Janina Symanzick ist Diplom Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin mit Approbation in Verhaltenstherapien. Zusätzlich ist sie Systemische- und Hypnotherapeutin nach Milton Erickson. Seit 10 Jahren Janina mit Kassensitz in eigener Praxis tätig. Davor war sie 7 Jahre lang Mitarbeiterin der Systelios Klinik, Siedelsbrunn und arbeitet heute noch integrierend mit dem Hypno-systemischen Ansatz dieser Klinik. Ihr sind Wertschätzung Augenhöhe und Transparenz in der Therapie sehr wichtig, sowie eine gute Brise Humor.
Podcast Producer/in: Maika Lubig. Bei Fragen oder Anregungen zu unserem Podcast erreichst du Maika unter: Maika.Lubig (at) beweg-grund.de
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Hallo und herzlich willkommen bei Geistreich am Samstag. Heute wage ich
mich an ein Thema, was uns alle ein Stück weit begleitet. Niemand ist gefeilt vor
Ängsten. Von unserem ersten Tag an in dieser Inkarnation, auf dieser Erde,
werden wir begleitet von einer Energie, die uns einerseits schützt, aber
andererseits eben auch sehr störend sein kann.
Ich habe sehr viele Menschen in meinem Umfeld, die unter Panikattacken leiden
oder die Ängste nach außen projizieren oder auch annehmen von anderen, die diese
Projektionen abgeben. Was hat es mit dieser Energie auf sich?
Ich habe Janina Szymmanczyk eingeladen. Sie ist Psychologin und Psychotherapeutin
und kennt sich sehr gut aus. Ich freue mich auf unser Gespräch.
Hallo, liebe Janina. Ich freue mich, dich heute mal nicht im Workshop, sondern hier
im Podcast begrüßen zu dürfen. Ja, ich freue mich auch. Vielen Dank für
die Einladung. Ja, Janina und ich, wie ich gerade schon gesagt habe, kennen uns schon
eine Weile aus meinen Workshops und Janina ist unter anderem Expertin, was
das Thema Ängste angeht. Und das ist ein Thema, von dem ich das Gefühl habe, dass
es für viele Menschen, ich weiß nicht, ob das eine individuelle Wahrnehmung ist,
aber ich habe tatsächlich das Gefühl, vielleicht auch aufgrund der Weltsituation
oder aufgrund der großen Wende, von der alle sprechen, energetischen Wende und
Wandlungszeit, wie immer man das nennen möchte, dass das mit vielen Ängsten
einhergeht und dass ich häufig auch in meinen Workshops merke, was da im Weg
steht bei den Erfahrungen, die die Menschen suchen, sind Ängste. Und dann
natürlich auch Ängste, die irgendwo im Leben eine Rolle spielen, vielleicht
durch gewisse Lebenszyklen auch bedingt dann in den Vordergrund treten. Ich
erlebe es bei meiner Frau, die sehr gespannt ist auf diese Folge, weil die
eben auch sehr stark mit Panikattacken zu tun hat. Es fällt ja auch alles in
dieses Spektrum. Aber meine erste Frage an dich, Janina, ist jetzt erstmal, was
ist Angst? Was ist das für eine Energie und wo kommt das her? Also ganz
grundsätzlich ist Angst eins unserer Grundgefühle. Also es ist erstmal
eigentlich was richtig Gutes. Und da fängt schon für viele Menschen auch das
große erste Missverständnis an, weil sie glauben, Angst wäre irgendwas
Negatives und es müsste wie weg oder sowas. Und im Gegenteil, wir haben nichts
aus der Evolution mitgebracht oder weiterentwickelt, was wir nicht zum
Überleben auch brauchen. Also die Evolution war nie großzügig sozusagen.
Und Angst ist demnach eins unserer Grundgefühle, die wir brauchen. Es ist
was sehr Gutes. Wir hätten nicht überlebt ohne Angst. Sonst wären wir von
irgendeinem Tiger gefressen worden oder so. Und daher ist das erste Mal was
Gutes. Und Angst ist eine Emotion, also ein Gefühl. Nicht mehr und nicht weniger.
Das ist erstmal so die Grundansprache dazu. Jetzt frage ich mich natürlich, ich
verstehe, dass wir mit Ängsten auf die Welt gekommen sind. Die sind in unserem
DNA verankert, weil ohne die könnten wir nicht überleben. Ich weiß, da ist die
Angst vorm freien Fall ist eine von denen. Die Angst vor lauten Geräuschen. Aber wir
haben ja auch viele Ängste, die vielleicht auch gar nicht hilfreich sind.
Die auf Projektionen beruhen. Ja, das stimmt. Also Ängste, wenn es in
Form von einer Angststörung sich dann weiterentwickelt hat, dann wird ja
irgendeine Form von Leiden erlebt. Bei einem selbst und oder auch anderen
Menschen. Je nachdem, um was es geht. Es gibt ja ganz viele Angststörungen. Also
wenn man die jetzt in einen Topf wirft, die sind teilweise sehr unterschiedlich.
Es kommt darauf an, um was es da geht. Aber ja, die sind natürlich dann in einem
Ausmaß vorhanden, dass man sich nicht mehr wohl damit fühlt und auch irgendwie
nicht mehr klarkommt. Und dann macht es auch Sinn, dass man was für sich macht.
Also zum Beispiel eine Psychotherapie geht und sich da Unterstützung versucht.
Aber so vom Grundverständnis, was da passiert ist, dass das Missverständnisse
sind. Also ganz grob gesagt sind Fehlbewertungen das Hauptthema bei den
Angststörungen. Also dass man vor irgendwas Angst hat, was gar nicht
gefährlich ist. Zum Beispiel, also so ein Klassiker wäre so ein typischer, nennt man
einen Teufelskreislauf der Angst, wenn man eine Panikattacke erzeugt. Das schafft
man nur, wenn man irgendwas so bewertet, als sei es ganz sehr gefährlich, obwohl
es das nicht ist. Ja und das fängt manchmal schon, diese
Fehlbewertung fängt manchmal schon so im Alltag an, dass wir Sprache also zum
Beispiel eigentlich auch missverständlich oder falsch sogar
benutzen. Ich rede nicht so gern von richtig oder falsch, aber das lädt in
dem Fall wirklich sehr zu Missverständnissen ein. Zum Beispiel so ein
Klassiker, finde ich, ist das Wetter. Wenn wir sagen, das Wetter, das macht mich
total sauer, ich bin total schlecht gelaunt, weil es regnet oder sowas, dann
klingt es so, als hätte jetzt irgendwie das Wetter mein Gefühl erzeugt. Wenn das
Wetter das könnte, dann würden uns aber alle immer gleich fühlen. Tun wir ja
aber nicht. Es gibt ja so Spezialisten, die zum Beispiel bei schlechtem Wetter
sagen, oh ich lieb's, geht mir voll gut, finde ich gemütlich. Wie kriegen die das
denn dann hin? Das liegt daran, dass die das Wetter nicht negativ bewerten,
sondern als etwas, was ihnen halb gemütlich ist und erzeugen somit auch ein
Gefühl, ein Erleben im Inneren von gemütlich. Das ist schön.
Während andere, die sagen, ich kann das nicht leiden, die bewerten das Wetter negativ,
in dem Fall, und fühlen sich entsprechend nicht so gut in der Situation. Also nicht
die Situation Wetter macht das Gefühl, sondern wie ich über das Wetter denke.
Bewertungen, jetzt sind wir da schon ein bisschen tiefer drin, sind ein Teil der
Gedankenwelt und die Gedanken, ganz grob als Überschrift, sind immer der erste
Schritt zur Erzeugung des Gefühls in uns. Wir erzeugen unser Gefühl durch diese
Bewertungen von Situationen, von Wahrnehmungen, von egal um was es geht.
Soweit nachvollziehbar ausgemacht? Ja, das ist nachvollziehbar. Ich frage mich
jetzt tatsächlich, wenn ich jetzt, ich nehme jetzt einfach mal wirklich die Situation von
Anna, die, wenn ich das miterlebe, dann merkt sie plötzlich, da ist ein Unwohlsein und das
scheint irgendwie in einer Angst dann umzuschlagen und ganz plötzlich geht das in Richtung Panik.
Sie hat dann so Techniken, die sie versucht anzuwenden und oft funktioniert das auch,
dass sie sich da wieder rausbringt, aber es ist schon passiert in der Vergangenheit,
dass das einfach in eine komplette Panikattacke dann gegangen ist und nicht mehr steuerbar war.
Wie kann man denn damit umgehen als Mensch, wenn sowas passiert?
Da gibt es wirklich so eine klassische Beschreibung von dem, was da passiert erst
mal und ich finde damit umgehen, um auf deine Frage einzugehen, bedeutet finde ich immer an
erster Stelle verstehen, wie erzeuge ich es denn, was passiert mit mir, was mache ich mit mir,
weil ohne das Verständnis, wie will ich es denn ändern, wenn ich gar nicht weiß,
wie es geht oder also wie es überhaupt erscheint sozusagen. Ganz grob gesagt ist es so,
wenn man jetzt hier sagen würde, der erste Punkt hier wäre die Wahrnehmung. Die Wahrnehmung in dem
Fall können wir direkt auch bei deiner Frau das Beispiel nehmen, ist oft so eine körperliche
Wahrnehmung. Irgendwas tut kurz weh oder ich habe Herzklopfen oder irgendwas nehme ich gerade
wahr an mir. Dann das, was wir hier jetzt angucken übrigens, läuft in Wirklichkeit im teilweise
Millisekundenbereich ab oder zumindest Sekundenbereich, also sehr sehr schnell. Wir machen
jetzt quasi eine künstliche Zeitlupe von dem, was da abläuft und diese Wahrnehmung kriegt jetzt an
zweiter Stelle eine Bewertung. Das, was ich gerade schon so ein bisschen erklärt habe, da kommt ein
Gedanke über die Wahrnehmung und das ist, wenn Menschen in Richtung Angst tendieren zu bewerben.
Meistens der Klassiker, dass dieser Satz anfängt mit, oh Gott, also sowas wie, oh Gott, da hat
was gestochen, oh Gott, irgendwie wird mir schwindelig und dann ist dahinter die Idee und
das sei gefährlich. Genau und dann erzeuge ich mit dieser Bewertung Angst, wie ich es gerade schon
erklärt habe. Dann kommt die Emotion, das Gefühl Angst, passt zu der Bewertung übrigens. Also das
zeigt eigentlich nur eins, dass unser Körper völlig adäquat reagiert auf das, was wir ihm
suggerieren. Das ist eine Suggestion. Eine Suggestion, ich bin gerade in Gefahr, irgendwas ist gefährlich und
der Körper reagiert blitzschnell mit A, Gefühl Angst und B, das steht hier dann auch noch drauf, mit
Stresshormonausschüttung. Das heißt, passiert auch wirklich was Körperliches. Das ist nicht getrennt,
nur weil manche dann so reden von, es ist so psychisch und so. Es ist auch körperlich. Absolut
körperlich, weil Adrenalin ist das Haupthormon, das da ausgeschüttet wird, weil ja der Körper
jetzt glaubt, er sei in Gefahr, macht er uns jetzt blitzschnell Kampf und Flucht bereit. Das sind auch
Klassiker, die wir aus der Evolution entwickelt haben. Neben noch dem Todstellreflex, der ist etwas
seltener, aber die drei Reaktionen sind typisch bei großer Angst, Kampf, Flucht oder Todstellreflex, je
nach dem, was am meisten Sinn macht. Moment, Todstellreflex, da muss ich jetzt gerade mal
nachhaken, weil das ist ein Wort, was ich noch nie gehört habe. Ich habe aber eine gewisse Ahnung und
mir kommt eine eigene Erfahrung gerade auch in den Sinn. Aber vielleicht kannst du da noch mal ein
bisschen näher darauf eingehen, was ist das? Also ich finde, ein ganz einfaches Beispiel dafür ist
das berühmte Kaninchen vor der Schlange. Es kommt halt auch die Situation darauf an, die wir uns
das suggerieren. Also wenn wir uns zum Beispiel suggerieren, ich stehe vor einem Löwen und habe
keine Chance mehr zu fliehen, weil kämpfen macht da keinen Sinn. Wir sind nicht stark genug gegen
den Löwen. Flüchten, wenn ich schon direkt davor stehe, auch nicht. Dann kann ich vielleicht aber
noch so tun, als sei ich schon tot und hoffe, er frisst keinen Ars. Aber das passiert ja also nicht
in einer überlegten Vorstellung. Ich sage dir jetzt mal ein Beispiel, was mir widerfahren ist oder
widerfährt mitunter. Wir haben ja in Los Angeles sehr häufig mit Erdbeben zu tun. Und wenn das losgeht
mit dem Wackeln und es ist nicht mehr ganz so schlimm wie vielleicht noch vor zehn Jahren bei
mir, aber ich habe Situationen gehabt, wo es anfing leicht zu wackeln und das ganze Haus ist ja davon
betroffen und ich falle in eine Unbeweglichkeit, ohne dass ich das Gefühl habe, da ist eine
Überlegung. Es ist tatsächlich, es fühlt sich für mich wie eine körperliche Reaktion an und ich bin
wie jetzt in einer Schlafparalyse sozusagen. Ich kann mich nicht rühren. Ich starre einfach und
denke, ich muss doch jetzt eigentlich unter den Türrahmen oder unter den Tisch, aber ich kann
nicht. Das müsste man jetzt tatsächlich dann genauer angucken, was du da eben wahrscheinlich
doch kognitiv machst. Das zeigt jetzt auch wieder, dass es halt keine 0815 Tipps gibt für wirkliche
Angststörungen oder Reaktionen, wenn die so tief sind, dass da komme ich nachher auch noch kurz so
ein bisschen drauf, dass da vielleicht eine Seite in uns überreagiert aufgrund von irgendwelchen
noch unwillkürlichen Prozessen. Das würde jetzt hier aber ein bisschen ausufern. Ich würde jetzt
an der Stelle auch sagen, das ist auch der Grund, weshalb Psychotherapie nicht einfach mal zwei
Hypnosesitzungen dauern kann und alles ist super und schön, sondern es hat gute Gründe, warum das
einfach echt Monate bis Jahre geht. Und menschliche Entwicklung braucht Zeit. Auch das
ist Evolution. Evolution ist noch nie was Schnelles gewesen. Wir brauchen Zeit für Entwicklung. Da
müsste man jetzt mit dir in Ruhe gucken, was ist denn da vielleicht auch biografisch gewesen und
so weiter. Aber es wird gute Gründe geben. Also du kannst dir immer grundsätzlich unterstellen,
es gibt gute Gründe. Wir machen nichts, was irgendwie blöd oder doof wäre. Also das Letzte,
was hilfreich ist, ist dann diese Seite, die Angst hat und bei dir mit Todesstarre reagiert,
abzuwerten, sondern vielleicht eher mal zu versuchen, mit einem liebevollen Kontakt zu
sagen, komm mit einer anderen Seite, die dann vielleicht das übernehmen kann, das Bruder,
und sagen, komm jetzt schnell unter den Tisch wenigstens oder so. Ich meine, man darf eins
nicht vergessen, was du beschreibst, es ist eine echte Gefahrsituation. Ich finde, es ist auch
noch mal ein bisschen schwieriger dann zu sagen, also das muss jetzt nicht unbedingt eine Angststörung
in dem Fall sein, aber es könnte ein Angstthema sein, das aber aus einer anderen Zeit kommt zum
Beispiel. Ich hoffe, das war jetzt nicht zu komplex. Nee, nee, das macht mir jetzt schon Sinn. Aber ich
wollte damit auch nur verdeutlichen, dass da keine Überlegung da drin ist bei mir in dem Moment. Ich
muss sagen, es ist besser geworden. Ich erinnere mich, vor ein paar Monaten war ein Erdbeben und
da habe ich eigentlich ganz ruhig auf der Couch gesessen. Klar, das Herz fängt an zu pochen. Das
ist, glaube ich, so eine natürliche Überlebensangst, die da reinkommt. Aber ich bin nicht in eine Starre
gefallen. Und das habe ich früher auch oft erlebt, dass ich einfach unbeweglich wurde und gedacht
habe, so, was passiert hier eigentlich? Und konnte das überhaupt nicht greifen. Und das ist, wie du
schon sagtest, Bruchteile von Sekunden. So ein Prozess, der sich ganz schnell manifestiert.
Ja, ganz genau. Ja, ich überlasse dir wieder das Wort. Wir waren bei der Ankettung, Wahrnehmung,
Bewertung und dann die unterschiedlichen Resultate. Ganz genau. Also wir waren ja an dem Punkt,
dass das erst mal schon mal, was passiert rein körperlich, sinnvoll ist. Also dass der Körper
jetzt Adrenalin ausschüttet und Kampfflug oder Todsterreflex bereit macht. Und der Unterschied
eben zu deiner Situation ist, das passiert dann aber eben auch in Situationen, die gar keine
Gefahr haben. Also ein Erdbeben in Los Angeles kann ja gefährlich werden. Also das finde ich
nochmal ganz wichtig zu sagen. Das ist rein selbst erzeugt im Inneren durch eine Fehlbewertung. Und
das ist auch der nächste Punkt hier auf meiner Liste. Das ist nämlich genau das, was hier jetzt
passiert. Das Gefühl Angst, das jetzt auftaucht und die Stresshormone, die jetzt ganz viele
Körperreaktionen machen, übrigens unter anderem Herzklopfen, beschleunigter Atem,
Schwitzen oder auch Kälteschauer, je nachdem. Das ist alles durch das Adrenalin gemacht. Das ist
was Hormonelles. Adrenalin ist ein Hormon und man darf nicht unterschätzen, was das macht im Körper.
Aber auch da wieder ist so wichtig, dass Menschen aufgeklärt sind, weil sie es fehlbewerten und
glauben, das ist der Beweis. Ich habe ja gerade schon gemerkt, mir geht es nicht gut. Also es
wird einem vielleicht auch noch schwindeliger, weil das rausschießt ganz schnell das Adrenalin. Das
macht schon auch schnellen Schwindel. Also wird es wieder bewertet als Gefahr, z.B. Lebensgefahr
für den Körper. Und das steigert sich dann bis in eine Panik oder Panikattacke. Das ist quasi
dieser Kreislauf, der dann ganz schnell abläuft. Ja, habe ich da eine Möglichkeit jetzt als
Betroffene oder Betroffene, wenn sich so eine Panikattacke anbahnt? Ich würde jetzt nicht
sagen, dass das innerhalb von Sekunden passiert, sondern da ist ja schon ein Momentchen, wo man
merkt, da ist eine Bewertung, da ist ein Symptom. Du sagtest eben Schweißausbrüche oder Herzrasen.
Das ist alles so. Das höre ich von Betroffenen immer genau. Und dann kommt aber der Moment,
wo so ein Kontrollverlust irgendwo ins Spiel zu scheinen kommt. Und dann ist einfach dieser
Zenit überschritten. Oder ja, also dann kann es tatsächlich komplett ausufern auch. Gibt es
da eine Möglichkeit, da einzugreifen? Also ich glaube, wichtig ist schon mal zu verstehen,
dass genau das nicht passiert. Es ufert nichts aus. Das ist Teil des Missverständnisses. Eine
Panikattacke ist unangenehm. Da braucht man nichts schön dran reden. Das fühlt sich nicht schön an.
Das ist stressig und so. Aber das ist so wichtig. Es ist völlig harmlos. Es ist völlig harmlos und
es wird nach maximal 15 bis 20 Minuten von allein auch wieder aufhören, wenn wir dem Körper Zeit
geben, diese Stresshormone wieder abzubauen. Der Körper ist super, der macht das. Der schüttet
dann ein Gegenhormon aus, das zur Beruhigung beiträgt. Deshalb ist man übrigens dann auch
nach einer Weile ziemlich erschöpft. Weil erst hat man einen Überschuss an Adrenalin,
dann das Gegenhormon. Ich habe den Namen leider vergessen. Das schießt dann dagegen, weil der
Körper sagt, ich baue jetzt das zu hohe Adrenalin wieder ab. Und dann sinkt das Adrenalin und
gleichzeitig ist aber das Beruhigungshormon noch stärker im Körper. Und das macht dann eine Weile
erschöpft und müde. Also auch eine biologische, logische Reaktion, die danach passiert. Also
wichtig wäre vielleicht schon mal aber zu verstehen, mir wird nichts passieren. Es ist wirklich nichts,
was eskaliert. Und das, was du gerade sagtest, mit die Kontrolle verlieren tut man gar nicht.
Man hat nur Angst davor. Und das ist so ein bisschen selbstgemacht dann tatsächlich,
wenn ich das richtig verstehe. Das Ganze ist selbstgemacht. Das ist genau, worauf ich hinaus
wollte. Ja, spannend. Finde ich sehr, sehr hilfreich, auch in meinem Verständnis für
so eine Situation. Jetzt gibt es aber nicht nur Panikattacken. Es gibt ja auch so ganz andere
Art von Ängsten. Und ich sage immer, das ist so mein Gefühl, am Ende läuft es immer auf die Angst
um die eigene Existenz hinaus. Wenn ich mir so Ängste betrachte, jetzt rational, ob das eine
Phobie ist, eine Spinnenphobie oder ob das auch eine Panikattacke ist oder die Angst vorm Dunkeln.
Es geht ja, oder auch finanzielle Ängste, es gibt ja so viele, viele unterschiedliche Rubriken,
nenne ich die jetzt mal. Aber wenn man sie runter bricht, dann geht es immer so, Existenz. Kann
man das so sagen oder liege ich da irgendwie komplett daneben? Ja, wahrscheinlich ist es schon
relativ mit ein Kernthema. Also wenn du Existenz meinst mit Lebensexistenz, nicht finanzielle
Existenz oder so. Also es ist oft eine Todesangst in der Tat. Man kann ja mal auch schauen. Es ist
aber auch oft Angst vor Scham. Also zum Beispiel haben Menschen, die eine soziale Phobie haben,
dann sagt Angst, dass sie zum Beispiel negativ bewertet werden von anderen. Also das geht jetzt
nicht um die Angst vorm Tod in dem Fall. Es gibt auch Menschen, die, also da ist dann auch Scham
ganz viel das Thema, Angst sich peinlich zu verhalten. Also wenn man Leute mal fragt, was
glaubst du denn, was passiert, wenn du in der Öffentlichkeit umkippen würdest? Weil ganz oft
ist da ja diese Kontrollverlustangst. Was wäre denn dann? Das wäre so peinlich. Dann ist gar
nicht der erste Satz, ich habe Angst, dass ich dann tot bin. Also da muss man auch individuell gucken.
Ja, da hast du natürlich vollkommen recht. Ich habe das nie so wirklich als Angstthema betrachtet,
was du jetzt gerade beschrieben hast. Aber natürlich, klar, wenn ich dich jetzt höre,
sind das auch Ängste. Und die kennt natürlich jeder Mensch irgendwo. Ob das eine Bühnenangst
ist oder eine Angst vorm Sprechen in der Öffentlichkeit. Da ist ja ein ganzes Spektrum
auch, oder Angst vor, ich könnte irgendwo fallen und es mich lächerlich machen. Diese Angst vor
Peinlichkeiten generell kenne ich natürlich nur zu gut auch. Habe ich auch. Habe ich nicht. Also
klar, kenne ich auch. Das ist ja auch wichtig, dass immer wieder bei dem Thema Angst als
Grundgefühl völlig in Ordnung. Und alle unsere Grundgefühle brauchen wir. Es ist ja nicht
automatisch eine Angststörung. Deswegen, das finde ich auch so wichtig, wenn man dann sich
erstmal selber vielleicht ein bisschen umguckt und nach Hilfe, Unterstützung sucht. Und wirkliche
Psychotherapieplätze zu kriegen, ist ja ein bisschen schwierig manchmal. Braucht ein bisschen
Zeit. Klappt immer, wenn man dran bleibt. Empfehle ich auch jedem, der wirklich eine
Angststörung sucht, eine Therapie, eine richtige. Bisschen Wartezeit in Kauf nehmen ist am Ende gar
nicht so schlimm gewesen, wenn es dafür dann hilfreich ist. Aber natürlich gucken viele
Menschen vorher schon mal. Ist ja auch in Ordnung. Finde ich total gut. Darf man ja machen. Allerdings
gibt es da halt so ungefiltert viel im Orbit. Und ich nehme immer gern so als Beispiel, was für mich
persönlich nicht so günstiges Beispiel ist, so einen Buchtitel, den ich mal gesehen habe in
irgendeinem Buchregal. Endlich angstfrei leben. Und wenn man sich da dann quasi Tipps und Hilfe
erhofft. Ich habe dann mal geguckt, selber eine Betroffene, die ein Buch geschrieben hat. Da kommen
dann schnell Menschen auf die Idee, so wie es für mich war, sollte es für alle sein. Das finde ich
ganz schwierig, weil das nicht passt meiner Meinung nach. Ich bin Konstruktivistin und ich glaube,
wir alle konstruieren unsere Realität selber. Und das ist hoch individuell. Also muss man auch
individuell mit Menschen arbeiten und gucken, um was geht es da. Aber der Titel Endlich angstfrei
leben suggeriert ja schon allein, dass Angst was Negatives sei. Und man müsste frei davon sein.
Und jetzt haben wir ja gerade schon gehört, Angst als Gefühl brauchen wir. Also sollten wir nicht
angstfrei leben. Natürlich meinte die Frau wahrscheinlich, endlich angststörungsfrei leben.
Günstiger, wenn man es so dann auch benennt. Aber das Dilemma ist, dass selbst da schon wieder eine
Suggestion reinkommt, dass, wenn man es jetzt noch komplexer anguckt, dass das eigentlich eine Seite
von uns ist. Also nur ein Teil von uns, der Angst hat. Und nicht unser ganzes Ich, unser ganzes
Sein. Weil, wenn wir mal uns anschauen und uns fragen, ich fühle mich ja nie 24 Stunden, sieben
Tage die Woche immer gleich. Und auch Menschen, die eine Angststörung als Diagnose offiziell haben,
werden sagen, naja, ich habe nicht 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche Angst, sondern unter
bestimmten Bedingungen, unter bestimmten Tageszeiten oder sonstiges. Also es ist ganz
unterschiedlich. Und wenn man das dann mal genauer anschaut, könnte man also sagen,
da gibt es wie eine Seite, die unter bestimmten Bedingungen auftaucht und mit Angst reagiert.
Weil, was ganz oft auch der Fall ist, ganz typisch sogar, ist, dass irgendeine rationale Seite auch
mit im Boot ist bei den Menschen, die dann das auch noch kommentiert, diese Angstseite. Und die
dann sitzt mir oft in der Therapie dann gegenüber, diese Seite, und sagt, ich weiß, dass mir das
nichts tut. Ich weiß, mir kann nichts passieren. Und das ist dann eben schon wieder so ein Zeichen
dafür, dass vielleicht der Kontakt zu der Seite, die Angst hat, aber noch nicht so günstig läuft.
Weil, wenn wir uns die Angstseite wie eine eigenständige Person mal vorstellen, als kleines
Gedankenspiel. Und da wäre jetzt also eine Person, also angenommen, wir wären in einem Fahrstuhl und
neben uns steht ein Mensch und der hat gerade Panik, weil er Angst hat, er wird stecken bleiben
und hier ersticken oder so. Würden wir jetzt hingehen und sagen, ja, das weiß doch jeder,
dass das nicht passiert. Jetzt reiß dich doch mal zusammen, gleich geht die Tür wieder auf.
Oder sagen alle Menschen, nee, so würde ich mit anderen Leuten nie reden. Wir gehen mit unserem
größten Feind manchmal nicht so um wie mit uns selbst, wenn wir dann mal genau hinschauen.
Deshalb finde ich es ganz wichtig, dass man guckt, wie wird denn der Kontakt zu der Seite, die Angst
hat, im Inneren aufgebaut. Das finde ich persönlich sogar eine ganz wichtige Basis, noch bevor ich in
eine Konfrontationstherapie einsteigen würde, was übrigens Mittel der ersten Wahl ist in der
Therapiewelt, auch bei den Angststörungen. Also der Angst, sich stellen. Das ist wissenschaftlich
belegt, das funktioniert. Es wird Ängste reduzieren, es hilft. Das ist total gut, aber meiner Erfahrung
nach funktioniert es erst und viel, viel besser, wenn die Beziehung zu der Seite, die Angst hat,
auch schon ganz gut ist. Also zu uns selbst, die Beziehung. Aber ich habe gerade so eine Vorstellung,
du sitzt in einer Praxis und es kommt jemand, hat Angst vor Spinnen und du packst jetzt eine
Tarantel aus. Ja, würde ich nicht machen, weil ich zufälligerweise selber Angst vor Spinnen habe.
Ist schon viel besser geworden, weil ich auch mit mir natürlich daran arbeite. Aber ich wäre,
glaube ich, kein so gutes Vorbild in dem Fall. Aber Scherz beiseite, nein, ja, grundsätzlich,
genau so funktioniert das aber, ja. In der Verhaltenstherapie, was meine offizielle
Approbation ist, ich bin auch systemische Therapeutin und Hypnotherapeutin, aber die
Verhaltenstherapie ist wirklich genau das, dass man wirklich die Situation oder die Objekte,
wovor man Angst hat, konfrontiert. Also ich gehe mit Leuten auch in die Stadt, wenn sie Angst haben,
ins Einkaufszentrum zu gehen zum Beispiel. Oder ich bin mit einer Frau Fahrspüle gefahren. Also
ja, machen wir. Aber ich bereite das vor, erst mit dieser inneren Anteilearbeit, damit die Basis
passt. Sonst würde man quasi wie bei einem Hausbau statt am Fundament mit dem Dach anfangen. Das
hält nicht. Ja. Wenn ich jetzt mal, abgesehen von einer Angststörung, also wirklich jetzt so etwas,
was mein Leben offensichtlich auch in irgendeiner Weise steuert oder vielleicht sogar dominiert,
von so generellen Ängsten, die mir vielleicht gar nicht bewusst sind. Ich beobachte häufig in
meinen Workshops, und für mich spiegelt sich das im Emotionalkörper wieder. Wenn ich also aus einer
außerkörperlichen Erfahrung bin und betrachte mir die multidimensionalen Gefilde, die wir Menschen
nennen, sage ich mal, dieses multidimensionale Wesen, dann wird mir sehr häufig gespiegelt,
dass dort im Astralkörper, der ja auch als Emotionalkörper oft bezeichnet wird,
tatsächlich Manifestationen sind von diesen Gefühlen. Die können sogar so stark sein,
dass sie eine Gestalt annehmen. Aber generell habe ich noch nie jemanden getroffen,
der also komplett frei ist von diesen Gebilden im Astralkörper. Aber da scheinen sehr krasse
Unterschiede zu sein von Mensch zu Mensch, wenn jemand unbewusst gesteuert wird von seinen Ängsten,
ohne dass er sich jetzt erstmal gedanklich vielleicht auch da überhaupt rankommt. Ich
weiß nicht, ob ich die Frage auch so richtig formulieren kann. Beobachtest du Leute,
die gesteuert sind, ohne dass sie wissen, dass es an Ängsten liegt, die sie steuern?
Wird dir das bewusst bei Leuten? Meinst du damit jetzt, dass es eben manchen Menschen
nicht bewusst ist, wodurch sie Angst haben? Ja, wobei, wodurch sie sich limitieren tatsächlich
in ihrem täglichen Leben, weil da Programme ablaufen, die angstbasiert sind, die einfach
so eingespeichert sind. Ich sage mal so, es kommt jemand zu dir, weil er Angst vor Spinnen hat,
war ja jetzt das Beispiel, und dann stellt man aber vielleicht im Zuge dieses Prozesses fest,
das ist nicht das Einzige. Tut sich da noch mehr? Ist das etwas, was dir begegnet?
Ja, das natürlich. Um es jetzt mit dem Fachausdruck zu benennen, Komorbidität ist generell in der
Psychotherapie ja recht weit verbreitet. Also Komorbidität heißt, dass mehrere Themen,
Diagnosen auftauchen können. Definitiv. Den anderen Aspekt, was du vielleicht meintest,
mit dem Unwillkürlichen oder Unbewussten, das ist natürlich auch sehr häufig. Also
natürlich haben viele Menschen Themen, die ihnen selbst noch gar nicht bewusst sind. Und auch das
wird ja in der Psychotherapie erarbeitet. Okay, genau da wollte ich dann drauf hinaus,
weil ich denke immer, Psychotherapie ist so ein hartes Wort. Und wenn ich das beobachte bei
Menschen, die versuchen, in ihrer Bewusstseinsarbeit voranzukommen, es ist aber manchmal ganz
offensichtlich, dass da Programme ablaufen, die das blockieren. Und dann zu sagen,
ja vielleicht ist eine Psychotherapie angebracht. Das ist mal wie so eine Keule,
wo dann doch vielleicht der eine oder andere denkt, ich bin verrückt. Aber Psychotherapie
hat ja nichts mit verrückt sein zu tun, sondern das ist ja etwas, was sehr begleitend, sehr sanft
und sehr eröffnend im Prinzip ist. Ja, also genau. Zum einen würde ich, glaube ich,
selbst auch Menschen das so nicht sagen, weil dann schreckt man sie eher ab. Der Ton macht ja
die Musik. Man geht ja eigentlich nicht hin und sagt, mach doch mal eine Therapie. Auch wenn man
das manchen Menschen schon wünschen würde. Aber wir alle haben es ja irgendwie nötig,
so ist es ja. Aber man kann das ja auch liebevoll mal ansprechen und sagen, was einem vielleicht
auch selber geholfen hat dabei, wenn man da Erfahrung mit hat oder so. Also da gibt es
ja andere Möglichkeiten. Aber letztlich muss es natürlich jeder Mensch selber für sich entscheiden.
Also ein Psychotherapeut nimmt Leute nur, wenn sie selber das auch möchten. Und das ist alles
total freiwillig und hat mit verrückt in der Tat gar nichts, gar nichts zu tun. Im Gegenteil,
das wäre ein Ausschlusskriterium. Das ist aber übrigens auch wieder eine häufige Angst. Ich
könnte verrückt werden. Das ist auch ein ganz enges Angststörungsthema. Die Angst kenne ich
auch. Das klappt übrigens nicht. Also muss ich dich enttäuschen, Oliver, wenn du die Angst kennst?
Das klappt gar nicht. Ja, ich glaube, es kommt so ein bisschen darauf an, auf die Definition von
verrückt. In meiner Arbeit passiert das schon mal, dass man verrückt wird im wahrsten Sinne des Wortes.
Wenn eine Dissoziation geschieht, und das ist jetzt gar nicht so unüblich in meinem Feld,
wenn man sich mit außerkörperlichen Erfahrungen auseinandersetzt oder auch das praktiziert und
nicht wieder komplett in die Integration kommt. Das fühlt sich dann an, als sei man im wahrsten
Sinne des Wortes verrückt, aber im räumlichen Sinne. Nicht jetzt im psychischen Sinne,
sondern da ist etwas verrückt. Da muss man, glaube ich, schon differenzieren, was gemeint ist. Aber
da siehst du, wie Wörter auch unterschiedlich mit Bedeutung geladen sind. Das ist genau das,
was ich vorhin gemeint habe. Die Art und Weise, wie wir Sprache benutzen, spielt eine Rolle. Aber
die meisten, die Angst haben, verrückt zu werden, meinen damit durchzudrehen oder so. Das passiert
nicht. Wir können nicht wegen einer Angststörung verrückt werden. Wie kann ich so generell auf mich
achtgeben im Alltag, in meiner Mindfulnesspraxis oder in meinem bewussten Sein, dass ich mir nicht
mehr Ängste auflade, als sowieso schon im System sind? Ich meine das ganz praktisch. Ich kann immer
von mir ausgehen. Eine Sache, die mich triggert, wo ich das Gefühl habe, das schürt Ängste,
sind zum Beispiel bei mir bewegte Bilder in Verbindung mit Musik und Sprache, die ja zum
Teil auch recht gesteuert sind, ob das im Internet, im Fernsehen oder in Filmen, im Kino. Das weiß ich
zum Glück. Ich weiß ganz genau, ich muss mich für bestimmte Dinge nicht aussetzen. Aber gibt es
da noch mehr Tipps oder Hinweise, wie man Ängste vermeiden kann oder Situationen vielleicht auch
anders steuern kann? Grundsätzlich ist es, glaube ich, günstig, wenn man sich versucht, viel selbst
zu beobachten. Man nennt es auch in der systemischen Welt sozusagen die Metaebene einnehmen. Metaebene
ist nichts anderes, wie so einen Beobachter zu installieren und wie auf sich selbst drauf zu
gucken und sich mal zu fragen, na, was geht mir denn gerade so durch den Kopf? Vielleicht sogar
zu fragen, was könnte ich denn gerade brauchen? Also die Übersetzung ins Bedürfnis ist auch immer
ein ganz wichtiger Teil in der Therapie sozusagen. Was möchte denn, was braucht denn die Seite,
die zum Beispiel gerade Angst hat oder jetzt Angst kriegen könnte stattdessen? Was würde ihr denn
gut tun? Zum Beispiel halt nicht irgendeine Seite, die irrational um die Ohren haut, dass
gerade doch gar nichts ist. Das beruhigt nicht, wenn man schon Angst hat. Kommt halt drauf an,
was man gerade braucht. Aber das zum Beispiel mal zu erforschen, ist eine gute Idee. Also
Selbstbeobachtung, vielleicht vor der unmittelbaren Reaktion, wenn möglich. Dann vielleicht auch mal
wirklich zu gucken, na ja, was geht denn in mir vor? Dass man sich vielleicht mal bewusster macht,
wie denke ich denn gerade über mich und oder die Welt, jetzt mal pauschal gesagt. Dass man
mal vielleicht das aufschreibt und notiert, wenn ich Angst kriege, was ist denn dann gerade? Was
läuft mir durch den Kopf? Wie verhalte ich mich? Und so weiter. Jetzt geht ja das Thema Angst auch
Hand in Hand mit einer anderen Energieform, die für mich sehr artverwandt sind, Sorge. Sorgen
ich weiß nicht, ob das jetzt richtig ist, aber produzieren Sorgen Ängste oder laufen die
nebeneinander her? Ich weiß nicht, wie du das wie du das sagst, aber vieles hat ja auch da seinen
Ursprung, glaube ich. Total, total. Das hängt unheimlich miteinander zusammen. Es gibt sogar
eine Diagnose, die mir spontan dazu einfällt, die übermäßig eher mit Sorgen sich auseinandersetzt,
statt mit so. Also da sind jetzt nicht typischerweise Panikattacken dabei. Das
nennt sich die generalisierte Angststörung. Und da geht es oft darum, dass Menschen von
einer Sorge zunächst wie springen, aber keine davon je fertig denken. Also dann sind sie bei
hoffentlich passiert meinem Mann nichts, hoffentlich geht das morgen gut und oh Gott
habe ich da noch und so weiter. Also es ist ein einziges sich Sorgen machen um irgendwas,
was irgendwie schief gehen könnte. Und es ist halt, wie sage ich das jetzt, dass es nicht zu
ausufernd wird. Es ist ja schon eigentlich alles recht komplex, aber es ist halt so ganz simpel,
auch da wieder eine Art der fast schon selbst erfüllende Prophezeiung, wenn man so will. Nicht
dass das jetzt heißt, diese Dinge werden wirklich passieren. Ich bestätige mich nur selbst sehr
schnell, wenn dann irgendwas nicht gut läuft. Das kommt noch dazu. Wenn ich die ganze Zeit den
Fokus habe auf Negativ, Schlimm, Sorge und dann passiert irgendwas, dann gehen Menschen ganz oft
genau damit um, dass sie sagen, ich habe es ja gewusst und so. Das ist das, was dann selbst
erfüllende Prophezeiung ist. Nur das wäre genauso passiert, auch wenn es einem vorher gut gegangen
wäre. Das bedenken die Leute nicht. Und so erzeugt man dann halt so einen Dauerstress in sich und
Unwohlsein. Das Erleben erzeugen wir immer selber. Und was wichtig zu verstehen ist,
wir haben die Wahl, was wir da erzeugen. Wir sind freie Wesen und wir können uns auch mit
Dingen beschäftigen, die uns guttun. Aber das hat viel mit der Beziehung zu uns selbst zu tun. Und
da muss man mal schauen, ob die gut läuft. Wenn das noch nicht funktioniert, wenn Menschen mit
sich da noch nicht gut umgehen können oder den Fokus nur auf Sorgen haben, würde ich auch mal
gucken, wie ist denn eigentlich diese innere Beziehungsgestaltung bisher so?
Ja, ich hatte gerade vor einigen Tagen ein Gespräch mit einer Freundin. Da ging es darum,
dass sie sich auch um alles sorgt. Insbesondere ging es da um Klimawandel und um Politik. Also
so sehr große Sorgenflächen nenne ich das jetzt mal. Und ich für mich irgendwann entschieden habe,
dass ich da nicht reinfüttern möchte in irgendeiner Form, weil ich weiß, es tut mir nicht gut. Und ich
kann mit Sorge auch nichts bewegen. Aber das war für diese Person jetzt komplett unverständlich
und ich wurde dann als ignorant bezeichnet, weil ich mich da rausnehme und nicht teilhabe an dieser
Sorge. Bin ich ignorant oder bin ich dadurch gesund? Das hat mich tatsächlich beschäftigt. Da
will mir jemand von außen eine Angst aufdrängen, die ich gar nicht tragen möchte.
Ja, geteiltes Leid ist doch halbes Leid, Oliver. Super Beispiel. Da müsste man jetzt natürlich
auch wieder ein bisschen genauer hinschauen, was da die Absicht dieser Person war. Vielleicht war
es eine Form der Projektion, nennen das meine lieben Kolleginnen und Kollegen von der tiefen
psychologisch fundierten Therapieseite. Das ist ein ganz toller Begriff, den ich super finde. Der
heißt, dass man ein eigenes Thema auf den anderen quasi abbildet. Also auf den Schieb sozusagen. Was
aber eigentlich was über mich selber viel mehr aussagt. Ganz schlicht beschrieben. Und das,
was du machst, ist völlig legitim. Sich nämlich zu schützen vor was, was einem nicht gut tut. Also
ich meine, du kommst ja selber aus dem Medienbereich und weißt es. Es ist ja nun mal so,
dass das, was in den Medien gezeigt wird, auch, es geht um Einschaltquote. Was macht nämlich diese
Berichtserstattung, wenn da so viel über Dinge, die uns Angst machen, also uns einladen, dass wir
uns Angst machen, müsste ich natürlich korrekterweise sagen. Warum werden die so dargestellt? So
überdurchschnittlich viel auf die Art und Weise. Weil, das hat man eben auch erforscht, Psychologie
als Studium, da ist ja auch ein sehr wissenschaftlicher Anteil dabei. Jetzt viel auch um
Forschung und wie Menschen generell so ticken und was uns anzieht und so weiter. Das wird
natürlich auch in der Medienwelt sehr benutzt. Und man weiß also, dass Angst Aufmerksamkeit bindet.
Ja, ich meine, warum zum Beispiel funktionieren denn auch Horrorfilme? Es funktioniert ja auch.
Und man sitzt da und starrt oder so. Und das ganze Zeug funktioniert, weil es die Aufmerksamkeit bindet.
Und was dann halt auch noch funktioniert ist, dass man vergessen kann dabei, dass man gerade
nur einen Film anschaut. Ja, und wir reagieren mit Angst, obwohl wir zum Beispiel auf dem sichersten
Sofa der Welt sitzen. Und hier ist ja gerade gar kein Krieg, hier ist gerade nichts Schlimmes.
Aber wir gehen, also sozusagen ist es eine Empathieleistung. Wir stellen uns das so stark
dann innerlich vor, dass wir innerlich Angst mit erzeugen durch die Themen, die uns angeboten
werden. Und durch diese Kombi bleiben wir da dran und glauben, wir müssen, um uns sicherer
vielleicht auch zu fühlen, das gucken, um es irgendwie unter Kontrolle zu haben und so weiter.
Und dann ist vor allem halt eins geschafft, die Einschaltquote erhöht, was mehr Kohle bringt.
Ja, das sehen wir ja auch in der spirituellen Szene sehr häufig. Und da ist für mich dann
auch so ein bisschen, wo sich die Spreu vom Weizen teilt. Ich sage immer, und ich generalisiere das
sehr eindeutig und sage, wenn jemand der Geschäft mit der Angst macht, in unserem Sektor, in meinem
Sektor muss ich sagen, der ist bei mir gleich ein rotes Tuch und zwar knallrot. Weil du sagst eben
so schön, Angst bindet. Und das ist das, was ich beobachte, ob das über Verschwörungstheorien oder
über, es gibt ja auch andere Angstmacher sozusagen, die einfach merken, ein Video, jetzt bei YouTube
ganz speziell mal ein Video, in dem die Darstellung von einem gewissen Szenario Klicks bringt, weil
dort eine Angst geschürt wird, die völlig unberechtigt ist, aber eben eine Bindung erzeugt.
Das ist für mich ein absolutes Grauen geworden in unserer Szene, was leider Phänomen ist,
was Momentum aufgenommen hat. Ja, und da ist wirklich, für mich wäre da so die Frage an die
Menschen, die sowas posten, wofür machst du das? Tja, das ist natürlich, die Antwort ist, glaube ich,
relativ einfach. Da ist ja eine Absicht dabei. Das sehe ich schon oft auf den Bildern, die das
Video präsentieren. Und es hat ja auch eine Faszination, Angst hat ja auch irgendeine
Faszination für Menschen. Es war ja auf der Kirmes früher so, man geht in die Geisterbahn. Das ist
ein Thrill, das ist so, man will sich da auch selber ein bisschen austesten, aber irgendwann
kommt halt dieser Punkt, wo man sich da vielleicht auch zu sehr reinbegeben hat und dann, das macht
Angst süchtig vielleicht sogar. Ach, das würde ich jetzt nicht so weit, glaube ich, sagen, aber
es kann kathartisch sein für manche Menschen, für manche. Es ist individuell unterschiedlich. Ich
finde, sich davor auch zu schützen vor solchen extremen Sachen, wie Horrorfilmen oder so,
wenn man merkt, man ist da zu sensibel für oder zu sensibel geworden, völlig in Ordnung. Während
es auch völlig in Ordnung ist, wenn Menschen sagen, ah, für mich ist das manchmal was,
obwohl ich eine Angststörung habe, kann ich da dann mal was ganz Kathartisches erleben. Es kommt
immer darauf an, was man da so braucht. Ich finde, schwierig wird es immer, wenn es einen selbst und
oder anderen Menschen auf irgendeine Art und Weise schadet. Jeder kann machen, was er will, aber gerade
das, was du meintest mit solchen Videos, finde ich furchtbar und ich bin sehr froh, dass du dich von
sowas auch distanzierst, weil das, ah ja, werde ich ganz allergisch. Schlimm. Ja, ist für mich
also auch so ein ganz unverständliches Phänomen. Ja. Ja, liebe Janina, haben wir noch was auf
unserer Liste? Ich weiß, es gab so einige Punkte, die wir im Vorfeld besprochen hatten. Ja, ich weiß
nicht, ob noch was fehlt, ehrlich gesagt, gerade. Aber wir können natürlich auch jederzeit das Thema
noch mal aufgreifen, wenn unsere Zuschauerinnen und Zuhörerinnen Bedarf haben oder konkrete
Fragen haben. Schreibt sie gerne in die Kommentare. Ich finde das Thema extrem wertvoll und auch sehr
spannend, weil Angst etwas ist, was immer irgendwo präsent ist im Feld. Und ich merke ganz deutlich,
wie nicht nur mich, auch andere Leute davon betroffen sind. Und so ganz angstfrei ist vielleicht
auch nicht gesund, wie wir jetzt verstanden haben. Angst ist etwas Natürliches. Aber wir
dürfen selber schauen, wo ist die Grenze dafür? Was ist Projektion? Was ist tatsächlich notwendig?
Ja, genau. Wenn ich von der Angst mich belastet fühle oder von meiner Seite die Angst hat,
wie ich es gerne nennen würde, dann kann man ja sich Unterstützung holen. Völlig in Ordnung. Und
gut ist, sich der Angst zu stellen. Aber ich hoffe, das konnte ich vermitteln, die Art und
Weise, wie man es tut, ist wichtig. Also die ängstliche Seite liebevoll an die Hand nehmen
oder auf den Arm dabei. Dann klappt die Sache gut. Aber sich dem stellen. Und das ist, glaube ich,
auch im Sinne von spirituellen Themen ganz ähnlich. Da können wir uns weiterentwickeln,
über Ängste überwinden auch in dem Fall. Unnötige Ängste, nicht die Angst als Grundgefühl.
Ja, dann danke ich dir ganz herzlich für deine Zeit und für deine Expertise. Du hast
es wunderbar auch ausdrücken können. Für mich war es sehr verständlich. Und ich hoffe,
für alle, die uns zuschauen, zuhören ebenso. Ich freue mich, dich auch bald live irgendwann
wieder zu sehen. Und bis dahin alles Liebe. Ich auch. Vielen Dank. Dir auch alles Liebe.
Tschüss. Ciao Janina.