An drei Beispielen von Alltagswahrnehmungen soll unsere Gegenwartsgesellschaft plastisch charakterisiert werden: Erstens wird das typische Aussehen und der Habitus vieler Einheimischer mittels des Oberbegriffs der „Vulgärdekadenz“ und milieuspezifischer Varianten derselben gedeutet; zweitens wird der „Multikulturalismus“ konkreter anhand des Aussehens und Verhaltens bestimmter Gruppen von Fremden und zwangsläufig darauf entstehender xenophober Reaktionen von Indigenen untersucht; und drittens wird am Beispiel der sogenannten Graffiti die Verwahrlosung unserer Gesellschaft in den Blick genommen.
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Hören Sie heute einen Essay des Soziologen Dr. Friedrich Pohlmann.
Sein Thema, vulgär, dekadent, überfremdet, verwahrlost.
Wie unsere Gesellschaft aussieht.
Wer fragt, wie unsere Gesellschaft aussieht, muss mit irritierten Nachfragen rechnen.
Etwa, was wird unter unserer Gesellschaft verstanden?
Dass die deutsche Gegenwartsgesellschaft gemeint ist, liegt zwar nahe,
aber diese ist ja zugleich nur eine Variante des westlichen Gesellschaftstyps.
Was muss also mitgedacht werden, wenn man die Deutsche als westliche Gesellschaft bezeichnet?
Schließen wir zunächst einige verbreitete Fehlbestimmungen aus.
Die deutsche Gegenwartsgesellschaft als Variante der westlichen
ist weder liberal, noch demokratisch, noch bürgerlich.
Treffendere begriffliche Annäherungen sind die Attribute postliberal, postdemokratisch und postbürgerlich.
Der klassische Liberalismus war ein nationalstaatlich gezähmtes und nicht grenzenloses Projekt
und hatte, genauso wie der Demokratiebegriff, einen kulturell geteilten Wertekosmos
der Gesellschaftsmitglieder zu seinem Grundfundament,
der aber unter multikulturellen Bedingungen zerbrechen muss.
Auch der Begriff des Bürgers war mehr als eine statistische Kategorie zur Bezeichnung des Besitzstandes,
sondern mit einem kulturell tradierten Lebensmodell festverkoppelt.
Unsere grenzenlose Gegenwartsgesellschaft ähnelt einer ins Groteske getriebenen Karikatur des Liberalismus.
Sie wird von transnationalen, nicht demokratisch legitimierten, oligarchisch-ideologischen Machtklicken dirigiert,
die den Demokratiebegriff von einem Verfahrensmodell zu einem ideologischen Konstrukt
zur endgültigen Zerstörung der Nationalstaaten und Nationalgesellschaften umgedeutet haben.
Diese Klicken beherrschen die Europäische Union, die ihrerseits mit US-amerikanischen Machtzirkeln engstens verzahnt ist.
Faktisch bedienen Letztere die entscheidenden Hebel, an denen die Entwicklung der europäischen Gesellschaften hängt.
Somit ist auch fragwürdig, ob man die deutsche Gegenwartsgesellschaft überhaupt noch vorbehaltlos deutsch oder europäisch nennen sollte.
Als eine Variante der westlichen ist sie, wenn wir die entscheidenden Weichensteller ins Auge fassen, eine amerikanisierte Gesellschaft.
Aber tatsächlich reicht die kulturelle Amerikanisierung der deutschen Gesellschaft viel weiter zurück.
Bis auf den 8. Mai 1945, die deutsche Kapitulation im Zweiten Weltkrieg.
Danach hat sich die Amerikanisierung als kulturelle Softpower bestimmend über den westlichen Teil Deutschlands ausgebreitet
und sie prägt heute mittels der Massenunterhaltungsindustrie amerikanischer Provenienz das europäische Lebensmodell tiefgehend.
Kurz, die deutsche Gegenwartsgesellschaft ist eine postliberale, postdemokratische, postbürgerliche, postnationale
und maßgeblich von US-amerikanischen Machtzirkeln dirigierte multikulturelle Massengesellschaft.
Wenn wir nun nach dem Aussehen dieser Gesellschaft fragen, dann ist dabei impliziert,
dass sich Grundmerkmale derselben in typischen gesellschaftlichen Phänomenen festgeschrieben haben und sichtbar sind.
Wie jede Gesellschaft so zeigt auch die unsrige Betrachtern in spezifischen Zeichenkonstellationen
Charakteristika ihrer Konstruktion und ihres Selbstverständnisses.
Die pure Wahrnehmung derartiger Phänomene gehört zur Jedermannserfahrung.
Jeder Mensch, der seine Füße von seiner Haustür ins Innere unserer Städte lenkt,
wird mit einer Vielzahl von Eindrücken konfrontiert, die die Machart unserer Gesellschaft und ihren gegenwärtigen Zustand verraten.
Freilich ist im Jedermannsblick normalerweise die genauere Entzifferung derartiger Eindrücke versagt.
Oft werden sie nur als unhinterfragte Selbstverständlichkeiten wahrgenommen
und erzeugen allenfalls diffus gefühlte Negativ- oder Positivreaktionen.
Für soziologische, ästhetische oder historische Deutungen,
für ihre Erkenntnis als Zeichen für eine Gesellschaft in ihrem aktuellen Zustand,
bedarf es hingegen eines geschulten Blickes.
Den Geschulten unterscheidet vom naiven Blick, dass er seine Eindrücke reflektiert einzuordnen versucht.
Das heißt in unserem Fall, dass er sowohl Hypothesen über Entstehungsbedingungen
der ihm begegnenden Phänomene zu bilden fähig ist,
als auch das aktuell Wahrgenommene mit historischen und aktuellen Gegenbeispielen,
die ein mögliches anderes Anzeigen vergleichen kann.
Beides setzt die Fähigkeit zur Distanz sowohl zum Wahrgenommenen
als auch zu spontanen Bewertungen desselben voraus.
Ich will im Folgenden an drei Beispielen von Alltagswahrnehmungen
unsere Gegenwartsgesellschaft plastischer zu charakterisieren versuchen.
Erstens, indem ich das typische Aussehen und den Habitus vieler Einheimischer
mittels des Oberbegriffs der Vulgärdekadenz zu deuten trachte.
Zweitens, indem ich das typische Aussehen und Verhalten bestimmter Gruppen von Fremden bei uns
und Reaktionen der Indigenen darauf analysiere.
Was Multikulturalismus heißt und bewirkt, wird dadurch konkreter.
Und drittens werde ich am Beispiel der sogenannten Graffiti
genauer die Verwahrlosung unserer Gesellschaft in den Blick nehmen.
Graffiti ist das große Sinnbild einer postliberalen, postdemokratischen, postbürgerlichen,
multikulturellen Massengesellschaft im Zustande ungebremster Verwahrlosung.
Würde ich gebeten, ein Habitusmerkmal zu nennen,
das sich durch alle Sozialmilieus der indigenen deutschen Bevölkerung der Gegenwart durchzieht
und sofort erkenntlich ist, dann würde mir Vulgärdekadenz als erstes reinfallen.
Das Wort verweist darauf, dass wir in einer nachbürgerlichen Massengesellschaft leben,
die zwar in materieller Hinsicht vielfältig abgestuft ist,
in der es aber hinsichtlich des Lebensstils und der kulturellen Orientierungen
keine beispielgebenden höheren Schichten mehr gibt.
Zwar finden sich noch verstreute Überbleibsel bürgerlicher und aristokratischer Stile,
aber deren frühere Vorbildfunktion ist schon lange dahin.
Stattdessen haben sich Lebensstilorientierungen unterer sozialer Milieus
zum Basismodell für alle entwickelt.
Lebensstilorientierungen, für die mir das Wort Vulgärdekadenz am treffendsten erscheint.
Bevor ich deren wichtigste Ausprägungen in unserer Gesellschaft genauer unter die Lupe nehme,
seien einige allgemeinere Überlegungen zum Dekadenzphänomen skizziert.
Wer kulturhistorisch der Dekadenz nahespürt, wird bald auf zwei grundverschiedene Varianten stoßen.
Auf eine höhere, eine, die sich in den oberen Etagen des Gesellschaftsbaus
zu bestimmten Zeiten fast naturwirksig auszubilden pflegt,
und eine Dekadenz des Unten, des Volkes, der Masse, eben jene, die ich Vulgärdekadenz nenne.
Grundvoraussetzung für beide Varianten ist materieller Überfluss,
der bei der höheren Form schichtspezifisch begrenzt ist,
während er sich bei der Vulgärdekadenz gesamtgesellschaftlich ausgebreitet hat und auch dem Volk zugute kommt.
Wo Armut, Knappheit und ein Etters der Arbeit herrschen, entsteht keine Dekadenz.
Prototypen der höheren Dekadenzformen ließen sich gut am Beispiel des verhöflichten Adels im vorrevolutionären Frankreich beschreiben
oder an Sozialtypen wie dem Flaneur in der hochbürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts.
Drei gemeinsame Merkmale dieser Dekadenzform sind unschwer erkenntlich.
Die Verachtung gewöhnlicher Arbeit,
zweitens ein auf das endlose Streben nach sinnlicher Verfeinerung zum Zwecke sozialer Distinktion ausgerichteter Lebensstil
und drittens Kinderlosigkeit als Normalfall.
Die Mätressen am vorrevolutionären Königshof waren kinderlose Spezialistinnen für sexuelle Raffinessen
und der idealtypische Flaneur des bürgerlichen Zeitalters, der sein Leben zum Kunstwerk machen wollte, war in der Regel homosexuell.
Auch die Vulgärdekadenz ist zumindest mit Kinderknappheit verbunden.
Wo sie herrscht, sinkt die demografische Reproduktion unter die Grenze der Bestandhaltung.
Ihr grundlegendes Charakteristikum ist aber im Gegensatz zur höheren Dekadenzform eine durchgehende Vergröberung des Lebensstils.
Als ihre zentrale Chiffre kann die altrömische Maxime »Panem et Circensis« gelten.
Diese impliziert, dass die Förderung der Vulgärdekadenz auch eine bewusst betriebene Herrschaftstechnik zur Ruhigstellung der Massen ist.
In Deutschland würde deshalb als gegenwartstypische Übersetzung dieser Maxime die Zweiheit Sozialstaat und Unterhaltungsindustrie nahelegen.
Sie hat den Wunsch vom Staat materiell versorgt und das Streben nach anspruchslosen Vergnügungen psychologisch zu weitverbreiteten Hamitusmerkmalen werden lassen.
Und dieses, die Fixierung auf den Staat als Versorgungs- und Ideologiequelle und die Prägung durch die Unterhaltungsindustrie,
sind bereits zwei zentrale Erkennungszeichen gegenwärtiger Vulgärdekadenz.
Historisch war die 68er Kulturrevolution eine der gesellschaftlichen Grundbedingungen für ihre Verbreitung in Deutschland.
Die 68er-Revolte war ein wesentlicher Schrittmacher für die Verdrängung des bürgerlichen Hochkulturschemas als eines gesellschaftlichen Leitmodells
und für die milieuübergreifende Durchsetzung der amerikanisierten Unterhaltungsindustrie zur primären mentalitätsprägenden Kraft.
Dass die amerikanische Unterhaltungsindustrie auch nach dem Zusammenbruch des Kommunismus für eine gewisse Zeit zur entscheidenden Softpower,
für eine weltweite Hegemonialstellung des amerikanisierten westlichen Kulturmodells wurde, sei hier nur angefügt.
Ich fasse noch einmal die zentralen Bedingungen für die Ausbreitung der Vulgärdekadenz in der deutschen Gesellschaft zusammen.
Es waren dies die gesamtgesellschaftliche Wohlstandsentwicklung, die Aufblähung des Sozialstaates
und die Zurückdrängung des bürgerlichen Hochkulturmodells durch die Massenunterhaltungsindustrie.
Sie bezeichnen die entscheidenden Eckpunkte für die gesellschaftliche Hegemonie des vulgärdekadenten Lebensstils.
Man könnte die vulgäre Komponente dieses Lebensstils an sehr heterogenen Beispielen genauer illustrieren,
an Sprachformen, Essgewohnheiten, Musik- und Sportpräferenzen beispielsweise.
Besonders charakteristisch aber erscheint mir ein Detail im Wandel der Kleidermode,
nämlich die Durchsetzung der aus der Arbeitssphäre stammenden geschlechts- und schichtnivellierenden amerikanischen Jeans zur Standardbekleidung für alle.
Das Wort Vulgärdekadenz ist bei mir ein Oberbegriff zur Kennzeichnung von Grundmerkmalen des bei uns dominierenden Lebensstils.
Faktisch zeigt sich diese Dekadenzform aber in deutlich erkennbaren milieuspezifischen Varianten.
Zwei derselben sind besonders bezeichnend für unsere Gesellschaft.
Eine Grobvariante, die sich vornehmlich in unteren Milieus findet und ihre grünboke Ausformung.
Beide seien etwas genauer skizziert.
Haupterkennungszeichen der Grobvariante ist die verhässlichende Großtätowierung, bei Frauen manchmal mit exzessivem Piercing kombiniert.
Die Tattoos unterscheiden sich zwar typischerweise bei den Geschlechtern.
Frauen bevorzugen florale Motive.
Gemeinsam ist ihnen aber, dass sie sich oft als vollständige Übermalung gewisser Körperpartien, etwa der Arme oder Beine, darstellen und ihre Vielzahl schwer erkenntlich macht, was sie bedeuten sollen.
Bei Männern treten manchmal Gesichtstattoos hinzu, die dem Kriegerstamm der Maori abgeschaut sind.
Die Haut, die körperliche Leinwand für die Tätowierung sozusagen, wirkt bei beiden Geschlechtern nicht selten gedunsen.
Was auf ungesunden Lebenswandel und chronisches Unglücklichsein schließen lässt.
Auch sieht man sofort, dass diese Menschen materiell nicht auf Rosen gebettet sind.
Viele leben vom Sozialstaat, manche üben ganz gewöhnliche, einfache Berufe aus, aber alle unterscheiden sich signifikant von Angehörigen des Obdachlosenmilieus, die fast nie tätowiert sind.
Mittels der Tätowierung streben sie nach sozialer Distinktion unter ihresgleichen.
Aber weil sie den Distinktionswunsch nur innerhalb des angebotenen Spektrums vulgär-dekadenter Zeichenmuster verwirklichen können, findet eine Tätowierungskonkurrenz statt, die ihre Körper irreversibel verunstaltet.
Die Tätowierung, die auch in höhere Milieus eingedrungen ist, illustriert besonders deutlich einen Grundzug der Vulgärdekadenz in der westlichen Massengesellschaft.
Denn Ursprungsstätten dieses symbolisch gemeinten Körperschmucks waren in Europa das Matrosen- und Verbrechermilieu.
Im stalinistischen Gulag war er Erkennungszeichen der Kriminellen.
Und die Imitation von Tattoos archaischer Kriegerstämme belegt die untergründige Faszination, die mittlerweile bei uns der zivilisationsferne Kämpfer ausübt.
Aber Verachtung ihnen gegenüber ist mir völlig fremd.
Das ist allerdings anders bei der Grünwogenvariante der Vulgärdekadenz, die nur in höheren Sozialmilieus vorkommt und quasi zur Leitideologie des Westens geworden ist.
Zunächst ihre Grundmerkmale.
Und da ist zum anderen der identitätspolitische Opferkult mit seiner radikal-anti-abendländischen Stoßrichtung.
Er diskreditiert die abendländische Kultur als eine verdammenswerte Täterkultur des weißen Mannes, deren angeblichen Opfern jetzt eine Dominanz über die weiße Kultur zuerkannt wird.
Als Waffe zu ihrer Zerstörung wird eine schrankenlose Immigration aus nicht-westlichen Kulturen angepriesen.
Zu diesen zwei wahrlich verrückten Ideologiemotiven gesellt sich ein Psychologisches, das am klarsten die Herkunft des Vokismus aus höheren Sozialmilieus illustriert.
Wegen der angeblichen Superiorität seiner Weltanschauung eignet dem Vokismus eine Verachtung aller einfachen, normalen Menschen, also des sozialen Unten.
Damit kommt er parasitären Existenzen wie seinen typischen politischen Repräsentanten, die oft nichtsnutzige Studienabbrecher sind, und allen, die vom Staat leben und leben wollen, besonders entgegen.
Wir können damit bereits drei dekadente Grundorientierungen im Vokismus benennen.
Die Fixierung auf den Staat als Einkommensquelle für gesellschaftlich nutzlose und schädliche Ideologiearbeit,
zweitens die Glorifizierung fremder Kulturen auf Kosten der Abendländischen, die man der Zerstörung preisgibt,
und drittens die Verachtung gewöhnlicher Arbeit.
Als Repräsentant der postbürgerlichen, also anti-abendländischen Massengesellschaft ist der Grünvoke Mensch ein ganz natürlicher Verfechter der gegenwartstypischen Variante des Westens des Amerikanismus.
Er ist einerseits vollständig in seinem Lebensgefühl durch die amerikanisierte Massenkultur geprägt,
während der abendländische Bildungskanon weitgehend unbekannt ist oder nur als überflüssige Ramschware wahrgenommen wird,
und er ist zweitens ein besinnungsloser Nachplapperer des universalistischen westlichen Wertemodells,
das zur zentralen Legitimationsideologie des amerikanischen Imperialismus verkommen ist.
Der Grünvoke Mensch ist ein geborener Propagandist des Transatlantismus, der sich in der Vergangenheit pazifistisch gerierte,
aber jetzt angesichts des bröckelnden amerikanischen Imperiums zum bedingungslosen Bellizismus umgeschwenkt ist.
Als Sprechpuppe des Amerikanismus kennt er kein Vaterland,
sondern nur den konformistisch unterwürfigen Einsatz für alles, was sein Herr ihm abverlangt.
Als ästhetischer Typus ist der Grünvoke Mensch unschwer erkennlich.
Bei den jungen Männern dominiert das feminisierte Gesicht.
Es verweist auf seine Herkunft aus mittleren bzw. höheren Sozialmilieus fern,
der Sphäre der Handarbeit, die immer eine vermännlichende Wirkung hat.
Zur Feminisierung trägt bei, dass er oft von alleinerziehenden Müttern aufgezogen wurde,
sodass er deren typische Weltanschauung der fernsten Liebe und Geringschätzung des eigenen gewissermaßen mit der Muttermilch aufgesogen hat.
Mutmenschliche Frauen als typische Propagandistinnen dieser Infantilform globalistischer Ideologie sind häufig protestantisch geprägt,
die an ihrer Kurzhaarfrisur und Brille sofort erkenntliche evangelische Pfarrerin darf als ihre idealtypische Repräsentantin gelten.
Es spricht einiges für die These, dass Grundelemente des grünen Vokismus,
die Weltrettungsattitüde, die fernsten Liebe, die Verachtung des eigenen, die Erotik und Sexualfeindschaft
und die als Toleranz maskierte Obsession für Perverses eine enge Affinität zum Protestantismus,
insbesondere dem amerikanischen Puritanismus, aufweisen.
Oft hat der Grünvogeljunge Mann einen Bart.
Ich interpretiere das als Indiz seines leichten Unbehagens an seinem feminisierten Habitus.
Er erschrebt eine Kompensation desselben, weshalb er sich auch zu Gruppen wie der Antifa hingezogen fühlt,
die ihm in ihrem Verkleidungsstil und ihrem Gewalthandeln gegen oppositionelle,
konformistische Gefühlssurrogate von Männlichkeit anbieten.
Der verheiratete und materiell abgesicherte Grünvogelmann leistet seinen Beitrag zur Weltklimarettung
oft durch Kauf eines Batterieautos.
Dass ein solches Gefährt Unannehmlichkeiten produziert, nimmt er heroisch-masochistisch gern in Kauf.
Bekommt er Kinder, so wird für ihn und sein Eheweib das Lastenfahrrad zum Statussymbol.
Damit wird er dann endgültig zum lebenden Abziehbild des Klischees vom Grün-Vogen-Lebensstil.
Die beiden Typen der Vulgärdekadenz, die Unterschichtvariante
und die in karikaturistischer Überspitzung skizzierte Grünvogel in höheren Sozialmilieus,
bezeichnen länderspezifisch modifiziert Grundmerkmale des Lebensstils in gegenwärtigen Musterländern des Westens.
Sie werden hiermit stolz gepflegt und propagiert, auch gegen erhebliche Widerstände in diesen Ländern selbst.
An ihnen zeigt sich zweierlei, dass die westlichen Gesellschaften
sich vollends in nachbürgerliche Massengesellschaften amerikanisierter Prägung verwandelt haben
und dass sie einen radikalen Bruch mit der klassischen abendländischen Kulturtradition vollzogen haben.
Es sind westliche Gesellschaften in militanter Frontstellung gegen ihren eigenen Ursprung.
Letzteres ist auch deswegen erstaunlich, weil es in den zu ernsthaften Konkurrenten aufgestiegenen nichtwestlichen Ländern keines gibt,
das die beiden Ausdrucksformen der westlichen Vulgärdekadenz als vorbildlich empfindet.
Besonders die grün-woke Variante, die unter dem Banner des Regenbogens zu marschieren pflegt,
erzeugt dort nur Abscheu und ungefilterte Verachtung.
So wird der gegenwärtige westliche Lebensstil zu einer Ursache globaler Selbstschwächung des Westens,
zu einem tendenziell suizidalen Faktor.
Nach der Vulgärdekadenz komme ich jetzt zum zweiten Grundcharakteristikum der deutschen Gegenwartsgesellschaft,
das sofort ins Auge sticht, ihre Überfremdung.
Die grün-woke Variante der Vulgärdekadenz enthält Ideologiemotive,
die ihren Anhängern eine Befreiung von den mentalen Lasten des Deutschseins offerieren.
Eines Deutschseins, zu dem unablöslich das Gefühl einer qua Indoktrination verinnerlichten kollektiven Erbschuld gehört.
Die vorbehaltlose Identifikation mit dem Westen amerikanisierter Prägung in der grün-woken Ideologie
dient auch der Ausschlöschung des eigenen, durch Schuldgefühle vollständig kontaminierten Deutschseins.
Für das reale Verschwinden eines Volkes reicht die kulturelle Selbstdestruktion aber nicht aus.
In Kombination mit einer radikalen Transformation seiner ethnischen Substanz könnte es aber gelingen.
Damit aber sind wir bereits beim gegenwärtigen Prozess der Umvolkung.
Meines Erachtens handelt es sich dabei zwar maßgeblich um ein zielstrebig von transnationalen Herrschaftsklicken
zur endgültigen Zerstörung der Nationalstaaten vorangetriebenes Projekt,
aber da es von einem großen Teil des eigenen Volkes ähnlich legitimiert und aktiv betrieben wird
wie die kulturelle Selbstzerstörung, sind wir Zeugen und Betroffene
einer ethnisch-kulturellen kollektiven Selbstauslöschung,
die die These vom Todestrieb in der Geschichte bestätigen könnte.
Die Umvolkung ist ein gigantisches soziales Experiment,
das strukturell an die Ideologie des Nationalsozialismus anknüpft,
aber inhaltlich deren genaues Gegenteil verfolgt.
Wie im Nationalsozialismus soll mittels eines Bündels von Propaganda,
Belohnungen und Strafungen und gezielten eugenischen Maßnahmen
ein neuartiges Menschenkollektiv künstlich erzeugt werden.
Das nationalsozialistische Ziel der Rassenreinheit
wollte die biologisch-phänotypische Beschaffenheit des neuen Kollektivs
durch selektive Übersteigerung vorhandener Merkmale emporzüchten.
Hingegen zielt das gegenwärtige Sozialexperiment auf die vollständige Destruktion
einer vorhandenen ethnisch-kulturellen Gesamtheit durch Vermischung
und auf die langfristige Schaffung eines neuen Menschen,
der mit dem Gegenwartsdeutschen nichts mehr gemein hat.
Hinter den Propagandaphrasen von Vielfalt und so weiter
verbirgt sich eine Ideologie, die über Zwischenstadien konfliktgeladener
ethnisch-kultureller Fragmentierungen einen Idealzustand anstrebt,
der mit der gänzlichen Elimination alles Weißen und Deutschen verbunden ist.
Drei Aspekte dieses Sozialexperiments seien kurz angesprochen.
Zunächst skizziere ich einige Alltagsimpressionen der multikulturellen Umvolkung.
Zweitens zeige ich am eigenen Beispiel, dass derartige Erfahrungen Fremdenfeindlichkeit bewirken.
Und drittens spüre ich in einigen ganz grundlegenden Reflexionen
den Entstehungsbedingungen von Xenophobie in einer multikulturellen Gesellschaft nach.
Wenn ich vormittags in meinem Supermarkt einkaufe, begegnen mir vornehmlich ältere deutsche Rentner,
deren Verhalten häufig von Armut und Isolation kündet.
Um die Mittagszeit ändert sich rapide die Altersstruktur der Kundschaft.
Jugendliche tauchen auf, Schüler der nahen Schulen, die sich hier einen Imbiss besorgen
und für kurze Zeit für eine völlig andere Supermarktatmosphäre sorgen.
Viele von ihnen sind Abkömmlinge orientalischer und schwarzafrikanischer Einwanderer.
Negative Konfrontationen mit der Massenimmigration häufen sich nachmittags.
Unter den dabei auffallenden Sozialtypen seien zunächst kinderreiche muslimische Frauen genannt,
immer häufiger in völlig schwarzem Gewand mit einem striktes Gesicht rahmenden Hijab bekleidet,
noch sehr jung, völlig bildungsfern, fast immer übergewichtig
und sich ohne jede Kenntnis der deutschen Sprache lautstark mit ihren Kindern in ihrer Heimatsprache unterhaltend,
ohne Rücksicht auf ihre Umgebung.
Ihre Kinder wirken oft adipös, wohl wegen Bewegungsmangel und prekärer Nahrungsgewohnheiten.
Obwohl diese Frauen ihren Männern gegenüber oft unterwürfig wirken,
bewegen sie sich in der deutschen Umgebung völlig selbstverständlich, ohne gesenktes Haupt.
Das typische islamische Superioritätsgefühl verrat sogar das Verhalten dieser Frauen.
Sie und ihre Kinder und ihr Mann sind normalerweise Kostgänger des deutschen Staates,
ohne eine Arbeit, die sie nährt und ohne Willen, diese jemals zu finden.
Irgendeine Loyalität zu Deutschland ist von ihnen nicht zu erwarten.
Interesse verdient, dass man älteren männlichen Moslems ohne weibliche Begleitung im Supermarkt kaum begegnet.
Der typische unbeweibte Moslem dort ist ein junger Immigrant, der erst vor kurzem in Deutschland eingedrungen ist
und den Supermarkt oft als Mitglied einer Gruppe Gleichaltriger besucht,
die sich dort okkupatorisch platzgreifend benimmt.
Er bildet die Vorhut für seinen Clan, den er als menschlicher Brückenkopf
im Zuge einer vom deutschen System unterstützten Familienzusammenführung nachholen will.
Das ist ähnlich bei einem anderen Typ fremder Männer, jungen Schwarzen.
Schwarzen ganz unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit wie Kopfform, Größe und Körperstatur sofort verraten,
die erkennbar erst seit kurzem im Land sind, kein Wort Deutsch sprechen
und nun im Supermarkt ihre monetären Sozialleistungen gegen Lebensmittel eintauschen.
Manche von ihnen wirken noch etwas unsicher, wie Menschen, die kaum zu glauben vermögen,
dass ihnen ein Staat, in dem sie sich inkorrekt eingeschlichen haben,
fürs pure Nichtstun eine üppige Verpflegung spendiert.
Andere hingegen führen sich wie Okkupanten auf,
indem sie sich lautstark in ihrer Heimatsprache per Handy mit ihren Familienangehörigen in Afrika unterhalten,
die sie auch ins gelobte Land ziehen wollen.
Sie wirken so, als stünden sie den ganzen Tag mit ihrem Clan in Afrika in telefonischem Austausch,
denn auch außerhalb des Supermarkts, auf der Straße, sieht man sie nur lautstark telefonieren.
Ihre Telefonrechnung muss enorm sein.
Schwarze Männer scheinen auf junge deutsche Frauen eines bestimmten Typs sexuelle Anziehungskraft auszuüben,
denn auf der Straße begegnet man zunehmend schwarz-weißen Paaren mit braunhäutigem Nachwuchs.
Zwei Frauentypen stechen dabei vor allem ins Auge,
physisch und sozial zu kurzgekommene und Mädchen mit den typischen Erkennungszeichen
deutsch-westlicher Vulgärdekadenz, Tattoos und Piercing, die sexuelle Abenteuer suchen.
Derartige Alltagskonfrontationen mit der Umvolkung mögen harmlos erscheinen.
Sie führen bei mir aber nicht selten zu Reaktionen, die meinem Selbstverständnis eigentlich recht fern liegen.
Zu ausschließlich emotional bestimmten Abwehrreaktionen,
die sich manchmal als ein heftiger, unwillkürlicher, also von meinem Willen ganz unabhängiger Gefühlsstoß äußert.
In ihm findet sich fraglos eine gehörige Portion jenes Stoffes,
die der herrschende Ideologiejargon unserer Zeit Rassismus nennt.
Würde ich nach genauerer Benennung der Gefühlsingredientien dieses innerlichen Stoßes befragt,
so würde ich folgende hervorheben.
Entsetzen, Ekel, Resignation und Aggression.
Die Aggressionskomponente äußert sich manchmal sogar in einem blitzschnellen Drohblick in das Auge ihres Auslösers,
der dem Fremden meinen Wunsch nach seinem Verschwinden signalisieren soll.
Wie sind derartige Reaktionen theoretisch interpretierbar?
Unbestreitbar haben sie eine xenophobe Komponente als ihren Kern.
Was also sind die Entstehungsbedingungen von Xenophobie?
Um dem auf die Spur zu kommen, müssen wir uns zunächst von den simpel-moralistischen Behauptungen
der bei uns herrschenden Propagandasprache freimachen und anfänglich dreierlei konstatieren,
dass solche Reaktionen typisches Ausdruck, dass sie nicht willentlich gesteuert sind,
sondern unwillkürlich passieren und dass sie drittens nicht Produkte einer vorherigen Indoktrination sind,
aufgrund derer ich den mir entgegenkommenden Fremden generell böse Absichten, also Feindschaft unterstelle.
Jeder weiß, dass soziale Fremdheitserfahrungen nur unter bestimmten Bedingungen Negativreaktionen erzeugen.
Wer Ferien im Ausland macht, will Fremdes und Fremde genießen,
und auch wenn es irritierende Erlebnisse geben mag, dominiert doch zumeist die Attraktion.
Negativreaktionen gegenüber Fremden entstehen aber mit Sicherheit bei Konfrontation mit Massen von Fremden im eigenen Land,
die nicht als Gäste, sondern als ungerufene Eindringlinge wahrgenommen werden.
Solche Konfrontationen erzeugen, und zwar unabhängig vom konkreten Verhalten der Fremden, Angst.
Die Angst, vom eigenen Territorium verdrängt zu werden.
Und diese Angst lässt den Fremden für die Einheimischen zum Konkurrenten oder schärfer noch zum feindlichen Okkupanten werden.
Während einzelnen Fremden gegenüber, die in ihrem Verhalten ein vorrangiges Heimatrecht der Einheimischen respektieren,
in den meisten Kulturen auf der Basis von Normen der Gastfreundschaft freundlich begegnet wird,
während Massen ungerufener Fremder als Bedrohung und die Konfrontation mit ihnen als potenzieller Territorialkonflikt erlebt.
Warum ist das so?
Um derartiges genauer zu verstehen, sollte man auf anthropologische Basismerkmale menschlicher Vergesellschaftung zurückgehen.
Menschliche Vergesellschaftung gründet immer auf der Kombination von zwei Zugehörigkeitsdefinitionen.
Erstens der sozialen Zugehörigkeit, der Zugehörigkeit eines jeden zu einer Vielzahl sich überlappender sozialer Einheiten,
einer Familie, eines Stammes, einer Nation, eines Kulturkreises beispielsweise, divergenter sozialer Einheiten,
die alle zweitens im geografischen Raum situiert sind, also einer durch Grenzen markierten territorialen Zugehörigkeitsdefinition unterliegen.
Aus letzterem der territorialen Zugehörigkeit erwächst das Heimatgefühl.
Jedenfalls ist kein Mensch ein sozial unbestimmtes Nurindividuum oder nur ein ortloser Nurmensch,
sondern jeder ist Mitglied eines Netzes sozialer Kreise mit einem territorial abgegrenzten Status.
Menschen sind zwar mobile Wesen, aber das schließt ihre zweifache Verwurzelung als Normalfall nicht aus.
Und sie beziehen aus dieser zweifach Verwurzelung die Basiskonturen ihres Selbstverständnisses.
Dies gilt auch für die Figur des modernen Anywhere-Henen-Sozialtypus, der angeblich überall zu Hause sein soll.
Eine solche Figur ist aber ein intellektuelles Kunstprodukt, das zwar eine Tendenz modernen Lebens unter Bedingungen der Globalisierung anzeigt,
aber man darf diese nicht zu wörtlich nehmen, denn auch der Anywhere ist nicht vollkommen orts- und heimatlos.
Das gilt nur für Ahasver, den ewig wandernden Juden, oder für Jules Verne's Kapitän Nemo.
Aber beide sind keine realen, sondern mythologische Figuren.
Das Zugehörigkeitskriterium als Grundmerkmal menschlicher Vergesellschaftung ist zwingend sowohl ein Einschluss- als auch ein Ausschlusskriterium.
Gesellschaften funktionieren immer mittels eines Prinzips der Grenzziehung, das Zugehörige von Nichtzugehörigen mental und räumlich separiert.
Dabei gibt es eine Vielzahl möglicher Kombinationen, beispielsweise gemeinsame nationalstaatliche Zugehörigkeit bei streckter Milieuseparierung,
kulturelle Nähe trotz unterschiedlicher Staatsangehörigkeit, gemeinsame Staatsangehörigkeit bei unüberbrückbarer kulturell-ethnischer Distanz usw.
Auf je mehr sozialen Feldern sich Menschen durch Grenzziehungen nach dem Zugehörigkeitsprinzip voneinander separieren,
als desto fremder werden sie sich empfinden.
Drei Faktoren sind für solche Grenzziehungen fundamental.
Die Sprache, der ethnisch-rassische Typus und der kulturell geformte Abitus.
Sie sind die entscheidenden Grenzkriterien, anhand deren sich Menschen als Angehörige von Völkern voneinander separieren.
Dabei ist im Hinblick auf Nähe oder Fremdheit von Völkern der Faktor des ethnisch-rassischen Phänotypus und derjenige des kulturell geformten Habitus vielfältig abgestuft.
Es gibt Völker, die sich ethnisch-rassisch und kulturell so fundamental von anderen unterscheiden,
dass Begegnungen zwischen ihren Angehörigen zunächst unweigerlich eine maximale Fremdheitserfahrung entstehen lassen.
Derartige Fremdheitserfahrungen alleine sind aber noch kein Entstehungsmotiv für Xenophobie.
Die taxierende Einstufung eines anderen als eines völlig Fremden,
die jeder blitzschnell anhand von dessen Sprache, seines rassisch-ethnischen Typs und seines kulturell geformten Habitus vornimmt,
kann Indifferenz, aber auch Neugierde hervorrufen.
Zur Xenophobie werden derartige Konfrontationen erst,
wenn Fremde massenhaft das zweite Grundprinzip menschlicher Vergesellschaftung,
die territoriale Verortung sozialer Kollektive, verletzen und ungerufen in deren Gebiet eindringen.
Dann werden sie, unabhängig von ihrem Verhalten, als Okkupanten wahrgenommen,
die die soziale und territoriale Verwurzelung der Indigenen ihren Heimatbezug bedrohen.
Genau das ist unsere gesellschaftliche Gegenwartssituation,
die noch verschärft wird durch das Faktum, dass viele der ins Land geschleusten Fremden sich auch wie Okkupanten aufführen.
Das große Sozialexperiment, das wir erleben müssen,
die Umwandlung unserer Gesellschaft in eine Multikulturelle,
schafft also unweigerlich knallharte Fremdenfeindlichkeiten,
die weder Propaganda noch Konditionierungen werden verhindern können.
Zur Vulgärdekadenz und der Überfremdung als sofort ins Auge springenden Grundmerkmalen unserer Gesellschaft
muss als drittes die Verwahrlosung hinzugezählt werden,
von der jeder ausgedehnte Gang ins Innere unserer Städte kündet.
Verwahrlosung begegnet einem dabei in vielfältigen Formen,
aber es gibt ein Phänomen, das für mich deren schrillstes visuelles Sinnbild ist,
ihre Verschmierung mit sogenannter Graffiti.
Mir tritt sie geballt bereits nach einem kurzen Gang von meiner Haustür in eine größere Straße entgegen,
einer der Grenzachsen meines im Inneren noch relativ intakten Gründerzeitviertels.
Ästhetisch ist diese Straße ein Albtraum.
Alle Häuser sind hier zugeschmiert mit großflächigen Nonsensbildern und Sprüchen,
Tags, also visuellen Duftmarken, die der Reviermarkierung dienen,
Wellenlinien, Gekritzel und Klecksen oder politisch gemeinten Antifa-Symbolen.
Auch jedes Straßenschild und viele Hauseingänge sind solcher Art verunziert.
In nicht wenigen dieser Häuser übrigens befinden sich,
wovon ihrerseits verschmierte Schildertäfelchen künden, Arzt- oder Rechtsanwaltspraxen.
Auch diese Straße des Viertels wird von sogenannten Bürgern, nicht Asozialen, bewohnt.
Aber sie haben sich dem Vandalismus, der sich an ihren Häusern ausgetobt hat,
mittlerweile ohne bemerkbare Gegenwehr gefügt.
Was sagt dieser Graffiti-Vandalismus über unsere Gesellschaft aus?
Vordergründig handelt es sich nur um ein gruppentheoretisch erklärbares Jugendphänomen.
Jugendliche, vornehmlich männlichen Geschlechts, wollen die Erwachsenenwelt durch Regelbrüche provozieren
und schließen sich dafür in Gruppen zusammen, die solche Provokationen mit internem Sozialprestige belohnen.
Dass die Jugendlichen dabei auch Kitzel genuiner Männlichkeitsgefühle erleben,
die ihnen unsere feminisiert-woke Gesellschaft gemeinen Auszutreiben versucht, sei nur am Rande vermerkt.
Nun gibt es Generationenkonflikte in jeder Gesellschaft.
Die wesentliche Frage ist aber, warum das ewige Aufbegehren der Jugend gegen die älteren Generationen
sich seit einigen Jahrzehnten in den westlichen Gesellschaften in diesen vandalistischen Formen äußert
und wieso es kaum auf Widerstand stößt.
Zunächst, was ist Vandalismus?
Ich unterscheide zwei Grundformen.
Eine Trivialform, die mutwillig lustvolle Zerstörung alltäglicher Gebrauchsdinge
zum Zwecke des provokatorischen Hervorlockens von Ärger und Wutreaktionen
und eine abgründigere, kulturrevolutionäre Form, die auf die bewusste Schändung all jener Zeichen zielt,
an denen das kollektive kulturelle Selbstverständnis von Menschengruppen
ihr historisch gewachsenes Wir-Bewusstsein hängt.
Dieser Vandalismus dient der Verächtlichmachung von Menschengruppen
durch Verächtlichmachung ihrer Erinnerungen
und ist typischerweise eine Begleiterscheinung radikaler gesellschaftlicher Umbrüche.
Beide Formen spielen in die Graffiti-Schmierereien unserer Städte hinein.
Deren zweite Variante sei hier aber zunächst ausgespart.
Zunächst soll hier nur ein rein ästhetischer Aspekt dieser Graffiti und ihrer Duldung angesprochen werden.
Folgt man einer rein ästhetischen Perspektive,
dann ist die Verschandelung unserer Städte durch den Graffiti-Vandalismus
ein grelles Exemplum für die Tatsache,
dass sich das intellektuell dominante gesellschaftliche Selbstverständnis unserer Zeit
durch eine Verwirrung grundlegender Maßstäbe für Schönes und Häßliches auszeichnet.
Eine Verwirrung, die im modischen Hauptstrom des westlichen Ästhetikdiskurses
zu einer mehr oder weniger offenen Favorisierung von Häßlichem geführt hat.
Diese Verwirrung hat in Europa eine lange Vorgeschichte.
Gesellschaftliche Bedeutung bekam sie erstmals nach dem Ersten Weltkrieg.
In Reaktion auf dessen albtraumhaft erlebte Gewaltwirklichkeit
breiteten sich hier elitäre Welten eines künstlerischen Experimentierens aus,
die sich radikal gegen die Schönheitsvorstellungen der traditionellen bürgerlichen Hochkultur wendeten
und sie durch Darstellung der Schattenseiten der Realität,
aber auch durch effekthascherische Produktionen von originellem oder durch puren Nonsens zu desavouieren trachteten.
Großes Symbol dieses neuartigen Kunstbegriffes wurde ein 1917 von Marcel Duchamp im Museum ausgestelltes Pissoir.
Als dann nach dem Zweiten Weltkrieg im Zusammenhang mit der 68er-Revolte
und der amerikanischen Massenunterhaltungsindustrie
die bürgerliche Hochkultur endgültig auf ein musealisiertes Inseldasein zusammenschrumpfte,
breiteten sich, gefördert auch durch charismatische Scharlatane wie Andy Warhol oder Joseph Beuys,
komplementär dazu popkulturelle ästhetische Strömungen aus,
die an die künstlerische Avantgarde nach dem Ersten Weltkrieg anknüpften.
Sie trivialisierten nochmals den antibürgerlich provokativen Impuls gegen den Schönheitsbegriff
und machten ihn zu einer Common Sense Mode.
Heutzutage speisen sich daraus, Beispiel Regie-Theater,
zentrale Narrative im ästhetischen Mainstream-Diskurs.
Man bedient sich der provokativen antibürgerlichen Protestattitüde von vorgestern
und suggeriert einen Kampf gegen ein mächtiges bürgerlich-hochkulturelles Selbstverständnis,
das faktisch in unserer nachbürgerlichen Gesellschaft
zu einem Kleinstrefugium einer aussterbenden Minderheit geworden ist.
Damit sind aber zugleich auch wesentliche ästhetische Motive
für den Graffiti-Vandalismus und seine untergründige Duldung angesprochen.
Eine seiner Grundbedingungen ist ein ästhetischer Diskurs,
der die bewusste Provokation durch Häßliches zur Kunst hochredet.
Zum skizzierten Ästhetik-Diskurs als indirektem Förderer der Verschandelung unserer Städte
treten weitverbreitete Narrative, die die abgründige Variante des Kulturvandalismus
bei uns unmittelbar stimulieren.
Jene Variante, die gezielt die Auslöschung identitätsstiftender kollektiver Erinnerungen anvisiert.
Beispiele für sie sind die Verschmierung von Denkmälern, Kirchen oder historisch geprägten Stadtvierteln,
aber auch die politisch korrekte Umbenennung von Straßen
oder die Zerstörung ästhetisch intakter Kulturlandschaften durch gigantische Industrieanlagen,
die man Windparks nennt.
Ideologisches Stimulans für diesen kulturrevolutionären Vandalismus
sind zwei Typen geschichtspolitischer Erzählungen.
Erstens jene, die sich im gesamten Westen herausgebildet hat
und in jüngerer Zeit von einflussreichen Wogenminderheiten wahnhaft radikalisiert wurden
und zweitens der spezifisch deutsche nationalgeschichtliche Schuldkult.
Kern beider Narrative ist eine aggressive Abwertung des eigenen,
die sich im ersten Fall auf die gesamte abendländische Kultur und Gesellschaftsentwicklung bezieht,
die pauschal als Täterkultur diffamiert wird.
Ein Wahnideologie, das sich in Deutschland mit jenem spezifischen nationalen Selbsthass vereinigte,
der sich hier als Folge der deutschen Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts herausgebildet hat.
Er ist das zentrale Movens für eine generationenlang tradierte Erziehung der Deutschen
zu einem kollektiven Selbstverständnis ohne positive Identität.
Eine Erziehung zur kulturellen Selbstauslöschung.
Sie wirkt mittlerweile wie ein konditionierter Reflex im intellektuell-emotionalen Habitus
des gewöhnlichen Deutschen und ist eine der großen Ideologiequellen,
die auch den kulturrevolutionären Vandalismus in unserer Gegenwart beständig nährt.
Die Verwahrlosung unserer Städte durch die Graffiti-Verschmierung
und ihre weitverbreitete unausgesprochene Akzeptanz
ist ein krasser Ausdruck für einen durch Indoktrination herangezüchteten kollektiven Wunsch
nach einem kulturellen Verschwinden,
als dessen besinnungslose Werkzeuge vandalistische Jugendgruppen fungieren.
In unserer Reihe »Audi Max – Das Kontrafunkkolleg«
hörten Sie einen Essay von Dr. Friedrich Pohlmann zum Thema
»Vulgärdekadent, überfremdet, verwahrlost – wie unsere Gesellschaft aussieht«.