Vier Objekte, vier Menschen im Fokus von #nachgefragt!
Verhaltensbiologin Mirjam Knörnschild zeigt uns, wie sie mit Hilfe von technischen Visualisierungen den Gesang von Fledermäusen analysiert und damit der Kommunikation der fliegenden Säugetiere nachgeht.
Im Videoprojekt „Was machst du eigentlich hier?“ widmen sich Paula und Laura den Menschen und Objekten hinter den Kulissen des #mfnberlin. Sie erzählen von ihrem Arbeitsalltag, ihrer Motivation, ihren Verantwortungen und ihrer Forschung als Wissenschaftlerin und Wissenschaftler am Museum.
Ein Projekt entwickelt und umgesetzt von Laura Lisienski (Studentische Mitarbeiterin) und Paula Schäfer (Freiwilliges Jahr in Wissenschaft, Technik und Nachhaltigkeit), im Rahmen des Experimentierfelds für Partizipation und Offene Wissenschaft.
Das #Experimentierfeld am Museum für Naturkunde Berlin testet verschiedene Formate der Forschungskommunikation sowie neue partizipative Ansätze. Als Räume für direkte Interaktion zwischen Wissenschaft und Bevölkerung möchten wir die Öffnung von Wissenschaft vorantreiben: http://bit.ly/Experimentierfeld
Dieses Objekt hat mit meiner Arbeit insofern zu tun, als dass ich Verhaltensbiologin bin
und die Kommunikation von Fledermäusen untersuche.
Und was ich hier mitgebracht habe, ist ein präparierter Abendsegler.
Das ist eine Art, die man überall im Berliner Stadtgebiet singen hört.
Gerade in Berlin wird wirklich viel gesungen in den richtigen Monaten.
Also das beginnt so im August, September und geht bei manchen Arten bis rein in den November.
Was man hier jetzt sieht, ist eine Visualisierung des Gesangs.
Hier auf dieser Achse ist die Zeit. Das sind in dem Fall zweieinhalb Sekunden.
Und hier auf der Y-Achse ist die Frequenz.
Ich habe nach dem Abitur eine Reise nach Mittelamerika gemacht und dort für einen Biologen gearbeitet.
Der hat Fledermäuse untersucht.
Und die erste Fledermaus, die ich jemals gesehen habe, die war Tischtennisballgroß und schneeweiß mit einem gelben Gesicht.
Und da war ich sofort fasziniert.
Wenn ich mit den Fledermäusen arbeite, egal ob das hier ist oder in den Tropen,
dann sieht ein typischer Arbeitstag von mir so aus, dass ich in den Wald gehe oder an Häuser, je nachdem, wo meine Fledermäuse leben.
Dann setze ich mich still in eine Ecke und habe ein Mikrofon und starte einen großen Lauschangriff.
Das heißt, ich beobachte die Tiere. Ich nehme auf, was sie sagen.
Und ich sehe das auch gleichzeitig in Echtzeit als Bild auf meinem Computer
und versuche dann Verhaltensbeobachtungen und diese Lautaufnahmen miteinander in Einklang zu bringen.
Die Tiere sind fast alle beringt. Das sind alles Weibchen mit der Ausnahme von diesem fliegenden Tier.
Das ist ein Männchen. Es hat das Maul gerade auch ganz weit aufgerissen.
Und es singt jetzt gerade diesen Gesang, den ich abgespielt habe und versucht eben das Weibchen zu bezirzen.
Das ist jetzt eine Infrarotaufnahme mit Highspeed, damit man die Verhaltensweisen eben möglichst gut sieht.
Hier ist die Temperaturskala. Das hier ist 44 Grad, das ist 30 Grad.
Wenn man Körpertemperatur von einer Fledermaus messen will, zum Beispiel, misst man auch immer in den Ohren.
Die haben ja oft sehr große Ohren. Da geht das.
Und dann kann man mit so einer geeichten Thermokamera da reinzoomen und dann weiß man, wie warm sie es gerade hat.
Eine wache Fledermaus, die irgendwie aufmerksam mit ihrer Umwelt interagiert, die wäre immer warm.
Fledermäuse haben komplexe Gesänge, die normalerweise zur Territorialverteidigung und zur Balz benutzt werden.
Und in diesen Fledermausgesängen ist mindestens genauso viele Informationen kodiert wie im Vogelgesang.
Also Informationen über Männchenfitness, wo das Männchen aufgewachsen ist, eigene Identität, wie alt das Tier ist.
Das ist sowieso eine tolle Art.
Die Jungtiere, die babbeln wie Kleinkinder, um sich ihr Lautrepertoire anzueigen.
Ich würde mir wünschen, die Welt mal mit den Augen von einer Fledermaus zu sehen oder mit ihren Ohren zu hören.