Christian Eckl liest aus "Morgen war ein schöner Tag"

Kontra Funk
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1 Videoaufrufe·09.01.2025
in der heutigen Lesestunde liest der
Publizist und Autor Christian Eckel aus
einem aktuellen politkrimie Morgen war
ein schöner Tag ein Dorf nahe Ostberlin
auf dem Gebiet der ehemaligen DDR im
Spätsommer
1989 der Junge regimkritiker Berthold
grün wird Zeuge des Verbrechens eines
Pfarrers der auch als inoffizieller
Mitarbeiter der Staatssicherheit
arbeitet nachdem er gesela eine der
Organisatoren der Proteste in Leipzig
darüber berichtet erfährt er dass auch
sie mit der Stasi
zusammenarbeitet Morgen war ein schöner
Tag erschien im März 2024 im IVR
Verlag 30 August
1989 der Adler ist gerupft so fühlte sie
sich wie ein stolzer Vogel den man übel
mitgespielt hatte geradeerst hatte sie
ihre Schwingen im Leben ausgebreitet
sich ein wenig etabliert doch jetzt
hatte sie dieser Mann ganz klein gemacht
er war selbst ein eher kleiner Mann der
mit seiner Silhouette eigentlich gar
nicht so viel Sonnenlicht vor dem
Fenster aussperren konnte an dem er
gerade stand dennoch war es plötzlich
abgrundtief dunkel im Raum
geworden sie war war 35 Jahre alt und er
39 wenn er sprach rollte er das R mit
einem unangenehmen klang fast als wäre
er ein
Südosteuropäer dabei kam er nur aus
Rostock als er sich ihr zuvor genähert
hatte war es noch viel
unangenehmer klar hatte sie in ihrem
Alter schon einige Erfahrungen mit
Männern sogar eine Ehe hatte sie hinter
sich aber das hier war anders sie fand
die Situation einfach
abstoßend nur wusste sie nicht wie sie
sich ihr entziehen
sollte man sollte im Sozialismus doch
etwas offener sein nicht so verklemmt
vielleicht musste man dem Sozialismus in
Deutschland auch nur ein anderes Gesicht
geben ein helleres ein freundlicheres
Gesicht Morgen wollte sie damit
anfangen heute musste sie sich erst
einmal von dem erholen was ihr soeben
wiederfahren war wenn der Kerl weg war
sie hatte sich an diesem Mittwochmorgen
ursprünglich auf eine ruhige Restwoche
in Ihrem Ferienhaus in hohenwalde
gefreut ihr Freund würde nicht dabei
sein er musste in Berlin Adlershof
arbeiten sie selbst hatte sich Arbeit
mitgenommen die sie an ihrem kleinen
Schreibtisch in hohen Walde erledigen
konnte ihr Vater hatte sie am Abend
zuvorgebeten einem Kollegen aus Rostock
evagen einige Predigten der
evangelischen schterischen Landeskirche
in Mecklenburg weiterzureichen die der
befreundete Pastor am Vormittag bei ihr
abholen würde er hatte ohnehin in der
Gegend zu tun weil sie öfter für ihren
Vater solche kleinen Gefälligkeiten
übernahm dachte sie sich nichts weiter
dabei doch als der Mann wenige Stunden
zuvor bei ihr auftauchte benahm er sich
nicht gerade wie ein Pastor er machte
ihr ziemlich eindeutige
Avancen dabei wusste sie dass er eine
Familie hatte und auch sie war
festleiert aber der Mann war mit ihrem
Vater bekannt und sie wollte ihn nicht
vor den Kopf stoßen die mangelnde
Vehemenz ihrer Ablehnung interpretierte
er als Zustimmung und bedrängte sie so
plötzlich dass der richtige Zeitpunkt
für ein klares Nein viel zu schnell
überschritten war sie ließ es geschehen
und hasste sich sofort selbst für ihr
fleckma es fühlte sich abartig an denn
der anfänglich ruhig und gelassen ende
Mann entwickelte plötzlich
Gewaltfantasien und lebte diese unter
Ausstoß unppetitlicher Worte teilweise
auch aus soas mochte sie gar nicht
vielmehr hing sie oft romantischen
Tagträumen nach jetzt fühlte sie sich
beschmut wenigstens würde er bald gehen
dachte sie doch stattdessen kam es noch
schlimmer er wandte sich vom
geöffnetenenster ab undichtete das an
sie er seinen Gürtel Schloss
ich glaube wir sind ein gutes Team
zusammen könnten wir etwas bewirken ihr
blibt der Mund offen stehen was sollte
dieses Gerede du bist verheiratet und
ich habe einen festen Freund außerdem
bin ich nicht
interessiert ich kann mir nicht
vorstellen dass das heute ein
vielversprechender ST für irgendetwas
war das sehe ich anders er lächelte
verschlagen ich denke du kannst deine
igenen Interessen nicht richtig
einordnen in dir steckt viel mehr als du
selbst glaubst außerdem geht es nicht
nur um uns beide ich verstehe nicht das
ist mir klar aber ich will es gerne
näher
erläutern wie ich bereits sagte bin ich
nicht interessiert wieder ärgerte sie
sich über sich selbst weil sie so leise
ohne Nachdruck ohne Emotion
sprach auch wenn du glaubst nicht an mir
interessiert zu sein
lässt dich die Entwicklung unserer
Gesellschaft möglicherweise nicht völlig
kalt ich wüsste nicht was das eine mit
dem anderen zu tun hat vielleicht mehr
als du glaubst Anne so heiße ich nicht
das weißt du aber du könntest fast so
heißen meine schöne und schön bin ich
auch nicht sie biss ich auf die Lippe
das wollte sie diesem Mann gegenüber
eigentlich nicht
herauslassen sie wusste dass sie keine
Schönheit in klassischem Sinne war aber
ihr hintergründiger Humor und ihr
zurückhaltendes Lächeln konnten durchaus
eine gewinnende Wirkung entfalten nur
wäre dieser Typ der letzte gewesen mit
dem Sie solche differenzierten
Betrachtungen anstellen wollte doch
schon wechselte er das Thema wie dem
auch sei eigentlich wollte ich mit dir
über deine Zukunft sprechen die geht
dich nichts an die Zukunft dieses Landes
aber schon so bedeutend sind wir nicht
das könnte sich irgendwann ändern glaub
doch was du willst das mache ich sowieso
denn ich glaube dass wir für die
Menschen in diesem Land etwas erreichen
können na schönen Dank jetzt habe ich
mich zu allem Überfluss auch noch mit
einem größten wahnsinnigen
eingelassen das Volk ist bedeutend und
in diesem Sinne ist jedes einzelne
Mitglied des volkskörp
relevant hör auf von Körpern zu reden
damit habe ich mich heute schon viel zu
viel
beschäftigt du weißt genau was ich meine
oder glaubst du nicht an den
Sozialismus irgendwie schon aber mich
erstaunt es dass ein evangelischer
Pastor dem Sozialismus das Wort
redet na ja Jesus war gewiss kein
Kapitalist jedenfalls würde ich unseren
Erlöser eher in Richtung Guevara als
Helmut Kohl veren da mag etwasan sein
stimmte sie widerwillig zu aber nicht
man das noch Sozialismus nnen kann was
wir hier in diesem Land gerade
erleben derast klatschte in die
Hände siehst gen solcheute wie dich
brauchen
wir redest in Rätseln ich verehe
nichturch Leute wie ich definiert sein
sollen und wer solche Menschen brauchen
könte
wenn man dir genau zuhört wird klar dass
du der Idee des Sozialismus
aufgeschlossen gegenüber stehst nur
gefällt dir nicht was hier daraus
gemacht
wird irgendwie schon räumte sie
zögerlich
ein dann lass uns etwas anderes machen
einen besseren
Sozialismus dazu müsstest du eigentlich
einen Draht haben du warst doch bei der
FDJ für Propaganda zuständig woher weißt
du das man hat seine Quellen ist aber
unwichtig jedenfalls glaube ich dass du
nicht zu denen gehörst die dieses Land
vollständig ausradieren
wollen eigentlich nicht nickte sie
langsam die besseren Ideen sollten
überleben dann lass uns gemeinsam an
diesem Ziel arbeiten der Staat ist jetzt
offen wie nie für
Veränderungen das mag sein aber noch
einmal mit dir will ich nicht arbeiten
schon verstanden obwohl ich das ein
bisschen albern finde nun gut dann wird
ich eben jemand anders
kontaktieren unterhalten kann man sich
immer doch nur damit eins klar ist bei
der Stasi werde ich keinen Vertrag
unterschreiben keine Sorge ich bin dort
auch kein offizieller Mitarbeiter wir
werden schon den passenden Decknamen für
dich finden irgendetwas mit Herz weil du
doch so ein Herzchen bist sie lief rot
an aber nicht vor Scham sondern viel
mehr vor Wut jedes salbungsvolle Wort
das über die Lippen dieses Typen kam
klang wie eine bodenlose Frechheit und
war offensichtlich auch so
gemeint sie öffnete den Mund und
schnappte nach Luft um etwas deutlichere
Worte zu finden doch dann stieß sie ganz
andere Sätze hervor was machst du denn
da was soll das der Kerl schaffte es
immer wieder sie aus dem Konzept zu
bringen
jetzt hatte er ein Bein über die
Fensterbank im Erdgeschoss gehoben und
stand mit einem Fuß im
Vorgarten still zischte er da draußen
ist jemand wir werden
beobachtet meinst du die Stasi ist schon
hier sie helt sich eine Hand vor den
Mund Unsinn die führen keine Maßnahmen
gegen uns durch schließlich stehen wir
auf der gleichen Seite wir wollen diesen
Staat retten
hoffentlich wissen die das auch darauf
kannst du wetten wie ich schon sagte ich
bin im Gespräch redenden Menschen kann
geholfen werden aber wer soll das da
draußen sonst
sein radikale Elemente Staatsfeinde was
weiß ich eben Rechtsterroristen und
Kapitalisten die unser Land an den
Westen verkaufen
wollen glaubst du denn die beobachten
mich Dich nicht jedenfall noch nicht
aber mir könnten sie hierin gefolgt sein
ich denke die wissen genau wie sie mich
einordnen
müssen mit diesen Worten schwang der
stabil gebaute Pastor auch das andere
Bein über die Fensterkante und sprintete
mit erstaunlicher Dynamik ins
Gebüsch kurz darauf drangen aus dem Laub
mehrere dumpfe Geräusche und heftige
Atemzüge hier fand offensichtlich ein
Hand enge
statt mit einem tiefen Seufzer ging die
junge Frau durch die Tür hinaus was
hatte sie sich da nur
eingehandelt doch sie konnte auch nicht
ignorieren was sich gerade unmittelbar
vor ihrem Ferienhäuschen
abspielte erst als sie einige Zweige
beiseite schob erkannte sie den Ernst
der Lage der Pastor kniete über einem
schmächtigen jungen Mann mit dunklen
Haaren und drückte ihm den Hals zu
dabei zeigte das Opfer erstaunliche
Widerstandskraft und schlug mit seinen
senigen Armen die Hände des Angreifers
immer wieder weg du miese Ratte keuchte
der junge Mann jetzt bist du geliefert
ich werde alles deiner Frau erzählen
deinen Kindern und nicht nur denen die
ganze Gemeinde in Rostock soll es
erfahren dann kannst du dich nirgends
mehr blicken lassen jetzt blas dich
nicht so auf du kleiner Moralapostel
knurrte der Pastor und legte seine Hände
wieder um den Hals des Mannes glaubst du
wirklich mit der Nachricht über eine
kleine Affäre könntest du mein Leben
zerstören damit alleine nicht stieß das
Opfer hervor und befreite seinen Hals
durch heftige Windungen erneut aus dem
Griff des Pastors aber es passt alles
ins Bild wenn die Leute hören dass du
für die stasie arbeitest bist du
endgültig
untenurch das muss ja keiner erfahren
dafür werde ich schon Sorgen dann bist
du erledigt und deine feine Freundin
gleich mit gar nichts wirst du plötzlich
hielt der Pastor einen großen Stein aus
dem Gestrüpp in der Hand blitzschnell
schieß der Mann die Hand des Geistlichen
beiseite der Stein rollte zurück ins
Gebüsch was stehst du da dumm herum hol
mir den Stein wieder her schnell
herrschte der Pastor die Frau an aber
die angesprochene blieb wie angew z
stehen und brachte keinen weiteren Laut
hervor wenn du mir nicht sofort den
Stein gibst stehen dir bald einige
unangenehme Befragungen bevor zischte
der Pastor dann kann ich für nichts
garantieren mit zitternden Händen wüllte
die Frau wortlos im Gebüsch schließlich
fand sie den Stein und ließ ihn mit
einer fahrigen Geste in die
ausgestreckte Hand des Geistlichen
fallen dieser schlug die primitive Waffe
sofort mit explosionsartig Wucht gegen
die Schläfe des unter ihm liegenden
Mannes der Getroffene gab einen
gurgelnden Laut von sich noch in der
gleichen Sekunde hörte er auf zu atmen
und blieb mit offenen Augen so wie
seltsam verdrehter Kopfhaltung
regungslos liegen keuchend erhob sich
der evangelische geistliche und blickte
auf sein Opfer herab die junge Frau war
in regelrechte Schockstarre verfallen du
hast ihn
totgeschlagen flüstert sie was hätte ich
denn sonst machen sollen er hätte uns
verraten
uns ja klar hast du doch gehört
mitgefangen
mitgehangen aus der Nummer kommst du
nicht mehr heraus man wird sich bei dir
melden der Pastor warf sich den toten
Körper der nicht viel wiegen konnte über
die Schulter und stapfte mit schweren
Schritten in den Wald
hinein was machst du denn da rief ihm
die Frau hinterher
ich lasse die Leiche verschwinden wir
können keine überflüssigen Fragen
gebrauchen ich werde dich anzeigen das
wirst Du schön bleiben lassen
schließlich hat der Typ uns beiden
gedroht und sein Tod lag auch in deinem
Interesse ich kann mich nicht erinnern
dich zu so einer Tat aufgefordert zu
haben du hast mir den Stein gegeben
schon
vergessen sollte mich die Polizei
vernehmen werde ich deine Mittäterschaft
bezeugen der hob eine Hand und winkte
zum Abschied ohne sich umzudrehen
verschwand er in Richtung des
Parkplatzes der hinter dem kleinen
wältchen lag dort musste sein Trabbi
stehen mit dem er aus Rostock gekommen
war halt dich also besser bedeckt die
nahe zuu lautlosen Schritte des anderen
Mannes der den Totschlag aus einem
sicheren Versteck heraus beobachtet
hatte und sich jetzt in die
entgegengesetzte Richtung durch das
dichte gestrüppt davon machte nahm sie
nicht wahr
31 August
1989 Auszüge aus dem tonprotokoll der
Sitzung des
Politbüros Zentralkomitee der SED im
Sitzungssaal des ZK Gebäudes am
werderschenmkt in
Ostberlin Vorsitzender Erich honneker
Generalsekretär des Zentralkomitees
Beginn 10 Uhr Erich
honneker herzlich willkommen liebe
Genossen ich begrüße euch zur heutigen
Sitzung des
Politbüros gibt es anträge zur
Tagesordnung nein dann beginnen wir mit
dem ersten Punkt der Erörterung der
aktuellen politischen Lage haben wir
hier zuu
Wortmeldungen
bitte Erich Milke die Protestbewegungen
machen mir zunehmend Sorgen nicht nur
hier in Berlin auch in Leipzig und
anderen Städten Erich honneker danke
Genosse dafür dass du dir Sorgen machst
wirst du bezahlt aber ich sehe das ganze
Bild und deshalb bin ich
zuversichtlich wir wissen doch den
Sozialismus in seinem Lauf hält weder
Ochs noch Esel auf
Erich
Mielke aber manchmal verstehen das die
Ochsen nicht Erich
honeker dafür bist du da um die lieben
Tierchen daran zu erinnern ich darf doch
davon ausgehen dass du das wie immer
vorbildlich im Griff hast Erich Milke
selbstverständlich wir haben unsere
Spitze überall auch unmittelbar in den
Reihen des Gegners dort wo sie niemand
vermutet deshalb wissen wir auch dass in
Leipzig für kommenden Montag eine erste
große Demonstration geplant ist Erich
honeker und sind wir darauf vorbereitet
Erich Milke
immer ich nehme an Einzelheiten will
hier niemand wissen Erich honniker das
dürfte kaum nötig sein uns ist doch klar
dass wir uns stets auf dich verlassen
können die Sache darf nur nicht aus dem
Ruder laufen weder in die eine noch in
die andere Richtung Erich Milke
unmögliches wird sofort erledigt Wunder
dauern etwas länger Werner fel
vielleicht sind diese Demonstrationen
gar nicht so schlecht Joachim Herrmann
wie bitte was soll denn daran gut sein
Werner
fele schon einmal von Glasnost und
perest Troika gehört unser großer
sozialistischer Bruderstaat im Osten die
UdSSR macht es gerade vor Erich hon
damit haben wir nichts zu schaffen das
ist der falsche Weg darüber werde ich
mit Michael Gorbatschow noch zu reden
haben wenn er uns im Oktober zu den 40
jahrfeiern unserer glorreichen
sozialistischen Republik besucht Werner
fele du hast ihn gar nicht den Genossen
Gorbatschow genannt Erich honneker ich
bin mir nicht sicher ob sich der
Generalsekretär der KPdSU mit seinem
Reformkurs in der
UdSSR noch auf dem Boden des Marxismus
Leninismus bewegt ich weiß nicht einmal
ob er wirklich ein Sozialist ist Werner
felfe vielleicht lässt das Leben ihm
keine andere Chance vielleicht gibt es
für uns alle keine Alternative Kurt
Hager keine Alternative wozu Werner fele
keine Alternative dazu den Forderungen
unserer Bürger nachzugeben Erich Milke
das ist feiger
defetismus die angekündigte
Demonstration hat noch gar nicht
stattgefunden und wir sollen schon
aufgeben Werner fele das hat nichts mit
aufgeben zu tun wenn wir diesen Staat
und die Idee des Sozialismus retten
wollen müssen wir mit der Zeit gehen
dazu gehört auch dass wir den Menschen
die Freiheiten geben die sie so
lautstark fordern Hermann Achsen in
Ungarn kann man besichtigen wohin das
führt in die Republikflucht Werner felfe
vielleicht würden die Menschen
freiwillig bleiben wenn man sie nicht
einsperrt Heinz Kessler eine
unglaubliche Unterstellung wir sperren
niemanden ein wir schützen nur unsere
Grenzen Erich honeka über dieses Thema
sprechen wir gleich noch Werner fele
wie dem auch sei ich glaube ich werde
mir das einmal ansehen Erich Mielke was
Werner felfe die Demonstration am Montag
in Leipzig Joachim Herrmann wie du
willst dahin willst du etwa
mitmarschieren Werner fele warum nicht
Willi stof und was soll das Werner fele
ich werde mir persönlich ein Bild der
Lage vor Ort machen wenn mir die
Forderungen der Demonstranten vernünftig
erscheinen werde ich Sie unterstützen
wir müssen wieder viel näher am Volk
sein um das Vertrauen der Menschen
zurückzugewinnen Hermann Achsen das ist
Verrat Werner fele das ist gelebte
Politik wir müssen endlich den Tatsachen
ins Auge sehen die wirtschaftliche Lage
in diesem Staat ist desolat Harry Tisch
du verwechselst Ursache und Wirkung mein
lieber Genosse
wenn sich die ökonomische Basis
kapitalistisch gestaltet kann sich der
sozialistische Überbau nicht halten
Werner fele die ökonomische Realität
sagt uns dass wir ohne die Kredite aus
dem Westen längst im Staatsbankrott
wären und die Produktivität der BRD mehr
als dreimal so hoch ist wie in unserem
Staat Erich honneker nun mach mal
halblang Genosse man könnte ja fast
meinen dass wir hier einen westagenten
un unter uns haben Genosse Milke ich
gehe davon aus dass du diesen Fall mit
der Staatssicherheit im Auge behalten
und bei Bedarf unverzüglich handeln
wirst Erich Milke mit aller
Konsequenz darauf kann sich jeder hier
verlassen
Erich honniker darum will ich auch
gebeten haben kommen wir zum nächsten
Punkt der Tagesordnung den bedauerlichen
Vorfällen in Ungarn Günther Mittag und
in Polen und der Tschechoslowakei ebenso
das macht mir nun wirklich Sorgen Erich
honneker ja diese beiden Länder dürfen
wir auch nicht vergessen aber die
Entwicklung in Ungarn ist besonders
bedenklich es ist noch keine zwei Wochen
her dass die ungarische Regierung ganz
einfach ohne Absprache mit uns für drei
Stunden die Grenze nach Österreich
geöffnet hatte Herrmann Achsen skandalös
ich habe davon gehört der Schießbefehl
wurde einfach missachtet
800 Bürger der Deutschen Demokratischen
Republik konnten Republikflucht begehen
Erich
honeka so etwas wird nicht wieder
vorkommen ich habe offiziell massiven
Protest dagegen
eingelegt die Botschaften der BRD in
Ungarn Polen und der Tschechoslowakei
sind bereits
geschlossen ebenso wie deren ständige
Vertretung hier in Ostberlin
Egor und Krenz ganz schön viele
Baustellen die wir da haben hoffentlich
behalten wir die alle im Blick Erich
honncker das lass mal meine Sorge sein
die Zeit arbeitet für uns Erich
Mielke das sagst du so nicht dass morgen
wieder der 17 Juni
ausbricht Erich honneker dann haben wir
immer noch dich und deine große Stunde
würde schlagen doch sow weit wird es
nicht kommen Günther Mittag woher nimmst
du diesen
Optimismus Erich honneker am 7 oktober
feiern wir den 40 Gründungstag der
Deutschen Demokratischen Republik
Gratulanten und Staatsgäste ersten
Ranges aus der ganzen Welt werden kommen
dann wird jeder die Überlegenheit und
den Glanz unseres sozialistischen
Systems erkennen die Anwürfe der
asozialen und zersetzenden Elemente auf
den dem tion werden spätestens zu diesem
Zeitpunkt wie ein Kartenhaus in sich
zusammenfallen
Egon Krenz und wenn es doch nicht so
kommt Erich
honneker neben dem genossen Milke
verfügen wir in unseren Reihen über
weitere hochkompetente Experten auf dem
Gebiet der Staatssicherheit die wir zur
Rate ziehen können auch innerhalb dieses
Gremiums wir dürfen nicht vergessen dass
wir jederzeit auf die Eliten des
Sozialismus zurückgreifen
das sind äußerst intelligente und
tatkräftige genossen
Egon Krenz die würde ich gerne einmal
kennenlernen Erich honeker du kennst den
einen oder anderen schon vermutlich hast
du nur nicht gemerkt mit wem du es zu
tun hast aber du hast noch viel Zeit um
dazu zulernen Günther Mittag und diese
genossen könnten uns wirklich helfen er
hon aber ganz gewiss nur glaube ich
nicht dass das überhaupt nötig sein wird
in sechs Wochen um diese Zeit wird sich
die Lage ganz von selbst entspannt
haben so jetzt ist es 12 Uhr ich
schließe die Sitzung wir machen Mittag
Günther 1 September
1989 meteorologischer
Herbstbeginn oder der Anfang der
goldenen Jahreszeit wie der Volksmund
sie nannt
Berthold grün war an diesem Morgen nicht
gerade euphorisch gestimmt als er in
seiner mansadenkammer in Leipzig
erwachte dabei hatte er vor 48 Stunden
noch deutlich positiver in die Zukunft
geblickt und tatsächlich auf so etwas
wie ein goldenes zeithalter gehofft
endlich tat sich etwas in diesem Land
immer mehr Menschen begehrten auf mehr
Freiheit schien möglich und er war ein
Teil der großen Bewegung doch jetzt
wirkte seine Freude wie ausradiert all
seine Knochen schmerzten das lag weniger
an seinem kräftezehrenden Marsch durch
das Gelände zwei Tage zuvor viel mehr
war es eine psychische Folge der
Ereignisse der an Zeuge er geworden war
die Erinnerung daran ließ ihn nicht los
er brauchte nur den Kopf zu der leeren
Matratze am Boden neben seiner eigenen
schlafschlätte zu
drehen nie wieder würde Gernot dort
liegen das Bild des ermordeten Freundes
den er vorgestern tot hinter diesem
Ferienhaus in hohen Walde zurücklassen
musste hatte sich in seine Netzhaut
eingebrannt er war so geschockt und
mitgenommen dass er es gestern nicht
einmal geschafft hatte
aufzustehen es war Gernots Idee gewesen
den Pastor zu
beobachten doch damit konnte sich
Berthold selbst nicht beruhigen er hatte
dem Freund nicht widersprochen und war
einfach
mitgegangen eigentlich hatte er sich
sogar über dessen Vorschlag gefreut das
alles war ihm wie ein großes Abenteuer
vorgekommen doch er hätte wissen müssen
dass sie sich in Lebensgefahr begaben er
hätte gern besser gewarnt jetzt war es
zu spät Berthold fühlte sich schuldig
nicht nur weil er mitgegangen war viel
mehr noch weil er untätig im gebüch
verhart und nichts unternommen hatte um
dem Freund zu helfen doch es war alles
so schnell gegangen noch eine Sekunde
zuvor hätte es Berthold nicht für
möglich gehalten dass der Pastor gern
tatsächlich mit dem Stein totschlagen
würde die Frau auch nicht das hatte er
deutlich in ihrem Gesicht gesehen aber
der Pastor hatte es getan und er
Berthold hatte regungslos
zugesehen nie wieder würde ihm so etwas
passieren ab jetzt würde er nicht mehr
zögern zu handeln mit mit einem Ruck
stand er von seiner Matratze auf
wuschlich notdürftig und zog sich an
Gernot Tod durfte nicht ungesühnt
bleiben sein erster Weg führte ihn an
diesem Freitagmorgen zu Gisela sie
organisierte den Protest in
Leipzig als er den ansonsten leeren
Altbau am Stadtrand betrat der ihn als
Einsatzzentrale diente saß sie mit
einigen Freunden an einem großen Tisch
Bertold was ist denn mit dir los du
siehst ja entsetzlich aus gesela sprang
auf und eilte auf ihn zu komm erzähl mal
ein paar Minuten habe ich auch wenn wir
gerade die Demonstration für den Montag
vorbereiten als sie ihnen den Arm nahm
und ins Nebenzimmer führte traten ihm
Tränen in die braunen Augen das war ihm
lange nicht mehr passiert er wandte den
Kopf ab Gernot ist tot flüsterte er
geseler Pack ihn an den Schultern drehte
ihn zu sich und sah ihn ungläubig an was
sagst du da Berthold nickte dieser
Pastor war's setzte er an doch dann
versagte ihm die Stimme der Pastor den
er beobachten wollte hackte geseler nach
und strich sich eine Strähne ihres
rotblonden Haares aus dem Gesicht der
hat ihn umgebracht rüer hatte Berthold
diese Geste der resoluten jungen Frau
immer fasziniert jetzt er sie nicht
einmal w er hielt den Kopf gesenkt und
nickte weiter stumm doch damit gab sich
seine Gesprächspartnerin nicht
zufrieden du musst mir alles genau
erzählen drängte sie ihn zunächst
stockend dann aber immer flüssiger
berichtete er was geschehen war ich bin
schuld ich habe einfach tatenlos
zugesehen brach er schließlich aus ihm
heraus Unsinn antwortete Gisela wenn du
schuld wärst bin es mindestens genauso
eher noch mehr denn ich habe Gernot auch
nicht von seinem Plan abbringen können
den Pastor zu
beobachten du warum wolltest du ihm das
denn Ausreden der Typ ist so ein
entsetzlicher schönsprecher und redet
jedem nach dem Mund im Gespräch mit uns
und anderen Mitgliedern der Bewegung
gibt er sich ganz verständnisvoll und
danach rennt er zu Stasi und erzählt den
brüwarm alles was er gehört hat gesela
schüttelte den Kopf ich hätte wissen
müssen wie gefährlich der Kerl ist warum
sagst du das wieso hättest Du das wissen
müssen ich habe schon einmal mit ihm
gesprochen und einige von uns haben ihn
öfter beobachtet räumte geseler ein
deshalb hätte ich gernord deutlicher vor
dem Pastor warnen müssen Berthold
schüttelte ihre Hände von seinen
Schultern ab und ballte die
Fäuste so ein mieser Typ doch mit kommt
er nicht davon ich werde ihn anzeigen
jetzt gleich als er sich abwenden und
gehen wollte hielt in Gisela zurück
warte wenn du das machst erreichst du
gar nichts die Stasi hält ihre Hand über
den Typen er wäre dann nur gewarnt und
du landest womöglich selbst im Bau in
diesem Stadt gibt es wohl gar nichts was
funktioniert aber wir können den Mord
doch nicht ungesühnt lassen was sollen
wir denn machen hab nur etwas Geduld
unsere kommt noch verlass dich darauf
ich werde mich darum kümmern vertrau mir
bitte Berthold war alles andere als
zufrieden nachdem er die Einsatzzentrale
am Stadtrand verlassen hatte so hatte er
sich das nicht vorgestellt unschlüssig
näelte er an seinem Moped einer
hellblauen simsonschwalbe dass er an der
nächsten Straßenecke abgestellt hatte
mit unruhigen Fingern tastete er in
seiner Hosentasche fischte eine
Zigarette Packung hervor und zündete
sich eine Duett an er hatte gerade zu
Ende geraucht und den Stummel in den
rinzstein geschnippt als geseler
entschlossenen Schrittes aus dem Haus
kam sie sah ihn nicht und ging zügig in
die entgegengesetzte Richtung davon
einer unbestimmten Eingebung folgend
ließ er sein Moped stehen und schlug zu
Fuß in unauffälligem Abstand den
gleichen Weg
ein es wurde ein langer Marsch wo wohl
hin wollte erkannte gesela schon
ziemlich lange die beiden waren etwa im
gleichen Alter doch sie würde ewig ein
Rätsel für ihn bleiben manchmal kam sie
ihm unerreichbar weit we vor läst hatte
sie in der Protestbewegung eine führende
Rolle übernommen und Berthold bewunderte
sie dafür aber er hatte keine Ahnung
welche Ziele sie eigentlich
verfolgte auf jeden Fall bewegte sie
sich jetzt Richtung Innenstadt
bald waren sie am Dittrichring angelangt
in einem Hauseingang stand ein
schmächtiger Typ mittleren Alters und
rauchte sein Gesicht konnte Berthold
nicht erkennen denn er trug trotz des
milden Wetters eine Schiebermütze die er
tief in die Stirn gezogen hatte Gisela
ging zu ihm und ließ sich Feuer geben im
Schatten der Hauswand trat Berthold
lautlos näher ohne selbst gesehen werden
zu können er verstand jetzt jedes Wort
dass die beiden
Sprachen der Protest ist nicht mehr
aufzuhalten erkannte er geselas relativ
dunkle Stimme am Montag geht's los habe
ich schon gehört am 4 September mitten
in Leipzig erwiederte der Mann das wird
der Partei nicht gefallen ich kann es
nicht ändern willst du doch auch gar
nicht aber es könnte Blut fließen viel
Blut damit ist niemanden geholfen uns
Leuten nicht und euch ebenfalls gab
giseler zu bedenken wie steht ihr dann
in der Öffentlichkeit da die Welt schaut
auf
euch wer sind eure Leute und wer sollen
wir sein kann man das wirklich immer so
einfach
auseinanderhalten klar wir sind die
Reformbewegung und ihr seid die
Stasi so einfach ist das nicht wer bist
du z. beispi geseler du sprichst nicht
nur mit uns du arbeitest sogar mit mir
zusammen diskret und
heimlich aber nur weil ich meine Ziele
erreichen und Gewalt verhindern will das
will ich doch auch aber ich würde nicht
meine Hand dafür ins Feuer legen dass
deine Leute dir deine
Kooperationsbereitschaft verzeihen
würden wenn sie davon
wüssten man könnte das auch als
doppeltes Spiel
bezeichnen was willst du eigentlich
fauchte
geseler das gleiche wie du Gewalt
verhindern dann sagt ein sie sollen ihre
Schlagstöcke stecken
lassen so einfach ist das nicht ich muss
erst meine Vorgesetzten
überzeugen du hast selbst alle Argumente
genannt und kennst die Sachlage Gewalt
hilft niemandem
weiter das reicht aber nicht erwiderte
der Mann wenn die Stasi diese
Demonstration am Montag stillschweigend
hinnehmen soll müssen wir ihr etwas
geben du musst dir etwas geben und was
soll das sein dich ihr habt mich doch
längst in der Hand du hast es gerade
gesagt wenn ihr den Leuten in der
Bewegung einen Wink gebt dass ich mit
euch zusammenarbeite bin ich
geliefert das nützt uns aber nichts Du
musst etwas für uns tun das mache ich
die ganze Zeit ich schütze euch ich
decke euch ich halte euch aus allem
heraus du lachte der Mann spötisch wie
das vor zwei Tagen erst hat einer eurer
inoffiziellen Mitarbeiter ein Mitglied
meiner Bewegung erschlagen der Freund
des ermordeten wollte die Sache an die
große Glocke hängen und den Fall
öffentlich zur Anklage bringen ich
konnte ihn gerade noch davon abhalten
davon wusste ich gar nichts die Stimme
des Mannes Klang jetzt deutlich
nachdenklicher erzähl Gisela berichtete
alles was sie von Berthold erfahren
hatte das könnte tatsächlich ein
entscheidender Punkt sein der uns
weiterbringt meinte der Mann als gesela
ihre Schilderung der Ereignisse
abgeschlossen hatte du musst den Typen
weiter im Auge behalten und uns
regelmäßig von ihm berichten doch du
kannst noch mehr für uns tun dann gibt
es gute Chancen auf eine friedliche
Demonstration am Montag komm mit der
Mann trat blitzschnell aus dem
Hauseingang und gesela folgte ihm
glücklicherweise gingen die beiden in
die andere Richtung davon und entdeckten
Berthold nicht der gerade mit weichen
Knien mit dem Rücken an der Mauer
entlang in die Hocke sackte er konnte
nicht fassen was er da gehört hatte
Gisela war eine Verräterin eine
Informantin der Stasi sie hatte sogar
ihn verraten er hatte es so eben selbst
gehört nicht nur ihn auch den Armen
Gernot sein Tod sollte nie gerecht
werden er war ihr schlichtweg egal alles
begründete sie mit der Durchsetzung
ihres Protest
Marsches das war einfach nur
zynisch schnell hatte sich Berthold
gefangen stand wieder auf und letzte
seine Beschattung in sicherem Abstand
fort sie ging weiter den ditittrichring
entlang bis geseler und der
Stasimitarbeiter in einer Eckkneipe
verschwanden ganz in der Nähe lag die
Zentrale der Leipziger Stasi aus der
Entfernung beobachtete Berthold wie
gesela und ihre Kontaktperson an einem
einzelnen Tisch in der ansonsten diese
Zeit leere Kneipe mit einem Mann
verhandelten dessen Gesicht er durch die
bunten Glasscheiben nicht erkennen
konnte worüber sie sprachen konnte er
noch viel weniger hören aber er hatte
eine bittere Ahnung sein flaues Gefühl
im Magen verstärkte sich als sich die
Tür der Kneipe wieder öffnete und gesela
ihr Führungsoffizier und die dritte
Person hinaus auf den Gehsteig traten
und sich
verabschiedeten jetzt konnte Berthold
das Gesicht des fremden Mannes
identifizieren er hatte es schon öfter
gesehen im Lokalteil der Zeitung aber
auch bei anderen öffentlichen Anlässen
generleutnant Manfred hummitsch war
Leiter der Bezirksverwaltung der Stasi
vor Ort gerade schüttelte er Gisela die
Hand hinter einem Kleinbus am
Straßenrand trat Berthold näher ohne
gesehen zu werden von hier aus hörte er
wieder
alles wir sind uns einig bekräft te
humisch in väterlichem Tonfall sie
bekommen ihre Demonstration am Montag in
der Innenstadt und wir halten uns zurück
sie dürfen Freiheit fordern aber sie
Verhalten dich dabei friedlich und ich
will auch Stimmen hören die für ein
Leben in unserem sozialistischen
Vaterland
plädieren sollen sie haben stimmte
gesela zu am 4 september um 17 Uhr
geht's los ein guter Zeitpunkt dann sind
die Geschäfte noch offen wir haben viel
Betrieb und sie schaffen es in die
Abendnachrichten des
westfernsehens ich sehe sie sind ein
Profi außerdem stört uns kein SED
Mitglied die halten um diese Uhrzeit
montags immer ihre Parteiversammlungen
ab wir verstehen uns humitch lächelte
aber das wichtigste dürfen Sie nicht
vergessen ich weiß seufzte Gisel keine
Anklagen gegen die Staatssicherheit
auch und gerade nicht wegen Mordes
betonte der
Generalleutnant jeder der diese
Absprache gefährdet muss uns
unverzüglich gemeldet werden ihn sollte
klar sein dass wir mit unerbittlicher
Konsequenz reagieren wer keinen
gemäßigten und einvernehmlichen Kurs
hält hat in diesem Staat kein
Lebensrecht mehr aber wandte Gisela ein
kein aber schnitt ihr humit das Wort ab
Menschen die sich so kooperativ wie sie
ver
dürfen man unserer sozialistischen
Zukunft teilhaben doch auch in ihrer
Bewegung gibt es kriminelle Elemente die
extrem rechts außen stehen die müssen
wir gnadenlos und nachhaltig
aussortieren wenn das der Preis für eine
friedliche und erfolgreiche
Protestbewegung ist setzte gesela an ist
es beendete der General leutnern kurz
angebunden das Gespräch und reichte ihr
wortlos einen Stift sowie ein kleinen
zblock kopfschüttelnd notierte gesela
einige Namen und gab den Block mit
verkniffenen Lippen
zurück 4 september
1989 die erste Montagsdemonstration in
Leipzig wurde ein voller Erfolg so
nahmen es zumindest die westlichen
Medien warah und so erlebte es auch der
weitausgrößte Teil der
Demonstranten sogar unmittelbar am
berüchtigten runden Eck der Leipziger
stasizentrale zog der Protestmarsch
ungehindert und friedlich
vorbei transparente mit den Aufschriften
Mauer weg und wir wollen raus waren
genauso zu lesen wie wir bleiben hier
einige transparente wurden von den
Behörden eingezogen andere nicht
begonnen hatte an diesem Spätnachmittag
alles mit einem Friedensgebet in der
Nikolaikirche im Anschluss sammelten
sich auf dem Kirchenvorplatz rund 1000
Menschen da gerade die Leipziger Messe
stattfand waren viele westliche
Journalisten vor Ort besonders freuten
sich die Initiatoren der Demonstration
um geseler Teil dass sogar einige
unzufriedene sedmglieder die
Parteiversammlung schwenzten und sich
lieber dem Protestzug
anschlossen auch Berthold grün
marschierte mit doch ziemlich weit
hinten von der Führungsgruppe hielt er
sich lieber fern was er drei Tage zuvor
am Freitagabend von giselers
Machenschaften mitbekommen hatte reichte
ihm vorerst damit wollte er nichts zu
tun haben doch vielleicht war es schon
zu spät um sich wirksam abzugrenzen
Bertold war zu tiefst geschockt gewesen
als er gesehen hatte wie Gisela die
Namen für humitch notiert hatte das
könnte eine richtige Todesliste gewesen
sein Namen von extremen Demonstranten
die besonders staatsfeindlich gesonnen
waren vielleicht stand sein Name auch
auf der Liste das konnte er nicht wissen
immerhin war die Stasi bereits
informiert dass er den Pastor anzeigen
wollte sollte man nach ihm suchen wäre
er in der Gruppe der marschierenden mit
seinen kurzgeschnittenen roten Haaren
und seinem gestutzten Vollbart in
gleicher Farbe relativ leicht
auszumachen gewesen seine stämmige
Gestalt von mittlerer Größe konnte man
schnell
identifizieren kurzfristig fühlte er
sich einigermaßen sicher im hinteren
Teil des Protestzuges erkannte er weder
vertraute Gesichter noch schien er vom
Rand her beobachtet zu werden nachdem
die Demonstranten auf den gördelerring
eingebogen waren tippte ihm jemand von
hinten auf die Schulter verzeihen sie
sprach ihn ein älterer Herr an wissen
Sie vielleicht ob dieser
Demonstrationszug noch lange weiter
marschiert Berthold zuckte zusammen und
blickte in wäsrige blaue Augen hinter
dicken
Glasbausteinen doch sogleich entspannte
er sich wieder er erkannte den Mann
hatte sein Gesicht sogar schon öfter im
Fernsehen gesehen von ihm konnte
eigentlich keine Gefahr ausgehen Werner
felf war im politbü der DDR in Berlin
für Landwirtschaft zuständig ein so
prominenten Vertreter des regims würde
die Regierung kaum als gedungenen
mördericken
dennoch war Berthold erstaunt ihn hier
zu sehen ich denke dass sich der Marsch
bald auflösen wird sein Zweck dürfte für
heute erreicht sein antwortete
er schade ich hätte gerne mit den
Initiatoren des Protestes gesprochen das
könnte den noch möglich sein erläuterte
Berthold Frau orthil marschiert vorne in
der ersten Reihe mit ihren rotblonden
Haaren ist sie gar nicht zu
verfehlen vielen Dank junger Mann dann
will ich mal mein Glück versuchen
dürfte ich sie nur kurz noch fragen was
sie hierher führt Herr felfe sie haben
mich erkannt der angesprochene lächelte
dünn und lüftete den Strohhut mit der
schmalen kremppe ich hoffe das stört sie
nicht eigentlich nicht nur bin ich heute
inoffiziell in Leipzig ganz einfach als
bewegter Mensch und nicht als Mitglied
des
Politbüros hört sich interessant an ich
habe viel Verständnis und Sympathie für
die Anliegen der Menschen hier erklärte
Werner
felfe so etwas hört man aus ihrem
Gremium eher selten gewiss ist das für
viele Demonstranten eine große
Ermutigung wenn ich Ihre Gruppe
unterstütze dann geschieht das aus
tiefer Überzeugung ich denke dass Sie
auf dem richtigen Weg sind deshalb bitte
ich um Nachsicht dass ich mich jetzt
sputen muss ich will Frau orteil noch
erreichen Berthold sah dem davon
eilenden felfe nach und rief ihm einen
Gruß hinter
viel Glück auf dass sie in gute Hände
geraten Frau Ortheil rief der ältere
Herr laut als er die Spitze des Zuges
fast erreicht hatte Berthold beobachtete
wie geseler nur einen kurzen Blick über
die Schulter warf und den Kopf gleich
wieder nach vorne drehte mit einem fast
unmerklichen nicken gab es die zwei
kräftig gebauten Männern in dünnen
Trenchcoats am Rande des Zugs einen Wink
die beiden Gestalten traten in
geschmeidiger Bewegung hinter Werner
fele griffen ihm unter die Arme und
drängten ihn blitzschnell in eine
Seitengasse Berthold spurtete hinterher
und lugte vorsichtig um die Ecke doch es
war schon zu spät felfe lag in seinem
eigenen Blut auf dem Kopfsteinpflaster
in Bauch und Hals klafften offene Wunden
jeder der beiden Männer die ihn
abgeführt hatten hielt ein russisches
polizeimesser der Marke Dornhai in den
Händen Werner Felfer hatte bereits
aufgehört zu atmen
entsetzt wandte sich Berthold um und
wollte flüchten doch der Rückweg war ihm
versperrt aus dem mittleren Bereich des
Protestzuges kamen drei Männer gelaufen
die offensichtlich nicht zur Gruppe um
Gieseler orteil gehörten sie hatten
anscheinend beobachtet dass hier zwei
stasischergen handgreiflich geworden
waren und ein älteren Herren aus dem
Demonstrationszug abgeführt hatten jetzt
wollten sie wohl nachsehen was mit dem
Mann geschehen war Berthold blieb nur
die Flucht nach vorn er streckte die
Hände in die Hosentaschen und
schlenderte wie ein unbeteiligter
Passant auf die beiden Männer zu die am
Boden vor der Leiche knieten Berthold
blieb stehen und zündete sich gemütlich
eine Duett an die beiden
Stasimitarbeiter bemühten sich
verzweifelt sich so vor ihrem Opfer zu
postieren dass Berthold die offenen
Wunden nicht sehen konnte na Jungs ist
eurem Freund schlecht geworden sprach er
sie unbefangen an weitergehen sofort
herrschte ihn einer der beiden Männer an
und hielt ihm seine Stasi Dienstmarke
unter die Nase der andere zückte eine
kleine Kamera und fotografierte das
Gesicht des vermeintlich zufällig
vorbeigekommenen Spaziergängers murrend
Schritt Berthold zügig aus und
verschwand um die nächste Hausecke dort
blieb er stehen und beobachtete
vorsichtig was hinter ihm geschah
inzwischen waren die drei Demonstranten
in der Seitengasse angekommen und abrupt
vor der Leiche auf dem Kopfsteinpflaster
stehen geblieben ihr Schweine habt ihn
umgebracht brüllte einer damit kommt ihr
nicht durch diesmal nicht fiel der
zweite ein Presse Fernsehen Kameras
hierher rief der dritte doch sein Ruf
ging in ein Gurgeln über als ein
scharfes Messer tief durch seine Kehle
vor der zweite Demonstrant gab nicht
einmal mehr ein Laut von sich nachdem
eine andere Klinge mitten in sein Herz
gestoßen worden war auch der letzte noch
stehende Mann hatte keine Chance und
wurde von den beiden stasienmitarbeitern
mit mehreren Messerstichen regelrecht
abgeschlachtet jetzt lagen vier Leichen
in ihrem Blut in der Seitengasse
Berthold wandte sich mit Grausen ab und
sprintete im Laufschritt davon die Morde
waren weitgehend lautlos abgelaufen
Christian Eckel las aus dem Roman Morgen
war ein schöner Tag der im März 2024 im
IVR Verlag erschienen ist
[Musik]
