen Seite geht es ja gleich weiter, du bist bei mir.
Also das heißt ja nicht, dass das Schaf sich entfernt hat, zwangsläufig,
sondern dass der Hirte da ist und wenn der Hirte da ist, ist er auch in der führenden Position.
Er hat dann Gott selber reingeführt in dieses Tal des Todesschattens?
Oder ist das mein eigenes Problem?
Das ist mein eigenes Problem, ja.
Dass ich mich da eben doch entfernt habe und so wie die Kindergeschichten immer erzählt werden,
ein neugieriges Schaf war, was einfach mal was Neues erleben wollte und dann eben irgendwo abgestürzt ist.
Du wolltest ja doch eine Antwort darauf geben.
Ich weiß nicht, ich sehe das viel mehr einfach als eine Wanderung.
Wenn du eine lange Wanderung auf dich nimmst, dann gibt es halt Täler und es gibt Berge
und man muss auch irgendwann mal durch einen Tal.
Und ich glaube, das gehört, also wir kennen das in unserem Leben, jeder Mensch geht durch solche Täler.
Und ob sie jetzt selber verpockt sind oder dass Gott, also ich finde es auch komisch zu sagen,
Gott hat einen bewusst jetzt in diese Krise geführt.
Das glaube ich auch nicht, aber es ist einfach ein Teil des Lebens.
Und hier ist für mich die Ermutigung darin, dass ich ja nicht alleine bin.
Also nur weil ich Christ bin, heißt das nicht, dass ich jetzt in meinem Leben immer nur Freude habe,
sondern es sind auch Momente, die schwierig sind.
Aber der Trost kommt darin, dass ich ja in diesen schwierigen Zeiten ja auch weitergeführt werde.
Dass Gott trotzdem noch bei mir an der Seite ist.
Also ich habe kein Problem damit zu sagen, dass Gott auch manchmal Situationen zulässt, die schwierig sind.
Wenn wir jetzt an Josef zum Beispiel denken, da hat Gott sehr wohl zugelassen,
dass seine Brüder ihn verkauft haben.
Da hat Gott sehr wohl zugelassen, ohne Verschulden von Josef,
dass die Frau von Potiphar ein Auge auf ihn geworfen hat
und er da sein richtiges Verhalten ja dafür bestraft wurde im Prinzip.
Ich fand das sehr interessant, dass unsere Kinder das Schwimmen gelernt haben.
Wir waren bei einem Schwimmkurs und der Schwimmlehrer hat irgendwann mal gesagt,
okay gut, jetzt kannst du auch ohne Schwimmflügel schwimmen.
Und unsere Tochter, die war sich da so ein bisschen unsicher, die wollte das Zeug nicht ausziehen.
Da hat er gesagt, du das geht schon, passiert dir nichts.
Und dann schwuppdiwupps schubst er sie ins tiefere Wasser.
Er war daneben, es hätte nichts passieren können.
Aber einfach, um ihr zu demonstrieren, du musst dich auch was trauen.
Ich bin bei dir, aber du musst auch Leistung bringen, du musst was tun.
Also Gott verlangt von uns auch manchmal Erfahrungen, die uns dazu verhelfen,
durch Sachen, die uns mal später im Leben vielleicht erwarten,
da vorbereitet dahin zu gehen, um auch zu wachsen.
Jetzt fast so ein bisschen schon auch könnte es sein, dass er führt.
Weil er weiß, so durch das Tal, dann kommt nachher, wenn das Wadi aufhört,
dann kommt das frische Wasser.
Dann müssen wir jetzt durch das Tal durchgehen.
Vielleicht ist es so eine Kombination irgendwie.
Manchmal so, manchmal so.
Und wir können uns immer überlegen, wie viel Anteil habe jetzt ich gehabt dabei?
Ich glaube, es ist fast wie beim Wandern, oder?
Man kann sich eine Route aussuchen, wo du länger unterwegs bist und du umgehst alles
und du brauchst einfach länger.
Oder du nimmst so einen Shortcut und der kann vielleicht auch intensiv sein
und du kommst ganz anders am Ziel, weil du hast was anderes erlebt.
Also natürlich, es wünscht sich keiner und es ist nie angenehm,
aber im Rückblick, glaube ich, gibt es ganz oft diesen Effekt,
dass ich sage, ja, ich bin froh, dass ich da ein bisschen gepresst wurde,
weil es hat mich geformt in gewisser Weise.
Und ich habe vielleicht etwas viel schneller gelernt, als ich sonst gelernt hätte.
Vielleicht passt das jetzt dazu.
In dem Psalm gibt es ja einige interessante Strukturüberlegungen.
Ich möchte hier nur eine nennen.
Das ist dieser Wechsel von dem Er zum Du.
Das ist euch sicher aufgefallen im Vers 4, zweiter Teil.
Denn du bist bei mir.
Vorher spricht er von, er weidet mich, er erquickt mich, er führt mich.
Also, wenn das Ich jetzt als Ich aktive, dann gibt es auch das Du.
Wie erklärt er euch diesen Wechsel vom Er zum Du?
Es sieht so aus, dass dieses geführte Schaf, wird er nicht direkt genannt,
aber wir gehen mal davon aus, er ist ein Schaf,
in diesem Tal des Todesschattens auf einmal auf eine andere Ebene der Beziehung zu Gott kommt.
Gott ist nicht mehr nur der unpersönliche Dienstleister,
sondern hier auf einmal der Persönliche, dieses Du, dieses direkte Gegenüber.
Da passiert eine Veränderung.
Und Karsten, jetzt hilf mir, warum?
Warum gerade dort?
Warum nicht an der grünen Aue, am frischen Wasser?
Aber ist das nicht gerade das, was wir auch oft in unserem Leben erleben?
Dass wir vielleicht eine oberflächliche Beziehung zu Gott haben,
aber wenn dann eine schwierige Zeit kommt,
dann erleben wir Gott ganz intensiv und ganz anders und ganz dynamisch.
Dann ist er nicht mehr nur dieser theoretische Gott,
über den wir etwas wissen oder etwas für wahrhalten,
sondern er ist auf einmal der Gott, mit dem wir vielleicht auch gekämpft haben.
Mit dem wir gerungen haben, an den wir Fragen gerichtet haben,
wo wir Zweifel entgegengeschleudert haben, aber der einfach trotzdem noch da ist.
Das heißt, unsere Gottesbeziehung kriegt vielleicht gerade in diesem Tal eine ganz andere Qualität.
Aber es ist kein Selbstläufer.
Es gibt natürlich auch Leute, die im Tal des Todesschattens aussteigen und sagen,
wenn ich hier durch muss, dann möchte ich mit Gott nichts mehr zu tun haben.
Das ist so ein Stück weit auch so ein Punkt der Entscheidung.
Das klingt fast so, als ob der Tal des Todesschattens etwas ist, was jeder erfahren müsste.
Seht ihr das so?
Es ist eine Notwendigkeit, damit wir in eine besondere Beziehung mit Gott gelangen,
das uns besonders helfen kann.
Ich glaube nicht, dass das so geplant ist,
aber einfach dadurch, dass wir so abgelenkt sind und dass es so viel anderes gibt,
glaube ich tatsächlich, dass wir das brauchen.
Ich würde es nicht pauschalisieren, sondern ich glaube,
dieses Gefühl, wenn du auf der Suche bist,
es gibt sicher, Gott hat alle Möglichkeiten, dir etwas nahe zu bringen,
aber es hängt immer an uns, wie weit wir uns öffnen, um das sehen zu können.
Ich glaube, das ist der Knackpunkt.
Also, Gott hätte sicher andere Möglichkeiten, uns etwas näher zu bringen,
aber vielleicht braucht es für uns diesen Druck, damit wir aufmachen, um das anzunehmen.
Und dann muss er manchmal diesen Weg wählen, aus Liebe zu uns.
Mein Zufriede Karman sagt, das ist sicherlich nicht der Idealfall.
Und Gott hat sich das sicherlich anders auch im Paradies vorgestellt, als er uns erschaffen hat.
Nur, die Realität sieht so aus, dass wir das tatsächlich brauchen.
Wenn es uns gut geht, werden wir recht schnell auch überheblich und bilden uns ein,
dass es alles auf unserem Können, unserem Wissen, unserem Fleiß gewachsen ist
und lassen Gott einfach komplett irgendwo außen vor.
Auch wenn wir formal weiterhin ihn anbeten und so,
aber dieses Gefühl, diese Überheblichkeit, ich habe was geschafft,
ich habe mein Leben im Griff, die ist doch sehr präsent bei uns.
Aber wenn ich dann mein Kind habe, das 40 Fieber hat und irgendwelche Anfälle hat
und ich habe schon alles probiert und ich kann daran nichts ändern,
dann gehe ich ganz anders zu Gott und tue ihm ganz anders um Hilfe und Sachen anflehen,
als wenn ich weiß, ich habe ein kerngesundes Kind, es hat noch nie etwas gehabt,
es ist alles super, die Erziehung verläuft super, ich hatte nie Schwierigkeiten, Probleme,
in keinster Beziehung, da kann ich das sehr leicht mir auf die Schultern klopfen und sagen,
toll hast du das gemacht.
Das ist schon interessant, also so Leid bricht bei uns was auf, sagt ihr mir jetzt,
da öffnet sich was, ich werde offen für besondere Beziehungen, komme näher,
vielleicht auch löse ich das Verhältnis mit Gott,
vielleicht tut Leid eher auch zeigen, wie überhaupt das Verhältnis mit Gott überhaupt war,
ob es Bestand hat oder nicht.
Das Tal des Todesschattens.
Jetzt möchte ich so eine Kurve machen und zu einem ganz anderen Thema noch kommen,
zusammen mit dem Psalm 23.
Wir wissen, dass der Psalm 22 davor ein messianischer Psalm ist,
Jesus zitiert den ersten Hauptvers am Kreuz,
mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen,
dann wird sehr eindrücklich beschrieben, etwas wie Jesus das auch in seinem Kreuzesgeschehen erlebt hat.
Psalm 24 ist so der Einzug in das Heiligtum,
ihr kennt diese Texte, wer ist der König der Ehre,
wird ja auch verwendet, wenn wir uns vorstellen,
dass Christus nach der Auferstehung in den Himmel fährt mit seinen Leuten
und dann wird das Tor aufgemacht, herrlicher Einzug.
Auch ein messianischer Psalm.
Was wäre, wenn Psalm 23 ein messianischer Psalm wäre?
Wie würde sich euer Bild diesbezüglich erweitern?
Wenn es jetzt sagt, Psalm 23 messianisch,
welche Dimension würdet ihr hier drin sehen?
Passt das überhaupt? Geht das?
Es ist auf jeden Fall so, dass auch Jesus durch ein Tal durch musste,
und zwar durch ein besonders tiefes Tal, ein tieferes Tal, als wir alle erlebt haben.
Und der Hebräer sagt auch in Kapelle 5,
dass er gehorsam gelernt hat an dem, was er erlitten hat.
Andererseits, wo es nicht ganz passt, da bin ich noch ein bisschen im Überlegen hier,
Lukas 22, da heißt es ja in Vers 44,
er rang mit dem Tode und betete heftiger.
Dieses Wort, was hier steht, im Griechischen,
das kommt nur an dieser einen Stelle vor,
von dem sich unser Fremdwort Agonie auch ableitet.
Also diese Todesangst wird es auch in der Elberfelder Übersetzung übersetzt.
Wenn da heißt, ich fürchte kein Unglück,
Jesus hat hier eine Qualität der Angst erlebt,
weil er einfach diese Gegenwart des Vaters,
die ihm bisher immer vertraut war,
in diesem Moment auf einmal nicht mehr gespürt hat.
Die war nicht mehr da.
Also von dem her, dieses Gefühl der Angst,
ganz, ganz stark bei Jesus, stärker als bei jedem anderen Menschen.
Ich will jetzt nicht die Frage stellen,
ob ihr manchmal im Teil des Todesschattens auch Angst habt.
Da steht ja hier drin, ich fürchte kein Unglück.
Aber hat man manchmal Angst?
Um es doch wieder ein bisschen so hinzubringen,
Jesus hatte eindeutig diese Angst, das ist keine Frage.
Die Agonie ist vielleicht besser gesagt, ja.
Das denkt ja noch so messianischer Psalm.
Ich glaube, das kognitive Wissen und das Gefühlsleben
sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
Ganz oft wissen wir Dinge vom Kopf her,
Gott ist bei mir, Gott beschützt mich und so weiter und so fort.
Das wusste auch Jesus letzten Endes, Gott ist bei mir.
Aber das, was sich in meinem Inneren abspielt,
wie ich die Sachen empfinde und fühle in dem Augenblick,
die können komplett anders sein.
Und oft weiß ich ja auch, was richtig und falsch ist
und trotzdem ist es dann so ein richtiger Kampf.
Also für mich in diesem Kontext von Jesu Kreuzigung
und dann da, wie er im Heiligtum ist,
ist es fast noch dieses Stück weit dazwischen.
Gott ist zwar, Jesus ist gestorben und er ist im Himmel,
aber er zeigt mir trotzdem den Weg.
Und das füllt diese Lücke dazwischen.
Es ist nicht so, dass er jetzt dann nicht mehr da ist,
sondern er ist immer da.
Er ist ständig da, auch wenn er nicht mehr auf der Erde ist.
Und er führt mich dahin, wo er schon ist.
Und damit ist es da genau richtig platziert.
So, der Wegführer, der Bergführer ist die Strecke schon mal gegangen.
Genau, der ist schon dort.
Und jetzt will er, okay, wir alle sollen auch da sein.
Er weiß, wie der Weg geht und was man braucht.
Dann kann man schon was abgewinnen, auch was Tröstliches.
Für mich hebt das aber auch ein Stück weit die Menschlichkeit Jesus hervor.
Weil wir identifizieren uns ja so gut mit diesem Sein,
weil wir ja durch solche Krisen gehen.
Und zu denken, dass ja Jesus ja genau das Gleiche erlebt hat,
genau den gleichen Wunsch hatte
und das vielleicht auch zu sich genommen hat als Ermutigung,
dass sein Vater ja trotzdem sein Hirte ist jetzt in dem Moment
und ihn, er als Schaf, ja auch seine Mission erfüllen wird.
Also mir geht es auf jeden Fall so,
diesen Psalm als messianischen Psalm zu lesen, bringt mir Jesus noch mal näher.
Dann ist er nicht dieser souveräne, wehrhafte Hirte, der doch vorangeht,
sondern er ist dann selber plötzlich in dieser Position
eben des Schafes, der Abhängigkeit heraus, der Hilflosigkeit, der Ohnmacht,
der so diese Hilfe, die Führung auch selber benötigt.
Und wenn selbst Jesus da gewesen ist in diesem Tal des Todesschattens,
ja, wenn ich dann da bin, dann weiß ich, er kann wirklich mitfühlen,
ja, er weiß, wie es ist, Schaf zu sein,
aber er ist andererseits eben auch der gute Hirte,
der eben dann nicht nur hilflos ist,
sondern der dann eben auch mal seine Keule ziehen und zuschlagen kann.
Ja, und das ist einfach, diese Kombination ist sehr tröstlich.
Lieben, ich danke euch.
Spannend, wir könnten noch länger reden darüber.
Aber es ist ein guter Einstieg, um dann zu sehen,
wie in den nächsten Wochen dieser Jesus eben auch durch das Leid ging.
Wir werden ja einige Gespräche darüber auch haben.
Und was das für uns dann bewirkt, zu sehen, dass wir einen Vorläufer haben,
einen echten Vorläufer, der als Lamm Gottes auf unserer Fahne steht,
der Fahne des Glaubens.
Herzlichen Dank und ich darf jetzt den Raphael bitten,
zum Abschluss mit uns zu beten.
Unser lieber Heiland, es tut gut zu wissen,
dass du auch beschrieben wirst als dir Hirte.
Und wenn wir solche Psalmtexte lesen, zu wissen,
dass wir mit unseren Emotionen, dass wir auch zu dir kommen können.
Alle von uns erleben ja Leid im Leben.
Und es tut gut zu wissen, dass du uns dabei aber begleitest.
Lass uns diesem Psalm 23 immer wieder in Erinnerung rufen,
gerade wenn wir in Herausforderungen stecken oder wir Probleme haben.
Lass uns an dich festhalten, denn wie du versprichst,
du wirst uns da durchführen.
Und so halten wir ganz fest daran jetzt
und bitten dich, dass du uns segnest.
In Jesu Namen. Amen.
