Gigantische Summen und ein Tabubruch: Was steckt im neuen Finanzpaket?

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76 Videoaufrufe·05.03.2025
Union und SPD haben bei Sondierungen eine Einigung über Finanzfragen erzielt. Es geht um sehr viel Geld. Verteidigungsausgaben sollen ab einem Prozent der Wirtschaftsleistung von der Schuldenbremse ausgenommen werden. Was bedeutet das?
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Gigantische Summen und ein Tabubruch.
Was steckt im neuen Finanzpaket?
Ein Artikel von Epoch Times vom 5. März 2025.
Union und SPD haben bei Sondierungen eine Einigung über Finanzfragen erzielt.
Es geht um sehr viel Geld.
Verteidigungsausgaben sollen ab einem
Prozent der Wirtschaftsleistung von der Schuldenbremse ausgenommen werden.
Was bedeutet das?
Es sind gigantische Summen und eine Überraschung.
Union und SPD wollen nicht nur ein Sondervermögen für Investitionen in die
Infrastruktur schaffen, sondern für Verteidigungsausgaben auch an die
Schuldenbremse ran. Das hatte die Union zuletzt noch ausgeschlossen.
Für einen Beschluss im Bundestag sind die Stimmen von Grünen oder FDP nötig.
Was ist der Vorschlag?
Erstens.
Die Schuldenbremse soll für Verteidigungsausgaben gelockert werden.
Verteidigungsausgaben, die über ein Prozent
des Bruttoinlandsprodukts liegen, sollen davon ausgenommen werden.
Zweitens.
Ein Sondervermögen für die Infrastruktur wird geschaffen.
Es umfasst 500 Milliarden Euro über eine Dauer von zehn Jahren.
Die Kommunen und Bundesländer erhalten davon 100 Milliarden Euro.
Drittens.
Die Bundesländer können sich künftig in
Höhe von 0,35 Prozent des BIP jährlich neu verschulden.
Um diese finanzielle Neustrukturierung zu ermöglichen, wurde Folgendes vereinbart.
Erstens.
Es wird ein Planungs- und Beschäftigungs-
und Beschleunigungsgesetz für die Bundeswehr geschaffen.
Zweitens.
Es wird eine Prioritätenliste geschaffen, die schnell zu beschaffende Rüstungsmaterialien umfasst.
Drittens.
Diese Festlegungen sollen noch vom alten Bundestag beschlossen werden.
Im neuen Bundestag haben Union und SPD
nicht mehr die dafür notwendige Zweidrittelmehrheit.
Viertens.
Es wird eine Expertenkommission eingesetzt, die einen Vorschlag für eine Reform der
Schuldenbremse entwickelt. Die neue Gesetzgebung dazu soll bis Ende 2025 verabschiedet sein.
Was heißt das?
Die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse soll so verändert werden, dass
Verteidigungsausgaben ausgenommen sind, die über einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen.
Nach oben soll das nicht gedeckelt werden.
Es sind theoretisch unbegrenzte Kredite möglich.
Um das finanziell zu stemmen, muss die Wirtschaft angekoppelt werden über
Investitionen in die Infrastruktur, also Straßen, Schiene, Brücken und anderes.
Dafür sollen Kredite in Höhe von 500
Milliarden Euro aufgenommen werden, die in ein Sondervermögen fließen.
Zum Vergleich.
Das ist etwas mehr als das Volumen eines
Bundeshaushalts und mehr als ein Zehntel des deutschen Bruttoinlandsprodukts.
Das Geld soll schnell zur Verfügung stehen und über zehn Jahre abfließen.
Damit das an der Schuldenbremse vorbeilaufen kann, soll das Sondervermögen im
Grundgesetz verankert und dort von der Schuldenregel ausgenommen werden.
Außerdem sollen auch die Bundesländer die
Möglichkeit bekommen, mehr Schulden zu machen.
Ihre Schuldenbremse, die bisher besonders
streng ist, soll an die etwas flexiblere Bundesregelung angepasst werden.
Welche Chancen haben die Pläne im Bundestag?
Union und SPD können das nicht allein
beschließen, da für Grundgesetzänderungen eine Zweidrittelmehrheit benötigt wird.
Im alten Bundestag ging das zusammen mit Grünen oder FDP.
Die FDP hat eine Reform der Schuldenbremse bisher aber kategorisch abgelehnt.
Die Sondierer dürften daher auf die Grünen setzen.
Im neuen Bundestag, der sich am 24. oder 25.
März konstituiert, haben Union, SPD und Grüne keine Zweidrittelmehrheit mehr.
Linke und AfD können eine Grundgesetzänderung blockieren.
Beide lehnen Sondervermögen ab.
Deshalb soll der alte Bundestag auf den letzten Metern noch einmal zusammenkommen.
Wer muss die Kredite bezahlen?
Der Staat besorgt sich frisches Geld, indem er Anleihen auf dem Kapitalmarkt ausgibt.
Erstmals kommt das Geld also von Anlegern.
Das können zum Beispiel Pensionsfonds oder Kreditinstitute sein.
Einer der größten Investoren der Welt ist etwa der norwegische Staatsfonds.
Auf lange Sicht muss der Kredit dann aber getilgt werden.
Bei Sondervermögen stellt der Bund dafür einen Zeitplan auf.
Beim bisherigen Sondervermögen für die
Bundeswehr ist die Tilgung zum Beispiel ab 2031 geplant.
Das Geld dafür muss dann aus dem
Bundeshaushalt kommen, also aus Steuergeldern und anderen staatlichen Einnahmen.
Warum ist mehr Geld für die Bundeswehr nötig?
Das Sondervermögen über 100 Milliarden
Euro für die Bundeswehr ist fast komplett verplant.
Der reguläre Verteidigungsetat besteht aus
etwa 53 Milliarden Euro und erfüllt das 2-Prozent-Ziel der NATO nur, weil das
bisherige Sondervermögen eingerechnet wird.
Allein für das 2-Prozent-Ziel sind nach den Worten von Verteidigungsminister Boris
Pistorius ab 2028 insgesamt 85 bis 90 Milliarden Euro im Jahr nötig.
Für Verteidigungsausgaben in Höhe von
3 Prozent sind es also 120 Milliarden Euro.
Eine kriegstüchtige Bundeswehr, die Angreifer abschreckt und in einem Kampf
bestehen kann, benötigt eine Vollausstattung über 100 Prozent hinaus, Ersatz, eine
umfangreiche Luftverteidigung und Cyberabwehr und eine verbesserte,
eigenständige Beobachtung möglicher Gegner, Aufklärung.
Zudem weitreichende Präzisionswaffen,
Deep Precision Strike, Vorräte an Munition, eine Art Drohnenarmee sowie einen
funktionierenden Heimatschutz über die bislang geplante neue Division hinaus.
Das Personal dafür soll sich auch aus
einem neuen Wehrdienst speisen, wobei Kasernen und Unterkünfte derzeit der
Engpass sind. Das bisherige Sondervermögen hat eine
eng gefasste Zweckbestimmung und beschränkt Investitionen in Infrastruktur.
Noch völlig ungeklärt?
Deutschland könnte sich im Falle einer
Einigung am nuklearen Abschreckungspotenzial Frankreichs und Großbritanniens beteiligen.
Warum braucht der Bund so viel Geld für die Infrastruktur?
Marode Brücken und Schienen, Baustellen auf Straßen.
Bei der Verkehrsinfrastruktur gibt es einen riesigen Investitionsstau.
Zitat Der Güter- und Personenverkehr wird durch die
Überalte der Infrastruktur mittlerweile deutlich eingeschränkt.
Was die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands beeinträchtigt, heißt es im
Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen.
Der Bundesverband der deutschen Industrie hat errechnet, dass innerhalb von zehn
Jahren zusätzliche Mittel von rund 160 Milliarden Euro notwendig sind für das
Schienennetz, für Autobahnen und Bundesstraßen, die Brückenerneuerung,
Bundeswasserstraßen, für Häfen und den Ausbau des ÖPNV.
Der BDI sieht außerdem einen Bedarf von zusätzlichen 100 Milliarden Euro für die
Bildungsinfrastruktur, also für Kitas, Schulen und Hochschulen,
sowie von 56 Milliarden Euro für Gebäude und Wohnen.
CSU-Chef Markus Söder sprach von einem
Wirtschafts- und Infrastrukturpaket XXL, das in der Größe einmalig sei in Deutschland.
Es gehe auch um die Stärkung der
Energieversorgung, um Bau, Kinderbetreuung, digitale Schulen und Krankenhäuser.
Was könnte ein Sondervermögen Infrastruktur bewirken?
Bisher muss bei den Gesprächen über den
Bundeshaushalt jedes Jahr über Investitionen in die Infrastruktur verhandelt
werden, also nach Kassenlage, abhängig von Konjunktur und Steuereinnahmen.
Ein Sondervermögen schafft eine verlässliche
Finanzierungsperspektive sowie Planungssicherheit für Auftraggeber,
Ingenieurbüros und die Bauwirtschaft.
Sondervermögen böten die Vorteile, finanzielle Mittel zweckgebunden sowie mit
klar definierten Zielvorgaben einzusetzen und Planungssicherheit für
Infrastrukturprojekte zu schaffen, heißt es im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.
Zitat, ein langfristig geschnürtes Paket
könnte den Bau einer ökologischen und zukunftssicheren Infrastruktur endlich vom
jährlichen Haushaltszank befreien, sagte Greenpeace-Verkehrsexpertin Lena Donath.
Der Interessenverband Allianz Pro Schiene
sieht die Chance, den gigantischen Sanierungsstau bei der Schiene abzubauen.
