Die berühmte Intervention oder besser gesagt die Unterbrechung von Mensch zu Hund, ist ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation. Sie ist viel mehr ein Dialog zwischen dem Hund und seinem Halter. Wenn der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt, etwas vom Boden aufnimmt, was er nicht fressen soll, ist es als Hundehalter natürlich mein Anliegen, ihn zu unterbrechen und dafür zu sorgen, dass er das nicht bekommt. In solchen Situationen kann ich aber darauf achten, dass ich es ihm nicht nur reflexartig mit schnellen Bewegungen weg- oder ihm das Maul aufreiße, sondern dass ich in ein Gespräch mit dem Hund gehe und ihm so sage, dass er das, was er im Maul hat, wieder loslassen soll. Und wie das geht, darüber spreche ich euch in diesem Video.
Ich bin Nicole Brinkmann und seit 2004 ausgebildete Hundetrainerin. Durch meine Weiterbildung als Resilienz-Trainerin und meiner Ausbildung zur Hunde-Psychotherapeutin liegt mein Fokus vor allem auf der Arbeit mit und der Sozialisierung von schwierigen Hunden. Weitere Schwerpunkte sind das Gruppen- und Stressmanagement, die Beziehungsarbeit/Körpersprache, aber auch die Ausbildung von Hütehunden an Schafen sowie zum Reitbegleithund. Mit unseren Videos möchten wir vor allem Fehler und Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Mensch und Hund aufdecken und dir als Hundehalter praktische Tipps an die Hand geben, die euren Alltag harmonischer und glücklicher gestalten.
Hallo, herzlich willkommen zu unserem heutigen Video.
Wir sprechen über die berühmte Intervention, die Unterbrechung.
Die Unterbrechung von Mensch zu Hund ist ja, ich sage jetzt mal,
zumindest auch wer uns gut kennt, uns beobachtet auch ein Instrument der Kommunikation.
Und ich möchte in den Vordergrund stellen, dass sie eine Choreografie der Kommunikation ist.
Die Intervention ist ein Dialog zwischen einem Halter und seinem Hund, zwischen dem Hundebesitzer
und seinem eigenen Welpen oder seinem jungen Hund oder seinem bereits erwachsenen Hund, wie auch immer.
Wir wollen auf folgende Dinge ganz besonders achten, auf die Parameter Geschwindigkeit.
Sagen wir mal, der Welpe nimmt etwas auf, was ihm nicht bekommt, was ich nicht möchte,
was er frisst, etwas Stinkendes, Ekliges vom Boden, hat es im Maul, er ist ohne Leine
und ist damit schon selber unterwegs.
Und mir ist es natürlich erst mal ein ganz wichtiges Anliegen,
dass mein Welpe den Scheiß nicht frisst, der ihm nicht bekommt.
Aber wenn man selbst dann in solchen Situationen darauf achten kann,
dass ich mit dem Hund in ein Gespräch eintauche, im Sinne von das, was du gerade machst,
das sollst du nicht tun und das, was du gerade hast, das möchte ich, dass du das wieder lässt.
Wäre es total schön, wenn ihr darauf achtet, dass es nicht nur im Reflex über ganz schnelle Bewegungen,
sage ich jetzt mal, antippen, wegreißen, Maul aufreißen, dem Hund dieses Stinkige etwas entziehen,
sondern dass ihr darauf achtet, dass es quasi einen Anfang des Dialogs gibt.
Ihr steigt also ein in die Intervention.
Ihr gebt die Parameter Minus weiter in den Hund.
Ihr könnt unterschiedliche Maßnahmen sehen in den Videos, ob ihr das körpersprachlich visuell macht,
ob ihr das taktil macht mit Anfassen, ob ihr den Fang des Hundes öffnet.
Das könnt ihr betrachten.
Ganz wichtig ist es nur, dass der Hund quasi jede Sekunde des Gesprächs,
der Intervention mit euch gemeinsam verstehen kann.
Sag nochmal, wie ist er jetzt? Wie empfindest du den Eddie gerade?
Sehr aufmerksam und brav.
Ja, krass.
Sag nochmal das Wort.
Brav.
Und der Begriff?
Aufmerksam ist, ja.
Musterschüler.
Ja, Musterschüler.
Genau, du sagst, der Eddie ist genau jetzt ein Musterschüler.
Ja, sehr aufmerksam.
Genau.
Und das, was er gerade für mich biologisch signalisiert und für mich in einer natürlichen Brille
und mit meinem Fokus auf die Dinge sagt, ist, ich will das Ding jetzt auf der Stelle sofort haben.
Nach mir die Sintfut.
Ist mir scheißegal, was irgendjemand anders davon hält.
Der ist sehr zielorientiert.
Der setzt sich jetzt gerade nur mit dem Futter auseinander.
Der ist super tunnelig und super futterträglich.
Das ist ein Labrador, machen wir uns nichts vor, dass der spuckt.
Das ist rassetypisch, dass der jetzt speichelt.
Und dass er so ist, finde ich jetzt nicht ungewöhnlich.
Ich empfinde ihn aber als das Gegenteil.
Brav.
Hm.
Weil er macht das doch gerade hierfür.
Was hat das mit dir zu tun?
Ja, nix.
Da wären wir bei dem ersten Merker.
Es hat nichts mit dir zu tun, weil er spricht gerade mit mir und dem Futter.
Und nicht mit dir.
Und das finde ich eine ganz schöne,
ohne dass wir darüber jetzt quasi schon das ganze Weltbild verändern müssen.
Aber es ist eine spannende Sichtweise für, wann ist der Hund brav?
Hm.
Jetzt würde ich total gerne, dafür haben wir das Futter ja rausgeholt,
bis dieses Zufallsprodukt, der Labi hat echt krass Hunger, der Eddie, wäre bereit.
Ich werde das jetzt attraktiv machen und auf den Boden legen.
Und ich würde mir wünschen, dass du es so, wie du es machen würdest,
unterbrichst, dass er nicht drangeht.
Ja.
Er soll nicht drangehen und das wäre die einzige Aufgabenstellung,
die ich dir quasi jetzt als Hundetrainer.
Du machst das so, wie du jetzt gerade machst.
Wie du es meinst.
Okay?
Ich mache ihn nur hungrig.
Ja.
Ist nicht so schwierig.
Oh.
Hm.
Oh.
Nein.
Hm.
Ei, ei, ei, ei, ei.
Nein.
Ist das lecker.
Nein.
Eddie?
Nein.
Super.
Mach mal die Leine auf ganz lang, dass du nur das Ende in der Hand hältst.
Und jetzt machst du nochmal die gleiche Bewegung mit dem Nein.
Nein.
Und jetzt gehst du mal vom Futter weg und holst ihn zu dir.
Eddie?
Hier.
Nein.
Nicht schlimm.
Es sei denn, er hat Allergie.
Hol ihn nochmal zu dir.
Versuch es.
Versuch ihn nochmal in Kontakt zu bekommen zu dir.
Vielleicht nochmal über ein bisschen Bewegung.
Geh nochmal vom Futter weg.
Geh mal so ein Stück einfach nur da.
Und jetzt versuchst du ihn nochmal anzusprechen, zu dir zu bekommen.
Eddie?
Dass er mit dir spricht.
Hier.
Eddie?
Okay, super.
Ich stecke mal das Futter in meine Tasche.
War er jetzt brav?
Nee.
Okay.
Das heißt, was hast du jetzt wahrgenommen, was nicht ideal lief?
Dass er das Futter fixiert hat und mich missachtet hat, sozusagen.
Das, was ich gesagt habe, was er die ganze Zeit gemacht hat?
Ja.
Ich habe das beschrieben zu Beginn, als du noch gesagt hast,
der ist total brav und ist ein Musterschüler.
Das hast du jetzt im Verlauf anders betrachtet.
Das heißt, jetzt wurde es schwieriger,
weil er vorher mit dem Futter quasi zielorientiert für dich brav war.
Die Zielorientierung vom Futter hat aber nichts mit brav zu tun.
Das muss man ehrlicherweise sagen.
Weil du bist weder im sozialen Bereich,
bist du gar nicht mit ihm interaktiv.
Das heißt, du redest nicht mit ihm sozial.
Und er ist ja sich selbst sehr nah, wenn er selber für das Ziel Futter sorgt.
Also es ist sein Ziel, das Futter zu bekommen.
Es ist auch nicht dein Ziel, dass er das Futter bekommt.
Seine Lösung, seine Idee.
Und da hast du ihn als brav.
Und das finde ich ganz spannend, weil du ja mit,
du kommst zu mir und sagst, ich weiß nicht mehr weiter.
Ich habe alles ausprobiert.
Und ich war in fünf Hundeschulen.
Und es ist immer noch ein ganz junger Hund.
Und das finde ich total toll,
weil wir haben eine absolute Möglichkeit für einen Neubeginn,
für Reflektion.
Ich würde es tatsächlich an der Stelle sagen,
das, was im Moment noch nicht stattgefunden hat,
ist, dem Eddie zu sagen, wenn du so bist, Eddie, bist du brav.
Und das ist ganz toll für uns als Gemeinschaft.
Und wenn du so bist, Eddie,
ist das nicht in Ordnung für unsere Gemeinschaft.
Also sei so nicht.
Das finde ich total spannend.
Und das ist die größte Möglichkeit für dich zur Veränderung.
Da habe ich die größte Schraube für die Inspektion
so ein bisschen gesehen, betrachtet.
Kannst du das als Idee mitschwingen?
Gehst du mit, sagst du, krass, ja, ich glaube.
Ja.
Da könnte was dran sein.
Könnte was dran sein.
Nur meine Befürchtung ist, dass er das erst mal annehmen muss.
Also dass er jetzt erst mal von dieser Erwartungshaltung
für jede ...
Wir brauchen ein bisschen Zeit.
Ja.
Er hat ja etwas gespeichert.
Er hat etwas gelernt.
So, wir müssen etwas neu programmieren.
Wir müssen etwas neu strukturieren.
Aber ich sehe trotzdem die größte Chance darin,
dass wir dich schulen, dass wir dich coachen,
dass du ihn anders betrachtest.
Dass du Eddie anders wahrnimmst
und darauf auch Einfluss nehmen kannst
für einen total sensiblen, sehr feinfühligen
und sehr überforderten, introvertierten Labrador,
der total gerne kooperiert
und der sich total toll orientiert, ganz häufig.
Und das kriegen wir ganz bestimmt mit so kleinen Stellschrauben,
dann kriegen wir das total gut in den Verlauf, in den Prozess.
Ja.
Für euch beide.
Das ist mein Labrador.
Der heißt Lucky.
So, komm mal einmal kurz.
Ich glaube, er ist hinreichend schon auf YouTube bekannt.
Das ist Lucky.
Und was ich jetzt gerne mit diesem passablen Assistenten
zeigen möchte, ist, du hast gerade gesagt,
der Eddie ist jetzt Musterschüler.
Während der Eddie solche Ohren hat, aufgeschlagen,
in Richtung Leckerchen.
Und Achtung, so aufgeschlagen ist, in Richtung Leckerchen.
Hohe Motivation, Zielorientierung, Imponierverhalten.
Ich will das haben.
Total unreflektiert, zielgerichtet zum Futter.
Hast du gerade gesagt, der Eddie ist brav.
Das ist ein Musterschüler.
Genau, das ist ein Musterschüler.
Die Rückenlinie war dolle aufgespannt.
Bis hin zu, es ist so ein bisschen das Gesicht hier vorne explodiert.
Und ich mache das jetzt so drastisch.
Ich bin ja so ein polarisierender Typ,
weil du damit nicht alleine bist.
Du bist damit nicht alleine, dass man denkt,
wenn der Hund eine tolle Struktur hat für seine Ausbildung,
und der macht gerade etwas begeistert,
ist man in der Erziehung.
Man ist aber nicht in der Erziehung, sondern in der Ausbildung.
Man bringt damit dem Hund bei, 1 und 1 ist gleich 2.
Toll gelöst, Kevin, super.
Das Nachbarskind nicht zu mobben, geht mit dieser Struktur nicht einher.
Nicht zu schimpfen oder auszuflippen in der frühen Jugend
geht damit nicht einher.
Und damit nicht einher mit, kriege ich das neue Handy.
Das ist das, was in der Struktur des Hundes
zu häufig falsch verstanden wird.
Deshalb würde ich gerne jetzt versuchen,
Eddie ist so, er ist nicht brav, er ist tiergerichtet.
Er ist ein bisschen verfressen, das ist mir ganz recht für diese Übung.
So ist der Eddie brav.
Was man selten sieht bei ihm.
Okay, ich habe es hin und wieder gesehen,
dass er so die Rückenlinie entspannt.
Das schauen wir jetzt gemeinsam an, super.
Ich muss jetzt ein bisschen aufpassen mit dem rutschigen Boden.
Und mir und den 30 kg Eddie, so.
D.h., ich habe ihn jetzt in einer ähnlichen Struktur wie du gerade
und werde versuchen, mit ihm auf eine neue Art
über das Futter zu sprechen.
Dass er meine Intervention ein bisschen anders,
im Sinne von Demutsverhalten und brav.
Wir lassen mal den Titel brav.
Lassen wir mal so mitlaufen.
Wir gehen in Richtung Futter, lassen ihn aufsteigen.
Und jetzt werde ich versuchen, vor ihn zu kommen.
Ah, er wird da schon ein bisschen hysterisch.
Ich habe jetzt kurz überlegt, ob er sich ein bisschen überfordert fühlt,
so von mir mit dem Futter quasi gearbeitet zu werden.
Er hat so starkes Submissivgrin bis hin zu defensiv abschnappen,
kurz angedeutet.
Aber er hat sich darüber noch relativ...
Ich habe ihm nicht wehgetan.
Ich habe ihn tatsächlich nur vor mir gehalten
und habe mehr Schmerzen eigentlich gehabt,
durch seinen Körper gebahren, als er durch mich,
muss man ehrlicherweise sagen.
Jetzt gehen wir wieder so ein bisschen zufällig
in den Wirkkreis mit dem Futter.
Und sie ist ein bisschen fahrig gerade.
Wo war es noch mal?
Wo waren noch mal die Weihnachtsgeschenke?
Also ich sehe es.
Du kannst eine Nase benutzen.
Ja, gut.
Ja, hallo.
Ui, ui, ui.
Ich gebe ihm schon mal die 1. Hilfestellung
für soziale Annäherung und für aktive Demut.
Jawohl.
Besser.
Ja, gar nicht schlecht.
Ich bin jetzt tatsächlich viel provokanter.
Da hast du das Wedeln gesehen?
Na, da hat er sehr doll beschwichtigt.
Ja, ja, wir bleiben noch kurz hier, Schatz.
Ja, wir bleiben noch kurz hier.
Warte.
So.
Ja, ui.
Ui.
Und diese Dampflok, die vorher da war,
ist jetzt eine kleine...
Oh, ich bin ganz aufgeregt.
Das hat was mit ihm gemacht.
Tatsächlich.
Und das ist seine Empfindlichkeit,
die ich auch zu Beginn versucht habe,
immer so ein bisschen zu beschreiben.
Und ich ziehe ihn hin.
Also ich sage die ganze Zeit,
ja, ich weiß, das ist schwierig,
wenn man jetzt auf einmal sich so doll verändert.
Und er macht ja alles jetzt so goldrichtig,
um sich darüber...
Ui, ja.
Ich liebe dich auch.
Und ich mag auch die Licking Intentions.
Du musst nur ohne Zähne üben.
Ja, so ist das besser.
Mit Zunge ist das super.
Ja.
Also das heißt, ich gebe ihm ganz viel.
Hey, ei, ei.
Nicht so schlimm.
Lass mal mal stehen.
Hey, hey, hey.
Hey, hey.
Ja, ich schüttel mich auch gleich.
Na.
Ja.
Ui, Prost.
Ui.
Prost, Eddie.
Ja, hallo.
Gut gemacht.
Nicht nachtragend sein.
Nicht über die Sache zu sehr reden,
sondern über uns.
Ich spreche über unsere Beziehung.
Und diesen kleinen Farbverlauf mit Grau,
mit sich auseinandersetzen
und Spannung und Entspannung
und Wohlgefühl und Freude
und gut sein miteinander.
Ja, gut gemacht.
Ganz gut gemacht.
Ja.
Ja, du bist ganz toll.
Ja, richtig gut gemacht.
Na, excellent.
Jawohl.
Gut gemacht.
Ja.
Und wichtig ist mir der Draht zu mir.
Ich habe ihn jetzt voll,
voll in der Spannung,
aber in so einem positiven,
mit so einem, oh Gott.
Komm mal her.
Ja, komm mal her.
Ja, toll gemacht.
Ganz gut.
Ja, komm her.
Und jetzt sehen wir auch ganz toll
seine Affinität
für tatsächliche,
super.
Für tatsächliche Kooperation.
Lass dich jetzt mal laufen,
auch das mit der Pfote.
Das ist jetzt so ein kleines bisschen,
der ist jetzt so aufgekratzt, demütig.
Aktive Demut hat er jetzt gerade ganz doll.
Und das ist jetzt quasi
kein Überrumpeln von mir,
sondern so ein Liebessignal.
Er signalisiert mir jetzt gerade,
was er von mir hält.
Nämlich ganz viel,
dieses submassive Green,
das submassive Grinsen,
das Beschwichtigungsgrinsen,
was er zeigt, die Rute ist hinten,
die ganze Zeit aktiv beim Propeller.
Wir haben ihn jetzt quasi
in dem sozialen Bereich
genau da gefeuert,
wo ich mir wünschen würde,
wo ein Hund
quasi auch in die Spannung
und Entspannung kommt.
Damit er das jetzt tatsächlich
genau so speichert,
werde ich ihn nicht mit dem Futter belohnen.
Der soll nur dieses erleben
mit sozialen Features
und mit ganz viel Liebe und Freude,
das soll er sich jetzt quasi
so ein kleines bisschen merken.
Deshalb gehe ich jetzt gar nicht zu sehr
in die Futterbelohnung rein.
Tuso, du kannst gerne gucken.
Da, da, guck mal.
Was ist denn da?
Das ist leider nur noch Matsche.
Toll! Ja, ist alles weg.
Tut mir leid.
Ich bleibe in diesem Element sozial.
Wir haben uns gespürt,
gegenseitig.
Wie war das jetzt für dich?
Ja, war erstaunlich zu sehen,
wie gut der Eddie
darauf reagiert hat.
Oder wie anders er bei dir reagiert hat.
Als die Situation,
in der ich vorhin war.
Es war ja dieselbe Situation.
Aber bei dir hat er,
klar, am Anfang hat er auch wieder Worte gegeben.
Mir kam es auch vor,
als wollte er kurz mal dich schnappen.
Das war so ein bisschen der Stress.
Er macht das auch im Alltag.
Das hast du schon beschrieben.
Er reagiert manchmal über und sagt so ein bisschen,
das will ich nicht.
Ja, oder ich will das unbedingt haben.
Und du hast mir nichts zu sagen.
Genau, es ist also nichts Ungewöhnliches,
weil ich fremd bin, so hochgekocht.
Sondern das passiert bei ihm hin und wieder mal.
Das passiert so, dass er mal,
also er weiß nicht, aber dass er mal klar sagt,
hier so will ich nicht. Und dass er dann mal abschnappt.
Wie fandest du den ganzen Farbverlauf?
Von da liegt das Futter
und ich gehe mit ihm ins Gespräch.
Gehe mit Eddie in das Gespräch.
Wie fandest du diesen Verlauf des Gesprächs?
Es waren ja ganz viele Nuancen drin.
Wie fandest du mich?
War ich aufgeregt? War ich laut?
War ich aggressiv?
Nein, also ich fand dich total ruhig.
Du bist total ruhig geblieben.
Ich fand da überhaupt keine Aggressivität
ihm gegenüber.
Und naja, da war dann
irgendein Moment, dass es beim Eddie
umgeschaltet hat, wo er dann
komplett in dieses Defensiv,
würde ich es bezeichnen.
Er ging in die Reflexion?
Er ging in die Auseinandersetzung.
Und dann fing er ja bei dir an,
sehr weich zu werden.
Der Schwanz wedelte unten
und er guckte dich immer so
von unten herab.
Es war niedlich.
Und fragend immer.
Würdest du jetzt sagen, da war er brav?
Ja, da war er dann
wirklich brav.
Sport zum Sonntag.
Ja, er war sehr fragend, so darf ich das haben?
Wie ein liebes Kind.
Da war er das liebe Kind.
Genau, und das liebe Kind
würde ich dann eher biologisch betrachten
als brav,
anstelle des zielgerichtete Kind.
Dass ich will das haben, Kind.
Ja, er hat sich zurückgenommen.
Ich halte das nicht aus, wenn ich das nicht kriege, Kind.
Das ist das brave Kind.
Er hat sich aktiv zurückgenommen.
Und was total schön ist, dass du sagst,
ich hab dich nicht aggressiv empfunden,
weil ich war aggressiv.
Ich war nur nicht, und das ist der Riesenunterschied,
ich war nur nicht wütend.
Und das ist das wichtigste Merkmal,
jemand, der wirklich Status hat,
und der überzeugt ist
von seinen Instrumenten der Kommunikation
und von dem, was er kann, der Selbstwert hat,
der Status hat,
ein Mensch oder ein Hund spielt gar keine Rolle,
der ist eher ruhig.
Wenn man Hunde untereinander beobachtet,
sind die leisen Momente die intimsten.
Und man kann auch fast sagen, die leisen Drohungen
sind die gefährlichen,
weil die sind ernst.
Die Lauten sind nie ernst.
Die sind immer so ein bisschen hilflos.
Ich habe mich gar nicht geärgert.
Ich bin sehr bewusst drangeblieben
und habe ihn wahrgenommen.
Und darüber, dass ich ihn wahrgenommen habe
und sehr bewusst und klar geblieben bin,
konnte er mich wahrnehmen.
Was mir auch aufgefallen ist,
er war ja dann komplett bei dir
und nicht mehr beim Futter.
Genau, und das ist das Loslassen.
Und das ist das Akzeptieren.
Das ist erst das Akzeptieren,
worüber ich gesprochen habe.
Und es ging mir gar nicht darum.
Er hat mich ja auch einmal getunnelt.
Er ist ja einmal drangekommen,
was ich immer total witzig finde.
Also wenn meine Hunde auch einen Fehler machen,
finde ich das eher witzig,
weil es spricht ja nur über eine Momentaufnahme.
Das ist mir total egal,
dass er damit Erfolg hatte.
Was mir wichtig ist, ist, wie sind wir miteinander
und wie sind wir auch danach miteinander.
Wie kann man das wieder besprechen?
Also welche Beziehung habe ich mit Eddie aufgebaut?
Wir haben jetzt eine Beziehung aufgebaut.
Und die bedeutet, nein hast, nein.
Und ja bedeutet, ja, ganz viel Liebe,
ganz viel Klebstoff.
Ich finde dich super.
Und ich bin dann auch für so einen fremden Hund total offen.
Ich bin so offenherzig.
Ich bin dann wirklich wie ein poröses Brötchen.
Einfach für, ich weiß das total zu schätzen.
Und ich genieße die Nähe
und diese Freude, die da reinkommt.
Und diese Bedürftigkeit dieser kleine Eddie,
der sich dann so offenbart hat mit so voller Pulle.
Oh Gott, das war voll aufregend.
Und ich finde dich super.
Und das ist doch eine Information für die Beziehung.
Raus aus dem Formalismus.
Und das in ganz vielen Graustufen.
Also so wenig schwarz-weiß wie möglich.
Für mich wäre schwarz quasi die Strafe
und weiß das Leckerchen.
Und dazwischen ist die Beziehung.
Tatsächlich.
Auch mit dem Drohnen, mit ganz feinen Nuancen.
Ich brauche nur ein bisschen Spannung reingehen.
Und dann hat er schon darauf reagiert
und dann kann ich das wieder abbauen.
Dass man sich wirklich in so einem Kreislauf
der Kommunikation wiederfindet.
Das Leben ist immer kreisförmig
und idealerweise zu wenig Ecken.
Also weniger Ecken als runde Situationen.
Aber Ecken gehören dazu, um wieder rund zu werden.
Aber so ist die Beziehung.
Und so ist auch das Leben für ihn dargestellt.
Mit einem kreisförmigen Verlauf mit wer bin ich
und wie bin ich mit dem Rest der Welt.
Ihr wollt nämlich nicht nur diese Situation
tatsächlich retten, dass er das weglässt,
was er da gerade beginnt zu fressen
oder dass er das aufnimmt.
Sondern es geht ja darum,
dass euer Hund quasi in den tausend Situationen,
die euch noch kommen im Alltag,
leichtgängig versteht
von na, ey, das ist ein Fehler
oder nein, das sollst du nicht.
Dass er lernt, diese Dinge abzulassen.
Und dafür muss er quasi auch die Synapsen
bilden im Verlauf des Dialogs.
Je weniger Geschwindigkeit,
desto mehr Klarheit und desto mehr
konstruktives Gespräch kommt da rein im Sinne von
das lässt du bitte sein.
Geht mal den Verlauf wirklich so Sekunde
für Sekunde, Sekunde durch.
Sodass ihr quasi
das erste Minussignal sendet,
akustisch, körpersprachlich,
kurz danach. Der Hund reagiert
mit einem Demutsignal.
Dann achtet ihr darauf, dass der Verlauf der Demut
auch das Ablassen von dem Objekt,
das könnt ihr schön sehen, im Video beinhaltet
und daraufhin der Hund
aus dem Ablassen
wieder die Möglichkeit hat,
das Objekt ist noch im Sichtfeld,
das Objekt wäre vielleicht sogar noch greifbar,
er könnte da noch dran, er ist gar nicht weit entfernt,
dass er zu euch zurückkehrt
in das eigene soziale Gespräch und ihr darüber
wieder sozial positives Feedback
geben könnt, zumindestens
zur Entspannung zurückkehrt,
sodass der Hund sich wieder wohlfühlt.
Erst wenn der Hund sich dann wieder wohlfühlt
mit euch, fängt er an, quasi
das vorher besprochene tief zu verankern.
Das eigentliche Lernen findet dann statt,
wenn er sich gut fühlt. Das heißt,
er lernt nicht in der Korrektur,
dann in dem Moment, wo er unterbricht, sondern er lernt
die Korrektur danach,
wenn seine Entspannung wieder in den Kreislauf zurückkehrt
und er wieder im sozialen Austausch mit euch
in ein gemeinsames, wohliges,
gutes,
soziales Gespräch zurücktaucht.
Je mehr Erfahrung, je mehr Dialogerfahrung
euer Hund quasi in solchen
Situationen mit euch sammelt, desto zuverlässiger
funktioniert auch die Intervention.
Viele Hundebesitzer
reagieren häufig
sehr reflexartig, wenn so eine Situation
einen plötzlich überrascht im Alltag, die überrascht
ja den Menschen und überrascht natürlich auch positiv
den Welpen oder den Junghund, so juhu,
ich hab da was, ist aber
tatsächlich immer wieder dazu führend,
dass dieses reflexartige Schnelle
nur dazu führt, dass er diese eine Stelle
quasi dann ausspuckt, lässt
und durch diese Reflex, wir gehen
wieder weg oder ich nehme es ihm ab und
wir entfernen uns wieder davon und Hauptsache
er hat das Ding nicht gefressen, ist
ja der Lernfortschritt quasi verhindert
an dieser Stelle. Das heißt, eigentlich lernt
der Hund nichts aus dieser Situation,
womit euch nachher geholfen ist.
Außer, dass er an der Stelle das nicht gefressen
hat, was er gerade fressen wollte. Das ist der
einzige Zugewinn. Ihr könnt so viel mehr aus diesen
Situationen rausziehen und rausnehmen
für eure Beziehungen, für
euer gemeinsames Leben, für die nächsten kommenden
14 Jahre mit eurem Hund
in feinen Nuancen, ganz feiner
Gradierung zu sprechen über ein
na, ey, lass das bitte sein.
Und das ist doch eigentlich die
hohe Kunst und die höchste
Qualität der Beziehung Mensch-Hund.
Probiert es mal aus, bringt mal ein bisschen mehr Klarheit
rein, bringt mal ein bisschen mehr
Zeit rein, nehmt euch mal ein bisschen
Muße, gönnt euch mal
diesen Augenblick des Gesprächs über
ein Verbot tatsächlich wirklich mal
ganz ruhig zu verhandeln und darüber
die Beziehung konstruktiv zu gestalten.
Wenn wir es als Choreografie
der Intervention beschreiben,
ist diese Kommunikation,
diese Choreografie tatsächlich kreisförmig.
Das heißt, die Intervention
ist gut gelaufen, euer Webel lässt es,
er fängt dann zu entspannen.
Seht zu, dass er euch mit euch
gemeinsam gut fühlt, dass er sich
quasi nicht der Situation entzieht und euch
entzieht, also er geht nicht weg vom Pferdeapfel oder
von der stinkenden Kröte und fängt an, Gras
zu fressen im Stressabbau,
dann hat er ja mehr oder weniger seine kleine grüne
Insel für sich alleine geankert,
sozusagen, geändert.
Und das wäre dann wiederum ein
fehlender Zugewind für euch, im Sinne von
ich will ja mit dir auch wieder Freund sein,
ich will ja wieder in Harmonie und ich will ja, dass du wieder lernst,
dass wir eigentlich wieder gut zueinander sind
und das alternative, gemeinsame
Get-together dahinter, das ist
tatsächlich das, was man dann wieder in den Vordergrund
stellen kann, im Sinne von, ich mag dich und ich bin
total stolz auf dich, dass du das jetzt so gut gemeistert
hast, sodass euer Hund quasi auch in dieser
kreisförmigen Kommunikation
sich immer wieder wohl fühlt, obwohl
ihr Dinge verbietet, also obwohl ihr
tatsächlich auch einfach mal streng sein dürft.
Für die Fortgeschrittenen
unter uns, achtet mal
darauf, wenn ihr in der
Interventionsschleife seid, also wenn ihr in der
Choreografie drin seid und euer
Hund lässt von dem Beispiel Pferdeapfel
gerade ab und ihr geht aus der
Spannung raus, ihr baut den Druck ab,
das ist ja sehr wünschenswert, dass ich auf Release
schalte, wenn der Hund das richtige Signal
gegeben hat und er sofort wieder so ein bisschen
im Spirit und in der Energierichtung
Pferdeapfel denkt, geht oder
vielleicht auch nur so ein bisschen
inhaltlich irgendwie in Schwingung kommt,
im Sinne von offensiv nach vorne.
Achtet darauf, dass tatsächlich
nicht eine Erwartungshaltung direkt
sich hinten anschließt und er sagt, gleich kann ich,
gleich kann ich, gleich kann ich.
Auch da gilt es wieder ein bisschen Muße zu haben
für den einen oder anderen Kandidaten,
dem die Intervention nicht so leicht fällt,
der saure Krötenschlucken nicht so easy findet,
manche Hundemodelle sind
nicht so einfach zu korrigieren, sondern müssen
auch dort quasi Zelle für Zelle
Synapse für Synapse in der
Demut sauber durcharbeiten,
bis sie wirklich verstanden haben,
okay, peace, ich habe es
verstanden. Ich hoffe, euch
hat dieser Einblick in die Choreografie der
Intervention gefallen. Vielleicht habt ihr neue Ideen
oder vielleicht habt ihr ein paar kleine Details
darüber vielleicht ein bisschen
reflektieren können und geht in die Veränderung
mit einem guten Ergebnis. Ich wünsche euch viel Erfolg,
viel Spaß kann man dabei ja kaum wünschen,
aber gutes Gelingen und gute Entspannung
danach. Bis bald, eure Nicole.
Ciao.