#10 - Wieviel Militär steckt in unserem Alltag?

Österreichs Bundesheer
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16.11.2024
Trenchcoat, Konserven oder GPS: In dieser Folge geht Ute Axmann der Frage auf den Grund, wie viel Militär eigentlich in unserem Alltag steckt. Antworten liefern ihr Prof. Dr. Daniela Angetter-Pfeiffer von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Brigadier Dr. Friedrich Teichmann, Leiter des Instituts für Militärisches Geowesen.
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Eine Lösung war, die Nahrung in Konservendosen aufzubewahren, weil sie dann auch gleichzeitig viel länger haltbar ist.
Dort ist also mal die Idee des Internets geboren worden.
Und daraufhin hat diese Firma dann nach dem Ersten Weltkrieg die ersten Damenbinden entwickelt.
Es war für die Soldaten dann viel einfacher, auf die Armbanduhr zu schauen und die Uhrzeit abzulesen, als diese Taschenuhr mühsam herauszuholen.
Die Satellitenkommunikation ist notwendig, damit ich also weltweit Einsätze führen kann.
Und da hat das Militär eine ganz wesentliche Rolle gespielt.
Vieles, das wir tagtäglich nutzen, hat seinen Ursprung beim Militär.
Auch das Internet und viele medizinische Technologien gehören dazu.
Wie viel Militär steckt also in unserem Alltag?
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von HERGEHÖRT.
Mein Name ist Ute Axmann und ich freue mich, dass ihr wieder dabei seid und zuhört, wo immer ihr jetzt gerade auch seid.
Heute sprechen wir einmal nicht über den Alltag beim Militär, sondern umgekehrt über das Militär im Alltag.
Wir befinden uns heute im Verteidigungsministerium in Wien.
Und neben mir sitzen die aus vielen Medien bekannte Historikerin Frau Prof. Dr. Daniela Angeta Pfeiffer
von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Leiter des Instituts für militärisches Geowesen,
Herr Brigadier Dr. Friedrich Teichmann.
Hallo und danke, dass ihr heute beide gekommen seid.
Frau Prof. Angeta Pfeiffer, Sie sind das typische Beispiel dafür,
dass die Community des österreichischen Bundesheeres nicht nur aus den aktiven Soldaten und Soldatinnen
und aus den Zivilbediensteten besteht, sondern auch aus den Angehörigen.
Ihr Vater war jahrelang Kommandant der Panzertruppenschule und Sie sind ja von klein auf mit dem Bundesheer aufgewachsen.
War das der Grund, warum Sie als Historikerin in Ihrer Forscherkarriere neben dem Thema Medizin auch Militärgeschichte gewählt haben?
Das war sicher mit ein Grund. Also ich bin von klein auf in Kasernen aufgewachsen
und wir haben eigentlich unsere Wochenenden mehr oder weniger damals in Horn in der Kaserne verbracht
oder wir waren am Truppenübungsplatz in Allensteig wandern, spazieren und haben dort gespielt.
Also ich habe mich in dem militärischen Umfeld immer sehr wohl gefühlt.
Später sind natürlich dann auch die tollen Events und die vielen Bälle dazugekommen.
Also man wächst da einfach auch mit der Familie mit.
Auch mein Mann ist Militsoldat und Zivilbediensteter beim Heer.
Also ich bin da irgendwie nicht losgekommen von der Armee.
Und mich hat aber die medizinische Regine auch immer interessiert,
weil eben ein Teil meiner Familie auch Tierärzte oder Ärzte waren.
Und so habe ich einfach diese beiden Fachkombinationen verbunden.
Und Sie, Herr Brigadier, Sie sind ja nicht nur Dozent und Vortragenden an Universitäten und Fachhochschulen,
Sie sind vor allem der Leiter des Instituts für militärisches Geowesen.
Was macht dieses Institut eigentlich, wozu braucht man das?
Danke für die Einladung.
Ich bin meinem Institut verantwortlich, dass alle Soldaten und Bediensteten des Bundesheeres
die Geoservices bekommen, die wir für den Einsatz benötigen.
Was kann man sich darunter vorstellen?
Ganz klassisch einmal die Karten Inland oder Ausland,
aber auch zum Beispiel Landesbeschreibungen, wo so Klima oder Vegetation oder Bevölkerung drinnen ist,
die wir für den Auslandseinsatz brauchen.
Und mit der Zunahme der Digitalisierung sind auch die digitalen Daten ganz besonders wichtig.
Das sind Rasterdaten wie die Ortofotos, aber auch Vektordaten für die Navigation,
aber auch Höhenmodelle, die zum Beispiel in der Fliegerei ganz besonders wichtig sind.
Und seit einigen Jahren beschäftigen wir uns ganz besonders mit der Anwendung von den Space Services,
Satellitenkommunikation, Satellitennavigation und satellitenbasierte Herdbeobachtung.
Und da sind wir dann gleich bei unserem heutigen Thema, Trainer im militärischen Alltag.
Frau Professor, Sie sind ja jetzt wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften,
haben viel publiziert und Sie haben sogar zweimal den Preis Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Medizin bekommen.
Herzliche Gratulation dazu.
Danke vielmals.
Und wie viel Einfluss hatte das Militär auf Entdeckungen und Erfindungen in der Medizin?
Ja, eigentlich unglaublich viel.
Wenn man jetzt zurückschaut und gerade die letzten Jahre, die auch von Corona geprägt waren, mit der Geschichte verbindet,
dann sieht man eigentlich, dass alles, was wir bei Corona gelernt haben, in der Geschichte vorher schon einmal passiert ist.
Und da hat das Militär eine ganz wesentliche Rolle gespielt.
Also man kann sich vielleicht noch erinnern, wenn man zu Coronazeiten im Ausland war und dann nach Österreich eingereist ist,
man musste an der Grenze diverse Formulare ausfüllen, Gesundheitszeugnisse abgeben.
Und da haben vielfach die Soldaten des österreichischen Bundesheeres unterstützt.
Und ein paar Jahrhunderte zuvor, zu Zeiten Maria Theresias und auch schon ihres Vaters Karl VI., hat es die Militärgrenze gegeben.
Und auch dort hat es bestimmte Stationen gegeben, wo handlungsreisende Pilger, Diplomaten,
speziell vom Osmanischen Reich in die Habsburger Armee eingereist sind, sich ebenfalls einer gesundheitlichen Untersuchung stellen mussten.
Sie wurden je nachdem, wie stark gerade die Pestepidemien oder Gelbfieber-Flecktyphosepidemien grassiert sind,
möglicherweise sogar einer dreiwöchigen Quarantäne stellen.
Also es gab dort eigene Lazarette für eventuell Erkrankte oder Verdachtsfälle.
Es gab Spitäler für diejenigen, die wirklich Symptome hatten.
Und es gab einfach Hütten und Häuser, wo die Gesunden wohnen mussten.
Und erst dann, wenn sie drei Wochen nicht erkrankt waren, durften sie weiterreisen.
Und da war auch wichtig, da bekamen sie einen Gesundheitsattest.
Mit dem durften sie dann in die Habsburger Monarchie einreisen.
Und wer das missachtet hat, der wurde damals standrechtlich erschossen.
Also das waren damals noch ganz andere Methoden, aber grundsätzlich war alles schon mal da.
Und gibt es noch irgendwelche Erfindungen, von denen wir heute noch profitieren, die eigentlich fürs Militär gemacht worden sind oder im Krieg entstanden sind?
Also es gibt genug Erfindungen, vor allem im Ersten Weltkrieg.
Der Erste Weltkrieg war ja ein Meilenstein in der Geschichte des Krieges.
Da hat sich sehr viel revolutioniert.
Und ein für mich ganz spannendes Thema ist die Technik der Knochenbruchbehandlungen.
Lorenz Böhler war knapp vor dem Krieg, Lorenz Böhler kennt man ja heute zumindest vielleicht durch das Lorenz-Böhler-Krankenhaus,
war ein begnadeter Chirurg und war vor dem Ersten Weltkrieg in der Mayo-Klinik in den USA
und hat dort eine ganz neue modische Entdeckung oder Erfindung kennengelernt, wie man Knochenbrüche behandelt.
Nämlich eben mit diesen Strecken von Knochen, mit dem Aufhängen, diesen Extensionsgalgen.
Also man kennt vielleicht noch alte Bilder davon.
Und das hat er dann in seinem Lazarett in Bozen übernommen, mit sehr, sehr vielen Schwierigkeiten allerdings.
Also ihr Oberkommando hat sich überhaupt nicht vorstellen können, dass solche Streckgalgen da irgendetwas Positives bewirken.
Und Böhler konnte aber nachweisen, dass wenn er diese Knochenbrüche, vor allem auch die großen Röhrenknochenbrüche,
also bei den Oberschenkeln bei den Soldaten auf seine Methode geheilt hat,
dann haben die Soldaten oft nur mehr Verkürzungen der Beine von 1 bis 1,5 Zentimeter gehabt.
Also quasi fast nichts.
Während in den anderen Lazaretten der K&K-Armee waren da Verkürzungen von 10 bis 20 Zentimeter sichtbar.
Also ein Fuß war einfach 10 bis 20 Zentimeter kürzer als der andere.
Das heißt, diese Soldaten waren natürlich nicht mehr feldverwendungsfähig und frontdiensttauglich.
Und Böhler hat es aber geschafft, eben durch seine Methoden, durch diese Entdeckungen und Erfindungen,
die er in Amerika kennengelernt hat, einfach Soldaten so zu heilen, dass sie nachher wieder an die Front kommen können.
Und das hat sich dann ja auch im zivilen Bereich dann durchgesetzt.
Herr Brigadier, wie sieht es da in anderen Technologien aus?
Ich möchte an die historische Diskussion vielleicht mit der Entwicklung der Karten antworten.
Die Karten haben also eine ganz interessante Entwicklung durchgemacht,
wenn man jetzt zum Beispiel denkt an die Entdeckungszeiten der Spanier und Portugiesen,
wo sich Karten ein so wichtiges Gut waren, dass also auf Diebstahlkarten sogar die Todesstrafe gesetzt ist.
Und aufgrund dieser Entwicklungen ist dann nachher, wir haben es schon kurz angesprochen,
Habsburg und so weiter, waren also Karten für das Militär so wichtig,
dass es eigene Trupps gegeben hat, die also dann das Gelände, das Habsburger Reich, kartiert hat.
Da kommt auch der Name her, Generalskarten, weil die Karten ja eigentlich für das Militär als Generalkarte verfügt worden sind.
Diese sind also sehr genau aufgenommen worden.
Und diese Karten, also die Qualität dieser Karten, wo also zum Beispiel das Gelände drinnen ist,
wo also Bewegungslinien, Straßen drinnen sind, aber auch zum Beispiel Ortschaften drinnen sind,
das sind jetzt in der aktuell gültigen Karte immer noch drinnen.
Wenn wir an den Ersten Weltkrieg denken, da gibt es ja auch den Trenchcoat.
Viele Leute tragen heutzutage auch einen Trenchcoat, so wie oft heutzutage Rucksäcke getragen werden,
die ursprünglich eine militärische Funktion hatten und jetzt als modisch getragen werden.
Oder das Camouflage-Design, also das Tarnmuster, das da oft verwendet wird in der Bekleidung.
Ja, wie sieht das eigentlich mit Konservendosen aus?
Konservendosen haben in der Armee immer eine wichtige Rolle gespielt.
Und zwar hat auch da die Habsburger Armee eine ganz große Vorreiterrolle gespielt,
und zwar mit der Novara-Expedition, die 1857 bis 1859 stattgefunden hat.
Und es war die erste groß angelegte Weltumsegelungsmission,
die von der Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit dem K&K her durchgeführt wurde.
Also der Kommodore des Schiffs Novara war Soldat, Bernhard Willersdorf-Urbär,
und er hat zwei Jahre eben diese Weltumsegelungsmission geleitet.
Und Ziel war auch damals herauszufinden, wie kann man denn auf diesen Schiffen
so lange mit so viel Personal überleben?
Man hat unter anderem auch zum Beispiel Lebendvieh mitgeführt für die Versorgung.
Wie funktioniert das, dass da keine Seuchen ausbrechen?
Und eine Lösung war, die Nahrung in Konservendosen aufzubewahren,
weil sie dann auch gleichzeitig viel länger haltbar ist.
Man konnte ja nicht immer in den Häfen neue Nahrungsmittel kaufen,
in manchen Häfen sind Krankheiten grassiert, da hat man dann keine Vorräte an Bord genommen.
Man ist teilweise ja über Wochen am Meer gesegelt, also man brauchte entsprechend Vorräte.
Und eben eine dieser Maßnahmen waren die Konservendosen.
Man sagt ja, dass die erste Idee dazu ja auf Napoleon Bonaparte zurückgeht,
der für seine Soldaten schon etwas Ähnliches haben wollte.
Napoleon Bonaparte, muss man sagen, war in der Armee eigentlich
immer ein sehr fürsorglicher Kaiser, was seine Soldaten anbelangt hat.
Also er hat immer geschaut, dass sie entsprechend versorgt sind,
dass sie genug Nahrung haben, dass sie genug auch Material haben.
Und er hat vor allem auch im medizinischen Bereich viel getan.
Also Dominique Larrey, sein sozusagen militärischer Chirurg,
hat ja auch im Bereich der Amputatversorgungen zum Beispiel sehr, sehr viel getan,
oder auch im Bereich der Triage.
Also er war zum Beispiel einer der Väter der Triage
und hat damit auch sehr vielen Menschen das Leben gerettet.
Herr Brigadier, wir haben früher über Karten gesprochen.
Jeder verwendet Karten, auch digital.
Und wie sieht das jetzt eigentlich mit dem Internet aus?
Das war ja ursprünglich auch fürs Militär konzipiert.
Die Ursprünge des Internets kommen aus der US-amerikanischen Verteidigungslandschaft her,
wo es also darum gegangen ist, Entwicklungen,
speziell auch im Rahmen des Kalten Krieges zwischen Forschungsinstitutionen
der amerikanischen Universitäten mit den speziellen Laboratories,
die also dann die Waffen entwickelt haben, zusammenzuschließen.
Dort ist also mal die Idee des Internets geboren worden.
Und diese Entwicklung hat sich dann weitergesetzt,
bis wir zu dem modernen Internet des jetzigen 21. Jahrhunderts gekommen sind.
Aber der Grundgedanke war also die Vernetzung von wichtigen, kritischen, wichtigen Institutionen.
Wenn wir jetzt nochmal zurück zum Bereich der Medizin kommen.
Welche Erfindungen hat es da noch gegeben?
Also das, was zum Beispiel heute noch sehr bekannt ist, ist der militärische Skilauf,
der im Ersten Weltkrieg auch eine große Rolle gespielt hat,
weil man begonnen hat, Verwundete mit AKERS abzutransportieren.
Der Erste Weltkrieg war ja auch insofern, was Stellungen und was Kriegsführung anbelangt,
eine Neuerung, weil man auch das Kampfgeschehen ins Hochgebirge verlegt hat.
So bis dahin galt es eigentlich unmöglich, Krieg im Gebirge zu führen.
Man hat einfach Bergen überschritten, um die Entscheidungen in den Ebenen herbeizuführen.
Aber dadurch, dass die Grenzen der Habsburger Monarchie doch zu einem Großteil
auch gebirgigen Charakters aufweisen, war es eben notwendig, dass man sich Gedanken macht,
wie kann man Krieg im Hochgebirge führen.
Und der Abtransport der Verwundeten war natürlich ein ganz großes Thema.
Man hat teilweise begonnen, die Soldaten einfach mit Trägern abzutransportieren
oder hat sie auf Baumstämmen festgeschnallt, das war einfach viel zu gefährlich.
So hat man einerseits begonnen, den AKER zu verwenden,
und andererseits hat ein Tiroler Kaiserschütze die Stieglertrage entwickelt.
Das war also eine Gebirgstrage, die es auch erstmals in der Geschichte damals ermöglicht hat,
Patienten mit Lungendurchschüssen oder mit Lungenverletzungen im sitzenden Zustand abzutransportieren.
Tragen waren normalerweise immer für den Liegentransport,
und diese Trage konnte man zu einem Sessel umfunktionieren
und konnte eben Patienten, die wenig Luft bekommen haben,
vom Sitzen, von den Höhen in die Täler bringen und in die Lazarette.
Und damit hat man eben vielen dieser Soldaten auch das Leben gerettet.
Was man dann zivil auch weiter verwenden konnte.
Wie sieht das eigentlich bei Alltagsgegenständen aus?
Ich habe gelesen, dass die Damenbinde auch eine militärische Erfindung ist, stimmt das?
Ja, das kann man so sagen.
1914 hat es eine amerikanische Firma gegeben, die hat Zellwatte entwickelt.
Und diese Zellwatte war im Vergleich zu den bisher gebräuchlichen Baumwollbinden in der Sanitätsversorgung eine große Erleichterung,
weil sie nämlich viel besser Blut und Eiter aufsaugen konnte.
Und im Laufe des Krieges hat man ja natürlich auch immer wieder den Mangel an Sanitätssoldaten gespürt
und hat sehr viele zivile Krankenschwestern eingesetzt, sei es aus dem Roten Kreuz oder aus Ordensvereinigungen.
Und diese Frauen waren meistens relativ jung und hatten natürlich auch ihre Tage
und sind dann relativ rasch darauf gekommen, dass diese Zellwatte auch sehr gut bei der Menstruation hilft.
Und daraufhin hat diese Firma dann nach dem Ersten Weltkrieg die ersten Damenbinden entwickelt
und die Damenbinden von Kotex auf den Markt gebracht. Die gibt es heute noch.
Und in weiterer Folge ist dann auch noch etwas aus dieser Idee entstanden,
das wahrscheinlich die meisten von Ihnen kennen. Das ist nämlich das Kleenex, also diese Papiertaschenküche.
Das verwendet ja wohl jeder.
Genau. Und man findet es auch in den Hotels und überall. Also Kleenex ist, glaube ich, international weit verbreitet.
Ja, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, wenn ihr am Internet ein bisschen googelt, dann gibt es ja noch andere Alltagsgegenstände.
Zum Beispiel der Reißverschluss, der eigentlich zuerst zivil kaum eine praktische Anwendung gefunden hat
und dann erst im Ersten Weltkrieg verstärkt vom US-Militär verwendet wurde.
Oder auch der Kugelschreiber, der dann speziell von den Kampfpiloten von der Royal Air Force verwendet wurde,
weil er auch bei geringem Luftdruck verwendet werden konnte, ohne dass der Kugelschreiber ausgelaufen ist.
Also es gibt sehr viele Alltagsgegenstände, im Internet kann man auch vieles herausfinden,
die wir heute haben und die wir heute verwenden, die eigentlich ursprünglich entweder durch das Militär erfunden worden sind
oder erst durch das Militär bekannt gemacht worden sind.
Kommen wir noch einmal zurück zu Ihrem Fachgebiet im Geowesen. Was gibt es da noch, was wir heute verwenden?
Wenn wir uns zum Beispiel den Ersten Weltkrieg anschauen, welche Entwicklungen da besonders für uns jetzt da relevant sind,
dann fallen mir zwei ein. Das eine ist Funk. Wir haben also im Ersten Weltkrieg die Notwendigkeit,
dass ich weltweit funken muss, sowohl zu den Schiffen wie auch mit den Kolonien.
Und das war ein ganz besonders wichtiges Thema für das Militär, dass ich da moderne Funkentwicklungen vorantreibe.
Das Zweite, was im Ersten Weltkrieg meines Erachtens besonders beeindruckend ist, ist die Entwicklung der Fliegerei.
Knapp vor dem Ersten Weltkrieg war der Sprung über den Ärmelkanal ein besonders herausragendes Ereignis
und vier Jahre später, innerhalb von vier Jahren, haben wir Langstreckenflugzeuge gehabt.
Also das ist aus meiner Sicht ganz besonders beeindruckend.
Wenn man sich vielleicht den Zweiten Weltkrieg anschaut, dann sind also zwei Sachen,
die für mich besonders interessant sind an der Technologie. Das eine ist Radar.
Wir wissen, dass Radar im Zweiten Weltkrieg eine ganz entscheidende Rolle gehabt hat
und alle unsere modernen Flugfunk- und Flügeüberwachungen basieren auf dieser Radartechnologie,
die wir im Zweiten Weltkrieg entwickelt haben.
Und das zweite Bewundernswerte technologisch im Zweiten Weltkrieg ist natürlich Raketen.
Ohne die Entwicklungen, die mit der V2 gemacht worden sind,
würde es jetzt wahrscheinlich nur sehr verzögert die ganze Weltraumtechnologie,
Raketen, Launch und so weiter geben.
Ja, das ist wirklich spannend. Und Sie haben ja gerade Radar erwähnt.
Und da ist mir dann sofort eingefallen, dass ja sehr vieles in unserer Sprache Einzug gehalten hat.
Wir haben jemanden auf dem Radar, Schirm und so. Wie hat das Militär die Sprache beeinflusst?
Also wir verwenden heute eigentlich unbewusst sehr viele Worte, die aus dem militärischen Bereich kommen.
Also wenn man zum Beispiel nur anschaut, schwere Geschütze auffahren.
Das ist etwas, was natürlich aus der Kriegszeit kommt und aus dem Militär kommt.
Und heute bedeutet das halt auch, wenn wir Ziele verwirklichen wollen,
wenn wir etwas durchsetzen wollen, dann sagt man oft, naja, um das zu erreichen,
dann muss ich schon schwere Geschütze auffahren. Oder sich am Riemen reißen.
Das ist auch so etwas, wo man sagt, naja, das will ich jetzt vielleicht eigentlich nicht tun,
aber das muss ich jetzt machen. Also ich reiße mich jetzt am Riemen, dass ich das schaffe,
dass ich das zusammenbringe. Und am Riemen reißen hat natürlich im militärischen Sprachgebrauch
auch so ein bisschen den Hintergrund, dass man sich die Uniform anzieht,
dass man seinem Riemen alles Mögliche befestigt, wie zum Beispiel einen Helm,
einen Verbandsbackel und das einfach mit an die Front nimmt und dort kämpft.
Ich habe öfter schon den Spruch gehört, wenn etwas so banal ist oder gewöhnlich,
das ist 0815. Hat das auch einen militärischen Hintergrund?
Ja, 0815 war ein Standardmaschinengewehr der deutschen Armee im Ersten Weltkrieg.
Wurde 1908 eingeführt und wurde dann im Laufe des Krieges immer wieder adaptiert,
verbessert und eigentlich im Krieg eingesetzt.
Herr Brigadier, fällt Ihnen auch eine Redewendung ein, die aus dem Militärischen kommt?
Ja, vielleicht nicht eine Redewendung, aber für mich ist es immer beeindruckend,
Uhrzeit. Das ist zwar nicht klassisch rein militär, sondern gemeinsam mit Eisenbahnen
war also die Notwendigkeit, dass wir die Uhrzeit standardisieren.
Nämlich sowohl, dass wir eine standardisierte Uhrzeit gemäß einer Vorgabe haben,
nämlich Greenwich, Universal Time Coordinated, aber auch das Zweite ist,
wie wir die Uhrzeit überhaupt aussprechen. Klassisch militärisch 13.25 Uhr.
Vorher haben wir also Vormittag oder Nachmittag. In Amerika gibt es das immer noch,
dass man da EM und PM unterscheidet und also klassisch militärisch auf die 24 Stunden Uhrzeige.
Und das, was mit der Uhrzeit meines Erachtens auch zusammenhängt, sind Zeitzonen.
Auch die Zeitzone ist ein klassisches Ergebnis von weltweiten Aktivitäten,
sowohl in der Logistik wie auch beim Militär, dass wir also nach Zeitzonen,
und wir haben das bei uns militärisch immer noch im Dead-Time-Programm,
dass wir also die Zeitzone richtig angeben.
Ich habe ja da eine militärische Armbanduhr da liegen und die gab es ja auch erst später,
weil zuerst hatten die Männer ja immer nur Taschenuhren.
Die Armbanduhr hat eine ganz wichtige Bedeutung im Ersten Weltkrieg erlangt.
Man muss sich vorstellen, diese Taschenuhren waren groß und schwer.
Jetzt geht man an die Front, jetzt schleppt man diese Taschenuhr mit.
Jetzt kommt zum Beispiel der Befehl, um 13.15 Uhr ist der Angriff durchzuführen.
Es war für die Soldaten dann viel einfacher, auf die Armbanduhr zu schauen
und die Uhrzeit abzulesen, als diese Taschenuhr mühsam herauszuholen, die Uhrzeit abzulesen.
Und daher hat die Armbanduhr so viel an Bedeutung im Ersten Weltkrieg gewonnen.
Erfunden worden ist sie schon viel früher.
Aber dann haben das eher nur Frauen getragen.
Genau, bis dahin haben das eher Frauen getragen und Männer eben diese berühmten Taschenuhren.
Und im Ersten Weltkrieg war das einfach bequemer für die Soldaten
und daher ist es dann von dieser Zeit an natürlich auch mehr und mehr in den Alltag übernommen worden.
Finden wir vielleicht noch eine Redewendung, die wir so verwenden?
Na ja, aus der Reservelocken zum Beispiel.
Das ist glaube ich auch etwas, was heute noch sehr sehr häufig verwendet wird.
Und das stammt natürlich auch aus der Kriegssprache,
also den Feind aus der Reserve locken, irgendwelche Angriffe zu starten,
dass man auch weiß, wo sind die feindlichen Stellungen zum Beispiel, wo sitzt der Feind.
Und heute kann es natürlich auch manchmal ein bisschen positiv gesehen werden,
wenn ich sage, ich möchte jemanden aus der Reserve locken,
dass ich ihn vielleicht auch ein bisschen motiviere, etwas zu leisten,
durchzuführen, was er sich vielleicht selber nicht zutraut.
Aber öfter wird es halt auch so ein bisschen im Streitgespräch verwendet,
wenn man halt sagt, na ja, da muss ich jetzt jemanden aus der Reserve locken
und da stichle ich vielleicht ein bisschen oder bin ein bisschen satirisch
und dann springt das Gegenüber vielleicht an und es kommt eine Diskussion zustande.
Aber wo stechend, da gibt es ja auch diese Redewendung von der Pike auf etwas lernen.
Das stammt allerdings schon aus dem Dreißigjährigen Krieg,
also dieses Wort kennen wir schon lange, das ist schon sehr, sehr lang.
Das hängt mit den damaligen Waffen zusammen und eben von der Pike auf lernen.
Bei uns heißt das eben heute, dass man das wirklich von Anfang an lernt
und sich in irgendetwas hineinkniet und mit den Aufgaben wächst.
Ja, Herr Bregedier, blicken wir etwas in die Zukunft.
Wir haben über Weltraumtechnologie ganz, ganz kurz gesprochen schon,
das fällt ja auch in Ihren Fachbereich hinein.
Wo sehen Sie da den Einfluss von militärischen Entwicklungen
für die zivile Entwicklung in der Zukunft?
Ich glaube, die sind ganz besonders beeindruckend.
Wir haben also auf der einen Seite Satellitenkommunikation.
Die Satellitenkommunikation ist notwendig, damit ich also weltweit Einsätze führen kann.
Wir haben aber auch gleichzeitig das Thema Aufklärungssatelliten,
die ebenfalls militärisch getrieben wurden, die Entwicklung,
und die wir auch jetzt zum Beispiel jeden Abend im Wetterbericht sehen.
Das sind also Satelliten, das sind üblicherweise geostationäre Satelliten,
die also uns auch bei der Wettervorhersage helfen.
Und das Dritte, was wir von den Weltraumservices haben, ist die Verortung.
Es gibt das amerikanische GPS-System, das jetzt durch ein europäisches Galileo ergänzt wird,
das uns autonom weltweit sehr genaue Positionen produziert.
Und das ist eine sehr beeindruckende Lösung.
Sie ist sehr billig, sie ist in Wirklichkeit sehr verlässlich,
und sie ist in Wirklichkeit auch eine super Möglichkeit,
wie ich also Verortung, Navigation, aber auch Timing auf exponierte Stellen ausholen kann.
Und diese Technologie, dieser Position, Navigation, Timing,
wird auch in Zukunft sehr dominant sein.
Ja, und gibt es noch einen Aspekt, den wir vielleicht jetzt schon verwenden,
und der trotzdem in Zukunft auch noch viel wichtiger werden wird?
Ich glaube, ein höchst spannendes Thema, mit dem wir uns derzeit auseinandersetzen im Militär,
aber auch im Zivilbereich, ist die Verschlüsselung von unserer Kommunikation.
Wir haben eine ganze Reihe von Bereichen, sowohl militärisch als auch zivil,
wo es eigentlich nicht eine gute Idee ist, dass das unverschlüsselt von alle testbar ist.
Und dazu gibt es also sowohl im Militär schon seit Jahrhunderten Entwicklungen,
ich denke da nur zum Beispiel, es gibt das Caesar-Chiffre,
die also der Julius Caesar schon vor 2000 Jahren benutzt hat,
es gibt also aktuelle Verschlüsselungen, die derzeit noch sicher sind,
aber wir kümmern uns natürlich auch um Quanten-Krypto,
sobald nämlich Quanten-Computer einsatzbereit sind,
sind also die bisher gängigen Verschlüsselungen wahrscheinlich nicht mehr sicher.
Das heißt, diese Verschlüsselungstechnologien, mit denen sich das sehr auseinandersetzt,
spielen auch ganz massiv in die zivile Welt hinein.
Also ich sehe schon, es passiert schon seit Jahrhunderten
und wird auch in Zukunft so weitergehen, das Militär ist ja Teil unserer Gesellschaft
und wird daher auch immer wieder in unser Alltagsleben hineinspielen,
durch Erfindungen, durch verschiedene positive Entwicklungen,
die wir dann in der zivilen Welt brauchen.
Ich sage vielen, vielen Dank für Ihre Zeit und dass Sie hergekommen sind heute.
Das war es für heute wieder.
Vielen Dank fürs Zuhören und hört auch beim nächsten Mal wieder her.
