💡 IN DIESER FOLGE ERFÄHRST DU: 🔸 Welche Aspekte für die Selbstregulation essenziell sind 🔸 Welche Rolle Präsenz im Hier und Jetzt spielt, und wie sie trotz Trauma gelingen kann 🔸 Warum Achtsamkeit gegenüber unserem Körper so wichtig ist 🔸 Inwiefern soziale Interaktion grundlegend ist für Selbstregulation
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Hallo und herzlich willkommen hier beim Podcast für kreative Transformation, dem Podcast
für feine Menschen, die ein wahrhaftiges Leben in Verbundenheit und Bewusstheit kreieren
wollen.
Ich bin Verena König und ich freue mich sehr, dass Du da bist, dass Du Dir Zeit nimmst zu
lauschen, dass Du Dich für die Themen, die hier besprochen werden, interessierst und
dass Du mir Dein Vertrauen schenkst.
In dieser heutigen Folge geht es einmal wieder um das Nervensystem und um Nervensystemregulation.
Nachdem eine vor kurzem erschienene Folge mit dem Titel Wie Selbstregulation gelingt
so viele positive Rückmeldungen brachte, dachte ich mir, ich gehe hier nochmal einmal
wieder und vielleicht wieder von einer etwas anderen Seite, einem etwas anderen Blickwinkel
auf dieses Thema ein.
Der Titel dieser Folge ist für meine Verhältnisse, für meinen Stil ziemlich ungewöhnlich.
Drei Schlüssel zu einem regulierten Nervensystem, naja, es gibt ja nun keine schnellen Lösungen
und keine schnellen, kurzen Wege, dennoch möchte ich diesen Titel hier wählen, denn
es geht um eine liebevolle Reduktion von Komplexität.
Ich wünsche Dir ganz wertvolle Erkenntnisse und eine schöne Zeit beim Lauschen.
Drei Schlüssel zu einem regulierten Nervensystem, hmm, also, vielleicht geht es Dir auch so,
dass Du in letzter Zeit wahrnimmst, seit einiger Zeit, dass das Angebot zur Nervensystemregulation
stetig wächst.
Es gibt hunderte Regulationsübungen, ganz viele Bücher dazu, zahllose Videos, Kurse
und so vieles mehr.
Es gibt ein riesiges Angebot, vielleicht sogar zu viel Angebot, im Verhältnis zu der Klarheit,
die es gibt.
Es gibt ein hohes Angebot und wenig Klarheit.
Was ist denn die Essenz der Selbstregulation?
Darum soll es heute gehen.
Die Essenzen der Nervensystemregulation runtergebrochen auf drei Aspekte.
Denn ich erlebe das auch immer wieder in der Praxis oder bekomme es vor allem hier über
die verschiedenen Kanäle online gespiegelt, dass Menschen vieles probieren, auch dann
ganz gezielt im Spektrum der Trauma-Integration, Nervensystemregulation, Vagus, Balance und
so weiter und trotzdem irgendwie nicht wirklich so richtig weiterkommen.
Und das ist dann natürlich doppelt oder dreifach frustrierend, weil man eh das Gefühl kennt,
nicht weiterzukommen.
Dann findet man etwas, was einem versprochen wird als die Lösung für genau das individuelle
Problem, nämlich die Folgen von Trauma und dann wirkt auch das nicht wirklich.
Lass uns mal schauen, woran das liegen könnte und was helfen kann, damit diese Dinge, die
uns angeboten werden, eine Wirkung entfalten können.
Also was ist eigentlich die Essenz von Nervensystemregulation?
Was ist die Essenz eines regulierten Nervensystems?
Ich habe hier drauf eine ganz, ganz einfache Antwort.
Die Essenz der Nervensystemregulation ist die, dass wir zurückfinden zu unserem urmenschlichen
Sein.
Dass wir zurückfinden in die Balance, die unserer Biologie inne wohnt, wenn wir uns
als soziale Wesen, als Wesen mit Bedürfnissen und als Wesen mit einem Körper anerkennen
und entsprechend mit uns umgehen.
Das heißt im Umkehrschluss, es wäre wunderbar und hilfreich, wenn wir all das, was gegen
unsere urmenschliche, wunderbare Natur verstößt oder ihr schadet, weglassen könnten.
Klingt sehr einfach und gleichzeitig unklar oder undifferenziert, weil was bedeutet nun
urmenschlich?
Also aus der Sicht des Nervensystems und aus der Sicht, aus der ich hier darauf schaue,
bedeutet urmenschlich im Grunde wirklich etwas ganz Einfaches.
Nämlich, dass wir uns begreifen und anerkennen und wiedererkennen als Wesen, die ausgesprochen
und äußerst sozial sind.
Unsere soziale Natur ist unser Kern und der Schlüssel zur Gesundheit und dementsprechend
auch zu einem regulierten Nervensystem.
Diese soziale Natur beinhaltet vor allem, dass wir einander brauchen, um Sicherheit
zu empfinden, um zu lernen, um uns selbst entwickeln zu können, um Freude zu erleben
und um so etwas zu spüren wie Geborgenheit in dieser Welt.
Wir können uns natürlich auch alleine freuen und geborgen fühlen im Großen und Ganzen,
aber das ist eine Folge von guten sozialen Erfahrungen, die wir machen konnten, als wir
geprägt wurden.
In unserer heutigen Welt tun wir wahnsinnig viel, was unsere soziale Natur ablenkt, was
sie belagert, was sie verwirrt und beschwert und was uns selbst es immer schwerer macht,
zu spüren, was wir eigentlich wirklich brauchen.
Auf all das werde ich hier Stückchen für Stückchen eingehen.
Dass wir so weit weg sind von unserer sozialen Natur, in unserem Alltag, in der Art und Weise,
wie unsere Gesellschaft funktioniert, ist nach meinem Empfinden auch eine Folge von Trauma,
von individuellen Traumatisierungen und kollektiven Trauma.
Eine Hauptfolge, eine sehr wichtige, eine sehr prominente Folge von Trauma ist tatsächlich
die Entfremdung von uns selbst.
Und wenn ich uns selbst sage, dann meine ich damit auch unsere Menschlichkeit und diese
menschliche Natur.
Was sind also diese drei Dinge, die ich gerne als Schlüssel anbieten möchte und die uns
unterstützen zu unserer Urmenschlichkeit zurückzufinden und dadurch also zu einem
regulierten Nervensystem zu finden?
Zum einen geht es um Präsenz, im weiteren geht es darum, unseren Körper zu achten und
als letztes um soziale Interaktion.
Präsenz, ein Wort, ein großes Wort, unter dem man sich sehr vieles vorstellen kann.
Präsenz meine ich in diesem Zusammenhang hier als das Dasein, das wirklich Anwesendsein
im gegenwärtigen Moment.
Präsent zu sein bedeutet im Hier und Jetzt zu sein und zwar mit allen Sinnen und mit
unserem ganzen Bewusstsein.
Ein disreguliertes Nervensystem ist nicht im Hier und Jetzt, das ist kaum möglich.
Entweder ist dieses Nervensystem auf der Suche nach Gefahr, Bedrohung oder anders gesagt
Sicherheit, das findet dann schon in diesem Hier und Jetzt statt, aber diese Suche und
diese Alarmiertheit ist getrieben aus dem Empfinden aus der Vergangenheit, also aus
einem fixierten Erleben, das aus der Vergangenheit stammt.
Also das Nervensystem, das disreguliert ist infolge von frühen Traumatisierungen oder
generell Traumatisierungen, ist entweder auf der Suche nach Sicherheit beziehungsweise
nach Gefahr aus einer alten Haltung heraus oder es ist generell in der Vergangenheit
zu Hause, weil von dort die Prägungen stammen und dann aus diesen Prägungen heraus wiederum
das Hier und Jetzt wahrgenommen wird, Impulse aus dem Hier und Jetzt interpretiert werden
oder dieses Nervensystem ist mit der Zukunft beschäftigt.
Was könnte als nächstes Schlimmes passieren?
Vor was muss ich mich schützen?
Wovor muss ich mich hüten, damit nicht das und das Schlimmes passiert?
Also das disregulierte Nervensystem ist nicht im Hier und Jetzt verankert, geborgen, zu Hause.
Das hat eben mit den Prägungen zu tun, die noch nicht verarbeitet sind und zum anderen
hat es auch häufig damit zu tun, dass viele Kompensationsstrategien, die aus unaufgearbeiteten
Traumatisierungen stammen, im Grunde zur Ablenkung dienen sollen und zwar zur Ablenkung von
inneren Zuständen, die so unangenehm sind, dass sie sich bedrohlich anfühlen.
Durch diese Empfindung einer Bedrohung aus dem Inneren sind wir dann natürlich dazu
geneigt, uns von uns selbst abzulenken.
Und das wiederum schlägt sich auf unsere Fähigkeit zur Präsenz nieder.
Präsenz ist also generell eine super große Aufgabe, wenn man ein durch Trauma disreguliertes
Nervensystem hat.
Wir müssen es lernen und unserem Nervensystem regelrecht beibringen, anders zu agieren,
also Präsenz kennenzulernen, das Empfinden von Präsenz, vom Sein im Hier und Jetzt zu
erkunden, zu entdecken und zu etablieren.
Wie kann das gelingen?
Ich glaube es ist sehr sehr sehr hilfreich, dass wir hier kleinschrittig vorwärts gehen.
Den kleinstmöglichen Schritt für das größtmögliche Ergebnis und größtmöglich kann wirklich
auch klein sein, aber immerhin ein Ergebnis.
Deswegen rate ich gerne dazu, nach kleinen Momenten zu suchen, nach Mikromomenten, in
denen sich das Hier und Jetzt sicher und gut anfühlt.
Das ist vielleicht der Moment, in dem der Kaffeeduft in deine Nase steigt oder in dem
du die warme Decke über deinen Füßen spürst.
Vielleicht ist dieser Mikromoment des schönen Hier und Jetzts der Blick aus dem Fenster,
wo du die Wolken am Himmel ziehen siehst, das Lächeln deines Kindes oder eine Berührung,
eine Hand auf deiner Schulter, die dir gut tut.
Vielleicht ein Moment, in dem du einfach nur einen bewussten Atemzug nimmst und das Gefühl
hast beim Ausatmen, entspannt sich etwas.
Mikromomente sind wertvoll, so wertvoll, und wir unterschätzen sie völlig in ihrer Kraft.
So ein kleiner winziger Moment ist für das Nervensystem eine wesentliche Information.
Und diesem Nervensystem entgeht das nicht, das Nervensystem nimmt das wohl zur Kenntnis.
Und wenn wir Mikromomente bewusst initiieren, also unser Nervensystem dann auch noch mit
unserem Bewusstsein gehalten ist, sozusagen, können diese Mikromomente noch größere
Wirkungen entfalten.
Also halte die Augen offen, welche winzigen Dinge in deinem Alltag dir gut tun, und mache
dir diese Ressourcen bewusst.
Nutze sie.
Vielleicht kannst du sie auch nach und nach ein wenig dehnen, sodass aus einem Mikromoment
bald ein Moment wird, und irgendwann vielleicht eine Spanne an Zeit, in der du dich in einem
Zustand befindest.
Zu der Präsenz gehört auch das Thema Achtsamkeit.
Das ist ein riesiges Thema, ein riesiges Feld, und es ist da wichtig, dass wir keine zu großen
Erwartungen an uns haben, und vor allem keine Erwartungen, die nicht unserem Nervensystem
– das eben vielleicht ein bisschen speziell funktioniert durch die Prägungen, die wir
erfahren haben – angemessen sind.
Also Achtsamkeit ist etwas, was sehr in Mode geraten ist und was uns auch gesellschaftlich
sicherlich gut tut als eine Strömung, als eine Ausrichtung, die eine gewisse Veränderung
in gewissen Bereichen herbeiführt.
Es ist aber so, dass Achtsamkeit auch etwas ist, was man nicht einfach entscheiden kann
oder was man nicht einfach machen kann, sondern Achtsamkeit ist auch eine Haltung.
Und wenn wir eine Haltung der Achtsamkeit etablieren, dann können wir auch eine Haltung
des Respekts und der Würdigung unserer eigenen gegenwärtigen Fähigkeiten erreichen.
Wenn ich ein Achtsamkeitstraining mache, um Achtsamkeit richtig zu praktizieren, dann
ist das etwas anderes, als wenn ich Achtsamkeit übe, um mir selbst Raum zu geben, in dem
ich mich entwickeln, entspannen oder heilen kann.
Mit Achtsamkeit meine ich also eine Haltung, in die wir uns begeben können, in der wir
für uns selbst wahrnehmend sind, in der wir eine Position einnehmen mit unserem Bewusstsein,
von der aus wir beobachten, von der aus wir uns selbst wahrnehmen, auf eine beobachtende
Art und Weise und auf eine wohlwollende, also nicht urteilende und nicht bewertende Art und Weise.
Wie Du selbst Achtsamkeit praktizieren kannst, um Deine Präsenz zu stärken, ist herauszufinden.
Wir müssen immer das finden, was zu unserem eigenen Nervensystem passt.
Was zum Beispiel ein Manko ist an den ganzen vielen Büchern oder den Übungen, die man
als allgemeingültig angeboten bekommt.
Es ist wichtig, dass Du rausfindest, was für Dich passt.
Worauf reagiert Dein Nervensystem mit einer Entspannung?
All das fördert die Präsenz und Präsenz als ein wesentlicher Schlüssel zum Nervensystem
ist also schon auch eine gewisse Aufgabe.
Aber Du kannst dieses Wort nutzen, um bei all der Fülle an Angebot Dich immer wieder zu fragen,
unterstützt mich dieses Tool, diese Übung, dieses was auch immer in der Stärkung meiner Präsenz?
Unterstützt es mich präsenter zu sein oder lenke ich mich damit eher wieder von mir ab?
Noch ein paar ganz einfache Hinweise, Vorschläge, Angebote, Einladungen,
wie Du Deine Präsenz stärken kannst und damit Deine Urmenschlichkeit mehr in den Fokus nehmen kannst.
Es gibt ein paar Dinge, die Du lassen könntest, die Dich aus der Präsenz herausholen und die
vielleicht mit Kompensationsstrategien verknüpft sind, vielleicht aber auch einfach nur ungünstige
Angewohnheiten sind.
Ich lade Dich ein, darauf zu achten, Reizüberflutung zu reduzieren.
Wir sind in einer Welt zu Hause, in der es von Reizen ja kaum ein Entrinnen gibt.
Überall Reize. Musik, Lärm, Bildschirme, ein Telefon, was ständig bimmelt, ein Computer,
der ständig Geräusche macht, vielleicht noch eine Smartwatch oder sowas am Handgelenk,
die dann auch noch blinkt. Reize, Reize, Reize.
Das ist nicht unbedingt unserem Nervensystem schmeichelnd oder leicht für das Nervensystem,
weil wir in diesen Reizüberflutungszuständen das Nervensystem wirklich auf Trab halten,
das ja immer darauf ausgerichtet ist, Gefahren zu erkennen.
Noch dazu spielt diese Reizüberflutungsebene häufig mit unserer sozialen Natur und mit solchen
Symptomen wie Dopaminausschüttungen, wenn etwas klingelt oder bimmelt, das wäre nochmal ein Thema
für eine andere Folge. In jedem Falle möchte ich Dich einladen zu überprüfen, wie kannst Du Reize
reduzieren, die Dich aus Deiner Wahrnehmung für diesen Augenblick und den gegenwärtigen Moment
und die Dich aus Deiner Verbindung zu Dir selbst herausziehen. Dein Handy könnte hier ein großer
Schlüssel sein. An meinem Handy sind beispielsweise alle Benachrichtigungen deaktiviert. Das Einzige,
was mir mein Handy unmittelbar anzeigt, ist, wenn jemand anruft. Alles andere,
die sämtlichen Messenger-Dienste, Podcast-Plattformen, all diese wunderbaren Apps,
die mir gerne immer wieder Push-Nachrichten schicken wollen, sind ausgeschaltet. Ich sehe
nur, ob ich Nachrichten erhalten habe, wenn ich schaue, ob ich Nachrichten erhalten habe.
Das hilft ungemein. Und generell ist die ganze Sache mit den sozialen Medien und diesem
Mobiltelefon ein Reizüberflutungs-Amplifikator. Also alleine das Handy wegzutun, reduziert
wahrscheinlich in den meisten Leben in unserer heutigen Zeit die Reizschwelle um etwa 50 Prozent.
Also schau einmal, wie du Reize reduzieren kannst, um Platz zu machen für den gegenwärtigen Moment.
Und dann bietet es sich an und kann unglaublich gut tun, wenn wir üben, uns den Reizen, das
Wirklichen hier und jetzt einmal zu öffnen. Also uns im Hier und Jetzt zu orientieren. Welche Geräusche
umgeben mich gerade? Was für ein Lichteinfall ist in diesem Raum gerade für mich zu sehen? Was
für Düfte oder Gerüche umgeben mich? Also indem wir uns orientieren im Hier und Jetzt über unsere
Sinne, werden wir uns der Reize, die uns tatsächlich umgeben, bewusst und können uns teilweise in
diesen Eindrücken, die dann auf uns einströmen, tatsächlich entspannen oder in ihnen mehr
verankern. Wenn ich beispielsweise jetzt gerade nach vorne schaue, dann blicke ich direkt auf
unsere Vogelhausinstallation. Da ist ein Vogelhaus, da sind ein paar Meisen drauf am Rumhüpfen und da
sind verschiedene hängende Vogelfuttervorrichtungen, auf denen sich eine Dieselfinkfamilie niedergelassen
hat. Das Ganze vor einem hellen Himmel mit weißen Wolken und einem ganz hellen Blau, sodass ich
eigentlich nur die Umrisse der Vögel klar sehen kann und ein wenig von ihrem Gefieder, sodass ich
sie erkennen kann. Dieses Bild ist so lebendig und gleichzeitig so friedvoll. Es tut einfach gut,
diesen Reiz in mein Nervensystem einströmen zu lassen, tut gut. Ja, vielleicht möchtest du auch
diesen Moment nutzen, um dich einmal umzuschauen und wahrzunehmen, welche Reize dich umgeben,
welche von denen angenehm sind und du dich deswegen auf sie ein bisschen mehr einlassen
kannst, welche vielleicht unangenehm sind und dann könntest du prüfen, ob du sie vielleicht
abschalten kannst. Also all das gehört zu dem Thema Präsenz. Als nächsten Punkt hatte ich
schon angekündigt, geht es darum unseren Körper zu achten. Wie einfach das klingt. Urmenschlichkeit
und Körper gehören irgendwie passenderweise zusammen, denn wir sind sehr körperliche Wesen
und unser Nervensystem ist ein Teil unserer körperlichen, menschlichen Natur. Unsere eigenen
körperlichen Grundbedürfnisse zu erfüllen ist also auch ein Schlüssel zu einem regulierten
Nervensystem. Die körperlichen Grundbedürfnisse zu erfüllen ist für viele Menschen mit frühem
oder mit Komplextrauma keine Selbstverständlichkeit. Zu unseren Grundbedürfnissen gehören tatsächlich
ganz einfache Dinge, wie beispielsweise schlafen, essen oder trinken. Viele Menschen, die früh in
ihrem Leben die Erfahrung gemacht haben, in ihren Grundbedürfnissen nicht wahrgenommen zu sein,
also in ihren körperlichen Grundbedürfnissen, für diese Menschen ist es häufig sehr schwierig,
ihre eigenen körperlichen Grundbedürfnisse überhaupt zu registrieren, weil sie gelernt
haben, sie zu ignorieren. Es ist dann nicht so einfach, wahrzunehmen, wann das erste
Hungergefühl einsetzt oder es gibt vielleicht eine Kompensationsstrategie, die dafür sorgt,
dass man eigentlich immer satt ist und gar kein eigentliches Hungergefühl mehr entsteht.
Manche Menschen, die von ihrem Körper durch traumatische Prägungen entfremdet wurden,
können beispielsweise stundenlang am Schreibtisch sitzen und irgendwann merken sie, dass sie sehr
dringend aufs Klo müssen. Das sind nur ein paar Beispiele, die ich hier wähle, um zu zeigen,
dass wir manche Dinge für selbstverständlich halten, die es einfach nicht sind. Das bedeutet,
Menschen, die frühes Trauma erlebt haben und auch einige, die später im Leben Trauma erlebt haben,
aber besonders Menschen, die frühes Trauma erlebt haben, dürfen nach und nach lernen,
sich ihrem Körper wieder anzunähern und ihnen zu achten. Auch hier ist die Achtsamkeit etwas
ganz Wichtiges, also die Selbstbeobachtung in einem freundlichen Dasein, in einer freundlichen
Hinwendung. Dann kann es möglich werden, auch den eigenen Rhythmus wieder zu finden. Bin ich
eigentlich frühaufsteher oder schlafe ich richtig gerne lang? Wann habe ich natürlicherweise Hunger?
Gibt es in mir einen Bewegungsdrang und wann kommt er auf? Woran merke ich, dass er da ist?
Eigene Rhythmen zu finden und eigene Impulse zu entdecken und ihnen zu lauschen ist ein
wichtiger Schlüssel für ein reguliertes Nervensystem. Dafür brauchen wir die schon
benannte Achtsamkeit und auch die Absicht, uns uns selbst zuzuwenden und zu lauschen.
Ich weiß, dass das ein Dilemma sein kann, weil man eben mit einer gewissen Ladung im Inneren
sich selbst gar nicht zuwenden möchte. Und auch hier gilt wieder, es ist eine Frage der Dosis und
es ist eine Frage der Haltung. Ich sage nicht, setze dich hin in einer meditativen Haltung,
schließe die Augen und schau mal, was deine Körperimpulse sind. Sondern ich sage,
begebe dich in eine Haltung der Achtsamkeit und beobachte, was du von dir wahrnehmen kannst,
wenn du dich beobachtest. Das ist ein Unterschied und das ist sehr hilfreich,
diese Art Distanz zu uns selbst einzunehmen, um uns uns selbst immer mehr annähern zu können.
Was dann im Weiteren hilft, wenn wir beginnen, unseren Körper mehr zu achten, ist, dass wir uns
unserem Körper gegenüber verbindlich zeigen. Dass wir also unser Körperwesen nicht als Priorität
Nummer 10 oder XY einordnen, sondern dass unser Körper zu den obersten Prioritäten gehört. Unser
Körper sendet uns Signale. Er gibt uns immer und immer und immer wieder Signale über unseren
Nervensystemzustand, über das, was uns guttun könnte, über das, was er braucht. Also,
Verbindlichkeit dem eigenen Körper gegenüber ist wichtig und etwas, wozu wir uns entscheiden
können. Wir müssen nicht eisern diszipliniert sein, uns also dann zum Beispiel strafen, wenn
wir unseren Körper wieder einmal vergessen oder übergangen haben. Aber wir dürfen Verbindlichkeit
als Absicht kultivieren und dann so gut es geht konsequent sein, damit der Körper eben auch eine
Art Rhythmus etablieren kann. Es sei hier als Randnotiz bemerkt, dass bei vielen Menschen,
die Traumafolgen tragen und auch dazu findest du ein paar Podcastfolgen, chronische Erkrankungen auf
der Körperebene entstehen. Der Stoffwechsel kann aus dem Gleichgewicht sein. Es können
Autoimmunerkrankungen entstehen. All das ist eine Sache der Epigenetik. Ein ganz, ganz spannendes
Thema. Und es ist wichtig, dass wir uns bewusst sind, dass wir über unseren Nervensystemregulation,
also auch indem wir unseren Körper achten, an der Basis unserer Gesundheit Gutes tun. Dazu
könnte ich so viel sagen. Dazu könnte man eine ganze Reihe an Podcasts erstellen, denn es ist
natürlich auch nicht irrelevant, wie wir uns ernähren oder wie viel wir schlafen und wie viel
wir uns bewegen. Ganz einfache Basics der Würdigung und Achtung unserer Körperlichkeit
gehören hier definitiv dazu. Also deinen Körper zu achten, Achtsamkeit in Bezug auf deinen Körper
zu üben, dich verbindlich zu zeigen und konsequent zu sein und dich gut zu versorgen auf der
Körperebene ist ein wesentlicher Aspekt für Nervensystemregulation. Und dementsprechend,
das füge ich nochmal hinzu, ist es so hilfreich, wenn du unterlässt, was dagegen wirkt. Achte
darauf, einfach keinen oder nicht zu viel Quatsch zu essen. Achte darauf, genug zu schlafen. Achte
darauf, das, was du weißt, was dir gut tut und deinem Körper gut tut, so oft wie möglich umzusetzen
und nicht das Gegenteil zu tun. Als letzten Punkt zum Abschluss der drei Schlüssel zu einem
regulierten Nervensystem geht es um die soziale Interaktion. Eigentlich hätte dieser Punkt auch
der erste sein können, denn er ist auch in der Hierarchie unseres Nervensystems im Grunde der
wichtigste Punkt. Soziale Interaktion ist das, womit alles beginnt. Bindung, Verbundenheit,
soziale Interaktion, einander spüren, einander sehen, miteinander in einem positiven Kontakt
sein, das ist das Lebenselixier eines gesunden Menschen. Wenn du darüber mehr erfahren möchtest,
höre einfach einmal in die Folgen hinein, die ich zu Bindungstrauma aufgenommen habe
und Entwicklungstrauma. Dort wird beschrieben, weshalb soziale Interaktion so unfassbar wichtig
ist. Viele, viele von uns sind viel zu viel allein oder nur virtuell miteinander verbunden. Wir sind
nicht fürs Alleinsein gemacht. Wir sind nicht dafür geschaffen, alleine zu sein, in unserem
eigenen Kopf uns ständig im Kreis zu drehen, uns mit einer Massagepistole selbst zu massieren.
Massagepistole klingt schon so genial. Also wir sind dazu nicht gemacht. Wir sind zutiefst soziale
Wesen und deswegen sind auch virtuelle Kontakte, Social Media Kontakte, das Schreiben von Messages
und Botschaften nicht vergleichbar mit echter sozialer Interaktion. Es ist so wichtig, dass wir
uns das bewusst machen, denn unsere Gesellschaft steuert in eine andere Richtung. Soziale Kontakte
werden als immer entbehrlicher dargestellt und vor allem die Digitalisierung treibt voran, dass wir
uns immer seltener im echten Leben begegnen. Und ja, die Pandemie hat dazu noch einen großen Schub
geleistet. Eine sehr destruktive Richtung, in die wir uns da entwickeln. Denn ohne soziale
Interaktion ist es auch egal, ob wir andere Dinge tun, die uns vielleicht gut tun, weil wir dann an
der Basis verhungern. Finde heraus, wer oder was oder wo für dich eine soziale Ressource sein kann.
Welche Menschen, welche Tiere, welche Orte, welche Umgebungen, welche Aktionen, welche Handlungen,
welche, ja, Mittel und Wege auch immer sind für dich soziale Ressourcen. Wo kannst du Menschen
treffen? Wo kannst du dich verbinden? Wo kannst du spüren, dass du in Kontakt bist? Es ist erwiesen,
dass soziale Interaktion ein sehr, sehr wesentlicher Faktor ist für einen ausgewogenen
Gehirnstoffwechsel. Menschen, die zu wenig Interaktion mit anderen erfahren, kommen in
eine Mangellage. Es werden weniger Botenstoffe dann produziert beziehungsweise ausgeschüttet,
die uns glücklich machen, die zu Nervenzellwachstum beitragen, die ja uns einfach zu Wesen werden
lassen oder den Kern unseres Wesens ans Licht bringen, der lebendig und fortschrittlich ist,
der sich einfach weiterentwickeln will, der mit dem Leben verbunden ist und dort sein möchte. Also
finde heraus, wenn du dein Nervensystem regulieren möchtest, wo und mit wem du dich wohlfühlst.
Und auch hier zählt wieder, das Kleine kann schon große Wirkung haben. Ein kleiner Moment,
ein kleiner Schnack. Nicht ins Onlineshopping zu gehen, sondern dich beraten zu lassen,
beispielsweise. Nicht zu Hause alleine den Kaffee zu trinken, sondern dich in das Café um die Ecke
zu begeben, um vielleicht auch einfach nur ein paar Menschen zu sehen oder einen freundlichen
Blick zu tauschen. Ein freundliches Hallo, ein freundliches Dankeschön und ein Lächeln kann
dieser kleine Moment sein, der deinem Nervensystem hilft, wieder mehr in Balance zu kommen. So,
das sind die drei Punkte, die ich gerne mit dir durchgehen wollte, die drei wesentlichen Schlüssel
für ein reguliertes Nervensystem. Und wie ich schon beschrieben habe, ging es hier um
Komplexitätsreduktion. Wenn du dir Regulationsübungen anschaust, wirst du immer und immer
wieder etwas davon wiederfinden. Entweder geht es darum, dass du im Hier und Jetzt ankommst und
präsenter wirst. Es geht darum, dass du deinen Körper achtest und über deinen Körper dein
Nervensystem mehr in Balance bringst. Oder es geht darum, dich zu verbinden und dein soziales Wesen
zu aktivieren. Ich hoffe, dass du damit etwas anfangen kannst und wünsche dir natürlich ganz,
ganz wertvolle Erfahrungen und freue mich natürlich auf dein Feedback, über dein Feedback,
zum Beispiel auf den Social Media Kanälen, auf denen ich zu sehen und zu erreichen bin. Ich
hoffe also, dass dir diese Folge gefallen hat und dass du Wertvolles daraus für dich mitnehmen
kannst. Und ich danke dir sehr für deine Zeit. Wenn du aus meinem Podcast Wertvolles für dich
mitnehmen kannst, dann freue ich mich von Herzen, wenn du ihn in seiner Sichtbarkeit unterstützt,
wenn du also Menschen weitersagst, dass es hier hilfreiche Informationen gibt. Wenn du noch mehr
unterstützen möchtest, dann lass gerne eine Rezension da, wo du gerade laufst oder ein paar
Sternchen und abonniere den Kanal, falls du auf YouTube lauscht und all das hilft, den digitalen
Maschinen im Hintergrund diesen Podcast noch sichtbarer zu machen. Wenn du tiefer eintauchen
möchtest, schau mal auf meiner Webseite vorbei, dort findest du all meine Angebote, die auch
weiter wachsen und sich entwickeln und sei vor allem auch herzlich eingeladen, dich zu meinem
wöchentlichen Newsletter einzutragen, denn dann bekommst du auf jeden Fall mit, wenn es etwas
Neues gibt. Wir planen immer wieder schöne neue Dinge, manchmal auch recht kurzfristig Webinare,
kleinere Veranstaltungen und natürlich auch die großen schönen Angebote wie die Ausbildung oder
andere Kurse. Trag dich also gerne unverbindlich kostenlos und ja natürlich völlig freiwillig ein
und du bekommst kein Spam, sondern nur Infos aus meiner Feder. Ich danke dir sehr fürs Lauschen,
ich wünsche dir eine liebevolle Zeit und ich freue mich sehr, wenn du nächste Woche wieder
lauscht oder dich im Archiv der über 200 Folgen labst und bereicherst. Alles Liebe für dich und
bis bald. Tschüss.