Deutsch mit Geschichten #16 | A1-A2 | Learn German With Stories

Learn German
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27.10.2024
Geschichten, die helfen Deutsch zu lernen.
Geschichten zur Erweiterung des Wortschatzes.
Niveau A1-A2
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Erster Teil
Georg
Das ist Freiburg, eine schöne Stadt im Süden Deutschlands, in der Nähe vom Schwarzwald.
Georg wohnt hier. Georg ist 15 Jahre alt.
Er ist gross für sein Alter, hat rote Haare und blaue Augen.
Die meisten Mädchen finden ihn hübsch, aber das ist ihm egal.
Ihn interessiert nur, was mit Verbrechen zu tun hat.
In den letzten zwei Jahren hat er über 200 Krimis gelesen und ungefähr genauso viele Kriminalfilme gesehen.
In seinem Bücherregal stehen neben den Klassikern Agatha Christie, Simenon und Chandler auch Krimis nicht so berühmter Autoren.
Neben dem Regal liegt immer das Handbuch, wie du ein tüchtiger Detektiv wirst.
Wenn er gross ist, will Georg natürlich Detektiv oder Polizist werden.
Seinen Eltern hat er das schon oft gesagt. Und was hat seine Mutter dazu gemeint?
Ja, ja, Georg. Das sind doch Träumereien. Die Wirklichkeit sieht anders aus.
Sein Vater ist sogar böse geworden.
Du solltest mehr an die Schule denken, Georg, und nicht immer diese idiotischen Filme im Fernsehen sehen.
Niemand versteht ihn in dieser Familie. Armer Georg.
Georg hat eine Schwester. Sie heisst Ute. Sie ist fünf.
Georg mag sie gern, aber er findet sie oft langweilig.
Sie will immer spielen, aber Georg hat keine Zeit und keine Lust.
Gestern hat seine Mutter gesagt,
Georg, morgen Abend wollen dein Vater und ich ins Theater gehen.
Seit Monaten sehe ich nur noch den Supermarkt.
Wir gehen ja praktisch nie aus. Da können wir doch einmal.
Und Georg? Georg war im siebten Himmel. Er dachte,
Ist das schön. Die ganze Wohnung für mich allein.
Essen, was ich will und wann ich will. Den großen Fernseher für mich.
Seiner Mutter hatte er gesagt,
Ja, Mama. Gute Idee. Geht nur. Ich pass auf Ute auf.
Kann ich mich auf dich verlassen?
Hat seine Mutter gefragt.
Klar doch.
So ist Georg heute also fast allein zu Hause.
Seine Eltern sind vor dem Abendessen aus dem Haus gegangen.
Die Vorstellung fängt um acht an.
Das Abendessen steht schon fertig auf dem Küchentisch.
Wurst, Brot, eine Flasche Mineralwasser und Pudding.
Aber er hat keine Lust, sowas Banales zu essen.
Er holt Popcorn, Kartoffelchips und zwei Dosen Cola aus dem Küchenschrank
und pflanzt sich vor den Fernseher.
Ah, das nenn ich Leben.
Im Fernsehen gibt's die Akte X, eine seiner Lieblingsserien.
Seine kleine Schwester setzt sich neben ihn,
aber nach einer halben Stunde ist sie schon eingeschlafen.
Während der Reklame geht Georg in die Küche,
um sich noch mehr Fressalien zu holen.
Da hört er ein Geräusch.
Es kommt aus der Nachbarwohnung.
Er hört etwas fallen.
Einen kurzen Schrei und dann nichts mehr.
Na sowas, denkt Georg.
Aber während er sich ein Brot mit Nutella schmiert, hört er wieder Geräusche.
Das werden unsere Nachbarn sein, denkt er und geht an die Tür.
Er guckt durch den Türspion.
Ein Mann, ihr Nachbar, steht an der Tür und schaut, ob jemand da ist.
Eigenartig, sagt Georg zu sich selbst.
Was da wohl los ist?
Da klingelt das Telefon.
Es ist, natürlich, seine Mutter, die fragt, ob alles in Ordnung ist.
Dann sagt sie noch, dass sie nicht vor Mitternacht zu Hause sein werden.
Okay, okay, kein Problem, sagt Georg.
Er geht wieder an die Tür.
Aber er hört nichts mehr.
Und der Nachbar steht auch nicht mehr da.
Die Nachbarn
Herr und Frau Bayer sind seit vier Jahren Georgs Nachbarn.
Frau Bayer ist vielleicht 50 Jahre alt.
Sie ist sehr klein, dünn und hat graue Haare.
Schön ist sie nicht.
Aber sie ist immer sehr nett zu Georg und seiner Schwester.
Vor einigen Jahren schenkte sie Georg immer Schokolade.
Jetzt schenkt sie nur noch seiner Schwester welche.
Aber letztes Jahr hat sie ihm zu Weihnachten einen Krimi geschenkt,
den er noch nicht kannte.
Daher weiß er, dass Frau Bayer und er etwas gemeinsam haben.
Die Leidenschaft für Detektivromane.
Herr Bayer ist jünger als sie.
Er muss so um die 40 sein.
Er ist nicht schön.
Aber er findet sich sehr schön.
Von Beruf ist er Angestellter.
Aber er verbringt viel Zeit im Sportclub,
wo er Bodybuilding macht.
Er hat so viele Muskeln wie Schwarzenegger.
Herr Bayer spricht immer mit schönen Frauen aus der Nachbarschaft.
Auch mit Georgs Mutter.
Georg mag ihn nicht.
Und er mag Georg nicht.
Wenn man Herrn und Frau Bayer auf der Straße trifft,
ist Herr Bayer immer sehr nett zu ihr.
Aber wenn sie zu Hause sind,
hört Georg sie immer streiten.
Georgs Zimmer liegt direkt neben ihrem Schlafzimmer.
Einmal hatten Georg und seine Mutter Herrn Bayer vor den Garagen getroffen.
Er hatte eine Bierflasche in der Hand.
Es war klar, dass er ein bisschen betrunken war.
Er hat zu Georgs Mutter gesagt,
Ein schöner Tag heute.
Aber wenn ich sie sehe, wird er noch schöner, Frau Schnabel.
Seine Mutter hat nicht geantwortet.
Georg hat gesagt,
Seine Mutter ist böse geworden, wie immer.
Aber Georg wusste, dass auch seine Mutter so dachte, wie er.
Und dass auch ihr, Herr Bayer, gar nicht gefiel.
Am nächsten Morgen steht Georg, wie immer, um halb sieben auf.
Die Schule fängt um acht Uhr an.
Er muss frühstücken und den Bus nehmen.
Er braucht eine Dreiviertelstunde, um zur Schule zu kommen.
Georgs Eltern haben eine große Wohnung in einem Wohnhaus
in einem kleinen Dorf etwas außerhalb Freiburgs.
Stapfen.
Georg wohnt dort gar nicht gern.
Alles ist so weit weg
und es gibt in dem Dorf kein Kino und keine Diskothek.
Es gibt nur ein Café, wo alte Leute Kuchen essen
und eine Kneipe, wo alte Leute abends ihr Bier trinken.
Georg sagt immer,
Morgens trinkt Georg Milchkaffee und isst ein Käsebrötchen.
Sonst steht das Frühstück immer schon fertig auf dem Tisch.
Heute ist der Tisch leer.
Seine Mutter isst nicht in der Küche, wo sie bloß isst.
Sie isst im Wohnzimmer und spricht mit Frau Pampe.
Frau Pampe ist die Nachbarin von unten.
Sie sagt gerade,
Seine Mutter meint,
Georg hört aufmerksam zu.
Wenn Frau Bayer sich frühmorgens schlecht gefühlt hat,
was hat er dann am Abend zuvor gehört?
Es hat natürlich keinen Zweck, darüber mit seiner Mutter zu sprechen.
Sie würde ihm gar nicht zuhören.
Also will Georg der Sache auf eigene Faust nachgehen.
Da stimmt doch etwas nicht.
Und wenn...
Wenn Frau Bayer ermordet worden ist?
Georgs Nachforschungen.
Georg will nicht in die Schule.
Er will sehen, was passiert.
Als er hinausgehen will, sieht er, dass Bayers Wohnungstür offen steht.
Herr Bayer steht in der Tür und spricht mit den Nachbarn.
Er sieht traurig aus, aber Georg sagt nichts und sieht ihn böse an.
Er glaubt nicht, dass er traurig ist.
Georg geht aus dem Haus.
Er geht in das Café gegenüber und wartet.
Er sieht seine Mutter mit seiner Schwester aus dem Haus kommen.
Sie bringt sie in den Kindergarten.
Gut, denkt Georg.
Dann kann ich in ein paar Minuten wieder reingehen.
Er wartet noch zehn Minuten.
Dann geht er zurück in die Wohnung.
Er stellt sich in der Nähe der Tür auf.
Er wartet eine halbe Stunde, eine Stunde.
Georg liest in einem Comic und langweilt sich.
Er muss immer an einen Satz aus seinem Handbuch für den tüchtigen Detektiv denken.
Er glaubt nicht, dass die Arbeit eines Detektivs immer interessant ist.
Die meiste Zeit verbringt er mit Warten.
Da! Er hört, dass Herr Bayer aus der Wohnung kommt.
Er trägt einen schwarzen Müllbeutel.
Ein paar Minuten später kommt er zurück.
Das ist doch absurd, denkt Georg.
Wie kann er an den Müll denken, wo seine Frau gerade gestorben ist?
Georg geht in den Hof hinunter, wo die Mülltonnen stehen.
Niemand da.
Er hat Glück. Es gibt nur zwei Müllbeutel und nur einer ist schwarz.
Das muss der Beutel sein, den Herr Bayer nach unten gebracht hat.
Er macht den Sack auf und findet darin einen halben Fisch,
zwei leere Milchflaschen, eine alte Zeitung, einen Schuh und
einen durchsichtigen Plastikbeutel mit Spuren eines weißen Pulvers.
Ein Medikament?
Am Nachmittag ruft er Hans an, seinen besten Freund.
Hans ist acht Monate älter als er.
Er wohnt im Haus nebenan.
Sie waren schon zusammen in den Kindergarten gegangen.
Hans ist sehr intelligent und gut in der Schule.
Hans ist kein Krimifanatiker wie Georg.
Er liest lieber Science-Fiction-Romane.
Er weiß viel über Planeten, UFOs und übernatürliche Phänomene.
Er will Wissenschaftler werden.
Aber was Georg erzählt, interessiert ihn auch.
Das sehe ich auch so wie du.
Der Bayer hat seine Frau ermordet.
Und da muss man etwas tun.
Du musst zur Polizei gehen und alles erzählen.
Die glauben mir doch nicht, Hans.
Ich habe keine Beweise.
Und außerdem bin ich für die doch noch ein Kind.
Aber Hans lässt nicht locker.
Du hast zwei Indizien.
Du hast in der Nacht einen Schrei gehört.
Und du hast den Bayer einen Beutel wegwerfen sehen, in dem vielleicht Gift war.
Ich möchte noch auf eigene Faust weitersuchen, sagt Georg.
Aber Hans will das nicht.
Nein, das ist gefährlich.
Wenn der Typ wirklich seine Frau umgebracht hat, ist das gefährlich.
Geh zur Polizei. Versuch's wenigstens mal.
Na gut, sagt Georg.
Die werden mir nicht glauben.
Aber ich kann ja trotzdem hingehen.
Die Polizeiwache befindet sich in einem anderen Dorf.
Georg und Hans fahren mit dem Fahrrad hin.
Georg spricht in einem hässlichen, grauen Büro mit einem Polizisten.
Der Polizeibeamte ist groß, blond und raucht.
Er heißt Trumpel.
Georg erzählt ihm, was er weiß.
Besonders interessiert sieht der Polizist nicht aus.
Er fragt,
Wie alt bist du?
Ich bin 16,
lügt Georg.
Du siehst aber jünger aus.
Ich weiß.
Wissen deine Eltern, dass du hier bist?
Na gut.
Lass mir eure Telefonnummer und Adresse da.
Wenn es etwas Neues gibt, rufe ich dich an.
Und das Pulver?
Ah ja, das mysteriöse Pulver, sagt er ironisch.
Dann gib mir mal den Beutel.
Den schicken wir ins Labor.
Das ist garantiert Waschpulver oder sowas.
Aber man kann ja nie wissen.
Georg bleibt stehen.
Was willst du denn noch?
fragt der Polizist.
Wenn sie was finden,
wirst du von uns hören.
Danke, Herr Wachtmeister,
sagt Georg.
Der Polizist sagt,
Tschüss.
Hans wartet vor der Wache auf ihn.
Mit wem hast du gesprochen?
fragt er.
Mit einem, der Trumpel heißt.
Er hat den Plastikbeutel haben wollen.
Er schickt ihn ins Labor.
Nur, ich weiß nicht.
Großes Interesse hatte er nicht.
Und jetzt?
fragt Hans.
Ich will andere Beweise suchen.
Und wie?
Das weiß ich noch nicht.
Da muss ich erstmal nachlesen,
was in meinem Handbuch steht.
In Georgs Zimmer lesen Hans und Georg im Handbuch.
Viele Indizien kannst du am Tatort finden.
Die beiden Freunde sehen sich an.
Genau, sagt Georg.
Irgendwie muss ich in Bayers Wohnung kommen.
Vielleicht finde ich dort etwas.
Und wie willst du da reinkommen?
Über den Balkon.
Die Balkone unserer und seiner Wohnung liegen nah beieinander.
Mensch, das ist doch gefährlich.
Ach was, das wird schon glatt gehen.
Du wirst sehen.
Und ich sage dir, dass das gefährlich ist.
Wie willst du sicher sein, dass er nicht zu Hause ist?
Morgen.
Morgen Nachmittag ist Frau Bayers Beerdigung.
Das hat mir meine Mutter gesagt.
Er muss ja wohl zur Beerdigung gehen.
Während er dort ist, steige ich in seine Wohnung ein.
Und wenn er...
Man weiß ja nie, wenn er zurückkommt.
Ach, Hans.
Na gut, dann machen wir das so.
Ich warte unten vor dem Haus mit dem Fahrrad.
Wenn ich den Bayer sehe, läute ich zweimal mit meiner neuen Fahrradklingel.
Das Läuten kennst du doch, oder?
Na klar.
Deine Fahrradklingel kennt er ganz stapfen.
Okay.
Aber Angst habe ich doch.
Georg hat keine Angst.
Er ist nur aufgeregt.
Der Tag der Beerdigung.
Heute ist Samstag.
Und Georg braucht nicht in die Schule zu gehen.
Beim Frühstück, meint seine Mutter.
Georg, du weißt doch, dass heute Nachmittag Frau Bayers Beerdigung stattfindet.
Ja, Mama.
Um drei müssen wir in der Kirche sein.
Wir?
Georg denkt.
Wie soll ich mir denn die Nachbarwohnung ansehen,
wenn ich mit meiner Mutter bei der Beerdigung bin?
Aber natürlich.
Du kommst doch wohl mit.
Frau Bayer ist immer so nett zu dir gewesen.
Und da willst du noch nicht einmal mitkommen.
Um sie, um ihr, ihr...
Lebewohl zu sagen?
Seine Mutter sieht ihn böse an.
Das ist nicht schön von dir, Georg.
Schon gut.
War nur ein Witz.
Ich komme ja mit, aber...
Aber was?
Ich muss um vier bei Dr. Pest sein.
Bei deinem Lehrer?
Am Samstag?
Ja.
Ich gehe mit Hans und vier anderen aus meiner Klasse.
Dieses Jahr sollen wir ein Theaterstück für das Weihnachtsfest vorbereiten.
Das funktioniert.
Seine Mutter glaubt ihm.
Also gut, Georg.
Du kommst mit in die Kirche und dann gehst du zu deinem Lehrer.
Georg ist zufrieden.
Er ruft Hans an.
Treffpunkt vor dem Haus, um vier Uhr.
Georg kommt Punkt vier.
Hans wartet schon mit seinem Fahrrad auf ihn.
Niemand ist auf der Strasse.
In Stapfen sind immer nur wenige Leute auf der Strasse.
Also, ich gehe jetzt rauf.
Alles klar.
Wenn er kommt, klingle ich zweimal.
Georg geht ins Haus.
Er geht auf den Küchenbalkon.
Er sieht auf den Nachbarbalkon.
Das Fenster steht offen.
Er steigt auf den Nachbarbalkon.
Ein bisschen Angst hat er schon.
Sieh nicht nach unten, sagt er laut zu sich selbst.
Es ist nicht sehr schwierig.
Er hat eine Eins in Sport.
Das muss bei einem Detektiv so sein.
Jetzt ist er in der Nachbarwohnung.
Die Wohnung ist genau wie die Wohnung seiner Eltern.
Nur ist sie komfortabler und schicker.
Er geht durch alle Zimmer.
Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad, Arbeitszimmer.
Genau, das muss er sich näher ansehen.
Herrn Bayers Arbeitszimmer.
In der Mitte des Zimmers steht ein großer Schreibtisch.
Er setzt sich auf einen großen braunen Stuhl und zieht sich um.
Auf dem Schreibtisch liegen Papier, Umschläge und Briefe.
Es gibt jede Menge Papier.
Überall liegt beschriebenes Papier.
Georg versteht nicht, was auf den Blättern steht.
So einfach, wie er es sich gedacht hatte, ist es also doch nicht.
Aber er ist ganz sicher, dass er sofort erkennen wird, was wichtig ist.
Der Schreibtisch hat drei Schubladen.
Die beiden offenen Schubladen sind leer.
Die dritte ist verschlossen.
Gut, hier muss die Lösung sein.
Er öffnet die Schublade mit dem Brieföffner, der auf dem Schreibtisch liegt.
In der Schublade liegt ein grosser brauner Umschlag.
Er macht ihn auf.
Im Umschlag sind Fotokopien.
Er liest sie.
Ein Testament. Frau Bayers Testament.
Sie hinterlässt alles ihrem Mann.
Und die Summe, die sie ihm hinterlässt, ist enorm.
Eine Million Mark.
So reich ist sie gewesen.
Auch wenn das an sich noch nichts beweist, ist das doch immerhin ein Motiv.
Ein gutes Motiv.
Angst.
Plötzlich hört Georg etwas.
Jemand kommt in die Wohnung.
Er sieht auf die Uhr.
Schon 17.10 Uhr.
Die Zeit ist so schnell vergangen.
Warum hat Hans nicht geklingelt?
Oder hat er geklingelt?
Und Georg hat ihn nicht gehört?
Jetzt hat Georg wirklich große Angst.
Was soll er tun?
Er hat keine Zeit mehr, über dem Balkon hinauszukommen.
Er geht ins Schlafzimmer.
Unter das Bett?
Nein.
Er versteckt sich auf dem Schrank.
Hinter einem großen Koffer.
Er hört, wie Herr Bayer in der Wohnung herumgeht.
Er geht ins Arbeitszimmer und kommt fast sofort wieder heraus.
Er hat natürlich gesehen, dass jemand in der Wohnung gewesen und vielleicht noch da ist.
Jetzt sieht er überall nach.
Georg hat panische Angst.
Eine Hand schiebt den Koffer zur Seite und er sieht ihn.
Herr Bayer ganz rot im Gesicht.
Mit einem Messer in der Hand.
Komm sofort darunter, schreit er.
Was suchst du hier?
Georg hat zu viel Angst.
Er möchte etwas sagen, aber er sagt kein Wort.
Was du hier machst?
Ich?
Georg weiß nicht, was er sagen soll.
Du miese kleine Ratte.
Aber jetzt?
Jetzt?
Er nimmt ihn am Arm und zieht ihn vom Schrank herunter.
Mit dem Messer in der Hand macht der Georg wirklich Angst.
Also, willst du mir jetzt endlich antworten?
Warum bist du hier?
Ich, ich, ich weiß auch nicht.
Komm mit.
Ah, sie brechen mir den Arm, sagt Georg.
Aber Herr Bayer zieht ihn hinter sich her.
Sie gehen zusammen in sein Arbeitszimmer.
Warum hast du die Schublade aufgebrochen?
Was hast du denn gesucht?
Herr Bayer hält ihm das Messer unter die Nase.
Ich bin in die Wohnung gekommen, weil ich denke, dass Sie, dass Sie Ihre Frau ermordet haben.
Meine Frau? Meine Frau?
Herr Bayer wird ganz rot und dann lacht er laut.
Haha, du hast wohl geträumt, du Kleiner.
Ich habe in der Nacht alles gehört.
Alles was?
Alles.
Jetzt sieht Herr Bayer nachdenklich aus.
Jetzt kommst du mit auf den Balkon.
Auf den Balkon? Warum auf den Balkon?
Da bist du doch hergekommen, oder?
Und dahin gehst du jetzt zurück.
Und dann zum Teufel.
Georg hat verstanden.
Er will mich vom Balkon werfen.
Es soll wie ein Unfall aussehen.
Er muss sofort etwas tun.
Aber was?
Er schreit.
Gleich kommt die Polizei.
Ich habe die Polizei schon angerufen.
Aber Herr Bayer lacht nur.
Er glaubt ihm nicht.
Ha, du neugieriges Ars, sagt Herr Bayer und zieht in Richtung Balkon.
Georg hat Angst, große Angst.
Plötzlich hören sie, dass jemand in der Wohnung ist.
Es sind drei oder vier Personen.
Sie sprechen laut.
Dann kommt Hans mit zwei Polizisten ins Zimmer.
Einer von ihnen ist Trumpel, der blonde Polizist, mit dem Georg gesprochen hat.
Sie haben Pistolen in den Händen.
Wir haben alles gehört. Sie sind verhaftet, sagt Trumpel.
Uff, denkt Georg.
In letzter Minute.
Die beiden Polizisten nehmen Herrn Bayer in ihre Mitte und sagen zu Georg.
Du kommst bitte auch mit auf die Wache.
Hans schaut seinen Freund an und fragt ihn.
Ist alles in Ordnung?
Georg, hat er dir was getan?
Nein, ihr seid rechtzeitig gekommen.
Die Lösung.
Georg und Hans sitzen im Polizeiwagen.
Warum hast du denn nicht geklingelt, fragt Georg.
Die Klingel hat nicht funktioniert.
Ist wohl nass geworden.
Und woher ist die Polizei gekommen?
Ich habe den Bayer nach Hause kommen sehen und die Polizei angerufen.
Aber Trumpel war nicht in seinem Büro.
Und wie?
Er war auf dem Weg hierher.
Echt? So ein Schwein.
Wie bitte, fragt Trumpel von vorne.
Nein, nein, sagt Georg schnell.
Ich wollte sagen, da habe ich Schwein gehabt.
Trumpel lacht.
Auf der Polizeiwache erklärt er Georg und Hans alles.
Ich habe deinen Plastikbeutel ins Labor geschickt.
Der Experte hat mir gesagt, Gift.
Ich habe gedacht, also hatte der Junge recht.
Dann habe ich gesucht, was wir über Bayer wissen.
Es gibt eine Akte über ihn, aber...
Aber was?
Fragen Georg und Hans im selben Moment.
Man hat ihm nichts beweisen können.
Er war mit einer reichen Dame verheiratet gewesen, die sehr viel älter war als er.
Und auch sie ist, wie Frau Bayer, an einem Herzschlag gestorben.
Aber es sind keine Indizien dafür gefunden worden,
dass seine Frau keines natürlichen Todes gestorben ist.
So hat er eine halbe Million kassiert.
Auch Frau Bayer war von Haus aus reich und in dem Testament,
das du, Georg, gefunden hast, hatte sie alles ihm hinterlassen.
Er hat den Mord so geplant, dass man dachte,
sie hätte sich plötzlich nicht gut gefühlt.
Morgen machen wir die Autopsie und ich bin sicher,
dass die Experten auch sagen, Tod durch Vergiften.
Es war also wirklich Frau Bayer,
die ich neulich abends habe schreien hören?
Sie hatte sich ganz plötzlich schlecht gefühlt,
war hingefallen und dann war sie tot.
Sagt Georg.
Ja, aber nicht sofort.
In dem Plastikbeutel haben wir ein Gift namens PRS gefunden.
Dieses Gift wirkt nicht sofort,
sondern erst nach etwa einer halben Stunde.
Hans sagt.
Also hat Herr Bayer einfach zugesehen, ohne etwas zu tun?
Ja, Herr Bayer ist wirklich ein Verbrecher.
Und er wollte mich auch umbringen, sagt Georg.
Aber zum Glück sind sie im richtigen Moment gekommen.
Ja, ich war auf dem Weg hierher, weil ich Herrn Bayer verhören wollte.
Dein Freund Hans hat mich angesprochen.
Mir war sofort klar, dass du in Gefahr warst.
Der Polizeichef kommt dazu.
Saubere Arbeit, Georg.
Aber das nächste Mal spiel bitte nicht den Detektiv,
sondern komm zu uns.
Ja, ja.
Georg ist mit sich und der Welt zufrieden.
Ein Journalist der Freiburger Nachrichten will die Geschichte bringen
und verspricht Georg Geld für ein Interview.
Aber was werden meine Eltern sagen?
Sicher werden sie sich ärgern, sagt Georg.
Ach was, meint Hans.
Sie werden sich freuen, stolz sein auf ihren Sohn.
Der Tag danach ist ein Sonntag.
Alle sind zu Hause.
Mama, Papa, die Schwester und Georg.
Sie setzen sich an den Frühstückstisch.
Sein Vater schlägt die Zeitung auf.
Auf der ersten Seite Georgs Foto.
Was? Das? Georg?
