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Was willst du denn werden, mein Junge?
fragt mein Vater.
Ich will studieren, antworte ich.
Die Natur, die menschliche Anatomie, die Elemente.
Ich will Medizin studieren.
Medizin?
Gut, aber hier in der Schweiz gibt es nicht die richtige Universität für dich.
Da musst du nach Deutschland.
Im Süden, in Ingolstadt, gibt es eine gute Fakultät.
In Ingolstadt?
Ingolstadt ist klein und weit weg von zu Hause.
Ich bin traurig. Traurig und allein.
Mein Vater ist in Genf.
In Genf lebt auch Elisabeth, meine Verlobte.
Sie schreiben mir.
Meine Mutter ist gestorben.
Was mache ich noch in Ingolstadt?
Meine Kommilitonen sind nett.
Aber die Vorlesungen sind nicht sehr interessant.
Die Professoren lesen aus alten Büchern vor.
Ist das die Wissenschaft?
Ich weiß nicht.
Soll ich nach Hause zurückfahren?
Mein Professor.
Professor Waldmann ist anders.
Er ist Chemiker.
Und was er sagt, ist neu und faszinierend.
Was hält die Natur zusammen?
Wie funktioniert der Körper?
Für die moderne Wissenschaft gibt es kein Mysterium mehr, sagt Waldmann.
Wir können alles erklären.
Und dann?
Machen wir es nach.
Was die Natur kann, können wir auch.
Der Wissenschaftler ist ein Gott.
Ja, ich will Wissenschaftler werden.
Alles erklären.
Alles verstehen und eines Tages nachmachen können.
Besser als die Natur.
Morgen gehe ich zu Professor Waldmann.
Ich studiere.
Ich bin fleißig.
Ja, ich studiere Tag und Nacht.
Der menschliche Körper interessiert mich.
Woher kommt das Leben, frage ich mich.
Was ist der Tod?
Tote kann ich studieren.
Ich seziere Leichen Tag und Nacht.
Die anderen denken vielleicht, der Frankenstein ist verrückt.
Aber ich bin nicht verrückt.
Ich will wissen.
Ich arbeite.
Mein Vater schreibt mir oft.
Kommst du nicht zurück?
fragt er.
Auch Elisabeth schreibt.
Ich antworte nur kurz.
Ich komme bald zurück, antworte ich.
Aber ich bleibe in Ingolstadt.
Ich muss studieren, muss arbeiten.
Keine Zeit.
Die Wissenschaft.
Ich bin immer im Labor.
Einen ganzen Sommer lang.
Die Sonne, die Blumen, die Welt.
Ich sehe nichts mehr.
Immer wieder kommen Briefe aus Genf.
Aber ich antworte nicht mehr.
Keine Zeit.
Ich will nichts hören.
Will niemanden sehen.
Ich weiß.
Ich bin dem Ziel ganz nahe.
Das Geheimnis des Lebens.
Die Kreatur.
Mein Experiment.
Es ist Nacht.
Kein Mensch ist auf der Straße.
Alle sind zu Hause.
Es ist kalt.
Heute Abend gibt es ein Gewitter.
Es regnet.
Ich gehe in mein Labor.
Heute ist ein großer Tag.
Heute muss ich
das Experiment machen.
Das Experiment meines Lebens.
Ich schaffe einen Menschen.
Niemand weiß etwas.
Ich habe keine Hilfe.
Ich bin allein.
Ein Monster.
Seit zwei Jahren arbeite ich
an diesem Experiment.
Ich denke nur noch an meine Kreatur.
Mein Kind.
Schön, gut und klug.
Mein Sohn.
Mein Geschöpf.
Der Kontakt ist da.
Elektrische Energie.
Nichts.
Noch einmal.
Er steht langsam auf.
Er steht vor mir.
Er öffnet die Augen und sieht mich an.
Oh Gott, seine Augen sind gelb.
Die Haare lang und schwarz.
Er ist sehr groß.
Zwei Meter.
Noch größer.
Ein Monster.
Ich laufe weg.
Ich gehe nach Hause.
Die Kreatur bleibt im Labor.
Vielleicht ist es nur ein Traum,
sage ich mir.
Es gibt kein Monster.
Ich gehe schlafen.
Ich träume.
Im Traum sehe ich Elisabeth.
Sie liegt vor mir.
Sie ist tot.
Ich öffne die Augen
und da steht es.
Das Monster steht neben meinem Bett
und sieht mich an.
Ich schreie.
Ich laufe aus meiner Wohnung.
Auf die Straße.
Ich laufe durch die Straßen von Ingolstadt.
Bin ich verrückt?
Ich habe Angst.
Ich kann nicht in meine Wohnung zurück.
Es ist da, denke ich.
Oder ist es im Labor?
Das Monster.
Ein Freund.
Victor.
Den Mann kenne ich.
Ein Freund aus Genf.
Henri Clerval.
Was macht er hier?
Ich studiere jetzt auch Medizin in Ingolstadt,
erklärt er mir.
Ach so.
Mehr sage ich nicht.
Was soll ich sagen?
Victor, was ist denn mit dir?
Ist etwas?
Nein, nein, antworte ich schnell.
Es ist nichts, nichts.
Ich bin nur ein bisschen müde.
Zu viel Arbeit.
Ich gehe nach Hause.
Ich muss schlafen.
Henri geht neben mir die Straße entlang.
Warum lässt er mich nicht allein?
In meiner Wohnung wartet vielleicht das Monster.
Was sage ich Henri?
Nur ein Traum?
In der Wohnung ist niemand.
Das Monster ist weg.
Schnell ins Labor.
Auch nichts.
Das kann doch nicht sein.
Meine Experimente.
Die Kreatur.
Nur ein Traum?
Mir wird schwarz vor Augen.
Ich kann nicht mehr.
Henri hilft mir.
Du hast Fieber.
Du bist krank, Victor, sagt er.
Er bringt mich ins Bett.
In den nächsten Wochen kann ich nicht aufstehen.
Henri bleibt die ganze Zeit bei mir.
Im Frühling geht es mir wieder besser.
Ich danke Henri.
Du bist ein guter Freund, sage ich.
Ein Brief.
Henri gibt mir einen Brief.
Er ist von Elisabeth.
Victor, was ist mit dir?
Warum schreibst du nicht mehr?
Wann kommst du zurück?
Sofort setze ich mich an den Tisch
und schreibe an Elisabeth
und an meinen Vater.
Macht euch keine Gedanken, schreibe ich.
Es ist alles in Ordnung.
Wann ich zurückkomme?
Ich weiß es noch nicht.
Ich muss erst mein Studium beenden.
Dann komme ich nach Genf
und sehe endlich meine geliebte Elisabeth wieder.
Ich denke oft an sie.
Von ganzem Herzen
möchte ich nach Genf zurück
und meine Familie wiedersehen.
Aber es geht nicht.
Nicht jetzt.
Es gibt da noch etwas.
Der Brief.
Ich bleibe noch ein Jahr in Ingolstadt.
Medizin studiere ich nicht mehr.
Henri und ich gehen viel spazieren.
Eines Morgens
kommt ein Brief von meinem Vater.
William,
mein jüngster Bruder, ist tot.
Die Polizei sucht
den Mörder.
Das kann doch nicht sein.
Ermordet? Mein kleiner Bruder?
Ich muss nach Genf zurück.
Schnell.
Meine Familie braucht mich.
Ich fahre los.
Zu Hause.
Am nächsten Morgen
bin ich im Haus meines Vaters.
Elisabeth ist auch da.
Sie ist sehr traurig.
Der kleine William,
sagt sie,
ermordet von Justine.
Verstehe ich richtig?
Justine? Das kann doch nicht sein.
Justine ist die Kinderfrau.
Sie liebt Kinder über alles.
Doch.
Justine ist weg.
Die Polizei sucht sie noch.
Dann erzählt Elisabeth mir alles.
Am Sonntag
machen wir, wie so oft,
einen Spaziergang am Mont Blanc.
Auf einmal sehe ich
William nicht mehr.
William? Wo ist der Junge?
frage ich Justine.
Aber auch Justine weiß es nicht.
Wir suchen und suchen.
Dann finden wir ihn.
Tot.
William.
Sie spricht nicht weiter.
Am Mont Blanc.
Ich will sehen, wo es passiert ist.
Mein kleiner Bruder.
Es ist sehr kalt.
Es schneit.
Ich gehe den Weg entlang.
Da ist es. Da.
Auf einmal sehe ich es.
Sie, die Kreatur.
Da steht das Monster,
das Ding aus meinem Labor.
Es sieht mich an.
Ich laufe weg. Ich kann nicht mehr.
Was soll ich tun?
Der Mörder.
Ist die Kreatur der Mörder?
Ich weiß es nicht.
Zu Hause sprechen alle von Justine.
In ihren Taschen
findet man ein Medaillon von William.
Nun ist alles klar,
sagen sie.
Die Mörderin ist Justine.
Ich weiß es besser.
Soll ich etwas sagen?
Von meiner Kreatur erzählen?
Wer soll mir das glauben?
Das ist alles absurd.
Justine.
Der Prozess ist kurz.
Keine Frage.
Justine ist die Mörderin.
Sie muss sterben.
Am nächsten Tag ist auch sie tot.
Warum habe ich nichts gesagt?
Traurig.
William und Justine
sind tot.
Der Mörder ist
meine Kreatur.
Wie soll ich damit leben?
Ich bin immer noch traurig
und deprimiert.
Auch mein Vater und Elisabeth
sind sehr traurig.
Ich liebe Elisabeth
und will sie heiraten.
Aber wie soll sie mit mir glücklich werden?
Mit mir?
Ich bin selten zu Hause.
Ich wandere in den Bergen.
Dort, allein in der Natur, geht es mir besser.
In den Bergen.
Eines Tages wandere ich
wieder in den Bergen.
Es ist kalt.
Es liegt Schnee.
Viel Schnee.
Kein Mensch zu sehen.
So liebe ich die Berge.
Ich will allein sein.
Ich wandere immer weiter.
Ich komme bis zum Gletscher.
Auf dem Eis kann ich nicht weiter.
Ich setze mich auf meinen Rucksack.
Vor mir sehe ich den Mont Blanc.
Er ist wunderschön.
Einen Moment lang bin ich glücklich.
Doch da kommt jemand.
Er läuft auf mich zu.
Was will er von mir?
Er ist sehr groß und robust.
Er kommt immer näher.
Das kann.
Er ist es.
Das Monster.
Meine Kreatur.
Teufel!
schreie ich.
Mörder!
Ich hasse dich.
Ich will dich nicht sehen.
Geh weg!
Schon steht er vor mir.
Ich weiß, sagt er.
Alle hassen mich.
Auch du hasst mich.
Du, mein Vater.
Dein Vater?
Was sagst du da?
Ich bin doch nicht dein Vater.
Wer denn?
Du hast mich geschaffen.
Ich bin dein Sohn.
Und du hasst mich.
Was soll ich sagen?
Ja, er ist meine Kreatur.
Ich bin sein Vater.
Wer sonst?
Er hat recht.
Und nun?
Muss ich etwas für meinen Sohn tun?
Ihm helfen?
Was willst du von mir, frage ich ihn.
Du musst mir helfen.
Du musst, verstehst du?
Sonst müssen alle sterben.
Was heißt das, alle?
Alle.
Dein Vater.
Dein Freund Henri.
Deine Verlobte Elisabeth.
Du musst mich verstehen.
Wir gehen zu seiner Hütte.
Er macht ein Feuer an.
Die Geschichte des Monsters.
Ich bin sehr unglücklich, Victor.
Du weißt nicht, wie sehr.
Ich bin groß und hässlich.
Die Leute haben Angst vor mir.
Er ist so hässlich,
sagen sie.
Da ist er sicher auch böse.
Niemand will mit mir sprechen.
Ich bin so allein.
Ich habe keine Freunde,
keine Familie.
Was willst du?
Du bist böse.
Nein, das ist nicht wahr.
Ich bin nicht böse.
Ich bin gut.
Ach nein, gut, wie?
Du bist der Mörder eines kleinen Kindes.
Er antwortet nicht.
Nicht sofort.
Er denkt nach.
Ja,
sagt er dann.
Das ist wahr, aber...
Es ist wahr!
Du bist Williams Mörder,
schreie ich.
Warum ermorde ich ihn nicht?
Mit meinen Händen?
Hier und jetzt?
Er spricht weiter.
Hör mich an!
William!
Es ist Abend.
Ich bin in der Nähe von Genf.
Ich bin müde,
sehr müde.
Die Leute laufen vor mir weg.
Ein Monster, ein Monster,
rufen sie.
Alle, die mich sehen.
Immer nur, ein Monster!
Und niemand will mir helfen.
Ich setze mich unter einen Baum.
Da sehe ich ein Kind,
ein schönes Kind,
noch ganz klein.
So ein Kind, denke ich,
das weiß noch nichts von Monstern.
Das kann keine Angst vor mir haben.
Ich gehe zu ihm,
will es in den Arm nehmen.
Da beginnt es zu schreien.
Es schreit und schreit.
Geh weg, du Monster!
Schrei doch nicht, mein Junge,
sage ich zu ihm.
Ich will dir nichts tun.
Es schreit wieder.
Lass mich, Monster, geh weg!
Du willst mich töten,
und dann frisst du mich auf.
Ich versuche es noch einmal.
Aber nein, sage ich.
Keine Angst, Kleiner.
Weg, Monster, weg!
Ich stehe vor ihm.
Es sieht mich an.
Es schreit immer wieder.
Weg, weg!
Geh weg!
Sonst rufe ich meinen Vater.
Das ist ein wichtiger Mann.
Alle kennen Herrn Frankenstein.
Alle helfen ihm gern.
Frankenstein?
Ich kann es nicht glauben.
Die Familie von Victor Frankenstein?
Von dem Mann,
den ich hasse wie nichts auf der Welt?
Der Junge schreit immer noch.
Ich lege ihm meine Hände um den Hals.
Er ist sofort tot.
Tu etwas für mich,
Victor Frankenstein.
Das Kind ist tot.
Ich gehe weg.
Immer weiter.
Jetzt lebe ich hier in den Bergen.
Ich bin allein und traurig.
Niemand liebt mich.
Niemand kann mich lieben.
Nur jemand, der so ist wie ich.
Ein Monster,
wie ich eines bin.
Ich will eine Frau, Victor.
Keinen Menschen, Victor.
Eine Kreatur, wie ich selbst eine bin.
Schaffe mir eine Frau.
Das geht nicht.
Nein!
schreie ich. Nein!
Noch ein Monster?
Niemals!
Warum denn nicht, Victor?
Ein bisschen Liebe.
Bitte.
Noch so ein Monster?
Hässlich und böse wie du?
Niemals!
Ich bin doch nicht von Natur aus böse, Victor.
Die Menschen machen mich böse.
Ich brauche eine Frau.
Dann sind wir Monster für die anderen,
aber zu zweit können wir glücklich sein.
Frankenstein,
du musst es tun.
Was soll ich ihm sagen?
Was soll ich tun?
Das Monster spricht weiter.
Ich will ja nicht hierbleiben, Victor.
Mit ihr kann ich nach Südamerika fahren.
Da können wir unter den Bäumen schlafen
und von den Früchten des Waldes leben.
Die Antwort.
Gut, antworte ich.
Ich schaffe eine Frau für dich.
Und du gehst aus Europa fort.
Für immer.
Schön,
sagt die Kreatur.
Jetzt gehst du nach Hause
und beginnst mit der Arbeit.
Sofort, hörst du?
Sonst?
Ich bin immer in deiner Nähe.
Das Monster geht fort.
Ich bin wieder allein.
Liebe ich Elisabeth?
Am nächsten Morgen
nimmt mich mein Vater am Arm und fragt.
Victor,
sag die Wahrheit.
Liebst du Elisabeth noch?
Ja, sehr, Vater.
Ich liebe sie wie am ersten Tag.
Warum heiratest du sie dann nicht?
Sie wartet schon so lange.
Er hat recht.
Ich gehe zu ihr.
Elisabeth,
willst du meine Frau werden,
frage ich.
Ja, Victor, ich will,
antwortet sie.
Ich habe schon so lange auf diesen Moment gewartet.
Noch im Sommer
heiraten wir, Elisabeth.
Doch erst habe ich noch etwas zu erledigen.
Wissenschaftliche Arbeit,
verstehst du?
Ich muss erst noch nach England.
Dann können wir heiraten.
Bei der Arbeit?
Ich fahre nach England.
Auf einer der Orkney-Inseln
finde ich, was ich suche.
Ruhe.
Niemand soll mich bei der Arbeit sehen.
Hier bin ich allein.
Nur manchmal, in der Nacht,
zieht mir jemand durchs Fenster
bei der Arbeit zu.
Ich weiß.
Es ist das Monster.
Ich arbeite für ihn.
Tag und Nacht.
Die Sache ist kompliziert.
Oft weiß ich nicht weiter.
Dann liege ich zwei oder drei Tage
im Bett und denke nach.
Es geht nicht, sage ich mir.
Ich darf es nicht tun.
Dann stehe ich wieder auf
und arbeite weiter.
Eine Monsterfamilie?
Ich bin fast fertig
und doch bin ich unruhig und unglücklich.
Eine Frau für das Monster.
Auch die neue Kreatur ist perfekt.
Vielleicht können sie Kinder bekommen.
Monsterkinder.
Eine Familie.
Dann werden es immer mehr.
Und ich?
Ich soll ihnen die Frau schaffen?
Ich sehe das Monster am Fenster stehen.
So hässlich.
Hässlich und böse.
Nein.
Ich darf das nicht tun.
Ich nehme ein Messer.
Ich zerstöre, was da auf meinem Tisch liegt.
Ich zerstöre meine Arbeit.
Das Monster vor dem Fenster sieht alles.
Es schreit.
Nein.
Es läuft weg.
Noch lange Zeit höre ich seine Schreie.
Am nächsten Tag steht es vor der Tür.
Ich bin da,
sagt es.
Ich bin immer noch da.
Bei dir.
Auch am Tag deiner Hochzeit.
Elisabeth.
Dein Vater.
Dein Freund Henri.
Ich bin in deiner Nähe.
Ein Brief von Henri.
Lieber Victor.
Ich bin auch in England.
In London.
In zwei Wochen fährt mein Schiff nach Indien.
Ich habe Sanskrit und Hindi gelernt.
Jetzt möchte ich die Kultur
und die Menschen dort kennenlernen.
Können wir uns treffen?
Ich fahre heute noch nach Perth.
Das ist bei dir in der Nähe.
Ich warte dort auf dich.
Dein Henri.
In Perth.
Auch für mich ist die Zeit zur Abreise gekommen.
Es gibt hier für mich
nichts mehr zu tun.
Ich packe meine Sachen ins Boot
und fahre nach Perth.
Ich fahre nachts.
Angst habe ich nicht.
Was soll mir noch passieren?
Morgens lege ich in Perth an.
Da kommen zwei Männer zu mir.
Victor Frankenstein?
Kommen sie mit?
Was ist denn los?
Was wollen sie von mir?
Herr Curvin will mit Ihnen sprechen.
Und wer ist dieser Herr?
Das ist der Richter.
Und sie sind ein Mörder.
Mit Elisabeth zusammen.
Noch ein Mord.
Herr Curvin ist ein älterer Gentleman.
Er ist sehr freundlich.
Warum bin ich hier?
Frage ich ihn.
Ich verstehe nicht.
Eine Person ist tot.
Antwortet er.
Mord?
Wer ist tot?
Kommen Sie, sagt Herr Curvin.
Wir gehen zu einem Haus.
Curvin macht eine Tür auf.
Auf dem Boden liegt ein Toter.
Es ist Henri.
Das ist Henri, mein Freund!
Ich bin nicht der Mörder!
Schreie ich.
Wo waren Sie gestern Nacht?
Gestern Nacht? Frage ich.
Ja, antworten Sie auf meine Frage.
Auf dem Boot, auf dem Meer.
Weit weg von hier.
Waren Sie allein?
Nein.
Der Fischer und seine Frau waren bei mir.
Das müssen wir natürlich kontrollieren.
Sie verstehen.
Nur nach Hause.
Der Fischer und seine Frau sagen es auch.
Ich war mit ihnen auf dem Boot.
Ich bin nicht der Mörder.
Herr Curvin entschuldigt sich bei mir.
Sie sind frei, Herr Frankenstein.
Frei?
Das Monster ist frei.
Es ermordet einen nach dem anderen.
William ist tot.
Justine.
Und jetzt auch Henri, mein bester Freund.
Das Monster will alle töten.
Wer ist der Nächste?
Was soll ich tun?
Ich weiß nicht weiter.
Ich werde krank.
Ich bekomme Fieber.
Wochenlang komme ich nicht mehr aus dem Bett.
Mein Vater.
Herr Curvin schreibt meinem Vater.
Eines Morgens steht er neben meinem Bett.
Vater.
Komm nach Hause, Victor, sagt er.
Lass die Toten ruhen.
Es ist nicht leicht.
Ich weiß.
Denk an Elisabeth.
Sie wartet auf dich.
Hier habe ich einen Brief von ihr.
Geliebter Victor.
Lange schon bist du fort.
Warum kommst du nicht nach Hause?
Liebst du mich nicht?
Oder liebst du mich mehr wie ein Bruder seine Schwester?
Dann heirate mich nicht.
Aber komm zurück.
Ich liebe dich.
Und ich will nichts als dein Glück.
Deine Elisabeth.
Ich antworte sofort.
Nein, Elisabeth, Geliebte.
Ich liebe dich nicht wie ein Bruder seine Schwester.
Ich will dich zur Frau.
Will dich heiraten.
Du bist mein Glück.
Aber es gibt da etwas.
Ich kann es dir nicht schreiben.
Es ist zu schrecklich.
Ich will es dir am Morgen nach unserer Hochzeit sagen.
Nur dir.
Meiner Frau.
Für immer dein Victor.
In Genf.
Endlich bin ich wieder in Genf.
Bei Elisabeth.
Wir sprechen nur noch von unserer Hochzeit.
Und von unserem Leben zu zweit.
Ich bin glücklich.
So glücklich.
Das Monster ist jetzt nur noch ein schlechter Traum.
Elisabeth ist hier.
Ich bin bei ihr.
Nur wenige Meter von unserem Haus steht eine kleine Kirche.
Dort heiraten wir.
Dann gehen wir auf Hochzeitsreise.
Elisabeth und ich.
Wir fahren nach Italien.
An den Comer See.
Ich bin glücklich.
Zum letzten Mal.
Der Comer See.
Es ist Abend.
Wir sind im Hotel am See.
Es ist windig und regnet.
Ich bin unruhig.
Was ist denn, Victor?
Fragt mich Elisabeth.
Bitte frag mich nicht.
Ich kann es dir nicht sagen.
Noch nicht.
Nur diese Nacht.
Dann ist alles gut.
Aber...
Elisabeth, bitte tu, was ich dir sage.
Geh zu Bett.
Mach dir keine Gedanken.
Und du?
Ich komme auch bald.
Ich muss immer an das Monster denken.
In deiner Hochzeitsnacht bin ich bei dir.
Ich gehe durchs Hotel.
Ich kontrolliere alles.
Nichts.
Es ist ruhig.
Dann stelle ich mich vor Elisabeths Zimmertür.
Nur diese Nacht.
Ich darf nicht schlafen.
Das Monster kann nicht weit sein.
Ein Schrei!
Elisabeth!
Ich reiße die Tür auf.
Elisabeth liegt auf dem Boden.
Sie ist tot.
An ihrem weißen Hals sind rote Flecken.
Niemand ist im Zimmer.
Ich schaue aus dem Fenster.
Da unten steht es, das Monster.
Und winkt mir zu.
Die Rache.
Wieder in Genf.
Elisabeth ist tot.
Doch das Monster lebt noch.
Der Mörder ist frei.
Will er weiter töten?
Meinen Vater, natürlich.
Der letzte meiner Familie.
Ich fahre schnell zurück nach Genf.
Mein Vater lebt noch.
Victor, was machst du hier?
Wo ist deine Frau?
fragt er mich.
Elisabeth ist tot,
antworte ich.
Er mordet.
Elisabeth?
Er versteht nicht sofort.
Elisabeth auch tot?
Er weint.
Elisabeth war wie eine Tochter für mich.
Meine Tochter ist tot?
Erst William,
dann Elisabeth
und dein Freund Henri.
Das kann doch nicht sein,
Victor.
Elisabeth ist tot.
Und ich?
Warum lebe ich noch?
Wenige Tage später
stirbt auch mein Vater.
Es war zu viel für ihn.
Das Monster muss sterben.
Warum sterbe ich nicht auch?
Jetzt bin ich allein auf der Welt.
Allein mit dem Monster.
Erst das Monster,
dann ich, denke ich.
Ich muss es finden,
muss es töten.
Dann kann ich in Ruhe sterben.
Reisen
Wie soll ich das Monster finden?
Niemand kann mir helfen.
Ich verkaufe Haus und Land
und gehe auf Reisen.
Ich reise durch die ganze Welt,
in den Norden, in den Süden,
nach Osten und nach Westen.
Ich muss den Mörder finden,
mein Monster.
Ich muss es töten.
Es ist immer in meiner Nähe.
Hinter mir, vor mir,
neben mir.
Manchmal sehe ich es auch.
Aber es ist immer so schnell.
Und dumm ist es auch nicht.
Eine Nachricht
Eines Tages sehe ich etwas
an einem Baum.
Da steht mein Name.
Und unter dem Namen steht ein Satz.
Komm in den Norden.
Komm aufs Eis.
Ich warte.
Was will er von mir?
Eine Einladung?
Ist es ein Spiel?
Ein Spiel auf Leben und Tod?
Ich weiß nur eins.
Das Monster muss sterben.
Ich will Rache.
Am Nordpol
Die Reise dauert lange.
Ein Schiff bringt mich ganz in den Norden.
Ich wandere allein weiter,
übers Eis,
immer weiter.
Wo ist es?
Ich habe nichts mehr zu essen.
Tagelang gehe ich so durch die Kälte.
Dann komme ich
in ein Dorf.
Man gibt mir etwas zu essen.
Das Monster?
Ja, das war hier,
sagen die Leute.
Ein schreckliches Monster.
Hier kaufe ich einen Schlitten und Hunde.
So bin ich schneller.
Eines Morgens steht es vor mir.
100, vielleicht 200 Meter vor mir.
Jetzt habe ich dich.
Die Hunde laufen schnell.
Zu schnell.
Der Schlitten fällt um.
Ich falle aufs Eis.
Ich sehe das Monster laufen.
Dann sehe ich nichts mehr.
Ist das das Ende?
Das Ende.
Ich wache in einem Bett wieder auf.
Neben dem Bett steht Walton.
Ich kenne ihn vom Schiff.
Ein guter Mann.
Ein Forscher.
Ein Entdecker.
Für die Wissenschaft,
sagt er.
Die Wissenschaft.
So wie ich.
Victor,
sagt er.
Du bist sehr krank.
Ich weiß,
antworte ich.
Das Eis.
Es war so kalt dort,
Walton.
Du bist nicht aufs Schiff zurückgekommen.
Ich habe dich gesucht,
erklärt er mir.
Die Leute vom Dorf haben mir geholfen.
Du hast Fieber.
Du warst lange im Eis.
Viel zu lange, Victor.
Ich weiß nicht.
Du willst,
das heißt, es geht zu Ende mit mir?
Walton antwortet nicht.
Ich habe recht.
Walton,
du musst noch etwas für mich tun.
Was soll ich tun, Victor?
Du musst,
das Monster töten.
Das Monster? Victor?
Ich erzähle ihm alles.
Es geht nur sehr langsam.
Ich bin so müde.
Walton hält meine Hand.
Töte das Monster.
Und jetzt,
lebe wohl, Walton.
Am Ende,
ich kann nicht mehr sprechen.
Ich will endlich schlafen.
Das Monster.
Walton sitzt allein am Tisch.
Sein Freund Victor ist tot.
Er hat nur noch fantasiert,
am Ende.
Das Fieber war so hoch.
Du musst das Monster töten,
hat er gesagt.
Zweimal. Dreimal.
Immer wieder.
Das Monster.
Hier am Nordpol.
Armer Victor.
Da ist jemand an der Tür.
Walton öffnet.
Vor ihm steht ein Mann.
Ein Mann?
So groß und so hässlich ist doch kein Mensch.
Er kommt ins Haus
und setzt sich.
Walton sagt.
Du bist also?
Ja, ich bin das Geschöpf von Dr. Frankenstein,
sagt er.
Dann,
dann ist alles wahr?
Ja,
antwortet das Monster.
Ist Dr. Frankenstein tot?
Ja.
Ich,
sagt das Monster,
bin sein Mörder
und auch seinen kleinen Bruder,
seine Frau,
seinen Freund.
Ich weiß,
Frankenstein hat es mir erzählt.
Verstehen Sie doch,
ich war einmal gut,
aber Frankenstein und alle anderen,
die wollten mich nicht.
Nicht einmal sein kleiner Bruder.
Sie haben in mir ein Monster gesehen
und ein Monster bin ich geworden.
Ich wollte lieben,
nur lieben,
aber die anderen hatten nur Hass für mich.
Nur Hass.
Und jetzt kann ich nur noch hassen.
Aber das ist vorbei.
Frankenstein ist tot
und tot sind
alle, die er liebt.
Jetzt kann ich sterben.
Ich gehe Richtung Norden.
Dann mache ich ein Feuer
und töte mich
und lasse mich ins Feuer fallen.
Das Feuer soll meinen Körper verbrennen.
Nichts soll von mir bleiben.
Niemand soll Reste
des Monsters finden
und ein neues Monster schaffen können.
Ich will sterben.
Dann bin ich endlich nicht mehr unglücklich.
Leben Sie wohl,
sind der letzte Mensch, der mich sieht.
Dann läuft er aus dem Haus,
läuft immer weiter weg.
Bald kann Wolton ihn nicht mehr sehen.