#Wissenswert: Beutelwolf und Viren

Museum für Naturkunde Berlin
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Vor fast 100 Jahren starb der Tasmanische Tiger (Beutelwolf) aus. Hat die starke Bejagung durch den Menschen oder doch eine Viruserkrankung zum Aussterben der Art geführt? Sebastian Demtröder ist Biologe und Guide am Museum für Naturkunde Berlin und verrät es dir.
In #Wissenswert überbrücken unsere Guides die Zeit, in der keine Führungen im Museum stattfinden, mit informativen Videos aus dem Homeoffice – immer mit Bezug zu Sammlung und Forschung am #mfnberlin. Die Serie ist Teil von #fürNatur digital, im Rahmen dessen wir unsere Online-Angebote ausbauen: http://bit.ly/fürNatur-digital
Hallo, schön, dass du wieder dabei bist.
Ich bin Sebastian Dentröder, ich bin Biologe und Guide am Museum für Naturkunde in Berlin.
Du bist zu Hause und das ist eine Weltkarte.
Die Fronten sind geklärt.
So, hier oben, da wohne ich in Deutschland.
Heute möchte ich aber über etwas reden, was sich ein bisschen weiter weg abgespielt hat,
nämlich über den Einfluss von einem Virus.
Und zwar nicht das, und dass es gerade generell draußen geht und in den Nachrichten,
das SARS-Coronavirus-2.
Es ist nicht das einzige Virus, was es gibt.
Es gibt aber auch ganz andere Viren.
Und die machen nicht nur Menschenprobleme, sondern auch anderen Tieren zum Beispiel.
Und heute möchte ich über ein ganz besonderes Tier reden, was mir sehr am Herzen liegt.
Das ist der Tasmanische Tiger.
Tiger, kennst du, die gibt es eigentlich eher hier so in Asien.
Aber der Tasmanische Tiger hat mit dem Tiger nicht viel gemeinsam, nur Streifen.
Auf dem Hinterteil hat er ein paar Streifen drauf.
Er sieht eigentlich eher einem Wolf ähnlich.
Deswegen nennt man den Tasmanischen Tiger auch Beutelwolf.
Er hat tatsächlich, wie ein Känguru auch, einen Beutel.
Und tatsächlich ist der Tasmanische Tiger mit dem Känguru oder mit dem Koala
viel näher verwandt als mit dem Wolf, den wir so kennen.
Das ist ein Paradebeispiel für uns Biologen für konvergente Evolution.
Was bedeutet das?
Der Tasmanische Tiger ist also nicht so nah mit dem Wolf verwandt.
Aber er hat eine sehr, sehr ähnliche Form entwickelt.
Er sieht fast genauso aus.
Tatsächlich haben Experten manchmal ein bisschen Schwierigkeiten,
den Schädel von einem Tasmanischen Tiger und den von einem Wolf auseinanderzuhalten.
Es hat sich einfach herausgestellt, dass die Form der Körper von so einem Wolf,
von einem hundeartigen Lebewesen in dem Bereich in Australien,
wo der Tasmanische Tiger gelebt hat, dass der wirklich da ein Riesenvorteil ist.
Und deswegen hat sich das genauso entwickelt,
wie wir einen Wolf hier in Europa oder Asien kennen.
Der Tasmanische Tiger ist allein ein wunderschönes Tier.
Allerdings, soweit wir wissen, tatsächlich ausgestorben.
Es gibt ihn nicht mehr.
Weder in Gefangenschaft, in Zoos, noch in der Wildnis.
Gelebt hat er also, so nach dem, was wir wissen,
hier in Australien und Tasmanien, woher er den Namen hat.
Das ist hier unten diese Insel.
Und auch noch Neuginea hier oben.
Und jetzt habe ich ja erzählt, es gibt einen Zusammenhang ein bisschen mit Viren
und mit dem Aussterben von Tasmanischen Tiger.
Wie das zusammenhängt, das kann ich euch mal am besten an einem kleinen Beispiel erklären.
Und zwar kann man sich die Population von unserem Tasmanischen Tiger
anfangs noch so vorstellen, wie so ein Messbehälter hier voll mit Wasser.
Das sind alle Tiere vom Tasmanischen Tiger.
Ich habe den ein bisschen verschwommen,
weil wir eigentlich nicht genau wissen, wie viel es überhaupt jemals gegeben hat.
In diesem Kelch habe ich jetzt also alle Tasmanischen Tiger, die es da so gibt.
Es bleibt nicht dabei.
Es passiert Folgendes.
Dingoes oder quasi Wildhunde werden eingeführt
und die ähneln dem Tasmanischen Tiger natürlich sehr und sind sehr erfolgreich.
Das heißt, sie futtern den Tasmanischen Tiger in seinem Lebensraum das Essen weg.
Die machen sich genau da breit, wo der Tasmanische Tiger eigentlich wohnt.
Das heißt, die schöpfen von unserem Tasmanischen Tiger ganz viel aus der Population ab.
Und damit nicht genug.
Nicht nur dieser Konkurrenzdruck passiert, sondern diese Dingoes
und das ist der Punkt, die bringen auch Krankheiten mit und zwar Viruskrankheiten.
Wahrscheinlich auch Staupe.
Das ist etwas, was auch Hunde kriegen können.
Die kann man aber mittlerweile impfen.
Die Tasmanischen Tiger wurden nicht geimpft und die haben deswegen auch
wahrscheinlich viel Staupe und Viruserkrankungen bekommen.
Und jetzt haben wir nur noch, ihr merkt schon,
die Dingoes haben das Essen weggefressen und Konkurrenzdruck gemacht.
Die Staupe und die Viren haben das Übrige dazu getan.
Und jetzt haben wir nur noch so einen kleinen Rest.
Und der Mensch kam und hat dann auch noch seinen Übrigen dazu beigetan,
denn er hat kräftig gejagt.
Tatsächlich wurde ein Kopfgeld ausgehängt auf die verbliebenen Tasmanischen Tiger,
weil angeblich die Schafe gefressen worden sind von den Tasmanischen Tigern,
was wahrscheinlich nur schaller Quatsch ist.
Der hatte ganz andere Nahrungsgrundlagen.
Er hat gar nicht wirklich Schafe gejagt.
Und ihr merkt schon, extrem viel ist abgegangen von unserer Ursprungspopulation.
Dieser kleine kümmerliche Rest, genau wie der hier verdunsten würde in meinem Messbecher,
konnte der sich auch in der Natur wahrscheinlich nicht halten.
Und deswegen haben wir keine Tasmanischen Tiger mehr heutzutage.
Sehr traurige Sache, denn ich finde, es war wirklich ein wunderschönes Tier.
Also der Tasmanische Tiger ist nach allem, was wir wissen, ausgestorben.
Es gab mehrere Faktoren, die damit zu tun haben.
Nicht alle wollen sich damit zufriedengeben.
Viele denken, irgendwo geistet der vielleicht noch rum.
Und tatsächlich hat eine Zeitung sogar ein Preisgeld ausgeschrieben,
eine knappe Million Euro, falls jemand wirklich einen Beweis bringen kann,
dass irgendwo noch ein lebendiger Tasmanische Tiger unterwegs ist.
Also, raten wir!
Auf geht's!
Wenn ihr einen Tasmanischen Tiger mal in echt sehen wollt,
wir haben ein Präparat im Museum Schöner Tokunde in Berlin.
Sobald es wieder offen ist, könnt ihr ihn dort anschauen.
Es ist was ganz Besonderes, denn nicht viele Museen haben so ein schönes Präparat,
wie wir das haben. Also, bis dahin!
