Als mit dem Mauerfall die globale Bipolarität endete, hatte der Gedanke der ‚Einen Welt‘ große Konjunktur. Das ‚Ende der (alten) Geschichte‘ der Kriege und Konflikte sollte gekommen, das Zeitalter des Multilateralismus, des friedlich-schiedlichen Miteinanders der Staaten, angebrochen sein. Man hoffte, dass aus einer hoch spannungsreichen Ära eine sozial- und umweltverträgliche Welt werden würde – unter dem einen, großen Leitbegriff: der Nachhaltigkeit. Seinen Höhepunkt erlebte dieses Denken auf dem legendären Weltgipfel von Rio im Jahr 1992. Damit begann die eigentliche Ära der globalen Klimakonferenzen und ihrer Verheißung einer wirksamen Bekämpfung der Erderwärmung. Heute ist von dieser hoffnungsvollen Anfangsphase nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil: Bald 30 Jahre nach dem vermeintlichen „Ende der Geschichte“ werden die internationalen Vorgaben immer häufiger nicht eingehalten, rücken die klimatischen Kipppunkte immer näher. Damit stellt sich die Frage nach dem Ende der Nachhaltigkeit. Hat die Vision der Einhegung der globalen Umweltzerstörung heute schon keine Chance mehr – oder kann diese Jahrhundertherausforderung doch noch bewältigt werden? Wie könnte die Antwort auf die rasende Klimazerstörung aussehen? Und wer müssten die Akteure einer solchen, fast revolutionären Nachhaltigkeitsbewegung sein?
Referent: Albrecht von Lucke, geb. 1967, studiert Rechtswissenschaft und Politologie in Würzburg und Berlin. Er lebt als Redakteur der Blätter für deutsche und internationale Politik (www.blaetter.de) in Berlin. Neben seiner Tätigkeit für die Blätter arbeitet Albrecht von Lucke für diverse andere Zeitungen sowie für den Rundfunk und das Fernsehen (u.a. als regelmäßiger Teilnehmer des Presseclubs in der ARD). 2014 wird er mit dem Lessing-Förderpreis für Kritik ausgezeichnet und 2018 erhält er den Otto-Brenner-Preis in der Kategorie „Spezial“-Preis und wird damit „als Streiter für Liberalität, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie“ gewürdigt. Zu seinen Buchpublikationen zählen u.a. „68 oder neues Biedermeier: Der Kampf um die Deutungsmacht“ (2008), „Die gefährdete Republik: Von Bonn nach Berlin. 1949-1989-2009“ (2009) sowie „Die schwarze Republik und das Versagen der deutschen Linken“ (2017).
Guten Abend, meine sehr geehrten Damen und Herren und herzlich willkommen zum heutigen Vortrag,
der im Rahmen der Reihe Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit in Kooperation mit RENWEST stattfindet.
Begrüßen möchte ich auch diejenigen, die über unseren Facebook-Kanal heute live zugeschaltet sind.
Außerdem begrüße ich natürlich von unserem Kooperationspartner RENWEST Michael Mattern.
Als die Mauer vor 30 Jahren fiel, schien die Idee von der einen Welt plötzlich in greifbare Nähe gerückt zu sein.
Konflikte und Kriege sollten der Vergangenheit angehören und das Zeitalter des friedlichen Miteinanders der Staaten war,
so hoffte man zumindest, angebrochen.
Auch war man vor drei Dekaden noch sehr zuversichtlich, dass nun endlich die Wende hin zu einer sozial- und umweltverträglichen Welt gekommen sei,
unter dem großen Leibbegriff der Nachhaltigkeit.
Und dieser Begriff meinte weitaus mehr als nur den bewussten Umgang mit den Ressourcen, er zielte auf einen Systemwechsel.
Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Umweltschutzes bildete der legendäre Weltgipfel von Rio im Jahr 1992.
Eines der bedeutendsten Ergebnisse dieser weltweiten Konferenz stellte die Verabschiedung der Agenda 21 dar,
in der das Augenmerk gleichermaßen auf ökologische, ökonomische und soziale Ziele gelegt wurde.
Damit gab Rio den Auftakt zur eigentlichen Ära der globalen Klimakonferenzen und ihrer Verheißung einer wirksamen Bekämpfung der Erderwärmung.
Was aber ist geblieben von dieser Aufbruchsphase?
30 Jahre nach dem vermeintlichen Ende der Geschichte werden internationale Vorgaben zusehends ignoriert und das klimatische Umschlagen rückt sukzessive näher.
Ist das Prinzip Nachhaltigkeit also gescheitert?
Ist die Vision der Einhegung der globalen Umweltzerstörung heute schon ad acta oder sind die Herausforderungen noch zu bewältigen?
Wie kann das gelingen und wer bitteschön soll das Ruder herumreißen?
Berechtigte, bewegende und keineswegs einfach zu beantwortende Fragen, denen Albrecht von Lucke gleich in seinem Vortrag auf den Grund gehen wird.
Zuvor aber ein kurzer Blick auf die Vita unseres Referenten.
Albrecht von Lucke studierte Rechtswissenschaft und Politologie in Würzburg und Berlin.
Heute lebt er in der Bundeshauptstadt und ist dort Redakteur der Fachzeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik.
Neben seiner Tätigkeit für die Blätter arbeitet er für diverse Zeitungen, etwa den Freitag oder die Taz, sowie für den Rundfunk und das Fernsehen, unter anderem als regelmäßiger Teilnehmer des Presseclubs in der ARD.
2014 wurde Albrecht von Lucke mit dem Lessing Förderpreis für Kritik ausgezeichnet und 2018 erhielt er den Otto Brenner Preis in der Kategorie Spezialpreis.
Damit wurde er als Streiter für Liberalität, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie gewürdigt.
Zudem ist Albrecht von Lucke Autor mehrerer Publikationen, etwa 68 oder Neues Biedermeier, der Kampf um die Deutungsmacht oder des 2015 erschienenen Buches Die schwarze Republik und das Versagen der deutschen Linken.
Als er vor gut einem Jahr bei uns zu Gast war, vermisste er die Wut, das Aufbegehren der jungen Generation angesichts eines neuen Kalten Krieges, den Angriffen auf die liberale Demokratie und nicht zuletzt mit Blick auf die Klimakrise.
Es war ein engagiertes, leidenschaftliches Plädoyer für eine neue Politisierung der jungen, etwas verschlafen wirkenden Generation.
Auf seine heutige Einschätzung dürfen wir also umso mehr gespannt sein. Herzlich willkommen, lieber Albrecht von Lucke.
Ja, ganz herzlichen Dank für die schönen und netten Worte. Ich danke auch, dass ich heute schon zum dritten Mal bei Ihnen sein darf.
Das erste Mal hatte ich das Vergnügen, vor zwei Jahren zur Krise der Demokratie sprechen zu dürfen.
Letztes Jahr, Sie haben daran erinnert, hatten wir es in der Tat mit einer Zeit zu tun, in der von Fridays for Future, wenn ich das so sagen darf, noch nicht die Rede sein konnte.
Es war also eine Phase, in der das, was wir heute als neue ökologische Bewegung entdeckt haben und was wir als einen Faktor der Politik ernsthafter Art wahrnehmen müssen, noch gar nicht in dem Maße im Raum war.
Es fing langsam an, von Schweden sich zu entwickeln. Heute haben wir ein Ereignis, das nicht mehr wegzudenken ist von der Agenda.
Ich habe mir heute aber anderes vorgenommen. Ich habe ja das große Glück, komme natürlich am Ende darauf zu sprechen, auf die neuen Akteure,
aber ich habe ja das große Glück, in einem Zusammenhang sprechen zu können, der sich spannt von einer großen Reihe, die Sie auch haben, über die Frage 30 Jahre nach 1989,
die große Zäsur und auf der anderen Seite die Frage der Nachhaltigkeit.
Da hat ja wohl Harald Welser schon mal den Einstieg gegeben mit großen, wie es seine Art ist, utopischen Plänen und Ideen.
Ich will heute versuchen, da ich weiß, dass in wenigen Tagen Reinhard Loske spricht, der mit Sicherheit eine sehr, sehr konkrete Nachhaltigkeitsagenda auftut
und dann in wenigen Tagen Werner Kollow sehr konkret zur Frage spricht, was ist eigentlich von 1989 geblieben, was war es?
Was war es vor allem auch mit Blick auf den Osten? Ist mein Ansatz heute ein völlig anderer.
Ich will die Frage aufwerfen, was ist von den großen Vorstellungen, Ideen, die sich im Umfeld von 1989 und, wie sie genau zurecht sagt, mit Blick auf 92,
auf Rio de Janeiro, den großen Klima, den Weltklimagipfel entwickelt haben, was ist von ihnen geblieben?
Und das ist mein Angang. Ich werde versuchen, deutlich zu machen, anders als wir es momentan diskutieren,
dass eigentlich der Blick auf die eine Welt eine sehr kritische Bilanz des Westens sein muss.
Denn nach 1989 hatten wir nach dem Ende des Ostens und dem Ende des Ostblocks nur noch eine Welt, die eigentlich eine Welt des Westens war.
Und die Frage, die im Raum ist, was haben diese 30 Jahre gebracht, ist es eine Bilanz, die positiver Art ist,
oder eine, die uns vielleicht dann doch zu Hoffnung Veranlassung gibt.
Aber Sie können sich vorstellen, es klingt ja in manchen der Worte in meiner Vorstellung bereits an,
ich kann es Ihnen jedenfalls jetzt leider nicht vorenthalten, es wird ein eher düsterer Blick sein.
Ich will aber anfangen mit meinen Beobachtungen, die ich jetzt hatte.
Ich hatte heute die Freude, ich bin mit dem Zug gefahren, fahre also von Berlin, die schöne Strecke, Sachsen-Anhalt, Thüringen, wunderbare Landschaften,
komme dann, und das macht es dann so bemerkenswert, durch Ludwigshafen.
Ludwigshafen, gewissermaßen der Inbegriff der alten Bonner Republik.
Kohllande, wenn ich so sagen darf, Heimatort von Helmut Kohl.
Ich bin Rheinland-Pfälzer, also bin quasi im Angesicht des alten Pfälzer Kanzlers,
des Saumagen-Kanzlers, wenn ich so sagen darf, groß geworden.
Da musste ich noch einmal nostalgisch an die Bonner Republik denken.
Und ein zweites sei gesagt, es sind natürlich, das dürfen wir ja gar nicht verkennen,
und es ist vielleicht sogar zugespitzt formuliert ein Teil des Problems,
es ist eine unwahrscheinlich reiche Landschaft.
Diese Strecke fahre ich mit am liebsten, hinten hinter Erfurt, dann durch den Osten.
Das sind zum Teil in der Tat blühende Landschaften.
Es sind übrigens auch in den Städten, das will ich gar nicht alles bilanzieren,
Werner Kollauf wird das kundiger machen, auch natürlich längst Dinge hergestellt worden,
die bei einem Fortgang 30 Jahre real existierenden Sozialismus so nie entstanden wären.
Also es sind Städte wieder im Glanze erstanden.
Aber, und das macht es so bemerkenswert, vielleicht ist auch dieses Bild
einer wunderbaren Landschaft, eines gesunden, jetzt gerade im Herbst,
einem goldenen Herbst, goldener Oktober,
eben nicht mehr mit Hitzeverbrennungen einhergehend im Land,
vielleicht ist das gerade ein so besonders trügerisches Bild,
was uns, und das ist meine These im Kern,
über die Dramatik der Krise manches Mal leicht hinwegkommen lässt.
Und ein zweites Datum möchte ich an diesem Tag erinnern,
und das ist vielleicht jetzt noch persönlicher auch grundiert.
Wir haben gerade diese Tage ein zweites großes Jubiläum.
Wir sind nämlich in einer Etappe, 50 Jahre Willy Brandt,
50 Jahre Beginn dessen, was wir als, mit dem Wort von Gustav Heinemann,
vor 50 Jahren als den Machtwechsel, also als die erste, nennen wir es mal sogar,
erste demokratische Wende der Bundesrepublik.
Nach 20 Jahren Adenauer und keine Experimente eine demokratische Wende,
mit Willy Brandt und mit dem Versuch mehr Demokratie zu wagen,
auch ein neuer Anfang, und es steht vor allem eine Figur,
und die möchte ich gerne ein bisschen auch im Gedenken erwähnen,
besonders symptomatisch und charakteristisch für den großen Versuch,
das zu besprechen, was wir heute unter dem Begriff der Nachhaltigkeit fassen,
das ist Erhard Eppler.
Erhard Eppler, wie die meisten von Ihnen wissen werden,
ist vor wenigen Tagen gestorben, am 19. Oktober,
und er war lange, lange vor dem Gipfel von Rio,
gewissermaßen die Inkarnation der Vorstellung der einen Welt.
Erhard Eppler war vor 50 Jahren Entwicklungshilfeminister im Kabinett Brandt,
das wurde übrigens interessanterweise schon in der Ära Kiesinger,
er war es dann aber auch unter Willy Brandt,
und die, und ich glaube es sind ja viele unter Ihnen,
die sich sehr genau an diese Zeit erinnern können,
wenn ich so sagen darf, wenn ich mir das Publikum anschaue,
dann sind sie alle natürlich in dieser Zeit nicht zuletzt geprägt,
ich darf gar nicht sagen sozialisiert,
sie sind ja weit vor der Zeit schon in Kindesbeinen gewesen,
die meisten haben aber diese Zeit ungemein als hochpolitische Erinnerung,
und als die erste Phase, in der mit den Entdeckungen, Äußerungen,
ja auch den Erkenntnissen des Club of Rome,
das erste Bewusstsein aufkam von der einen Welt,
einhergehend mit der Entdeckung, oder der, nicht nur Entdeckung,
sondern der Betretung des Mondes,
mit dem Bild des fragilen Planeten Erde,
der dann mit den ersten Bildern zurückgeschickt wurde,
beziehungsweise zum ersten Mal in dieser Weise,
in dieser Fragilität sichtbar wurde,
übrigens interessanterweise heute, ein Jahr nach 2018,
für uns auch interessanterweise mit den Bildern von Alexander Gerst konnotiert,
die wir 50 Jahre später eine ganz andere Erde haben sehen können,
nämlich eine braun verbrannte Erde.
Also damals kam aber trotzdem das erste Mal die Idee
der planetarischen Grenzen des Planeten Erde auf.
Und um kurz bei Erhard Eppler zu bleiben,
er hat schon damals, weil ihn beides, Entwicklung und Klima,
in hohem Maße interessierte, zwei Dinge genau beschrieben.
Er hat beschrieben in seinem bis heute, wie ich meine,
wohl wichtigsten Buch, Wende oder Ende, oder Ende oder Wende,
müssten wir beide nochmal nachgucken,
aber es heißt meines Erachtens Wende oder Ende.
In diesem Buch hat er beschrieben,
wie weit eine Wachstumsgesellschaft notwendigerweise an Grenzen stoßen muss
und es eine Auseinandersetzung geben muss
zwischen den Interessen des Gegenwärtigen
und den Interessen zukünftiger Generationen.
Das war für ihn der Inbegriff der Auseinandersetzung,
die bereits vor 50 Jahren anstand und von ihm gedanklich
und in vielen großen Büchern später noch ausgetragen wurde.
Er hat dabei auch, weil er Entwicklungshilfeminister war
und war er übrigens auch deshalb,
dann 1974 im großen Streit mit Helmut Schmidt,
der in ihm ja einen heillosen Visionär gesehen hat,
einen reinen Utopisten, hat er damals das Kabinett verlassen,
weil Helmut Schmidt die versprochenen Entwicklungshilfe-Aufbesserungen
nicht bezahlt hat.
Also er hat sehr konsequent damals schon erkannt,
wenn wir uns nicht mehr der Entwicklungshilfe widmen,
dann werden wir gerade mit Afrika in allergrößte Schwierigkeiten geraten.
Die Vorstellung, dass Menschen in großer Zahl
in die Flucht gejagt werden, getrieben werden,
war ihm ein Faktor, den er schon damals in absolutem Maße
vorhergesehen hat.
Insofern ist Erhard Eppler eine Figur,
die uns heute ein Stück weit begleiten wird.
Und vielleicht erkennt man daran, dass wir heute,
jedenfalls intellektuell, dass die erste These
in der Durchdringung des Faktors Nachhaltigkeit,
Notwendigkeiten der einen Welt,
meinem Eindruck nach nicht zwingend weitergekommen sind,
als es Erhard Eppler bereits vor 40 Jahren gewesen ist.
Ich will aber, um es an dem Punkt jetzt,
das war keine Vorrede, das war eine Einleitung,
in die eigentliche Thematik, ich will es jetzt auf die Punkte bringen,
die ich als besonders relevant ansehe.
Meine Kernthese lautet, die Chancen, die sich 1992 ergeben haben,
die Chancen einer wirklichen Verständigung auf die eine Welt,
auf die Vorstellung, man könne solidarisch
eine neue, nachhaltige Welt gestalten,
sind in den nächsten, jetzt ja bald 30 Jahren,
sukzessive zerstört worden.
Und wir stehen heute in einer Phase,
in der wir völlig neu denken müssen, radikal denken müssen
und auch fragen müssen, was müssen wir tun,
damit die wenigen verbliebenen Zeitfenster
wie Chancen überhaupt noch zu ergreifen sind.
Was ist im Jahre 92 passiert?
1992 der große, Sie sprachen es bereits an,
der große Erdgipfel.
Interessanterweise und nicht zufälligerweise
im 500. Jahr nach der Entdeckung Amerikas,
also in einem hochgradig aufgeladenen Jahr ins Leben gerufen,
mit dem Anspruch, genau diese beiden Faktoren zu verbinden,
Entwicklung und Umwelt.
Das war die große Vorstellung.
Es war also immer einhergehend mit der Vorstellung,
man muss die Entwicklung der schwachen Staaten befördern
und muss auf der anderen Seite Umweltbelastungen
der starken Mächte reduzieren.
Das war das große Versprechen.
Das dann sukzessive in einer absoluten Folge,
Kaskade kann man fast sagen, in aller Regel,
wir können uns erinnern,
immer um die Weihnachtszeit stattfindenden Gipfel.
Dieses Jahr ist die große Ausnahme.
Das ist ja bemerkenswert.
Ich wundere mich allerdings auch ein bisschen,
vielleicht kann der Experte es noch genauer sagen,
ich wundere mich ein wenig, dass dieser Gipfel,
der jetzt ja quasi schon im Vorfeld in New York abgehalten wurde,
eigentlich ohne jedes nennenswerte Resultat geblieben ist.
Auch wenn Guterres, der neue UN-Generalsekretär,
gesagt hat, wir müssen entschieden umsteuern,
denn ohne Veränderungen vergeben wir die Zeit.
Es wird am teuersten, so seine Worte, wenn wir nichts tun
und es weiterhin in die Zukunft verschieben,
ist eigentlich außer einer Bekundung von Willensäußerungen
oder Beispielen der nach vorne gehenden Staaten,
vermeintlich nach vorne gehenden Staaten,
eigentlich nichts dabei herumgekommen.
Und das alleine ist bereits symptomatisch
für einen ganz entscheidenden Faktor.
Wir haben seitdem große, jedenfalls programmatische,
zum Teil auch kodifizierte Ergebnisse gehabt.
Wir hatten Kyoto, wir hatten das Pariser Abkommen,
wir hatten die Verpflichtung vieler, vieler Staaten,
in einem ständigen Wettstreit übrigens
zwischen den sogenannten Entwicklungsstaaten,
in denen tatsächlich sehr arme Staaten veranschlagt sind,
aber bekanntlich auch die BRICS-Staaten,
also China, Russland, Indien und andere,
die längst dem eigentlichen Entwicklungsstatus entwichen sind
und trotzdem für sich natürlich mit einem gewissen Recht reklamieren,
das, was die hochindustrialisierten Staaten
über Jahrhunderte verbraucht, konsumiert, ausgestoßen haben,
wollen wir überhaupt erst einmal erzeugt
beziehungsweise verkonsumiert haben.
Diesen Disput gab es über all die 30 Jahre
und trotzdem gab es gewisse Kodifikationen.
Was aber nie wirklich stattgefunden hat,
und deswegen sprechen wir heute auch in einem beispielhaften Ja,
ist die wirkliche Einhaltung der kodifizierten Maßnahmen.
Es hat also ein absolutes Defizit des Seins hinter den Säulen gegeben.
Und insofern, das ist der erste Befund,
und es ist deswegen ein, wie ich finde, trauriger Zufall,
ich hätte es gerne anders gehabt,
ist das absolut klägliche Ergebnis des Klimakabinetts
vor wenigen Wochen hochsymptomatisch für das Versagen
sowohl der nationalen wie auch der internationalen Nachhaltigkeitspolitik.
Das wäre der erste Punkt, nämlich das Scheitern der Illusion
der Nachhaltigkeit auf internationaler wie nationaler Ebene.
Denn was ist in Deutschland passiert?
Deutschland hatte das ganz große Glück der Westen, sage ich bewusst,
dass es sich immer und lange Zeit als vermeintlicher Klimavorreiter
aufgrund einer einzigen nennenswerten Tatsache erklären konnte,
nämlich ob der Tatsache, dass der Mars wert das Jahr 1990 war.
Dieses Jahr 1990 hatte aber eine unwahrscheinlich positive Mitgift für uns.
Wir sind ja alle, wenn ich so nehme ich an, die meisten von uns sind Wessis,
wenn wir das noch in dem 30. Jahr so sagen können.
Es hatte nämlich die Mitgift, dass im Zuge der Deindustrialisierung des Ostens,
Werner Koller wird darüber bestimmt noch sprechen,
über die Treuhand und viele andere Faktoren,
die Industrien des Ostens, die ja ungemein umweltschädlich waren,
um es nicht zu unterschlagen, dass die alle abgebaut wurden,
dass aber damit die Summe der zu reduzierenden CO2-Emissionen
zugunsten der weiter sogar erstarkenden westlichen Industrien
nicht mehr nennenswert zu Buche schlug.
Das heißt, die bundesrepublikanische, ich nenne es mal CO2-Abrüstungspolitik,
der ganze Stolz der Klimapolitik basierte maßgeblich darauf,
dass wir zu einer ganz leichten, nennen wir es Beute des Westens,
an CO2-Emissionen gekommen sind.
Abstrichen, Zahlen.
Das haben wir an einem Beispiel exemplarisch dieser Tage
und in den letzten Jahren noch mal zu Gehör bekommen.
Nämlich an dem Umstand, dass in einem ganz nennenswerten Sektor,
nämlich dem Verkehr, nicht ein einziges Stück an CO2-Emissionen
reduziert wurde, keinerlei Reduktion, im Gegenteil,
sogar ein Wachstum im Individualverkehr stattgefunden hat.
Daran sieht man, dass das, was jetzt ja endlich,
das will ich als das einzige und wirklich nennenswerte Maßgabeerfolg
des neuen Gebirges durchaus erwähnen, dass jetzt,
indem endlich die einzelnen Sektoren sich ehrlich machen müssen,
klar darüber Kunde gegeben wird,
was in den einzelnen Bereichen passiert ist.
In den letzten 30 Jahren in dem Bereich dezidiert nichts.
Und daran sieht man, dass letztlich die Bundesrepublik,
also auch vor allem die westliche Seite,
ein ungeheurer Profiteur der Tatsache war,
dass 92 mit dem Abstrich der Ostemissionen zunächst einmal quasi gekauft war.
Das kann man aber noch in einem größeren Zusammenhang sehen.
Dieses Phänomen des Versagens in wirtschaftlicher Hinsicht
ist einer noch viel grundsätzlicheren Weise vonstattengegangen.
Es fand ja nicht nach 1989 so etwas statt wie eine Überlegung,
wie könnten wir denn grundsätzlich den Kapitalismus anders gestalten?
Könnten wir beispielsweise das, und da bin ich wieder bei Erhard Eppler,
das, was er bereits 1989 im großen Berliner Programm der SPD
als eine sozial-ökologische Umgestaltung der Industriegesellschaft gedacht hat,
das alles spielte plötzlich keine Rolle mehr.
Ironischerweise, ich bin ja wieder in Saarbrücken, was mich wirklich sehr freut,
und ich kann jedes Mal auch diverse wichtige Personen des Saarlandes ansprechen,
ironischerweise war 1989 ein anderer bereits in den Startlöchern.
Ein kleiner Mann mit langer Nase, das war jetzt ein bisschen despektierlich,
geben Sie es mir, sehen Sie es mir bitte nach, aber ein damals nicht unerheblicher,
Entschuldigung, das ist ein Schmankerl, das hätte ich mir nun wirklich schenken können, gerade hier.
Oskar Lafontaine, bekanntermaßen, schickte sich an, damals mit guten Chancen durchaus,
wenn die Wahl denn stattgefunden hätte, so wie sie ursprünglich gedacht war,
nämlich als reine bundesrepublikanische Wahl.
Er schickte sich an, damals, da Kohl bereits abgewirtschaftet hatte, im Westen jedenfalls,
er schickte sich an, der nächste Bundeskanzler zu werden.
Und Erhard Eppler hatte bereits das eigentliche Programm zu diesem Zeitpunkt geschrieben,
nämlich das Berliner Programm, in dem all diese ökologischen Vorstellungen eines echten Umbaus,
eines Umstiegs auf Nachhaltigkeit, eines Umstiegs in Arbeitszeitverkürzung,
auch alles übrigens Dinge, die Oskar Lafontaine damals, das muss man ihm zugute halten,
in den 80er Jahren sehr stark forciert hatte, die damals programmatisch in der SPD zu Hause waren.
Dieses Programm, und das macht das Drama des Jahres 89 in nationaler Ebene aus,
dieses Programm war mit dem Fall der Mauer Makulatur.
Damals brach gewissermaßen auch die, nennen wir es postpatrialistische Einstellung des Westens, regelrecht ein.
Wenn wir uns erinnern, was den Wahlkampf in dieser ungeheuer rasenden Zeit,
ich will das jetzt nicht alles nochmal nachzeichnen, das wird Werner Kollow machen,
aber was dann passierte, am Beispiel der Nachhaltigkeit kann man sagen,
wie die Parteien, die das noch forcierten, unter die Räder kommen.
Am besten ist das Beispiel, bekanntestens das Beispiel der Grünen.
Die Grünen propagierten und plakatierten den Slogan, alle reden von Deutschland,
wir reden vom Wetter, und flogen prompt aus dem Bundestag, landeten unter 5%.
Das war natürlich auch eine ungemeine Verkennung der Lage.
Es war übrigens auch eine, wie ich finde, nicht nur fatale Verkennung von Oskar Lafontaine,
sondern auch eine falsche Einschätzung, dass er sichtbarerweise keine Empathie für die Ostdeutschen aufbrachte.
So sehr er übrigens, was die Frage der wirtschaftlichen Vereinigung sehr recht hatte.
Denn vieles von dem, wovor er warnte, hat sich später als verheerend für die Ostwirtschaft herausgestellt.
Aber trotzdem hat auch er deswegen verloren, weil er mit dem Faktor der deutschen Frage,
wenn wir es so nennen, nicht umgehen konnte.
Und ersichtlich im Osten wahrgenommen wurde, dass diese SPD kein allzu großes Interesse daran hatte,
aus zwei Staaten wieder einen zu machen.
Der einzige interessanterweise, der das völlig anders sah, um auch da die Brücke zu 1969 zu schlagen, war Willy Brandt.
Aber das wäre ein anderes Thema, vielleicht sagt Werner Kolloff mehr dazu.
Aber worauf es mir ankommt, alles was damals an nationalen Vorstellungen von Fortgang aufkam,
hat das, was davor in ökologischer Hinsicht gedacht wurde, meilenweit in die Abseite gebracht.
Und die rot-grüne Verlangst, wenn wir es so nennen, war damals auch nicht in der Lage,
das stark zu machen und es wirklich durchzusetzen.
Die Konsequenz, wie ich habe sie bereits erwähnt, war auf der einen Seite die Deindustrialisierung.
Es war aber auf der anderen Seite noch etwas viel Grundsätzlicheres.
Die westliche Idee von Marktwirtschaft und vor allem nicht einmal nur der rheinische Kapitalismus,
den man ja in den 90er Jahren mit Helmut Kohl durchaus durchgehalten hat.
Allerdings ohne irgendwelche ökologischen Verbesserungen.
Die spielten keine Rolle. Es waren das schlichte weiter so.
Es war das keine Experimente der alten CDU, wie man sie in gewisser Weise in der Form seit Adenauer kannte.
Aber dieser rheinische Kapitalismus hat natürlich in dieser Phase der 90er Jahre in den östlichen Staaten eine ganz andere Form angenommen
beziehungsweise wurde eben dort nicht praktiziert.
Was in Osteuropa, aber vor allem auch in Russland praktiziert wurde, war das, was die Ökologin Naomi Klein
die Schocktherapie eines neoliberalen Kapitalismus genannt hat.
Also eine völlig andere Art der brutalen Kapitalisierung, auch der Privatisierung,
die das, was im Osten Deutschlands passierte mit der Treue, noch weit in den Schatten gestellt hat.
Also letztlich, man darf es gar nicht Manchester-Kapitalismus nennen, das wäre noch viel zu harmlos.
Es war ja ein moderner Kapitalismus, der gerade in Russland beispielsweise so etwas erzeugt hat,
wie fast Anarchie bei der Verscherbelung der großen Unternehmen.
Das hat natürlich in keinster Weise die Chance, die der Westen gehabt hätte,
sich selber zu einer anderen Form des Kapitalismus zu entwickeln, hat sie in keinster Weise aufgenommen,
sondern sie hat eigentlich zu einer Brutalisierung im ökonomischen Bereich geführt.
Das ist das erste große Problem, das die 90er Jahre gekennzeichnet hat.
Und wenn es denn jetzt, wir sprachen, und das ist der Faktor, wir sprechen von der einen Welt.
Die eine Welt, die es dann ja in auch noch Akteursebene hätte geben müssen.
Diese eine Welt war wirtschaftlich bereits untergraben, wie ich es beschrieben habe.
Es waren eben die Chicago Boys, das war die Truppe, die im Osten in Russland und woanders Einzug hielt.
Also diejenigen, die in, nennen wir es vulgär kapitalistischerweise, man könnte es nennen,
mit dem Wort von dann ja sogar lustigerweise Marion Gräfin Dönhoff,
die also als Liberale sich sogar anschickte, zu sagen, diese Form des Kapitalismus,
dieser muss begegnet werden diesem, wie hat sie den Begriff genannt,
vielleicht kann mir sogar jetzt einer helfen, mir ist er gerade nicht präsent,
es war auch nicht der Casino-Kapitalismus, aber jedenfalls ein neuer brutaler Kapitalismus.
Dieser Form hätte ja zumindest, und das wäre die zweite Chance gewesen,
auf einer internationalen Ebene, wie es die Rio-Konferenz ja bedeutet, sie hätte ja eingehegt werden können.
Das allerdings hätte, das ist die Akteursebene, bedeutet, dass wir so etwas gebraucht hätten,
wie den internationalen Akteur, nämlich die Vereinten Nationen.
Rio hat genau diese Verheißung ausgesprochen. Rio war der Wunsch, das Ziel dahinter,
es könnte so etwas wie eine Kodifizierung internationaler Art geben, auf Maßgaben,
die vielleicht sogar, und das ist das eigentliche, was wir heute im Raum haben,
die vielleicht sogar bedeuten, eine gemeinsame Verfügbarkeit über die Schätze der Umwelt,
der internationalen Art, also so etwas wie eine Einflussmöglichkeit internationaler Kräfte.
Diese Vorstellung, und wir bräuchten sie heute dringender denn je,
denn es gibt zwei Faktoren, an denen wir es deutlich machen können.
Einerseits die Notwendigkeit, dass heute, wenn man es überspitzt formuliert,
eigentlich viele der fossilen Brennstoffe im Boden bleiben müssten,
um überhaupt die CO2-Emissionen nicht noch weiter in die Höhe zu treiben.
Und ein zweites, um es deutlich zu machen, es wäre notwendig, wie wir es gerade in Brasilien erleben,
einem Mann die Bolsonaro in den Arm zu greifen,
dass letztlich so etwas wie das Abholzen der grünen Lunge der Welt nicht vonstatten geht.
Das aber hätte natürlich, und das ist die Frage der politischen Akteure, einen entschiedenen Akteur,
letztlich, man kann es hochformulieren, einen Umweltpolizisten globaler Art erfordern,
oder zumindest eine Regelungsinstanz, die eine solche Legitimation verdient und hat,
dass sie sogar in der Lage ist einzugreifen.
Doch dieser Akteur ist spätestens mit dem 11. September 2001 gescheitert.
Das ist der große zweite Einschnitt, der Einschnitt der 2000er Jahre.
Mit 9-11 und dem anschließenden Freimachen der Vereinigten Staaten von allen Fesseln durch die Vereinten Nationen.
Ich kann mich vielleicht, manch einer von Ihnen wird es auch sich noch erinnern können,
an die verzweifelten Worte von Kofi Annan vor den Vereinten Nationen, vor der UNO,
als er sagte, wenn Sie, gerichtet damals an George Bush den Jüngeren, George W. Bush den Jüngeren,
wenn Sie jetzt diesen Krieg im Alleingang entfesseln,
werden die Vereinten Nationen zu einer abseitigen Figur im Weltkonzert und werden keine Rolle mehr spielen.
Und genau das ist eingetreten.
Seit 9-11 sind die Vereinten Nationen keine Größe mehr, die von nennenswerter Bedeutung wäre.
Damit ist die Möglichkeit einer Intervention, wir haben das in vielen Bereichen,
wir leben es gerade wieder in Syrien, wo es in dramatischer Weise eben nicht möglich ist,
überhaupt eine Polizeieinheit, so sind die Vereinten Nationen ursprünglich konzipiert gewesen.
Sogar mit Truppen, die ihnen zur Verfügung stehen, die also in internationalen Situationen,
Raubtierkapitalismus war es übrigens, Raubtierkapitalismus, Entschuldigung, Dönhoff,
jetzt kam es, manchmal muss man ein paar Minuten warten.
Aber jetzt sind wir bei einem anderen Thema, es ist genauso raubtierartig.
Aber die Vereinten Nationen, die letztlich hätten so etwas sein wie die Interventionsmacht in derartigen Kräften,
sind seitdem in derartigen Fällen, von Kriegen, aber auch von Naturkatastrophen, sind seitdem ohne Potenz.
Und es ist gerade auch hier wieder ein bemerkenswerter Vorgang, auch heute, da sind wir bei der zweiten,
jetzt Saarländerin, die darauf ja versucht eine Antwort zu geben.
Sie schmunzeln, sie grinsen, ich habe noch die Hoffnung, dass sie wieder zu Kräften kommt,
aber immerhin Annegret Kramp-Karrenbauer hat in diesem Kontext, wenn vielleicht auch nicht sonderlich strategisch gut vorbereitet,
aber sie hat natürlich mit der Notwendigkeit von Schutzräumen in Syrien das genannt,
was eigentlich die originäre Aufgabe von Vereinten Nationen wäre.
Eine Aufgabe, letztlich kriegerische Konflikte, die in einer solchen Brutalität,
ja interessanterweise mittlerweile fast, man muss die Sorge haben, zwischen NATO-Partnern ausgetragen werden,
also zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten gegebenenfalls.
Es müsste eigentlich die originäre Aufgabe von Vereinten Nationen sein,
mit Blauhelmen oder auch mit vielleicht sogar richtigem Militär dort eine Schutzzone zu errichten.
Und wenn man das weiter in ökologischer Hinsicht denkt, dann wäre die Vorstellung einer Weltgemeinschaft,
die in der Lage ist, die ökologischen Ressourcen, die Schätze, die absoluten Notwendigkeiten,
ob es Senken sind, also die Bereiche, wo wir CO2 aufnehmen oder vor allem auch die,
das wäre beispielsweise auch die Absorption durch Urwälder oder eben die Tatsache,
dass sie selbst die Frage aufwerfen gibt es Schätze der Menschheit, die unberührbar bleiben müssen.
Diese Frage ist eine, aus der sich die Vereinten Nationen letztlich durch ihre Impotenz absolut verabschiedet haben.
Das ist die Zäsur der frühen 2000er Jahre.
Dann aber gab es eine dritte große Zäsur, die auch wieder so etwas bedeutet hätte,
wie eine Chance der Weltgemeinschaft, Nachhaltigkeit anders zu praktizieren, als es dann geschehen ist.
Und das ist genau vor zehn Jahren bzw. jetzt elf Jahren passiert.
Das war die Weltfinanzkrise.
Im Augenblick der Weltfinanzkrise, als letztlich eine aus dem Ruder geratene,
man kann es fast sagen, Finanzaristokratie merkte, dass sie nicht mehr in der Lage ist,
ihre eigenen Institutionen zu verteidigen, nämlich die Banken bzw. sie zu retten.
Wir haben es ja erlebt mit Lehman Brothers, dem großen Konkurs.
In diesem Augenblick war die große Chance noch einmal gegeben, den Staat,
wie aber auch die internationale Gemeinschaft so zu ermächtigen,
dass man diesem aus dem Ruder geratenen Kapitalismus etwas hätte in den Weg stellen können.
Ihn ein Stück weit hätte vergesellschaften können.
Und damit letztlich auch einen anderen Weg hätte einschreiten können.
Aber auch diese Chance ist dramatisch verspielt worden.
Und wir alle wissen, was die Folge war.
Die Schulden der Banken wurden sozialisiert.
Sie wurden von den Nationalstaaten in Europa gebuckelt in gewisser Weise.
Die Staaten haben sich in hohem Maße verschuldet.
Sie haben die privaten Schulden übernommen und sind somit selber in die Krise des Euros
wie auch der europäischen Staaten geraten.
Griechenland unter anderem und viele andere Staaten, die davor nicht annähernd so verschuldet waren,
dass sie dieses Maß an Krise hätten erleiden müssen, was dann die Folge war.
Da ist eine weitere Chance einer internationalen Regelung,
dieses Kapitalismus sowohl ressourcenverschlingender Art wie auch spekulativer Art ihn zu hegen,
ist damit vertan und verspielt worden.
Und dann haben wir, und das macht das ganze Elend der einen Welt aus,
und das Scheitern der einen Welt, wir haben dann im Jahre 2015 das,
was ich als den nationalistischen reaktionären Backlash beschreiben würde.
Die Tatsache, dass dann mit dem Phänomen der großen Flucht, wo ja eigentlich das Drama zuschlägt,
dass die Menschen, die sich, weil es keine eine Welt gibt,
weil es eine Welt der Zerstörung kriegerischer Art gibt,
aber zunehmend auch in ökologisch zerstörerischer Weise,
diese Menschen sich mehr und mehr auf die Flucht begeben,
sich der Rest der Welt, abgesehen von einigen wenigen Staaten,
Deutschland durchaus an der Spitze zu dem Zeitpunkt,
dass der Rest der Welt sich abschläglich entscheidet und sagt,
diese Flucht müssen wir durch Nationalismus begegnen.
Also wir erleben so etwas wie eine brutale Renationalisierung,
das haben wir in Europa, ausgehend von Ungarn, aber längst weit darüber hinaus.
Und man darf sich übrigens auch da den Westen nicht zu schön malen.
Auch Frankreich hat keinerlei Flüchtlinge aufgenommen.
Das fällt manchmal sehr schnell unter den Tisch.
Wir haben so etwas wie eine absolute Absage an die eine Welt.
Es ist die nicht mehr vorhandene Bereitschaft,
mit den Kosten der Zerstörung durch kriegerische,
aber auch umweltzerstörerische Maßnahmen mit den Kosten umzugehen.
Und mit Kosten meine ich damit, und das soll jetzt nicht brutal klingen,
ich meine mit den menschlichen Kosten.
Es sind Kosten, die sich quasi in Form von Menschenleben an den Küsten abspielen,
aber zunehmend auch durch Fluchtbewegungen,
weil ein Teil der Erde immer weniger bewohnbar wird.
Und so haben wir jetzt im Zuge von 2015 eigentlich das finale Ende
der Vorstellung von solidarischer, einiger Welt erlebt.
Und jetzt sind wir an dem Punkt,
und da will ich vielleicht ja dann doch ein wenig Hoffnung stiften,
denn so kann man ja nicht aus einem solchen Abend gehen.
Ich hoffe, wir diskutieren übrigens auch noch gleich sehr engagiert,
ich habe ja noch ein paar Minuten.
Jetzt bleibt natürlich die Frage, was kann die Antwort,
Sie sprachen es an, was kann die Antwort sein?
Ich will das vor allem auch versuchen in der Frage zu annotieren,
was sind die Akteure?
Reinhard Loske wird sicherlich dann in fünf Tagen auch sehr viel mehr
noch die Agenda beschreiben, das ist er weit mehr Experte als ich es bin.
Aber bei der Frage der Akteure sind meines Erachtens zwei Sachen
vor allem ins Visier zu nehmen.
Gestern haben wir erlebt, das ist auf den harten nationalistischen Backlash,
und das ist wirklich ein großer Glücksfall,
dass es in der Vergangenheit so etwas gegeben hat wie eine,
man kann es sagen, den Backlash gegen den Backlash.
Also, dass sich tatsächlich eine Jugendbewegung dieser Art
vor einem Jahr, und das muss man schon sagen,
durch eine Person und wirklich eine beispielhafte Figur,
ich will das gar nicht lange ausmalen,
es ist aber unsäglich, dass einem solch außergewöhnlichen Menschen
wie Greta Thunberg diese ungeheuren Vorwürfe,
Diffamierungen entgegengestoltert werden.
Ein Mensch, und das muss man schon sagen,
der wahrscheinlich gerade auch, weil sie eigen ist,
weil sie ja sogar krank in einem gewissen Sinne ist mit ihrem Autismus,
das sagt sie ja selber, aber gerade dadurch eine Sensibilität hat,
die viele eben gar nicht haben, weil sie mit einer Dringlichkeit
die Probleme und die Gefahren annotiert,
dass ein einzelner Mensch eine solche Bewegung in Gang setzen kann,
das alleine stiftet natürlich, das würde ich wirklich sagen,
und ich selber bin darunter davon ungemein beeindruckt,
das stiftet Hoffnung.
Es ist eine neue Generation, jedenfalls in ihren,
nennen wir es aber auch sehr klar, in ihren progressiven Teilen,
das muss man immer sehr sagen,
denn wenn wir die Ergebnisse der jüngsten Shell-Studie uns angucken,
dann ist es nur ein Teil, vielleicht leider sogar nur der kleinere Teil
der jungen Generation, der sich jetzt so politisiert.
Aber immerhin, es ist das Sensorium dafür da,
und das hat eine ungeheure Dimension, und das macht das Neue aus,
dass es sich nicht mehr um ein Problem zukünftiger Generationen handelt,
sondern, und das ist der neue Faktor, diese Generationen wissen ganz genau,
sie sind selbst betroffen.
Wenn wir früher davon sprachen, klassischerweise,
es geht um die Lebenschancen zukünftiger Generationen,
dann haben wir das in einer Weise in die Entfernung gerückt
und mit der Vorstellung versehen, eigentlich trifft es eher die Nachgeborenen,
die wir vielleicht gar nicht mehr kennenlernen.
Dieser Faktor ist durch die Tatsache, dass wir in den letzten Jahren
ein Näherrücken der Krisenphänomene erlebt haben, so untergraben worden,
dass der neuen Generation, der jungen Generation,
jedenfalls in ihren aufgeweckten Teilen, sehr bewusst ist,
dass sie absolut von den Konsequenzen getroffen werden.
Und deswegen habe ich die erste Hoffnung, um es deutlich zu sagen,
dass hier so etwas zuschlägt wie das aufgeklärte Eigeninteresse.
Es ist kein bloßer Altruismus, das darf man sich auch nicht zu schön gucken,
das will ich aber auch gar nicht abwerten sagen, sondern im Gegenteil.
Ich habe die Hoffnung, dass aus der Erkenntnis, dass es sie selber trifft,
und uns alle durchaus zum Teil auch, die wir nicht schon 70, 80, manche sind es ja,
aber ich meine jetzt die Jüngeren, die noch immer der Meinung sein können,
es kann schon in 10, in 15 Jahren ganz anders sein.
Und diese Sorge müssen wir alle haben.
Das heißt, es wird uns, es wird die Jüngeren treffen.
Dieses aufgeklärte Eigeninteresse, dass man notwendigerweise etwas tun muss,
habe ich für eine große Chance gehalten, habe ich, und das muss ich gestehen,
und damit bin ich schon sehr schnell auf der nächsten Ebene,
auch im Bereich des Nationalen, eigentlich für so einschlägig gehalten,
dass ich am 21. September, am Morgen des 21. September,
als das große Klimakabinett mit geschlagenen 15 Leuten vor mir,
ich weiß nicht, ob ich es irgendwo im Sender kommentiert habe,
aber ich jedenfalls sah es live natürlich, wie wahrscheinlich viele von Ihnen am Fernseher,
dass ich völlig sprachlos und gelinde gesagt nicht nur ernüchtert, sondern entgeistert war.
Entgeistert darüber, dass diese Einsicht in die Notwendigkeit
bis dato jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei nennenswerte Umsetzung
in der Politik der nationalen Politik gefunden hat,
dass der eigentlich einzige wirklich nennenswerte Maßstab,
den auch alle Klimaexperten anschlagen, nämlich Notwendigkeit,
die CO2-Emission, die wir gegenwärtig alle externalisieren,
also das heißt, wir stoßen sie aus und andere müssen sie erleiden,
ob in der dritten Welt oder eben wir allerdings selber,
indem sie hier Niederschlag finden in Klimaschäden,
aber wir machen uns nicht unsererseits haftbar,
beziehungsweise zahlen nicht die Kosten direkt, die wir sie selbst ausgeben.
Die Internalisierung, der einzige Faktor, der eigentlich nennenswert,
deutlich machen würde, dass Ernsthaftigkeit besteht,
ist, wie Sie alle wissen, bei 10 Euro pro Tonne veranschlagt worden.
Und das sei dazu gesagt übrigens erst ab dem Jahr 2021.
Das heißt, gegen den Rat aller Umwelt- und Klimaexperten,
die von einem Einstiegspreis von 35 bis 50 Euro ausgehen,
als Minimalpreis, damit überhaupt dann eine Steigerung stattfinden kann,
bis zu einer Höhe von 130 Euro, die dann irgendwann mal die anzustrebende wäre,
um wirklich wahrhaftige Preise zu haben.
Die Schweden haben, glaube ich, mittlerweile 115 Euro.
Sie können es vielleicht bestätigen.
Das heißt, das wäre die Summe, 130 Euro, die anzustrebend wäre.
Wir fangen im Jahre 2021 mit 10 Euro an.
Was heißt das?
Das heißt, diese Bundesregierung ist in keinster Weise willens,
und das halte ich für das große Versagen,
das, was sowohl in der jungen Generation,
aber auch in weiten Teilen der Mehrheitsbevölkerung,
jedenfalls denen, die ja immer noch eher Grün, Rot und Schwarz wählen,
dass in dieser Mehrheitsbevölkerung das umgesetzt wird,
sodass es die Leute wirklich merken, dass sich etwas tun soll,
sondern sie folgen nur einer Partei,
die allen Menschen verspricht, es wird sich gar nichts ändern,
denn es muss sich nichts ändern,
denn es findet keine Klimaveränderung statt.
Das ist faktisch die Position der AfD, die in ihrer Position,
ich mache es mit dem schönen Slogan statt,
wie heißt es immer so schön?
Du willst so bleiben, wie du bist.
Du darfst.
Manch einer kennt vielleicht diese schöne Werbung.
Dieses Bild, dass sich eben gar nichts ändern muss,
das uns von der AfD tagtäglich präsentiert wird,
ist faktisch in diesem Nullum eines Klimapakets geronnen,
in dem letztlich in der 10-Euro-Marge pro Tonne,
die noch nicht einmal gleich einsetzt, eigentlich gesagt wird,
es ändert sich nur etwas in Spurenelementen
oder in homöopathischen Dosen.
Um es klarzumachen an einem Beispiel.
Wenn wir auf Flugreisen,
und ich glaube übrigens sogar auf der Langstrecke,
also Reisen nach Amerika,
einen Zusatz von 17 Euro zu zahlen haben,
wird niemand irgendwie sich nur darüber Gedanken anstellen,
ob die Reise vielleicht entbehrlich ist.
Und wenn es sich um ähnliche Summen
und viel, viel geringerer Art prozentual bei Reisen nach Mallorca,
die wahrscheinlich heute schon für 50 Euro,
oder nach Barcelona für 50, 30, 40 Euro zu haben sind,
wenn es dabei um Aufschläge von einem Prozent geht,
ist das alles nichts, um wirklich die Frage aufzuwerfen,
kann man, sollte man, muss man irgendetwas ändern?
Das ist natürlich aber in seinen Auswirkungen absolut verheerend.
Weil die Auswirkung darin besteht,
dass der Bevölkerung suggeriert wird,
eigentlich sind wir alle auf dem besten Wege,
ohne dass irgendetwas passiert.
Und das wirft die Frage, und das macht es so dramatisch,
auch natürlich auf eine junge Generation zurück.
Eine junge Generation, die, wie ich es beschrieben habe,
einen echten, objektiven Generationenkonflikt auszutragen.
Übrigens weit dramatischer als dennoch der 68er.
68 gab es eine derartige Konfliktlage nicht.
Daniel Cohn-Bendit hat mal den schönen Begriff gefunden,
die 68er-Generation war die letzte Generation,
die noch nichts vom Ozonloch wusste.
Da schwang mit Ironie mit, ja,
das war eine Generation vor der ökologischen Krise.
Heute würden wir sagen, das Ozonloch war noch das kleinste Übel,
was zu bewältigen war.
Und trotzdem findet dieser Generationenkonflikt
in keiner Weise Ausklang und Ausschluss in dem,
was diese Regierung beschlossen hat.
Um da auf Erhard Eppler zurückzukommen.
In seinem Buch, Wende oder Ende, hat er damals gesagt,
es kommt auf die Notwendigkeit des Machbaren an.
Das war sein zentraler Begriff.
Es muss eigentlich jede Regierung, wenn sie ernsthaft darum bemüht ist,
etwas zukunftstaugliches zu machen.
Sie muss sich immer der Frage stellen,
was ist der Bevölkerung zumutbar im Rahmen des Notwendigen.
Um das ausgetestet zu haben, das macht die eigentliche Politik aus.
Und mein Grundproblem angesichts dieser Regierung besteht darin,
dass ich den Eindruck habe,
dass diese Regierung selber überhaupt nicht Anstalten gemacht hat.
Sich zu fragen, ob nicht ein großer Teil in dieser Gesellschaft bereit ist,
weit, weit mehr zu leisten.
Und ob sie nicht selber genötigt ist, eine Konfliktlinie einzuziehen
und vielleicht sogar den anderen Teil zu überzeugen,
dass mehr zu leisten ist.
Diese Auseinandersetzung ist bisher auf nationaler Ebene
überhaupt nicht geführt worden.
Und deswegen stellt sich für mich die große Frage,
wenn wir bei den Akteuren bleiben wollen,
was kann eine neue Bewegung, daraus für Schlüsse zu ziehen.
Ich habe die allergrößte Sorge, ich sage das hier auch sehr deutlich,
dass erstens die Konsequenz für das Klimakabinett,
das Klimakabinett ist schon der falsche Begriff,
ich meine die Große Koalition, die übrigens ihren Namen kaum mehr verdient,
weil sie erstens nicht zu groß in der Lage ist, wie wir gerade gesehen haben,
geschweige denn, dass sie noch einmal die Mehrheit erreichen würde,
weil sie mittlerweile schon unter 50 Prozent reicht.
Und das ist das große Problem, zugespitzt gesagt.
Denn meine Befürchtung ist,
dass gerade weil sie so versagt hat, die Große Koalition,
dass umso mehr beide Parteien,
die über keine klare Führungskraft verfügen,
zum gegenwärtigen Zeitpunkt,
dass sie sich umso mehr aneinanderklammern werden
und dass wir, was die Klimapolitik anbelangt,
wenn es nicht zu einem Ende vorzeitiger Art
durch die SPD beispielsweise kommt,
was ich aber übrigens nach diesem Versagen umso weniger erwarte,
weil die SPD umso größere Angst hat, genau wie die Union natürlich auch,
dass sie eine gewaltige Klatsche seitens der Grünen erleiden werden,
weil alle der jüngeren Generation,
genau wie Erhard Eppler es bereits vor 40 Jahren gesagt hat,
die junge aufgeklärte Generation
natürlich in die Arme der Grünen flüchten wird,
dass aber deshalb umso mehr
die beiden Großkoalitionäre aneinanderklammern werden.
Das hat natürlich aber für die Akteure der jungen Generation
eine absolut fatale Konsequenz.
Denn wir werden über zwei Jahre,
wenn sich nicht doch noch eines Tages
diese Koalition zu mehr erfraut oder ermannt,
dann werden wir über zwei Jahre verlorene Zeit haben.
Und die große Frage wird sein,
kann eine Bewegung wie Climate Justice oder Fridays for Future,
kann sie eine solche Zeit, eine solche Durchstrecke überstehen?
Wenn wir das historisch vergleichen,
ich komme noch einmal auf 68 zurück,
dann war es im Falle von 68 genau nicht der Fall.
Als das große zentrale Mobilisierungsmoment der 68er,
nämlich der Kampf gegen die Notstandsgesetze,
das war die große, übrigens alle Schichtengruppierungen
verbindende Moment der Kampf gegen die Notstandsgesetze,
die Sorge darum, dass diese Demokratie
wieder in eine Form des Post- oder Präfaschismus fallen könnte,
als die verabschiedet wurden.
Und übrigens sich auch herausstellte,
und da haben viele 68er auch ein Stück weit geirrt,
dass es in dem Augenblick eben nicht sofort
eine Nicht-Demokratie sein würde.
In dem Augenblick zerfiel die Bewegung,
zerfiel zum Teil insektiererische Gruppierungen,
K-Gruppen und sonstiger Art, der radikalste Arm,
Sie alle erinnern sich, die RAF nahm die Waffe in die Hand.
Es war also ein desaströses Zerfallsmoment
und eine gewaltige Ernüchterungsphase.
Ich will das keineswegs, um nicht missverstanden zu werden,
auf die Fridays for Future jetzt übertragen wissen,
aber ich frage mich wirklich ernsthaft,
wie eine solche Bewegung, übrigens noch sehr junger Menschen zum Teil,
von denen ein großer Teil, da darf man sich auch nichts vormachen,
natürlich nicht so politisiert ist, wie sollte sie das auch sein,
dass sie tatsächlich empfinden, was für ein Rückschlag das ist.
Viele werden wieder ganz normal in die Schule gehen,
das ist ja auch nicht nur falsch, aber die Grundfrage besteht darin,
wie kann so etwas wie eine solche Bewegung
ihren aufklärerischen Charakter behalten und weiter fortsetzen,
transformieren auf eine andere Ebene.
Und da sehe ich eigentlich nur zwei Möglichkeiten.
Ich sehe eine große Chance,
und das macht das Neue dieser Bewegung aus,
in ihrem internationalen Charakter.
Das, was 68 gerade in Deutschland überhaupt nicht hatte,
das war zwar auch die Verständigung darauf,
sich international zu begreifen,
das war aber zum Teil natürlich gegen den Vietnamkrieg,
zum Teil gegen die Vereinigten Staaten,
aber im Kern war auch gerade 68 in Deutschland
eine ganz spezifisch deutsche Bewegung,
sehr stark in Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte,
sehr stark geprägt durch die nationalsozialistische Elterngeneration,
also es war etwas sehr Spezifisches.
Diese neue Jugendbewegung ist im Kern und auch in ihren Interessen
in der Tat international.
Denn es ist in allen Staaten, natürlich vor allem Europa,
mit Deutschland sicherlich weit an der Spitze,
die Bewegung ist in Deutschland mit Sicherheit am stärksten,
aber es ist natürlich trotzdem ein internationales Wissen darum,
dass diese ganze Generation auf dem ganzen Globus
im Kern gemeinsam getroffen ist.
Und das ist natürlich ein Potenzial, bei dem man hoffen kann,
dass es auch weiter Fortsetzung findet.
Ich muss im Nachhinein sagen, ich bedauere es schon,
das sage ich ganz unumbunden, auch wenn ich sehr verstehe,
dass der Nobelpreis der sehr mutige, glaube ich,
äthiopische Präsident, oder war es Äthiopien?
Ja, Äthiopien, äthiopische Präsident bekommen hat.
Ich bedauere es trotzdem sehr,
dass es Greta Thunberg nicht bekommen hat.
Weil ich glaube schon, erstens wäre es gerechtfertigt gewesen,
es wäre dem Anliegen halber gerechtfertigt gewesen.
Und ich sage, warum ich es jetzt gerade bedauere.
Weil ich auch in ihrem Fall die Sorge habe,
dass das, was wir gegenwärtig noch als Besonderheit begreifen,
in absehbarer Zeit den Charakter verlieren könnte, verblassen könnte
und auch ein Stück weit nicht so nobilitiert sein wird,
dass es fortgetragen wird.
Also, ich will sagen, das ist ein ganz schwaches Hoffnungsmoment,
dass wir, und das macht es ja,
sie würde es wahrscheinlich sogar selber sofort kritisieren,
es macht es ja schon fast pervers,
dass wir und ich hier als ein Älterer sagen müssen,
man muss ein Stück weit schon auf die jüngere Generation setzen.
Das wurde von der Generation ja sogar zum Teil abgelehnt.
Aber im Kern ist es zumindest ein Faktor,
den ich finde, wir nennenswert erhoffen können.
Das Zweite, um es deutlich zu sagen,
ist natürlich bei alledem, und da wird es zentral,
natürlich trotzdem die internationale Ebene.
Es wird sich bei allem Bemühen und bei aller Kritik
am deutschen Klimapaket nichts Nennenswertes ändern.
Oder jedenfalls, ich sage es noch zugespitzter,
es wird immer die leider zum Teil berechtigte,
wenn auch immer zynische Intervention der AfD
und anderer Akteure geben, die da lauten wird,
was werden unsere Drei-Prozent-Reduktion
im Weltkonzert bewirken, wenn andere gar nichts machen?
Das heißt, es muss so etwas angeben
wie ein Neuangang auf internationaler Ebene.
Und da spielt natürlich ein Datum, um es ganz konkret zu fassen,
eine ganz entscheidende Rolle.
Wenn es am 3. November des nächsten Jahres
in den Vereinigten Staaten keine Entscheidung gibt,
die nicht Donald Trump heißt,
dann haben wir aller Voraussicht nach
fünf weitere verlorene Jahre.
Dann wäre gewissermaßen der Kreis geschlossen.
Dann hätte der Westen, interessanterweise immerhin
nach 1990, mit George Bush, dem Älteren,
so etwas hatte wie die Vorstellung einer neuen Weltordnung.
Das mag auch Clinton übrigens noch aufgenommen haben,
wobei ich auch bei ihm nicht sehe, dass er nennenswert,
ja, Al Gore war die große Nummer,
aber Al Gore spielte irgendwann in der Abseite
und leider ist er nie Präsident geworden.
Also auch da gab es immerhin so etwas
wie ein Andenken einer ökologischen Wende,
aber sie wurde eben nie manifest.
Und die große Frage wird sein,
ob im nächsten Jahr die Vereinigten Staaten in der Lage sind,
das, was von linker Seite, Elisabeth Warren und anderen,
jetzt als neuer Green New Deal,
den mögen wir ökologisch nicht für perfekt halten,
weil trotzdem die Frage im Raum bleibt,
ist eine kapitalistische Wachstumsgesellschaft
überhaupt zu begrünen?
Aber immerhin gibt es ein Empfinden dafür
und es gäbe so etwas wie eine Rückkehr
zum Multilateralismus im Grundkonzert.
Das ist natürlich die einzige,
jetzt zugespitzt und vielleicht ganz schwarz gesehen,
aber die einzige Hoffnung realpolitisch-internationaler Art,
die man haben kann,
dass vielleicht doch all die Unsäglichkeiten eines Donald Trump
im nächsten Jahr ihre Quittung erleben werden,
dass so etwas stattfindet,
wie eine Revitalisierung einer internationalistischen,
auch einer zum Teil ja immer auch universalistischen Orientierung
der Vereinigten Staaten und des Westens insgesamt,
weil andernfalls wäre gewissermaßen
das westliche Momentum endgültig verspielt.
Und dann bliebe, um mit einem letzten Saarländer zu schließen,
und das, glaube ich, ist tatsächlich die gegenwärtige Notwendigkeit,
Sie wissen, wen ich meine, ich führe Sie heute alle vor und auf,
ich meine natürlich unseren großen Außenminister Heiko Maas,
dann wäre natürlich das, und er hat ja völlig recht,
das Letzte, auf das man setzen könnte,
das wäre dann die Vorstellung einer Allianz der Multilateralisten.
Da hat Heiko Maas völlig recht.
Heiko Maas fordert so etwas wie, wenn die UNO schon versagt,
wir dagegen, und das muss natürlich der Anspruch Europas sein,
dass wir so etwas zu Wege bringen,
wie eine Kraft, die in der Lage ist,
doch noch mit internationalistischem, universalistischem Anspruch
sowohl, ja, vielleicht intervenierend,
da ist er ganz an der Seite der anderen Saarländerin Annegret Kramp-Karrenbauer
in Krisenregionen, aber natürlich auch in Krisenfällen,
wie der Umweltfrage, so etwas aufzubieten,
wie eine Bereitschaft restlicher Staaten zu intervenieren
und so etwas zu tätigen im Sinne des universalistischen,
ja, Ideals der einen Welt.
Aber Sie merken alle, und damit bin ich leider am Ende,
das ist am Ende nach 30 Jahren Durchgang
von dem eigentlichen großen Sieg des Westens
der einen Welt, die dann ja eine westliche Welt war,
am Ende geblieben.
Es ist jedenfalls in einer ökologischen Hinsicht,
in einer Verständigung auf die planetarischen Grenzen,
eine absolut desaströse Bilanz,
und insofern kann man ja vielleicht nur hoffen,
dass sich der Westen doch noch ein Stück weit revitalisiert.
Denn was andernfalls, und das will man sich gar nicht ausmalen,
die andere Lösung sein wird, und das erleben wir natürlich
im großen Konzert, und damit bin ich fast schon wieder
Schluss quasi bei dem ersten Vortrag, den ich gehalten habe.
Das könnte dann eines Tages die große dramatische
Auseinandersetzung sein zwischen einer westlich,
dann doch noch immer zivildemokratischen,
ökologischen Lösung oder dem, was als autoritäre Lösung
aus China einem entgegenkommt.
Diese Auseinandersetzung will man sich heute gar nicht vorstellen.
Denn bei einer wirklichen Grenzsetzung,
die wir selber tätigen,
ob eines immer weiter expandierenden Kapitalismus,
wird der Kampf um die Ressourcen immer größer werden.
Es wird auch der Kampf um die Kontrolle der Ressourcen
immer größer werden.
Und damit könnte am Ende die Frage stehen,
ist es ein Kapitalismus begrenzender, kontrollierender Art
in reinster Form, wie es China bereits praktiziert,
der die Oberhand gewinnt, weil er,
und das macht es so dramatisch, überhaupt nur noch in der Lage ist,
Grenzen zu setzen, derweil die westliche Demokratie
nicht mehr in der Lage ist, sich über eine solche Gemeinsamkeit
als eine Welt überhaupt zu verständigen.
Ich danke Ihnen.