In dem am 05. September 2022 von Prof. Dr. Fröhlich-Gildhoff veröffentlichten Positionspapier warnen über 150 WissenschaftlerInnen vor dem Kollaps des Kita-Systems. Der Fachkräftemangel an qualifizierten Erzieher und Erzieherinnen ist jetzt schon immens und wächst immer weiter (bis 2025 über 179.000 fehlende Kräfte), die Quote psychisch erkrankter Kinder ist in den letzten Jahren von 20% auf 30% gestiegen und auch die Erzieher und Erzieherinnen sind im Vergleich zu anderen Berufsgruppen häufiger krank, Grund sind auffällig oft psychische Erkrankungen wie Burn Out und/oder Depressionen. In dem Positionspapier werden die 4 Hauptfolgen genannt und zusätzlich werden klare Forderungen an die Politik gestellt.
0:00 - Einleitung 0:38 - Das System steht kurz vor dem Kollaps 1:13 - Die Arbeit ist nicht mehr gewissenhaft ausführbar 1:24 - Systematische Aufsichtspflichtverletzungen 1:51 - Ein Blick in die Zukunft - bis 2025 fehlen 179.000 Fachkräfte 2:12 - 30% der Kinder sind psychisch erkrankt 2:31 - Das Positionspapier von Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff 3:21 - Die 4 Hauptfolgen 3:25 - 1. Anzahl psychisch erkrankter Kinder hat sich deutlich erhöht 3:35 - 2. Häusliche und familiäre Gewalt steigt 3:42 - 3. Fachkräftemangel wird immer extremer 3:58 - 4. ErzieherInnen sind häufiger aufgrund psychischer Belastungen krank 4:15 - Der Kollaps - Kinderrechte und Bedürfnisse werden verletzt 4:41 - Forderungen an die Politik 4:56 - Kurzfristige Änderungen die schnell umgesetzt werden müssen 5:56 - Mittel und langfristige Forderungen und Änderungen 7:45 - An wen gehen diese Forderungen? 8:36 - Wie sind deine Erfahrungen mit dem Thema?
Am 5. September ist ein von dem renommierten Professor Klaus Fröhlich-Gildhoff koordiniertes Positionspapier
zur aktuellen Lage und Situation des deutschen Kitasystems veröffentlicht worden.
Über 150 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen warnen in diesem Positionspapier die Politik
ganz eindrücklich vor dem Kollaps und Zusammenbruch des Kitasystems in naher Zukunft.
Diese Warnungen belegen sie mit Zahlen und nennen klare Punkte, welche sich sofort ändern müssen.
Welche Gründe genau genannt werden und was sich ändern muss, erfährst du in diesem Video.
Die Situation und die Rahmenbedingungen in deutschen Kitas sind schlecht,
und sie sind in den letzten Jahren immer schlechter geworden.
Als etwas nicht stimmt und Dinge nicht passen, haben die meisten Fachkräfte schon selbst in ihrer Praxis erlebt.
Die Äußerungen und Förderungen seitens der Fachkräfte werden von Gesellschaft und Politik
aber einfach überhaupt nicht ernst genommen.
Wenn wir Glück haben, dann wird für unseren unermüdlichen Einsatz mal geklatscht.
Die Situation und die Rahmenbedingungen, die Ressourcen und Möglichkeiten,
die dem Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung zur Verfügung gestellt werden,
sind mehr als katastrophal.
Es geht nicht mehr darum, dass die eine oder andere pädagogische Fachkraft mal einen stressigen Tag hat
und sich einfach ein entspannteres Arbeitsumfeld wünscht.
Es geht darum, dass die Bedingungen teilweise so miserabel sind, dass die Arbeit nicht ausgeführt werden kann.
Es an vielen Stellen sogar so weit kommt, dass die Aufsichtspflicht systematisch verletzt wird,
da der Träger und die Leitung ansonsten den gesamten Betrieb stilllegen müsste.
Das ist nicht rechtens und hochgradig gefährlich.
Passiert etwas, dann ist es die pädagogische Fachkraft bzw. die Leitung,
die wegen fahrlässiger Körperverletzung angezeigt wird.
Die Bedingungen sind so, als müssten ein Chirurg eine Hirn-OP mit einem verrosteten Hammer durchführen.
Die Perspektive ist noch grausiger.
Der Fachkräftemangel steigt immer weiter an.
Bis 2025 fehlen laut vorsichtigen Schätzungen 179.000 ausgebildete Fachkräfte für den Bereich.
Und der Rechtsanspruch und Kita-Ausbau wird von der Politik immer weiter ausgebaut.
Die Anforderungen werden immer größer, die zur Verfügung gestellten Ressourcen und Rahmenbedingungen immer schlechter.
Mittlerweile sind 30% der Kinder psychisch erkrankt
und auch die Erzieher und Erzieherinnen immer öfter aufgrund von psychischen Weh- und Überlastungen außer Gefecht gesetzt.
Das ist keine Situation mehr, aus der man vorsichtig um Änderungen bitten sollte.
Es ist eine Situation, die sich sofort ändern muss.
Prof. Dr. Fröhlich-Gildhoff hat in Zusammenarbeit mit vielen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen
ein Positionspapier dazu verfasst, zu den drastischen Folgen und den notwendigen Änderungen.
Insgesamt wird dieses Positionspapier von über 150 Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen vertreten,
darunter unzähligen Spezialisten und Fachexpertinnen auf dem Bereich der frühkindlichen Bildung.
In dem Papier wird von den Wissenschaftlern, die von ihrem Naturell her nicht dem Drama zugeneigt sind,
der Kollaps und der Zusammenbruch des Kita-Systems prognostiziert,
vor allem wenn sich nicht maßgeblich grundlegende Dinge ändern.
Zu allen Aussagen sind im Positionspapier die Quellen angegeben.
Ich verlinke dir das Positionspapier von Klaus Fröhlich-Gildhoff in der Videobeschreibung.
Für mehr Details und weitere Infos schau doch auch dort einmal rein.
Schauen wir uns jetzt zuerst die vier herausgearbeiteten Folgen an.
1. Die Anzahl der psychisch erkrankten Kinder hat sich in den letzten Jahren
vor allem als Folge der Pandemie von 20% auf 30% erhöht.
2. Die Spannungen, Konflikte und Indizien zu häuslicher und familiärer Gewalt sind gestiegen.
3. Der Fachkräftemangel ist real und wird immer drastischer.
Bis zum Jahr 2025 fehlen laut konservativer Schätzung bis zu 179.000 Fachkräfte.
Die Situation wird perspektivisch schlechter anstatt besser.
4. Die Belastung der pädagogischen Fachkräfte ist im Vergleich zu anderen Berufsgruppen
schon seit Jahren deutlich höher.
Vor allem in den letzten Jahren fallen viele Fachkräfte aufgrund psychischer Überforderung,
also beispielsweise Burnout und Depression, aus.
Auf Grundlage dieser Folgen befürchten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen
eine weitere Abwärtsspirale der Qualität in Kindertageseinrichtungen
und somit einen Kollaps des Systems.
Die aktuelle Situation widerspricht den Grundrechten und den Grundbedürfnissen von Kindern
und verletzt diese im großen Maße.
Es entwickelt sich dahin, dass sich die Einrichtungen von Lebens- und Lernorten
hin zu bloßen Aufbewahrungsstätten entwickeln und es zum Teil sogar schon sind.
Es gibt klare und konkrete Forderungen seitens des Positionspapiers.
Diese werden einerseits in kurzfristige und andererseits in mittel- und langfristige Forderungen eingeteilt.
Wollen wir uns diese anschauen und beginnen mit den kurzfristigen Forderungen.
Die Einschränkung von Öffnungszeiten und oder vorübergehender Schließungen
ohne finanzielle Restriktionen muss auf unkomplizierte Weise ermöglicht werden,
wenn die Einhaltung des Mindestpersonalschlüssels nicht gewährleistet ist.
Pädagogische Fachkräfte müssen von Verwaltungs- und hauswirtschaftlichen Aufgaben
durch Assistenz- und Verwaltungskräfte entlastet werden.
Es muss eine schnelle Debürokratisierung von Genehmigungs-, Abrechnungs- und Antragsverfahren erfolgen,
die Leitungen und Fachkräfte übermäßig belasten und unnötigerweise pädagogisch notwendige Kapazitäten binden.
Bei der Einstellung von nicht einschlägig ausgebildeten Personen
muss deren Weiterqualifizierung zur pädagogischen Fachkraft gesichert werden.
Zudem müssen zusätzlich Kapazitäten zur Einarbeitung und Anleitung geschaffen werden,
da ansonsten die Belastungen der Fachkräfte weiter steigen.
Es ist eine pragmatische Aufgabenfokussierung auf pädagogisches Handeln
zum Wohle der Kinder und zu ihrer Förderung erforderlich.
Die mittel- und langfristigen Forderungen des Positionspapiers sehen wie folgt aus.
Die Ausbildungskapazitäten deutlich zu erhöhen,
bewährte Modelle wie die bezahlten praxisintegrierten Ausbildungen auszubauen
sowie flächendeckend Anerkennungen für Personen mit ausländischen Qualifikationen
aus dem pädagogischen Feld zu ermöglichen.
Die Kapazitäten in den Studiengängen Bachelor Kindheitspädagogik deutlich zu erweitern.
Die Fachkraft Kindrelation substanziell zu verbessern,
um die vielfach wissenschaftlich formulierten Standards zu erfüllen.
Im Bereich der Kinder unter 3 maximal 1 zu 3,
bei Kindern über 3 Jahren 1 zu 5 bis 1 zu 7.
In den Teams ausreichende Vertretungskapazitäten,
z.B. durch feste Vertretungskräfte bzw. Springer und Springerinnen,
zusätzlich zur Verfügung zu stellen, um pädagogische Qualität zu garantieren
und Fehlzeiten durch Krankheit Fortbildungen besser kompensieren zu können.
Das Positions- und Entlohnungsgefüge in den Kitas weiter zu entwickeln,
um langfristige Entwicklungsperspektiven für Fachkräfte zu bieten,
die ansonsten das Arbeitsfeld wieder verlassen.
Die Zeiten für mittelbare pädagogische Tätigkeiten in ausreichendem Maße,
mindestens 20% der Arbeitszeit festzuschreiben
Die Leitungskapazitäten sowie Unterstützungssysteme,
Fachberatungen, Teamentwicklungsprozesse, Supervisionen,
Fort- und Weiterbildung substanziell auszubauen.
Partizipative Qualitätsmanagementsysteme und systematische Formen
der Organisationsentwicklungsprozesse zu etablieren,
die in den Einrichtungen die Berücksichtigung der Rechte und Interessen von Kindern
und die Beteiligungsmöglichkeiten von Eltern und Familien absichern.
Diese Forderungen werden vor allem an Politiker und Politikerinnen auf allen Ebenen gerichtet.
Verbund über die Länder bis hin zu den einzelnen Kommunen.
Um auf diese Umstände, die Folgen und die Forderungen aufmerksam zu machen,
kannst du das Positionspapier oder auch dieses Video verbreiten.
Zeige es deinen Kollegen und Kolleginnen, der Leitung, dem Träger
oder schicke es an zuständige Politiker und Politikerinnen.
Unsere aktuelle Familienministerin Lisa Paus freut sich sicherlich,
wenn sie von einigen Personen auf die Umstände aufmerksam gemacht wird.
Sie weiß sicher gar nichts von den Zuständen,
sonst hätte sie ja mit Sicherheit schon längst reagiert.
Übrigens zum Thema Personalmangel, psychischen Erkrankungen bei Erzieher und Erzieherinnen,
die grundlegende Personalfehlplanung und dazu, was eine Überlastungsanzeige ist
und wie man diese schreibt, erscheinen auf dem Kanal bald noch Videos.
Wie sind deine Erfahrungen mit dem Thema?
Wie stellt sich deine aktuelle berufliche Situation dar?
Wie gehst du, wie geht deine Einrichtung mit dem Fachkräftemangel um?
Schreib dazu doch gerne einen Kommentar.
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Für weitere Infos schaue doch mal auf der Homepage www.erzieherkanal.de vorbei.
Vielen Dank und bis zum nächsten Mal. Simon vom Erzieherkanal.